Rügen wie noch nie, Filmakademie warnt, KI liest Wetter und Verkehr

1. So viele Rügen wie noch nie
(taz.de)
Der Deutsche Presserat habe im Jahr 2025 mit über 100 öffentlich ausgesprochenen Rügen einen neuen Höchststand seit seiner Gründung verzeichnet. Ein Schwerpunkt der mehr als 2.000 eingegangenen Beschwerden habe auf der Nahost-Berichterstattung gelegen. Allein über 300 davon hätten sich gegen einen unbelegten “Bild”-Artikel über einen getöteten Al-Jazeera-Journalisten gerichtet. Die häufigsten Gründe für die ausgesprochenen Rügen seien Verletzungen der journalistischen Sorgfaltspflicht gewesen, dicht gefolgt von medialen Verstößen gegen den Persönlichkeitsschutz.

2. TikTok “in europäische Hände legen”? Keine gute Idee
(socialmediawatchblog.de, Simon Berlin & Martin Fehrensen)
Die Social-Media-Experten Simon Berlin und Martin Fehrensen kritisieren den Vorschlag von Kultur- und Medienstaatsminister Wolfram Weimer, TikTok nach US-Vorbild in ein europäisches Medienkonsortium zu überführen, als realitätsfern und unausgegoren. In Europa seien weder der politische Wille und die nötigen Druckmittel gegenüber China vorhanden, noch existiere ein Käufer, der den mutmaßlich zweistelligen Milliardenbetrag für das Netzwerk aufbringen könnte. Anstatt auf illusorische Zwangsverkäufe zu setzen, sollten lieber bestehende Gesetze angewendet werden, um die beherrschenden Plattformen zu regulieren.

3. ARD-Radios: Bald liest eine KI Wetter- und Verkehrsnews
(digitalfernsehen.de, Manuel Weis)
Die ARD-Popwellen würden planen, ab dem 3. März in ihren gemeinsamen Abend- und Nachtprogrammen für die Wetter- und Verkehrsmeldungen eine KI-Stimme einzusetzen. Die redaktionelle Kontrolle bleibe dabei vollständig beim Menschen, da Redakteurinnen und Redakteure die Texte schreiben und prüfen würden, bevor eine KI sie vorliest. Die generierten Stimmen würden auf den echten Moderatoren basieren und aus Transparenzgründen klar gekennzeichnet.

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4. Die “Zeit” wird 80
(wolfgangmichal.de)
In seinem Beitrag zum 80. Geburtstag der “Zeit” analysiert Wolfgang Michal die Gründe für eine anhaltende Erfolglosigkeit der Wochenzeitung in Ostdeutschland. Aus seiner Sicht schreibt das “Leib- und Magenblatt der besserverdienenden Akademiker” an der Lebensrealität der ostdeutschen Bevölkerung vorbei. Zudem stoße die historisch gewachsene Regierungsnähe des Blattes in den ostdeutschen Bundesländern auf Skepsis und Ablehnung.

5. Schon entdeckt: RiffReporter
(verdi.de, Gunter Becker)
Die journalistische Genossenschaft “RiffReporter” feiere ihr zehnjähriges Bestehen und biete mittlerweile über 100 Mitgliedern eine Plattform für unabhängigen, hierarchiefreien Wissenschaftsjournalismus. Gunter Becker fasst in seinem Beitrag einige “Innenansichten” aus dem Selbstverwaltungsmodell zusammen. So plane die Genossenschaft, neben weiterem Wachstum und mehr Reichweite, auch die Gründung eines Fördervereins, um unter anderem ihr hauseigenes Redaktionssystem an andere Medienhäuser lizenzieren zu können.

6. Filmakademie warnt vor Einflussnahme auf Berlinale
(spiegel.de)
Die Deutsche Filmakademie (Stellungnahme) und die Europäische Filmakademie sowie Hunderte internationale Kulturschaffende (Offener Brief) hätten sich hinter die Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle gestellt und eindringlich vor politischer Einflussnahme gewarnt. Anlass für den breiten Protest sei eine von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer einberufene Krisensitzung, bei der Tuttle als Reaktion auf die jüngsten politischen Eklats während des Filmfestivals offenbar die vorzeitige Kündigung drohen könne.

7. Wenn die Wahrheit stimmt, aber die Bilder lügen
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:23 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: In einem Kommentar für radioeins kritisiert der “6-vor-9”-Kurator die jüngsten Vorfälle bei ARD und ZDF, bei denen ein KI-generiertes Video im “heute journal” sowie irreführende Schnittbilder einer applaudierenden Angela Merkel im “Bericht aus Berlin” ausgestrahlt worden seien. Mit diesem Vorgehen liefere der öffentlich-rechtliche Rundfunk extremen Rechten und sogenannten Alternativmedien gefährliche Munition für ihr “Lügenpresse”-Narrativ.