Suchergebnisse für ‘schlechtschreibreform’

Ist ja auch egal

Es stimmt tatsächlich, Thomas Gottschalk „protestiert“ gegen die neue Rechtschreibung. Schlägt man nämlich das Wort „protestieren“ z.B. bei Langenscheidt nach, dann steht da u.a. „Ablehnung, Missfallen, Mangel an Übereinstimmung kundtun“. Genau das tut Gottschalk wirklich im „Bild“-Interview und so steht es auch in dessen Überschrift.

Laut „Bild“-Titelseite geht Gottschalk aber noch über den Protest hinaus. Jedenfalls steht dort das hier:

Und das hier steht bei „Bild“-Online:

Am Ende des Interviews allerdings steht dann folgendes:

BILD: Und wie soll’s weitergehen?
Gottschalk: Es ist nicht so, dass mir dieses Thema den Schlaf raubt. Meinetwegen soll jeder schreiben, wie er will. Ich lese lieber etwas Vernünftiges falsch geschrieben als richtig buchstabierte Dummheiten.

Da merkt man doch ganz deutlich: „Der Widerstand gegen die Schlechtschreibung wird immer mächtiger.“

Eine besondere Verantwortung

Mit der Namensgebung ist sich „Bild“ selbst noch nicht ganz sicher. Mal heißt der „Orden“, den das Blatt seit kurzem vergibt, „Ein Herz für die deutsche Sprache!“, mal nennt er sich „Retter der deutschen Sprache!“. Jüngster „Ordensträger“ ist jedenfalls Hans Dichand, Herausgeber der österreichischen „Kronen-Zeitung“, dem vielleicht einflussreichsten Boulevardblatt der Welt. Dichand hat sich die Ehrung dadurch verdient, dass er unter seinem Pseudonym „Cato“ eine Kolumne gegen die Rechtschreibreform geschrieben hatte, die „in überflüssiger bürokratischer Regelungswut“ entstanden sei, ein „großer Fehler“, „uns aufgezwungener Irrsinn“.

„Bild“ schließt daraus, dass die „Kronen-Zeitung“ „so schnell wie möglich zurück zur klassischen Rechtschreibung“ will. Dagegen zitieren „Der Standard“, „Die Presse“ und „Berliner Zeitung“ übereinstimmend den Chefredakteur Michael Kuhn, der vor einer Woche sagte, sein Blatt werde „zähneknirschend“ bei der reformierten Rechtschreibung bleiben. Auch der 50-Prozent-Gesellschafter der „Krone“, die WAZ, hat sich für die Beibehaltung der gegenwärtigen Schreibung ausgesprochen.

Dass „Bild“ diese Unwägbarkeiten verschweigt, ist nicht das Beunruhigendste. Das Beunruhigendste ist, dass „Bild“ Dichand den übermächtigen greisen Herausgeber zum „couragierten Top-Journalist“ verklärt. Die außergewöhnliche Macht, Agressivität und Skrupellosigkeit dieses „couragierten Top-Journalisten“ ist kein Geheimnis, bei Bedarf lässt sie sich für den Anfang hier, hier oder hier nachlesen. Aber, hey, der Mann ist gegen die „Schlechtschreibreform“, das kann kein schlechter Mensch sein!

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG, die „Bild“ herausgibt, hat der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ auf die Frage nach der Kampagne von „Bild“ gegen die Reform gesagt:

Interessant ist, daß, wenn „Bild“ eine Meinung hat, es immer gleich als Kampagne bezeichnet wird. Aber ich glaube, wir sind gut beraten, das als Kompliment zu empfinden. „Bild“ erreicht mehr als zwölf Millionen Leser und prägt die öffentliche Meinung mehr als jede andere Zeitung. Also kommt ihr auch im Falle der deutschen Rechtschreibung eine besondere Verantwortung zu.

In der Tat.

Blättern:  1 2