Die Erinnerungen des Grafen Nayhauß

Rückblick: Im Juli 2001, anlässlich des 75. Geburtstags von Mainhardt Graf Nayhauß, Autor der „Bild“-Kolumne „Berlin vertraulich“ (ehemals: „Bonn vertraulich“) und zahlreicher Bücher (u.a. „Denk ich zurück an Bonn“), schrieb die „Welt“ aus dem Axel Springer Verlag über den Jubilar: „Kaum jemand der Branche ist näher an Schröder, Fischer, Rau und den anderen Größen der Republik.“ Das ist nun dreieinhalb Jahre her, die zweite Amtszeit von Eberhard Diepgen als Bürgermeister von Berlin war gerade zu Ende gegangen.

Aber zurück in die Gegenwart. Heute schreibt Mainhardt Graf Nayhauß in seiner „Bild“-Kolumne dies:

Rechtsexperten, darunter Berlins Innensenator Werthebach, meinen, daß „aus rechtlicher Sicht“ der Aufmarsch nicht zu verbieten ist.
Hervorhebungen von Bild.de

Hoppla, da ist Nayhauß aber ein kleiner Fehler unterlaufen. Der Berliner Innensenator heißt nämlich seit dem 16. Juni 2001 Ehrhart Körting. Eckart Werthebach war vorher, unter Eberhard Diepgen, Senator für Inneres in Berlin.

Und deshalb sei uns hier doch noch ein kleiner Blick in die Vergangenheit gestattet. Noch einmal die „Welt“ anlässlich Nayhauß‘ 75.:

Wer aber aus den Erinnerungen des Autors von sieben Büchern und tausenden Artikeln zu schließen glaubt, Graf Nayhauß lebe in der Vergangenheit, der irrt.

Mit Dank für den sachdienlichen Hinweis an Marc

Zerklitterte Hemden

„BILD übersetzt von Kopf bis Fuß das Englisch-Wirrwarr in deutschen Kaufhäusern.“

So steht es bei Bild.de. Und mal abgesehen davon, dass es natürlich der „Wirrwarr“ ist: Wem – außer der Mehrheit – ginge dieser ganze „Englisch-Wirrwarr in deutschen Kaufhäusern“ nicht tagtäglich auf den Wecker?!

Allerdings ist die Übersetzung eines Englisch-Wirrwarrs für „Bild“ ein gewagtes Unterfangen. Schließlich wissen aufmerksame „Bild“-Leser, dass es mit den Englisch-Kenntnissen in den „Bild“-Redaktionen so eine Sache ist, was wiederum „Bild“ nicht davon abhält, in einem „Einkaufslexikon“ 27 englischsprachige Bezeichnungen von „Beanie“ bis „Casual Wear“ zu übersetzen.

Und, nun ja, man mag darüber streiten, ob der Begriff Vintage wirklich „zerrissene Hose“ bedeutet, wie „Bild“ behauptet, oder nicht vielmehr das, was sich auf Deutsch Second-Hand-Kleidung nennt. Vielleicht ist One-size-fits-all mit „Jeanshosen in allen Größen“ auch etwas unbeholfen (um nicht zu sagen: völlig falsch) übersetzt, weil die Formulierung doch eigentlich im Gegenteil Kleidungsstücke wie Mützen oder Socken bezeichnet, die es nur in einer einzigen Größe gibt und jedem passen sollen. Schon möglich, dass darüber hinaus eine Mesh-Cap keine „große Schirmmütze“ ist, sondern vielmehr bloß eine solche Schirmmütze, die im hinteren Teil aus einem großmaschigen, netzartigen Stoff gefertigt wurde. Möglich auch, dass das alles enorm besserwisserisch klingt.

Dabei geht’s noch besserwisserischer: Knitwear nämlich übersetzt „Bild“ mit „zerknittertes Hemd“. Und mal abgesehen davon, dass der Begriff nun überhaupt nichts mit irgendeinem „Hemd“ zu tun hat, kommt das englische Wort knit ja vom Altenglischen cnyttan (was soviel wie „knoten“ oder „binden“ bedeutet und darin wohl dem deutschen knüpfen verwandt ist), wohingegen das deutsche Wort (zer)knittern (wie knistern) ein Ablaut des lautmalerischen knattern ist, also ursprünglich „leise knattern“ bedeutete – vor allem aber mit dem englischen knit rein gar nichts zu tun hat, denn das bedeutet „stricken“, weshalb knitwear auch schlicht „Strickzeug“ meint, wohingegen modisch zerknitterte Kleidung in der Regel sinnvollerweise mit Begriffen wie crinkle oder crush bezeichnet wird.

Aber natürlich müssen „Bild“-Redakteure im Ressort „Geld & Job“ das alles nicht wissen. Aber sie hätten einfach mal hier klicken können, bevor sie ihren fehlerhaft hingerotzten Unsinn unter einer großkotzigen Überschrift („…damit wir auch wissen, was wir kaufen“) verbreiten.

PS: Ebenfalls nicht verwechseln sollte man knittern mit klittern: Letzteres bedeutet nämlich „verfälscht darstellen“.

Mit Dank an Gerd S. für den sachdienlichen Hinweis und Steffi I. für die sachkundige Beratung.

Nachtrag, 14.12 Uhr:
Inzwischen hat der Wirrwarr-Beauftragte von Bild.de seinen Dienst angetreten und die Übersetzung von „One-size-fits-all“ zu „Jeanshosen für alle Größen“ geändert. Ob er es schaffen wird, im Laufe der kommenden Wochen noch weitere Fehler zu korrigieren? Wir halten Sie auf dem Laufenden.

Nachtrag, 28.1.2005:
Na, also: Der Wirrwarr-Beauftragte von Bild.de hat sich nochmals rangesetzt und die Begriffserklärungen nachträglich berichtigt. Nun heißt es auch zu Vintage richtigerweise „Second-Hand-Look“, zu Mesh-Cap nur noch „Schirmmütze“, und hinter dem (ausgesprochen häufig in deutschen Kaufhäusern verwendeten) Begriff Knitwear steht „Strickwaren“. Ja, sogar die bereits überarbeitete Übersetzung von One-size-fits-all wurde nun abermals in „Kleidungsstücke, die es nur in einer einzigen Größe gibt, die jedem paßt (z.B. Mützen oder Socken)“ korrigiert. Nur der Rechtschreibfehler im Wort „Kaputzenpullover“, der hier bislang unerwähnt geblieben war, wurde übersehen. Aber da wollen wir jetzt echt nicht tzimperlich sein.

We are the Champions XVIII – XXVI

Aus aktuellem Anlass fassen wir zusammen: Seit beispielsweise dem 4.1.2005 hießen die „Gewinner“ des Tages in „Bild“ unter anderem:

8.1.2005
Alexander Hold
Hauptdarsteller in einer Gerichtsshow beim Sender Sat.1, an dem der Axel Springer-Verlag beteiligt ist
10.1.2005
Stefan Aust
Chefredakteur des „Spiegel“, der beim Widerstand gegen die „Schlechtschreibreform“ („Bild“) und das „Maulkorb-Urteil“ („Bild“) sowie beim Vorabdruck verschiedener Bücher mit dem Axel Springer-Verlag kooperierte und von der im Axel Springer-Verlag erscheinenden „Hörzu“ eine „Goldene Kamera“ verliehen bekommt, aber ausdrücklich nie mit Springer-Chef Mathias Döpfner Ski gefahren ist.
13.1.12005
Thomas Gottschalk
TV-Moderator, dessen Sendung „Wetten, dass…?“ mit Bild.de kooperiert.
18.1.2005
„Bild“-Buch „Das Jahr 2004“
O-Ton „Bild“: „können Sie hier bestellen“
20.1.2005
Kai-Uwe Ricke
Chef der Telekom, die mit Bild.de kooperiert.
21.1.2005
Torsten Rossmann
Chef des Senders N24, an dem der Axel Springer-Verlag beteiligt ist.
22.1.2005
Audi
Automarke, die von der „Bild am Sonntag“ das „Goldenen Lenkrad“ verliehen bekam.
25.1.2005
Sarah Connor
Sängerin, die von der im Axel Springer-Verlag erscheinenden „Hörzu“ eine „Goldene Kamera“ verliehen bekommt.
26.1.2005
Die „Bild“-Bestseller-Bibliothek
(Kein Kommentar)
 
 
Nachtrag, 27.1.2005:
Wolf Wegener
Chef des ADAC, nachdem er 50.000 Euro für eine „Bild“-Aktion spendete.

Eiskalt im Zillertal

Diese bzw. diese Geschichte über Daisy, die heute in der „Bild“-Zeitung steht, ist zu eklig zu hinterfotzig zu niederträchtig zu unkomisch zu perfide zu lang, als dass wir uns ausführlich damit befassen wollten.

Ein Mensch ist umgebracht worden, ein ihm nahestehender Mensch ist offenbar „mit der ganzen Situation völlig überfordert“ und „mit Weinkrämpfen zusammengebrochen“. Und worum sorgt sich „Bild“? Ob der Hund des Verstorbenen mental auf ein Reise ins Zillertal vorbereitet ist und darum, dass der Hund „nicht einmal Wintersachen dabei“ habe.

Allgemein  

Offensichtlich unwahr

Vermutlich wäre es bei den meisten „Enthüllungen“, mit denen „Bild“ in diesen Tagen rund um Rudolph Moshammer und seinen Tod aufwartet, ein Fehler, sie mit Tatsachen zu verwechseln. Wie zutreffend kann eine Berichterstattung sein, die nicht einmal in sich selbst stimmig ist?

Heute berichtet das Blatt exklusiv, „Mosi“ werde „im Himmel“ „weinen“. Weil sein Chauffeur mit seinem Hund Daisy nach Österreich fahre.

Ein Bekannter: „Auch das hätte Mosi nie zugelassen. Daisy geht nicht gern auf Reisen. Sie wurde früher nur mitgenommen, wenn es gar nicht anders ging.“

Seit dem Tod der Mutter (1993) ist Mosi mit Daisy nicht mehr verreist.

Bei Bild.de kommt man direkt neben diesem Artikel zur Fotogalerie „Das schillernde Leben von Moshammer“. Eines der Bilder zeigt ihn „mit Hündchen Daisy“ „im Oktober 2004 bei der Weltpremiere des Programmes ‚Fantasy‘ der Eisrevue ‚Holiday on Ice‘ (…).“

Sie fand in Hamburg statt.

Allgemein  

Warten auf die Katastrophe, die nicht passierte

Es war genau 13.42 Uhr am Freitag, als die Nachrichtenagentur dpa eine Meldung mit der Überschrift „Heftigster Strahlungssturm seit 15 Jahren fegt über die Erde hinweg“ brachte. Es war, im Grunde, eine Entwarnung:

Berichte über Schäden an Satelliten oder an Kommunikationsanlagen auf der Erde lagen zunächst nicht vor. (…) „Dieses Mal haben wir aber offensichtlich Glück gehabt“, sagte der Magnetfeldforscher Prof. Hermann Lühr vom Geoforschungszentrum Potsdam am Freitag. Das Magnetfeld des Sonnenwinds sei gleich polarisiert gewesen wie das Erdmagnetfeld und habe daher dieses nicht geschwächt.

Die „Welt“ berichtet deshalb unter der Überschrift:

Das Erdmagnetfeld hält heftigem Strahlensturm der Sonne stand

Nur bei Bild.de, da kommt der schlimme Sturm erst noch, und deshalb sind nur bei Bild.de auch noch schlimme Schäden möglich. Mit Datum vom Samstag heißt es da:

Gigantischer Strahlensturm gefährdet Schutzschild der Erde

(…) Sonnenphysiker Rainer Schwenn (62) vom Max-Planck-Institut in Katlenburg (Niedersachsen): „Gewöhnlich benötigen diese Wolken vier Tage, um die 150 Millionen Kilometer zurückzulegen. Heute oder morgen wäre ‚Einschlag‘.“ (…)

Der Sonnensturm kann das Erdmagnetfeld schwächen – unser wichtigster Schutzschild.

Merke: Der Mann, der noch Tage nach einem Beinahe-Unfall an der Kreuzung steht und immer wieder klagt: „Oh Gott, gleich gibt es bestimmt einen fiesen Crash und wir müssen alle sterben!“, das ist ein „Bild“-Redakteur.

Nachtrag, 12.40 Uhr

Die gedruckte „Bild“ bringt die längst überholte Geschichte ganz groß: Sie wird groß oben auf der Seite 1 angekündigt (Ausriss rechts) und füllt ein Drittel der letzten Seite (Ausriss unten). Und noch einmal: Die Entwarnung kam am Vortag um 13.42 Uhr.

Fullcome free overput

Zugegeben: Es ist nur eine kleine Kleinigkeit, aber so genannte Homonyme (ugs. auch „Teekesselchen“ genannt) sind ein faszinierendes Sprachphänomen. Schimmel zum Beispiel ist ein Homonym. Oder, wenn man so will, auch Bild. Und es gibt dergleichen natürlich nicht nur im Deutschen, sondern beispielsweise auch in der englischen Sprache, mit der man sich, wie wir wissen, bei „Bild“ oft schwertut.

Bei Bild.de hat man sich unterdessen entschieden, über das Hochzeitskleid von Cameron Diaz zu berichten, das laut MTV vom indianischen Designer David Jet Black Horse geschneidert werde. Genauer gesagt heißt es bei Bild.de:

„Ein Designer mit dem passenden Namen David Jet Black Horse (…) hat angeblich schon ein Outfit für die Schauspielerin mit indianischen Vorfahren ersonnen“

Und das alles wäre ja völlig okay, wenn Bild.de dort, wo in obigem Zitat die drei Punkte stehen, nicht überflüssigerweise einen Einschub untergebracht hätte, der da lautet:

„vollkommen frei übersetzt: David Flugzeug Schwarzes Pferd…“

Weniger „vollkommen frei“ übersetzt hieße der indianische Designer allerdings höchstens „David Rappe„, weil jet nämlich nicht nur ein „Flugzeug“, sondern auch ein Teekesselchen ist und jet black im Englischen nun mal schlicht „rabenschwarz“ bedeutet, wie bereits ein kurzer Blick ins Online-Wörterbuch verrät, während alles andere (auch wenn es nur eine kleine Kleinigkeit ist) von bemerkenswerter Inkompetenz zeugt – und Cameron Diaz übrigens einen Mann ehelichen will, der „vollkommen frei übersetzt“ Justin Holzsee heißt.

Mit Dank an Susanne B. für den Hinweis.

Vermischtes II

„BILD sorgt für Klarheit“, schrieb „Bild“ (anlässlich der Nebentätigkeiten von Politikern). Aber als wäre die Welt nicht schon kompliziert genug, stehen woanders andauernd irgendwelche Sachen, die mit dem, was in „Bild“ steht, nicht übereinstimmen. Was soll man also glauben? War es nun, wie „Bild“ behauptete, eine „elektronische Anti-Terror-Datenbank“, die das FBI zum „Gewinner“ des Tages „Verlierer“ des Tages machte, oder (nur) ein Internet-Überwachungssystem? Entging Shermine Sharivar, wie in „Bild“ stand, „nur knapp dem Tod“ und „hatte schreckliche Schmerzen“ oder vielleicht doch „keinen Kratzer abbekommen“? Wie kommt es, dass es laut „Bild“ auf dem Saturnmond Titan „stinkt wie auf einem Misthaufen“, obwohl das für den Gestank angeblich verantwortliche Methan ein geruchloses Gas ist? Wieso heißt es wiederum bei Bild.de, dass „britische Forscher“ irgendwas über Liebeskummer und Frauengehirne herausgefunden hätten, wo doch in der von Bild.de zitierten Quelle ausdrücklich von „American scientists“ der Medical University of South Carolina die Rede ist? Warum wird in demselben Text die Empfehlung der britischen Therapeutin Christine Northam zu einem „Rat der Forscher“? Anders gefragt: Trug Rudolph Moshammer nun, wie wiederholt in „Bild“ stand, eine Perücke oder, wie mittlerweile ebenfalls in „Bild“ stand, keine Perücke?

Und wie verhält es sich mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Prof. Gert Weisskirchen, der sich (anlässlich der Nebentätigkeiten von Politikern) „zu Unrecht von der BILD-Zeitung in ein falsches Licht gerückt“ sieht? Weisskirchen jedenfalls ist der Ansicht, dass die „Bild“-Berichterstattung „verwirrt“.

Aber weshalb sollte man ihm schon glauben?

Mit Dank an die diversen Hinweisgeber.

Allgemein  

Symbolfoto VI: „Bild“ verleugnet Jesus

Es hätte alles so schön gepasst. Der schillernde Rudolph Moshammer (über den Roberto Blanco in „Bild“ sagte, „Rudolph war ein Show-Mann, ein Exzentriker. Ich glaube, er würde auch diesen letzten ‚Auftritt‘ in einem gläsernen Sarg sehr lieben.“) im „Schneewittchensarg“. Und das kann man sich gut vorstellen, noch dazu, wenn es sich bei dem gläsernen Sarg um ein so prunkvolles Stück wie jenes handelte, das „Bild“ heute auf der Titelseite und noch einmal weiter hinten abbildet:

Auf der Titelseite steht übrigens neben dem Foto des „Sargs“:

Der gläserne Sarg, in dem Moshammer seine letzte Ruhe finden soll

Das allerdings stimmt nicht. Nicht nur, weil, wie auch „Bild“ seit heute weiß, Moshammer in einem Mahagoni-Sarg beerdigt werden wird.

Nein, der von „Bild“ abgebildete Glassarg ist außerdem schon belegt, wie man auf diesem Foto (siehe Ausriss) sehen kann. Es liegt eine Jesus-Statue darin, die man in der gedruckten „Bild“ allerdings kurzerhand wegretuschiert hat, wohl um Platz für Moshammer zu schaffen. Mithilfe des Originalfotos bewarben Karl und Leo Rechsteiner anlässlich des Todes von Rudolph Moshammer ihr Patent für einen Vakuum-Glassarg. Und fragt man bei Karl Rechsteiner nach, erfährt man, dass das Foto einen Schrein in Costa Rica zeigt, der dort während der „Semana Santa“ (Karwoche) bei Prozessionen durch die Straßen getragen wird. Das Foto solle nur illustrieren, was für Möglichkeiten es hinsichtlich der Gestaltung von Glassärgen gibt.

„Bild“ dagegen demonstriert mal wieder eindrucksvoll, welche Möglichkeiten es hinsichtlich der Gestaltung und Verwendung von Fotos gibt.

Mit Dank für den inspirierenden Hinweis an Joerg S. und Patrick G.

Nachtrag in eigener Sache:
Nachdem um obigen Eintrag offenbar Verwirrung entstanden ist, sei noch einmal darauf hingewiesen, dass Joerg S. und Patrick G., (Betreiber der Website minga.de) uns und andere Medien per Mail auf die zu Grunde liegende „Bild“-Meldung aufmerksam gemacht haben (siehe „Dank an…“). Thema unseres Eintrags ist jedoch die Manipulation eines Fotos in der „Bild“-Zeitung (siehe auch Pressekodex, Ziffer 2 und Richtlinie 2.2), von der auf der Website der Hinweisgeber nicht die Rede war.

Pervers

Schlägt man im Wörterbuch der deutschen Sprache den Begriff „pervers“ nach, findet man dies:

per|vers [Adj. , –er, am perversesten] 1 widernatürlich, geschlechtlich unnormal empfindend 2 [ugs.] unnatürlich; er hat eine ~e Freude am Boxen 3 [ugs.] abscheulich, gemein, unerträglich; faule Eier stinken p. [lat . perversus „verkehrt, umgedreht“, zu pervertere „umkehren, umstürzen, verderben“, per… „ganz, völlig“ und vertere „wenden“]

Bezieht man sich auf die dritte, umgangssprachliche Bedeutung, dann ist sicherlich jeder Mörder pervers, nämlich abscheulich. Dann müsste man das allerdings so wenig hinschreiben, wie bei einem Schimmel die Tatsache, dass er weiß ist. Für „Bild“ aber ist der mutmaßliche Mörder von Moshammer nicht einfach ein „Mörder“, er ist ein „perverser Mörder“. Und so sieht das aus:

Weil im zugehörigen Artikel keineswegs davon die Rede ist, dass sich der Täter in irgendeiner Weise sexuelle Befriedigung durch die Tat verschaffte, gibt es nun drei Möglichkeiten, warum „Bild“ diesen Mörder „pervers“ findet:

1.) Er ist pervers, weil er Asylant ist.
2.) Er ist pervers, weil er Pornos guckt.
3.) Er ist pervers, weil er viel Geld für Sex nimmt.

Ach, und eine weitere gibt es natürlich noch:

4.) Er ist pervers, weil „Bild“ das Wort „Mörder“ so inflationär gebraucht, dass es für sich allein gar nicht mehr richtig schlimm wirkt. Und die Begriffe „Bestie“ und „Monster“ sind ja im Moment schon von einem anderen mutmaßlichen Mörder belegt.

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