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Genug gerettet

Wir haben zwar nur noch 13 Jahre, um die Erde zu retten (siehe “Bild” vom 23.2.). Aber “Bild” hält nicht mal 14 Tage durch und titelt heute:

"Wir sollen nicht mal mehr in Urlaub fliegen!"

Und wer ist Schuld? Unsere Politiker natürlich, die sich mit immer neuen Vorschlägen zur Rettung der Erde überschlagen! So jedenfalls steht’s heute in “Bild”:

Jetzt überschlagen sich unsere Politiker mit immer neuen Vorschlägen zur Rettung der Erde! Aber sind alle auch wirklich sinnvoll?

Umweltexperten und Spitzenpolitiker aller Parteien plädieren für mehr Urlaub in Deutschland – statt Flugreisen in alle Welt. Im Klartext: Wir sollen auf Mallorca verzichten!

(…) DOCH RETTE ICH WIRKLICH DIE ERDE, WENN ICH NICHT MEHR IN DEN URLAUB FLIEGE?

(…) Der Flugverkehr verursacht laut Touristikbranche gerade mal ein Prozent des weltweiten Ölverbrauchs.

Aha! In letzter Zeit las sich das noch ganz anders. Da überschlug sich “Bild” mit immer neuen Vorschlägen zur Rettung der Erde (siehe hier, hier und hier) und u.a. mit diesem:

"Auf häufige Flugreisen verzichten (pumpen Abgase direkt in die Atmosphäre)" - "Die Flüge müssen weltweit eingeschränkt werden" - "Flugreisen umplanen: Weniger Flugreisen (dafür lieber länger vor ort bleiben) oder Touren im Deutschland (möglichst mit dem Zug)"

Vermutlich bastelt man bei “Bild” schon emsig an einer großen “Klima-Wut”-Kampagne.

Ihre Anschrift und Ihr Geld ist gefragt!

Die “Bild am Sonntag” möchte gerne meine Meinung wissen. Genauer: Die “Klima-Kommissarin” der Zeitung, Eva Goris, die mich (und mutmaßlich Millionen anderer “BamS”-Leser) deshalb in einer Beilage zur heutigen Ausgabe streng anschaut.

Was Frau Goris von mir wissen will, steht im Fragebogen im Inneren der Beilage. Ob ich für ein allgemeines Tempolimit auf deutschen Autobahnen bin, zum Beispiel. Oder ob der Klimawandel meiner Meinung “nach eine ernste Gefahr für den Planeten” ist. Bei einer der fünf Fragen kann man Frau Goris sogar mitteilen, dass sie sich ihr ganzes Klimakommissarinnentum an den Hut stecken kann:

Unter der Umfrage sind Name und Anschrift einzutragen, und die “Bild am Sonntag” weist darauf hin, dass diese Angaben “unbedingt erforderlich” sind. (“BamS”-Chefredakteur Claus Strunz versichert auf der gegenüberliegenden Seite, sie würden “natürlich streng vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergeleitet”.)

Aber wofür sind die Angaben “unbedingt erforderlich”? Um von der “Bild am Sonntag” bei der Erforschung der Lesermeinung zum Klimawandel berücksichtigt zu werden? Was macht die Zeitung mit meiner Adresse, wenn meine Antwort nicht eine der “111 schnellsten Fragebogen-Einsendungen” ist, die mit einem vermutlich thematisch passend gemeinten Geschenk belohnt wird: einem Regenschirm?

Ah, unter der Adresse kann ich noch etwas ankreuzen: Ob ich “zum Thema Klima auf dem Laufenden gehalten werden” möchte.

Und wenn ich das möchte? — Dann habe ich die “Bild am Sonntag” abonniert. Eine “praktische Wetteranzeige” gibt es gratis dazu.

Danke an Dennis K.!

Täuschend echt (2)

Vorige Woche tauschten Unbekannte in München die Werbe-Schlagzeilen in vielen “Bild”-Zeitungs-Kästen gegen selbstgemachte Alternativen aus.

Es scheint sich nicht um eine einmalige Aktion gehandelt zu haben: BILDblog-Leser Christoph P. entdeckte und fotografierte heute in der Münchner Innenstadt mehrere Verkaufskästen von “Bild” mit dem wenig attraktiven Werbehinweis: “Heut mal nix”.

Kurz korrigiert (318)

Also, dass Waldemar Klein, wie man seit den Morgenstunden einer Fotobetextung auf Bild.de entnehmen kann, auch Ehrenpräsident von Eintracht Frankfurt sein soll, ist uns neu.

Mit Dank an Stephan N., Markus S. und Thorsten A.

Nachtrag, 16.15 Uhr: Nun ist Klein auch für Bild.de nicht mehr “Frankfurts Ehrenpräsident”.

neu  

Unverbesserlich

Im September 2004 rügte der Presserat die “Bild”-Zeitung wegen der Verletzung von Persönlichkeitsrechten. Unter der Überschrift “Sie ist die Mutter des toten Babys vom Gruselwald” hatte “Bild” zwei Monate zuvor über eine 15-Jährige berichtet, der vorgeworfen wurde, ihr neugeborenes Kind getötet zu haben. Illustriert hatte “Bild” den Artikel mit einem Foto des Mädchens, das zwar gepixelt war, nach Ansicht des Presserats “jedoch trotzdem eine Identifizierung zuließ”.

Heute nun berichtet “Bild” im Raum Rhein-Neckar unter der Überschrift “Das Horror-Geständnis der Todes-Mutter” über eine 24-Jährige, der vorgeworfen wird, ihr neugeborenes Kind in einer Plastiktüte im Gebüsch vor einem Krankenhaus abgelegt zu haben, wo es kurz darauf verstarb. (Die Polizei fahndete deshalb in den vergangenen Tagen intensiv nach der mutmaßlichen Kindsmutter und veröffentlichte sogar ein von einer Überwachungskamera gemachtes — und vorgestern natürlich auch von “Bild” gezeigtes — Fahndungsfoto der Frau, die sich gestern schließlich selbst stellte.) “Bild” nennt heute jedoch nicht nur ihre Haarfarbe, Statur und Nationalität sowie Wohnort und Lebenssituation, sondern illustriert den Artikel zudem mit einem großen Paparazzifoto (“die Mutter verlässt gerade das Amtsgericht Lampertheim”), das zwar mit einem schwarzen Balken über den Augen versehen ist…

… doch bereits damals, im September 2004, hatte der Presserat die “Bild”-Redaktion ausdrücklich daran erinnert, “dass Maßnahmen zur Anonymisierung einer Person auch wirksam sein müssen. So müssen Augenbalken soviel verdecken, dass eine Identifizierung über die nicht verdeckten Teile eines Gesichtes nicht möglich ist”.

Dem haben wir nichts hinzuzufügen.

Mit Dank an den Hinweisgeber.

Nachtrag, 8.3.2007: Die identifizierende Darstellung der “Todes-Mutter” hat für “Bild” offenbar Methode. Am 3. und 5. März sahen die entsprechenden “Bild”-Berichte, die weitere Details zum Lebensumfeld der Frau enthielten, so aus:

Mehr dazu hier.

Übergeiger-Zähler im roten Bereich

Wir wollen heute noch einmal an Kai Diekmanns Geschwätz von Gestern einen Brief erinnern, den Kai Diekmann Ende 2004 anlässlich der Neubesetzung mehrerer Stellen in der Chefredaktion an seine Mitarbeiter schrieb. Darin hieß es u.a.:

Übergeigte Überschriften, die vom Text nicht gehalten werden, haben in BILD nichts zu suchen.

Gut, wir hatten nie ernsthaft das Gefühl, dass Diekmanns Brief nachhaltigen Eindruck auf die “Bild”-Mitarbeiter machen sollte gemacht hätte. Aber wir finden doch, dass jetzt ein guter Zeitpunkt wäre, eine neue Offensive gegen “übergeigte Überschriften” zu starten — allerdings nicht, weil wieder diverse Positionen in den Chefredaktionen von “Bild” und “BamS” neu besetzt werden. Sondern weil sich die übergeigten Überschriften derzeit häufen:

"Von BMW-Raser abgedrängelt! In diesem Wrack sah eine Tochter (6) ihren Vater sterben"

So steht es in der “Bild” vom Mittwoch, und es ist falsch. Tatsächlich sah die Sechsjährige ihren Vater nicht sterben und schon gar nicht im Wrack. Er starb eine Stunde nach dem Unfall am Unfallort, als das Mädchen längst weggebracht worden war. Das kann man auch dem “Bild”-Artikel entnehmen. Nicht in “Bild” steht hingegen, was heute HL-live.de berichtet. Dort sagt eine Anwohnerin, die die Tochter des Unfallopfers in ihrer Wohnung aufnahm:

“Sie hat ihren Vater nicht mehr gesehen.”

Mit Dank an tomekk und Ferranno für den sachdienlichen Hinweis.

Nachtrag, 2.3.2007: Auch HL-live.de hatte zunächst berichtet, das Unfallopfer sei “vor den Augen seiner sechsjährigen Tochter” gestorben. Dass jedoch auch “Bild” wie HL-live.de den Fehler anschließend richtiggestellt hätte, ist uns nicht bekannt.

Bock tatsächlich zum Gärtner gemacht

Der Axel Springer Verlag hat heute eine ganze Reihe von Veränderungen in den Chefredaktionen von “Bild” und “BamS” bekannt gegeben. Unter anderem wird Kai Winckler, der seit 2001 Chefredakteur von “Das Neue Blatt” ist, tatsächlich die Nachfolge von Martin Heidemanns als Leiter des Unterhaltungsressorts antreten.

Deshalb wollen wir noch einmal auf etwas hinweisen, das wir Anfang Februar schrieben, als Kress.de über die Personalie spekulierte: Winckler ist ein, nunja, würdiger Nachfolger.

neu  

Ein Fall wie aus dem Lehrbuch

Warum glaubt ein Mediziner plötzlich, dass seine Kollegen ihn ab sofort für einen Trottel halten? Na, warum wohl: Er wurde in einem “Bild”-Artikel zitiert!

So berichtete “Bild” (Berlin-Brandenburg) am Samstag über einen Mann, Joachim B. (Name von uns gekürzt), der am seltenen Guillain-Barré-Syndrom erkrankt ist. Er wird derzeit in einer Reha-Klinik in Bernau behandelt. Der “Bild”-Artikel über B. ist kürzer als 70 Zeilen, die Geschichte selbst, nun ja, ein wenig größer. Schließlich litt B. laut “Bild” unmittelbar vor seiner Erkrankung unter Durchfall und Übelkeit!

Und weil “Bild” doch vor gar nicht allzu langer Zeit noch viel größer über die “schlimmste Magen-Darm-Seuche” berichtet hatte (eigentlich — wir berichteten — eine vergleichsweise harmlose Noroviren-Infektion), die ebenfalls sich in Durchfall und Übelkeit äußert, zeigt “Bild” heute noch einmal die damalige Titelseite (“So berichtete BILD am 31. Januar 2007”). Und schreibt in großen gelben Lettern über das “erschütternde Schicksal vom Joachim B. aus Berlin”:

Im Artikel wird die Überschrift nochmals aufgegriffen:

"Schlimmer Verdacht: War es das Noro-Virus?"

Tja, war’s das? Wie zur Antwort druckt “Bild” einen kurzen O-Ton von Dr. Michael Jöbges, Chefarzt in der Bernauer Klinik, in der Joachim B. behandelt wird: “Ein Fall wie aus dem Lehrbuch. Erst kam der Virus, dann die Lähmung”, soll er gesagt haben.

Uns aber teilte Jöbges auf die Frage “War es das Noro-Virus?” mit:

Ich bin von dem “Journalisten”* befragt worden, ob auch das Noro-Virus Auslöser dieses Syndroms sein kann. Dies habe ich verneint und angegeben, dass das in Rede stehende Bakterium Campylobakter jejuni heiße. Außerdem habe ich darauf hingewiesen, dass natürlich nicht jeder Mensch, der eine Campylobakter-jejuni-Infektion erleidet, danach ein Guillain-Barré-Syndrom durchmacht. Ich habe versucht, dem “Journalisten”* zu vermitteln, dass Fragen aus dem Gebiet der Autoimmunologie nicht in dürren, einfachen Worten zu erklären sind, sondern eine ausführlichere Erklärung erfordern. Diese Botschaft scheint nicht verstanden worden zu sein.

Dies sind alles prinzipielle Erwägungen. Aus Gründen der Schweigepflicht kann ich zu dem konkreten Fall keine Angaben machen und möchte hierfür um Ihr Verständnis bitten.

Leider wird jeder Leser, der diesen Artikel für “bare Münze” nimmt und über ein wenig medizinischen Sachverstand verfügt, mir denselben ab sofort absprechen.
(Hervorhebungen, Link und Sternchen von uns.)

*)Robin Hartmann

Symbolfoto XLVII

Ein 15-jähriges Mädchen ist brutal ermordet worden, der mutmaßliche Täter geständig, der Fall seit Monaten in den Schlagzeilen.

Am Donnerstag war Prozessauftakt. Die Eltern des Opfers saßen in einem Gerichtssaal in Hagen, und sie waren nicht allein. O-Ton “Westfalenpost”: “Vor Sitzungssaal 201 ist um 8.54 Uhr der Andrang bereits so groß, dass Reporter, interessierte Zuschauer und neugierige Gaffer vor der verschlossenen Saaltür einen bunten Pulk bilden. (…) Um 9.05 Uhr werden die Einlasskarten verteilt. Gedränge, Geschiebe, wie beim Sommerschlussverkauf. (…) Um 9.58 Uhr betritt das Gericht den Raum. Blitzlichtgewitter der Pressefotografen, TV Kameras surren, dann Abgang, raus.”

Und man muss sich das vorstellen: Inmitten dieses Blitzlichtgewitters und der surrenden TV-Kameras also, in einem Raum mit dem Oberstaatsanwalt, der gleich die Anklageschrift verlesen, und dem mutmaßlichen Mörder, der anschließend möglichst detailliert Auskunft über seine Tat geben sollte — die Eltern des Opfers. Klick!

Das ist schlimm, aber vielleicht ist es doch nicht das schlechteste Foto, weil es so eindringlich die Erschütterung zeigt, die ein solches Verbrechen auslöst:

Tiefe Trauer und Nervösität bei den Eltern von Nadine kurz vor Beginn der Gerichtsverhandlung

So steht es unter dem Foto in der “WAZ”. Und sogar in “Bild”, die vorgestern fast dasselbe Foto druckte, steht es ähnlich:

(…) die Eltern der toten Nadine sammeln Kraft für die schrecklichen Einzelheiten des Todes ihrer Tochter

Denjenigen aber, die bei “Bild” tagtäglich aus den Geschichten “Bild”-Schlagzeilen machen, war das nicht genug: “kurz vor Beginn”? “sammeln Kraft für”? Geht’s nicht besser, schlimmer? Ja:

Es hat also einen Sinn, dass es ab Prozessbeginn nicht mehr gestattet war, zu fotografieren: “Bild”, so lehrt uns die kleine, fette Lüge in der Überschrift, hätte die Fotos zu gern gedruckt.

Mit Dank an Tim E. — auch für das “WAZ”.

Ein Symbolfoto weniger

Der Mann, der unlängst auf Bild.de mit seinem Foto als Beispiel für “alkoholisierte Fans des 1. FC Lok Leipzig” herhalten musste, steht bekanntermaßen in keinerlei Zusammenhang mit den berichteten Vorgängen.

Eigentlich genauso wie der Mann, der unlängst auf Bild.de mit seinem Foto als Beispiel dafür herhalten musste, dass Patienten “manchmal wochenlang auf einen Termin beim Arzt warten” müssen.* Der steht nämlich auch in keinerlei Zusammenhang mit den berichteten Vorgängen.

Der Unterschied:

Im zweiten Fall hat Bild.de das irreführende Symbolfoto entfernt und muss in einer “Richtigstellung” erklären, dass der Mann in keinerlei Zusammenhang mit den berichteten Vorgängen steht.

Im ersten Fall indes bleibt Bild.de bei seiner (falschen) Darstellung.

*) Liebe BILDblog-Leser: Hat vielleicht noch irgendwer in seinem Cache den Bild.de-Artikel hinter diesem Link in der ursprünglichen Fassung?

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