Lanz wehrt sich gegen intimes Geständnis

Zu der Art Journalismus, wie ihn die WAZ-Zeitschrift „Frau aktuell“ betreibt, gehört es, Woche für Woche auf dem Titelbild eine schicksalshafte Neuigkeit im Leben eines Prominenten anzudeuten, die gar nicht passiert ist.

Insofern ist Heft 30 dieses Jahres keine Ausnahme, sondern typisch:

Der dazugehörige Artikel trägt die Überschrift:

Es passierte kurz vor seiner Sendung

Markus Lanz

So hat er das Baby-Geheimnis verraten…

Und zwar hat Lanz, der mit der RTL-Moderatorin Birgit Schrowange einen elfjährigen Sohn hat, „neulich“ kurz vor der Aufzeichnung seiner Talkshow wohl mit einer schwangeren Zuschauerin geredet, mit ihr über den Namen des Kindes gesprochen und gesagt:

„Mir gefallen ja Anna und Julia ganz besonders. Anna heißt ja auch meine Mutter.“

Was die „Frau aktuell“-Leute hyperventilieren ließ:

Ein Mädchen namens Anna (oder Julia) — so ein intimes Geständnis hätte sicher kaum jemand von Markus Lanz erwartet.

Nach der Sendung hätte er dann noch einem Zuschauer gesagt, dass er sich immer ein Mädchen gewünscht hätte. „Dann ist es ein Junge geworden. Das war aber auch okay. Hauptsache gesund.“

Und die „Frau aktuell“ fügte hinzu:

Ach, wir würden es ihm ja gönnen. Dann wären Angela (30), er und das Baby endlich eine „richtige“ Familie.

Angela ist die Frau, die Lanz im vergangenen Jahr geheiratet hatte („Frau aktuell“ brachte damals eine Titelgeschichte, die im Inneren unter der Überschrift „Hochzeitszauber in den Bergen“ nur Blindtext enthielt: „Dunt lor il erosto odio od tincincipit lum venisseniam am, vercil utem aliscilit laoreet wis num velit praestrud tat. Facing eu facin hendre er sum quisim er augait lumsandre molore vel delisim nonsed essisl dolesto eros eriusci liquamc onulla con henibh exero od magna augiat nibh eugait, cortin eniscil iquisciliqui blan voluptat. …“).

Und Angela ist auch die Frau, die die WAZ-Illustrierte auf dem Cover zeigt mit der Zeile „Intimes Baby-Geständnis – Es sollte ein Baby Mädchen werden“. Herr und Frau Lanz meinen, dass der Leser annehmen musste, dass sie ein Kind erwarten oder erwartet haben und fordern deshalb eine Gegendarstellung auf der Titelseite. Und zwar jeweils eine.

Wie die „Süddeutsche Zeitung“ in dieser Woche berichtete, urteilte das Landgericht München, dass den Lanzens zwar keine doppelte, aber eine Gegendarstellung zustehe. „Frau aktuell“ lehnte das ab und hat Berufung eingelegt.

Im Frühjahr musste die Zeitschrift bereits eine „Klarstellung“ auf dem Titel drucken. Sie hatte zuvor mit Oliver Geißen und Christina „Tini“ Plate getitelt: „Überraschendes Kinderglück! Es ist die Krönung ihrer Liebe“. Später musste die „Frau aktuell“ dann erklären, sie habe keineswegs den Eindruck erwecken wollen, bei Geissens habe sich Nachwuchs eingestellt oder werde erwartet: „Wir wollten mit dem Titel ‚Überraschendes Kinderglück‘ nur sagen, wie toll es ist, dass die Patchworkfamilie der Fernsehstars so zusammengewachsen ist.“

So machen sie das, bei den Zeitschriften der WAZ-Gruppe.