Türkische Journalisten, Zensur in Thailand, Pelzig verabschiedet sich

1. Drei weitere türkische Reporter vor Gericht
(dw.com)
Im Februar bezeichnete die türkische Tageszeitung „Birgün“ Präsident Recep Tayyip Erdoğan als „Dieb“ und „Mörder“. Gestern begann der Prozess „gegen drei leitende Redakteure des Blattes.“ Seit Erdoğans Amtsantritt im vergangenen Jahr habe es gegen kritische Journalisten „mehr als hundert Verfahren dieser Art gegeben“, schreibt faz.net. Auch die beiden „Cumhuriyet“-Journalisten Can Dündar und Erdem Gül befinden sich weiter in Haft (siehe Link Nummer 1). „Frontal21“ hatte erst vor Kurzem mit Dündar gesprochen. Die „Reporter ohne Grenzen“ haben eine Petition gestartet, in der sie Erdoğan auffordern, Dündar und Gül freizulassen.

2. „Traurige Gefasstheit“ beim „Spiegel“
(ndr.de, Daniel Bouhs und Annette Leiterer)
Die „Agenda 2018“ solle dem „Spiegel“ dabei helfen, mindestens 15 Millionen Euro einzusparen. Dafür würden 149 Stellen abgebaut, darunter 35 in der Redaktion. Der verantwortliche Geschäftsführer Thomas Hass spricht von „trauriger Gefasstheit“ als Reaktion auf die Sparmaßnahmen. Die „Welt“ dokumentiert seine Rede auf der Mitarbeiterversammlung und analysiert das Programm in einem weiteren Text. Demnach gebe es verlagsintern Widerstand: „Die Frage, welcher Gesellschafter nicht für die ‚Agenda 2018‘ gestimmt hat, lässt sich eindeutig beantworten. Da von ihrer Zustimmung oder Ablehnung nichts abhängt, war es die Erbengemeinschaft der Augsteins.“

3. Gestatten, ARD — Rundfunk für „besorgte Bürger“
(starke-meinungen.de, Christoph Giesa)
Einige TV-Sendungen „entwickeln sich (…) zu Steigbügelhaltern von AfD, Pegida und Reichsbürgern.“ Das meint jedenfalls Christoph Giesa und fragt: „Schielt man bei Plasberg, Jauch und Co eher auf die Quote als auf den eigentlichen Auftrag?“ Unsere Gesellschaft werde „gerade nicht nur von Islamisten, sondern auch von der rechten Szene unter Beschuss genommen“, und man werde dieses Phänomen nicht in den Griff bekommen, „indem man auf die Quoten schielend deren Ikonen Raum gibt.“

4. Wozu noch Medienkritik?
(evangelisch.de, Tilo Jung und Stefan Schulz)
Claus Kleber sieht große Teile der Gesellschaft „unversorgt von einer, wie wir sagen würden, anständigen Nachrichtenversorgung“. Peter Frey, ZDF-Chef und damit Klebers Vorgesetzter, spricht dagegen von einer „Renaissance der Akzeptanz der öffentlich-rechtlichen Nachrichten“. Und der Intendant Thomas Bellut erkennt „keinen Hinweis für eine grundlegende Glaubwürdigkeitskrise“. Der ZDF-interne Konflikt steht stellvertretend für den Kampf um die Deutungshoheit innerhalb der gesamten Branche. Stefan Schulz meint deshalb: „Es tobt ein sehr schädlicher Medienkrieg.“

5. Zensur in Thailand: „New York Times“ erscheint mit weissem Fleck auf dem Titel
(watson.ch)
Auf der gestrigen Titelseite der „International New York Times“ gab es einen kritischen Artikel über die Situation in Thailand. Überschrift: „Thailands Stimmung und Wirtschaft im Sinkflug“. Nur nicht in Thailand. Da war auf einer großen weißen Fläche zu lesen: „Der Artikel, der hier stand, wurde von unserer Druckerei in Thailand entfernt. Die ‚International New York Times‘ und ihre Belegschaft spielten keine Rolle bei dieser Entfernung.“

6. „Wer unmodisch bleibt, eilt voraus“
(taz.de, Johannes Gernert und Peter Unfried)
Gestern Abend sendete das ZDF die letzte Folge von „Pelzig hält sich“. Johannes Gernert und Peter Unfried haben mit Frank-Markus Barwasser über seinen freiwilligen Abgang gesprochen.