Coronavirus-Berichterstattung, Falscher Preis, „Spiegel“-Standards

1. Die „gelbe Gefahr“ ist zurück
(welt.de, Maximilian Kalkhof)
Mit deutlichen Worten kritisiert Maximilian Kalkhof Teile der Berichterstattung über das Coronavirus: „Vorsicht vor dem Virus ist das eine. Sie ist angebracht. Aber Diskriminierung von Menschen, die asiatisch sind oder asiatisch aussehen, ist das andere. Sie ist widerwärtig.“
Weiterer Lesehinweis: Zu einer ähnlichen Feststellung kommt Kira Ayyadi bei Rassismus gegen Asiaten (belltower.news): „Spätestens seitdem das Coronavirus auch in Deutschland gemeldet wurde, tritt der Rassismus gegen Asiat*innen und asiatisch aussehende Menschen so deutlich zutage wie selten. Selbst Medien beteiligen sich an der Stigmatisierung von Menschen nur wegen ihres Aussehens. Das kann für Betroffene ernst zu nehmende Folgen haben.“

2. Die verschenkte Dekade der Tageszeitungen
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Christian Jakubetz ist sich sicher: „Der Kampf um die Zukunft ist für die meisten Tageszeitungen in Deutschland endgültig verloren.“ Das Unangenehme: Man kann ihm nicht leicht widersprechen. Jakubetz ist ein langjähriger Medienbeobachter und hat gute Argumente für seine These.

3. Die Antworten sind vernünftig, die Fragen nicht
(spiegel.de, Nils Minkmar)
„Bild“-Chef Julian Reichelt will in einem neuen Talk-Format („Hier spricht das Volk“) mit „ganz normalen Menschen“ ins Gespräch kommen. Das geht schief, wie Nils Minkmar findet. Reichelts Gäste würden sich einfach nicht empören wollen: „Selbst das Thema Geflüchtete bringt nicht die üblichen Erregungszustände. Eine junge Frau bemerkt, sie sei selbst als Flüchtling aus Russland nach Deutschland gekommen und eine andere meint, wir sollten uns glücklich schätzen, in der Lage zu sein, den armen Menschen helfen zu können. Die Antworten sind also vernünftiger als die Fragen. Darin liegt der konzeptionelle Fehler der Sendung: Das Volk kommt zu Wort, nachdem Julian Reichelt es ihm erteilt hat, um auf eine Frage zu antworten, die ihn interessiert und solange sie ihn interessiert — und das ist arg kurz.“
PS: „Hier spricht das Volk“ hat übrigens die absolut gelungene Website hiersprichtdasvolk.de, hihi. PPS: Danke dafür an @schmidtlepp!

4. Nach Relotius: Neue journalistische Standards beim „Spiegel“
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Ein Jahr nach Relotius hat sich der „Spiegel“ neue Standards (PDF) verpasst. Der neue journalistische Leitfaden ist 74 Seiten lang und sei von insgesamt 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erarbeitet worden.

5. Lieber die taz digital lesen, statt von der taz abgehängt zu sein
(blogs.taz.de, Andreas Bull)
Bei der „taz“ macht sich der digitale Wandel samt seiner logistischen Herausforderungen für das Printprodukt bemerkbar. Noch könne die gedruckte „taz“ überall im Land zugestellt werden, doch das werde nicht mehr lange der Fall sein: „Wir ahnen, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis (…) sich dann weiße Flecken auf der Landkarte ausbreiten, in denen die taz nicht mehr gelesen werden könnte. Was können die Leute im Thüringer Wald dafür, wenn ihnen weder Post noch lokaler Trägerdienst die taz in den Briefkasten bringen will?“

6. Rassistische Journalistin flog für falschen Preis nach Prag
(kurier.at)
Die Journalistin Katie Hopkins hetzt bevorzugt gegen Muslime, Homosexuelle und Feministinnen und hat es damit in Großbritannien zu trauriger Berühmtheit gebracht. Nun hat sie ein südafrikanischer Youtuber gefoppt und zu einer angeblichen Preisübergabe in ein Prager Luxushotel gelockt: „Als sie den Preis annahm, leuchtete auf einer Leinwand hinter Hopkins der Schriftzug ‚Campaign to Unify the Nation Trophy‘ mit gefetteten Initialen auf. Die Abkürzung ‚Cunt‘ ist auf Englisch eine üble sexistische Beleidigung.“ Hier der Videomitschnitt der würdevollen Verleihung (youtube.com, 10:10 Minuten).