Interessenkonflikte, Verkauf der Traditionsmarken, Abzocksender

1. Trump beschimpft »Atlantic«-Journalist als »Widerling« und die Europäer als »Schmarotzer«
(spiegel.de)
Gestern hatten wir in den “6 vor 9” über eine schwerwiegende Sicherheitspanne in den USA berichtet: Versehentlich wurde Jeffrey Goldberg, Chefredakteur von “The Atlantic”, in einen geheimen Gruppenchat der Trump-Regierung aufgenommen, in dem detaillierte Kriegspläne zum Jemen besprochen wurden. Nun folgt das politische und mediale Nachspiel: Während US-Präsident Donald Trump versuche, die Panne herunterzuspielen, und den Journalisten beschimpfe, gehe der Streit über den Vorfall im US-Senat weiter.

2. Schon 20 gezielte Angriffe seit Jahresbeginn
(reporter-ohne-grenzen.de)
Seit Beginn dieses Jahres dokumentierte die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) mindestens 20 gezielte Angriffe israelischer Streitkräfte auf palästinensische Medienschaffende im Westjordanland, “alle in der Nähe von Lagern für Geflüchtete”. Auch die Palästinensische Autonomiebehörde gehe repressiv gegen kritische Journalistinnen und Journalisten vor, insbesondere mit Festnahmen wegen mutmaßlicher Verbindungen zum Sender Al Jazeera. RSF-Geschäftsführerin Anja Osterhaus fordert: “Wir dürfen uns an diese Normalisierung der Gewalt nicht gewöhnen.”
Weiterer Lesetipp: Daniel Bax schreibt in der “taz” über den Tod des palästinensischen Journalisten Hossam Shabat: Reporter im Fadenkreuz (taz.de).
Und noch ein Lesetipp: Wie ebenfalls die “taz” berichtet, hat die israelische Polizei den “FAZ”-Journalisten Christian Meier im Westjordanland festgenommen: Willkür in der Westbank (taz.de, Nicholas Potter).

3. “Lieber Möbel als Zeitschriften verkaufen, oder wie?”: Das sagt die Branche zum Verkauf von Brigitte & Co
(kress.de, Marc Bartl)
RTL hat einige seiner Gruner+Jahr-Traditionsmarken (“Gala”, “Eltern”, “Brigitte”) an die Funke Mediengruppe veräußert. Marc Bartl hat sich umgehört, wie die Medienbranche auf den Ausverkauf reagiert – beziehungsweise “wie Media-Berater Thomas Koch, Carsten Erdmann (Funke), Christian Meier (Welt), Thomas Lückerath (DWDL), Maike Schiller (Hamburger Abendblatt) und Christian Bartels (MDR/Altpapier) den Groß-Deal zwischen RTL und Funke kommentieren.”

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4. Redaktionen müssen Interessenkonflikte offenlegen
(presserat.de)
Der Deutsche Presserat hat seine Richtlinien für die journalistische Arbeit in Bezug auf mögliche Interessenkonflikte geändert: “Wer journalistisch oder verlegerisch tätig ist, muss wie bisher diese Tätigkeit von anderen Funktionen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft trennen. Liegt ein Interessenkonflikt nahe, sollte die Redaktion nicht befangene Autorinnen oder Autoren für die Berichterstattung einsetzen oder zumindest den Konflikt der Leserschaft gegenüber offenlegen.” Konkrete Beispiele für die Anwendung der Vorgabe befinden sich hier.

5. Universal Music erweitert Klage gegen Internet Archive
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Die Universal Music Group habe eine Klage gegen das “Internet Archive” erweitert, weil man dort 70 bis 120 Jahre alte Schellackplatten im “Great 78 Project” digitalisiert und online gestellt habe. Der angebliche Schaden erhöhe sich damit auf 700 Millionen US-Dollar. Musikerinnen und Musiker sowie das Archiv selbst hätten die Klage kritisiert und betont, das Projekt diene dem Erhalt von Kulturgut und stelle keine ernsthafte Konkurrenz für kommerzielle Musikplattformen dar.

6. Locken, verbocken & abzocken – Wie 9Live gleich zweimal aufflog
(dwdl.de, Christian Richter)
Die aktuelle DWDL-“Telegeschichte” beleuchtet anhand zweier aufsehenerregender Vorfälle die fragwürdigen Methoden des einstigen Call-In-Senders 9Live und zeigt, wie gezielte Manipulation und Intransparenz das Geschäftsmodell prägten. Der Beitrag liefert nicht nur spannende Einblicke hinter die Kulissen, sondern dokumentiert auch eindrucksvoll den medialen und regulatorischen Umgang mit den Skandalen. Wer sich für Mediengeschichte, Fernsehkritik oder die dunklen Seiten der Fernsehunterhaltung interessiert, kommt hier voll auf seine Kosten.