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Nicolaus Fests verkleideter Rassismus

Ein Gastbeitrag von Carolin Emcke

Nicolaus Fests Plädoyer gegen die kulturelle Vielfalt auf Bild.de

Wäre dieser Text von einem muslimischen Autoren geschrieben — alle hätten aufgeschrieen und einen Aufruf zum aggressiven “Dijihad” darin ausgemacht, einen Angriff auf unsere westlichen Werte der Glaubensfreiheit und Toleranz, der Liberalität und Demokratie. Weil dieser Text aber von Dr. Nikolaus Fest, Mitglied der “Bild”-Chefredaktion, verfasst wurde, regt sich niemand darüber auf.

Es ist erstaunlich, was er da unter der Rubrik “Hieb und StichFest” präsentiert und treffender mit “Grob und Schlächtig” betitelt wäre. Es ist ein pseudohistorisch verkleideter Rassismus und eine gar nicht verkleidete Aufforderung zur Homogenisierung unserer offenen Gesellschaften. Wie diese kulturelle Vereinheitlichung aussehen soll, ob durch Einreiseverbot, Zwangskonversion, Vertreibung, Deportation oder Völkermord, dazu schweigt der Autor. Das dürfen sich die Leser selbst ausmalen.

Fest argumentiert, dass plurale Gesellschaften, die Angehörige verschiedener religiöser oder kultureller Identitäten vereinen, immer und automatisch interkulturelle Konflikte zwischen diesen Gruppen produzieren. Kulturelle Differenzen deutet Fest immer als Kämpfe um Macht. “Vielvölkerstaaten” bergen somit nach Fest qua definitionem den Quell von Verwerfungen und Völkermord. Als eine Wurzel des Übels der Kriege des 20. Jahrhunderts macht Fest sodann das Selbstbestimmungsrecht der Völker aus, weil es “in der Praxis Unheil über Millionen Menschen” gebracht habe. Letzlich hätten diese Vernichtungszüge aber, so Fest, immerhin “homogene Gesellschaften” gebracht, und “damit vielen europäischen Ländern Frieden und Stabilität.”

Begrifflich wirr und analytisch unlogisch

Um Fests Argumentation prägnant zu formulieren: Kulturelle Vielfalt bedeutet kulturelle Differenzen bedeutet Konflikt und Krieg. Das heißt im Umkehrschluß: Kulturelle Einheit bedeutet staatlichen Frieden. Und das bedeutet in der Folge: Es gibt gute und schlechte Konflikte und Kriege — solche, die die Vielheit der Kulturen herstellen (schlecht), und solche, die sie beseitigen (gut), denn die Beseitigung von kultureller Vielheit bedeutet “Frieden und Stabilität”.

Das ist ein jederlich Hinsicht wahnwitziges Argument: begrifflich wirr und analytisch unlogisch, normativ zudem unfassbar illegitim und unmoralisch.

Zunächst einmal bleibt völlig unklar, worüber Fest eigentlich spricht. Die historischen Beispiele, die er anführt, taugen alle nur als Belege für den Einfluss von Immigration und Geburtenrate auf das politische Gemeinwesen. Es sind empirisch-historisch gänzlich unterschiedliche Fälle von Einwanderung — freiwillige und unfreiwillige Migration werden hier ebenso zusammengerührt wie Einwanderung und Kolonisation — und es bleibt unklar, inwieweit damit heutige Formen der pluralen Gesellschaften verglichen werden sollen: Die Migration vietnamesischer Bürgerkriegsflüchtlinge in die USA unterscheidet sich von der kosovo-albanischer Flüchtlinge nach Albanien; die indischen Einwander in Südafrika unterscheiden sich von den afghanischen Flüchtlingen in Pakistan; russische Juden oder Russland-Deutsche, die nach Deutschland eingewandert sind, bedeuten ganz unterschiedliche politische Einflüsse auf das Gemeinwesen.

Fest glaubt noch an “Rasse” als sinnvolle Kategorie

Was sollen diese Beispiele also belegen? Wovon spricht Fest? Von jedweder Form der Migration? Von der, die religiöse Verschiedenheit herstellt in einer Gesellschaft? Spricht er von kultureller oder ethnischer Differenz?

Er schreibt:

Wie Religion oder Rasse sind kulturelle Merkmale Unterscheidungskriterien (…).

Dass “Rasse” als analytisch sinnvolle Kategorie sich nicht erst im Zeitalter der ausdifferenzierten Genforschung als Chimäre entpuppt hat, scheint Fest entgangen zu sein. Von allen anderen historisch-politischen Belastungen des Begriffs mal ganz abgesehen.

Bleiben also Religion und Kultur als Merkmale der Differenz in einer Gesellschaft — und damit für Fest auch als Wurzeln von Konflikten.

Und wo immer hinreichend große Kulturen eines Landes aufeinander treffen, kommt es über kurz oder lang zu interkulturellen Konflikten.

Ja, was denn nun? Inter-kulturelle Konflikte? Oder inter-religiöse Konflikte? Und was heisst “hinreichend” groß? Wie quantifiziert man das? Ist das proportional zur Bevölkerungszahl? Und zählen da alle Einwanderergruppen gleich? Oder zählt religiöse Differenz stärker als kulturelle? Bekommen Einwanderer aus muslimischen Ländern noch einen multiplizierenden Faktor — quasi ein Friedlichkeits-Handicap? Und zählen dann Muslime aus, sagen wir: Pakistan, doppelt, gegenüber Muslimen aus Bosnien? Oder bleibt das Konfliktpotential bei allen gleich? Oder werden die gebärfreudigen Einwanderer gleich als besonders unheilstiftende Gruppe ausgemacht?

Fests zentrale These: Kulturelle Vielfalt führt immer zu Konflikten

Entscheidender und analytisch wie politisch relevanter ist die Fest’sche These, kulturelle Vielfalt selbst führe immer und automatisch zu Konflikten. Fest führt keine einzige Erklärung, keinen einzigen systematischen oder phänomenologischen Grund an, warum verschiedene Kulturen oder Religionen miteinander in Konflikt geraten müssten. Fest argumentiert nicht, dass Kulturen sich immer nur in Abgrenzung von anderen definieren können. Fest argumentiert auch nicht, dass Kulturen immer inhärent aggressiv seien. Fest argumentiert in Wahrheit überhaupt nicht.

Die zentrale These seines Textes: Kulturen geraten immer miteinander in Konflikt um Macht — diese These findet keine einzige Begründung in seiner Kolumne.

Fest behauptet nur, und diese Behauptung meint er mit Beispielen von Konflikten belegen zu können. “Pogrome gegen Juden und Hugenotten, gegen Sinti, Sorben oder Sudentendeutsche”, werden ebenso angeführt wie Yugoslawien und das “Baskenland”.

Nun, zunächst zu der Logik, dann zum Inhalt seines Arguments.

Fest argumentiert folgendermaßen: Es gibt Kriege und Konflikte in multikulturellen Gesellschaften, deswegen liegt es an der Multikulturalität selbst, dass es Kriege und Konflikte gibt. Logisch ist das absurd. Dann könnte man auch Folgendes behaupten: Es gibt Konflikte und Scheidungen bei Ehen zwischen Männern und Frauen, deswegen liegt es an der Heterosexualität, dass es Konflikte und Scheidungen gibt.

Historiker, Anthropologen und Soziologen sind sich keineswegen sicher, dass sich das, was da als ethnisch-kulturelle Kriege ausgegeben wird, tatsächlich um Fragen kultureller Autonomie oder religiöser Anerkennung dreht. Nahezu jeder der von Fest benannten Konflikte ließe sich ebenso gut als eine Auseinandersetzung um sozialen Status, um territoriale oder politische Sicherheit oder um ökonomische Privilegien wie Wegerecht, Zoll oder Wasserzugang definieren.

Fest verdreht Ursache und Wirkung, Täter und Opfer

Aber selbst wenn es tatsächlich um Fragen kultureller Autonomie geht, dann scheint es doch abwegig, die Verschiedenheit zum Quell des Unheils zu erklären. An den Pogromen gegen die Juden war doch nicht die kulturelle Vielfalt Schuld, sondern der Antisemitismus, an den Pogromen gegen die Sinti war auch nicht die kulturelle Vielfalt Schuld, sondern der Rassismus. Nicht die, die kulturelle Vielfalt bringen in eine Gesellschaft, sind das Problem, sondern die, die sie nicht akzeptieren.

Fest verdreht Ursache und Wirkung, Täter und Opfer, Subjekt und Objekt eines Phänomens.

Das von Fest kritisierte Ringen um kulturelle Autonomie wäre gar nicht nötig, wenn kulturelle oder religiöse Minderheiten ihren Glauben oder ihre Lebensform leben könnten. Das Ringen um kulturelle Anerkennung wäre gar nicht nötig, wenn jeder oder jede Angehörige einer Minderheit so leben könnte, wie es die Angehörigen der Mehrheit können. Die Suche nach politischer Mitbestimmung wäre gar nicht nötig, wenn die Einwanderer nicht vorher ausgeschlossen wären. Die Forderung nach Gleichberechtigung wäre gar nicht nötig, wenn es vorher gleiche Rechte gäbe, die Frage der kulturellen Vielfalt selbst tauchte gar nicht auf, wenn niemand nach kultureller Differenz suchte.

Denn, was soll das eigentlich heissen: kulturelle Differenz? Wer bestimmt denn, welche Differenzen politisch relevant sind und welche irrelevant?

Wenn unsere Demokratie wirklich so säkular wäre, wie wir gerne behaupten, wenn unser Grundgesetz wirklich die Würde jedes Menschen nicht nur auf dem Papier verspräche, wenn die Glaubensfreiheit, die uns die Aufklärung überliefert hat, wirklich für jeden Glauben, und nicht nur für den eigenen gelten sollte, warum sollte dann kulturelle oder religiöse Differenz eigentlich eine relevante Differenz sein?

Vielfalt als innovativer Reichtum

Interessant sind übrigens alle jene historischen, empirischen Beispiele, die belegen, wie kulturelle oder religiöse Vielfalt keineswegs per se Konflikte schüren — sondern wie viele Gesellschaften gerade aus dieser Vielfalt eine kreative und politische Kraft entwickeln, die ihren innovativen Reichtum ausmacht. Die Vereinigten Staaten ziehen gerade aus dieser Vielfalt ihren sich selbst immer wieder neu erfindenden Gründungsmythos, sie preisen die Einwanderung, die übrigens immer wieder sich wiederholende und andauernde Einwanderung, als Wurzel ihrer sozialen und intellektuellen Dynamik.

Um ein Beispiel aus einer ganz anderen Region und mit anderem Ausgang zu nehmen: Sarajewo war einmal ein Ort freudigen Miteinanders unterschiedlichster Kulturen und Religionen, vor dem Aufstieg Milosevics in Belgrad empfanden die meisten Bewohner der Stadt sich noch nicht einmal als besonders tolerant oder liberal, die kulturelle Vielfalt war so selbstverständlich, dass sie unbemerkt und unsichtbar war. Erst mit der politischen Demagogie und dem instrumentellen Nationalismus eines Slobodan Milosevic wurde Bosnien bewusst manipulativ “ethnisiert”. Die Konflikte waren keine kulturellen oder ethnischen — sie wurden als solche konstruiert.

Nach Fest ist das Selbstbestimmungsrecht der Völker Schuld

Aber es kommt bei Fest noch besser:

Spätestens nach Ausrufung des Selbstbestimmungsrechts der Völker durch den amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson 1918 war keine europäische Regierung an starken Minderheiten und den daraus resultierenden Autonomie-Ansprüchen und innenpolitischen Streitereien interessiert. Es begann die Zeit der großen “ethnischen Säuberungen”.

Aha. Also, das Selbstbestimmungsrecht der Völker ist Schuld daran, dass “ethnische Säuberungen” durchgeführt wurden. Nicht etwa Rassismus und aggressive Expansionspolitik. Das Instrument, das zum Schutz bereits verfolgter Minderheiten entwickelt wurde, ist Schuld an der Verfolgung dieser Minderheiten.

Überall wurde umgebracht, deportiert und vertrieben: die Deutschen aus Russland, Polen und Tschechei, die Tschechen aus Ungarn, die Ungarn aus Polen, und vice versa und immer fort.

Upps. Da hat Dr. Fest aber den Zweiten Weltkrieg und die Ermordung der europäischen Juden einfach mal weggelassen.

Angesichts dessen ist die hohe Meinung, die manche von der freien innereuropäischen Wahl des Wohnortes wie vom multikulturellen Zusammenleben haben, ebenso erstaunlich wie die Leichtfertigkeit, mit der Deutschland zum Einwanderungsland erklärt wird. Nachdem vor nicht einmal 80 Jahren ganze Völkerschaften der inneren Stabilität Europas geopfert wurden, scheinen die Vorteile homogener Gesellschaften inzwischen fast vergessen.

Das gab es so explizit wirklich lange nicht mehr zu lesen von Autoren, die nicht vom Verfassungsschutz beobachtet werden.

Fest stellt also nicht nur das Zusammenleben mit anderen Europäern infrage, indem er sich daran stört, dass die einfach zu uns ziehen dürfen, Fest stört sich an der kulturellen Vielfalt selbst. Für die Verwüstung Europas und die Vernichtung der europäischen Juden, Sinti und Roma und aller anderen als different und abartig erklärten Gruppen macht Fest damit implizit eben diese Gruppen, die eine kulturelle Vielfalt erst bedeuten, selbst verantwortlich.

Die Vorteile homogener Gesellschaft [scheinen] inzwischen fast vergessen.

“Die Vorteile homogener Gesellschaften”? Worin sollen die bestehen? In Friedfertigkeit und Stabilität? In der Fähigkeit, Vertreibung und Völkermord zu vermeiden? Sollten wir die kulturelle und religiöse Vielfalt deswegen abschaffen? Wie? Durch Vertreibung und Völkermord? Und wo sollten wir damit beginnen? Mit der Homogenisierung, die uns Frieden und Stabilität brächte?

Bei den Deutsch-Türken am Fließband von Mercedes Benz in Stuttgart? Bei dem venezolanischen Kontrabassisten der Berliner Philharmoniker? Bei den bosnischen Krankenpflegerinnen in den Kliniken in ganz Deutschland? Bei dem deutsch-polnischen Sturm-Duo der Fussball-Nationalmannschaft? Bei der kasachischen Nachtschwester, die mit mir zusammen, meine Mutter bis zu ihrem Tod begleitet hat? Bei den jungen deutsch-sprachigen Autoren, wie Terezia Moira, Navid Kermani, Feridun Zaimoglu oder Sasa Stanisic, die das Goethe Institut in aller Welt als Vorzeige-Künstler präsentiert?

Es gibt kein homogenes Deutschland, und wer es schaffen will: durch Abschottung, Vertreibung oder Völkermord, der schafft nicht nur die kulturelle Vielfalt ab, sondern Deutschland selbst.

 
Carolin Emcke ist freie Reporterin und Buchautorin. Sie hat über den Begriff “kollektive Identitäten” promoviert und als Redakteurin für den “Spiegel” aus Krisengebieten wie Afghanistan, Pakistan, Irak und Kolumbien berichtet. Für ihren Artikel “Stumme Gewalt” im Magazin “Zeit Leben” über den Mord an Alfred Herrhausen, der ihr Freund und Mentor war, ist sie in diesem Jahr mit dem Theodor-Wolff-Preis augezeichnet worden.

carolin-emcke.de

neu  

Heute anonym XX

Seit gestern berichtet “Bild” in großer Aufmachung über “Berlins schlimmsten Schulschwänzer”. Sie hat immerhin seinen Namen geändert und nennt den Jungen:

Taran N.*
*Name geändert.

Die “Bild”-Leute haben sogar daran gedacht, auf dem Zeugnis von “Taran”, das sie heute zeigen, den richtigen Namen und seinen Geburtstag zu schwärzen. Sie haben nur übersehen, dass der richtige Vorname auch im Text zweimal genannt wird, wo man ihn mit ein bisschen Mühe ganz gut entziffern kann.

Komisch. Manche Dinge passieren “Bild” wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder.

Mit Dank an Heiko F., Christian K., Kai D., Marlon K., Thomas und Daniel J.!

Xavier Naidoo über das Leben mit Leserreportern

Gegenüber dem “Mannheimer Morgen” erklärt der Sänger Xavier Naidoo, wie die Einführung der “Leserreporter” durch die “Bild”-Zeitung sein Leben verändert hat und dazu beitrug, dass er “noch mal zwei Schritte zurück aus der Öffentlichkeit” gemacht habe:

Ich hatte zu der Zeit keinen Führerschein und bin mit dem Fahrrad durch Mannheim gefahren. Und diese Gelegenheit hat sich natürlich niemand nehmen lassen. Viele haben mir gesagt: “Du, ich krieg Geld dafür”. Manche wurden echt rabiat. Ich wurde auch schon mal richtig gefährdet, und mir wurde der Weg abgeschnitten. Ich war so schwer mit Tüten bepackt, dass ich dem fast ins Auto gefahren wäre. Der Fahrer ist einfach aus dem Auto raus und hat sein Foto gemacht. Und ich stand da mit den Tüten! Hab mir bloß gedacht: “Oh, mein Gott, das jetzt auch noch in der Zeitung.” Mich hatte es eh schon mehrfach erwischt, und ich will das einfach nicht mehr.

Mit Dank an Ralph A.!

6 vor 9

1. “BILDblog trifft Kai Diekmann”
(bildblog.de, Lukas Heinser, Video, 9:03 Minuten)
Bild-Chefredakteur Kai Diekmann wird von Bildblog-Reporter Lukas Heinser mit der Kamera verfolgt. Nachdem er ihm einige Male stumm zurückwinkt, tritt er an ihn heran (ab 4:20 Minuten), begrüsst ihn und gibt Bildblog Auskunft über den angeblich journalistischen Umgang der Bild-Zeitung mit Inhalten von Leserreportern. Vorbildlich cooler Umgang mit Kritikern, da können andere was von lernen.

2. “Die Wahrheit starb auf den Lippen von Caren Miosga”
(perlentaucher.de, Thierry Chervel und Thekla Dannenberg)
“Wie die Tagesthemen über Georgiens Informationspolitik desinformierten.”

3. “Videojournalismus für Anfänger”
(moritzhomann.de)
Über ein Video auf Spiegel Online der sonst grossartigen Yasemin Yüksel: “Von journalistischen Gesichtspunktspunkten aus betrachtet ist das Video schlichtweg unter aller Sau. Es ist reine Meinungsmache, voll von Suggestionen wie der Musik oder der gewählten Kamerawinkel und Zeitlupenaufnahmen und transportiert in etwa den Inhalt: ‘Bei der Linken sind alle besoffen, träumen von irgendwelchen ‘Mindestlöhnen’ und hören sich gegenseitig ab.'”

4. “Das mulmige Gefühl bleibt”
(zeit.de/campus, Stéphanie Souron)
“Der Regisseur Roger Vontobel wird als Shootingstar gefeiert. Nach einer Inszenierung in Salzburg bekam er erstmals vernichtende Kritiken. Was ist das für ein Gefühl? Ein Protokoll.”

5. “Der Knast war die Hölle”
(abendzeitung.de, Arno Makowsky)
“Klatschreporter Michael Graeter über seine acht Monate im Gefängnis, falsche Freunde – und die Frage, ob die Münchner Gesellschaft ihm verzeiht.”

6. “The 50 Buzziest Blog Posts of All Time”
(nerve.com)
“In 1994, someone started blogging for the first time. It was probably either Justin Hall or David Winer, depending on whom you ask. Regardless, in the time since, the weblog medium has changed the news cycle — for better or for worse (we think better) — forever.”

Kevin Kuranyi in Nuss-Nougat-Skandal verwickelt

Neulich hat die “taz” ja bei der “Bild”-Zeitung nachgefragt, wie es eigentlich kommt, dass sie so oft auf die Produkte ihres guten Werbekunden Ferrero hinweist, über Dreharbeiten zu “Nutella”-Werbespots berichtet, Arne Friedrich “Nutella-Arne” nennt, Magdalena Brzeska für “Milchschnitte” werben und dafür als “Gewinnerin des Tages” hochleben lässt. Und die Axel Springer AG hat anstelle einer Antwort gesagt, es sei ja “absurd”, nicht den Namen des Produktes zu nennen, wenn zum Beispiel “eine sehr populäre Sportlerin einen großen Werbevertrag bekommt”.

Mit anderen Worten: An manchen Nachrichten und den damit verbundenen Markennamen kommt eine Zeitung wie “Bild” einfach nicht vorbei, so gerne sie es würde.

Und bestimmt hätte “Bild”-Autor Peter Heinlein seine heutige Medienkolumne auch lieber mit einer anderen Meldung aufgemacht — aber dann kamen ihm halt die Breaking News dazwischen, dass es einen neuen “Nutella”-Werbespot gibt, und dass nicht völlig auszuschließen ist, dass es wegen dem “Ärger” geben könnte. In dem Spot sieht man nämlich, wie Kevin Kuranyi (oder “Nutella-Kevin”, wie “Bild” ihn sicher bald nennen wird) ein Glas mit einer anderen Sorte Nuss-Nougat-Creme einfach hinter sich wirft. Ungegessen, jawohl! Peter Heinlein, der sich auskennt, schreibt:

Nicht nur Eltern reagieren entsetzt auf solche Details. Wo kommen wir denn dahin, wenn Jugendidole anfangen, Nahrung wegzuwerfen?

Ja, wo?

Heinlein verrät es uns nicht. Aber er zeigt auf Bild.de sicherheitshalber den neuen “Nutella”-Werbespot im Original. Alles andere wäre ja vermutlich auch “absurd”.

Mit Dank an Josef D.!

“Nur” im Sinne von “auch”

Wenn Schalke 04 heute Abend im Uefa-Cup gegen APOEL Nikosia antritt, wird das Fußballspiel hierzulande nicht im Fernsehen zu sehen sein. Und bei Bild.de ebenso wenig. Obwohl es dort immerhin einen Live-Ticker gibt, wie Bild.de vollmundig ankündigt:

"Nix TV! Schalke nur bei BILD.de"

“Nur” ist hier indes im Sinne von auch zu verstehen. Denn einen Live-Ticker gibt es beispielsweise bei sport1.de

…bei t-online.de

… oder bei sportal.de

… und sicher auch noch woanders. Besonders hervorzuheben wäre vielleicht noch diese ominöse Seite:

Mit Dank an Bernd V. und HerrSalami für den sachdienlichen Hinweis.

Nachtrag, 0:30 Uhr. Er war dann aber doch etwas Einmaliges, der Live-Ticker von Bild.de. Reporter Peter Wenzel kann nämlich in die Zukunft sehen. Unmittelbar nach Ende des Spiels berichtete er:

Nach dem lockeren Kick gegen Nikosia war die Rückreise für die Schalker Profis umso anstrengender. Busfahrt zum Airport Larnaca. Von dort vier Stunden im Flieger nach Münster. Eine kurz Nacht nach erfolgreichem Spiel.

Mit Dank an Pierre!

6 vor 9

1. “Sarah Palin – Das Paradox aus der Provinz”
(faz.net)
“Woher auch immer der Verdacht kommt, dass es schon reicht, aus einer dünn besiedelten Region zu kommen, um bei der chronisch metropolitanen öffentlichen Meinung in Ungnade zu fallen: er ist auf dem besten Weg, zum globalen Merkspruch zu werden. Die Medien, das weiß man von Alaska bis in die Pfalz, haben sich gegen die Provinz verschworen.”

2. Stefan Aust im Interview
(zeit.de, Christoph Amend und Giovanni di Lorenzo)
“Wir erwarten von unseren Mitarbeitern, dass sie sich mit den Regierenden anlegen, dass sie in Krisengebiete reisen. Wer das tut, hat keine Angst vor einem Chefredakteur, der ja auch nur ein Angestellter ist. Und wer vor ihm Angst hat, ist beim Spiegel fehl am Platz. Ich glaube, das ist auch nur eine dieser Legenden, gestreut von Leuten, die generell Angst vor einem offenen Wort haben, die lieber intrigieren und aus dem Hinterhalt agieren.”

3. “Wenig ‘falsche Journalisten’ in der Schweiz”
(presseverein.ch)
“Falsche Journalisten? Vor allem in England, Italien und Kanada gibt es offenbar Dutzende Zeitgenossen, die sich akkreditieren zum gratis Reisen, Essen, Schlafen, aber eine geplante Berichterstattung bloss vortäuschen.”

4. “Umbruch bei Associated Press”
(dradio.de/dlf, Gerti Schön)
“Associated Press, Amerikas größte Nachrichtenagentur, wurde vor 162 Jahren von Tageszeitungen gegründet. Mittlerweile aber macht die Agentur vor allem mit den ärgsten Konkurrenten der Printpresse gute Geschäfte und liefert beispielsweise für Google oder Yahoo die Inhalte. Die Zeitungen reagieren verärgert und fangen an, der AP die Treue aufzukündigen.”

5. “Give Facts A Chance”
(coffeeandtv.de, Lukas)
Wann wurde John Lennon erschossen? Die Welt am Sonntag und Bild können sich nicht richtig daran erinnern.

6. “A No-Paper Newspaper”
(newsweek.com, Daniel McGinn)
Besonders weit weg scheint die elektronische Zeitung nicht mehr zu sein. Russell Wilcox, CEO von E Ink, sagt: “You’ll see, in the next 12 to 18 months, a wave of electronic-newspaper devices.”

Kurz korrigiert (480)

Peter Heinlein, der “Bild”-Medienkolumnist, der sich mit Medien ungefähr so gut auskennt wie Andreas Englisch mit dem Vatikan, schreibt aktuell nicht nur darüber, was der ehemalige “Spiegel”-Chefredakteur Stefan Aust über seine Nachfolger sagt. Bemerkenswert findet Heinlein vor allem, wo Aust es sagt:

Auch dem öffentlich-rechtlichen Medienmagazin Zapp vom NDR, dem er, wie viele andere auch, Zeit seines Amtslebens beim Spiegel die kalte Schulter gezeigt hatte, stand Aust nun zu Werbezwecken ausführlich Rede und Antwort.

Nö.

Aust hat auch jetzt nicht mit “Zapp” gesprochen und nannte die Sendung in dem Gespräch, auf das sich Heinlein bezieht, “diese merkwürdige Sendung”. “Zapp” zeigte nur Ausschnitte aus dem Interview, das Aust dem NDR-Vorabendmagazin “DAS!” gab, und hatte darauf in der Anmoderation auch unmissverständlich hingewiesen.

Und wer die verpasst hatte, konnte es zur Not an den drei Buchstaben zwischen Aust und der Moderatorin erkennen:

Mit Dank an Thomas P.!

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