Berlin-Verhängnis, Volontärsfrust, Facebook-Nazis

1. Zum Verhängnis
(sueddeutsche.de, Jens Schneider)
Ausgerechnet in Berlin, der größten Stadt Deutschlands, haben es Zeitungen besonders schwer. Hier kämpfen Blätter wie „Berliner Zeitung“, „Tagesspiegel“, „Morgenpost“, und „BZ“ um die Gunst des Lesers. Die Größe des Berliner Zeitungsmarktes sei bei genauerer Betrachtung eher ein Nachteil. Durch ihre Konkurrenz würden sich die Zeitungen gegenseitig schwächen. Der Zeitungsmarkt hat aber auch noch andere Schwierigkeiten, ob es die vielen Zugezogenen ohne publizistische Heimat sind, die stark segmentierten Milieus oder eine noch immer bestehende Aufteilung in Ost und West.

2. Nackt im Netz: Millionen Nutzer ausgespäht
(ndr.de)
Multinationale Firmen haben sich darauf spezialisiert, die Nutzer im Netz zu beobachten, ihre Schritte aufzuzeichnen und diese Informationen weiterzuverkaufen. Angeblich anonymisiert und ohne Schaden für den Einzelnen. Der „NDR“ hat dazu recherchiert und ist über die zig Millionen Male installierte Browser-Erweiterung der Firma „Web of Trust“ (WOT) gestolpert. Diese greift allerlei Daten ab, die sie angeblich anonym abspeichert. Reporter des NDR konnten jedoch in Stichproben mehr als 50 Nutzerinnen und Nutzer persönlich identifizieren, zum Beispiel über E-Mail-Adressen, in denen der Name steht, Anmeldenamen oder andere Bestandteile der aufgerufenen URLs. Auf Anfragen des NDR reagierte das Unternehmen nicht. Und wer sich gegen die Schnüffelpraxis juristisch zur Wehr setzen will, hat es schwer, zumal vom Ausland aus operiert wird.

3. Wie eine Lokalzeitung kaputt gemacht wird
(deutschlandradiokultur.de, Anonym)
„Deutschlandradio“ hat mit einem Volontär einer kleinen Regionalzeitung gesprochen. Dieser hat dem Radiosender aus dem Schutz der Anonymität heraus sein Herz ausgeschüttet: Sein Redaktionsalltag würde duch Sparzwänge, Ausbeutung und Unlust zur Veränderung bestimmt. Und über all dem würde ein Verlagsgeschäftsführer thronen, dem nicht viel am Journalismus liege. Am Ende des Volontariats wird ihm ein wenig attraktiver und befristeter PR-Job angeboten, doch er entscheidet sich zu gehen: „Nicht, weil mir nichts am Lokaljournalismus liegt – denn das tut es. Aber ich will nirgends bleiben, wo die Zukunft in der Vergangenheit liegt.“

4. Das Mediendesaster
(medienwoche.ch, René Zeyer)
„Medienwoche“-Autor René Zeyer empfindet die Berichterstattung über den US-Präsidentschaftswahlkampf als eine Karikatur des Journalismus. „Die mediale Vermittlung des US-Wahlkampfs lässt mehr Fragen offen als sie beantwortet. Die deutschsprachigen Medien bespaßen sich und das Publikum mit granulierten Informationsbytes, aus denen keine Schwarmintelligenz, sondern Schwarmdummheit resultiert.“

5. Neue „Feinde der Pressefreiheit“ veröffentlicht
(reporter-ohne-grenzen.de)
Zum heutigen UN-Welttag gegen Straflosigkeit für Verbrechen an Journalisten hat „Reporter ohne Grenzen“ eine neue Liste der „Feinde der Pressefreiheit“ veröffentlicht. Darauf 35 Staats- und Regierungschefs, Extremisten- und Verbrecherorganisationen und Geheimdienste, die für die rücksichtslose Unterdrückung der Pressefreiheit durch Zensur, willkürliche Verhaftungen, Folter und Mord stehen.
Dazu auch: Alle fünf Tage wird ein Journalist umgebracht auf „Tagesschau.de“.

6. Was geschieht, wenn man einen Facebook-Nazi bei der Polizei anzeigt
(digitalpresent.tagesspiegel.de, Sebastian Leber)
Was geschieht, wenn man einen Facebook-Nazi wie „Andrea J.“ bei der Polizei anzeigt? Manchmal eine ganze Menge: Hausbesuch durch Polizei, Beschlagnahme, Staatsanwaltschaft… „Sehr wahrscheinlich ist Andrea J. kein feinerer Mensch geworden. Aber immerhin hat sie aufgehört, das Netz zu verpesten. Das ist doch schon was. Hätte er sich an Facebook gewandt, sagt mein Freund, würde Andrea J. weiter Hakenkreuz-Party machen.“