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Bild.de beweist: Welt-Aids-Tag immer noch nötig

Heute ist Welt-Aids-Tag. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sieht ihn u.a. als Anlass, “Solidarität mit den Betroffenen auf der ganzen Welt zu zeigen” und “aufzuklären”. Weiter heißt es auf welt-aids-tag.de:

Und jeder kann mitmachen.

Bild.de hat sich das nicht zweimal sagen lassen und präsentiert:

"Die wichtigsten Fragen und Antworten zu HIV und Aids"

Eine der Fragen lautet:

"Gibt es Risikogruppen?"

Und die Bild.de-Antwort kann sich sehen lassen:

"Homosexuelle Männer und Drogenanhängige sind besonders gefährdet, aber leider auch Unschuldige: Unter den 63 500 Infizierten sind auch etwa 400 Kinder, die HIV über ihre Mutter bekommen haben."

Mit Dank an Kermit für den Hinweis!

Nachtrag, 17.40 Uhr: Bild.de zeigt plötzlich doch noch ein wenig Solidarität mit den Betroffenen und hat die Antwort geändert. Nun heißt es: “Homosexuelle Männer und Drogenabhängige sind besonders gefährdet. Unter den 63 500 Infizierten sind aber auch etwa 400 Kinder, die HIV über ihre Mutter bekommen haben.”

“BILD Brother is watching you”

Gestern kündigte die Axel Springer AG offiziell den nächsten “Schritt in der Medienevolution” (wir berichteten) an und machte ihn konkret: Ab dem 4. Dezember gibt es beim Discounter Lidl, bekanntlich ein guter Geschäftspartner von “Bild”, für rund 70 Euro (und nicht wie mal geplant umsonst) eine “preisgünstige und leicht zu bedienende Videokamera”. Das “Besondere” daran:

Wenn man das Gerät an einen Computer anschließt, öffnet sich automatisch ein Programm mit dem die Filme zum Online-Portal von BILD geschickt werden können.

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten Verbands Michael Konken sagte der Nachrichtenagentur dpa dazu:

“Das bringt uns im Journalismus nicht weiter und es ist eine Aufforderung, Grenzen zu überschreiten (…). Viele werden unter Missachtung aller Persönlichkeitsrechte versuchen, Prominenten aufzulauern.” Diese Art von Sensationsjournalismus könne leicht außer Kontrolle geraten.

Bei Autounfällen würden zu allererst Kameras gezückt und damit Hilfskräfte sowie professionelle Journalisten behindert.

Bei Tagesspiegel.de hingegen heißt es unter der Überschrift “Bild rüstet Leserreporter auf – na und?”:

Tatsächlich sind die eindringlichsten Bilder der letzten Ereignisse allesamt von Laien aufgenommen worden. Egal ob 09/11 oder der Tsunami 2004, egal ob Abu Ghraib oder die Hinrichtung Saddam Husseins, es waren private Aufnahmen, die Geschichte geschrieben haben. Und ja, diese Entwicklung muss man ernst nehmen. (…)

Kai Diekmann ist für “Bild” vorgeprescht und hat sich an die Spitze einer Bewegung gesetzt, die nun einmal existiert. Und gerade weil im Journalismus bestimmte Standards gelten sollen: An dieser Front darf man Diekmann auf keinen Fall alleine lassen.

Wortvogel zieht unter der Überschrift “Jedem Arschloch seine Kamera” Vergleiche zu Orwell (“BILD Brother is watching you”) und schreibt:

Das Recht am eigenen Bild, es stirbt nicht durch Paragraphen, sondern durch Schulterzucken: “Wir haben gedacht, das sei okay – und außerdem: das Video stammt von einem Leser, WIR zeigen es ja nur”. (…)

Dann sehen wir endlich im Bewegtbild, wie der psychisch Kranke nackt über die Straße kriecht. Haben wir schließlich ein Recht drauf. Und wäre doch gelacht, wenn nicht auch ein paar “Busenblitzer” vorkommen. (…) Schwenk zum Lastwagen, der einen Golf zermalmt hat: “Hier stirbt gerade ein Mensch”. Schlimm, sowas. (…) Dann lieber weiter zu Oliver Kahn, der doch tatsächlich bei der Filmpremiere in der Seitenstraße an die Mülltonne gepinkelt hat. Konnte man genau sehen. BILD fragt einen prominenten Urologen: Sieht das Genital des Titans eigentlich gesund aus?

Und “Spießer Alfons” schreibt:

Spießige Frage: Gab es bei Lidl nicht schon mal Überwachungskameras…? Und wer war es, der damals den Lidls publizistisch aus der Klemme geholfen hat…?
(Links von uns)

Mit Dank an die Hinweisgeber.

“Bild” verwechselt Bibel mit Grundgesetz

Wie sehr mit “Bild” die Fantasie durchgeht, weil erstmals ein türkischstämmiger Deutscher einer großen Partei vorsteht, zeigt auch diese Frage, die Hanno Kautz und Rolf Kleine in ihrem Interview Cem Özdemir gestellt haben:

BILD: Könnten Sie sich einen türkischstämmigen Kanzler vorstellen, einen Minister, der vielleicht seinen Amtseid auf den Koran schwört ...

Eine schlaue Antwort an die beiden “Bild”-Redakteure wäre gewesen:

Nein. Genauso wenig, wie ich mir vorstellen kann, dass vielleicht ein Bundeskanzler, ein Bundesminister oder der Bundespräsident seinen Amtseid auf die Bibel schwört. Sie etwa?

Die Eidesformel im Grundgesetz, Artikel 56:

“Ich schwöre, daß ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.”

Der Eid kann auch ohne religiöse Beteuerung geleistet werden.

Denn anders als in den Vereinigten Staaten wird im deutschen Parlament, wie uns ein Sprecher des Bundestages auf Anfrage erklärt, “auf gar kein Buch geschworen” — im wörtlichen Sinne nicht einmal auf das Grundgesetz. Das ist allerdings, im Gegensatz zur Bibel, bei der Vereidigung wenigstens anwesend, weil die Eidesformel aus ihm zitiert wird. Und auf das Grundgesetz bezieht sich auch der Eid, den Minister, Kanzler und Präsident ablegen.

In diesem Eid (siehe Kasten rechts) gibt es zwar eine “religiöse Beteuerung”, die der zu Vereidigende auch weglassen kann (wie es Gerhard Schröder getan hat). Diese Formel bezieht sich aber nicht auf die Bibel, sondern allgemein: auf “Gott”.

Es dürfte ein doppelter Schock für “Bild” und ihre entsetzten Leser sein: Das Abendland, das gerade unterzugehen droht, hat es nie gegeben.

Danke an Christoph C.!

“Bild” schreibt, was Özdemir-Gegner lesen wollen

Als Cem Özdemir vor einer Woche in die Parteispitze der Grünen gewählt wurde, war die Religionszugehörigkeit des Deutsch-Türken für “Bild” ein derart wichtiges Detail, dass sie es sogar in die Überschrift geschafft hatte:

"Erstmals wird ein Moslem Parteichef"

In anderen Medien war zwar eher die Rede davon, dass die Grünen erstmals einen “Türkischstämmigen”, “türkischstämmigen Politiker”, “Politiker türkischer Abstammung” und “Politiker mit ‘Migrationhintergrund'” oder (wie es die “Frankfurter Rundschau” formulierte) “ein deutsch-türkisches Gastarbeiterkind” zum Parteichef wählten. Aber bei “Bild” passte dergleichen wahrscheinlich einfach nicht ins Konzept in die Überschrift…

Heute nun druckt “Bild” ein Interview mit Özdemir — und eine große Schlagzeile:

"Grünen-Chef Özdemir fordert: Türkisch-Unterricht an deutschen Schulen!"

Aus dem Interview:

  • BILD: In deutschen Schulen werden alle möglichen Fremdsprachen unterrichtet – aber kaum Türkisch. Ein Fehler?
    Özdemir: Auf jeden Fall. Zweisprachigkeit ist in der globalisierten Welt ein großes Plus und ein Potenzial, das wir stärker nutzen müssen. Deutsch muss für Kinder, die hier leben und aufwachsen, immer die wichtigste Sprache sein. Aber wir müssen auch dafür sorgen, dass Kinder mit Migrationshintergrund ihre Mehrsprachigkeit entfalten können. Warum soll an deutschen Schulen neben Englisch, Französisch, Spanisch und Russisch nicht auch mehr Türkisch angeboten werden?
  • BILD: Könnten Sie sich einen türkischstämmigen Kanzler vorstellen, einen Minister, der vielleicht seinen Amtseid auf den Koran schwört …
    Özdemir: Genau das sollte sich ändern, dass vor allem gefragt wird, worauf ein Minister seinen Amtseid ablegt. Ich wünsche mir, dass unsere Gesellschaft farbenblind wird. Dass es völlig unerheblich ist, woran jemand glaubt. Entscheidend muss doch sein, wie gut, qualifiziert und überzeugend ein Politiker ist. Wichtig ist doch, wo ein Politiker hin will – nicht, wo er herkommt. In diesem Sinne wünsche ich mir, dass es in Deutschland bald die erste Ministerin mit Migrationshintergrund gibt, bei der genau das keine Rolle spielt.

Wobei die große Schlagzeile einen großen Haken hat: Sie stimmt nicht. Wer das Interview liest, muss nach einer Forderung Özdemirs lange (und vergeblich) suchen (siehe Kasten).

Noch falscher allerdings ist, was die Nachrichtenagenturen ddp, AFP*, epd und AP über das “Bild”-Interview zu vermelden wissen. In mehr oder weniger identischem Wortlaut heißt es dort:

Özdemir äußerte die Hoffnung, dass möglichst bald ein Muslim oder eine Muslimin in Deutschland ein Ministeramt bekleidet (…).

Dabei ist die Religionszugehörigkeit zukünftiger Minister in Özdemirs “Bild”-Interview selbst nirgends ein Thema (siehe Kasten). Und AP hat die Meldung inzwischen sogar korrigiert (“Er äußerte zugleich die Hoffnung, dass es möglichst bald die erste Ministerin mit Migrationshintergrund in Deutschland geben werde”).

Doch was kann “Bild” dafür? Oder anders: Woher hatten die Agenturen bloß ihre “ein Muslim oder eine Muslimin”-Behauptung, wenn doch das Interview selbst bereits komplett bei Bild.de nachzulesen war, als sie daraus eine Meldung machten?

Na, von “Bild”.

Wortwörtlich stehen Muslim und Muslimin in einer “Bild”-Vorabmeldung, verschickt von “Thomas Drechsler, BILD-Zeitung, Chefredaktion Politik”. Und niemand bei den genannten Agenturen sah sich offenbar veranlasst, daran zu zweifeln (oder zu überprüfen), was “Bild” behauptete – und nun auch fröhlich in den Online-Ausgaben der “Zeit”, des “Tagesspiegels”, des “Kölner Stadtanzeigers” sowie (naturgemäß noch abwegiger) unter Islamophobikern weiterverbreitet wird.

P.S.: Dass es auch anders geht, zeigt immerhin die Nachrichtenagentur dpa. Die nämlich fasst Özdemirs “Bild”-Aussage wie folgt zusammen: “Die Karriere von Politikern sollte nach Özdemirs Ansicht nicht vom Glaubensbekenntnis oder der Abstammung abhängen.”

Nachtrag, 18.16 Uhr: Özdemir antwortet uns auf Nachfrage, dass die “fordert”-Formulierung auf der “Bild”-Titelseite (“eine Entscheidung der Redaktion”) zwar “in der Sache nicht ganz falsch” sei, aber: “Die Kernaussage meines Interviews war (…) eine andere: Es geht mir darum, wie die immer noch existierenden Spaltungen in unserer Gesellschaft überwunden werden können. Da zielt so ein Aufmacher-Titel doch eher in eine andere Richtung.” Bezüglich seiner angeblichen Hoffnung auf eine muslimische Ministerin findet Özdemir indes klare Worte:

Das war nun wirklich eine Ente, die da offenbar an die Agenturen gegeben wurde.

*) Ach ja: Sechs Stunden nach der ungeprüften Übernahme der “Bild”-Vorabmeldung (und 16 Stunden nach Veröffentlichung des Interviews auf Bild.de) hat auch AFP festgestellt, dass da was nicht stimmte, und sich korrigiert.

“Bild” verirrt sich schon wieder im Fall Michelle

Vergangenen Donnerstag gab es doch mal wieder Neuigkeiten im Fall Michelle, die in einer Pressemitteilung der Polizei folgendermaßen zusammengefasst wurden:

Am Mittwochvormittag kamen im Rahmen der Ermittlungen im Fall Michelle erneut Mantrailer-Hunde zum Einsatz. (…) Im Laufe der erneuten Suche lief ein Hund zu einem Schulgebäude an der Möbiusstraße in Reudnitz-Thonberg. Im Gebäude suchte der Hund gezielt die Kellerräume auf. Daher gehen die Ermittler im Moment davon aus, dass sich Michelle zu einem gegenwärtig nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt dort aufgehalten hat. In den Räumlichkeiten fanden in der Vergangenheit offenbar auch Feierlichkeiten von Kindern und Jugendlichen statt, weshalb die Geruchsspur nicht im Zusammenhang mit dem Gewaltverbrechen stehen muss. Zum anderen besteht auch leider keine Garantie auf einen absolut fehlerfreien Geruchssinn der Hunde.

Die “Bild”-Zeitung machte daraus am Freitag dies:

Wir blicken in einen trostlosen, schmutzigen Schulkeller. Kalt, nass, keine Fenster, flackerndes Licht. Der unheimliche Ort ist die heißeste Spur zum Mörder der kleinen Michelle († 8) aus Leipzig.

HABEN SIE DAS GEFÄNGNIS VON MICHELLE ENTDECKT?

Wurde das Mädchen hier eingesperrt, missbraucht und getötet?

Und tatsächlich blickt, wer die “Bild”-Zeitung liest, in einen “trostlosen, schmutzigen Schulkeller”. Denn scheinbar ist die “Bild”-Zeitung irgendwie an ein Foto des Kellers gelangt und druckt es ab:

"Spuren des ermordeten Mädchens im Schulkeller - Hat die Polizei Michelles Gefängnis entdeckt?"

Auf Nachfrage bei der Schule bestätigt man uns, dass das Keller-Foto auf dem Schulgelände aufgenommen wurde. Allerdings sei es schon vor längerer Zeit entstanden. Für eine Geschichte über die Renovierungsbedürftigkeit der Humboldt-Schule, die “Bröckel-Penne”, wie “Bild” damals geschrieben habe. Und:

“Das ist nicht der Keller, um den es geht. Der ist ganz woanders.”

Mit Dank an Marcel G. für den sachdienlichen Hinweis.

Der Mann, der bei “Bild” kein großer Esser war

Grundsätzlich lassen sich zwei Arten von “Bild”-Interviews unterscheiden. Die eine Art wird tendenziell eher mit Politikern geführt, die Steuern erhöhen oder Verbrecher laufen lassen wollen, und nennt sich “BILD-Verhör”. Die andere Art wird gerne mit Spitzenfunktionären großer Unternehmen geführt und hat keinen eigenen Titel, was vermutlich daran liegt, dass “Das offene Mikrofon”, “Der ungestörte Monolog” oder “Es geht auch ohne Nachfragen” nicht so rubriktauglich sind.

Und wenn Ihnen diese Sätze bekannt vorkommen, könnte das daran liegen, dass wir sie vor ziemlich genau einem Jahr schon einmal geschrieben haben, als wir zum ersten Mal über die besondere Art der Interviews berichteten, wie sie “Bild”-Wirtschaftschef Oliver Santen mit anderen Wirtschaftschefs führt.

Wir haben viele Zeilen geschrieben, von “Nichtverhören” und “Kuschelgesprächen” gesprochen und getitelt: “Das Santenmännchen ist da!”. Wir hätten uns die Mühe sparen können. Ein einziges Foto fasst die ganze kritisch-journalistische Haltung Santens zu seinen Gegenübern zusammen, und freundlicherweise zeigt es die “Bild”-Zeitung heute zu seinem neuesten Gespräch:

Eine treffendere Bildunterschrift unter dem Foto wäre natürlich: “Ach, das sind also diese leckeren Pommes Frites, die die Leute so gerne bei Ihnen essen?!” Aber vielleicht haben Sie, liebe Leser, ja noch bessere Ideen.

Nachtrag, 14. November. Auf die naheliegendste Bildunterschrift sind wir nicht gekommen, aber viele unserer Leser, als erster Boris H.:

“Auch Ihnen fress’ ich gern aus der Hand.”

Weitere Vorschläge, die uns gut gefallen haben:

Man beißt nicht die Hand, die einen füttert.
(Hauke H. und viele andere)

“Lecker Pommes! Und wenn ich die Hand so halte, kommt auch meine wunderschöne IWC-Uhr (10.000 Euro) voll zur Geltung.”
(Florian S.)

“Danke, Herr Skinner, ich habe an Ihrem Kartoffelstäbchen gerochen und tu’s jetzt wieder in die Pappschachtel!”
(Michael B.)

“Ein kleiner Bissen für mich, ein großer Artikel für die BILD-Zeitung!”
(Lukas H.)

“Wes ‘fries’ ich ess, des Lied ich sing!”
(Karim a.)

“Moment… was steht da drauf? – “Ihren Scheck finden Sie in der Apfeltasche”.
(Gingi)

Vielen Dank an alle fürs Mitmachen!

Bild.de verkennt den narbigen Anziehkot

In dem Textchen über eine Party in der britischen Uni-Stadt Oxford vor gut zwei Wochen, von der es Fotos mit halbnackten Frauen drauf gibt, behauptet Bild.de heute u.a.

Das ist erstaunlich. Denn all das findet sich in keiner anderen Quelle, die über den “Nackt-Skandal im feinen, englischen Oxford!” berichtet. Es stand so vorgestern nicht mal in der britischen “Sun”, aus der Bild.de die Geschichte offensichtlich übernommen hat. Oder etwa doch? When you are the English speak’s not so mighty, vielleicht. Aber vergleichen Sie selbst:

Bild.de: thesun.co.uk: Übersetzung:
Eintritt gewährte der Türsteher nur jenen Gästen, die den top-geheimen Geheimcode des Abends kannten (…). In its advertising, the club told partygoers to adopt a “scary” dress code (…). In seiner Werbung forderte der Club die Partygänger auf,
sich gruselig zu verkleiden.
Schließlich beendete die Polizei den Abend abrupt, wollte prüfen, ob der Club-Betreiber nicht übers Ziel hinaus geschossen ist. Doch die englischen Bobbies mussten unverrichteter Dinge wieder abziehen. Alles legal. Police licensing officer Tony Cope said the lack of direct participation from the club’s customers meant the law had not been broken and the investigation was closed last night. [Ein Polizist] sagte, weil die Club-Gäste nicht direkt [an den Show-Acts] teilgenommen
hätten, liege kein Gesetzesbruch vor;
die Ermittlungen
seien in der vergangenen Nacht eingestellt worden.
Mehr Aufregung gab’s hingegen unter den weiblichen Studenten in Englands angesehenster Universität: Die hatte nämlich gerade erst die “Woche der Gleichberechtigung unter den Geschlechtern” zelebriert (…). And the show upset students from Oxford University after being staged just days before the start of its Students Union’s gender equality week. Und die Show
brachte Studenten
der Oxforder Universität auf, nachdem sie nur wenige Tage vor dem Start ihrer “Woche der
Geschlechter-gleichheit der Studentenschaft” stattgefunden hatte.

Mit Dank an Hanns K. aus Oxford.

Nachtrag, 19.44 Uhr: Bild.de hat den “top-geheimen Geheimcode” der “Sun” plötzlich doch noch geknackt…

Nachtrag, 14.11.2008: Wunderwelt Bild.de! Wo ein Online-Redakteur aus dem englischen “Sun”-Text einen miserablen deutschen Bild.de-Text macht, damit ein richtiger Übersetzer daraus anschließend wieder eine englische Version anfertigt – in der zwar die Fehler der deutschen Fassung tadellos übersetzt wurden (“Access to the erotic party was only granted to those who knew the secret code” usw.), aber dafür auch unkorrigiert stehen bleiben…

“Bild” hilft… nicht bei Steiners Trauer

Matthias Steiners Geschichte ist wie gemacht für den Boulevard. Als er im Sommer bei den Olympischen Spielen die Goldmedaille im Gewichtheben gewann, widmete er sie seiner verstorbenen Frau. Die kam im Juli 2007 bei einem Verkehrsunfall ums Leben, und Steiner hielt bei der Siegerehrung ein Foto von ihr in die Kamera.

Seither berichtete die “Bild”Zeitung häufiger über Steiner und seine Geschichte. Vor einer knappen Woche war er als Blattkritiker zu Gast. Einen Tag später schrieb der “stärkste Mann der Welt” selbst in “Bild”.

Heute berichtet “Bild” darüber, wie Steiner (dem es im Prozess “nicht um Genugtuung”, sondern offenbar um Trauerbewältigung geht) als Nebenkläger die Gerichtsverhandlung gegen den “Totraser seiner Frau” verfolgte, der wegen fahrlässiger Tötung angeklagt ist:

"Hier sieht der stärkste Mann der Welt den Totraser seiner Frau"

“Bild” berichtet nicht, dass der Staatsanwalt den Angeklagten in der Verhandlung auch fragte, warum er sich nicht mit Steiner in Verbindung gesetzt und ihm “sein Mitleid ausgesprochen” habe, “um den Schmerz zu lindern”.

Die “FAZ” schreibt dazu:

[Der Angeklagte] antwortet mit leiser Stimme. Es tue ihm sehr leid, er wisse bis heute nicht, wie der Unfall passiert sei, Herr Steiner habe aber nur mit ihm reden wollen, wenn die Zeitung “Bild” hätte anwesend sein dürfen.

“Ich wollte persönlich mit Ihnen reden, die ‘Bild’-Zeitung hätte ich nicht geduldet”, antwortet Nebenkläger Steiner.

Und vermutlich stimmt, was Steiner sagt. Denn in einer ddp-Meldung kann man (ähnlich wie in der “Welt”) nachlesen, was Steiner noch geantwortet hat:

Steiner habe ein Gespräch im Beisein eines Boulevard-Journalsten führen wollen. “Das habe ich abgelehnt”, sagte der Angeklagte.

Steiner betonte jedoch, es könne sein, dass eine Boulevard-Zeitung den Vorschlag gemacht habe, “aber der Vorschlag kam nicht von mir”.

Insofern ist die “Bild”-Zeitung womöglich mitverantwortlich, dass es nicht zu einer Aussprache zwischen Steiner und dem Angeklagten gekommen ist.

Bild.de lässt Obama nach Hause telefonier’n

Es wird verfügt in dem Gesetz Venedigs,
Wenn man es einem Außerirdischen dargetan,
Daß er durch Umweg’ oder gradezu
Dem Leben eines Bürgers nachgestellt,
Soll die Partei, auf die sein Anschlag geht,
Die Hälfte seiner Güter an sich ziehn;
William Shakespeare (Übersetzung: Bild.de)

“Ich bin ein Außerirdischer, ein legaler Außerirdischer…”
Sting (Übersetzung: Bild.de)

Shakespeare und Sting werden sich wahrscheinlich wundern, dass sie sich hier in einem Atemzug mit dem Ku-Klux-Klan-Aktivisten Thomas Robb wiederfinden.

Robb-O-Ton in der “Sun”:

“This war is between our people (…) and their people, the blacks. (…) We’re being taken over by aliens and I certainly consider Obama an alien.”

Aber da können wir nix für. Schließlich hielt es das britische Boulevardblatt “The Sun” für erwähnenswert, dass Robb im Falle eines Siegs Barack Obamas bei der US-Wahl vor einem “Rassen-Krieg” gewarnt habe. Und so schreibt Bild.de unter Berufung auf die “Sun” über Robb:

Er ist der Meinung, dass Afroamerikaner Außerirdische sind, die in die USA eingedrungen sind, um die christliche Kultur zu zerstören... Robb: "Dies ist ein Krieg zwischen Menschen, die ich als rechtmäßige Besitzer und Führer dieses großen Landes sehe und ihrem schwarzen Gefolge. (...) Und Obama bezeichne ich als Außerirdischen." Verwirrte Worte eines durchgeknallten Mannes. Er scheint es ernst zu meinen.

Bild.de wohl auch.

Mit Dank an Hoi Polloi, Michael D., Phillipp S., Axel K., Jan-Dirk S., Martin und Heribert!

Nachtrag, 14.50 Uhr: Huch! Plötzlich haben sich die “Außerirdischen” bei Bild.de in gewöhnliche “Ausländer” verwandelt.

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