Bars, Bettvorleger, Weltschmerz

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. „Die Zehn-Tage-Regel bei Empörungen“
(nzz.ch, Rainer Stadler)
Mediale Empörungswellen dauern etwa zehn Tage, glaubt Rainer Stadler: „Dies wegen der wöchentlich erscheinenden Blätter und Talkshows, die im intermedialen Diskurs eine meinungsverstärkende oder allenfalls meinungsbildende Rolle spielen. Falls nämlich die Redaktion eines Wochentitels oder einer Talkshow kurz nach dem Ausbruch einer Empörung unsicher ist, ob sie auf den Zug aufspringen soll, kann sie für die folgende Ausgabe auf einer sicheren Basis entscheiden. Zu diesem Zeitpunkt hat sie noch eine Chance, eine Diskussion zu befeuern. Einen dritten Versuch zur Einmischung gibt es kaum. Ermüdung hat dann selbst die Rauflustigen erfasst.“

2. „Die seltsame Nähe von Journalisten und Politikern“
(dradio.de, Stephan Hebel)
Journalisten, die nachts gemeinsam mit Politikern in Bars rumhängen, sollten ihre Nähe zur Macht hinterfragen, findet Stephan Hebel. „Nichts gegen Hintergrund-Gespräche, nichts gegen ein gutes Verhältnis zwischen Politikern und Journalisten. Aber wer sagt eigentlich, dass so etwas nicht tagsüber geht, nicht nüchtern und nicht in einer angemessenen Arbeits-Umgebung?“

3. „Wir Amis sind blöd, aber haben Spaß dabei“
(zeit.de, Eric T. Hansen)
Aus potenziell großen Popkünstlern macht das deutsche Fernsehen verängstigte kleine Beamte, schreibt Eric T. Hansen: „15 Jahre lang musste ich zusehen, wie höchst motivierte und kreative junge Menschen mit Begeisterung und großen Plänen in die deutsche TV-Branche einsteigen und schon ein paar Jahre später wie Bettvorleger landen.“

4. „Why German newspapers are suffering no Weltschmerz“
(guardian.co.uk, Peter Preston, englisch)
Der deutschen Presse geht es (vergleichsweise) blendend, stellt Peter Preston fest.

5. „Deins, meins – egal“
(manager-magazin.de, Maren Hoffmann)
Statt etwas zu besitzen reicht es heute vielen, nur Zugang dazu zu haben: „Der Konsument ist nicht mehr passiv, sondern speist aktiv seine Güter in den Kreislauf des Tauschens und Teilens ein – entweder aus Überzeugung oder um mit brachliegendem Besitz Geld zu verdienen oder gleich beides.“

6. „Walter Cronkite in the Home Office of 2001 (1967)“
(youtube.com, Video, 1:34 Minuten, englisch)