1. Pressefreiheit in Italien (tagesschau.de, Stefan Troendle)
“In einer Demokratie sollten Medien eigentlich unabhängig von der Politik sein. In Italien kann davon keine Rede sein: Die wichtigsten Fernsehsender kontrolliert Regierungschef Berlusconi ohnehin selbst. Und gegen unliebsame Konkurrenz erlässt er notfalls Gesetze.”
2. Pressefreiheit in der Türkei (faz.net, Karen Krüger)
“Ministerpräsident Erdogans Kampf gegen die Medien: Besonders unlieb sind ihm die Zeitungen der Dogan-Gruppe. Dem mächtigen Konzern droht eine gewaltige Steuerstrafe, die seine Existenz gefährdet. Die Pressefreiheit der Türkei steht auf dem Spiel.”
3. “Die Zukunft journalistischer Produkte: Wer finanziert wen woraus?” (zeitungsperspektiven.de, Christopher Buschow)
Zeitungsperspektiven.de macht eine Tabelle mit 5 Modellen, die den Journalismus (zukünftig) finanzieren könnten: 1. Das Kuppelprodukt, 2. Paid Content, 3. Die Lizenzierung, 4. Crowdfunding / Mäzenentum, 5. Die Querfinanzierung.
Es ist ungewöhnlich freundlich von der “Bild”-Zeitung, dass sie heute (direkt neben die nebenstehende Frage) ein großes Foto aus der Küche eines Berliner Restaurants abdruckt, in der alles pikobello aussieht. Und das, obwohl dort doch Berliner Lebensmittelkontrolleure “u.a. Rattenbefall, verdreckte Küchengeräte und faulige Lebensmittel” festgestellt haben wollen – weshalb das Restaurant von einer “Berliner Behörde” am Montag zusammen mit weiteren gastronomischen Betrieben “an den Internet-Pranger” gestellt werde:
Nach BILD-Informationen soll das [Restaurant] auf der Ekel-Liste stehen.
Woher “Bild” ihre “Informationen” hat, wissen wir nicht. Wir wissen nur, dass die “Berliner Zeitung” bereits einen Tag vor “Bild” über die geplante (und umstrittene) Negativ-Liste der Pankower Veterinär- und Lebensmittelaufsicht und über den Rattenbefall in obigem Restaurant berichtete, den die Behörde dort offenbar erst vor gut einer Woche festgestellt hatte. In der “Berliner Zeitung” hieß es dazu:
Das Restaurant musste kurzzeitig schließen. Jetzt hat es wieder geöffnet.
Diese (letztlich vielleicht erfreuliche, aber nicht unerhebliche) Info sucht man in “Bild” vergeblich.
Selbst, wenn “Bild” die Antwort auf die Frage “Schwimmt hier ein Monster durch den Urwald?” (Nein, natürlich nicht!) schuldig bleibt:
Auch der Rest des “Bild”-Artikels vom vergangenen Freitag zeugt von einer gewissen Rechercheunlust bei “Bild”.
Denn laut Urheber des Fotos (über das in den vergangenen Tagen beileibenichtnurbei “Bild” spekuliert wurde) zeigt es nicht den malayischen Fluss Rajang, sondern den Kongo. Veröffentlicht wurde es zudem bereits 2002* – und zwar auf einer Website, über die “Bild” und Bild.de in den vergangenen Jahren schon häufiger berichtet hatten. Dann allerdings nannte man bei “Bild” die Betreiber der Website meist:
Die Grafikexperten von worth1000.com…
Die Photoshop-Künstler von worth1000.com…
Die Bildmonteure von worth1000.com…
Andernorts(bzw. hier, aber auch hier und hier) findet sich das “Monster”-Foto daher auch unter der Überschrift:
*) Veröffentlicht wurde die mittelmäßige Fotomontage (die “Bild” in schlechter Qualität und ohne Quellenangabe zeigte) auf worth1000.com am 25.2.2002 im Rahmen eines “advanced photoshop contest” zu “Tieren, die angeblich existieren”.
Wir unterbrechen das BILDblog für einen kleinen Exkurs in den Grenzbereich zwischen nützlichem und unnützem Wissen:
Wussten Sie, dass das Wort “hypoallergen” eigentlich gar kein medizinischer Begriff ist?
“Hypoallergen” ist eine Zusammensetzung aus dem griechischstämmigen Präfix hypo- (“unter”, “darunter”) und dem griechischstämmigen Wort Allergen (ein Stoff, der allergische Reaktionen hervorruft). Geprägt wurde “hypoallergen” offenbarin einer Werbekampagne für Kosmetikartikel in den 50er Jahren.
Inzwischen werden Produkte aus so ziemlich allen Bereichen mit dem Merkmal “hypoallergen” gekennzeichnet – von Babynahrung über Hygieneartikel bis zur Kleidung. Sogar bestimmte Katzen- oder Hunderassen gelten als “hypoallergen”, was man spätestens weiß, seitdem bekannt ist, dass der US-Präsident Barack Obama seinen Töchtern einen Hund versprochen hat, und dass der“hypoallergen”seinsolle, weil eine seiner Töchter Allergikerin sei. Dabei scheint übrigens wissenschaftlich noch nicht mal geklärt zu sein, ob es überhaupt so etwas wie “hypoallergene” Hunderassen gibt.
Aus medizinischer oder wissenschaftlicher Sicht hat das Wort “hypoallergen” jedenfalls keine Bedeutung. Es gibt nicht mal einen anerkannten Standard dafür, was “hypoallergen” ist. So kann ein mit “hypoallergen” gekennzeichnetes Produkt durchaus allergische Reaktionen hervorrufen, denn jeder reagiert nunmal auf etwas anderes allergisch.
Und damit zurück zum BILDblog:
Die “Bild”-Zeitung berichtet heute, dass die US-amerikanische Präsidentenfamilie sich für einen Portugiesischen Wasserhund als “First Dog” entschieden habe, weil das Fell dieser Rasse “sehr verträglich für Allergiker” sei. “Bild” schreibt:
Das wird zwar gerne mal verwechselt, ist aber Quatsch. Einen hyperallergenen Hund wollen die Obamas bestimmt nicht haben.
Mit Dank an Stefan K. für den sachdienlichen Hinweis.
1. “Die ARD wirbt wieder für Pharma-Unternehmen” (faz-community.faz.net/blogs/fernsehblog, Stefan Niggemeier)
In der Telenovela “Sturm der Liebe” geht es auffällig oft um Mistelpräparate: “Alles, was sich ein Hersteller wünschen würde, ist vorhanden: Immer wieder, sogar in den Programmtexten, fällt der zentrale Begriff ‘Misteltherapie’. Empfohlen wird das Mittel von einem Krebskranken, der ihm die Verantwortung dafür gibt, überhaupt noch am Leben zu sein. Er demonstriert gleich, wie einfach das Präparat in der Apotheke zu bekommen ist. Später wird der betroffene Zuschauer fast unverhohlen dazu aufgefordert, im Internet nach vermeintlichen Beweisen für die Wirksamkeit zu suchen.”
2. “Auslandsberichterstattung durch Private Militärdienstleister?” (heise.de/tp, Susanne Härpfer)
Die Auslandberichterstattung etablierter Journalisten nimmt ab, die Zahl privater Militärfirmen nimmt zu: “Private Militärdienstleister bringen gewissermaßen Auslandsberichterstattung für Abonnenten; Spezialdienste unter besonderem Blickwinkel.”
3. “Tschechien fesselt investigative Journalisten” (dradio.de, Kilian Kirchgeßner)
Eine Neuerung im tschechischen Strafrecht vermindert journalistische Möglichkeiten. Journalistenvertreter sprechen von einer Beschneidung der Pressefreiheit durch die Hintertür: “Die schärfste Kritik richtet sich dabei gegen das neue Verbot, Protokolle von abgehörten Telefongesprächen zu veröffentlichen. In Tschechien ist das deshalb ein sensibles Thema, weil die Medien damit in der Vergangenheit kriminelle Verstrickungen von Spitzenpolitikern bewiesen haben.”
Über Adolf Hitlers Verdauung muss man überhaupt erst einmal berichten wollen. Diverse Medien im In-undAusland wollen – und auch Bild.de zitiert wie folgt aus den (offenbar jetzt aufgetauchten) Aufzeichnungen eines “hochrangigen Nazis” über Hitler:
“Hitler ate prodigious amounts of cake (this cake eating was responsible for a slight digestive disorder and the addition of a bay window to his already not too fortunate figure).”
Und wenn Sie jetzt denken: “Hä?! Das ergibt doch gar keinen Sinn!” – Doch, doch, für Bild.de schon. Steht so ja auch wort-wört-lich im englischen Original, aus dem Bild.de abgeschrieben hat (siehe Kasten). Mit dem Unterschied natürlich, dass die “addition of a bay window” nicht irgendwelche Umbaumaßnahmen im Führerbunker oder am Obersalzberg meint, sondern bloß Hitlers Plauze.
Mit Dank an Daniel W. und Pete!
Nachtrag, 14.39 Uhr:Bild.de hat Hitlers Erker wieder abgerissen ersatzlos gestrichen.
…schreibt Bild.de heute, weil der “US-Rennstall” USF1, der sich mit dem Gedanken trägt, im nächsten Jahr in der Formel 1 zu starten, Interesse an der amerikanischen IndyCar-Fahrerin bekundet hat (Danica Patrick selbst wurde offenbar noch nicht gefragt).
Indes könnte Patrick, selbst wenn sie wollte, nicht die “erste Frau in der Königsklasse des Motorsports” werden. Den Titel hat bereits die Italienerin Maria Teresa de Filippis inne, die im Jahr 1958 an mehreren Rennen teilnahm.
Gut, das ist lange her. Aber es gab noch weitere Frauen in der “Königsklasse des Motorsports”: Lella Lombardi zum Beispiel oder Divina Galica, die sich allerdings, ebenso wie später Desiré Wilson und Giovanna Amati, für kein offizielles Rennen qualifizieren konnte.
Etwas später behauptet Bild.de dann auch noch:
Das wäre allerdings eine wirklich exklusive Nachricht. AlleanderenMedienwissennämlichbislang nur zu berichten, dass Scott Speed lediglich ein möglicher Kandidat für USF1 ist.
Mit Dank an die zahlreichen Hinweisgeber.
Nachtrag, 18.2.2009: Warum nicht gleich so?
… und die Passage über Scott Speed wurde ersatzlos gestrichen.
“Was muss endlich mal über BILD gesagt werden?”, fragt “Bild” heute, meint damit aber bloß Ideen für eine neue Werbekampagne.
Das Blatt hat seine Leser aufgerufen, Spots und Anzeigen für sich zu entwerfen. Gegenüber dem “Spiegel” sagte “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann, wie er auf diese Idee gekommen sei:
Wir hatten — die Älteren werden sich erinnern — vor fast vier Jahren zum ersten Geburtstag von BILDblog unsere Leser aufgerufen, Motive für Werbepostkarten zu entwerfen (die man sich hier noch ansehen kann).
Ob sich die “Bild”-Zeitung von BILDblog mit angemessener Zeitverzögerung auch zur Übernahme so gewagter Ideen wie dem Respekt vor der Privatsphäre und der Wahrheit inspirieren lassen könnte, war nicht in Erfahrung zu bringen.