Suchergebnisse für ‘AfD’

Wie mit Rechtsextremen umgehen?, Flüchtige Gewissheiten, Afghanistan

1. AfD als gesichert rechtsextrem eingestuft – wie reagieren Deutschlands Fernsehsender?
(correctiv.org, Samira Frauwallner)
Samira Frauwallner hat untersucht, wie deutsche Fernsehsender auf die neue Einstufung der AfD als gesichert rechtsextremistisch reagieren, und dafür bei öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern nachgefragt. ARD und ZDF überdächten zwar ihren Umgang, wollen aber weiterhin AfD-Vertreterinnen und -Vertreter in ihren Programmen abbilden und die Einstufung jeweils deutlich machen. ProSiebenSat.1 sehe dagegen keinen Änderungsbedarf, während RTL noch keine Entscheidung getroffen habe.
Weiterer Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator unter der Überschrift “Kritische Einordnung statt Bühne: Medien und die AfD”: “Gerade wir in Deutschland sollten aus der Weimarer Republik gelernt haben, wohin die Normalisierung radikaler Positionen führt: Damals wurde die Demokratie schrittweise ausgehöhlt. Und zwar, weil Medien und Politik Extremisten immer wieder eine Bühne boten – bis es irgendwann zu spät war. Diesen Fehler dürfen wir nicht wiederholen.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 3:59 Minuten)

2. Wenn Gewissheiten flüchtig werden
(journalist.de, Stephan Karkowsky)
Der Radiojournalist Stephan Karkowsky schreibt in der Reihe “Mein Blick auf den Journalismus”, dass Journalistinnen und Journalisten angesichts der vielen Lügen von Donald Trump und der Strategie rechtsextremer Gruppen, Fakten bewusst in Frage zu stellen, nicht neutral bleiben können. Er fordert eine klare Rückbesinnung auf journalistische Qualitätsstandards wie Faktenchecks, das Zwei-Quellen-Prinzip und transparente Fehlerkorrekturen, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in seriösen Journalismus zurückzugewinnen. Karkowskys Fazit: “Möglicherweise haben wir die Gatekeeper-Funktion durch die Einführung sozialer Medien verloren. Unsere Funktion als die Vierte Gewalt im demokratischen System aber dürfen wir nicht aufgeben, egal, wie sehr interessierte Kreise uns dafür als Zensurorgane delegitimieren wollen.”

3. Bundesregierung soll Journalisten aufnehmen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) appelliert an die neue Bundesregierung, die besorgniserregende Lage der Journalistinnen und Journalisten in Afghanistan nicht zu vergessen: “Vielen afghanischen Medienschaffenden bleibt nur noch der Weg ins Exil, um sich vor den Taliban zu schützen. Aufnahmeprogramme sind für sie der einzige sichere Ausweg. Doch seit Monaten sitzen höchst gefährdete Journalisten in Pakistan fest und warten auf ihre zugesagte Einreise nach Deutschland. Sie haben einen Rechtsanspruch darauf”, so RSF-Geschäftsführerin Anja Osterhaus: “Wenn die Bundesregierung die Einreisen aussetzt, wer soll sich in Zukunft auf das Wort der deutschen Regierung verlassen? Das wäre nicht nur eine Katastrophe für die Journalisten und ihre Familien, es schadet auch dem Ansehen Deutschlands.”

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4. Pressefreiheit braucht starken politischen Rückhalt
(dju.verdi.de)
Die Gewerkschaft Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union in Verdi gratuliert Kulturstaatsminister Wolfram Weimer zum Amtsantritt, verbindet dies aber mit Erwartungen: “Die gegenwärtigen Herausforderungen an den Berufsstand sind vielfältig. Sie reichen von ökonomischem Druck über juristische Einschüchterung bis hin zu Hassrede und Angriffen auf Journalist*innen. Der Beauftragte der Bundesregierung für Medien sollte es sich zur Aufgabe machen, die Resilienz unserer Medienlandschaft im Sinne der Demokratie zu stärken.”

5. Fakten oder Gefühle? Warum Emotionen im Journalismus unverzichtbar sind
(dfjv.de, Kathrin Boehme)
“Haben Emotionen in der Berichterstattung überhaupt Platz? Oder sollten sie nicht eher konsequent vermieden werden?” Kathrin Boehme hat mit der Kommunikationswissenschaftlerin und Journalistin Margreth Lünenborg über “Emotionen im Journalismus” gesprochen. Lünenborg ist sich sicher: “Emotionen gehören längst zum Journalismus, auch bereits historisch gehörten sie dazu. Das beobachten wir in vielen Bereichen, ob im Sport, in den digitalen Medien, in Reportagen. Sie intensivieren die Berichterstattung und schaffen eine Verbindung zum Publikum.”

6. Leichte Sprache in Apps: Wie schwer kann das sein?
(media-lab.de, Paula Motschmann)
“Leichte Sprache in mobilen Applikationen ist aktuell noch eine Seltenheit. Sie gilt als Netiquette. Dabei wäre mehr davon für sehr viele Menschen sinnvoll und inklusiv. Wo hakt es also – auch in der Medienbranche – und welche Empfehlungen können bei der Umsetzung helfen?” Paula Motschmann kritisiert, dass es kaum mobile Apps in Leichter Sprache gebe. Dabei könnten rund 14 Millionen Menschen in Deutschland davon profitieren. Gründe dafür seien fehlende gesetzliche Vorgaben und Unsicherheiten in der Medienbranche. Motschmann empfiehlt, die Zielgruppen stärker einzubeziehen, Texte übersichtlich zu gestalten, professionell zu übersetzen und von Nutzerinnen und Nutzern prüfen zu lassen.

Koalitionsvertrag, Pulitzer-Preise, Rechtsextreme im Fernsehen

1. Koalitionsvertrag: Wie Union und SPD gegen Desinformation vorgehen wollen
(correctiv.org, Alice Echtermann)
Alice Echtermann hat nachgeschaut, wie Union und SPD laut ihrem Koalitionsvertrag (PDF) gegen Desinformation vorgehen wollen. Sie stellt klar, dass die neue Bundesregierung kein generelles “Lügen-Verbot” plane, sondern lediglich die bestehende Rechtslage bekräftige, nach der bewusste Falschbehauptungen bereits heute nicht unter den Schutz der Meinungsfreiheit fallen würden. Stattdessen wolle die Koalition Maßnahmen gegen gezielte Manipulation auf Sozialen Plattformen stärken und etwa den Landesmedienanstalten mehr Befugnisse im Kampf gegen Desinformation geben.

2. Pulitzer-Preise: “Washington Post” und “New York Times” ausgezeichnet
(tagesspiegel.de)
Die Pulitzer-Preise 2025 gingen unter anderem an die “New York Times”, die “Washington Post” und den “New Yorker” für Berichte etwa über den Mordanschlag auf Donald Trump, Drogenkrisen und internationale Konflikte. Die wohl wichtigste Kategorie “Dienst an der Öffentlichkeit” habe die Investigativplattform “ProPublica” für Recherchen zu tödlichen Folgen von Abtreibungsverboten gewonnen.

3. Rechtsextreme im Fernsehen
(verdi.de, Lars Lubienetzki)
Lars Lubienetzki kritisiert in seinem Kommentar, dass TV-Talkshows die AfD nicht nur durch ihre Einladungen, sondern vor allem dadurch stärken, dass sie ständig Themen behandeln, die von der AfD gesetzt wurden, etwa Migration, anstatt selbst relevante gesellschaftliche Themen wie soziale Gerechtigkeit oder Wohnungsnot zu wählen. Er fordert, dass Redaktionen eigenständig Themen vorgeben sollten. Auf diese Weise ließe sich sowohl die Debattenqualität verbessern als auch verhindern, dass rechtsextreme Positionen normalisiert werden.

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4. Wagenknecht darf Forsa keine Manipulation unterstellen
(faz.net, Reiner Burger)
Das Meinungsforschungsinstitut Forsa habe vor dem Landgericht Berlin II eine einstweilige Verfügung gegen Sahra Wagenknecht erwirkt, die Forsa nach der Bundestagswahl Manipulation der Wählermeinung durch gezielte Umfrageveröffentlichung vorgeworfen habe. Wagenknechts Vorwürfe seien als unwahre Tatsachenbehauptungen einzustufen, die Forsa in der unternehmerischen Integrität verletzten würden und daher rechtswidrig seien. Wagenknecht dürfe ihre Behauptung, Forsa habe gezielt Wahlverhalten manipuliert, daher vorerst nicht mehr wiederholen.

5. Klimathema? Bitte nicht!
(mediummagazin.de, Sarah Neu & Mia Pankoke & Jeanne Wellnitz)
Der Klimajournalismus kämpfe aktuell mit sinkender Aufmerksamkeit, da andere Krisen wie Krieg, Inflation und gesellschaftlicher Rechtsruck die öffentliche Debatte dominieren und das komplexe Klimathema zunehmend verdrängen. Gleichzeitig ständen Journalistinnen und Journalisten vor einem Dilemma: Den einen seien sie zu alarmistisch, den anderen zu neutral. Um wieder mehr Wirkung zu erzielen, bräuchten Medien innovative Formate und Erzählweisen, die konstruktiv, lösungsorientiert und faktenbasiert sind, ohne Ängste oder politische Polarisierung zu bedienen.

6. “Es gibt mittlerweile sehr, sehr viele Podcasts in Deutschland”
(flurfunk-dresden.de)
Sounddesigner und Podcastproduzent Bony Stoev erklärt im Interview mit “Flurfunk”, dass für einen erfolgreichen Podcast vor allem eine originelle Idee, gute Tonqualität und kontinuierliche Veröffentlichungen entscheidend seien. Eine bestehende Community und gezielte Werbung auf Social Media würden zudem deutlich die Reichweite neuer Podcasts erhöhen. Häufige Fehler seien dagegen, zu lange am Konzept zu arbeiten, nicht auf die Tonqualität zu achten und mangelnde Ausdauer beim regelmäßigen Veröffentlichen.

Drohender Gegenwind, Trumps Pläne, Ausgezeichnete Redaktionen

1. ARD und ZDF droht Gegenwind
(t-online.de, Steven Sowa)
ARD und ZDF stünden vor der schwierigen Entscheidung, ob und wie sie nach der Einstufung der AfD als “gesichert rechtsextrem” durch den Verfassungsschutz weiterhin Vertreterinnen und Vertreter der Partei in ihre Talkshows einladen. Der Deutsche Journalisten-Verband fordere, “die völkischen, rassistischen und rechtsextremen Absichten dieser Partei” deutlicher hervorzuheben. Während das ZDF angekündigt habe, die Auftritte von AfD-Mitgliedern weiterhin zu prüfen, wolle die ARD künftig explizit darauf hinweisen, dass die AfD als rechtsextremistisch eingestuft worden sei.
Weiterer Lesehinweis in eigener Sache: Bei Bluesky kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “An alle Sender, Talkshowbetreiber und Medienverantwortlichen: Wer ab heute noch AfD-Vertreter einlädt, kann sich nicht mehr rausreden: Er normalisiert bewusst Rechtsextremismus. Schluss mit der falschen Neutralität! Demokratie bedeutet nicht, Demokratiefeinden ein Forum zu geben.”

2. Medien werden zensiert, Re­por­te­r eingeschüchtert
(taz.de, Anja Osterhaus)
Anja Osterhaus, Geschäftsführerin bei der Organisation Reporter ohne Grenzen, zieht anlässlich des Internationalen Tags der Pressefreiheit eine ernüchternde Bilanz. In ihrem Kommentar bei der “taz” schreibt sie, dass Medienschaffende weltweit zunehmenden wirtschaftlichen, politischen und physischen Bedrohungen ausgesetzt seien. Besonders kritisch sei die Lage derzeit in den USA unter Donald Trump, in Argentinien unter Javier Milei und in Serbien bei zunehmender russischer Propaganda. Deutschland stehe zwar vergleichsweise besser da, habe aber ebenfalls dringenden Handlungsbedarf, insbesondere bei der Umsetzung der Anti-SLAPP-Richtlinie der EU und bei der Abwehr neuer staatlicher Überwachungsmaßnahmen.

3. “Er hat es auf die Sesamstraße abgesehen”: Trump will öffentlichen Sendern staatliche Finanzierung streichen
(tagesspiegel.de)
US-Präsident Donald Trump wolle mit einem neuen Dekret die staatliche Finanzierung der öffentlichen Sender PBS und NPR streichen. Die Rundfunkanstalten sollen angeblich nicht “fair, präzise und unvoreingenommen” über Trumps Politik berichten. Die Demokratische Partei kritisiere diesen Schritt scharf als Angriff auf die Meinungsfreiheit und auf Bildungsprogramme.
Weiterer Lesetipp: Wie Trumps Anti-Medien-Strategie Lokalzeitungen trifft: “US-Präsident Donald Trump legt sich nicht nur mit renommierten Medien wie AP an, sondern auch mit kleinen Zeitungen, die kritisch über ihn berichten.” (taz.de, Felix Biermayer)
Außerdem lesenswert: Was das Einfrieren von USAID-Mitteln für die ukrainische Medienlandschaft bedeutet (de.ejo-online.eu, Oleksandra Yaroshenko).

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4. SR kappt Verbindungen zu einem rechtskonservativen Medienmogul
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der Saarländische Rundfunk (SR) verkaufe seine Anteile am französischen Radiosender Europe 1, weil dieser zuletzt stark nach rechts gerückt sei. Verantwortlich für diesen Kurswechsel, zu dem auch die Zusammenarbeit mit dem umstrittenen Moderator Cyril Hanouna gehöre, sei der rechtskonservative Medienmogul Vincent Bolloré. Dieser habe mittlerweile erheblichen Einfluss auf Europe 1. Um sich von diesem Umfeld klar abzugrenzen, ziehe sich der SR nun komplett zurück.

5. Werden medial die falschen Themen gesetzt?
(deutschlandfunk.de, Sören Brinkmann, Audio: 35:12 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Frage, ob Themen und Schwerpunkte in der medialen Berichterstattung falsch gesetzt werden, gerade bei “Zusammenhängen zwischen Wirtschaftswachstum und den ökologischen Folgen”. Es diskutieren DLF-Hörerin Beate Allmenröder und Birgid Becker aus der DLF-Wirtschaftsredaktion.

6. Die Redaktionen des Jahres 2024
(journalist.de, Frederik Holtkamp & Mia Pankoke & Kathi Preppner)
Die “Zeit” führt auch im Jahr 2024 mit 29 Auszeichnungen die Rangliste der meistprämierten Redaktionen im deutschsprachigen Raum an, gefolgt von öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und dem “Spiegel”. Das ergab eine jährliche Auswertung der Medienpreise durch das Magazin “journalist”. Besonders erfolgreich waren neben der “Zeit” der WDR (24 Auszeichnungen), der SWR (23) und der BR (22).

Der Presserat rügt, Tag der Pressefreiheit, Auf dem rechten Weg

1. Rügen für Verstöße gegen die Sorgfaltspflicht
(presserat.de)
Der Deutsche Presserat hat sechs öffentliche Rügen wegen Verstößen gegen den Pressekodex ausgesprochen. Betroffen waren dabei vor allem Veröffentlichungen von Bild.de. Gerügt wurden unter anderem identifizierende Darstellungen von Kriegsgefangenen und Tatverdächtigen, unbelegte Vorwürfe gegen Politiker sowie eine vorverurteilende Berichterstattung in einem Strafprozess. Insgesamt habe der Presserat in dieser Runde 41 Beschwerden behandelt und neben den Rügen noch sieben Missbilligungen und zehn Hinweise erteilt.

2. Verfolgung von Journalisten kennt keine Grenzen
(taz.de, Marina Mai)
Anlässlich des Tages der Pressefreiheit berichtet die “taz” über die Gefahren für Journalistinnen und Journalisten, die im eigentlich sicher geglaubten Ausland lauern können, auch in Deutschland: “Auch im Exil sind Journalisten längst nicht vor Repression aus ihrer Heimat sicher.” Eine “Koalition gegen Transnationale Repression in Deutschland” versuche, daran etwas zu ändern. In einem weiteren “taz”-Artikel geht es konkret um die Situation ägyptischer Medienschaffender im europäischen Exil: Im Exil bedrohte Töchter, in der Heimat verhafteter Vater (taz.de, Joseph Kamel).
Weiterer Lesehinweis: Mehr als 45 Medienhäuser und Journalismus-Organisationen setzen ein Zeichen für die Demokratie: Verschiedene Medienhäuser und Journalismus-Organisationen, darunter die ARD, die “Süddeutsche Zeitung” und Reporter ohne Grenzen, starten auf Initiative des Magazins “journalist” eine Kampagne zum Internationalen Tag der Pressefreiheit. Unter dem Motto “Freie Medien. Starke Demokratie. Unsere Verantwortung” wollen sie auf die Bedeutung eines unabhängigen Journalismus für eine funktionierende Demokratie aufmerksam machen.

3. Auf dem rechten Weg nach Deutschland
(republik.ch, Marco Maurer)
Die “Neue Zürcher Zeitung” (“NZZ”) aus der Schweiz habe in ihrem Berliner Büro in den vergangenen Jahren zunehmend rechte und populistische Positionen vertreten, kritisiert Marco Maurer in seinem ausführlichen Beitrag für das Magazin “Republik”. Früher habe die “NZZ” als liberale Qualitätszeitung gegolten, doch inzwischen werfe man ihr vor, sie normalisiere AfD-nahe Inhalte, setze populistische Narrative ein und verschiebe den gesellschaftlichen Diskurs nach rechts. Intern rechtfertige die “NZZ” diesen Kurs mit ihrem Ziel, auf dem deutschen Markt stark zu wachsen.

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4. Foto­gra­fie­verbot gegen die Bild-Zei­tung war rechts­widrig
(lto.de, Pauline Dietrich)
Wie Pauline Dietrich bei “Legal Tribune Online” berichtet, hatte das Landgericht Kiel dem Axel-Springer-Verlag für zwei Monate verboten, Fotos im Gericht zu machen, nachdem die “Bild”-Zeitung zuvor gegen Anordnungen zum Schutz von Persönlichkeitsrechten verstoßen habe. Das Oberverwaltungsgericht Schleswig-Holstein habe dieses Verbot nun für rechtswidrig erklärt, da es keine ausreichenden Anzeichen für künftige Verstöße gegeben habe und das Hausrecht des Gerichts nicht zur Strafe, sondern nur zur präventiven Gefahrenabwehr genutzt werden dürfe.

5. Studie zur Berichterstattung über Künstliche Intelligenz
(otto-brenner-stiftung.de)
Die Otto Brenner Stiftung hat eine Studie veröffentlicht, die zeige, dass in der medialen Berichterstattung über Künstliche Intelligenz vor allem technologische und wirtschaftliche Perspektiven dominieren, während soziale Folgen wie Ungleichheit oder Diskriminierung nur oberflächlich behandelt werden. Zwar würden sich rund ein Viertel der untersuchten Beiträge mit Fragen der sozialen Gerechtigkeit befassen, doch mangele es an Tiefe, insbesondere im Hinblick auf politische Regulierung und konkrete Lösungsansätze.

6. Berichten ARD und ZDF konfliktsensibel über den Ukrainekrieg? Ein Blick auf die Berichterstattung in deutschen Nachrichtensendungen
(de.ejo-online.eu, Henrike Utsch)
Henrike Utsch hat sich in ihrer Bachelorarbeit damit beschäftigt, wie konfliktsensibel die Nachrichtensendungen “tagesthemen” (ARD) und “heute journal” (ZDF) über den Ukrainekrieg berichten. Ihre Analyse zeigt, dass beide Sendungen die Konfliktparteien überwiegend neutral darstellen und oft den historischen und geopolitischen Kontext berücksichtigen würden. Allerdings würden westliche Sichtweisen stark dominieren und unabhängige Experten, friedensfördernde Initiativen und zivile Perspektiven selten berücksichtigt. Zudem berichte das “heute journal” insgesamt wertender und stärker pro-ukrainisch, während die Sendung “tagesthemen” stärker auf Neutralität setze.

Bild vom Osten, KI-Kennzeichnung, Trumps neues Sprachrohr

1. Das mediale Bild vom Osten Deutschlands: Einmal “Zonen-Gaby”, immer AfD?
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Das mediale Bild Ostdeutschlands sei seit Jahrzehnten mit negativen Klischees versehen, was das Vertrauen in die westdeutsch geprägten Medien im Osten stark beschädigt habe. Die ARD-Dokumentation “Abgeschrieben? – Der Osten in den Medien” zeige, wie sich diese einseitigen Darstellungen historisch entwickelt und welche Auswirkungen sie bis heute haben.

2. “Manche gehen davon aus, dass sowieso schon alles von der KI geschrieben wird”
(dfjv.de, Gunter Becker)
Gunter Becker hat mit Katharina Schell, stellvertretende Chefredakteurin der Austria Presse Agentur, über eine KI-Kennzeichnung im Journalismus gesprochen. Die Frage gestalte sich als nicht einfach, so Schell, denn: “Wenn ich aber überall KI draufklebe und nicht erkläre, warum ich das kennzeichne, dann bleibt eigentlich nur diese Täuschungsangst bei den Usern. Sie haben dann generell weniger Vertrauen in etwas, das mit KI gelabelt ist, als in etwas, das gar nicht gelabelt ist. Mit einer unreflektierten Kennzeichnungsstrategie würde man also im schwersten Fall erreichen, dass nicht gelabelter generischer KI-Müll quasi vertrauenswürdiger wirkt als gelabelter guter Journalismus.”

3. Karoline Leavitt: Trumps neues Sprachrohr
(youtube.com, Sonia Devillers, Video: 11:02 Minuten)
Der Arte-Beitrag erörtert, wie Bilder als zentrale Sprache unserer Zeit wirken und unsere Wahrnehmung beeinflussen, oft ohne dass wir sie vollständig verstehen. Am Beispiel der neuen US-Pressesprecherin Karoline Leavitt wird deutlich, wie sich die Machtverhältnisse und der Umgang von US-Regierung und Medien verändern. Sonia Dridi und Corentin Sellin ordnen diese Entwicklung medienhistorisch ein und beleuchten die Hintergründe der aktuellen Pressearbeit im Weißen Haus.

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4. Die Macht der Plattformen
(mspr0.de, Michael Seemann)
Michael Seemann ist Kulturwissenschaftler, Sachbuchautor, Journalist und einer der profiliertesten Beobachter und Kritiker der digitalen Gesellschaft. In seinem Buch “Die Macht der Plattformen” analysiert er die grundlegende Bedeutung, die Funktionsweise und den Einfluss der großen digitalen Plattformen. Da die Rechte des Werks an ihn zurückgegangen seien, stelle Seemann die ebook-Version kostenlos zum Download zur Verfügung.

5. Stärkung der Nachrichtenkompetenz im Unterricht
(boersenblatt.net)
Die Initiative “Journalismus macht Schule” fördert seit 2022 die Nachrichtenkompetenz junger Menschen durch Schulgespräche mit Journalistinnen und Journalisten, kostenlose Unterrichtsmaterialien und bundesweite Netzwerktreffen. In Kooperation mit dem Ernst Klett Verlag sollen neue Impulse für die schulische Praxis entwickelt und in konkrete Bildungsangebote umgesetzt werden. Ziel sei es, Medien- und Demokratiebildung fächerübergreifend zu stärken und Lehrkräfte künftig auch durch gemeinsame Fortbildungen zu unterstützen.

6. SPIEGEL-Pressearchiv Digas ermöglicht KI-Recherche
(gruppe.spiegel.de)
Wie der “Spiegel” in eigener Sache mitteilt, könne das “Spiegel”-Pressearchiv, eines der größten Pressearchive Europas, nun per KI durchsucht werden. Nutzerinnen und Nutzer könnten Fragen direkt an das Archiv stellen, das auf über 160 Millionen Artikel zugreife. Möglich mache dies die RAG-Technologie (Retrieval Augmented Generation), die nur auf ausgewählte Texte zugreife und deren Quellen transparent darstelle.

Sender dementiert, Druck auf US-Medien, Die nonlineare Zukunft

1. Gedenkstätten-Chef macht ZDF Vorwurf – Sender dementiert
(t-online.de, Jonas Mueller-Töwe)
Jens-Christian Wagner, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, sagte im Gespräch mit t-online.de, dass er in einem ZDF-Interview gebeten worden sei, aus Angst vor rechter Hetze in den Sozialen Medien keine direkten Bezüge zwischen der AfD und nationalsozialistischer Propaganda herzustellen (siehe die “6 vor 9” von gestern). Diesem Vorwurf trete das ZDF nun mit einer Stellungnahme entgegen: “Aus dem Transkript des Interviews, das dem ZDF vorliegt, geht hervor, dass die Autorin an keiner Stelle, wie von Herrn Wagner behauptet, gesagt hat, das ZDF oder die Redaktion würden einen Beitrag, in dem die AfD thematisiert wird, nicht senden.” Daraufhin habe Wagner seine Kritik noch einmal konkretisiert.

2. Druck auf US-Medien
(tagesspiegel.de, Daniel Krause)
Wie Daniel Krause im “Tagesspiegel” berichtet, sei Bill Owens, langjähriger Produzent der US-Investigativsendung “60 Minutes”, zurückgetreten, weil er sich unter wachsendem politischen und firmeninternen Druck nicht mehr frei in seinen Entscheidungen gefühlt habe. Insbesondere die Einflussversuche auf die Berichterstattung aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump und der Eigentümerin Shari Redstone hätten Owens Unbehagen bereitet.

3. Voice of America soll wieder senden
(reporter-ohne-grenzen.de)
Auf Betreiben der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) und des US-Auslandssenders Voice of America habe ein US-Bundesrichter die Trump-Administration angewiesen, die Abwicklung der Auslandssender rückgängig zu machen und den Sendebetrieb wiederherzustellen. “Die Entscheidung des Gerichts ist ein klares Zeichen gegen das pressefeindliche Vorgehen der US-Regierung”, sagt RSF-Geschäftsführerin Anja Osterhaus.

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4. Sarah Palin scheitert mit Klage gegen “New York Times”
(taz.de)
Die stramm-rechte US-Politikerin Sarah Palin sei mit ihrer Verleumdungsklage gegen die “New York Times” (“NYT”) gescheitert. Eine Jury habe entschieden, dass ein fehlerhafter Leitartikel sie nicht absichtlich diffamiert habe. Die “NYT” hatte 2017 fälschlicherweise behauptet, Palins politisches Aktionskomitee sei indirekt für einen Schusswaffenangriff mitverantwortlich. Die Redaktion hatte den Fehler jedoch schnell korrigiert.

5. Medienentwicklung neu denken: Ein Gespräch mit Dr. Michel Leroy
(de.ejo-online.eu)
Bei “EJO-Online” spricht Kommunikationswissenschaftler Michel Leroy über die zentralen Thesen seines Buches “The Sustainability Imperative in Media Development” und kritisiert die westliche Medienhilfe in Entwicklungsländern. Leroy hinterfragt die verbreitete Annahme, dass diese Hilfe automatisch nützlich sei, und bezeichnet das Konzept der Nachhaltigkeit als “eigennützigen Mythos”. Dieser diene oft mehr den Interessen der Geldgeber als den lokalen Medien.

6. Die nonlineare Zukunft des Fernsehens mit Leonhard Dobusch
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 27:08 Minuten)
Im Podcast “Läuft” spricht Alexander Matzkeit mit dem Wirtschaftswissenschaftler und ZDF-Verwaltungsratsmitglied Leonhard Dobusch über den Umbau der ZDF-Website zu einem Streamingportal. Die beiden diskutieren darüber, was dieser Schritt für die Zukunft des linearen Fernsehens bedeutet und inwieweit das neue Angebot den Anforderungen an öffentlich-rechtliche Onlineangebote entspricht.

7. 20 Jahre YouTube
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 3:51)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator den 20. Geburtstag von YouTube: “YouTube hat vielen Menschen Chancen eröffnet, Wissen frei zugänglich gemacht, Kreativität gefördert. Und ja, das verdient Anerkennung. Aber das reicht nicht. Wer eine Bühne für die ganze Welt baut, kann sich nicht damit rausreden, nur der Hausmeister zu sein.”

KW 16/25: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Wie übersteht eine kleine Redaktion einen jahrelangen, kostspieligen Rechtsstreit?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 16:15 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast spricht Moderator Holger Klein mit Anna Hunger, Chefredakteurin der Wochenzeitung “Kontext”, über einen jahrelangen Rechtsstreit um einen “Kontext”-Artikel aus dem Jahr 2018. Hunger hatte darin aus privaten Chats eines ehemaligen AfD-Mitarbeiters zitiert, um dessen rechtsextreme Gesinnung zu belegen. Das Oberlandesgericht Frankfurt habe die Zeitung wegen dieser veröffentlichten Chats zu einer Geldstrafe von rund 100.000 Euro verurteilt. Für Hunger ist das Urteil eine “Klatsche für den Informantenschutz”.

2. So verzerren Medien das Bild von Muslimen
(youtube.com, Manuell Biallas & Raja Khadour, Video: 16:56 Minuten)
Das NDR-Magazin “Zapp” hat untersucht, wie Medien durch einseitige und negative Berichterstattung das Bild von Muslimen in Deutschland verzerren, insbesondere im Zusammenhang mit Gewalt und Islamismus. Eine Studie im Auftrag des Bundesinnenministeriums zeige, dass 89 Prozent der TV-Beiträge über islamische Themen bei den großen Sendern negativ besetzt seien. Dadurch könne ein Klima des Generalverdachts entstehen, das Muslime pauschal stigmatisiere.

3. Kalk und Welk kriegen Nachhilfe in Medienkunde mit Dr. Christian Richter
(ardaudiothek.de, Oliver Kalkofe & Oliver Welke, Audio: 54:49 Minuten)
Im Podcast “Kalk & Welk” sprechen Oliver Kalkofe und Oliver Welke mit dem Medienwissenschaftler Christian Richter über Medienbildung in der Schule und Medienkompetenz in der Gesellschaft. Die drei diskutieren darüber, warum Medienbildung ein wichtiger Bestandteil des Unterrichts sein sollte, wie schwer es Schulen oft fällt, Medienregeln sinnvoll umzusetzen, und warum Handyverbote keine langfristige Lösung sind. Richter plädiert dafür, medienpädagogische Konzepte gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern zu entwickeln und auch Erwachsene stärker in die Verantwortung für Medienkompetenz zu nehmen.

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4. TikTok? Gefährlich oder genial?
(youtube.com, Ingrid Brodnig, Video: 43:53 Minuten)
Was bekommen Jugendliche auf TikTok tatsächlich zu sehen, wenn sie durch die App scrollen? Und welches Bild der Welt vermittelt die Plattform dabei? Bei einer Fachtagung der Kinder- und Jugendanwaltschaft Oberösterreich sprach die Journalistin Ingrid Brodnig über Filterblasen, Desinformation und sichere digitale Räume. Sie gab dabei auch praxisnahe Tipps, wie man Medienkompetenz wirksam vermitteln kann.

5. Medienstrategien der extremen Rechten – und wie man damit umgehen sollte
(br.de, Thies Marsen, Audio: 24:49 Minuten)
“BR24 Medien” hat mit dem Rechtsextremismusforscher Gideon Botsch, der Historikerin Barbara Manthe und der Zeithistorikerin Martina Steber darüber gesprochen, wie sich die mediale Berichterstattung über die extreme Rechte im Laufe der Zeit verändert hat. Im Fokus steht, welche Fehler im Umgang mit der AfD und anderen rechten Gruppierungen gemacht wurden und zum Teil weiterhin gemacht werden.

6. Fynn Kliemann – Ich hoffe, ihr vermisst mich
(ardmediathek.de, Mariska Lief, Video: 1:00:35 Stunden)
Fynn Kliemann, einst gefeierter YouTuber und Unternehmer, geriet 2022 durch Enthüllungen des “ZDF Magazin Royale” über fragwürdige Maskengeschäfte in einen öffentlichen Skandal. Die anschließende Kritik, der Verlust von Geschäftspartnern und ein Ermittlungsverfahren markierten seinen tiefen Fall. Eine Dokumentation begleitet Kliemann nun beim Versuch eines Comebacks und stellt die zentrale Frage: Warum zieht es ihn wieder zurück ins Rampenlicht?

SLAPP-Klagen, Metas Zerschlagung?, Propaganda bei der “Weltwoche”

1. Es bleibt immer etwas kleben
(kontextwochenzeitung.de, Jean Peters)
Jean Peters beschreibt, wie strategische Klagen (SLAPPs) zunehmend genutzt würden, um investigative Journalistinnen und Journalisten einzuschüchtern, zu zermürben und Zweifel an ihren Recherchen zu säen. Am Beispiel seiner eigenen “Correctiv”-Recherche über ein Treffen rechter Kreise in Potsdam zeigt Peters, wie Klagen und gezielte Öffentlichkeitsarbeit den Journalismus unter Druck setzen würden. Er warnt, dass solche Einschüchterungsversuche nicht nur Zeit und Ressourcen kosten, sondern letztlich die Pressefreiheit und die Demokratie gefährden.

2. DJV und dju klagen gegen KI-Klauseln bei der “SZ”
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wie “DWDL” berichtet, gehen der Deutsche Journalisten-Verband und die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union in Verdi juristisch gegen den Verlag der “Süddeutschen Zeitung” vor. Streitgegenstand seien die KI-Klauseln in den Honorarbedingungen. Diese Regelungen seien ohne Verhandlung durchgesetzt worden und würden die Urheberrechte sowie die wirtschaftliche Basis der freien Journalistinnen und Journalisten gefährden. Die “SZ”-Verlagsgruppe verteidige die Klauseln als branchenüblich.

3. Meta wollte Prozess um Zerschlagung offenbar mit Milliardenzahlung abwenden
(spiegel.de)
Der Social-Media-Konzern Meta habe laut “Wall Street Journal” versucht, den aktuell laufenden Prozess um eine mögliche Zerschlagung durch ein Vergleichsangebot in Höhe von mehreren Hundert Millionen US-Dollar zu verhindern, stieß aber auf deutlich höhere Forderungen der US-Handelsbehörde FTC.
Dazu auch ein Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “Die große Idee hinter dem Kartellrecht ist nicht, erfolgreiche Firmen zu bestrafen, sondern zu verhindern, dass ein Unternehmen so groß wird, dass es Märkte kontrolliert, Innovation erstickt und am Ende sogar die Demokratie unterwandert. Wenn Mark Zuckerberg heute die Daten und Kommunikationswege von Milliarden Menschen in der Hand hat, dann ist das nicht nur ein wirtschaftliches Risiko – dann ist das auch ein politisches Risiko.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:02 Minuten)

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4. RSF verurteilt Gewaltaufruf gegen taz-Journalisten
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) verurteilt den jüngsten Gewaltaufruf gegen den “taz”-Journalisten Nicholas Potter: “Journalistische Arbeit darf nicht durch Angst und Bedrohung eingeschränkt werden – egal, um welches Thema es geht”, so Anja Osterhaus von Reporter ohne Grenzen: “RSF steht solidarisch an der Seite von Nicholas Potter und allen Journalistinnen und Journalisten, die ihre Arbeit unter schwierigen Bedingungen fortführen.”
Weiterer Lesehinweis: taz-Chefredaktion zur Bedrohung von Nicholas Potter: “Das ist eine Stufe der Eskalation, an der jede Diskussion über legitime Kritik endet. Wir werden das nicht hinnehmen.” (taz.de, Barbara Junge & Ulrike Winkelmann & Katrin Gottschalk)

5. Die «Weltwoche» bedient sich seit einem Jahr bei russischer Propagandaplattform
(fairmedia.ch, Tobias König)
Wie “Fairmedia” berichtet, handele es sich bei der Übernahme eines russischen Propagandaartikels durch die Schweizer “Weltwoche” vor einigen Tagen nicht um einen Einzelfall: “Als die ‘Weltwoche’ Anfang April einen Beitrag wortwörtlich von der russischen Propagandaplattform RT (ehemals ‘Russia Today’) übernahm, sorgte das für breite Empörung. Unsere Recherchen zeigen: Bereits seit einem Jahr greift die ‘Weltwoche’ regelmässig Inhalte von RT auf – nicht im Originalwortlaut, aber in paraphrasierter Form.”

6. Warum Journalismus mehr Rückgrat benötigt
(taz.de, Leif Kramp & Stephan Weichert)
Der Journalismus stehe durch Desinformation, wirtschaftliche Unsicherheit und Big-Tech-Dominanz massiv unter Druck und brauche dringend mehr strukturelle Unterstützung, schreiben die Medienwissenschaftler Leif Kramp und Stephan Weichert. Ihr Think Tank “Vocer” fordert in einem “Policy Paper” (PDF) unter anderem die Gemeinnützigkeit journalistischer Arbeit, gezielte Förderung des Lokaljournalismus sowie klare Regeln für KI-Inhalte, um Medien widerstandsfähiger zu machen. Ohne tiefgreifende Reformen würden weitere “Nachrichtenwüsten” und ein Verlust demokratischer Orientierung drohen.

Report zur Pressefreiheit, Gefahr für Quellenschutz, ARD-Walross

1. Übergriffe auf Journalisten verdoppelt
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) hat ihren “RSF-Report zur Lage der Pressefreiheit in Deutschland” (PDF) veröffentlicht: “Mit 89 Attacken auf Medienschaffende und Medienhäuser haben sich die Angriffe, die RSF verifizieren konnte, im Jahr 2024 verdoppelt. 2023 waren es 41. Eine Auffälligkeit in der Statistik: Gewalt gegenüber Journalistinnen und Journalisten war im Jahr 2024 vor allem im Brennpunkt Berlin ein Thema, wo sich 49 der bundesweit dokumentierten Fälle ereigneten. Die meisten Übergriffe zählte RSF am Rande von Nahost-Demonstrationen.”

2. Quellenschutz in Gefahr
(verdi.de, Peter Nowak)
Die Wochenzeitung “Kontext” sei zu einer hohen Geldstrafe verurteilt worden, nachdem sie rassistische Facebook-Chats eines Ex-AfD-Mitarbeiters veröffentlicht und dessen Namen genannt habe. Zuvor habe das Gericht die Offenlegung der Quelle gefordert, was die Redaktion mit Verweis auf den Quellenschutz ablehnte habe. Die Gewerkschaft Verdi kritisiert das Urteil.

3. Das träge und schwerfällige Walross
(taz.de, Ann-Kathrin Leclère)
Die ARD stehe in der Kritik, weil sie in ihrer Jubiläumsshow einen rassistischen Sketch von Dieter Hallervorden gezeigt und versäumt habe, diesen kritisch einzuordnen oder zu schneiden. Dies zeige laut Ann-Kathrin Leclère, dass der öffentlich-rechtliche Sender an überholten Formaten und alten Gesichtern festhalte, statt mutige Reformen anzugehen. Um relevant zu bleiben, müsse die ARD gesellschaftlichen Wandel aktiv mitgestalten und sich inhaltlich wie strukturell erneuern.

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4. Bangen um Voice of America: “Es ist Alarmzustand”
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 28:09 Minuten)
Im Podcast “Läuft” von epd medien und Grimme-Institut geht es um die von Donald Trump angeordnete Abschaltung von US-Auslandssendern wie “Radio Free Europe” und “Voice of America”, die als Rückschlag für den unabhängigen Journalismus gewertet wird. Die Kommunikationswissenschaftlerin Carola Richter gibt im Gespräch mit Alexander Matzkeit Einschätzungen zu den möglichen Folgen für die internationale Medienlandschaft und der Frage, wer die entstehende Lücke füllen könnte.

5. Mehr Transparenz bei Intendantenwahlen
(djv.de, Gina Schad)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat den Rundfunkrat der Deutschen Welle angesichts der bevorstehenden Intendantenwahl zu mehr Transparenz aufgefordert. Bisher seien weder Kandidaten noch Auswahlkriterien nachvollziehbar definiert. Der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster kritisiert: “Diese Intransparenz passt nicht zum Auftrag eines öffentlich-rechtlichen Rundfunksenders, der mit Steuergeldern finanziert wird. Sie nährt zudem Spekulationen, dass parteipolitische Interessen und nicht fachliche Kompetenz bei der Besetzung des Intendantenpostens im Vordergrund stehen.”

6. Deepfakes und Porno-Deepfakes
(ardmediathek.de, Katja Deiß, Video: 8:43 Minuten)
Das ARD-Magazin “titel, thesen, temperamente” beschäftigt sich mit den realistisch wirkenden, aber durch Künstliche Intelligenz (KI) gefälschten Medieninhalten und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft: “Deepfakes bedrohen Wahrheit und Demokratie. KI-Expertin Nina Schick warnt: Ein Tsunami aus Fälschungen rollt auf uns zu. Stars wie Marc-Uwe Kling und Michael ‘Bully’ Herbig fordern Gesetze – bevor Fake und Realität ununterscheidbar werden.”

Springers Narrative, Aus Angst gemieden, Repressives Vorgehen

1. Alte Feindbilder – neue, autokratische Freunde
(journalist.de, Michael Kraske)
Michael Kraske kritisiert den Axel-Springer-Verlag scharf für dessen Übernahme rechter Narrative, die Verharmlosung der AfD und die Diskreditierung zivilgesellschaftlicher Organisationen, die sich für die Demokratie einsetzen. Kraske zeigt auf, wie Springer-Medien wie “Bild” und “Welt” im Einklang mit CDU/CSU und rechten Einflussnehmern agieren, um legitimen Protest und Demokratieförderung als linke Verschwörung darzustellen. Sein Hinweis in Richtung Springer-Medien: “Wer all jene, die demokratische Brandmauern zu Demokratiefeinden verteidigen, journalistisch an den Pranger stellt, aber sich mit denjenigen gemein macht, die sie niederreißen wollen, sollte sich dringend an die eigenen ‘Essentials’ erinnern – oder sich ehrlicherweise von ihnen verabschieden.”

2. Lokaljournalismus unter Druck: Sicherheitsempfinden und Bedrohungserfahrungen von Lokaljournalist:innen in Sachsen und Thüringen
(ecpmf.eu)
Eine gemeinsame Studie des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger und des Europäischen Zentrums für Presse- und Medienfreiheit zum Lokaljournalismus in Sachsen und Thüringen (PDF) zeige, dass Journalistinnen und Journalisten dort zunehmend Bedrohungen und Einschüchterungen durch extrem rechte und verschwörungsideologische Akteure ausgesetzt seien, sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld. Diese angespannte Lage führe teilweise dazu, dass bestimmte Themen aus Angst vor Konsequenzen gemieden würden.

3. RSF verurteilt Vorgehen gegen Journalisten
(reporter-ohne-grenzen.de)
Reporter ohne Grenzen (RSF) verurteilt das zunehmend repressive Vorgehen der türkischen Regierung gegen Medienschaffende, das inzwischen auch ausländische Journalistinnen und Journalisten wie den inhaftierten Schweden Joakim Medin und den ausgewiesenen Briten Mark Lowen betreffe. Medin werde wegen angeblicher Präsidentenbeleidigung und Terrorunterstützung festgehalten, ein Vorwurf, der laut RSF häufig zur Einschüchterung kritischer Stimmen benutzt werde. Insgesamt beobachte die Organisation eine systematische Einschränkung der Pressefreiheit in der Türkei, die sich in Verhaftungen, Zensur und willkürlichen Strafen zeige.

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4. ZDF-Fernsehratsvorsitzende kritisiert Otto Brenner Stiftung
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Die Otto Brenner Stiftung kritisierte in einer Studie einen zu großen Einfluss der Politik in den Aufsichtsgremien von ARD und ZDF. Sie wertete dabei Parteizugehörigkeit als Kriterium für “politischen Einfluss” und Staatsnähe. Die Vorsitzende des ZDF-Fernsehrats, CSU-Politikerin Gerda Hasselfeldt, weise diese Darstellung zurück und betone, dass eine Parteimitgliedschaft demokratisches Engagement zeige, aber nicht automatisch politische Abhängigkeit bedeute.

5. Wozu noch eine gedruckte Zeitung?
(infosperber.ch, Marco Diener)
Marco Diener schreibt, dass mehrere große Schweizer Tageszeitungen der Verlage Tamedia und Somedia in ihren Printausgaben von gestern nicht über die wichtigen Zollankündigungen von US-Präsident Donald Trump berichtet hätten. Offenbar fand die Trump-Rede für jene Printredaktionen zu spät statt. Auf den Titelseiten hätten andere Themen Platz gefunden: “Die Basler Zeitung macht Wirbel, weil «der neue ‹Globus› die Martinskirche» verdecken wird. Der «Bund» fragt, «wie sexueller Konsens geht». Die «Südostschweiz» kündigt einen Podcast im Hinblick auf das Eidgenössische Schwingfest in fünf Monaten an. Und der «Tages-Anzeiger» präsentiert uns einen Knüller über «Infantile Amnesie» unter dem Titel: «Kleinkinder können sich noch an nichts erinnern.»”

6. Unter Druck
(taz.de, Sean-Elias Ansa)
In einer “taz”-“Nachtreportage” begleitet Sean-Elias Ansa die letzte Etappe des werktäglichen Drucks der “taz” und zeigt eindrucksvoll, wie Drucker, Spediteure und Zusteller nachts dafür sorgen, dass morgens eine Zeitung im Briefkasten beziehungsweise am Kiosk liegt. Mit dem Projekt “Seitenwende” stelle die “taz” den werktäglichen Druck ein und setze auf digitale Formate, was nicht nur den Medienwandel markiere, sondern auch spürbare Folgen für die beteiligten Arbeitskräfte habe. Die Reportage ist eine stille Hommage an all jene, die unter zum Teil schwierigen Bedingungen im Hintergrund arbeiten – und deren Arbeitsplätze zunehmend verschwinden.

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