Alphonso-Aus, Abschiebe-Romantik, akkurates Banker-Drama

1. #ausFAZwirdTAZ
(taz.de, Heide Oestreich)
„DDR 4.0“, „Gleichschaltung“, „linke totalitäre Diskursregeln“ — seit gestern schlägt der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ viel Wut entgegen. Der Grund: Die Redaktion hat bekanntgegeben, dass sie einige hauseigene Blogs einstelle, darunter auch das von Rainer Meyer alias „Don Alphonso“. Heide Oestreich über das „FAZ“-Ende Meyers, der „die Marktlücke eines elitären Rechtspopulismus für sich“ entdeckte: „Die treue Leserschaft (18.000 Follower auf Twitter) sieht da sofort die linke Erziehungsdiktatur am Werk: #AusFAZwirdTAZ hieß der flugs erfundene Hashtag, der sich alsbald mit Abo-Kündigungsdrohungen füllte“. Kurt Sagatz schreibt beim „Tagesspiegel“, dass weder inhaltliche Gründe noch schlechte Abrufzahlen zur Trennung von „Don Alphonso“ geführt hätten.

2. Mass shootings covered LIVE
(abc.net.au, Paul Barry, englisch, Video, 5:15 Minuten)
Beim Amoklauf vor drei Wochen an einer Schule im US-Bundesstaat Florida konnte man sie wieder beobachten: Journalisten, die Schüler via Social Media fragen, ob sie mal eben anrufen könnten, noch während diese Schüler sich im Klassenzimmer vor dem Schützen versteckten. Das Medienmagazin „Media Watch“ des australischen Senders ABC ist der Frage nachgegangen: „Are reporters putting victims in danger as they chase the story over social media?“

3. Vier Minister? Wie sich die „Süddeutsche“ von der CSU blenden ließ
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
„EIL : CSU schickt vier Minister nach Berlin“, twitterte die Redaktion der „Süddeutschen Zeitung“ vorgestern. „Das schien ein ziemlicher Coup zu sein für die CSU — und ein ziemlicher Scoop für die ‚Süddeutsche Zeitung'“, schreibt Stefan Niggemeier. Bloß: Es stimmt gar nicht stimmt. Tatsächlich sind es drei CSU-Minister (Horst Seehofer für Inneres, Andreas Scheuer für das Ressort Verkehr und Gerd Müller als Entwicklungshilfeminister). Dazu kommt Dorothee Bär, die Staatssekretärin im Bundeskanzleramt wird. Weiterer Lesetipp zu Bär: der frühere Bundesbeauftragte für Datenschutz, Peter Schaar, über „Dorothee Bärs eigenartiges Datenschutzverständnis“.

4. Abschiebung: Was wirklich passiert — Teil 1
(bmi.gv.at, Reinhard Leprich)
Ein Lese-Tipp, aber sicher keine Empfehlung: Das österreichische Innenministerium, FPÖ-geführt, will sich offenbar nicht mehr auf Journalisten verlassen und schreibt nun selbst Reportagen. Reinhard Leprich aus der Kommunikationsabteilung hat „eine Luftabschiebung in den Kosovo und nach Moldawien“ begleitet. Und festgestellt: Das gefällt allen voll super, jeder ist happy, eine tolle Sache, so eine Abschiebung. Laut Innenminister Herbert Kickl handelt es sich um „eine spannende Reportage“. Wir finden eher: erstaunlich erschreckende Abschiebe-Romantik.

5. Not Heidis Girl: Wie Youtube eine Kampagne gegen Sexismus ausbremste
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz & Alexander Fanta)
Die Organisation „Pinkstinks“ startet ihre Anti-Germany’s-next-Topmodel-Kampagne „Not Heidis Girl“, zu der auch ein Youtube-Video gehört. RTL zeigt einen Ausschnitt dieses Videos in einer Sendung. Youtubes Filtersystem „Content ID“ gleicht ab, schreibt RTL das geistige Eigentum zu und sperrt das Originalvideo. „Pinkstinks“ ist verständlicherweise stinkig und vermutet starke Reichweitenverluste. netzpolitik.org über einen „neuen Fall von algorithmischem Overblocking“.

6. Wir haben „Bad Banks“ mit einem Banker geguckt
(vice.com, Lisa Ludwig)
Die Serie „Bad Banks“ (aktuell in den Mediatheken von ZDF und „Arte“ zu finden) ist ein großer Erfolg: viele Zuschauer, lobende Kritiker, beschlossene Fortsetzung. „Doch wie realistisch ist das Banker-Drama? Arbeiten im Frankfurter Bankenviertel wirklich lauter Soziopathen mit Kokainproblem?“, fragt Lisa Ludwig. Sie hat sich „Bad Banks“ mit einem Experten aus dem Finanzsektor angeschaut. Und der urteilt: „‚Die Serie ist erstaunlich akkurat'“. (Unser Tipp wegen Spoilergefahr: erst die Serie gucken, dann den Text lesen.)