Gut, wir können verstehen, dass die Leute von Bild.de zögern, Inhalte von “Bild” einfach zu übernehmen. Und doch: Manchmal wäre es die bessere Entscheidung.
Denn der Mann, in dessen Londoner Penthouse bei einer wilden Party in dieser Woche ein Mann zu Tode stürzte, heißt zwar Gottfried von Bismarck. Es handelt sich aber nicht um den gleichnamigen Ehrensenator der Technischen Universität Hamburg-Harburg, den Bild.de dazu abbildet (Ausriss links). Sondern um den über zwanzig Jahre jüngeren Playboy, der in der gedruckten “Bild” zu sehen ist (Ausriss rechts).
Danke an Axel L., Frank S., Friedrich G. und Arne für die Hinweise!
Nachtrag, 27. August. Bild.de zeigt nun sicherheitshalber gar keinen Gottfried von Bismarck mehr.
Nachtrag, 29. August. Auf Bild.de findet sich heute eine “Richtigstellung”.
Familienzuwachs für unser Sonnensystem: Die Erde kriegt drei neue Geschwister. Sie heißen Ceres, Charon und Xena. (…) Durch die steigende Zahl von Entdeckungen kleinerer Himmelskörper im äußeren Sonnensystem musste die Definition Planet überarbeitet werden. Ein Planet ist demnach ein Himmelskörper, der (…) (Hervorhebungen von uns.)
Das war etwas voreilig. Denn die Internationale Astronomische Union (IAU) hatte am 16. August lediglich bekannt gegeben, dass auf der IAU-Hauptversammlung über einen Vorschlag abgestimmt wird, der neu definieren würde, was ein Planet ist. “Bild” verschwieg das. (Wie man journalistisch korrekt mit einem solchen Vorschlag umgeht, kann man beispielsweise hier, hier oder hier nachlesen.)
Gestern wurde abgestimmt. Das Ergebnis: Die Erde bekommt keine “drei neuen Geschwister”, verliert dafür aber einen Bruder. Nämlich Pluto. Tja.
Immerhin schafft diese Nachricht (die sehrvielenanderenMedienübrigenseinegrößereGeschichtewertist) es heute auf die “Bild”-Titelseite. Als 12-Zeilen-Meldung (siehe Ausriss). Für eine Erwähnung der ziemlich großen Falschmeldung von letzter Woche ist da natürlich kein Platz.
Mit Dank an Lexirien C., Alex P., Patrick S., Matthias B., Sven P. und Robert F. für die sachdienlichen Hinweise.
Bild.de zeigt heute ein paar Anfang August schon andernorts veröffentlichte Erlkönig-Fotos des Ssangyong Chairman und warb dafür auch den Tag über auf der Startseite.
Und um den fernöstlichen Automobilhersteller nicht beständig beim Namen zu nennen, hat sich Bild.de offenbar für ein Synonym entschieden (s.o.). Das steht dann in Sätzen wie “Die Chinesen kopieren die Mercedes E-Klasse!”, “Erwischt! So klauen die Chinesen bei Mercedes” oder “Die Chinesen waren schon immer gut im abkupfern”.
Zu dumm nur, dass “die Chinesen“, die bereits seit 1991 mit Mercedes ko-o-pe-rie-ren, von anderen Medien — zum Beispiel der “Auto-Bild” — “die Koreaner” genannt werden, weil doch Ssangyong ein seit 1954 in Süd-Korea beheimatetes Unternehmen mit chinesischer Beteiligung ist.
Mit Dank an die vielen Hinweisgeber.
Nachtrag, 25.8.2006: Erst jetzt wird uns klar, dass die Geschichte vom “Chinesen-Mercedes” eigentlich die Bild.de-Übernahme einer entsprechenden Meldung aus der gedruckten “Bild” vom Mittwoch war — und wie irreführend die Behauptung “BILD erwischte den Erlkönig (…)”: Handelte es sich doch, wie auch der “Bild”-Fotonachweis “Fotos: AUTOMEDIA” belegt, nur um den verspäteten Abdruck andernorts längst veröffentlichter Aufnahmen.
Ach ja, die “Tagesschau”. Seit 1952 gibt es die Sendung. Vieles hat sich seitdem verändert: Der Kalte Krieg ging zuende, Deutschland ist nicht mehr geteilt, und das Fernsehen gibt’s inzwischen in Farbe. Aber die Anfangszeit der Abendausgabe der “Tagesschau”, die blieb immer gleich. Heute Abend spricht Eva Herman zum “vorerst letzten Mal” die “Tagesschau”, und “Bild” macht die älteste Nachrichtensendung des deutschen Fernsehens deshalb auf der Titelseite zum TV-Tipp:
Zum Glück weiß ja jedes Kind, wann die “Tagesschau” anfängt.
Mit Dank an Marpfaff für den sachdienlichen Hinweis.
Nachtrag, 25.8.: “Bild” stellt heute in der Korrekturspalte klar, dass die “Tagesschau” um 20 Uhr anfängt.
Mit Roger nach rechts (taz.de)
Zwischen Gewissensprüfungen und Verkaufsgerüchten: Die Rückkehr von “Welt”-Chefredakteur Roger Köppel zur Zürcher “Weltwoche” sorgt für kräftig Wirbel in der Schweizer Medienszene.
Verwesungsgeruch (faz.net)
“Popelnde Superstars” will Mike Hammer den Lesern zeigen. Doch sein Magazin “Shock” hat noch viel weniger Appetitliches auf Lager. Das amerikanische Klatschblatt für harte Männer kennt – fast – keine Tabus.
Vorbild Kohl (zeit.de)
Merkel nach der Sommerpause: Wie geht’s weiter? Keiner weiß es. Adrian Pohr kommentiert das aktuelle Meinungsbild.
Wie die Stasi Grass beschattete (welt.de)
“Aufgefallen wegen Provokation”: Was Mielkes Spitzel über den Autor sammelten, gereicht ihm heute zur Ehre. WELT.de konnte die Unterlagen einsehen, die der DDR-Geheimdienst jahrelang über den Schriftsteller anlegte. Daraus geht hervor, dass die Stasi den Freundeskreis von Grass in der DDR ausspionieren wollte.
Ich?! Ein Schandfleck? (jungle-world.com)
Flucht ins Netz: Im Iran existiert eine lebhafte Blogger-Community. Frei und sicher dürfen sich die Tagebuchschreiber aber auch im Internet nicht fühlen.
Glück (de-bug.de)
In ihrem Magazin “Glück” inszenieren die beiden Kölnerinnen Nicole Rüdiger und Elke Kuhlen nackte Männer für Heterofrauen.
Soso, aha: Da hat also Maurizio M. bei der tollen “BILD-Leser-Reporter”-Aktion mitgemacht und per MMS, E-Mail oder Upload sein tolles “Leser-Reporter”-Foto an “Bild” geschickt, richtig?
Na, es muss ja so sein. Schließlich wird das doch alles “überprüft und journalistisch nachrecherchiert”. Steht doch so auch bei Bild.de — beziehungsweise stand. Denn zur Zeit ist der Hinweis auf die angebliche journalistische Nachrecherche dort, wo er kürzlich noch stand, nichtmehr zu finden. Jetzt steht da bloß:
“Wichtig! Teilnehmen können nur Fotos, dessen Urheber Sie auch sind, das bedeutet, Sie selbst haben das Foto gemacht.”
Was wiederum nicht stimmt. Denn “das Foto von Maurizio M.”, dem “Leser-Reporter”, hat teilgenommen, obwohl Maurizio M. wohl eher nicht der Urheber ist. Zumindest findet sich dasselbe Foto ursprünglich (wie viele andere ähnliche Fotos) auf der Homepage des Straßenmalers Julian Beever sowie auf irgendwelchenWebsites und nun eben auch bei Bild.de — als eines der “25 Top-Fotos der Leser-Reporter”.
Mit Dank an Daniel R. für den Hinweis.
Nachtrag, 24.8.2006: Bild.de hat das Foto (das übrigens nicht einmal “auf einem Pariser Bürgersteig” aufgenommen wurde, sondern am selben Ort wie dieses Foto) aus der Bilder-Galerie entfernt.
Die Xenophobie (griechisch ξενοφοβία — Fremdenangst, Fremdenfeindlichkeit, Kompositum aus ξένος, xénos — der “Fremd”, der “Gast” und φόβος, phóbos – “Furcht”) bezeichnet die Scheu oder Furcht vor dem Fremden. Xenophobie ist eine ablehnende Einstellung und Verhaltensweise gegenüber anderen Menschen und Gruppen, die vermeintlich oder real fremd sind (z. B. durch fremde Herkunft, Kultur, Sprache). Sie kann sich durch Furcht, Meidung, Geringschätzung, Spott oder Feindseligkeit ausdrücken, die bis zur Gewalt reicht. Teilweise wird der “Fremde” als Quelle unvorhersehbarer Gefahren gescheut.
Franz Josef Wagner schreibt heute in “Bild” bezüglich der versuchten Bombenanschläge in Deutschland u.a.:
*) Im Brockhaus heißt es zu Xenophobie auch:
“(…) Ursachen von Fremdenfeindlichkeit sieht die Individual- und Sozialpsychologie in Ichschwäche, repressiven Sozialisationsmodellen und mangelnder Gruppenidentität beziehungsweise fehlenden sozialen Stabilisierungen.
Die Soziologie nennt als Bedingungen, die Fremdenfeindlichkeit auslösen (die sich zur Gewalttätigkeit gegen die Fremden beziehungsweise das Fremde steigern kann), mangelnde familiäre Bindungen, berufliche Chancenlosigkeit, die Auflösung von traditionellen Milieus im Zuge beschleunigten sozialen Wandels und die Pluralisierung beziehungsweise den Verlust von gesellschaftlichen Normen und Werten.
Die Politikwissenschaft interpretiert Fremdenfeindlichkeit als Mangel an politischer Bildung, die die Unabdingbarkeit von Toleranz und universellen Menschenrechten gegenüber dem oder den Fremden in einer offenen, zunehmend mobilen pluralistischen Gesellschaft nicht genügend vermittelt. (…)”
Distanzreiten, der “Marathon des Pferdesports”, ist hierzulande eine bislang wenig bekannte Sportart. “Bild” berichtet dennoch über den 160-Kilometer-Ritt, mit dem gestern die Reit-WM in Aachen begann (siehe Ausriss), und schreibt u.a.:
“Der Sieger wurde disqualifiziert! (…) Titelverteidiger Scheich Ahmed bin Mohammed Al Maktoum (VA Emirate) kam als Erster ins Ziel – und wurde disqualifiziert! Wallach Jazyk fiel durch den abschließenden Medizin-Check. Das Pferd soll gelahmt haben. Die Anstrengung war zu groß…
Gold geht jetzt an den Spanier Miguel Vila Ubach. Falls sein Pferd Hungaris den heutigen Check der Tierärzte besteht.”
Was für ein Unsinn: Der Scheich kam nicht als Erster ins Ziel, er wurde nicht disqualifiziert, sein Pferd fiel nicht durch den abschließenden Medizin-Check, und gelahmt hat es auch nicht. Vielmehr schied er bereits während des Wettkampfs aus, weil die Tierärzte seinem Pferd Stoffwechselprobleme attestierten, weshalb Gold auch nicht “jetzt” und “falls”, sondern bereits gestern an den Spanier ging, als er als Ersterins Ziel kam.
Entertainer der Silver Generation (wdr.de)
Der Urlaub auf Föhr scheint ihm gut getan zu haben. Kurz vor Ende der Sommerpause von ‘Harald Schmidt’ plaudert der Late-Night-Talker im Gespräch mit WDR.de entspannt über Günter Grass und Eva Herman, den künstlerischen Wert seiner Sendung und die Zielgruppe, die er im Visier hat: das silberhaarige Kreuzfahrtpublikum.
“Die schnellsten Schreiber” (ftd.de)
Auf Finanzmeldungen spezialisierte Nachrichtenagenturen müssen vor allem fix sein – deshalb lassen Thomson und Reuters ihre Meldungen inzwischen von Computern verfassen.
Beichte beim Lieblingsfeind (tagesspiegel.de)
Ein weites Feld: Warum Günter Grass ausgerechnet bei der “Frankfurter Allgemeinen” sein Geständnis machte
Die Fernsehwahrheit sieht einfach besser aus (spiegel.de)
Der US-Satiriker Stephen Colbert outet ohne Rücksicht auf Verluste den Wahnsinn im US-Medien- und Polit-Alltag. Seine Methode: Er nennt Satire, was andere als Nachricht, Wahrheit oder Politik verkaufen.