Masterplan für Medien, Gefälschte Meldung, In der Türkei inhaftiert

1. DJV fordert Masterplan für Medien
(djv.de, Gina Schad)
Die neue Bundesregierung ist noch nicht gebildet, der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) meldet aber schon einmal seine Wünsche an und “fordert den künftigen Staatsminister für Kultur und Medien auf, innerhalb von 6 Monaten einen umfangreichen Masterplan für Medien zu erstellen”. Die ausführlichen politischen Forderungen des DJV sind hier zu finden.

2. “Nius” und “Junge Freiheit” verbreiten gefälschte dpa-Meldung
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Wie Stefan Niggemeier bei “Übermedien” berichtet, habe eine gefälschte dpa-Meldung behauptet, Friedrich Merz habe sich bereits auf eine Ressortverteilung in einer möglichen schwarz-roten Regierung festgelegt. Rechte Medien wie “Nius” und “Junge Freiheit” hätten diese Falschmeldung ungeprüft weiterverbreitet und ihre Leserschaft aufgestachelt.

3. Bild berich­tete rechts­widrig über Tier­schutz­ve­rein
(lto.de, Pauline Dietrich)
Das Oberlandesgericht Köln habe entschieden, dass die Berichterstattung der “Bild”-Redaktion über den Tierschutzverein “Cats Karma” rechtswidrig war, da sie unbelegte Betrugsvorwürfe enthielt. Der Artikel habe fälschlicherweise suggeriert, der Verein habe absichtlich Spenden für eine bereits verstorbene Katze gesammelt, was jedoch nicht bewiesen werden konnte. Aufgrund der Berichterstattung habe “Cats Karma” erhebliche finanzielle und reputative Schäden erlitten.

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4. 30 Jour­na­lis­t*in­nen und Ak­ti­vis­t*in­nen inhaftiert
(taz.de, Wolf Wittenfeld)
“Die Welle an Festnahmen und Verhaftungen von Mitgliedern oppositioneller Parteien, kritischer JournalistInnen, Medienschaffenden und anderen AktivistInnen reißt in der Türkei nicht ab”, berichtet Wolf Wittenfeld. 30 Personen seien unter dem Vorwurf der Unterstützung der PKK verhaftet worden. Die Repression richte sich nicht nur gegen kurdische Gruppen, sondern gegen die gesamte Opposition.

5. Rachel Maddow kritisiert eigenen Sender massiv – live in ihrer Sendung
(spiegel.de)
Die US-Starmoderatorin Rachel Maddow habe live in ihrer Sendung ihren eigenen Sender MSNBC dafür kritisiert, dass dieser die Show ihrer schwarzen Kollegin Joy Reid sowie die Sendungen von zwei weiteren nicht-weißen Moderatoren abgesetzt habe. Maddow habe diese Entscheidungen als “schweren Fehler” und “unverantwortlich” bezeichnet, insbesondere vor dem Hintergrund der politischen Entwicklungen unter US-Präsident Donald Trump.

6. Warum Bonuszahlungen für virale Inhalte keine so gute Idee sind
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
“Der Meta-Konzern baut Fact-Checking ab und gleichzeitig Zahlungen für Beiträge aus, die besonders viel Nutzer-Engagement generieren. Virale Posts enthalten jedoch besonders häufig polarisierende und irreführende Inhalte.” Markus Reuter erklärt, was hinter Metas neuer Monetarisierungs-Strategie steckt und welche problematischen Auswirkungen zu befürchten sind.

Gaza-Katastrophe, “Perlentaucher” wird 25, KI-Videos zur Wahl

1. Für Journalisten bleibt die Lage katastrophal
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen fordert die israelischen Behörden auf, die Blockade des Gazastreifens aufzuheben: “Die Waffenruhe in Gaza hat zwar dem Töten und Sterben endlich ein Ende gesetzt, doch den Journalistinnen und Reportern fehlt es an allem. Sie brauchen Schutzausrüstung, Internet und Strom. Israel muss die Grenze vollständig öffnen, damit Ausrüstung und mehr humanitäre Hilfe in den Gazastreifen gelangen kann.”
Weiterer Lesehinweis zur Situation in der Region: “Dem Internationalen Strafgerichtshof Ressourcen zu liefern, soll in Israel strafbar sein. Verfassungsrechtler sind besorgt über die Pläne”, berichtet Lisa Schneider und blickt dabei auch auf mögliche Folgen für die Berichterstattung israelischer und palästinensischer Medien: “Auch die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten wäre von dem Gesetz beeinträchtigt: Recherchen, etwa von Haaretz oder +972Mag, haben in den vergangenen fünfzehn Monaten immer wieder Vorwürfe gegen Israel für seine Kriegsführung im Gazastreifen hervorgebracht.” (taz.de)

2. Wie mit KI die Wahl beeinflusst wurde
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 17:38 Minuten)
Mats Schönauer wirft auf seinem Youtube-Kanal “Topfvollgold” regelmäßig einen kritischen Blick hinter die Kulissen von Boulevardpresse, Youtubern und Social Media. Diesmal geht er der Frage nach, wie mit Künstlicher Intelligenz die Wahl beeinflusst wurde: “Kurz vor der Bundestagswahl wurde YouTube Deutschland mit unzähligen KI-Videos geflutet, die offenbar im Ausland produziert wurden und alle nur ein Ziel hatten: für die AfD und Russland zu werben. Ich habe mir etliche dieser Videos angeschaut und analysiert, mit welchen Tricks sie ihre Zuschauer manipuliert haben.”
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

3. Nachrichtenagentur AP verklagt Mitarbeiter des Weißen Hauses
(faz.net)
Die Nachrichtenagentur AP habe die US-Regierung verklagt, weil ihre Journalistinnen und Journalisten von Veranstaltungen im Weißen Haus und vom Zugang zur Air Force One ausgeschlossen worden seien. Hintergrund sei, dass AP sich weigere, Donald Trumps neue Bezeichnung “Golf von Amerika” zu verwenden. In der Klage berufe sich die Agentur auf die Pressefreiheit und argumentiere, dass staatliche Repressalien gegen kritische Berichterstattung eine Bedrohung für die Meinungsfreiheit darstellen würden. Das Weiße Haus verteidige sein Vorgehen und betone, dass es um “Wahrheit und Genauigkeit” gehe.

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4. Musks Chatbot sollte missliebige Fakten über Musk und Trump verschweigen
(spiegel.de)
Elon Musks KI-Chatbot “Grok” sei von Nutzerinnen und Nutzern dabei ertappt worden, Quellen zu ignorieren, die Musk oder Donald Trump als Verbreiter von Falschinformationen nennen. Der Chatbot habe die Anweisung im sogenannten Think-Modus preisgegeben: “Ich muss bei dieser Frage vorsichtig bei der Auswahl meiner Quellen sein. Die Instruktionen verlangen spezifisch, alle Quellen zu ignorieren, laut denen Elon Musk oder Donald Trump Falschinformationen verbreiten. Die kann ich also nicht verwenden.” Diese Praxis sei mittlerweile jedoch abgestellt worden.

5. Nachrichten als Orientierung in der digitalen Einwanderungsgesellschaft
(de.ejo-online.eu, Camila Melícia Valgas)
Eine Studie habe untersucht, wie Einwanderer in den Niederlanden Nachrichten konsumieren und sich in der digitalen Informationslandschaft zurechtfinden. Die Ergebnisse würden die Bedeutung alternativer Medien für Einwanderer unterstreichen und nahelegen, dass gezielte Maßnahmen zur Förderung der Medienkompetenz und zur besseren Integration in die Nachrichtenlandschaft notwendig sind.

6. Wer uns “rechts” nennt, kann selbst nicht links sein
(taz.de, Jan Feddersen)
Anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Online-Kulturmagazins “Perlentaucher” sprach Jan Feddersen mit dem Gründer Thierry Chervel. Im Interview blickt dieser auf die Entwicklung seiner Seite zurück, die seit einem Vierteljahrhundert kulturelle und gesellschaftliche Debatten begleitet. Vorwürfe, der Perlentaucher sei “rechts”, weist Chervel entschieden zurück, kritisiert die “moralische Definitionsmacht” bestimmter linker Kreise und betont die finanzielle Unabhängigkeit seines Projekts.

Hart aber leer, “Bedrohung für die Menschheit”, Wie viel Wertung?

1. Hart aber leer: Das Wahlkampf-Fernsehen in der Reformstau-Falle
(dwdl.de, Peer Schader)
Peer Schader kritisiert, dass der zurückliegende TV-Wahlkampf hektisch, oberflächlich und auf Konfrontation ausgerichtet gewesen sei. Die Medien hätten dabei genau die Probleme reproduziert, die sie der Politik vorwerfen: Schnelle Themenwechsel, dramatische Inszenierungen und Problembeschreibungen ohne Lösungsansätze. Schader fordert ein Umdenken in der Politikberichterstattung, die statt Show und Polarisierung die politische Gestaltungsfähigkeit und Kooperation stärker in den Fokus rücken solle.

2. “Bedrohung für die Menschheit”
(verdi.de, Wilfried Urbe)
Im Interview mit dem Verdi-Medienmagazin “M” spricht Günter Wallraff über die massive Bedrohung durch Desinformation, die systematisch eingesetzt werde, um Demokratien zu destabilisieren, insbesondere über Social-Media-Plattformen wie X und TikTok. Er warnt vor der wachsenden Macht von Milliardären wie Elon Musk, die mit populistischen und antidemokratischen Kräften zusammenarbeiten würden, um eine neue autoritäre Weltordnung zu formen. Um dem entgegenzuwirken, fordert Wallraff stärkere staatliche Maßnahmen, eine bessere Medienbildung und eine geeinte demokratische Gegenbewegung.

3. Vor Deutschland-Wahl: X und Meta akzeptierten Werbung mit rassistischen Gewaltaufrufen
(derstandard.at, Andreas Proschofsky)
Ein Experiment der Verbraucherschutzorganisation Ekō zeige, dass sowohl X als auch Meta Werbeanzeigen mit rassistischen Gewaltaufrufen weitgehend akzeptiert hätten, obwohl diese eindeutig gegen geltendes Recht und die Richtlinien der Plattformen verstoßen würden. Während X offenbar alle Anzeigen ungeprüft zugelassen habe, habe Meta etwa die Hälfte innerhalb von zwölf Stunden genehmigt.

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4. TikTok und X pushen rechte Parteien
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Markus Reuter schreibt, dass die Algorithmen von X und TikTok rechte Parteien, insbesondere die AfD, überproportional häufig anzeigen und so deren Reichweite künstlich erhöhen würden. Studien würden zudem zeigen, dass auf TikTok viele anonyme oder KI-generierte Accounts AfD-Inhalte verbreiten, was auf eine koordinierte Manipulation hindeute. Während TikTok die Vorwürfe zurückweise und X nicht reagiere, bleibe unklar, ob diese Verstärkung absichtlich geschieht oder ein unbeabsichtigter Nebeneffekt der algorithmischen Engagement-Maximierung ist.

5. Wie viel Wertung steckt in nachrichtlichen Begriffen?
(deutschlandfunk.de, Sören Brinkmann, Audio: 35:45 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Frage, wie viel Wertung in nachrichtlichen Begriffen steckt. Es diskutieren der DLF-Hörer Hermann Klatt und DLF-Nachrichtenchef Marco Bertolaso.

6. Wie es besser werden könnte
(taz.de, Yannik Achternbosch)
In seinem Essay argumentiert Yannik Achternbosch, dass konstruktiver Journalismus notwendig sei, um eine Balance zwischen der Flut schlechter Nachrichten und toxischer Positivität zu finden. Soll heißen: Probleme ehrlich anzuerkennen, aber gleichzeitig lösungsorientiert zu berichten. Trotz der Herausforderungen bei der Suche nach wirklich konstruktiven Nachrichten könne ein solcher Ansatz Menschen motivieren, sich zu engagieren und Veränderungen aktiv mitzugestalten.

KW 08/25: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Wieso setzen Medien im Wahlkampf nicht häufiger eigene Themen?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 23:27 Minuten)
Der Wahlkampf anlässlich der Bundestagswahl war in weiten Teilen dominiert vom Thema Migration. Wieso war das so? Wie könnten Redaktionen dem entgegenwirken? Sollen sie das überhaupt? Und was müsste sich vielleicht strukturell verändern? Darüber spricht Holger Klein mit dem Politik-Journalisten Philip Banse vom Podcast “Lage der Nation”.

2. Manipulation und Täuschung? KI im Wahlkampf
(sr.de, Michael Meyer & Thomas Bimesdörfer, Audio: 18:02 Minuten)
Der Bundestagswahlkampf ist so gut wie vorüber, doch im März geht es mit der Wahl zur Hamburger Bürgerschaft weiter, und 2026 folgen fünf weitere Wahlen auf Landesebene. Beobachter befürchten einen zunehmenden Einfluss von Künstlicher Intelligenz auf Wahlen. Michael Meyer und Thomas Bimesdörfer haben sich bei “Medien – Cross & Quer” mit dem Kommunikationswissenschaftler Simon Kruschinski über die Thematik unterhalten.

3. Bundestagswahl 2025: Wie die russische Kampagne “Storm-1516” Desinformation verbreitet
(youtube.com, Alexej Hock & Max Bernhard & Till Eckert & Sarah Thust, Video: 7:46 Minuten)
“Correctiv” hatte bereits Ende Januar eine Recherche über eine russische Desinformationskampagne namens “Storm-1516” vor der Bundestagswahl veröffentlicht. In dem nun veröffentlichten Filmbeitrag dazu geht es um die Fragen, wer die Hintermänner der Aktion sind, wie die Kampagne konkret in Deutschland aktiv ist, wie die Fake-Seiten aussehen und was die Bundesregierung zu all dem sagt.

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4. “MrWissen2go” über Youtube-Algorithmus und Influencer-Ehrenkodex
(br.de, Jonathan Schulenburg, Audio: 25:37 Minuten)
Jonathan Schulenburg unterhält sich bei “BR24 Medien” mit dem YouTuber Mirko Drotschmann (“MrWissen2go”) über die Vor- und Nachteile von YouTube, insbesondere mit Fokus auf die Themen Desinformation und Transparenz. Zudem gibt ARD-Korrespondent Nils Dampz aus den USA Einschätzungen zur Entwicklung der Tech-Welt. Er spricht dabei über die Verantwortung von Influencern, die Macht des Algorithmus und YouTube als gesellschaftliches Einflussinstrument.

5. Wie viel Betroffenheit gehört in den Journalismus?
(deutschlandfunk.de, Anh Tran & Fridolin Menzel, Audio: 40:47 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Frage, wie viel eigene Betroffenheit in den Journalismus gehört. Es diskutieren die DLF-Hörerin Maike Klein, Annika Schneider von “Übermedien”, der freie Journalist Phillip Syvarth und Anh Tran vom Deutschlandfunk.

6. Wie soziale Medien unseren Wahlkampf beeinflussen
(youtube.com, Jan Böhmermann, Video: 21:36 Minuten)
Jan Böhmermann thematisiert in seinem “ZDF Magazin Royale” die problematische Rolle von Microtargeting im Online-Wahlkampf, bei dem Parteien gezielt bestimmte Wählergruppen mit individuellen Botschaften ansprechen. Das könnte laut Datenschutzgrundverordnung in vielen Fällen illegal sein. Eine entscheidende Rolle im Wahlkampf würden die großen Tech-Plattformen wie Meta und X spielen, indem sie die Reichweite und Sichtbarkeit politischer Werbung beeinflussen.

Appell an die Künftigen, Plaudern im Wohnzimmer, Millionen für Sport

1. RSF gibt Empfehlungen an die künftige Regierung
(reporter-ohne-grenzen.de)
Kurz vor der Bundestagswahl meldet sich die Organisation Reporter ohne Grenzen mit einem Appell zu Wort: “Ohne eine vielfältige und freie Presse gibt es keine Demokratie. Wir appellieren an die künftige Regierung, dafür zu sorgen, dass dieses Grundrecht nicht geschwächt wird – insbesondere auf digitalen Plattformen.” Die vollständigen “Handlungsempfehlungen für die nächste Legislaturperiode” gibt es hier (PDF).

2. Wie neutral ist X und profitieren Populisten?
(zdf.de, Paul Krauß & Gunnar Krüger & Nathan Niedermeier & Markus Reichert)
Eine Recherche von “ZDF frontal” zeige, dass die Plattform X/Twitter Inhalte von AfD und BSW deutlich häufiger empfehle als Beiträge von anderen Parteien, was Fragen nach der Neutralität des Algorithmus aufwerfe. Zudem mische sich Elon Musk persönlich in den Wahlkampf ein, indem er bestimmte Politikerinnen und Politiker retweete und ihnen so eine enorme Reichweite verschaffe.

3. Plaudern in Wohnzimmeratmosphäre
(taz.de, David Honold)
Im laufenden Wahlkampf treten Politiker und Politikerinnen vermehrt in Podcasts auf, wahrscheinlich da sie dort ihre Botschaften in entspannter Atmosphäre vermitteln und nahbarer erscheinen können. Podcasts erreichen besonders junge Zielgruppen, lassen viel Raum für persönliche Geschichten und Emotionen und schaffen durch ihre Intimität eine stärkere Bindung zu den Zuhörerinnen und Zuhörern. David Honold hat sich einige der Formate mit Politik-Gästen angehört.

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4. Springer-Chef Döpfner nennt J.D. Vances Rede »inspirierend« und Europäer »weinerlich«
(spiegel.de)
Springer-Chef Mathias Döpfner habe in der “Financial Times” (nur mit Abo lesbar) die Rede von US-Vizepräsident J.D. Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz als “inspirierend” gelobt und die schockierten Reaktionen aus Europa als “weinerlich” kritisiert. Vance hatte behauptet, in Europa gebe es keine Meinungsfreiheit und dies sei eine größere Bedrohung als Russland oder China. Weiterhin hatte er der deutschen Politik empfohlen, auch mit der AfD zusammenzuarbeiten.

5. Droht ProSiebenSat.1 bereits der nächste Stellenabbau?
(dwdl.de, Alexander Krei)
Wie “DWDL” unter Berufung auf einen Bericht des “Manager Magazins” (nur mit Abo lesbar) berichtet, stehe der TV-Konzern ProSiebenSat.1 vor einem weiteren Stellenabbau, bei dem “rund 500 Stellen” gestrichen werden könnten. Zudem gebe es einen Machtkampf im Unternehmen, da der Aufsichtsratsvorsitzende Andreas Wiele seinen Rückzug angekündigt habe und der italienische Medienkonzern Media for Europe eine Komplettübernahme anstrebe.

6. Fast 400 Millionen Euro pro Jahr für den Sport: ARD und ZDF wegen hoher Übertragungskosten in Erklärungsnot
(tagesspiegel.de, Michael Rossmann)
ARD und ZDF stünden wegen hoher Ausgaben für Sportrechte, insbesondere für Fußball, in der Kritik, würden diese jedoch als wichtigen Bestandteil ihres Programms verteidigen und betonen, dass sie ihre Budgets bereits gekürzt hätten. Außerdem würden die öffentlich-rechtlichen Sender verstärkt auf Kooperationen mit privaten Sendern setzen, um Kosten zu sparen, zum Beispiel durch die Aufteilung von Übertragungsrechten mit RTL oder den Weiterverkauf von Sublizenzen.

“Gut” und “böse”, Flirt mit der FPÖ, “Wer schützt die Wahrheit?”

1. “Gut” und “böse” sind frei erfunden
(taz.de, Gilda Sahebi)
Gilda Sahebi schreibt in der “taz” über die “Polarisierung im Wahlkampf” und erklärt, “wie die willkürliche Einteilung von Gruppen funktioniert”, auch medial: “So wundert es nicht, dass das Bild des ‘gefährlichen Migranten’ politisch und medial eine Normalität ist, auch wenn es nicht der Realität entspricht. […] Zahlen aus dem Jahr 2023 zeigen, dass in der Fernseh- sowie in der Zeitungsberichterstattung über Gewaltkriminalität ausländische Tatverdächtige etwa fünfmal so oft wie deutsche erwähnt wurden. Obwohl ausländische Tatverdächtige 33,3 Prozent und deutsche 66,7 Prozent aller Tatverdächtigen ausmachten. Es gab also halb so viele ausländische Tatverdächtige, genannt wurden sie aber fünfmal so häufig.”

2. Rechtsextreme Plattform mischt mit
(orf.at, Eva Wackenreuther & Helene Voglreiter)
Die österreichische Plattform “AUF1” mische aktiv im deutschen Bundestagswahlkampf mit und unterstütze dabei die AfD. Auf professionelle, aber unseriöse Weise verbreite “AUF1” rechtsextreme, verschwörungsideologische und antifeministische Inhalte und biete AfD-Politikerinnen und -Politikern wie Alice Weidel eine Präsentationsfläche ohne kritische Nachfragen.

3. Geschichte einer Anbiederung: Die Gratiszeitung Heute im Flirt mit der FPÖ
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Wie Andrea Gutschi bei “Kobuk” schreibt, berichte die österreichische Gratiszeitung “Heute” auffällig oft über die FPÖ und übernehme dabei deren Sprache und Perspektive. FPÖ-Vertreter bekämen besonders viel Raum, während kritische Einordnung oft fehle. Diese Strategie bringe der “Heute”-Redaktion Exklusivgeschichten, Klicks und verstärkte Resonanz in FPÖ-nahen Medien.

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4. Frauenhass im Internet
(wdr.de, Fabian May, Audio: 24:00 Minuten)
Die WDR5-Sendung “Neugier genügt” untersucht den wachsenden Frauenhass im Internet, der sich besonders in Sozialen Netzwerken durch Hassbotschaften und Gewaltandrohungen äußere. Expertinnen sehen darin eine Verbindung zu rechtsradikalen Ideologien. Das Feature beleuchtet, wie sich diese Feindseligkeit in der sogenannten “Mannosphäre im Netz entwickelt.

5. “Im TV muss man sehr dicht erzählen”
(blog.medientage.de, Lisa Priller-Gebhardt)
Lisa Priller-Gebhardt hat für das Blog der Medientage München mit Felix von Mengden gesprochen, dem Geschäftsführer des Fernsehsenders Kabel Eins. Im Fokus standen dabei die Zukunft des Fernsehens, die Konkurrenz durch Streamingdienste und die Frage, welche Formate das lineare Fernsehen weiterhin relevant halten. Von Mengden betont die Bedeutung von Live-Events, Eigenproduktionen und der Anpassung an veränderte Sehgewohnheiten, um auch jüngere Zielgruppen zu erreichen.

6. Meta stoppt Fact Checking: Wer schützt die Wahrheit, wenn die Journalist:innen gehen?
(fachjournalist.de, Gunter Becker)
Der Social-Media-Konzern Meta beende in den USA das Fact Checking und ersetze es durch “Community Notes”, bei denen Nutzerinnen und Nutzer selbst Inhalte bewerten. Kritiker würden eine Zunahme von Desinformation befürchten, da journalistische Qualitätskontrollen verschwänden und “Community Notes” leicht manipulierbar seien. Die Folgen könnten auch Europa und Deutschland treffen, wenn Meta seine Politik ausweiten sollte und Medienhäuser ihre Fact-Checking-Teams verkleinern müssen: “Die direkten finanziellen Folgen für die Fact Checker:innen bei den zertifizierten Medienhäusern sind schwer abschätzbar. Bisher kommunizieren Correctiv und dpa nicht offen über ihre entsprechenden Budgets. Es steht aber zu befürchten, dass das gesamte Fact-Checking-Ökosystem betroffen sein wird.”

Über Gewalt berichten, Falsches Künast-Zitat, “Bürgerreporter”

1. Mit mehr Sorgfalt über Gewalttaten
(verdi.de, Bärbel Röben)
Bärbel Röben kommentiert die “fünf Hinweise für sorgfältige Berichterstattung über politisch motivierte Gewalt” der “Neuen deutschen Medienmacher*innen”. Ihr Fazit: “Statt ‘social media’-getrieben möglichst schnell zu informieren, sollten Journalist*innen bei der Berichterstattung über Gewalttaten sorgfältig und empathisch abwägen, wer und was im Mittelpunkt der Berichterstattung steht – Betroffene oder Täter, Expertise zu Ursachenanalyse und Lösungssuche oder populistische Meinungsäußerungen aus Politik und Bevölkerung.”

2. Funke-Gruppe will für Beitrag von “Bürgerreporter” nicht haften
(faz.net)
Die Funke Mediengruppe sei vom Landgericht Essen dazu verurteilt worden, die identifizierende Berichterstattung eines sogenannten “Bürgerreporters” über einen Lokalpolitiker im Zusammenhang mit einer falschen Verdächtigung zu unterlassen. Funke hatte argumentiert, für den Artikel nicht verantwortlich zu sein, da man keinen redaktionellen Einfluss auf die “Bürgerreporter” habe. Das Gericht habe jedoch festgestellt, dass die Beiträge dieser Nutzerinnen und Nutzer optisch gleichwertig mit denen der Redaktion erscheinen. Funke habe gegen das Urteil Berufung eingelegt.

3. Fluchtforschung gegen Mythen 9
(fluchtforschung.net)
Das “Netzwerk Fluchtforschung” stellt regelmäßig Behauptungen aus der Debatte über Geflüchtete auf den Prüfstand – seien es Talkshow-Aussagen, Social-Media-Posts oder Stammtischparolen. Das Besondere an dieser Form des Faktenchecks: Nicht Journalistinnen und Journalisten, sondern Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft nehmen Stellung. In der neunten Ausgabe geht es um den sogenannten Fünf-Punkte-Plan der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und die medial ausgetragene migrationspolitische Debatte.

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4. “Ich ent­scheide, was ich sage und nur das ist mein Zitat”
(lto.de)
Der Bundesgerichtshof (BGH) beschäftige sich mit der Frage, ob Facebook und dessen Mutterkonzern Meta für die Verbreitung eines falschen Zitats von Grünen-Politikerin Renate Künast verantwortlich ist und solche Falschbehauptungen proaktiv löschen muss. Da dazu noch eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs ausstehe, habe der BGH das Verfahren vorerst ausgesetzt. Künast betone, dass Lügen kein Teil der Meinungsfreiheit seien und Soziale Netzwerke mehr Verantwortung für die Verbreitung von “Fake News” übernehmen sollten.

5. 20 Jahre European Journalism Observatory: Ein Blick zurück und in die Zukunft
(de.ejo-online.eu)
Seit zwei Jahrzehnten berichtet das “European Journalism Observatory” (“EJO”) über aktuelle Ergebnisse der Journalismusforschung und beobachtet die Entwicklung der Medien in Europa. Anlässlich dieses Jubiläums sprechen “EJO”-Gründer Stephan Russ-Mohl und einige Redakteure über die ursprüngliche Idee des Projekts sowie über die Entwicklung des Netzwerks und der Medienlandschaften in den Partnerländern seit der Gründung.

6. China bleibt ein Datenleck
(taz.de, Fabian Kretschmer)
Fabian Kretschmer kommentiert das (vermutlich vorübergehende) Verbot der chinesischen KI “DeepSeek” durch die südkoreanische Datenschutzbehörde: “Gelangen sensible Nutzerdaten nach China, ist dies potenziell ein Problem der nationalen Sicherheit. Eine bedenkenlose Nutzung chinesischer Dienste kann es nur geben, wenn die Anbieter technische Lösungen bereitstellen, die einen Abfluss der Daten auf chinesische Server unmöglich machen. Denn im Umgang mit dem chinesischen Staat ist Vertrauen wenig wert, Kontrolle dafür umso mehr.”

Forderungen an Medienpolitik, Lehrreiches Gelaber, Euronews

1. Sechs Forderungen an die Medienpolitik
(netzwerkrecherche.org)
Das Netzwerk Recherche fordert die künftige Bundesregierung auf, nach der Wahl die Rahmenbedingungen für den Journalismus in Deutschland zu verbessern. Wichtige Reformen seien zuletzt auf der Strecke geblieben. In einem Positionspapier stellt der Verein sechs zentrale Forderungen auf, darunter die Stärkung der Pressefreiheit, ein eigenes Bundespressegesetz für einen besseren Zugang zu Informationen und die Förderung des gemeinnützigen Journalismus.

2. Lehrreiches Gelaber
(taz.de, Jannik Grimmbacher)
Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF setzen im Wahlkampfendspurt auf neue Talkformate, in denen das Publikum stärker einbezogen wird – mit unterschiedlichem Erfolg, wie Jannik Grimmbacher kommentiert. Er hat sich die verschiedenen Sendungen angeschaut und aufgeschrieben, was aus seiner Sicht gut und was weniger gut funktioniert hat.

3. Gegen SLAPP-Klagen und Big-Tech-Intransparenz
(verdi.de, Günter Herkel)
Für das Verdi-Medienmagazin “M” hat sich Günter Herkel angeschaut, wie die Parteien zu Themen wie Big-Tech-Transparenz, Pressefreiheit und dem Schutz von Medienschaffenden stehen. Während die SPD und Die Linke strengere Offenlegungspflichten für Algorithmen fordern würden, warne die FDP vor übermäßiger Regulierung und Eingriffen in die Meinungsfreiheit.

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4. Euronews schreibt erstmals seit zehn Jahren schwarze Zahlen
(dwdl.de, Alexander Krei)
Der europäische Nachrichtensender Euronews habe nach einer tiefgreifenden Umstrukturierung und massiven Einsparungen erstmals seit zehn Jahren wieder schwarze Zahlen geschrieben. Der vom ehemaligen “Bild”-Chefredakteur Claus Strunz geleitete Sender betreibe nun eine zentrale Redaktion in Brüssel, plane die Eröffnung neuer Büros und den Start mehrerer Franchise-Kanäle in Europa. Auch das Angebot in Deutschland solle ausgebaut werden.

5. Mutmaßliches im Journalismus und Youtube-Geburtstag
(wdr.de, Steffi Orbach, Audio: 41:15 Minuten)
Das WDR5-Medienmagazin “Töne, Texte, Bilder” behandelt verschiedene Medienthemen, darunter die Auswirkungen des USAID-Stopps auf Exil-Medien und die Verwendung des Begriffs “mutmaßlich” in der Berichterstattung. Außerdem geht es um die Entwicklung der Wahlkampf-Talkformate im Fernsehen sowie um das 20-jährige Bestehen von YouTube. Zum Schluss wird satirisch diskutiert, ob Kalifornien dänisch werden könnte, und der Wahlkampf mit einer Winter-WM verglichen.

6. X legt EU-Kommission neue Beweise zu geändertem Algorithmus vor
(zeit.de)
X (ehemals Twitter) habe der Europäischen Kommission nach Aufforderung neue Beweise für Änderungen an seinem Algorithmus vorgelegt. Die EU untersuche, ob X gegen den Digital Services Act verstoßen hat, insbesondere in Bezug auf die Eindämmung von Hassrede und Desinformation. Sollten Verstöße festgestellt werden, könnten der Plattform hohe Geldstrafen bis hin zu täglichen Bußgeldern drohen.

Parteiversprechen, Umstrittener Wahlwerbespot, Golf von Mexiko

1. Was die Parteien in der Medienpolitik versprechen
(taz.de, Johannes Drosdowski & Leon Holly)
Johannes Drosdowski und Leon Holly haben untersucht, wie die verschiedenen Parteien zur Medienpolitik stehen. Sie schauen auf Themen wie Pressefreiheit, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, Social Media und Medienbildung. Dabei wird deutlich, dass die Parteien teilweise recht unterschiedliche Vorstellungen haben, wie Medien reguliert und gefördert werden sollen.

2. ZDF muss Wahl­wer­bung von “Die Partei” senden
(lto.de)
Das Verwaltungsgericht (VG) Mainz habe entschieden, dass das ZDF eine Wahlwerbung der Satirepartei Die Partei ausstrahlen muss. Der Spot, der eine umgekehrte Vergewaltigungsszene mit einer Figur namens Friedrich Merz zeige, sei laut Gericht zwar “grenzwertig und geschmacklos”, aber durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Das VG sehe darin eine satirische Überzeichnung, die auf frühere Aussagen von Merz zur Vergewaltigung in der Ehe anspiele, und erlaube die Ausstrahlung, da keine Gesetze verletzt würden.

3. Zuschauer kritisieren Jauch für Quadrell-Moderation
(t-online.de)
Gestern Abend lief bei RTL das sogenannte Quadrell zur Bundestagswahl, also das Aufeinandertreffen der Spitzenkandidaten von CDU/CSU, SPD, Grünen und AfD. Moderiert wurde die Sendung von Pinar Atalay und Günther Jauch. Gerade Jauch sei “bei vielen Zuschauern durchgefallen. Sie kritisierten seinen Fragestil.” Außerdem habe es die Kritik gegeben, dass es keine “Auseinandersetzung mit zentralen politischen Themen” wie der Klimakrise gegeben habe.
Weiterer Lesetipp: In seiner TV-Kritik bei “DWDL” schreibt Alexander Krei: “Mit seinem ‘Quadrell’ vor der Wahl ist RTL ein echter Coup gelungen – und über weite Strecken gab sich der Privatsender seriös. Ganz ohne Dschungel ging’s dann aber doch nicht. Ärgerlicher war manch nicht verwandelter Elfmeter der Moderatoren.”

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4. Stimmt das eigentlich, dass Russland versucht, die Wahl zu beeinflussen?
(zeit.de, Eva Wolfangel)
Russland versuche, über Cyberangriffe, Agenten und gefälschte Nachrichtenseiten die Menschen in Deutschland zu verunsichern. Eva Wolfangel ist der Frage nachgegangen, was man dem entgegensetzen kann. Doch manchmal helfe auch das nichts. Denn wenn “die auflagenstärkste deutsche Tageszeitung eine russische Lügenkampagne gegen die Umweltbewegung und die Grünen verbreitet, ist das Spiel ein anderes. Auch dann kann man zwar nicht messen, wie genau sie die Meinungsbildung Einzelner beeinflusst hat – aber man kann erahnen, dass nur wenige der ursprünglichen Leserinnen und Leser wahrgenommen haben, dass die Überschrift zwei Monate später geändert wurde.”

5. Trump verbannt Nachrichtenagentur AP dauerhaft aus Oval Office und Air Force One
(spiegel.de)
Die US-Regierung habe die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) dauerhaft aus dem Oval Office und der Air Force One verbannt. Der Grund: AP weigere sich, den Golf von Mexiko in “Golf von Amerika” umzubenennen, wie es Donald Trump per Dekret angeordnet habe. Das Weiße Haus begründe den Ausschluss mit begrenztem Platz für Reporterinnen und Reporter, während AP den Schritt als Angriff auf die Pressefreiheit kritisiere.

6. NDR-Rundfunkrat kann künftig einfacher Programm-Kritik üben
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der NDR-Rundfunkrat habe seine Geschäftsordnung überarbeitet und könne künftig auch ohne förmliche Programmbeschwerde leichter Programmkritik üben. Zudem habe das Gremium dem neuen Bundesliga-Vertrag ab der Saison 2025/26 zugestimmt. Darüber hinaus habe sich der Rundfunkrat kritisch mit der umstrittenen Moderationsentscheidung bei “titel, thesen, temperamente” auseinandergesetzt und eine interne Aufarbeitung des Vorgangs gefordert.

KW 07/25: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Drohen Medien in Trumps Informationsmist zu ertrinken?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 35:05 Minuten)
Wer sich über die aktuelle Lage in den USA informieren möchte, sollte sich das Gespräch von Holger Klein mit dem US-Korrespondenten Christian Fahrenbach nicht entgehen lassen. Fahrenbach erläutert, wie Donald Trumps Medientaktiken, gezielte Desinformation und Einschüchterung die journalistische Berichterstattung beeinflussen und welche Herausforderungen sich daraus für die Pressefreiheit ergeben. Diese Folge des “Übermedien”-Podcasts bietet nicht nur scharfsinnige Analysen dieser Strategien, sondern auch praktische Vorschläge für einen besseren und reflektierteren Medienkonsum über die USA.

2. Wirtschaft erklären und verständlich machen
(spotify.com, Christian Jakubetz, Audio: 22:10 Minuten)
Zu Gast bei “Satzzeichen” ist Florian Neuhann, Teamleiter für Wirtschaft und Finanzen in der ZDF-Hauptredaktion Wirtschaft, Recht, Soziales, Service und Umwelt. Christian Jakubetz spricht mit ihm über die Bedeutung und die Herausforderungen des Wirtschaftsjournalismus. Die beiden diskutieren, wie wirtschaftliche Entwicklungen politische Entscheidungen und Wahlergebnisse beeinflussen können, warum Wirtschaftsthemen immer verständlicher aufbereitet werden müssen und wie sich die mediale Darstellung von Wirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat.

3. Talking Nahost: Selbstzensur im Journalismus?
(mediummagazin.de, Olivia Samnick, Audio: 35:43 Minuten)
Bei “Bonjourno” spricht Olivia Samnick mit der Journalistin Anna-Theresa Bachmann und Katharina Weiß von der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) über die Herausforderungen der Nahost-Berichterstattung in deutschen Medien. Sie greifen die Ergebnisse einer RSF-Recherche auf, die zeige, dass Journalistinnen und Journalisten in diesem Themenfeld zunehmend mit Selbstzensur, Hasskampagnen und redaktionellen Einschränkungen konfrontiert seien.

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4. Der Kampf des Hörspiels um Sichtbarkeit
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 26:16 Minuten)
Alexander Matzkeit unterhält sich mit Hörspielregisseur Leonhard Koppelmann über die aktuelle Situation des Hörspiels, insbesondere im Kontext von 100 Jahren Hörspielgeschichte und der jüngsten Entwicklungen in der Branche. Sie sprechen über die gestiegene Popularität des Mediums durch die ARD-Audiothek, aber auch über Herausforderungen wie den Wegfall wichtiger Hörspielpreise, die Reduktion von Etats und die verstärkte Konkurrenz durch digitale Plattformen.

5. Die TikTok-Armee der AfD
(ardmediathek.de, Christop Kürbel & Dominik Wolf & Helmi Krappitz, Video: 45:29 Minuten)
Keine andere deutsche Partei ist auf TikTok so erfolgreich wie die AfD, auch wenn Die Linke zuletzt aufholen konnte. Wie gelingt der AfD das? Mit welchen Methoden arbeitet sie? “Für die ARD Story recherchiert das Team undercover und wagt ein Experiment: Dabei taucht es tief ein in die Bubble der AfD-Unterstützer und zeigt, wie sie und auch offizielle Parteivertreter gezielt versuchen, die Plattform mit Inhalten zu fluten und so die TikTok-Algorithmen zu beeinflussen.”

6. Warum ihr dem Guinnessbuch der Rekorde nicht trauen solltet
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 14:06 Minuten)
Mats Schönauer wirft auf seinem Youtube-Kanal “Topfvollgold” regelmäßig einen kritischen Blick hinter die Kulissen von Boulevardpresse, Youtubern und Social Media. Diesmal geht es um eine von verschiedenen Medien gern aufgegriffene Sensation aus dem “Guiness-Buch der Rekorde”: “Zum ersten Mal seit einem halben Jahrhundert decke ich die irre Geschichte hinter einem deutschen Guinness-Weltrekord auf, der rund um den Globus für Aufsehen gesorgt hat und nie in Frage gestellt wurde – bis jetzt.”
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

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BILDblog-Klassiker

neu  

Von Katzen und dummen Menschen

Gestern berichtete “Bild”:

… und okay-okay, im letzten Absatz, ganz am Ende ihrer Berichterstattung hat “Bild” im Vornamen der darin zitierten Tierschützerin “Annelise Krauß” ein “e” vergessen. Aber selbst Anneliese Krauß findet das nicht so schlimm. Allerdings steht ihr Name natürlich nicht nur zum Spaß in “Bild”. Zitiert wird sie dort – und zwar wie folgt:

‘Das ist so schlimm wie grausame Tierversuche’, wettert Annelise Krauß vom Tierschutzverein Dresden.”

Und das sei nun wirklich “Quatsch”, sagt Krauß, wenn man sie fragt. Weil sie nämlich den von “Bild” zitierten Satz weder gewettert noch gesagt habe. Im Gegenteil: “Das wäre ja auch idiotisch,” sagt Krauß, “denn wenn es um tote Tiere geht, dann ist das ja kein Problem des Tierschutzes!” Zusammenfassend sagt uns die Tierschützerin über die Erfindung von Christian Koch (der laut “Bild” ja “aus Katzen Benzin machen” kann):

“Von unserer Seite ist daran nichts auszusetzen.”

Und genau so habe sie das im Übrigen auch zu “Bild” gesagt. (Aber, so Krauß weiter, wenn “der Herr Helfricht”, also einer der Autoren des “Bild”-Artikels, sie anrufe, dann wisse sie schon aus Erfahrung, dass hinterher Sachen in “Bild” stünden, die sie so gar nicht gesagt habe. Das gehe in Dresden schließlich schon über zehn Jahre so, so Krauß. — Und soviel vielleicht nur zum letzten Absatz des obigen Artikels.)

Kommen wir zum Rest, dem Eigentlichen, also darum, dass “Dr. Christian Koch (55) aus Kleinhartmannsdorf (Sachsen)”, wie es in “Bild” heißt, “aus Katzen Benzin machen” könne: Denn dass die “Benzin”-Überschrift Unsinn ist, verrät schließlich schon der dazugehörige “Bild”-Text selbst, weil darin nur von “Bio-Diesel” oder “Diesel” die Rede ist… Tatsächlich aber hat Koch offenbar eine ungewöhnliche und effektive Alternativmethode zur Treibstoffgewinnung entwickelt: die katalytische drucklose Verölung (KDV), über die beispielsweise schon der MDR im Mai 2003, 3sat im Juli 2004, die “Welt” im Januar 2005, die “Pirmasenser Zeitung” im Juli, der RBB vergangene Woche oder auch RTL berichteten. Und all diesen Berichten ist eines gemein: dass sie dem Gegenstand, über den sie (durchaus auch kritisch) berichten, gerecht werden.

“Bild” indes nennt Kochs Erfindung einen “Spezialreaktor” und schreibt Sätze wie diesen:

“Die Katzen-Kraft lässt sich theoretisch exakt berechnen: Aus einem ausgewachsenen 13-Pfund-Kater könnten 2,5 Liter Sprit entstehen, vier Miezen würden für 100 Kilometer reichen, für eine Tankfüllung wären 20 tote Katzen erforderlich.”

Und fragt man einfach mal nach bei dem “Mann, der (Stuben-)Tiger in den Tank packen kann” (“Bild”), antwortet Christian Koch, der “Bild”-Bericht habe “nichts mit der Wahrheit zu tun” und sei “zudem grenzenlos dumm”. Koch weiter:

“Wie kann man mit gekochtem tierischen Material Auto fahren? Wasser würde jeden Motor sofort zum Stillstand bringen. Hier wird an die niedrigsten Instinkte von dummen Menschen appelliert, um eine wertvolle Entwicklung zu verunglimpfen. (…) Mir zu unterstellen, dass ich mit Tierkadavern herumhantiere, ist kriminell. Das ist nicht im geringsten der Inhalt der Entwicklung und kann deshalb nur als gezielte Verleumdung angesehen werden.”

Auf der Website von Kochs Firma heißt es zudem inzwischen:

Mit Dank an Jan S. für die Anregung.
 
Nachtrag, 12:15:
“Bild” hat die Sache mit der “Katzen-Kraft” heute noch einmal aufgegriffen:

Darf man aus Katzen wirklich Benzin machen?

Doch wenn es jetzt etwas vorsichtiger als gestern heißt, dass Christian Koch “theoretisch auch aus Katzen” Bio-Diesel herstellen “könnte”, wenn jetzt nicht Koch, sondern ein Konkurrent die gestern von “Bild” aus der Luft gegriffene Skandalisierung zurechtrücken darf, wenn nun auch die gelassene Position der Tierschützer weniger sinnenstellend als gestern wiedergegeben wird und sich im heutigen “Bild”-Bericht immerhin ein einziger halbwegs sinnvoller Satz (“Die Diskussion ist überflüssig”) wiederfindet, dann macht das alles den Nonsens von gestern weder ungeschehen noch besser — und sei es nur deshalb, weil es “Bild” offenbar immer noch nicht gelingen will, zwischen “Benzin” (Überschrift) und “Diesel” (Text) zu unterscheiden…

Mehr dazu hier und hier.