Suchergebnisse für ‘BILD’

Weder wörtlich noch sinngemäß

Schon vor dem Beginn der Leipziger Buchmesse hatte “Bild” den ersten “Buchmesse-Skandal” ausgemacht. Der Gryphon-Verlag hatte eine Lesung mit Suzanne von Borsody und Karsten Speck abgesagt, und “Bild” glaubte auch zu wissen, warum: Weil Speck wegen Betrugs im Gefängnis sitzt (allerdings als Freigänger tagsüber raus darf). Die Zeitung zitierte die Verlagsmitarbeiterin Angelika Ruge am 16. März 2006 mit den Worten:

“(…) Herr Speck ist in der letzten Zeit nicht gerade positiv in Erscheinung getreten. Das paßt einfach nicht in unser Konzept.”

Frau Ruge sagt allerdings, sie habe sich nie so geäußert, weder wörtlich noch sinngemäß. Speck sei auch “nicht ausgeladen worden”. Die Hörbuch-Präsentation sei “in gegenseitigem Einvernehmen abgesagt” worden, und das habe “nichts mit der aktuellen persönlichen Situation” von Herrn Speck zu tun.

All das sagt nicht nur Frau Ruge, es bestätigen auch Kurt Stellfeld, der Inhaber des Gryphon-Verlages, und Karsten Speck selbst. Und so steht es auch in einer Gegendarstellung in der heutigen “Bild”, die alle gemeinsam durchgesetzt haben.

Noch ‘ne Torte

Okay, okay, wir machen noch einen letzten Versuch:

Sinn und Zweck eines Torten- oder auch Kreisdiagramms ist es, das Verhältnis einzelner Teile zueinander und zu einem Ganzen darzustellen. Das heißt, dass alle Tortenstücke zusammen auch tatsächlich das Ganze ergeben müssen. Verstanden?

Testfrage: Was ist also falsch an diesem Tortendiagramm:

“Nix!”, wird jetzt vermutlich der diensthabende Zuckerbäcker von Bild.de sagen, weil die Torte ja schön rund ist, oder so. Und das ist leider falsch. Denn bei Angaben in Prozent muss das Ganze immer 100 ergeben und nicht, wie hier, bloß 80 (kleine Eselsbrücke: statt Prozent sagt man auch “von Hundert”). In der Hoffnung, dass das zukünftig besser klappt, hier noch ein paar Übungsaufgaben.

Mit Dank an Johannes B. für den sachdienlichen Hinweis.

Nachtrag, 6.4.2006: Bei Bild.de hat man sich mal wieder entschieden, die falsche Tortengrafik nicht zu korrigieren, sondern lieber einenSatz drunter zu schreiben, der das wohl ausgleichen soll (siehe Ausriss). Entweder ist also der Mathe-Stoff für Realschüler der 6. Klasse zu schwer für die Zuckerbäcker von Bild.de, oder es war auch hier keine Grafik zur Hand, die zufällig auf das Umfrageergebnis passte.

Nachtrag, 6.4., 12.40 Uhr: Unsere Bemühungen waren also doch nicht umsonst. Bei Bild.de hat man tatsächlich eine neue und endlich korrekte Torte* gebacken:

*) Nachtrag, 6.4., 13.20 Uhr: Okay, da waren wir wohl zunächst etwas zu begeistert. Wie zahlreiche unserer Leser richtig anmerken, ist die Torte nämlich nur auf den ersten Blick “korrekt”. Die Größenverhältnisse der Tortenstücke zueinander stimmen indes immer noch nicht. Und das liegt daran, dass die zusätzlichen 20 Prozent einfach bei Jens Lehmann abgezwackt wurden. So geht’s natürlich auch nicht.

“Ich lese die ja nur wegen des Sportteils”

Wenn wir noch einmal kurz auf den vergangenen Bundesliga-Spieltag zurückkommen dürfen…

Es war dann nicht nur ein haarsträubender Bild.de-Artikel. Auch die beiden Kollegen von der gedruckten “Bild am Sonntag” haben beim Spiel Gladbach — Dortmund Erstaunliches notiert:

Kehl bekommt die Kugel nicht aus dem 16er, Rafael hält aus 12 Metern drauf. Brzenska fälscht ab — 2:1 (35.).

Nur stand Brzenska gar nicht auf dem Platz. Er war nach der fünften Gelben Karte gesperrt.

Danke an Christian W. für den Hinweis!

Kurz korrigiert (91)

“Drama um Brasiliens Trainer-Idol”, steht bei Bild.de. Und anders als dort behauptet wird, war es nicht Telé Santana, “der die brasilianische Nationalmannschaft 1982 und 1986 zum WM-Titel führte”. Tatsächlich führte nämlich in beiden Jahren niemand die Brasilianer zum WM-Titel. 1982 schied Brasilien in der Zwischenrunde aus und 1986 im Viertelfinale. Immerhin: Santana war tatsächlich in beiden Jahren Trainer Brasiliens.

Mit Dank an Armin D. für den sachdienlichen Hinweis.

Nachtrag, 21.15 Uhr: Bild.de hat die Meldung mittlerweile korrigiert. Jetzt ist Santana nur noch der Trainer, der die Brasilianer “bei der WM begleitete”.

1,3 Prozent mehr Milch für Mädchen

Am Dienstag vergangener Woche kündigte Bundestagspräsident Norbert Lammert an, den Fraktionen vorzuschlagen, dass die Diäten der Bundestagsabgeordneten in den nächsten Jahren um den gleichen Prozentsatz steigen sollen wie die Einkommen der übrigen Erwerbstätigen.

Gestern machte er diese Ankündigung wahr. Weil die Einkommen in Deutschland im vergangenen Jahr im Schnitt um 1,3 Prozent gestiegen sind, sollen auch die Abgeordneten 1,3 Prozent mehr bekommen.

Und Bild.de schafft es, einen Artikel über diese Umsetzung einer Ankündigung mit den Worten einzuleiten:

Schlechtes Gewissen oder Rückbesinnung zur Bescheidenheit?

Eine Frage, die schlicht keinen Sinn ergibt. Sie suggeriert, dass sich die Abgeordneten in den vergangenen Jahren sehr viel mehr “gegönnt” haben. Tatsächlich haben die Abgeordneten in den vergangenen beiden Jahren auf eine Diätenerhöhung verzichtet (“Nullrunde”).

Mit anderen Worten: Die “Bild”-Zeitung ist immer noch nicht bereit, den von ihr seit Jahren geführten und seit einigen Wochen intensivierten Kampf für eine grundsätzliche Neuregelung von Politiker-Diäten und -Alterversorgung mit fairen Mitteln zu führen.

Bild.de schreibt:

Allerdings sind 1,3 Prozent von 7000 Euro immer noch deutlich mehr Geld als 1,3 Prozent eines durchschnittlichen Angestellten-Einkommens von 1800 Euro.

Der Satz beschreibt nicht nur bedeutungsschwanger, was doch nur grundlegendes Prinzip der Prozentrechnung ist. Er ist auch falsch. Denn das durchschnittliche Angestellten-Einkommen betrug im vergangenen Jahr nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 3452 Euro.

Woher Bild.de die Zahl 1800 Euro hat, wissen wir nicht. Von der Größenordnung her könnte es sich allenfalls um das Nettoeinkommen handeln. Aber ist es denkbar, dass “Bild” einfach das Brutto-Einkommen eines Abgeordneten mit dem Netto-Einkommen eines Angestellten vergleicht, um besonders krasse Unterschiede zu produzieren?

Aber ja.

Danke auch an Holger R.

Kurz korrigiert (90)

Wahrscheinlich wollte “Bild” ihren Lesern ja bloß eine Vorstellung davon geben, dass der Kongo ein ungeheuer großes Land ist. Und deshalb steht in einem Text über den anstehenden Bundeswehreinsatz im Kongo dieser Satz:

Der Kongo (früher Zaire) ist fast so groß wie Europa.

Fragt sich bloß, was genau “Bild” mit “fast” meint. Die Demokratische Republik Kongo (und um die geht es hier wohl) jedenfalls passt mit ihren gut 2,3 Millionen Quadratkilometern Fläche über viereinhalb mal in Europa (~10,5 Millionen qkm). Aber womöglich meint “Bild” ja die Europäische Union, wenn sie Europa schreibt. Die hat allerdings eine Fläche von rund vier Millionen Quadratkilometern. Das wiederum bedeutet beispielsweise, dass die Fläche Deutschlands locker viereinhalb mal in das “fast” von “Bild” passt. Da kann man von “fast” eigentlich fast nicht mehr sprechen.

Mit Dank an Hannes für den sachdienlichen Hinweis.

“Staunen über Daunen”

Nette Idee eigentlich von Bild.de, die heutige Titelschlagzeile der “Bild”-Zeitung (“Loriot – Rührender Abschied vom TV!”) mit einer Bilderschau (“Loriot: Seine schönsten Sketche in Bildern”) anzureichern. So gehört sich das für die “multimediale Erweiterung von BILD”, auch wenn “Bild” sich bei Bedarf gern mal von Bild.de distanziert.

Problematisch wird das Ganze allerdings, wenn Bild.de unter einen der “schönsten Sketche” schreibt:

Staunen über Daunen! In "Pappa ante Portas" schenkt Loriot einer älteren Dame - wie übrigens auch die übrige Verwandschaft -- wärmende Bettwäsche

Denn offenbar hat der zuständige Fotobetexter bei Bild.de den Film “Pappa ante Portas” nie gesehen. Die abgebildete Szene zeigt nämlich etwas derart anderes, dass sich nicht einmal aufzuschreiben lohnt, was eigentlich. Deshalb nur soviel: Loriot (rechts im Bild in seiner Rolle als “Heinrich Lohse”) “schenkt” darin keiner “älteren Dame” wärmende Bettwäsche. Ebensowenig handelt es sich bei den übrigen drei Personen um “die übrige Verwandschaft”, sondern um Lohses Haushälterin (links im Bild) und zwei Hausierhändler für handgefertigte Wurzelbürsten und Badezusatz (Bildmitte).

Mit anderen Worten: Bild.de hat sich bei der Betextung des Fotos einfach was ausgedacht, zurechtfantasiert, ja, man könnte auch sagen: die Bild.de-Leser belogen. Das ist in diesem Fall natürlich nicht sonderlich schlimm, aber natürlich mal wieder gut zu wissen.

Mit Dank an Le-Grex und Joachim W. für den Hinweis.

Nachtrag, 15.07 Uhr: Wie kommt’s? Plötzlich heißt es bei Bild.de zu dem Foto nur noch:

Loriot in einer Szene aus "Pappa ante Portas"

Nachtrag, 15.20 Uhr: Ach ja, und dann sei an dieser Stelle (mit Dank an Henning B. für den Hinweis) vielleicht doch noch nachgetragen, dass auch die Betextung eines weiteren Fotos (Bild.de schreibt: “Poetische Panne! Im Film ‘Pappa ante Portas’ spielt Loriot u.a. einen Schriftsteller mit Sprachfehler — wir hatten Lach-Tränen in den Augen”) so nicht richtig ist. Loriot, hier in der Rolle des Schriftstellers Lothar Frohwein, hat mitnichten einen Sprach- oder besser Sprechfehler, sondern einen lästigen Schluckauf. Als Alternativtext empfehlen wir deshalb auch hier: “Loriot in einer Szene aus “Pappa ante Portas”.

Nachtrag, 16.30 Uhr (und abermals mit Dank an gleich mehrere Hinweisgeber): In einem “Damenhut-Geschäft” spielt diese in der Kulisse einer Damenunterwäsche-Abteilung gedrehte Szene aus “Pappa ante Portas” auch nicht.

Allgemein  

Kurz korrigiert (89)

Holla, der Ziehungsbeauftragte von Bild.de macht auch vor nichts halt: Laut Bild.de nämlich ist Helmut Kohl, Trauzeuge des Kohl-Biografen und “Bild”-Chefs Kai Diekmann, deutscher Bundeskanzler von 1982 bis 1998 und geboren am 3. April 1930, gestern, an seinem 76. Geburtstag, 78 Jahre alt geworden.

Mit Dank an maxmen für den Hinweis.

Nachtrag, 11.30 Uhr: Nachdem wir auf den Fehler aufmerksam gemacht haben, hat Bild.de ihn korrigiert.

Nachtrag, 18.12 Uhr: Oha, fast hätten wir’s übersehen: Der Fehler stammt gar nicht von Bild.de, sondern war dort nur unbedacht und ungeprüft übernommen worden. Ursprünglich steht er heute im Aufmacher von Seite 2 der gedruckten “Bild”. Und wie die gedruckte “Bild” den Fehler korrigiert, sind wir mal gespannt

Kurz korrigiert (88)

In seiner beliebten VersuchsReihe “Wie viele Fehler passen in einen einzigen Artikel” widmet sich Bild.de aktuell einer wilden Geburtstagsparty, die die Tochter von “Fergie” laut “Sun” veranstaltet haben soll.

  • Bild.de nennt die Mutter “Sarah Fergusen“, richtig schreibt sich der Nachname: Ferguson.
  • Bild.de nennt die Tochter “Prinzessin Eugenie Fergusen”, richtig lautet ihr Name: Prinzessin Eugenie von York. Ferguson ist der Mädchenname ihrer Mutter.
  • Bild.de nennt das Anwesen “Sunnhill Park”, richtig heißt es: “Sunninghill Park”.
  • Bild.de nennt das Thema der Party “Piraten der Karibik”, richtig übersetzt hätte es im konkreten Fall wohl “Fluch der Karibik” lauten müssen.

Danke an Veronika S. und Valeri K. für die Hinweise!

Nachtrag, 11.05 Uhr. Und, schwupps, sind alle Fehler korrigiert.

Nachtrag, 3. Januar 2007. …bis auf den zentralen.

0:4

Wir unterbrechen unser Programm für eine Warnmeldung: Im Bundesliga-Spielbericht von Bild.de kommt Ihnen eine Reihe von Falschmeldungen entgegen. Bitte weichen Sie nach Möglichkeit auf andere Informationsquellen aus. Wir informieren Sie, sobald die Gefahr gebannt ist.

Bayern – Köln. Bei Bild.de heißt es:

Poldi flankt – Feulner köpft das Leder aus abseitsverdächtiger Position ins Tor.

Richtig ist: Scherz köpft, Feulner schießt.

Bayern – Köln. Bei Bild.de heißt es:

Makaay bedankt sich, macht endlich mal wieder ein Tor.

“Endlich mal wieder”? Roy Makaay hat auch am letzten Spieltag ein Tor gemacht. Und am Spieltag davor.

Gladbach – Dortmund. Bei Bild.de heißt es:

Nach einer Ecke von Oliver Neuville kommt Nando Rafael in der 6. Minute völlig frei zum Schuß, zieht aus 10 Metern ab!

Richtig ist: Es war kein Schuss, sondern ein Kopfballtor.

Gladbach – Dortmund. Bei Bild.de heißt es:

Nach einem Gladbacher Elfmeter kriegen die Dortmunder den Ball einfach nicht unter Kontrolle. Am Ende macht Rafael sein zweites Tor.

Richtig ist: Es war kein Elfmeter, sondern eine Ecke.

Vielen Dank an Thomas H. für den Hinweis!

Nachtrag, 3. April. Am Sonntagnachmittag hat Bild.de die Fehler korrigiert.

Blättern:  1 ... 993 994 995 ... 1085