Asylbewerber vs. „Bild“, Google-Geld, Doku-Komparsen üblich?

1. Asylbewerber gegen Springer
(taz.de, Markus Kowalski)
„Abgeschoben, Einreisesperre, illegal zurück und trotzdem Stütze“ — so schrieb „Bild“ auf der Titelseite über den Asylbewerber Alassa M. Gegen die seiner Ansicht nach falsche Berichterstattung geht M. nun mit Hilfe eines Anwalts vor, der den „Bild“-Artikel als „mediale Hetze“ bezeichnet (BILDblog berichtete): „Meiner Meinung nach hat der Artikel eine Pranger-Wirkung, die die Persönlichkeitsrechte meines Mandanten verletzen.“ Die „Bild“-Redaktion hatte außerdem die Karlsruher Flüchtlingsunterkunft gezeigt, in der M. lebt. Nun habe M. Angst, dass er dort angegriffen werde.

2. Auch Überflieger können abstürzen
(medienwoche.ch, René Zeyer)
Das crowdfinanzierte Online-Medium „Republik“ legte vor etwa einem Jahr einen spektakulären Start hin: Rund 16.000 Abonnenten und Spender sorgten dafür, dass die Neugründung mit knapp sieben Millionen Euro Anfangskapital ausgestattet war. Die aktuellen Zahlen zeigen jedoch, dass das Projekt bei weitem kein Selbstläufer ist. René Zeyer hat sich angeschaut, wie es bei „Republik“ und den anderen Online-Medien läuft.

3. Geld von Google ist nicht die Lösung: Die Presse muss sich durch Kunden finanzieren
(nzz.ch, Ronnie Grob)
Die Schweizer Verleger wollen Google mit dem Leistungsschutzrecht zur Kasse zu bitten. Ronnie Grob sieht darin mittel- bis langfristig nicht die Lösung: „Mit Gratisinhalten werden sich im Internet auf lange Frist womöglich nur einige wenige Firmen mit Werbung refinanzieren können. Die Schweizer Verleger sollten vielmehr damit beginnen, konsequent Geld zu verlangen für die eigentliche Leistung, die ihre Journalisten erzeugen, den Journalismus. Hören sie damit auf, gegenüber der Werbewirtschaft zufälligen Traffic zu verkaufen, können sie neu jene klar umrissene Gruppe bewerben, die bereit ist, ein Abonnement zu lösen. Diese zahlenden Leser sind treue, interessierte, aufmerksame Kunden und keine herangespülten Zufallsleser, die sowieso nicht bereit sind, Geld auszugeben.“

4. Die verlogene David-Berger-PR des WDR und seine ärgerliche Homophobietradition
(nollendorfblog.de, Johannes Kram)
Der WDR ist in den sozialen Medien für die Entscheidung kritisiert worden, David Berger zu den „Tischgesprächen“ einzuladen, und hat sich dafür mit einer Stellungnahme verteidigt. Johannes Kram hat dem WDR daraufhin einen offenen Leserbrief geschrieben: „(…) selbst, wenn Ihr denkt, Euch hier auf die Seite von Berger schlagen zu müsssen und in seiner Ankündigung dessen Täter-Opfer-Umkehr-Rethorik übernimmt, in dem ihr so tut, als würde man ihn für seinen „Mut“ kritisieren und nicht für seinem Hass (merkt Ihr nicht, welchem populistischem Narrativ Ihr hier aufgesessen seid?); selbst wenn Ihr das rassistische, homophobe und islamfeindliche Geschreibsel wirklich nicht für rassistisch, homophob und islamfeindlich haltet, warum teilt Ihr dann Euren HörerInnen nicht wenigstens mit, was das eigentlich ist, was ihm da vorgeworfen wird?“
Zum Hintergrund: Wie ein schwuler Theologe zum Sprachrohr von AfD, IB und Co. wurde (belltower.news, Stefan Lauer).

5. Offener Brief an Online-Redaktionen und Journalisten
(facebook.com/ichbinhierDerVerein, Alex Urban)
Die Aktionsgruppe #ichbinhier wendet sich mit einem offenen Brief an Online-Redakteure von reichweitenstarken Facebookseiten: „Eure Kommentarspalten werden mit Desinformationen, Aufrufen zu Gewalt, aufhetzenden Kommentaren, Lügen und Verdrehungen geflutet. Es fehlen Klarstellungen! Vor allem aber fehlen Aufforderungen zur Unterlassung und das Sanktionieren von Beleidigungen und Beschimpfungen. Was soll denn das?“

6. „Quote wollen sie dann nämlich schon immer gern“
(sueddeutsche.de, Aurelie von Blazekovic)
Der WDR hat sich von einer Autorin getrennt, die wegen drei Dokus in die Kritik geraten war, in denen unter anderem Komparsen eingesetzt wurden. Die Autorin hat das Vorgehen, bei Dokus und Reportagen auf Komparsen zurückzugreifen, gegenüber der „SZ“ verteidigt: „Das ist üblich. Viele TV-Sender und Produktionsfirmen suchen ihre Protagonisten bei komparse.de.“ Sie sei seit 25 Jahren „gut im Geschäft“ und habe nicht gewusst, dass das laut ihrer Aussage branchenübliche Vorgehen der Komparsenanheuerung beim WDR nicht geduldet werde.