US-Wahlkampf, BND-Gesetz, Stimmungskanone

1. Lügen als Erfolgsrezept
(medienwoche.ch, Casper Selg)
Noch nie sei im amerikanischen Wahlkampf erfolgreich so viel gelogen worden wie aktuell. Das US-Mediensystem begünstige und befördere diese Art von postfaktischem Wahlkampf, so Casper Selg in seinem Artikel über Donald Trump, den politische Prozess und die US-Medien. „Trumps Erfolg hat auch etwas zu tun mit kommerziellen nationalen «News»-Sendern, welche als Information kaschierte politische Demagogie verbreiten. Wie etwa «Fox News». Und es hat zu tun mit dem Diskurs auf den «sozialen» Medien, für welchen letztlich keine Regeln gelten. Wo Leute – neben viel Interessantem – auch frischfröhlich Lügen, Unwahrheiten, Halbwahrheiten herumbieten, die sich blitzartig weit (und damit lukrativ) verbreiten. Ohne dass der Laie beurteilen kann, was wovon zu halten ist.“

2. Regionalliga: Medien in Männerhand
(pro-quote.de)
Der Verein „ProQuote“ hat 100 Regionalblätter untersucht, die noch den überregionale Teil selbst produzieren. Das Ergebnis: Auf 95 Prozent der Chefredakteursposten aller untersuchten Zeitungen säßen Männer. Und auch ihre Stellvertreter seien zu 82 Prozent männlich. „ProQuote“ hat aus dem Datenmaterial eine übersichtliche Karte angefertigt, der man auch Stellungnahmen der befragten Redaktionen entnehmen kann. Dieser Wert fällt jedoch ebenfalls dürftig aus: 92 Prozent der Chefredakteure hätten auf das Schreiben von „ProQuote“ nicht reagiert…

3. Die Erinnerungslücken der Wirtschaftswoche
(bilanz.de, Bernd Ziesemer)
Die „Wirtschaftswoche“ feiert mit einem 162-seitigen Sonderheft ihr 90-jähriges Bestehen. Bernd Ziesemer hat sich für seine „Zeitungsschau“ das Heft angeschaut. Ziesemer hat selbst fast 15 Jahre für das Blatt gearbeitet und kann nicht allem vorbehaltlos zustimmen, was dort in dem Sonderheft geschrieben steht. Um es vorsichtig auszudrücken.

4. Warum alle gegen das BND-Gesetz sind – außer der Bundesregierung
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Die Bundesregierung ist die einzige Institution, der das von ihr geplante BND-Gesetz gefalle, so Markus Reuter auf „Netzpolitik.org“. Sowohl Opposition im Bundestag als auch namhafte Juristen, nationale und internationale Journalistenverbände, ARD und ZDF, zahlreiche Menschenrechtsorganisationen, die OSZE und sogar drei Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen würden das geplante BND-Gesetz der Bundesregierung kritisieren. Reuter führt die wichtigsten Kritikpunkte an und fasst die Statements von Fachleuten und Politik zusammen.

5. Präsidenten ohne Skrupel
(djv.de, Hendrik Zörner)
Hendrik Zörner vom „Deutschen Journalistenverband“ (DJV) kritisiert scharf die trickreichen Umstrukturierungen und Produktionsverlagerungen bei Springer und Burda. Wenn es um das Geschäft ginge, würden die Verbandspräsidenten der Zeitungs- und Zeitschriftenverleger keine Skrupel kennen. Kohle vor Ehre scheine das Motto: „Wie passen solche Entscheidungen mit der Tätigkeit in den Arbeitgeberverbänden zusammen, die immerhin Tarifpartner der Gewerkschaften sind und sich zu fairen Arbeitsbedingungen und Einkommen der Beschäftigten vertraglich verpflichtet haben? Gar nicht. Also liegt der Verdacht nahe, dass Burda und Döpfner ihre Ehrenämter an der Spitze von VDZ und BDZV als Feigenblätter benutzen, die diskret das eigene unternehmerische Rabaukentum verdecken sollen.“

6. Hahaha akbar! Eine Stimmungkanone gegen den Islam
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
In der „Saarbrücker Zeitung“ erschien eine wohl lustig gemeinte Glosse zum Thema Islamunterricht, die auf falschen Behauptungen fußt und Ressentiments bedient. Stefan Niggemeier hat dafür die passenden Worte gefunden.