Beschneidung, Paywalls, Carly Rae Jepsen

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. „Chronik einer beispiellosen Debatte“
(tagesspiegel.de, Jost Müller-Neuhof)
Anfang Mai fällt das Kölner Landgericht ein Berufungsurteil zur rituellen Beschneidung von Jungen. Sechs Wochen lang passiert gar nichts, dann beginnt eine beispiellose öffentliche Debatte, gesteuert von einem Rechtsprofessor, einer Staatsanwältin und einem Richter, anfangs nur von einzelnen Journalisten unterstützt.

2. „Einmal zahlen, überall lesen“
(medienwoche.ch, Nick Lüthi)
Während viele Verlage noch daran arbeiten, im Internet mit ihren Inhalten Geld zu verdienen, sind drei osteuropäische Länder schon weiter: In Polen, Slowenien und vor allem der Slowakei gibt es „nationale Paywalls“ als verlagsübergreifende Bezahllösung für Online-Inhalte. Ein Experiment mit erstaunlichen Nebeneffekten: „Erfreuliche Auswirkungen hat die Paywall auf die Leserkommentare. ‚Mit der Paywall hat sich die Qualität der Kommentare schlagartig verbessert‘, sagt Radoslav Augustin, Projektmanager beim Portal der Tageszeitung SME.“

3. „The fight for control of the internet has become critical“
(guardian.co.uk, John Kampfner, Englisch)
Das Internet droht immer mehr zum Opfer staatlicher Kontrolle und Zensur zu werden. „All governments, whatever their hue, cite similar threats: terrorism and organised crime, child pornography and intellectual property are the ones most commonly used. Unsurprisingly these, and local variants, are used by dictatorships, who need merely to point to precedents set in the west to counter any criticism with the charge of hypocrisy.“

4. „Zwischenbilanz zu Spitzers ‚DigitaleDemenz'“
(carta.info, Martin Lindner)
Martin Lindner liest und kommentiert Manfred Spitzers medial durchgefeaturetes Buch “Digitale Demenz”: „Es liest sich über weite Strecken wie eines dieser osburen Bücher im Eigenverlag, mit denen selbsternannte Warner und Weltretter in der untergegangenen Gutenberg-Galaxis ihre wirren Meinungen mikropublizierten, vor der Erfindung des Blogs.“

5. „The New Rise of a Summer Hit: Tweet It Maybe“
(nytimes.com, Ben Sisario, Englisch)
Carly Rae Jepsens „Call Me Maybe“, der Sommerhit des Jahres, wurde nicht durch Plattenfirmen-PR und Radioeinsätze zum Megahit, sondern durch Justin Bieber, Twitter, YouTube und jede Menge Fan-Videos. „‚Call Me Maybe‘ is a watershed case for the use of social media as a marketing tool, but the song’s success will be difficult to replicate — even for Ms. Jepsen as she prepares to release her album. No matter how hard a record company might push, popularity online depends on the enthusiasm of individual fans.“

6. „Neu am Kiosk: ‚Schöner Wohnen‘ in Botschaften – Assange-Special!“
(extra3.blog.ndr.de)