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“Bild” enthüllt nichts Ungewöhnliches

Auch wenn beispielsweise Focus Online es mal wieder ungeprüft abgeschrieben hat, ist das, was “Bild” auf Seite 2 ihrer Donnerstagsausgabe “enthüllt” zu haben behauptete, falsch. Unter Berufung auf einen “streng geheimen Bericht” hieß es in “Bild” unter der Überschrift “Bundesbank verschwendet Millionen”:

2003 wurden 642 Mitarbeiter bei vollem Gehalt in den Vorruhestand geschickt, 72 erhielten Abfindungen. Kosten: 214 Millionen Euro!

Tatsächlich betrugen die Kosten aber offenbar nur 21,4 Millionen Euro, wie heute “Berliner Zeitung” u.v.a.m. berichten. In der “Berliner Zeitung” heißt es außerdem, solche Summen seien “in der Branche nicht ungewöhnlich“, und auch eine weitere in der”Bild”-Meldung “enthüllte” Zahl sei “genau genommen, wenig spektakulär“.

Mit Dank an David B. und Michael S. für die Hinweise.

neu  

Sterben in “Bild”

Am gestrigen Mittwoch ist ein Serienkiller im Iran öffentlich ausgepeitscht und dann aufgehängt worden. Es war ein grausames Ritual; die Behörden hatten eigens mit Lautsprecherdurchsagen dafür gesorgt, dass sich viele Schaulustige am Platz der Hinrichtung versammeln.

Die “Bild”-Zeitung illustriert heute mit mehreren großen Fotos den Tod des Mörders. (Bei Bild.de sind teils andere Bilder und Bildtexte.) Ihr Artikel beginnt mit dem Autorennamen und der Ortsmarke “Teheran”, doch der Autor des Textes war vermutlich nicht in Teheran und ganz sicher nicht Augenzeuge der Hinrichtung. Denn seine Beschreibung ist in einigen wesentlichen Punkten falsch.

“Bild” zeigt ein Foto, auf dem der an einen Pranger gefesselte Mörder zu sehen ist. Hinter ihm steht ein Mann im weißen Hemd und schwarzen Jackett. Laut “Bild” zeigt das Foto folgendes:

…dann rammt ihm der Bruder eines Mordopfers ein Messer in den Rücken…

Dies gehöre zu einer “Hinrichtung nach iranischer Tradition”, behauptet “Bild”. Tatsächlich handelt es sich, wie FAZ.net erklärt, bei dem Mann im weißen Hemd nicht um den Bruder eines Mordopfers, sondern allem Anschein nach um einen Beamten. Er rammt ihm auch kein Messer in den Rücken, sondern beaufsichtigt die Schaulustigen. Zwar hat wirklich ein Mann den Mörder am Pranger mit einem Messer angegriffen. Aber es war weder der Mann, den “Bild” zeigt, noch gehörte die Attacke zur rituellen Handlung, wie “Bild” behauptet: Laut Nachrichtenagentur AP und BBC News hat ein Angreifer die Sicherheitsabsperrung durchbrochen und wurde schnell weggeführt.

Auch der von “Bild” erweckte Eindruck, solche grausamen öffentlichen Hinrichtungen seien Alltag im Iran, ist falsch. Der Korrespondent der australischen Zeitung “The Age” schreibt, öffentliche Hinrichtungen seien “relativ selten” im Iran; AP berichtet, solche Hinrichtungen seien auch im Iran umstritten, weil sie dem Bild des Landes im Ausland schadeten.

Anscheinend reichte es der “Bild”-Zeitung nicht, die entsetzlichen Bilder zu drucken, die die grausamen letzten Minuten im Leben eines Menschen zeigen. Sie wollte auch noch ein Foto zeigen vom Gesicht des Mannes in dem Augenblick, in dem ihm jemand ein Messer in den Rücken stößt. Dass es dieses Foto nicht gibt, ist für “Bild” — wie man sieht — kein Hindernis.

(“Focus Online”, das häufig Artikel aus “Bild” und Bild.de ungeprüft abschreibt, hat übrigens auch in diesem Fall den Fehler von “Bild” übernommen und das Foto vom angeblichen Angreifer falsch beschriftet.)

Nachtrag, 21.03.: “Focus Online” hat den Beitrag inzwischen aus seinem Angebot entfernt.

“Bild” weiß, was Frauen denken

So ganz kann sich die “Bild”-Zeitung immer noch nicht damit abfinden, dass drei Parteien in Schleswig-Holstein einfach über Politik und Ministerpräsidenten entscheiden, nur weil sie bei einer Wahl die Mehrheit der Sitze im Landtag errungen haben. Und dass es sich bei den entscheidenden Personen nicht um richtige Politiker, sondern nur um Frauen handelt, scheint die Sache für “Bild” nur noch beunruhigender zu machen:

Meine Damen, wie lange geht das gut?

fragte “Bild” gestern groß auf Seite 2 und stellte fest:

“Deutschlands Norden ist seit gestern in Frauenhand!”

Zum Glück weiß “Bild”, was Frauen denken. Ministerpräsidentin Heide Simonis denkt: “Klasse! Jetzt kriegt mich hier keiner mehr weg!”, Anne Lütkes von den Grünen denkt: “Prima! Jetzt können wir die Küste mit noch mehr Windrädern zupflastern!” und Anke Spoorendonk vom SSW denkt: “Super! Ich krieg’ sogar Oppositionszulage!”

Das ist, nun ja, mutig von “Bild”. Denn es ist noch kein Jahr her, dass die Zeitung wegen solcher Denkblasen mit von “Bild” ausgedachten Gedanken von Sibel Kekilli verklagt wurde. Der “Bild”-Anwalt hatte argumentiert, dass eine Denkblase im Gegensatz zu einer Sprechblase offensichtlich karikierend und daher kein falsches Zitat sei. Das Berliner Landgericht sah das anders.

Anscheinend kann sich “Bild” aber eine Berichterstattung ohne Denkblasen nicht vorstellen. Immerhin steht neben dem Foto der Satz:

BILD hat darüber nachgedacht, was die drei mächtigen Frauen jetzt wohl so denken

Eigentlich ist also das, was aussieht wie Berichterstattung, nichts weiter als eine Denkblase von “Bild”.

Mit “Bild” im Kopierraum

Interessante Frage, die Bild.de heute aufwirft:

Sex am Arbeitsplatz:
Wie weit darf ich gehen?

Unser Antwortvorschlag lautet: “17,5 Kilometer”, was natürlich ziemlich albern ist, aber nicht halb so albern wie das, was Bild.de antwortet. Dort hat man die Überschriftenfrage noch ergänzt um die Zusatzfragen: “Wohin, wenn das Verlangen zu groß wird?” und: “Wann kostet’s mich den Job?” — “Klicken Sie sich durch!”.

Das “Wohin” beantwortet Bild.de recht detailliert mit folgenden Vorschlägen: gleich im Büro (“verlockend” — wenn man die Gefahr liebt); auf die Toilette (“doppelt prickend” — wenn man die Gefahr liebt); auf den Balkon (aber nur zum Knutschen); ins Parkhaus (gut auf Auto-Rücksitz und hinter “dicker Säule”); in den Kopierraum (geil — wenn man die Gefahr liebt); in den Park (rundum empfehlenswert).

Die Frage “Wann kostet’s mich den Job” beantwortet Bild.de nicht, bzw. implizit mit: “Wenn ich erwischt werde”. Und die Frage “Wie weit darf ich gehen” beantwortet Bild.de nicht, bzw. implizit mit: “So weit ich will, wenn es mir nichts ausmacht, gefeuert zu werden”.

Schön wäre es natürlich gewesen, wenn in dem Text wenigstens irgendein Arbeitsrechts-Experte zu Wort kommen wäre, aber das darf man nicht Bild.de vorwerfen — vermutlich hat sich im Archiv der “Süddeutschen Zeitung” einfach kein Interview mit einem gefunden, bei dem man sich ohne Quellenangabe hätte bedienen können.

Zum Glück ist wenigstens auf das Umfrage-Archiv der “Jungen Karriere” Verlass. Und so kann Bild.de seine gefährlichen Sex-im-Kopierraum-Fantasien wenigstens anreichern mit zwei Umfrage-Ergebnissen, von denen das eine aus dem Juni 2004 stammt und das andere aus dem Februar 2002 und die überhaupt beide als Online-Umfragen so wenig verlässlich sind, dass man sie am besten gar nicht zitieren sollte, geschweige denn drei Jahre später.

Übrigens hat die “Junge Karriere” unbemerkt von Bild.de mit dem Februar-Heft ihren Namen in “karriere” geändert. Aber bis sich Bild.de einer Umfrage bedienen wird, die unter diesem neuen Titel geführt wurde, werden ja ohnehin noch ein paar Jahre vergehen.

Allgemein  

Wie “Bild” recherchiert

Heute stellen wir uns vor, wir wären Patricia Dreyer. Wir würden bei “Bild” arbeiten und müssten als Urlaubsvertretung von Christiane Hoffmann ihre “Ich weiß es!”-Kolumne füllen. Bislang hätten wir nur wenig aufregende Modeaufnahmen von Liz Hurley und die Nachricht, dass sich Herr Effenberg und Frau Effenberg auf einer Party öffentlich geknutscht haben, aber damit leider den Platz noch nicht gefüllt. Nun würde uns die sensationelle Nachricht erreichen, dass sich die Hollywood-Legende und Oscar-Preisträgerin Shirley MacLaine (70) das Gesicht operieren ließ, um auszusehen wie ihre jüngere Kollegin Sharon Stone. Behaupten würde das irgendeine Fotoagentur, die auch gleich einen “Beweis” für diese sensationelle Nachricht mitgeliefert hätte: Ein Foto von einer älteren Frau, die nicht aussieht wie Shirley MacLaine, aber ein bisschen wie Sharon Stone, sogar mit ganz ähnlicher Brille.

Was würden wir als Patricia “Ich weiß es vertretungweise” Dreyer tun? Recherchieren? Nachfragen? Kollegen losschicken, um herauszufinden, ob die sensationelle Nachricht stimmt und sich die große Shirley MacLaine wirklich per Extreme Makeover in Sharon Stone verwandeln ließ?

Oder einfach das Foto abdrucken und behaupten: “Die Schauspielerin [Shirley MacLaine] fährt mit nigelnagelneuem Sharon-Gesicht durch L.A.”?

Hier ist, wofür sich Frau Dreyer am 17. Februar 2005 entschieden hat:

Und hier ist, was deshalb heute in “Bild” stand:

Und wir hoffen, dass die “Bild”-Leute nicht ernsthaft selbst glauben, dass es sich hier bloß um eine “Fotoverwechslung” handelt (und nicht um die Vernachlässigung elementarer journalistischer Sorgfaltspflichten), sondern das nur behaupten.

Allgemein  

Kylie wächst über “Bild” hinaus

Am 30. Januar erschien in der britischen Boulevardzeitung “The People” eine Meldung, dass Kylie Minogue in ihrem neuen Video ein paar Zentimeter wachsen werde: Dank eines Computertricks werde sie auf ihren Wunsch hin statt 5 Fuß (1,52 Meter) dann 6 Fuß (1,83 Meter) groß erscheinen.

Heute, am 25. Februar, taucht die Meldung bei Bild.de auf:

Kylie (…) trällert plötzlich mit Modelmaßen ihren neuen Song.

Wie das Briten-Blatt “The People” berichtet, wurde Kylie mit Hilfe modernster Video-Technik gestreckt. So wurde aus dem 1,50 Meter “kleinen” Pop-Floh ein 1,80 Meter großes Super-Model gemacht. Damit erfüllten die Produzenten der Sängerin einen ihrer sehnlichsten Wünsche: Endlich lange Beine! Und sogar noch mehr Kylie-Knack-Po.

Das Deutschen-Blatt hat also die vier Wochen seit der Veröffentlichung in “The People” dazu genutzt, die Geschichte ein bisschen auszuschmücken. Es hat die vier Wochen nicht dazu genutzt, zu recherchieren, ob sie stimmt. Sie stimmt nicht. Jedenfalls nicht ganz.

Kylie wird, wie der Screenshot ahnen lässt und das Video eindeutig zeigt, nicht 1,80 Meter groß, sondern mindestens 2,50 Meter. Und das wäre nun relativ egal, wenn dadurch nicht auch der ganze Rest der “Bild”-Geschichte, all das mit den “Modelmaßen” und den lange lang gewünschten Beinen und dem XXL-Kylie-Knack-Po, als das entlarvt würde, was es ist: Quatsch.

Quatsch, den Bild.de bei “The People” abgeschrieben hat, und den “Focus Online” nun seinerseits bei Bild.de abschreibt, mit der Überschrift “Kylie plötzlich 1,80 Meter groß”, einem alten Foto und dem Bildtext: “Superlange Beine sind Kylies Traum”.

Mit Dank an Dan für den sachdienlichen Hinweis.

“Bild” wirkt

“Spiegel Online” berichtet:

Morddrohung gegen SSW-Spitzenkandidatin

(…) Dass Rot-Grün im Norden weiterregieren kann, obwohl die CDU bei der Wahl am 20. Februar die meisten Stimmen bekommen hatte, hat in den vergangenen Tagen zu einem erbitterten politischen Streit in Schleswig-Holstein geführt. Mitglieder der dänischen Minderheitenpartei wurden beschimpft, unmittelbar vor Beginn des Parteitages des SSW gab es sogar eine Morddrohung gegen Spitzenkandidatin Anke Spoorendonk. Die Drohung werde sehr ernst genommen, sagte ein SSW-Mitarbeiter in Flensburg. Das Bundeskriminalamt bestätigte den Vorfall.

Wäre es nicht schön, wenn die größte Boulevardzeitung des Landes angesichts dieser Entwicklung von sich sagen könnte, sie habe unabhängig, zurückhaltend und sachlich korrekt berichtet, keine Ressentiments gegen Ausländer und Minderheiten geschürt und nicht Überschriften verfasst wie “Warum dürfen diese zwei Dänen die deutsche Politik bestimmen”?

“Bild” pokert – und verliert

Es ist doch wirklich sonderbar. In “Bild” kann man heute auf der Seite zwei folgende Schlagzeile lesen:

Und im dazugehörigen Text steht dies:

Um 18.42 Uhr ließ zum ersten Mal eine ZDF-Hochrechnung auch das letzte Fünkchen für Heide Simonis (61/SPD) erlöschen: Selbst die zwei Abgeordneten des Südschleswigschen Wählerverbandes können sie nicht mehr ins Amt der Ministerpräsidentin retten – CDU und FDP haben mit 35 Sitzen die absolute Mehrheit der Mandate errungen!

Andererseits kann man in “Bild” heute auf der Seite zwei aber auch dies hier lesen (übrigens unter der Überschrift “Heide stürzt ab, Merkel lacht”):

Wer regiert künftig in Schleswig-Holstein? Noch unklar!
(…)
Nach einer stundenlangen Zitterpartie stand erst kurz vor Mitternacht fest: Weder für Rot-Grün (33 Sitze) noch für Schwarz-Gelb (34) reicht es zur absoluten Mehrheit.

Das ist zwar fast das Gegenteil des eingangs Zitierten, im Grunde ist es aber einfach zu erklären: Teile der “Bild”-Auflage werden früher gedruckt, als andere, weshalb das vorläufige amtliche Endergebnis dort nicht berücksichtigt werden konnte. Und in dieser Hinsicht unterscheidet “Bild” sich nicht von anderen Zeitungen. In der Hinsicht, dass sie entgegen einfachsten journalistischen Grundregeln derart knappe Hochrechnungen als feststehendes Wahlergebnis präsentiert, allerdings schon.

Quasi als Beleg seien hier deshalb noch einige Zeitungen von heute zitiert, die das vorläufige amtliche Endergebnis auch nicht mehr ins Blatt bekommen haben, dafür aber bestimmte Wörter, die in “Bild” gänzlich fehlen, und die den entscheidenden Vorteil mit sich bringen, dass in diesen (nicht mehr aktuellen) Texten immer noch die Wahrheit steht:

“Union (…) schafft voraussichtlich den Regierungswechsel”
“Süddeutsche Zeitung”

“Bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein zeichnet sich ein Machtwechsel ab
“die tageszeitung”

“die CDU (…) kann womöglich zusammen mit der FDP (…) wieder die Landesregierung stellen.”
“Frankfurter Allgemeine Zeitung”

“Bild” und die “Kunstfigur”

Am vergangenen Samstag schrieb “Bild” mal wieder über die Sängerin Michelle. Michelles neue Platte ist seit gestern im Handel, vor ein paar Jahren war sie mal ein paar Jahre lang mit dem Sänger Matthias Reim zusammen, und man könnte meinen, die 32-Jährige hätte der “Bild” (oder in “Bild”) (oder bei “Kerner”) schon so ziemlich alles erzählt, was es so zu erzählen gibt: Abtreibung, Schulden, Brust-OP, “Koma-Kollaps”, Psychiatrie, Selbstmordversuch, Hundediplom… Die Überschrift vom vergangenen Samstag indes lautete:

“Michelle: Für Sex mit Matthias Reim musste ich mich schminken”

Im Text stand dann als O-Ton von Michelle über sich und Reim:

“Wir trafen uns jede Nacht im Bett. Erst später begriff ich, daß er nicht mich, sondern die Kunstfigur Michelle liebte. Warum sonst hatte er vor dem Sex immer darauf gedrungen, ich solle mich schminken mit knallroten Lippen und ein verführerisches Kleid anziehen?“

Gute Frage. Statt einer Antwort steht bei Bild.de nun aber eine Gegendarstellung von Matthias Reim, die sich auf den “Sex”-Text bezieht und mit den Worten endet:

“Hierzu stelle ich fest: Diese Behauptungen entbehren jeglicher Grundlage.

Und man kann an dieser Stelle getrost hinzufügen, was gelegentlich auch andernorts (als “Anm. d. Red.”) unter einer Gegendarstellung zu lesen ist – nämlich, dass die Redaktion verpflichtet ist, eine Gegendarstellung “wie vorgelegt und unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt abzudrucken”. (Siehe beispielsweise auch: HbgPrG, §11) Denn unter Reims Gegendarstellung steht der Zusatz nicht. Stattdessen heißt es:

Matthias Reim hat Recht.
Die Redaktion”

Eine Frage hätten wir aber trotzdem noch: Wenn Reim also Recht hat und die Behauptungen “jeglicher Grundlage” entbehren — wer hat sie sich dann ausgedacht: Michelle oder die Erschaffer der Kunstfigur Michelle?

“Bild” vs. Taschenrechner

Unter der Überschrift “Wird ein Deutscher nächster Papst?” hieß es gestern in “Bild”:

“Aussichtsreicher Anwärter auf das Amt des Papstes wäre Joseph Kardinal Ratzinger. Nach 944 Jahren gäbe es mit ihm erstmals wieder einen deutschen Papst, den 8. der Kirchengeschichte überhaupt.”

Und auf der Titelseite der “Süddeutschen Zeitung” steht deshalb heute u.a. folgendes:

“Seit die Bildzeitung dem Papst ihre Volksbibel überreichte, tut sie, als wäre sie der Osservatore tedesco, und in dieser ihrer neuen Halbamtlichkeit richtet sie dem Heiligen Vater schon mal die Nachfolge aus. Wenn dieser stürbe, wäre ihrer Rechnung nach Kardinal Ratzinger der aussichtsreichste Kandidat – ‘der erste deutsche Papst seit 944 Jahren’. Was die Bild frei kalkuliert, haben wir mit dem Taschenrechner nachgeprüft: 2005 minus 944 ergibt 1061, das Jahr also, in dem Alexander II. auf Nikolaus II. folgte. Alexander stammte aus Mailand, Nikolaus aus Burgund, und so läuft die Sache wohl auf Gegenpapst Honorius II. hinaus, der ebenfalls 1061 ins Licht der Geschichte trat. Er war zwar aus Parma, aber wenigstens deutscherseits durchgedrückt worden, nämlich von Agnes, der Witwe Kaiser Heinrichs III. Dass sie mit ihrem Kandidaten kein Glück hatte und kurz darauf den Schleier nahm, sollte den Leuten im Bild-Konklave zu denken geben. (…)”
(Links und Hervorhebungen von uns.)

Nachtrag, 14:09:
Ach ja, als letzter “deutscher Papst” gilt Hadrian VI., der vor 483 Jahren inthronisiert wurde bzw. vor 482 Jahren starb (allerdings aus dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation stammte), wohingegen man, wenn man, ähm, unbedingt nach einem Papst sucht, der aus dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik stammt, zuletzt bei Viktor II. fündig wird, der – vor 950 Jahren inthronisiert – vor 948 Jahren starb. (Weitere Infos gibt’s – mit Dank an Alexander S. für den Hinweis – hier.)

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