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Horizontal, unterirdisch

Sibel Kekilli hat vor dem Berliner Landgericht einen Prozess gegen “Bild” gewonnen. Wie der “Tagesspiegel” berichtet, hatte “Bild” einem Foto von ihr eine Denkblase hinzugefügt, in der stand: “Nie geraucht! Nie getrunken! Nur die paar Pornos…” “Bild” argumentierte, die Denkblase mache deutlich, dass es sich nicht um ein Zitat der Schauspielerin handele. Kekilli fand, das Gegenteil sei der Fall. Das Gericht auch. 

Dabei ist das Blatt doch so gründlich! Berichtet über den “Star und die Porno-Szene”, das “Film-Früchtchen”, das seine Sex-Erfahrung “im preisgekrönten Berlinale-Film gut verwenden konnte”, von dem sich Schwester und Eltern abwandten. Selbst im Bericht über ihren Triumph beim Deutschen Filmpreis vergißt “Bild” nicht den Hinweis, daß sie “ihre Karriere horizontal begann”. Ein “Bild”-Artikel, der ausführlich aus einem Interview Kekillis mit der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” (FAS) zitiert, steht online unter der Adresse “…porno__diva__sibel…”. Darüber erscheinen je nach Tageszeit Sex-Werbebanner, mit denen Bild.de sein Geld verdient: 1, 2, 3 (Ausschnitte). Die Bild.T-Online-Suchmaschine wirft zum Stichwort “Kekilli” noch vor den redaktionellen Beiträgen zwei Links zu Sexshops aus, die mit Pornos mit Kekilli werben.

Diese Aussage Kekillis im FAS-Interview zitierte “Bild” nicht: “Die ‘Bild’-Zeitung sagt mir zum Beispiel: Wir wollen jetzt an deine Eltern ran. Aber wir können sie in Ruhe lassen, wenn du uns ein Interview gibst. Ich laß mich ganz bestimmt von denen nicht erpressen.

Nachmacher!

Also, das mit dem Abschreiben geht so.
Erst läuft eine Sendung im WDR, die man offensichtlich auch vorher schon sehen konnte. Die guckt man sich als Journalist aber nicht an, weder vorher noch zur Ausstrahlung. Die “Bild”-Zeitung hat’s aber gesehen und bringt zwei Tage später einen Bericht, der ein bisschen zugespitzt, aber nicht ganz falsch ist, und einfach die Zeitangabe, wann denn der Herr Stuckrad sich so über die Frau Engelke ausgelassen hat (schätzungsweise vor einem jahr), weglässt. Das lesen dann diverse Kollegen, spitzen’s noch ein wenig zu, indem sie die Zeitangabe einfach erfinden und in die Gegenwart verlegen (“…leidet noch immer…”) und zitieren korrekter-, aber absurderweise als Quelle für die Zitate nicht den WDR, sondern “Bild”.

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