Archiv für 6 vor 9

Kronen Zeitung, MRR, Urheberrecht

Mittwochabend im Ersten: Schweighöfer als Marcel Reich-Ranicki (Keystone)

1. “Woodwards arme Erben”

(taz.de, Ben Schwan)

“Die US-Medienkrise hat längst Redaktionen erreicht, die bislang als unangreifbar galten. Zuletzt drohte die Geschäftsleitung der New York Times den gewerkschaftlich organisierten Mitarbeitern ihrer Tochter Boston Globe, das Blatt ganz einfach von heute auf morgen einzustellen, sollten sie nicht zu Zugeständnissen bei Sparmaßnahmen bereit sein.”

2. Interview mit Marcel Reich-Ranicki

(welt.de, Mathias Döpfner)

Der wohl bekannteste Literaturkritiker im deutschsprachigen Raum erzählt Springer-Chef Mathias Döpfner, dass er googlen lässt und dass ihm Günter Grass immer einzureden versuchte, der Computer verderbe den Stil. Zum Schreiben sagt er: “Ohne Eitelkeit gibt es kein Schreiben. Egal ob Autor oder Kritiker – Eitelkeit muss dabei sein. Sonst entsteht nichts. Thomas Mann war wahnsinnig eitel, Richard Wagner auch und Goethe und natürlich Schiller.”

3. “Aushöhlung des Urheberrechts”

(perlentaucher.de, Anja Seeliger)

Anja Seeliger nimmt den FAZ-Artikel “Schutzlos ausgeliefert im Internet” von Honorarprofessor Jan Hegemann Punkt für Punkt auseinander und ergänzt eigene Erfahrungen: “Wie oft haben wir in deutschen Feuilletons Artikel von ausländischen Autoren gelesen und festgestellt, dass es sich um eine Übernahme beispielsweise aus dem Guardian oder der NYRB handelt, ohne dass die Zeitung einen Hinweis darauf geliefert hätte? (…) Das Nichtnennen von Quellen ist eine Spezialität der deutschen Feuilletons, nicht des Internets.”

4. “Facebook bringt schlechte Schulnoten, oder auch nicht”

(andreasvongunten.com)

Facebook schadet dem Schulerfolg” meldet tagesanzeiger.ch. Andreas Von Gunten hat sich auf die Suche nach der Quelle gemacht und dort keine Bestätigung der reisserischen Schlagzeile gelesen: “Karpinski betont, dass die Resultate nicht notwendigerweise bedeuten, dass die Nutzung von Facebook zu tieferen Noten führe.”

5. “Ein Herz und eine ‘Krone'”

(profil.at, Josef Barth, Gernot Bauer und Herbert Lackner)

Die österreichische Boulevardzeitung Kronen Zeitung wird 50, doch wer wird der Nachfolger des 88jährigen Hans Dichand? “Logischer Kandidat wäre Dichands zweitgeborener Sohn Christoph, 44, seit sechs Jahren Chefredakteur, ein gebildeter und sympathischer Mann. Zweifler verweisen allerdings auf den bedenkenswerten Umstand, dass sich selbst penible Beobachter nicht daran erinnern können, je eine Zeile aus der Feder des formellen Redaktionschefs der ‘Krone’ gelesen zu haben.”

6. “Japanese bird cooking spaghetti”

(japanesebirdcookingspaghetti.com)

Ein japanischer Vogel kocht Teigwaren. Dazu braucht es natürlich eine eigene Website.

Strehle, Lübbe, Jarvis, Bild & RTL

1. “Zielvorgabe: die eigene Belegschaft durch den Fleischwolf drehen”

(weltwoche.ch, Kurt W. Zimmermann)

Zum Chefredakteurswechsel beim Tages-Anzeiger: “Noch nie wurde hierzulande ein neuer Chefredaktor geholt, damit er die eigenen Leute feuert. Es gab zwar auch in der Vergangenheit Chefredaktoren, die während ihrer Dienstzeit zu finanziellen Anpassungen gezwungen waren. Noch nie aber, bis diesmal, war der Auftrag zum Arbeitsplatzabbau die Bedingung einer journalistischen Beförderung.”

2. “Der revolutionäre Res”

(woz.ch, Daniel Ryser)

Einer des neuen Führungs-Duos des Tages-Anzeigers ist Gründungsmitglied der WOZ: “Strehle, laut ehemaligen WOZ-KollegInnen ein ‘brillanter Kopf’, fungierte in einem Parallel­leben als intellektueller Vordenker der Zürcher Autonomen. Bis in die späten neunziger Jahre, als er ‘WOZ’, ‘Weltwoche’, ‘Facts’ schon hinter sich hatte und den Chefsessel des ‘Magazins’ übernahm, referierte er vor Kleingruppen und schrieb Bücher zu Kapital und Krise.”

3. Wie Bild und RTL an der Skandalisierung von DSDS verdienen

(badische-zeitung.de)

“Bild treibt RTL zahlungswillige Annemarie-Fans in die Arme. Im Gegenzug darf die Zeitung am selbst entfachten Rummel mitverdienen.”

4. “Wir sind doch alle mediengeil”

(cicero.de, Jürgen Busche)

Hermann Lübbe, Philosoph, sagt: “Es ist erstaunlich, wie ungeniert Journalisten Politikern in Interviews unpassende Fragen stellen, souverän, aber nicht abgestützt durch Kenntnisse.”

5. “Es gibt keinen Online-Journalismus”

(dondahlmann.de)

“Online und Print brauchen einander. Auf beiden Seiten sitzen hervorragende Journalisten, die, wenn man sie nur lassen würde, den Berufsstand aus seinem injiziertem Dornröschenschlaf holen könnte. Und es gibt auch keinen Unterschied, zwischen Online- und Printjournalismus. Es gibt nur einen zwischen schlechten, miesen, abnickenden und kritischem, scharfen und selbstbewussten Journalismus.”

6. “You blew it.”

(buzzmachine.com, Jeff Jarvis)

Journalistikprofessor Jeff Jarvis hat kein Mitleid mit den Zeitungsverlagen. Wer die 20 Jahre seit dem Start des Webs ungenutzt verstreichen habe lassen, müsse nicht klagen. Auch Wut darüber sei nicht angebracht: “That’s pretty much all I see before me: angry, old, white men – you have no right to anger. Instead, you are the proper objects of anger.”

NPD, Weischenberg, Pudel

1. “Rechtsextreme und die Medien”

(youtube.com, Video, 5:04 Minuten)

Report Mainz berichtet vom Parteitag der NPD. Eine Reporterin testet Parteimitglieder, ob sie Kopfrechnen können und will wissen, was 7 x 9 ist. Am Schluss kommt der Bericht, durch den ständig ein Fuchs läuft, zum Schluss: “Fragen beantworten oder rechnen können ist nun mal nicht jedermanns Ding.” Die Menge im Saal skandiert: “Die Presse lügt, die Presse lügt, …”

2. “AP erklärt News-Verwertern den Kampf”

(spiegel.de)

“Kampfeslust in Zeiten der Medienkrise: Die Nachrichtenagentur AP will nicht länger hinnehmen, dass ihre Inhalte von anderen Webseiten verwendet werden. Sie plant einen Aufstand der News-Produzenten gegen Aggregatoren und Abschreiber.”

3. Interview mit Siegfried Weischenberg

(sueddeutsche.de, Thomas Fromm)

“Noch vor wenigen Monaten dominierten in der deutschen Wirtschaftsberichterstattung neoliberale Positionen. Alles, was mit Regulierung zu tun hatte, war Teufelszeug. Das hat sich im Zuge der Finanzkrise ins Gegenteil verkehrt: Heute besteht die Gefahr, dass nur noch auf der Linie staatlicher Interventionen argumentiert wird. Früher waren die Manager die Könige, heute ist es Finanzminister Peer Steinbrück.”

4. “FOCUS-SCHULE klagt gegen Baden-Württemberg”

(focus.de)

“Das Bildungsmagazin FOCUS-SCHULE klagt gegen das Land Baden-Württemberg auf Auskunft. Die Zeitschrift fordert von Kultusminister Helmut Rau den presserechtlich garantierten freien Zugang zu staatlichen Informationen ein.”

5. Interview mit Don Alphonso

(meedia.de, Alexander Becker)

“Viele Zeitungen werden sterben. Es werden die überleben, die Qualität liefern und Haltung zeigen. Medien sind eine Pudelzucht. Die heutigen Journalisten sind Schosshündchen, sehen alle schick aus und sind gut dressiert. Die Leser wollen aber Wölfe anstatt Pudel.”

6. “Das Orakel vom Axel-Springer-Platz”

(manager-magazin.de, Alexander Hämmerli)

Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner: “Hätten Sie vor einem Jahr 1000 Euro in Aktien des amerikanischen Medienkonzerns Gannett investiert, hätten Sie heute noch 69 Euro übrig. Hätten Sie damals für den gleichen Betrag Holsten gekauft, hätten Sie viel Bier trinken können und könnten obendrein noch für 238 Euro Leergut einlösen.”

Schleichwerbeverbote, Pressefotografie

1. “Das Internet ist das wichtigste Medium der Schweizer”

(ayr.ch, pdf, 178 kb)

1500 Personen zwischen 14 bis 69 in der Deutsch- und Westschweiz wurden von der Werbeagentur Advico Young & Rubicam für die Studie “Media Use Index 2009” befragt. Ergebnisse: Das wichtigste Medium ist das Internet (54.8%) vor den Tageszeitungen (35.5%), TV (33.8%), Radio (33.5%) und Mobiltelefon (32.5%). Die wichtigsten Medienmarken der 14-27jährigen: Facebook (Social Media, 49.5%), 20 Minuten (Gratiszeitung, 42.2%), Pro7 (TV-Sender, 35.8%), SF2 (TV-Sender, 33.8%), msn (Chat, 29.0%), YouTube (Videoportal, 29%), SF1 (TV-Sender, 27.9%).

2. “Geplante Lockerung des Schleichwerbeverbots in der Kritik”

(epd.de)

“Mehrere Medienverbände und Verbraucherschützer kritisieren die Absicht der Bundesländer, bezahlte Produktplatzierungen in Fernsehsendungen teilweise zuzulassen. Durch die Legalisierung des sogenannten Product-Placements verlören alle Medien, nicht nur das Fernsehen, ‘da ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel gesetzt wird’, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Dietmar Wolff, am 3. April in Berlin.”

3. “Pressefotografie: Inszenierte Wahrheiten”

(gazette.de, pdf, 513kb)

“Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, vor allem mehr Unwahres: Was es zeigt, ist keine angetroffene, sondern eine vom Fotografen arrangierte Wirklichkeit. Gelegentlich gibt er das Konstruierte zu erkennen, in andern Fällen muss der Betrachter die verdeckte Absicht selbst entdecken.”

4. “US-Medien dürfen wieder Särge von US-Soldaten zeigen”

(diepresse.com)

“Ohne viel Aufhebens ist in den USA ein seit 18 Jahren bestehendes Verbot aufgehoben worden: Erstmals dürfen Medien wieder in Bildern von der Heimkehr getöteter Soldaten aus dem Ausland berichten.”

5. Interview mit Martin Blumenau

(chilli.cc, Markus Peyerl)

“Ich stelle nur fest, dass dieses ‘Irgendwas mit Medien’-Gefühl momentan immer stärker verbreitet. Vor allem in der Gruppe derer, die dubios irgendetwas vor sich hin studieren oder vielleicht den FH-Kurs ‘Journalismus’ machen, verdichten sich diese Unklarheiten gerade zunehmend.”

6. “Consider the erotic potential between blogger and commenters”

(nytimes.com, Jan Hoffman)

Eine Rechtsprofessorin und ein Gartendesigner heiraten. Kennengelernt haben sie sich in ihrem Blog.

6 zur re:publica'09: Frauen, Freaks oder Geeks

1. “taz-Text-Korrektur”

(mevme.com/lizblog, Lisa Rank)

Lisa Rank schreibt als freie Journalistin einen Text zur re:publica’09 für die taz. Doch dieser wird vom Chef vom Dienst so umgeschrieben, dass er nicht mehr im Sinne der Journalistin ist. In den Kommentaren zur gebloggten Korrektur reagiert der betreffende CvD, Sebastian Heiser (Kommentar 18): “Es war nicht meine Absicht, Lisa dort eine Meinung reinzuschreiben, die nicht ihre ist. Ich habe mich daher bei ihr bereits entschuldigt.”

2. “Kritik an der re:publica ’09”

(praegnanz.de/weblog, Gerrit van Aaken)

“Meines Erachtens braucht die re:publica im nächsten Jahr ein neues Konzept, intensiveres Briefing der Vortragenden und eine gehörige Komplexitätsreduktion. Weniger parallele Veranstaltungen, mehr Fokus auf die Zukunft und bitte nicht immer die gleichen Nasen auf der Bühne. Bitte kein Status Quo mehr, auch das gehört zum Shift!”

3. “dieses diffuse, pauschale rumnörgeln nervt”

(wirres.net, Felix Schwenzel)

“ein klassiker unter bloggern ist ja, den journalisten (zu recht) mangelnde recherche, oberflächlichkeit oder die falschen themen vorzuwerfen. selbst zu telefonieren, selbst nachzufragen oder selbst recherchieren, dazu hat aber auch keiner bock. blogger weisen dann gerne darauf hin, dass man ohne presseausweis ja eh nix machen könne als von anderen seiten zu zitieren. was natürlich quark ist wer o-töne haben, mit politikern reden, auf einen parteitag oder in den bundestag will, bekommt das auch so hin — wenn er will.”

4. “Wenn Frauen bloggen”

(zwilobit.de, Jette)

“Es gibt Ausnahmen, aber Frauen schreiben vor allem über ihren Freundeskreis und Liebeleien, darüber, wie sie ihre kleine oder große Familie wuppen und wie anstrengend und frustrierend das bisweilen ist, wenn Männer mit Vorliebe alte Klischees bedienen.”

5. “Internetkonferenz ohne Internet”

(konniwinkler.de)

“So ganz sicher bin ich mir allerdings nach diesen Tagen nicht, ob ich wirklich Ahnung vom Internet habe. Diese Konferenz hat mich etwas durcheinander gebracht. Bisher dachte ich, überdurchschnittlich viel Internet zu konsumieren und zu wissen, was ich da mache. Aber da sind Leute vor Ort gewesen, die echte Ahnung hatten. Andere wiederrum waren einfach nur Freaks oder Geeks.”

6. “Cory Doctorow: How to survive the Web without embracing it “

(make.tv/republica2009, Video, 48:06 Minuten)

Wer die hörenswerte Rede von Cory Doctorow verpasst hat oder wem er passagenweise doch etwas zu schnell redete, kann es ja nochmals versuchen. Andere Videobeiträge von der re:publica’09 gibt’s unter make.tv/republica2009, zum Beispiel die Vorträge von Lawrence Lessig, Peter Glaser oder Jimbo Wales.

Bildblog, Buchholz, Public Press

1. Interview mit Christoph Schultheis

(zeit.de, Sven Stockrahm)

Das Bildblog beschäftigt sich ab heute nicht mehr ausschliesslich mit der Bild-Zeitung, sondern nimmt sich neu auch anderer Medien an. Der abtretende Hauptblogger, Christoph Schultheis, spricht über seine viereinhalb Jahre bei Bildblog: “Ein Bild-Opfer hat mir beispielsweise mal glaubwürdig berichtet, es sei nach einem gewissenlosen Artikel in dem Blatt von Passanten auf der Straße angespuckt worden. Das wünsche ich niemandem.”

2. Interview mit Patrik Müller

(persoenlich.com, Matthias Ackeret)

Patrik Müller wurde mit 31 Jahren Chefredakteur des Sonntag, einer neuen Schweizer Sonntagszeitung aus der Vorstadt, die sich wider Erwarten anderer Journalisten einen Platz erkämpfen konnte. Mutige Personalentscheide bleiben aber die Ausnahme: “Bei Ringier habe ich erlebt, dass gewisse Chefs Angst haben, bessere Leute zu engagieren, weil ihnen diese gefährlich werden könnten.”

3. “Hoffentlich geht die Krise weiter”

(kress.de, Christian Meier)

Karl-Heinz Ruch, Geschäftsführer der taz, kommt die aktuelle Wirtschaftslage offenbar entgegen: “Man muss fast zynisch sagen: Hoffentlich geht die Krise weiter”. Dennoch sieht man sich als bürgerliche Zeitung: “Wir sind Teil einer bürgerlichen Gesellschaft, sind eine bürgerliche Zeitung. Aber das wissen nicht alle.“

4. Interview mit Bernd Buchholz

(sueddeutsche.de, Christopher Keil)

Der Vorstandsvorsitzende von Gruner + Jahr, Bernd Buchholz, glaubt, dass sich einige Verlage “mit dem Schlucken unreifer Früchte den Magen verdorben” haben und meint damit die Internetstrategie. Auf die Frage, ob er Chef eines sterbenden Mediums geworden sei, sagt er: “So ein Quatsch.”

5. “Amerikanische Initiative will dem Tod der Tageszeitung trotzen”

(nzz.ch, Andrea Köhler)

Die NZZ stellt das Projekt The Public Press vor, das sich aus “Redaktoren, Reporter und Fotografen, die in der Zeitungskrise ihren Job verloren haben”, rekrutiert: “Die Nachrichtenredaktorin ist die einzige Festangestellte mit einem Gehalt, alle anderen arbeiten ohne Bezahlung. Neun feste Schreiber und drei Fotografen stellen den Kern; der Rest wird von Freien zugeliefert.”

6. “Ratloser Verlegerverbandspräsident”

(medienspiegel.ch, Video, 5 Minuten)

“Schon fast etwas gemein, wie Stephen Colbert hier den Vorsitzenden der Newspaper Association of America vorführt”.

6 zur re:publica'09: Leerlauf, Internetgemüse, Babykotze

1. “Die Blogger-Twitter-Internetgemüse-Riege”

(mevme.com/lizblog)

“Ich frage mich, für wen diese Veranstaltung eigentlich gemacht ist? Zum einen tummelt sich die Blogger-Twitter-Internetgemüse-Riege in einem Kreis und schmiert sich entspannt Smalltalk auf die Tastatur, zum anderen werden in Panels und Diskussionsrunden Dinge erklärt, von denen ich dachte, die seien Grundvoraussetzungen, um an dieser Veranstaltung teilzunehmen.”

2. “nett, aber ein bisschen zu wenig”

(misscaro.blogspot.com)

“bei der re:publica soll es um netzkultur gehen, nicht um weltprobleme, und deshalb ist das babykotze-panel auch genau richtig und wichtig. wo, wenn nicht hier? was aber nicht gut ist, ist der inhalt der panels. das ist alles so verdammt basic. und dann auch noch größtenteils verdammt schlecht vorgetragen. und immer noch so ohne jeden diskurs, jeden streit, jedes disagreement, so vollkommen ohne eier.”

3. “Linkschleudern im Leerlauf”

(maerkischeallgemeine.de, Jörg Giese)

“Ausgerechnet auf einem Treffen von und für Blogger, deren Selbstverständnis verlangt, in Online-Tagebüchern permanent über ihren Alltag zu kommunizieren, war das Web weg, leuchteten die schicken Laptops funktionslos im Saal. Zum Trost fotografierte man sich gegenseitig mit dem I-Phone.”

4. “Referenten elektronisch angeranzt”

(morgenpost.de, Dirk Nolde)

“Im Friedrichstadtpalast projiziert ein Beamer Twitter-Kommentare und SMS-Beiträge auf die Leinwand. Alles flimmert sofort, in bunte Grafik-Blasen eingesetzt, im Raum – im Rücken derer, die auf der Bühne stehen. Was das Publikum teils diebisch freut. Bei der Diskussionsrunde ‘Die Medienwelt im Wandel’ beschwerte sich Helmut Lehnert, Leiter des Programmbereichs Film und Unterhaltung beim RBB, dass die Kommentare hinter ihm erscheinen, wo er sie gar nicht sehen kann. Reaktion auf der Twitterwall: ‘Heul doch.'”

5. “Internet wird weltweit zensiert”

(taz.de, Ben Schwan)

“Auf der Web-Konferenz re:publica in Berlin stellte der US-Think Tank ‘Freedom House’ eine Untersuchung zur Online-Freiheit vor. Das Ergebnis: Das Netz ist fast überall zensiert.” (Studie als pdf-file auf freedomhouse.org)

6. “Erst ein Erfahrungsbericht – dann ein Aufruf zur Rettung der Welt”

(maeandertal.de/blog)

“Es wird verflucht noch mal Zeit, dass die Akteure des Web 2.0, die Social Networker, Twitterer und vor allem die Blogger, von sich ablassen, die selbstbeschworene Macht ausüben und ihren Fokus auf die Probleme unserer Zeit richten! Vom Pathos hingerissen, möchte ich sagen: Nehmt die Zügel in die Hand, macht Stimmung im Land, reißt die Grenzen ein und zeigt der Politik wo der Hase läuft.”

Basteln, verlautbaren, rausschneiden

1. “Der Preis der Freiheit”

(freitag.de, Lotta Suter)

“Viele traditionsreiche US-Zeitungen verlagern ihre Berichterstattung aufs Netz. Doch die E-Medien brauchen den ‘alten Journalismus’ – droht das Ende der Pressefreiheit?”

2. “Wie man sich eine Journalismus-Studie bastelt”

(journalistiklehrbuch.wordpress.com, Klaus Meier)

Klaus Meier, Professor für Journalistik an der Hochschule Darmstadt, hält nicht viel von der Studie “Journalismus 2009” des Marktforschungsinstituts YouGovPsychonomics (Pressemitteilung auf psychonomics.de). Eine Bastelanleitung mit 7 Tipps.

3. “FAZ enteignet den Papst”

(perlentaucher.de, Anja Seeliger)

“Zeitungen spielen sich gerne als Hüter des Urheberrechts auf, das vom Internet ausgehöhlt werde. Die eigentliche Enteignung der Urheber findet aber in Zeitungen statt.”

4. “Es steht schlecht um den ORF”

(diepresse.com, Reinhard Christl)

“Der ORF ist das einzige öffentlich-rechtliche Medienunternehmen der Welt, das offiziell davon ausgeht, weiterhin 40 Prozent Marktanteil halten zu können. Internationalen Vergleichen zufolge wären in zehn Jahren dreißig Prozent durchaus ein Erfolg.”

5. Gelehrter Verlautbarungsjournalismus in Russland

(dradio.de, Stefan Koldehoff und Robert Baag)

“Und diese Geisteshaltung, Journalisten zu behandeln wie – im sowjetischen Jargon würde man sagen – Transmissionsriemen, das heißt, es wird etwas verlautbart und Journalisten haben es gefälligst weiterzugeben, vor allen Dingen aber nicht negativ zu sein, das ist mittlerweile auch eine Haltung, die auch an Journalistenschulen durchaus so weitergegeben wird und zum Berufsverständnis gehört.”

6. “‘Schmidt & Pocher’: Seitenhieb auf Herres rausgeschnitten”

(dwdl.de, Thomas Lückerath)

“Das hervorragende Finale von ‘Schmidt & Pocher’ dürfte auch dem Programmdirektor des Ersten gefallen haben. Da die Aufzeichnung etwas zu lang geraten war, musste gekürzt werden, wobei zufällig kritische Worte Oliver Pochers über Volker Herres herausgeschnitten wurden.”

6 zur re:publica'09: Klowände, Augenringe, Hosenträger

1. “Sind Blogs die ‘Klowände des Internets’?”

(welt.de, Michael Miersch)

Alan Posener, Henryk M. Broder, Juliette Guttmann, Frank Schäffler und Thierry Chervel äussern sich über dieses neue Internet. Chervel: “Ich habe im Jahr 2000 bei der ‘Süddeutschen’ gekündigt, wo man mich angeguckt hat wie ein Auto, weil sich die SZ für die beste Zeitung der Welt hält und man den Redakteursstatus als Adelsprädikat begreift.”

2. “01. april 2009”

(wirres.net, Felix Schwenzel)

Der erste April mit Felix Schwenzel an der re:publica: “robert basic grüsst mich und fängt an mit mir zu reden. ich verstehe jedes wort. er ist wirklich nett. allerdings finde ich heraus, dass er gar keine getönte brille trägt, sondern seine dunklen augenringe schatten aufs brillenglas werfen. kosmars neue brille ist dagegegen getönt. ”

3. “Twitter ist nicht genug”

(netzeitung.de, Maik Söhler)

“Im Internet kann derzeit man kaum noch eine Webseite aufrufen, ohne dass einem von dort sofort allerlei Sätze übers Twittern entgegenpurzeln. Twitterer sind überall, schreiben über alles, posten Fotos und Videos, ‘followen’ diesem und jenem und fassungslose Medien verstehen immer noch nicht, um was es dabei überhaupt geht. Aber auch sie twittern nun.”

4. “Shift happens: Nur wo?”

(carta.info, Matthias Schwenk)

“Ein Vergleich zeigt, dass allein die Harvard University unter ihren Dozenten der Business School aktuell 39 Blogs auflisten kann, während das Berkman Center der Harvard Law School auf 48 Blogs kommt. Darf man da fragen, warum in den USA bald schon jeder namhafte Professor ein Blog führt, während sich bei uns die führenden wissenschaftlichen Köpfe immer noch vornehm zurückhalten?”

5. “Die alte Garde”

(dondahlmann.de)

“Jakob Augstein, Inhaber und Verleger der ‘Freitag’ zum Beispiel, der heute auf dem Panel zum Thema ‘Medien im Wandel’ etwas schlecht gelaunt rum saß, war ein schönes Beispiel. Er stellte klar, dass es, zumindest im Moment, keine Alternative zum Print gibt. Nicht, weil die Angebote im Netz schlecht wären, sondern weil für große Teile der Politik und der Fakten-schaffenden Elite (Lobbys, Pressesprecher, Spin-Doktoren etc.) das Netz einfach nicht existent ist.”

6. “helden in hosenträgern”

(flannelapparel.blogspot.com)

“Warum die mutigen Medien, die in ihrem Biotop kein Blatt vor den Mund nehmen und immer wissen, was morgen schon wieder von gestern ist, nicht den Mut besitzen, am Tag der Eröffnung zarte Pflänzchen vor das Publikum zu lassen, Gesichter, die noch kaum jemand kennt, die etwas sagen, dass noch nicht von Blogs und anderen Medien zerkaut wurde, und die mehr Grips als Eitelkeit besitzen, fragt sich vermutlich das bunt gemischte Publikum.”

Einpeitscher, Mehdorn, Nutzungsrechte

1. “Medien = Einpeitscher!”

(martina-kausch.de)

Martina Kausch macht ein paar Screenshots aus Newsportalen, die über den aktuellen G20-Gipfel in London berichten. “Ich habe mir erlaubt, einmal die Fotografen optisch hervorzuheben. Und wenn Ihr Euch die weiteren Bilder anseht, werdet Ihr schnell feststellen, dass mehr Fotografen am Schauplatz des Geschehens waren als Demonstranten oder Polizisten.”

2. “Überwachungssystem Bahn: Kampf gegen kritische Journalisten”

(ndr.de, Video, 8:20 Minuten)

Der zurückgetretene Bahn-Chef Hartmut Mehdorn zeigte den Medien lieber Zugreisende massierende Betreuer der Bahn als masslos überfüllte Züge. Mit angebrachter Kritik konnte er kaum umgehen und reagierte darauf mit Schimpftiraden per Fax und Telefon sowie mit Anzeigenboykotten.

3. “ZEIT MAGAZIN: über Luxusuhren schreiben und gleichzeitig für sie werben”

(spiegelblog.net, T. Engelbrecht)

Das Zeit Magazin Leben, eben bei den Lead Awards 2009 zum Leadmagazin des Jahres gewählt, schreibt erst im redaktionellen Teil über achteinhalb Seiten werbewirksam über Luxusuhren – und druckt dann auf der Rückseite ihres Magazins eine ganzseitige Anzeige der Luxusuhrenmarke Breitling ab.

4. “Zitieren Sie nicht die FAZ!”

(perlentaucher.de/blog, Anja Seeliger)

Die Frankfurter Allgemeine schreibt einen Brief an den Perlentaucher und fordert Nutzungsrechte in der Höhe von 590 Euro. Darauf meldet sich der Autor des Artikels, Thomas Hürlimann: “Ich meine, dass das Copyright immer noch bei mir ist. Deshalb können Sie das Zitat gern wieder aufnehmen.”

5. “Zwei sind weniger als eins”

(blog.persoenlich.com, Roger Schawinski)

Roger Schawinski äussert sich zur neuen Tages-Anzeiger-Chefredaktion: “Man greift auf zwei hauseigene Leute zurück, die man viel zu lange in der Warteschlaufe schmoren liess. Alles wirkt so, als ob man eine bessere Lösung gesucht hat und dabei gescheitert ist.”

6. “Endlich verstehen: Wer wird Millionär?”

(christophkoch.wordpress.com)

Über die Sendung “Wer wird Millionär”: “Doch welchen Joker wann einsetzen? In Russland gilt: Nie das Publikum fragen! Denn hier hat sich die Tradition eingebürgert, dass das Publikum absichtlich falsche Antworten gibt, um dem Kandidaten zu schaden.”

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