Darum nutzt Bild.de das Phantombild, das die Polizei nicht nutzt

Manchmal hat die Polizei ja gute Gründe, bestimmte Dinge nicht zu tun. Zum Beispiel ein Phantombild für eine Fahndung zu veröffentlichen, das die Behörden für unbrauchbar oder kontraproduktiv halten. Bei der Suche nach dem möglichen Mörder von Carolin G. macht die Polizei derzeit genau das: Sie verzichtet darauf, ein vorhandenes Phantombild zu verwenden.

Vielleicht erinnern Sie sich: Vor zwei Monaten wurde eine 27-jährige Frau in Endingen in der Nähe von Freiburg Opfer eines Sexualmords. Der Fall wurde damals bundesweit von Medien aufgegriffen.

Die Ermittler fanden DNA-Spuren, die darauf hindeuten, dass es sich bei dem Täter um einen Mann handelt. Nun wurde bekannt, dass diese Spuren zu einem Fall in Österreich passen: Im Januar 2014 wurde in Kufstein eine 20-jährige Studentin angegriffen und umgebracht. Auch hier handelt es sich um ein Sexualverbrechen. Die Vorgehensweise des Täters ist ganz ähnlich wie bei Carolin G. Und die in Kufstein gefundenen DNA-Spuren passen zu denen, die die Polizei in Endingen gesichert hat. Der mutmaßliche Täter dürfte also der gleiche sein.

Damals wurde anhand von Zeugenaussagen von dem Mann ein Phantombild erstellt. Doch dieses will die Polizei in Deutschland nun nicht nutzen.

Bild.de schreibt dazu heute:

Die Polizei in Tirol hat ein Phantombild vom Täter. Die deutschen Ermittler wollen es nicht nutzen — doch dafür gibt es gute Gründe! […]

Aber warum fahndet die deutsche Polizei nicht mit dem österreichischen Phantombild nach Carolins Killer?

Sprecher Walter Roth (59): „Das Bild beruht auf einer Beobachtung in der Dunkelheit und ist drei Jahre alt. Das Erscheinungsbild dürfte sich verändert haben, könnte mögliche Zeugen in die Irre führen.“

In die Irre geführte Zeugen könnten die ohnehin schon schwierigen Ermittlungen noch schwieriger machen. Und was macht die Redaktion von Bild.de? Obwohl sie weiß, dass es die Arbeit der Polizei behindern könnte, veröffentlicht sie auf ihrer Startseite das vermutlich nutzlose Phantombild aus Österreich, das bei der Suche nach dem Täter alles andere als hilfreich sein dürfte:

Nur der Vollständigkeit halber: Die Unkenntlichmachungen in dem Screenshot stammen von uns.

Mit Dank an Börries für den Hinweis!