So, heute testen wir mal kurz die Reaktionsgeschwindigkeit von Bild.de:

Und die Uhr läuft ab… jetzt!
Mit Dank an Mischa B. für den Hinweis.
So, heute testen wir mal kurz die Reaktionsgeschwindigkeit von Bild.de:

Und die Uhr läuft ab… jetzt!
Mit Dank an Mischa B. für den Hinweis.
Frage: Wenn die “Bild”-Zeitung ihre etwa 3,6 Millionen Käufer dazu aufruft, sich “Ihre Rundfunkgebühren zurückzuholen”, weil die Übertragung des Eurovision Song Contest “eine an Langeweile und Inkompetenz nicht zu überbietende TV-Katastrophe” gewesen sei — wieviele Leser werden den vorbereiteten Coupon ausschneiden, ausfüllen und an die ARD abschicken?
Antwort: 768.
Vielleicht entspricht diese Zahl “ganz Deutschland”. Vielleicht haben die anderen Leser aber auch gemerkt, dass der zugehörige Artikel eine an Inkompetenz nicht zu überbietende “Bild”-Katastrophe war: “Bild” nannte die Veranstaltung fälschlicherweise “European Song Contest”, erfand das Wort “Belrus”, glaubte fälschlicherweise, das sei englisch für “Weißrußland”, behauptete fälschlicherweise, das sei beim Grand-Prix eingeblendet gewesen und empörte sich fälschlicherweise, dass ARD-Kommentator Peter Urban das nicht übersetzt habe.
Volker Herres, der für die Sendung zuständige Programmdirektor des NDR, hat den 768 Gebühren-Zurückforderern jetzt einen Brief geschrieben:
Ich muss Ihnen leider mitteilen, dass Sie einer falschen Darstellung der “Bild”-Zeitung aufgesessen sind. (…)
Wegen der falschen Darstellungen hat das Landgericht Hamburg am 3. und 6. Juni 2005 der “Bild” per einstweiliger Verfügung eine Gegendarstellung auferlegt und die weitere Verbreitung des Artikels untersagt.
Vor diesem Hintergrund werden Sie mir zustimmen: Aufgrund eines fehlerhaften “Bild”-Artikels kann der NDR Ihnen nicht die Fernsehgebühren erstatten. Sollten Sie hingegen darüber nachdenken, wegen der irreführenden Berichterstattung den Kaufpreis der “Bild” vom 23.Mai zurückzufordern, so nenne ich Ihnen gerne die entsprechende Anschrift: Bild-Zeitung, Herrn Chefredakteur Kai Diekmann, Axel-Springer-Platz 1, 20355 Hamburg.
Vielen Dank an Cornelius U. und Marianne Z. für die Hinweise!
Anlässlich des 70. Geburtstags von “Monopoly” lüftet “Bild” insgesamt “10 echte Monopoly-Geheimnisse”.
Geheimnis Nr. 4 lautet:
“Wußten Sie..?
…daß insgesamt über 200 Millionen Exemplare verkauft worden sind (…)? Die Fläche aller Spielbretter aneinandergelegt ergibt eine Fläche größer als Asien. (…)”
Und wir müssen gestehen, das wussten wir nicht – was aber möglicherweise daran liegt, dass es nicht stimmt: Denn laut “Bild” ist dieses Asien dann entweder nicht größer als Bühlerzell, Bendorf (genauer gesagt, Bendorf und die VG Vallendar) oder das Ganlan Becken von Xishuangbanna, oder ein einzelnes Monopolyspielbrett ist ungefähr so groß wie der Stadtfriedhof Engesohde.
Mit Dank an Sebastian P. und Elmar G. fürs Vorrechnen.
Nachtrag, 13:00 (mit Dank an Joachim K. und Andreas G.):
Dass “Bild” den falschen Asien-Vergleich womöglich ungeprüft von einer Monopoly-Werbewebsite abgeschrieben haben könnte, macht die Sache nicht besser. Im Gegenteil.
Nachtrag, 15:30 (mit Dank an Lukas S. und Daniel D.):
Der Asien-Vergleichsbeauftragte von “Bild” hat seinen Dienst angetreten und das falsche “Geheimnis” geändert. Jetzt heißt es bei Bild.de:
“Wußten Sie..?
…daß insgesamt mehr als 250 Millionen Exemplare verkauft worden sind? Alle Spielbretter aneinandergelegt ergeben eine Strecke, die dreimal länger als der Umfang der Erde ist (250 Millionen Stück x 0,50 Meter Spielfeldbreite = 125 Millionen Meter oder 125.000 Kilometer. Das ist mehr als dreimal soviel wie der Erdumfang von 40.076,592 Kilometern).”
PS: Schade nur, dass der Asien-Vergleichbeauftragte nicht zufälligerweise auch Papst-Experte ist. Denn dann hätte er bestimmt auch an dieser Meldung was korrigiert, oder?
Nachtrag, 16:17 (mit Dank an Stefan B.):
Ach ja: Und dass das “Monopoly-Geheimnis” Nr. 8 so stimmt, darf offenbar ebenfalls bezweifelt werden.
Nachtrag, 16:44:
Jetzt hat auch der Papst-Beauftragte von “Bild” seinen Dienst angetreten und diese Papst-Sache geändert.
Vorerst zum letzten Mal: Einsendungen aus unserer Aktion “Macht Reklame für BILDblog!” Danke an alle! Jetzt sind wir dran…
Eingesandt von Malcolm B.
Eingesandt von Malcolm B.
Eingesandt von Isabelle B.
Eingesandt von Christoph S.
Eingesandt von Christoph S.
Eingesandt von Jan B.
Eingesandt von Jonathan W.
Eingesandt von Jonathan W.
Eingesandt von Maik.
Eingesandt von André K.
Eingesandt von Kai N.
Eingesandt von Markus W.
Eingesandt von Philipp B.
Eingesandt von Timo I.
Eingesandt von Timo F.
Eingesandt von Markus.
Eingesandt von Danijela D.
Eingesandt von Felix S.
Eingesandt von Daniel D.
Eingesandt von Daniel D.
Eingesandt von Daniel D.
Eingesandt von Cord-C. B.
Eingesandt von Mademoiselle A.
Eingesandt von Peter B.
Eingesandt von Daniel S.
Eingesandt von Christian H.
Eingesandt von Annabell P.
Eingesandt von Annabell P.
Eingesandt von Annabell P.
Eingesandt von Michael V.
Wie “Bild” zunehmend Einfluss darauf gewinnt, was in Deutschland zum Verkaufsschlager wird
(Mai 2005) Das Jahr hat gut begonnen für den Autohersteller Seat. Im Januar und Februar verzeichnete die VW-Tochter im Vergleich zum Vorjahr das Dreifache an Aufträgen für ihren Kleinwagen “Ibiza”, meldete Seat Deutschland im März. Dass das Modell urplötzlich so beliebt war, lag nicht etwa daran, dass der schon etwas betagte “Ibiza” mit exklusiven Extras angeboten oder mit einer besonders flotten Kampagne beworben wurde – sondern vor allem an einer Kooperation mit der “Bild”-Zeitung. Zwei Monate bot Seat das Sondermodell “Ibiza Sport Edition” als “Volks-Seat” an. “Bild” und Bild.T-Online warben kräftig für die Aktion – und erzielten offenbar den erwünschten Erfolg.
Längst nutzt “Bild” den eigenen Namen nicht mehr nur für Zeitschriften-Ableger wie “Computer-Bild” oder “Audio-Video-Foto-Bild”. Mit den “Volks”-Produkten will das Boulevardblatt von der Spülmaschine über die Zahnbürste bis hin zur Bettdecke nun auch allerlei Gebrauchsgegenstände verkaufen.
Deutschlandweit bekannt
Die produziert “Bild” natürlich nicht selbst. Die Zeitung, genauer: deren Internet-Ableger Bild.T-Online, kooperiert lediglich mit den Herstellern der Waren, die es in der Regel auch ohne “Volks”-Label längst im Handel zu kaufen gibt. Die Unternehmen profitieren davon, dass “Bild” ihr “Volks”-Produkt innerhalb kürzester Zeit deutschlandweit bekannt macht. Entsprechend gut verkaufen sich viele der angebotenen Waren.

Keine “Stiftung Warentest”
Im Prinzip ist gegen eine solche Vermarktungsstrategie nichts einzuwenden. Nicht nur “Bild”, sondern auch viele andere Zeitungen mussten sich in den vergangenen Jahren überlegen, wie sie sich zukünftig finanzieren würden. In der Medienkrise waren den Verlagen die Einnahmen weggebrochen, die sie bisher mit Rubrikenanzeigen und Werbebuchungen erzielten.

Die rein werblichen Beiträge sind inzwischen zwar korrekt als “Anzeige” gekennzeichnet, suggerieren aber dennoch, dass es sich um ein besonderes Schnäppchen oder ein besonders hochwertiges Produkt handelt, das die Redaktion womöglich ganz besonders schätzt.
Schlechter als die Basisversion
Das muss nicht immer auch der Fall sein. Hanno S. Ritter vom Online-Portal Autokiste.de nennt das kürzlich von “Bild” und Blaupunkt angebotene “Volks-Navi” als Beispiel: “Das beworbene Gerät war schlechter als die ihm zu Grunde liegende Basisversion, etwa weil ein Tacho-Anschluss fehlte.” In der Produktbeschreibung von Blaupunkt sei darauf verwiesen worden, dieser wäre nicht nötig. Das stimmt zwar. Ritter meint aber: “Richtig wäre gewesen: Ein Tacho-Anschluss ist bei diesem Gerät nicht möglich.” Zudem sei das bessere Basisgerät mit Tacho-Anschluss im Handel bereits für denselben Preis wie das “Volks-Navi” angeboten worden.

Zweifelhafte Markenmacht
Verbraucher können oft nur schwer nachprüfen, ob die angebotenen Waren tatsächlich so günstig sind, wie die “Volks”-Werbung suggeriert – zumindest, wenn es dabei um Produkte mit zahlreichen Funktionen geht, die nicht so einfach zu überblicken sind. Mag sein, dass das ein oder andere Angebot tatsächlich einige Euro günstiger ist als im Handel.
Viel wichtiger ist jedoch, dass “Bild” nicht mehr nur Einfluss darauf nimmt, was in Politik und Gesellschaft diskussionswürdig erscheint, sondern mit zunehmendem Erfolg der “Volks”-Produkte auch darauf, welche Waren welches Herstellers die Verkaufsschlager von morgen werden – egal ob Waschmaschine, Fahrrad oder Computer. Ob eine solche Markenmacht auf Dauer tatsächlich im Sinne von Herstellern und Verbrauchern sein kann?
| Datum | Produkt | Partner |
|---|---|---|
| September 2002 | Volks-PC | Plus |
| November 2002 | Volks-Notebook | Plus |
| Dezember 2002 | Volks-PC | Plus |
| Februar 2003 | Volks-PC | Plus |
| April 2003 | Volks-Notebook | Plus |
| Mai 2003 | Volks-Spüler | Media-Markt |
| Juni 2003 | Volks-Kamera | Media-Markt |
| September 2003 | Kaffee-Vol(l)ks-Automat | Media-Markt |
| September 2003 | Volks-PC | Plus |
| November 2003 | Volks-Notebook | Plus |
| November 2003 | Volks-Dekoder | More TV |
| November 2003 | Volks-Navigator | T-Mobile |
| Dezember 2003 | Volks-PC | Plus |
| März 2004 | Volks-Notebook | Media-Markt |
| März 2004 | Volks-LCD-Fernseher | Media-Markt |
| April 2004 | Volks-DVD-Rekorder | Media-Markt |
| Mai 2004 | Volks-Fahrrad | Otto |
| Mai 2004 | Volks-Kamera | Media-Markt |
| Juni 2004 | Volks-Handy | Talkline |
| Juni 2004 | Volks-Schuh | Otto |
| Juli 2004 | Volks-Fotodrucker | Media-Markt |
| Juli 2004 | Volks-Notebook | Media-Markt |
| August 2004 | Volks-Fernseher | Media-Markt |
| August 2004 | Volks-PC | Media-Markt |
| August 2004 | Volks-Sparkonto | Diba |
| September 2004 | Volks-Matratze | Otto |
| September 2004 | Volks-Zahnbürste | Media-Markt |
| Oktober 2004 | Volks-Notebook | Media-Markt |
| Oktober 2004 | Volks-Fonds | DWS |
| November 2004 | Volks-Trainer | Otto |
| November 2004 | Volks-Kamera | Media-Markt |
| Dezember 2004 | Volks-Rekorder | Media-Markt |
| Januar 2005 | Volks-Seat | Seat |
| Februar 2005 | Volks-Zinssparen | Deutsche Bank |
| Februar 2005 | Volks-Handy | Talkline |
| März 2005 | Volks-Laufschuh | Deichmann |
| April 2005 | Volks-Bett | Quelle |
| April 2005 | Volks-Kredit | Creditplus |
| April 2005 | Volks-Navi | Blaupunkt |
| Mai 2005 | Volks-Fahrrad | Quelle |
| Mai 2005 | Volks-Waschmaschine | Quelle |
| Mai 2005 | Volks-Tarif | Payback/Vodafone |
| Mai 2005 | Volks-Bausparen | BHW |
| Mai 2005 | Volks-Caddy | VW |
| Juni 2005 | Volks-Notebook | Fujitsu-Siemens |
| Juni 2005 | Volks-Seat | Seat |
| Juni 2005 | Volks-Kamera | Panasonic |
| Juni 2005 | Volks-Gefrierschrank | Quelle |
| August 2005 | Volks-Kredit | Creditplus |
| September 2005 | Volks-Rente | Dresdner/Allianz |
| September 2005 | Volks-Bus | Volkswagen |
| September 2005 | Volks-Burger | Burger King |
| Oktober 2005 | Volks-Handy | Talkline |
| Oktober 2005 | Volks-Notebook | Fujitsu-Siemens |
| November 2005 | Volks-Fonds | Union Investment |
| Februar 2006 | Volks-Tigra | Opel |
| März 2006 | Volks-Handy | Talkline |
| April 2006 | Volks-Laufschuh | Deichmann |
Was fehlt? Mail schicken.
Außer Konkurrenz: die Volks-Bibel (Oktober 2004, direkte Verlagskooperation mit Weltbild, neu aufgelegt als “Goldbibel” im Dezember 2005).

Die Gegendarstellung selbst ist größer als ein DIN-A-4-Blatt, groß eben, so groß wie ein “Bild”-Artikel vom 20. April, den Claudia Roth und Volker Schäfer gegengedarstellt gegegendarstellt gegendargestellt wissen wollen. Der Anlass ist bekannt, der Text der Gegendarstellung im Kern auch. Anders als Bild.de hatte sich “Bild” jedoch mit dem Abdruck schwerer getan, ein “Bild”-Sprecher sogar bekräftigt, die Fakten seien korrekt und man habe sich nichts vorzuwerfen.
Auch “Bild”-Chef Kai Diekmann gibt sich heute via “Süddeutsche Zeitung” noch alle Mühe, die Sache klein zu reden (Zitat: “Sie wissen doch, dass eine Gegendarstellung bedeutet, dass der Vorwurf nicht wahr sein muss”). Doch heißt es in der Gegendarstellung – sinngemäß zusammengefasst – nicht nur, der durch die Berichterstattung erweckte Eindruck einer angeblichen “Amigo-Affäre” von Roth und Schäfer “entbehrt jeglicher Grundlage”, nein…
… am Ende stellt “die Redaktion” ausdrücklich fest:
Heute veröffentlicht die “Frankfurter Rundschau” zu diesem Artikel eine Gegendarstellung von “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann:
Die Frankfurter Rundschau hat in der Ausgabe vom 9. Juni 2005 auf Seite 18 unter der Überschrift “Vendetta-Verdacht” einen Beitrag von Oliver Gehrs veröffentlicht, der sich u.a. mit der Bild-Zeitung befasst. Darin heißt es unter Bezugnahme auf die Bild, die Schauspielerin Alexandra Neldel sei “wochenlang” durch die Schlagzeilen gezerrt worden, nachdem sie sich gegen Nacktaufnahmen in einem anderen Springer-Blatt gewehrt habe.
Dazu stelle ich fest: Bild hat in dem von Oliver Gehrs angesprochenen Zeitraum nicht “wochenlang” über Alexandra Neldel berichtet.
Ja: Kai Diekmann ist ein ehrenwerter Mann. Nie würde er es zulassen, dass seine Zeitung eine Schauspielerin wochenlang durch die Schlagzeilen zerrt, nachdem sie sich gegen Nacktaufnahmen in einem anderen Springer-Blatt gewehrt hat. Seine Zeitung hat die Schauspielerin Alexandra Neldel nur tagelang durch die Schlagzeilen gezerrt, nachdem sie sich gegen Nacktaufnahmen in einem anderen Springer-Blatt gewehrt hat.
“Macht Reklame für BILDblog!” — noch ein Schwung aus dem Briefkasten. Einsendeschluss ist der kommende Sonntag!
Eingesandt von Bernhard Z.
Eingesandt von Tim B.
Eingesandt von Dominik S.
Eingesandt von Juanito P.
Eingesandt von Karsten B.
Eingesandt von Niklas P.
Eingesandt von Stefan B.
Eingesandt von Jan-Gerd T.
Eingesandt von Jan-Gerd T.
Eingesandt von Oliver-Sven L.
Eingesandt von Ralf E.
Eingesandt von Tine
Eingesandt von Christian R.
Mal angenommen, einem großen Konzern ginge es plötzlich wirtschaftlich ganz furchtbar mies. So mies sogar, dass er betriebsbedingte Kündigungen aussprechen müsste. Nehmen wir weiter an, rund 4.200 Mitarbeiter wären von der Entlassung bedroht. Das wäre schlimm für diese 4.200 Mitarbeiter. Oder?
Offenbar kann man das auch anders sehen, nämlich so wie “Bild” es sieht, wenn es um Bundestagsmitarbeiter geht:
Und im Text heißt es:
Ihre Arbeitsverhältnisse enden mit Ablauf der Legislaturperiode — wegen der geplanten Neuwahlen jetzt ein Jahr früher als erwartet.
Doch sie fallen weich!
Besonders langjährige Mitarbeiter werden großzügig versorgt: Wer zwei volle Legislaturperioden im Bundestag gearbeitet hat und älter als 30 Jahre ist, bekommt vier Monate sein volles Gehalt weiter. Über 50jährige werden sechs Monate weiterbezahlt. Wenn sie drei Legislaturperioden im Bundestag beschäftigt waren, sogar neun Monate.
Das mag man als großzügig empfinden. Zumindest, was die Unter-50-Jährigen angeht, unterscheidet sich die Praxis im Bundestag aber kein bisschen von dem, was in der freien Wirtschaft üblich ist. Auch dort bekommen Mitarbeiter nämlich für gewöhnlich, beispielsweise bei betriebsbedingten Kündigungen, eine Abfindung. Die beträgt pro Jahr Betriebszugehörigkeit ein halbes Monatsgehalt. Bei acht Jahren Betriebszugehörigkeit ergäbe sich so beispielsweise eine Summe, die vier Monatsgehältern entspricht. Die über 50-jährigen allerdings, die könnten im Bundestag wohl auf etwas mehr Geld hoffen, als in der Wirtschaft üblich.
Aber vielleicht meint “Bild” mit “Mehr Geld” ja auch dies hier:
Nach neuesten Plänen der SPD sollen nun auch Fraktions- und Abgeordnetenmitarbeiter mit weniger Dienstjahren zwei Monate lang ihr Gehalt weiterbekommen.
Das ist zwar bislang nur eine Idee, und auch deren Umsetzung würde wohl keine gravierenden Unterschiede zur Wirtschafts-Praxis ergeben. In Einzelfällen ist es aber durchaus möglich, dass Bundestagsmitarbeiter mehr Geld bekommen, als in der Wirtschaft üblich. Aber muss man deshalb, wie “Bild”, komplett unterschlagen, dass es sich bei Abfindungszahlungen nicht um eine Sonderregelung für den Bundestag handelt?
Aber kommen wir zum so genannten “Luxus-Arbeitsamt”. Dazu schreibt “Bild”:
Übrigens: Auch von der Bundesagentur für Arbeit bekommen die betroffenen Mitarbeiter eine Extrawurst serviert: Für sie wird eigens ein Büro im Bundestag eingerichtet – sie müssen dann nicht auf überfüllten Amtsfluren stundenlang auf einen Termin warten …
Und dazu kann man nun ganz und gar nicht stehen, wie man will: Dass es sich dabei um eine “Extrawurst” handeln soll, ist schlicht falsch. Es ist nämlich gängige Praxis der Bundesagentur für Arbeit (BA) bei Großkonzernen, in denen Massenentlassungen anstehen, Informationsveranstaltungen direkt im betroffenen Betrieb durchzuführen. Das, und noch ein wenig mehr, kann man übrigens einer Pressemitteilung des Deutschen Bundestags entnehmen.
Aber vielleicht kam es “Bild” ja gar nicht so sehr darauf an, ihre Leser möglichst vollständig und zutreffend zu informieren. Sondern auf etwas ganz anderes.
“Hartz IV-Empfänger bekommen zuviel Geld”
Mit dieser brisanten Überschrift versucht Bild.de heute eine “These” des Berliner SPD-Politikers Thilo Sarrazin zusammenzufassen. Der Internet-Ableger der “Bild”-Zeitung beruft sich dabei auf die heutige Ausgabe ihrer Berliner Schwesterzeitung “B.Z.”, die anlässlich einer am Montag gehaltenen Rede “vor 170 Wirtschaftsbossen” über Sarrazin berichtet.
Wie in der “B.Z.” zitiert Bild.de den SPD-Mann zunächst so:
“Wie jeder weiß, liegt der Marktlohn für ungelernte Tätigkeiten in Berlin gegenwärtig bei 4 bis 5 Euro.”
Anschließend aber heißt es in der “B.Z.”:
“Ein Hartz-IV-Empfänger müßte nach der Logik des Arbeitsmarktes aber darunter liegen, so Sarrazin.”
(Hervorhebung von uns.)
Bei Bild.de jedoch steht:
“Nach Meinung des Politikers müßte ein Hartz-IV-Empfänger darunter liegen.”
Das ist ein Unterschied. Aber noch nicht alles. Denn abgesehen davon, das Bild.de in die Meldung (mit den Worten “Sarrazin weiter:”) noch ein weiteres Zitat montiert, das der Politiker zwar am selben Tag aber an anderem Ort (laut “B.Z.” nämlich “im Senat”) gesagt hat, folgt in der Online-Version von “Bild” ein dritter O-Ton Sarrazins. Er lautet:
“Das geht los mit dem Auto. Das muß weg, das muß kleiner werden. Es geht weiter mit den Wohnungen. Die muß sich auch ein bißchen verkleinern. Und beim Essen gibt es weniger Wurst.”
Und, ja: Auch das hat Sarrazin gesagt – allerdings nicht vor den “Wirtschaftsbossen”, nicht im Senat, nicht am Montag. Das Zitat stammt auch nicht aus der “B.Z.”, zumindest nicht aus der von heute. Gesagt hat Sarrazin das vielmehr in einer TV-Talkshow des damaligen SFB vom 11.11.2002. Außerdem ging es damals, vor zweieinhalb Jahren, überhaupt nicht um Hartz IV, wie man beispielsweise in der “B.Z.” vom 13.11.2002 nachlesen kann — im Hause “Bild” aber nicht.
Mit Dank an Ron für die Anregung.