Frauenmagazine, Geheimdienste, Libyen

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. „Mediale Planwirtschaft“
(theeuropean.de, Martin Eiermann)
„Jahrzehntelang wurde Journalismus vor allem von alten, weißen Männern bestimmt, die pflichtbewusst die Weltsicht alter, weißer Männer in den Äther hinausposaunt haben“, konstatiert Martin Eiermann, der zudem mehr Plan- als Marktwirtschaft in der deutschen Medienlandschaft ausmacht: „Zentrale Produktionsketten, Mangelwirtschaft, monopolistische Vermarktung und Verbreitung. Eine Ausnahme mag der boulevardske Herdentrieb sein, der aber, wie wir alle wissen, nicht unbedingt zu den herausragenden Vorteilen des freien Marktes gehört.“

2. „Faschismus auf Hochglanzpapier“
(taz.de, Margarete Stokowski)
Margarete Stokowski findet in Frauenmagazinen, die sich im Gegensatz zu „Emma“ oder „Missy Magazine“ nicht als feministisch verstehen, „menschenfeindliche, letztlich faschistische Botschaften“. „Ein Kollektiv zu konstruieren (‚wir, die Frauen‘), das einem anderen gegenübersteht (’sie, die Männer‘), die Mitglieder dieses Kollektivs für unmündig und unzulänglich zu erklären und Lösungen für ihre vermeintlichen Probleme anzubieten – das alles sind Elemente faschistischer Ideologie.“

3. „Escortservice vom Dienst“
(freitag.de, Thomas Leif)
„Warum ist die Geheimdienst-Berichterstattung ein Sonderbereich, in dem journalistische Grundregeln außer Kraft gesetzt sind?“, fragt Thomas Leif. „Wer den unausgesprochenen Kodex der Geheimdienste nicht akzeptiert, wird als Informationsempfänger abgeschaltet. In Nachrichtenmagazinen führt das dazu, dass bestimmte Kontakte in die Dienste und Ministerien nicht von allen Ressort-Kollegen wahrgenommen werden dürfen. Dieses System wird seit Jahrzehnten gepflegt und von keiner Seite infrage gestellt, weil Verlage und Sender vom spektakulären Material der Dienste profitieren.“

4. „Mexiko: Schreiben und filmen unter Todesgefahr“
(sf.tv, Video, 13:39 Minuten)
Karin Bauer besucht Journalisten im mexikanischen Bundesstaat Veracruz: „Die Banden bringen die Menschen nicht einfach um, sie überbieten sich gegenseitig in Bestialität, um ihre Macht zu demonstrieren. Leichen baumeln von Brücken, abgehackte Glieder liegen neben den toten Körpern, die letzten drei toten Journalisten wurden zerstückelt in Plastiksäcken gefunden. Auf diese Art diktieren die Kartelle, was sie über sich in der Zeitung geschrieben sehen wollen und was nicht. Die meisten toten Journalisten sind lokale Verbrechensreporter.“

5. „How Journalism Works“
(private-eye.co.uk, englisch)
Ein Foto eines neunjährigen, weinenden Mädchens wird trotz Intervention während Monaten nicht von der Website der „Daily Mail“ genommen. „The photograph, captioned ‚Relatives of victims leave the hotel‘, clearly violated clauses 3 (privacy), 5 (intrusion into grief or shock) and 6 (children) of the editors’ code of which Dacre is so fond – and yet the only UK newspaper to use it was the Daily Mail, on its website MailOnline.“ Siehe dazu auch „Mail Online ‚invaded grieving family’s privacy during Leveson inquiry'“ (guardian.co.uk, 26. Juni 2012).

6. „‚Total schwierig und konflikthaft'“
(dradio.de, Stephan Karkowsky)
Das wichtigste Medium in Libyen ist nach Einschätzung von Anja Wollenberg von MICT das Radio. Eine Kultur des Zeitungslesens gebe es kaum: „Also ich selbst habe versucht, einen Zeitungskiosk zu finden, das ist wirklich nicht möglich. Also Zeitungen kauft man im Papiergeschäft, oder wie heißt das: Schreibwarengeschäft.“