Intendant tritt zurück, Deutliches Scheitern, Fall “Washington Post”

1. ORF-Intendant Weißmann tritt zurück
(tagesschau.de)
Roland Weißmann, bisher Intendant des Österreichischen Rundfunks ORF, sei mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurückgetreten, nachdem Vorwürfe der sexuellen Belästigung durch eine Mitarbeiterin gegen ihn erhoben worden seien. Der Stiftungsrat des öffentlich-rechtlichen Senders fordere nun eine rasche und transparente Aufklärung der Anschuldigungen. Weißmanns Anwalt weise die Anschuldigungen gegen seinen Mandanten zurück und bringe den Fall mit der anstehenden Generaldirektorenwahl in Verbindung.
Weiterer Gucktipp: Beim ORF kommentiert Stefan Kappacher vom Radiosender Ö1 die Situation: “Weißmann bleibt dabei: Vorwürfe nicht stichhaltig” (orf.at, Video: 10:08 Minuten).

2. Wichtiges Signal: Volksabstimmung über Kürzung der Rundfunkgebühren ist gescheitert
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen begrüßt das deutliche Scheitern der sogenannten Halbierungsinitiative in der Schweiz, bei der sich eine recht klare Mehrheit der Bevölkerung gegen eine drastische Kürzung der Rundfunkgebühren ausgesprochen habe. Sowohl der Wahlausgang als auch die kürzlich gesicherte Finanzierung des Auslandsportals “Swissinfo” seien ein wichtiges Signal für den Erhalt des unabhängigen, öffentlich-rechtlichen Journalismus. Es gebe jedoch einen Wermutstropfen: der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG würden schmerzhafte Budgetkürzungen drohen.

3. Was der Fall «Washington Post» für den Journalismus bedeutet
(republik.ch, Aaron Wiener & Bettina Hamilton-Irvine)
In einem persönlichen Erfahrungsbericht schildert der kürzlich entlassene Korrespondent Aaron Wiener, wie der massive Stellenabbau durch den Eigentümer und Amazon-Gründer Jeff Bezos die “Washington Post” schwer erschüttert und geschwächt habe. Es stehe der fatale Verdacht im Raum, dass Bezos wichtige Auslandsressorts der Zeitung und damit kritischen Journalismus gezielt opfere, um sich bei Donald Trumps Regierung anzubiedern. Medienexperten würden warnen, dass die wachsende Macht einzelner Milliardäre eine akute Bedrohung darstelle.

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4. Mediale Vielfalt im Münsterland erhalten
(djv-nrw.de, Volkmar Kah)
Wie der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) in Nordrhein-Westfalen mitteilt, übernehme die Rheinische Post Mediengruppe die komplette Westfälische Medien Holding mitsamt traditionsreicher Titel wie den “Westfälischen Nachrichten”. Angesichts dieses massiven Verlusts an verlegerischer Anbietervielfalt fordert der DJV vom neuen Eigentümer ein dauerhaftes Bekenntnis zum Erhalt der redaktionellen Meinungsvielfalt sowie der knapp 3.000 regionalen Arbeitsplätze.

5. 1. Hörfunkratssitzung 2026
(deutschlandradio.de)
Bei seiner ersten Sitzung im Jahr 2026 habe der Deutschlandradio-Hörfunkrat eine wissenschaftliche Studie zur vergangenen Wahlberichterstattung ausgewertet, die den Diskursformaten zwar eine hohe journalistische Qualität bescheinige, jedoch mehr ostdeutsche, migrantische und junge Perspektiven anmahne. Zudem habe der Medienrechtler Hubertus Gersdorf betont, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht zur Disposition des Staates stehe. Rechtlich gesehen seien keine Alleingänge von Ministerpräsidenten bei der Kündigung von Medienstaatsverträgen möglich.

6. Wie viel Sinn hat ein Social Media-Verbot?
(flurfunk-dresden.de, Christopher Brinkmann)
Christopher Brinkman stellt fest, dass ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren bei Politik und Bevölkerung zwar auf breite Zustimmung stoße, von Medienexperten jedoch scharf kritisiert werde. Ein pauschaler Ausschluss verletze laut den Fachleuten das in der UN-Kinderrechtskonvention verbriefte Recht junger Menschen auf digitale Teilhabe, Meinungsbildung und Informationsfreiheit. Anstatt die Jugendlichen auszusperren, müssten die Plattformbetreiber ihre Algorithmen entschärfen und sichere digitale Umgebungen schaffen.