Doku über Natascha Kampusch, Der Hassanzeiger, Verantwortungslücke

1. ORF nimmt Kampusch-Doku nach Protesten aus dem Programm
(spiegel.de)
Der österreichische Rundfunk ORF habe eine für den heutigen Montag geplante Fernsehdokumentation über das frühere Entführungsopfer Natascha Kampusch nach massiven Protesten vorerst aus dem Programm genommen. Als Grund für die kurzfristige Absetzung nenne der öffentlich-rechtliche Sender noch ungeklärte Fragen bezüglich der Persönlichkeitsrechte der heute 38-Jährigen. Zuvor hätten unter anderem Medienanwälte, behandelnde Ärzte sowie die Opferhilfeorganisation Weißer Ring scharf gegen die Doku protestiert.

2. Der Hassanzeiger
(taz.de, Jost Maurin)
Der 25-jährige Fabian F. durchforste in seiner Freizeit Soziale Netzwerke nach rechtsextremer Hetze und zeige gezielt strafbare Inhalte wie NS-Symbole oder Mordaufrufe an. Es gehe ihm darum, die demokratische Debattenkultur zu schützen und zu verhindern, dass aus hasserfüllten Worten reale Taten würden. Um nicht als bloßer Denunziant zu gelten, habe er sich bei seinen rund 300 erstatteten Anzeigen bewusst auf schwere Vergehen und notorische Wiederholungstäter konzentriert.

3. Vom Incel-Forum zum TikTok-Trend – Wie Incel-Sprache Mainstream wurde
(belltower.news, Kira Ayyadi)
Toxische Vokabeln wie “Looksmaxxing” aus frauenfeindlichen Incel-Foren seien mittlerweile zu einem viralen, scheinbar harmlosen TikTok-Trend für Jugendliche avanciert. Hinter diesem Hype um extreme körperliche Selbstoptimierung verberge sich ein zutiefst misogynes Weltbild, das den Wert von Menschen auf einen rein optischen Marktwert reduziere, schreibt Kira Ayyadi. Dieser Lifestyle werde gezielt von rechtsextremen Influencern genutzt, um junge Männer für rassistische und antidemokratische Ideologien zu rekrutieren.

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4. Iran-Krieg aus 3 Perspektiven: Vor Ort, in den USA, für Kinder
(br.de, Linus Lüring, Audio: 28:44 Minuten)
Im Podcast “BR24 Medien” diskutiert Moderator Linus Lüring mit drei Medienschaffenden über die massiven Herausforderungen aktueller Kriegs- und Krisenberichterstattung. Katharina Willinger, Leiterin des ARD-Studios in Istanbul, spricht über die schwierige Aufgabe, über einen Krieg zu berichten, ohne in das Land des Geschehens reisen zu können. Christian Fahrenbach, Journalist in New York, ordnet die Kommunikation der Trump-Administration und den medialen Umgang mit den Epstein-Akten ein. Und “logo!”-Redaktionsleiterin Constanze Knöchel erläutert, wie man Kindern ein komplexes Kriegsgeschehen verantwortungsvoll und teils sogar humorvoll vermittelt.

5. Die Verantwortungslücke
(npj.news, Leif Kramp & Stephan Weichert)
In einem aktuellen Debattenbeitrag vertreten Leif Kramp und Stefan Weichert die These, dass sich die Bühne des Journalismus massiv verschoben habe. Texte müssten künftig zwingend maschinenlesbar für KI-Assistenten aufbereitet werden, um in den digitalen Informationsströmen überhaupt noch sichtbar zu bleiben. Weitreichende neue Finanzierungsmodelle seien nötig. Denkbar seien etwa API-Lizenzzahlungen von Tech-Konzernen, direkte Community-Unterstützung oder gar eine Öffnung des Rundfunkbeitrags für jeglichen gemeinwohlorientierten Journalismus.

6. Werbung muss klar erkennbar sein
(verbraucherzentrale-bawue.de)
Das Landgericht Bamberg habe nach einer Klage der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg geurteilt, dass die Werbekennzeichnung auf YouTube deutlich transparenter und dauerhafter erfolgen müsse. Es reiche keinesfalls aus, wenn bei einem minutenlangen Video eines Finanz-Influencers lediglich in den ersten zehn Sekunden ein Werbehinweis eingeblendet werde und der eigentliche Sponsor unklar bleibe. Auch das Onlineportal des “Handelsblatts” stehe wegen unzureichender Transparenz massiv in der Kritik.