Kriegsfotografie, Rekrutenclips, Sterbe-TV

1. Von den Straßen Aleppos
(faz.net, Miray Caliskan)
Der Syrer Hosam Katan wollte das Assad-Regime bekämpfen. Er hat dazu jedoch nicht die Waffe, sondern die Handykamera verwendet. Mit Erfolg: Seine Fotos mitten aus dem Bürgerkrieg wurden in den sozialen Medien verbreitet und von Nachrichtenagenturen gekauft. Der 22-jährige Katan ist mittlerweile aus Aleppo nach Deutschland geflohen und hat unlängst einen Workshop für Handyfotografie geleitet. Die „FAZ“ hat mit dem geflüchteten Syrer gesprochen, dessen Ziel es ist, an der Universität von Hannover Fotojournalismus zu studieren. Und natürlich werden einige seiner Bilder aus Aleppo gezeigt.

2. Kolumnist und Legende in Haft
(taz.de, Ali Celikkan)
Die schlechten Nachrichten aus der Türkei reißen nicht ab. Nun wurde der 75-jährige „Cumhuriyet“-Kolumnist Hikmet Çetinkaya ins Gefängnis geworfen. Wegen angeblicher Unterstützung der Gülen-Bewegung. Ausgerechnet, denn Çetinkaya berichtet seit Jahrzehnten kritisch über die Gülen-Bewegung und wurde nach eigenen Angaben bereits 170 Mal von Gülenisten verklagt.

3. Bundeswehr verteidigt Web-Serie
(ndr.de)
Die Bundeswehr goes Youtube. Mit der Webserie „Die Rekruten“ will man für sich und vor allem für Nachwuchs werben. Die Bundeswehr lässt sich die Filmchen 1,7 Millionen Euro kosten, die Kampagne zur Bewerbung der Clips soll noch einmal 6,2 Millionen Euro kosten. Da ist es fast zwangsläufig, dass die Frage gestellt wird, ob das Geld gut investiert ist.

4. Der fliegende Holländer im Presserecht
(carta.info, Uwe Jürgens)
Wenn es um presserechtliche Vorgänge geht, taucht immer wieder der Begriff des „fliegenden Gerichtsstands“ auf. Uwe Jürgens hat einen ausführlichen und in die Tiefe gehenden Artikel über das umstrittene Phänomen verfasst, in dem er die verschiedenen Positionen vorstellt. Jürgens plädiert am Ende seines Beitrags für weniger Gerichtsstände („Kompetenzsicherung durch Spezialisierung“) und zeigt auf, wie es die Nachbarn in der Schweiz und in Österreich gelöst haben.

5. Syrien, Aleppo. Irak, Mosul. Fragen über Fragen
(infosperber.ch, Urs P. Gasche)
Urs P. Gasche fühlt sich von den Medien schlecht informiert, was die Lage in Syrien anbelangt und hat eine Liste von 23 Fragen erstellt. „Auf alle diese Fragen gibt es keine schnellen Antworten. Wenn Krieg herrscht, sind Informationen ein Teil davon. Medien werden instrumentalisiert und manipuliert, subtil oder weniger subtil. Und zwar von allen Kriegsparteien. Deshalb wäre Zurückhaltung angesagt. Vorsichtiges Formulieren in neutraler Sprache und mit deutlichen Hinweisen auf ungesicherte Quellen.“

6. Warum das Fernsehen sterben wird
(wiwo.de, Oliver Schütte)
Oliver Schütte sieht das öffentlich-rechtliche Fernsehen in ernsthaften Schwierigkeiten: Anspruchsvolle Stoffe und Erzählweisen gebe es nur noch bei den Streamingdiensten. Die herkömmlichen Programmsender würden dagegen nur niveauloses Bügelfernsehen liefern. Schüttes Empfehlung bezüglich öffentlich-rechtlicher Zukunftsgestaltung: „Die Agenda 2025 von ARD und ZDF sollte ehrgeizige Ziele entwickeln, für die deutsche Zuschauer bereit sind, mehr als 200 Euro Rundfunkbeitrag im Jahr zu bezahlen. Nur so wird es den deutschen öffentlich-rechtlichen Sendern gelingen, international erfolgreiche Formate wie die anderer europäischer Sender („Sherlock“, „Downton Abbey“, „Borgen“ und „Gomorrha“ et cetera) zu produzieren. Andernfalls werden sich nur noch die Älteren nostalgisch an ARD und ZDF erinnern können, weil die Sender von der Bildfläche verschwunden sein werden.“