Schon möglich, dass der WM-Mannschaftsbus “uns” (also “Bild”) nicht gefällt. Das ist aber noch lange kein Grund, in einem Artikel zum Thema “Was soll der Stuß mit unserem Bus?” zu behaupten:
“Gebaut wurde er von Mercedes, drauf steht aber WM-Sponsor Hyundai (baut keine Busse).” (Hervorhebung von uns.)
Manchmal, da sind die Leute von “Bild” schon auf genau der richtigen Fährte zum Kern einer Geschichte und kommen dann kurz vor dem Ziel doch noch vom Weg ab.
Fünf Wochen vor Anpfiff der Fußballweltmeisterschaft haben die USA vor Terroranschlägen in Deutschland gewarnt! (…)
Nach BamS-Informationen wurden Bundesregierung und Sicherheitsdienste von der am Freitag veröffentlichten Mitteilung völlig überrascht. Aus Washington war kein Hinweis gekommen — obwohl es üblich ist, vor Terrorwarnungen die betreffenden Staaten in Kenntnis zu setzen.
An dieser Stelle hätten die drei Autoren des Artikels ahnen können, dass an ihrer Geschichte etwas faul ist. Denn wenn es “üblich ist”, vor Terrorwarnungen die betreffenden Staaten in Kenntnis zu setzen, das in diesem Fall aber nicht geschah, könnte das natürlich einfach bedeuten, dass es sich hier gar nicht um eine neue “Terrorwarnung” handelte.
Der “Bild am Sonntag”-Artikel bezieht sich auf eine Informationsbroschüre zur Fußball-WM — in exakt gleicher Form warnt die Behörde aktuell zum Beispiel Studenten, die in den Frühjahrsferien nach Mexiko reisen, dass dort regelmäßig US-Bürger tödlich mit den Auto verunglücken, von Balkonen oder in Gruben fallen oder im Hotelpool ertrinken.
Die Broschüre zur Fußball-WM enthält nur ganz allgemeine Warnungen wie die, dass solche Massenereignisse “grundsätzlich” ein Ziel von Terror-Anschlägen sein können (und dass “emotionsgeladene Sportereignisse” generell “unvorhersehbar” seien). “Konkrete, glaubwürdige terroristische Drohungen” gebe es nicht. Dieser Satz findet sich schließlich auch im “Bild am Sonntag”-Artikel — aber erst, nachdem die drei Autoren gründlich den gegenteiligen Eindruck erweckt haben.
Wir hatten gehofft, dass sich die Mitarbeiter von “Bild” und Bild.de durch unsere Arbeit angespornt fühlen, weniger Fehler zu machen. Stattdessen machen sie nicht weniger Fehler als bisher, korrigieren sie aber bei Bild.de schneller, sobald wir darüber berichtet haben. Offenbar hat sich Bild.T-Online entschieden, BILDblog als eine Art externe Schlussredaktion oder Korrektorat zu benutzen. Deshalb halten wir für das Nutzen dieser Dienstleistung eine Honorierung für angemessen und haben eine Rechnung an Bild.T-Online geschickt.
Geld haben wir bisher nicht erhalten, eine Erklärung auch nicht. Aber der “Spiegel”, der für seine heutige Ausgabe beim Unternehmen nachfragte, bekam immerhin eine Stellungnahme von dessen Sprecher Tobias Fröhlich: “Wir hatten immer gedacht, die selbsternannten ‘Bild’-Wächter kämpften ehrenamtlich für besseren Journalismus — scheinbar* geht es ihnen aber doch eher ums Geldverdienen.”
Wir glauben, anders als Springer, dass es sich nicht ausschließt, Geldzuverdienen und guten Journalismus zu machen. Wenn Bild.T-Online die Rechnung bezahlt, werden wir das Honorar dennoch selbstverständlich für einen guten Zweck spenden.
Die Brennstoffzelle macht das U-Boot flüsterleise und für ein Sonar fast unhörbar.
Anlässlich der Rekordtauchfahrt des deutschen U-Boots “U 32” steht dieser Satz heute bei Bild.de. Er stimmt nicht. Das “Flüster-U-Boot” (Bild.de) fährt nämlich unter Wasser wie alle U-Boote der Bundesmarine* mit (leisem, für Sonare schwer zu ortendem) Elektroantrieb. Und leiser als die Batterien, mit denen die Motoren der alten 206A-Boote betrieben werden, ist natürlich auch die geräuschlose Brennstoffzelle von U 32 nicht.
“Flüsterleise” macht das Boot vielmehr seine Schiffsschraube. Die nämlich wurde, wie uns ein Sprecher des Flottenkommandos der Marine in Glücksburg erklärt, “optimiert, so dass sie nicht mehr kavitiert“.
Dank an Jonas D. für die Anregung.
Nachtrag, 28.4.2006: Auch Unsinn ist übrigens dieser Bild.de-Satz:
Das Geheimnis des Boots ist ein Hybrid-Motor, der sowohl mit Diesel-Treibstoff als auch mit Strom betrieben werden kann.
Die Boote haben einen Elektromotor, der die Schraube antreibt. Dieser bekommt seinen Strom entweder von den Brennstoffzellen oder von einem Dieselgenerator oder nur aus den Batterien.
*) Die Marine heißt nicht mehr “Bundesmarine”, wie wir schrieben, sondern “Deutsche Marine”.
“3920 Bürger klagten über den
Mißbrauch der Macht bei der EU” (Hervorhebung von uns.)
Aber auch andere Medien berichten dieser Tage über die vielen Beschwerden/Anfragen/Reklamationen/Fälle, mit denen es der EU-Ombudsmann 2005 zu tun hatte, und selbst Freenet.de z.B. gelingt es, den Sachverhalt mit freundlicher Unterstützung der dpa korrekt zusammenzufassen:
“Tausende Bürger beklagen alljährlich Ungerechtigkeiten, Machtmissbrauch und sonstige Missstände bei der EU-Kommission und anderen europäischen Einrichtungen.”
Nur “Bild” (also ausgerechnet “Europas größte Tageszeitung”) kriegt’s mal wieder nicht hin, den EU-Sachverhalt heute auf ihrer Titelseite sinnvoll wiederzugeben. Stattdessen heißt es dort:
Im Oktober 2004 wurde eine Bank in Siegelsbach überfallen. Der Täter tötete dabei eine Person und verletzte zwei lebensgefährlich. Angeklagt wurde ein Bäcker aus dem Ort. Vergangenen Freitag wurde er freigesprochen.
Bei Bild.de wird daraus “Deutschlands merkwürdigster Freispruch”. Eine Einschätzung, die durchaus nachvollziehbar ist — zumindest, wenn man nur das liest, was Bild.de dazu schreibt. Denn Bild.de ignoriert fast alles, was den Bäcker entlastet.
Etwas anders sieht es aus, wenn man in die “Heilbronner Stimme”* schaut. Sie berichtet ausführlich über den Fall und zitiert aus der Urteilsbegründung des Gerichts. Dabei erwähnt sie, anders als Bild.de, belastende und entlastende Momente.
Wer will, kann also nach Lektüre der “Heilbronner Stimme” den Freispruch “merkwürdig” finden oder nicht. Vor allem aber kann er das Urteil deswegen merkwürdig finden, weil es so klar ausfiel. Das Gericht hat den Angeklagten nämlich, wie uns das Landgericht Heilbronn bestätigt, wegen “erwiesener Unschuld” freigesprochen — und nicht, wie Bild.de fälschlich schreibt, “nach dem Grundsatz: im Zweifel für den Angeklagten”.
Als Paul C. Martin in der “Bild”-Zeitung vom 11. April in einer Buchrezension behauptete, die Buchautoren hätten “jetzt (…) sämtliche Quellen zusammengetragen und mit vertraulichen Informationen zu einem makabren Puzzle zusammengefügt”, war daran insofern nichts auszusetzen, als das Buch tatsächlich am 11. April in den Buchhandel kam.
Heute nun, 14 Tage später, rezensiert Paul C. Martin in “Bild” ein anderes Buch:
“Jetzt ist der Maritim-Experte Klaus Hympendahl in einem sensationellen neuen Buch der Sexualität auf den Weltmeeren nachgegangen (…).”
Und das ist insofern gelogen eine für“Bild”-Verhältnissebekanntermaßenzwarhalbwegsdurchschnittliche,abernachwievor bemerkenswerte Auslegung des kleinen Wörtchens jetzt, weil andernorts beispielsweise schon vor einem Vierteljahr nachzulesen war, welche Sensationen Hympendahl in seinem neuen Buch “jetzt belegt” habe, und uns der Heel-Verlag auf Anfrage mitteilt, das Buch sei “Anfang/Mitte Dezember letzten Jahres erschienen”*.
Mit Dank an Frank S. für den Hinweis.
*) Nachzulesen ist der Erscheinungstermin übrigens auch, wenn man bei Bild.de auf die Ebay-Anzeige im Artikel klickt.
Die Explosion von mehreren Bomben im ägyptischen Urlaubsort Dahab illustriert Bild.de in einem großen Teaser und im Artikel mit einem Foto, das eine explodierende Autobombe in der irakischen Hauptstadt Bagdad zeigt.
Danke an Philipp F., Wolfgang K. und noctullux!
Nachtrag, 10.10 Uhr.Bild.de hat das falsche Foto ausgetauscht.
Ähm, anders als Bild.de aus aktuellem Anlass behauptet, lautet die erste Zeile der britischen Nationalhymne im englischen “Originaltext” natürlich nicht !
Mit Dank an Fabian L. für den Hinweis.
Nachtrag, 16 Uhr: Erstaunlich! Obwohl wir gar nicht ausdrücklich dazugeschrieben haben, wie denn die erste Zeile der britischen Nationalhymne wirklich im Originaltext heißt, ist es Bild.de gelungen, den Fehler im Anschluss an unseren Eintrag zu korrigieren.
Nachtrag, 17.23 Uhr: Es sei — mit Dank an Carsten W. für den Hinweis — hier noch schnell nachgetragen, dass in dem Bild.de-Artikel (über die mangelhaften Fremdsprachenkenntnisse einer britischen Boulevardzeitung anlässlich einer “Initiative des englischen [sic] Außenministeriums”) ein gewisser “Außenminister Lord David Triesman” erwähnt wird, obwohl es unseres Wissens in Großbritannien doch überhaupt keinen AußenministerLord David Triesman gibt.
Kommt ein Mann zum Arzt und klagt über Kopfschmerzen. Kein Wunder: In seinem Schädel stecken zwölf Stahlstifte. Am Tag zuvor hatte sie sich der Mann mit einer Nagelmaschine selbst in den Kopf geschossen. Der Patient wird operiert und behält keine bleibenden Schäden zurück.
Nur in “Bild” ist die Geschichte noch unglaublicher. Um nicht zu sagen: falsch.
Bei “Bild” war man offenbar nachhaltig verwirrt von der Tatsache, dass sich all das, der Selbstmordversuch, der Krankenhausbesuch und die gelungene Operation, schon vor einem Jahr abgespielt hat — die Geschichte wurde erst jetzt in einem medizinischen Fachmagazin veröffentlicht. Aber “Bild”-Leute sindesbekanntlichnichtgewohnt, dass es Dinge gibt, die nicht “jetzt” passieren, und packten die Zeitangabe mit dem einen Jahr an eine Stelle, an der sie viel eindrucksvoller ist.
Und so hat “Bild” heute weltexklusiv die Geschichte von dem Mann, der ein ganzes Jahr lang mit Nägeln im Kopf durch die Gegend rannte: