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Bild.de zensiert “BILDblog”

Die Nachrichtenagentur dpa hat ein kurzes Interview mit Markus Beckedahl von newthinking communications geführt, einem der Veranstalter der Weblog-Konferenz re:publica. Hier die erste Frage im Original-dpa-Wortlaut bei Welt.de:

Auch Bild.de veröffentlicht das dpa-Interview. Sogar mit Links auf die angesprochenen Blogs – und leicht gekürzt:

Mit Dank an A.T. für den sachdienlichen Hinweis.

Allgemein  

“Bild”-Reporter akzeptieren Strafbefehl nicht

Zwei “Bild”-Reporter sollen im November 2007 ein Auto, in dem sie fälschlicherweise einen wegen Kindesmissbrauchs verurteilten Mann vermuteten, verfolgt, ausgebremst, gestoppt und Fotos des Fahrers geschossen haben. Der hatte die Reporter daraufhin angezeigt. Vor gut zwei Wochen hatte das Amtsgericht Osnabrück deswegen Strafbefehl wegen Nötigung in Höhe von je 15 Tagessätzen à 50 Euro gegen die beiden erlassen (wir berichteten).

Die Reporter – bei einem von ihnen handelt es sich übrigens um Jürgen Damsch, der BILDblog-Lesern quasi einschlägig bekannt sein dürfte – akzeptierten den Strafbefehl nicht. Wie uns das Amtsgericht Osnabrück mitteilt, “liegt ein Einspruch gegen den Strafbefehl vor”. Die Begründung ist uns nicht bekannt, es wird in der Sache aber wohl zu einer mündlichen Hauptverhandlung kommen. Wann das der Fall sein wird, ist noch offen.

Tibet-Nepal-Schwäche von Bild.de chronisch (2)

Bild.de hält unbeirrt daran fest, Fotos von gewaltsamen Auseinandersetzungen in Nepal als Fotos von gewaltsamen Auseinandersetzungen in Tibet auszugeben. Eine Anfrage von uns, ob sich Bild.de das Recht vorbehalte, an dieser Praxis auch in Zukunft festzuhalten, blieb unbeantwortet.

Anders als andere Medien sieht Bild.de offensichtlich keinen Grund zu einer Korrektur. Auch eine lange gemeinsame Analyse von Bild.de-Weltpolitik-Experte Karl Wendl und “Bild”-Alles-Experte Paul C. Martin vom vergangenen Dienstag ist nach wie vor mit einem Foto illustriert, das den Einsatz nepalesischer Polizisten bei einer Demonstration vor der chinesischen Botschaft in Kathmandu zeigt. Bild.de behauptet, es zeige das Vorgehen chinesischer Soldaten in Tibet:

Aber vielleicht tut man den Experten von Bild.de unrecht, wenn man ihnen böse Absicht unterstellt. Womöglich ist es nur Ahnungslosigkeit. Als einen Grund dafür, warum China Tibet “unbedingt behalten will” nennen sie den “militärischen Faktor”:

Durch die einmalige strategische Lage im Dreieck von China, Indien und Russland ist Tibet für Peking eine wichtige Pufferzone gegen die mächtigen Nachbarn.

Tibet ist ein denkbar schlechter Puffer gegen Russland — es grenzt nicht an Russland, ja: Es liegt nicht einmal in der richtigen Ecke des Landes. Zwischen den Grenzen der autonomen Region Tibet und Russland sind rund 1500 Kilometer Luftlinie. Aber das Problem kennen wir ja schon.

Vielen Dank an Axel F. für den Hinweis!

“Bild” erweitert Niemandsland II

Vorgestern hatten wir ja schon vermutet, dass Prof. Dr. Stefan Appelius, der im Rahmen des Forschungsvorhabens “Tod in Bulgarien” Fluchtversuche von DDR-Bürgern untersucht, gegenüber der “Super Illu” nicht von einer “Grenze zwischen DDR und Bulgarien” gesprochen hat, wie “Bild” behauptete. Heute schickt uns Appelius eine kleine Erläuterung zur “Bild”-Meldung, die wir gerne veröffentlichen:

Zu der Meldung ist zweierlei zu sagen: Ich habe tatsächlich zu keiner Zeit von einer Grenze zwischen der DDR und Bulgarien gesprochen oder geschrieben.

Aber auch die Überschrift der Kurzmeldung selbst ist problematisch (“Kopfprämie für tote DDR-Flüchtlinge”). Im besagten Interview mit der “SUPERillu” habe ich auf die Frage, ob es solche Kopfprämien “tatsächlich” gegeben habe geantwortet: “Man kann das vermuten.” Die Frage der so genannten Kopfprämien steht nicht im Mittelpunkt meiner Forschungsarbeit, zu diesem Thema müsste man mindestens einen Aufsatz schreiben, um die Komplexität und die Gründe für bestimmte Hypothesen zu erfassen. Man hat diese Kopfprämien aus dem Kontext gerissen und aus Gründen der Effekthascherei ganz bewusst aufgebauscht. Das ist allerdings schon in der Pressestelle der “SUPERillu” geschehen.

Die Bild-Zeitung hat den “Grenzfehler” in ihrer Ausgabe vom 27.03. korrigiert. Darin wird den Lesern mitgeteilt, dass es keine Grenze zwischen der DDR und Bulgarien gab, wie ich es angeblich behauptet haben soll. Dann heißt es in der Korrektur, die betreffenden ostdeutschen Todesopfer seien an den Grenzen von Bulgarien nach Griechenland und zur Türkei zu beklagen gewesen. Richtig müsste es allerdings heißen: An den Grenzen Bulgariens nach Griechenland, zur Türkei u n d Jugoslawien. Also wurde auch bei der Berichtigung geschlampt.

Außerdem hätte man seitens der Bild-Zeitung auch ruhig dazu schreiben können, dass dieser ganze idiotische Fehler nicht auf mich zurückzuführen ist, sondern in der Redaktion entstanden ist.

“Bild” und Lidl: Kleine Meldung unter Freunden

“Frei nach Axel Springer: ‘Bild’ sollte nie irgendein Boulevard-Blatt, sondern eine Volkszeitung sein. Also Anwalt der Leser, Zuhörer, Ratgeber, Verteidiger, Helfer. Übersetzt heißt das: ‘Bild’ sagt nicht nur, was passiert. ‘Bild’ sagt auch, was die Republik fühlt. (…) Das ist unser Anliegen: zu dokumentieren, was die Menschen beschäftigt, was sie emotional umtreibt. ‘Bild’ ist (…) die gedruckte Barrikade der Straße. Das ist ihre Macht.”

Kai Diekmann im September 2005 im “FAZ”-Interview.

Wenn das, was Diekmann damals der “FAZ” sagte, noch gelten soll (und für etwas anderes gibt es keine Anhaltspunkte), dann “fühlt” die “Republik” so ziemlich gar nichts angesichts der Tatsache, dass beim Lebensmitteldiscounter Lidl die Mitarbeiter überwacht wurden.

“Bild” über den Lidl-Skandal

Der Lebensmitteldiscounter Lidl soll Beschäftigte systematisch überwacht haben. Angeblich wurde mit Überwachungskameras registriert, wann und wie häufig Mitarbeiter auf die Toilette gehen (…). Das berichtet der “Stern”. (…) Lidl-Geschäftsführer Jürgen Kisseberth wollte “nicht ausschließen”, dass es entsprechende Aufträge gegeben habe.

Dann findet die Republik nicht, es sei ein “Lidl-Skandal”, dass “Mitarbeiter bis aufs Klo bespitzelt” wurden, wie beispielsweise das Boulevardblatt “Berliner Kurier” heute auf der Titelseite (pdf) schreibt. Dann meint die Republik nicht, die “Stasi-Methoden bei Lidl” seien eine “Schweinerei ohne Gleichen”, wie das Boulevardblatt “Hamburger Morgenpost” auf der Titelseite berichtet. Dann ist die Republik auch nicht der Auffassung, Lidl sei “mit den jüngsten Enthüllungen” auf dem “Niveau totalitärer Sklavenhalter” angekommen, wie es in einem Kommentar (leider nicht online) der Münchner “Abendzeitung” heißt. Dann ist die Republik nicht mal an einer weniger aufgeregten aber ausführlichen Auseinandersetzung mit dem Thema interessiert.

Wenn immer noch gelten soll, was Diekmann der “FAZ” sagte, dann löst die Bespitzelung von Mitarbeitern bei Lidl bei den “Bild”-Lesern ungefähr genauso viele Emotionen aus, wie die Tatsache, dass der VdK-Präsident Hirrlinger die Rentenerhöhung verteidigt (siehe Ausriss).

Aber das geht uns ja eigentlich gar nichts an. Schließlich ist es ganz allein Aufgabe der Redaktion, zu entscheiden, was wie und in welcher Größe über den Lebensmitteldiscounter und besonders guten Geschäftspartner von “Bild” in “Bild” steht.

Mit Dank an Tim, Denis K., Horst E. und Kai Z. für den Hinweis.

Tibet-Nepal-Schwäche von Bild.de chronisch

Ausgerechnet die staatlichen Medien Chinas, dessen Regime mit erheblichem Aufwand und großer Härte verhindert, dass sich die Menschen in China und über China frei informieren können, hat den westlichen Medien am Wochenende falsche und irreführende Berichterstattung über die dramatischen Vorgänge in Tibet vorgeworfen. Und das Schlimme ist: Im Kern stimmen die Vorwürfe. So haben unter anderem die deutschen Nachrichtensender N24 und n-tv Bilder von gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Protestanten in Indien und Nepal als Aufnahmen aus China oder Tibet ausgegeben. Am Montag räumten RTL und n-tv schließlich ein, Bilder in einen falschen Zusammenhang gestellt zu haben, und bedauerten den Fehler.

Auch Bild.de hatte in der vergangenen Woche kurzerhand Fotos umdeklariert. Die Zeile “Hunderte Tote bei schweren Unruhen in Tibet” wurde mit dramatischen Aufnahmen illustriert, die nicht in Tibet, sondern in Nepal entstanden sind (siehe Ausriss). Davon, dass Bild.de den Fehler inzwischen ebenfalls eingeräumt oder sich gar dafür entschuldigt hätte, ist aber bislang nichts bekannt.

Vermutlich sollte man darauf auch nicht warten. Das Online-Angebot von Europas größter Tageszeitung macht seinen Lesern auch weiterhin ein Nepal für ein Tibet vor. Gestern berichtete Bild.de, dass China Klöster in Tibet abgeriegelt habe und dort ein Mönch verhungert sei, und zeigte ein zu dieser Meldung scheinbar passendes Foto:

Aber auch dieses Foto zeigt keinen Mönch in Tibet, schon gar keinen verhungernden, sondern einen Mönch in Nepal. Und das wusste auch Bild.de, denn der Original-Bildtext lautet:

An injured Tibetan monk protestor is helped by other monks during a protest rally in front of the visa section of Chinese Embassy in Kathmandu, Nepal, 25 March 2008. Nepalese police on 25 March y arrested over 100 out of several hundreds of demonstrating Tibetans in the first demonstrations by Tibetan exiles in Nepal targeting the Chinese embassy since the start of their campaign against Chinese rule in their homeland nearly two weeks ago. EPA/NARENDRA SHRESTHA

Und für alle Fälle hat die deutsche Nachrichtenagentur dpa einen deutschen Bildtext hinzugefügt. Er lautet:

Mehr als 100 Festnahmen bei Protesten von Exil-Tibetern in Nepal.

Nachtrag, 14.15 Uhr. Und selbst diese Zeile hätte man nicht lesen müssen, um wissen zu können, dass das Foto aus Nepal stammt. Das Original-Foto zeigt, wenn man es nicht so kunstvoll beschneidet wie Bild.de, die Buchstaben “NEP…” auf dem Schild eines Polizisten hinter dem Mönch. “NEP…” wie “NEPAL POLICE”.

“Bild” sprach zuerst mit den Hoden

Kurz und pointiert hat der britische Hausarzt Keith Hopcroft kürzlich für die britische Zeitung “Times” zusammengefasst, welche Symptome denn tatsächlich auf eine ernsthafte Erkrankung hinweisen und welche wir häufig nur überinterpretieren.

In “Bild” geht’s sogar noch kürzer. Dort wurde gestern aus Hopcrofts “Top 10 der Krankheitsängste” hopplahopp eine “Top 10 der häufigsten Hypochonder-Krankheiten”, die bei Herzinfarkt, Thrombose & Co zwischen “Hypochonder-Symptomen” und “ernsthaften Symptomen” zu unterscheiden versucht.

Und plötzlich ist alles ganz easy: Sie müssen bloß “harmlose Brustschmerzen” (“Hypochonder-Symptom”) nicht mit “plötzlichem Brustschmerz” (“ernsthaftes Symptom”) verwechseln. Oder “Wadenschmerzen” (“Hypochonder-Symptom”) von “stärker werdendem Wadenschmerz” (“ernsthaftes Symptom”) unterscheiden. Und wenn Sie Panik haben, dass ihre Leberflecken möglicherweise dunkler und größer werden, haben Sie entweder “Panik bei Leberflecken” (“Hypochonder-Symptom”) oder bloß “dunkler oder größer werdende Leberflecken” (“ernsthaftes Symptom”).

Zum Thema Hodenkrebs aber hat “Bild” sich sogar in Biotope jenseits der Unbrauchbarkeit begeben – und unterscheidet zwischen “Hodenschwellung” (“Hypochonder-Symptom”) und “geschwollenen Hoden” (“ernsthaftes Symptom”), was nicht nur Unsinn ist, sondern offenbar auch falsch: Hopcroft selbst betonte in der “Times”, dass Auffälligkeiten in den Hoden unverzüglich vom Hausarzt untersucht werden müssen, auch wenn sie sich meistens als harmlos herausstellen.

Doch wer zu Risiken und Nebenwirkungen die “Bild”-Zeitung befragt, sollte sich ohnehin schnellstmöglich an seinen Arzt oder Apotheker wenden.

Mit Dank an Alexander T.

“Bild” und Schill — ein Lehrstück

Es ist Feiertag, heute erscheint keine “Bild”-Zeitung, und wir nutzen die Gelegenheit, eine alte Geschichte zu erzählen.

Von Null auf fast 20 Prozent: Wie hat Schill das geschafft?

Es ist die Geschichte, wie “Bild” den umstrittenen Hamburger Amtsrichter Ronald Schill zum Hoffnungsträger hochschrieb, der mit seiner Partei bei der Bürgerschaftswahl 2001 schließlich fast 20 Prozent der Stimmen bekam. Und es ist die Geschichte von der außerordentlichen Nähe eines “Bild”-Redakteurs zu Schill und seinen Leuten.

Allgemein  

“Bild” erleidet schweren Info-Rückfall

Peter Sawicki ist nicht bei allen beliebt. Insbesondere die Pharmaindustrie ist offenbar gar nicht gut auf ihn zu sprechen. Denn Sawicki untersucht als Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) Medikamente und Behandlungsmethoden auf ihren tatsächlichen Nutzen. Und auch in der Diskussion um Ärztepfusch hat Sawicki sich offenbar nicht nur Freunde gemacht. Denn er gehört zu den 17 Ärzten, Therapeuten, Krankenschwestern und Pflegern, die sich Ende Februar zu eigenen Behandlungsfehlern bekannten (auch “Bild” berichtete groß darüber). In der Ärzteschaft war anschließend von “Nestbeschmutzung” und “Tabubruch” die Rede.

“Bild” berichtet heute allerdings etwas ganz anderes über Sawicki:

Es ist nicht so, dass es diesen “internen Prüfbericht”, aus dem “Bild” zitiert, nicht geben würde. Auch zitiert “Bild” ihn korrekt, wie man uns beim zuständigen IKK-Bundesverband bestätigt. Und dennoch ist die Meldung, vorsichtig ausgedrückt, grob irreführend.

Denn der Prüfbericht, “der BILD vorliegt”, wie Autor Hanno Kautz vielsagend schreibt, ist nicht neu. Die Prüfung, um die es geht, begann im Dezember 2007 und ist abgeschlossen. Bereits Mitte Februar präsentierte der IQWiG-Vorstand in einer Pressekonferenz die Ergebnisse. Das “Ärzteblatt” schrieb damals:

Einen Schlussstrich unter die “IQWiG-Affäre” hat dessen Vorstand gezogen. (…) Der Leiter des IQWiG, Prof. Dr. med. Peter T. Sawicki, wurde wegen formaler Fehler ermahnt. Gleichzeitig sprach ihm der Vorstand aber sein Vertrauen aus. Denn eine persönliche Vorteilsnahme sei nicht festzustellen.

Und die “taz” schrieb unter der Überschrift “Freispruch für Pharmakontrolleur”:

Der Pharmakontrolleur Peter Sawicki ist rehabilitiert. Der Vorwurf der Vetternwirtschaft ließ sich nicht beweisen. Er beging nur “formale” Fehler.

Warum “Bild” den Prüfbericht einen Monat später noch einmal hervorkramt, den Eindruck erweckt, es handele sich um ein laufendes Verfahren, und meint, Sawicki “hat ein Problem”, wissen wir nicht. Ein Sprecher des IKK sagt uns, das, was heute in “Bild” stehe, sei im Prinzip der Stand, der “am 11. Februar den Journalisten mitgeteilt” wurde. Aber: Für das IQWiG sei der Fall abgeschlossen, Sawicki habe keine negativen Folgen zu erwarten. Der “Bild”-Autor Hanno Kautz, mit dem er gesprochen habe, hätte ihm allerdings gesagt, er habe den Eindruck, “die Zahlen seien neu”.

Möglich. Die Meldung erweckt allerdings seltsamerweise den Eindruck, als sei Kautz, “der als früherer Redakteur der Ärztezeitung durchaus Detailkenntnisse im Gesundheitswesen aufweist”, der gesamte Vorgang irgendwie neu.

Mit Dank an A. W. für den sachdienlichen Hinweis.

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