Söder-Berichterstatter, Serienmüde, Gewaltfantasien des Kochbuchautors

1. Gegen die CSU hilft nur Ironie
(sueddeutsche.de, Roman Deininger)
„SZ“-Politik-Reporter Roman Deininger schreibt über seine langjährigen Erfahrungen als „Söder-Berichterstatter“, und das liest sich recht vergnüglich. In der anekdotischen Erzählung geht es auch um das wechselseitige Abhängigkeitsverhältnis von Journalismus und Politik: „Der Corona-Krisenmanager Söder braucht Journalisten, damit sie darüber berichten, wie er in einer Logistikhalle bei München Berge von Klopapier inspiziert. Die Journalisten brauchen Söder, um ihm in geilen Texten vorwerfen zu können, wie plump die Nummer mit dem Klopapier ist.“

2. Medienrechtler Schulz: „Man muss sich empören“
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 6:05 Minuten)
Der Kochbuchautor Attila Hildmann ist mitsamt seinen verqueren Weltansichten und seinem wirren Verschwörungsgerede einerseits nicht ernst zu nehmen, andererseits folgen ihm bei Telegram mehr als 60.000 Menschen, die erleben, wie Hildmann Menschen offen bedroht, dabei jedoch geschickt im Konjunktivischen bleibt. Wegen Hildmanns öffentlich geäußerter Gewaltfantasien gebe es bereits mehr als 1000 Anzeigen, doch die Äußerungen seien oft von der Meinungsfreiheit gedeckt, so der Medienrechtler Wolfang Schulz: „Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, gerade in solchen Fällen, wo sie schwer auszuhalten ist.“

3. Welche Medien nachhaltig vom Corona-Peak profitieren
(blog.medientage.de, Petra Schwegler)
Die Unternehmensberater von Deloitte haben deutsche Konsumentinnen und Konsumenten zu ihrem derzeitigen Mediennutzungsverhalten interviewt. Petra Schwegler fasst die Ergebnisse zusammen: Print und Radio seien nach wie vor unter Druck, aber die Zahlungsbereitschaft für digitale Premiuminhalte sei in der Pandemie gestiegen. 14 Prozent der Befragten hätten seit dem Lockdown neue Bezahlabonnements abgeschlossen.

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4. Edit Policy: PimEyes & Gesichtserkennung in Europa – wo bleibt der Aufschrei?
(heise.de, Julia Reda)
Julia Reda beklagt die sich rasant ausbreitende automatische Gesichtserkennung in Europa und Deutschland und sieht darin eine Bedrohung der Grundrechte. In den USA sei die Technologie zwar weiter fortgeschritten, doch der Widerstand von Zivilgesellschaft und Wissenschaft sei erheblich größer: „Dieses Engagement brauchen wir auch in Deutschland und Europa, um der rasanten Ausbreitung und Normalisierung von Gesichtserkennung etwas entgegenzusetzen.“

5. Christian Lindner: Brauchen wir wirklich noch Newsrooms?
(kress.de, Christian Lindner)
Medienberater Christian Lindner wirbt bei den Chefredaktionen und Verlagsleitungen für neue Arbeitsmodelle und Arbeitszeitmodelle: „Letztlich wird künftig mit jedem Kollegen auszuloten und maßzuschneidern sein, was für seine Tätigkeit und sein Leben ebenso wie für das Haus die optimale Variante ist. Arbeitszeiten, Anwesenheit, Anbindung, Arbeitsplatz, atmende Modelle: Alles wird flexibler, fluider, fantasievoller als vor Corona sein. Und die Erwartung der Mitarbeiter, dass ihre Chefetagen Vielfalt ermöglichen und aushalten, wird steigen.“

6. Der Siegeszug der Serien hat die Serien ruiniert
(uebermedien.de, Stefan Stuckmann)
Jetzt frei abrufbar auch für Nicht-Abonnenten: Stefan Stuckmanns lesenswerter Essay über Seriensucht und Serienmüdigkeit. Stuckmann ist selbst Fernsehautor („Switch Reloaded“, „Pastewka“, „heute-show“, „Kroymann“) und hat anderthalb Jahrzehnte alles weggebinget, was ihm auf den Bildschirm kam. Doch die Begeisterung weicht der Ernüchterung: „Das Bingen lässt uns genau jener Ungewissheit ausweichen, die gute Literatur und gute Geschichten überhaupt oft ausmachen. Netflix und all die anderen Streamer sind ein bisschen wie der nette Onkel oder die nette Tante, bei denen zuhause man so viel Schokolade essen darf wie physisch möglich – nur um ein paar Stunden später mit Bauchschmerzen aufzuwachen und dem festen Vorsatz, nie, nie wieder Schokolade zu essen.“