Suchergebnisse für ‘BILD’

“Bild am Sonntag” erfindet Wundertreibstoff

Biosprit sei besonders umweltfreundlich, schreibt die “Bild am Sonntag” heute in ihrem Aufmacher, denn:

"Biosprit verbrennt nicht zu Kohlendioxid, das den gefährlichen Treibhauseffekt in der Erdatmosphäre mitverursacht."

Leider verrät “Bild am Sonntag”-Autor Bernhard Kellner nicht, was er glaubt, wozu Biosprit stattdessen verbrennt (womöglich zu Katzen).

Natürlich verbrennt Biosprit zu Kohlendioxid. Der Unterschied zu herkömmlichen Treibstoffen ist, dass er dabei nur genausoviel Kohlendioxid erzeugt, wie etwa der Raps beim Wachsen aus der Atmosphäre entnommen hat. Mineralölstämmige Kraftstoffe erzeugen dagegen Kohlendioxid in einer Menge, die vor hunderttausend Jahren der Atmosphäre entnommen wurde und jetzt gewissermaßen zusätzlich der Atmosphäre zugefügt wird (mit den bekannten Folgen des Treibhauseffektes).

Danke an die vielen, vielen Hinweisgeber!

Was “Bild” die “Sprache der Wahrheit” nennt

“Mit über 12 Millionen Lesern täglich ist uns auch die Verbreitung der christlichen Glaubensbotschaft ein ernstes Anliegen.”
(“Bild”-Chef Kai Diekmann zu Johannes Paul II. und in “Bild”)

“Wir sind Papst!” schrieb “Bild” vor gar nicht allzulanger Zeit. Und zuvor war “Bild” selbst beim Papst, hatte eine Volks-Bibel verkauft usw.

Gestern lautete die “Bild”-Schlagzeile anders: “Wird sie geköpft?” nämlich (was ja schon den Herausgeber der Wochenzeitung “Die Zeit”, Michael Naumann, zu drastischen Worten greifen ließ).

Heute nun hat sich auch die Katholische Kirche, genauer gesagt, der Diözesanrat der Erzdiözese München und Freising als höchstes Laiengremium der Erzdiözese mit deutlichen Worten gegen den “Wird sie geköpft?”-Titel (anlässlich der Entführung der deutschen Archäologin Susanne Osthoff im Irak) gewandt. Das Gremium wirft den Verantwortlichen der “Bild”-Zeitung vor, “unter bewusster Missachtung der Menschenwürde die Auflage steigern” zu wollen, “mit sprachlicher Brutalität Schicksal gespielt” und die Pressefreiheit “missbraucht” zu haben.

PS: Bei Spiegel Online heißt es zudem, es seien inzwischen sechs Beschwerden beim Deutschen Presserat eingegangen. Dort wird auch auf die Nachrichtenagentur ddp verwiesen, wonach die Mutter der Geisel “geschockt” sei über den “Wahnsinn” einiger Medien, das Schicksal ihrer Tochter so auszuschlachten.

PPS: Bei “Bild” sieht man die Sache natürlich offenbar anders. Laut dpa sagte ein “Bild”-Sprecher, es gehe der Zeitung “allein darum, mit der Sprache der Wahrheit diesen abscheulichen und widerlichen Akt des Terrors, nämlich einen angekündigten Mord, deutlich beim Namen zu nennen, auch wenn dies schrecklich sei”.

Mit Dank an Roland B. und andere für die Hinweise.

neu  

“Bild” findet Sexualstraftäter sexy

Dass Erwachsene mit Minderjährigen Sex haben, ist nach deutschem Recht unter Umständen erlaubt. Entscheidend ist dabei u.a. dass der/die Minderjährige mindestens 14 Jahre alt ist und der/die Erwachsene dabei nicht “die fehlende Fähigkeit des Opfers zur sexuellen Selbstbestimmung ausnutzt”. Anderfalls droht — je nach dem — eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren (siehe § 176 und § 182 StGB).

In den USA gelten andere Gesetze. Dort sind Erwachsenen sexuelle Handlungen mit Unter-18-Jährigen verboten und können schlimmstenfalls mit 30 Jahren Gefängnis bestraft werden (siehe Protect Act of 2003).

Man könnte auch sagen, die Gesetzeslage in Deutschland und den USA ist gar nicht so verschieden — außer, dass man hierzulande schon ab 14 Jahren juristisch nicht mehr als “Kind” gilt, in den USA jedoch erst ab 18.

Man könnte auch vermuten, dass “Bild” mit der deutschen Regelung nicht vertraut nicht einverstanden ist: Als “Bild” im Sommer 2004 in Erfahrung brachte (und aufschrieb), dass in Cottbus ein 42-jähriger Mann völlig legal mit einer 14-Jährigen zusammenlebte, und die Geschichte im Frühjahr 2005 abermals an die Öffentlichkeit zerrte, nannte die “Bild”-Zeitung (die immerhin auch sog. “Serien-Vergewaltiger” und “Kinderschänder” gerne mal als “Sexmonster” bezeichnet) den Mann aus Cottbus ein “tätowiertes Liebesmonster” — und behauptete wahrheitswidrig, “Sex zwischen einem Erwachsenen und einer 15jährigen” sei “verboten.”

Völlig anders sieht der Fall für “Bild” offenbar aus, wenn es sich nicht um den 42-jährigen “Manfred W.” aus Cottbus handelt, sondern um die 24-jährige Debra Lafave aus Florida, die als Lehrerin Sex mit einem 14-jährigen Schüler hatte (was – wie gesagt – in den USA strafbar ist und u.U. sogar hierzulande gemäß § 174 StGB als “sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen” strafbar wäre). Denn, obwohl auch die jetzt verurteilte Lafave eine Tätowierung trägt, nennt “Bild” sie vergangenen Donnerstag keineswegs ein “tätowiertes Liebesmonster”, sondern “sexy Debra”, “Blondine”, “Amerikas schönste Lehrerin” oder “Verführungsbiest” und schreibt online unter der merkwürdigen Überschrift “Die Lust-Schule der schönen Lehrerin” sogar:

“So schön ist die Sex-Lehrerin – hier klicken!”

Die Meldung über Lafaves Verurteilung* illustriert Bild.de zudem mit einem Foto aus dem “Makes & Models Magazine”, für das sich die Lehrerin in der Vergangenheit leicht bekleidet hatte ablichten lassen, während die gedruckte “Bild” sich lieber für ein Foto Lafaves in der Badewanne entschieden hat. Und dass sie aufgrund ihrer Sexualstraftat künftig nicht mehr als Lehrerin arbeiten darf, ist für “Bild” zum Schluss nur noch ein Anlass, schlüpfrig herumzuwitzeln:

Und das werden viele Schüler in Amerika sicher bedauern.

*) “Bild” schreibt, als Strafe müsse sie “nun drei Jahre jeden Abend um 22 Uhr zu Hause sein. Sie darf frühestens wieder um 6 Uhr morgens raus. Abendessen mit Freunden, Kino, private Verabredungen – alles verboten! Nur arbeiten darf sexy Debra.” Und in der Tat ist Lafave mit drei Jahren Hausarrest und sieben Jahren Bewährung glimpflich davongekommen. US-Medien weisen allerdings darauf hin, dass sich ihr Leben dennoch “dramatisch” ändern werde: So hat ihr die Erziehungsbehörde den Ausbildungsabschluss aberkannt, sie unterliegt der öffentlichen Meldefrist und gilt fürderhin als “sexual offender” (auf deutsch: Sexualstraftäterin).

Mit Dank an Rossi für die Inspiration.

Nachtrag, 28.11.05:
Um genau zu sein, ist in den USA Sex mit Unter-18-Jährigen in einigen Bundesstaaten verboten, Sex mit Unter-16-Jährigen generell.

“Bild”-Dialektik

Rudi Carrell hat Lungenkrebs.

Am 16. November 2005 beschrieb “Bild” Carrells Reaktion so:

Er schläft viel, nimmt fast keine öffentlichen Termine mehr wahr. Nur das Rauchen läßt der Kettenraucher (täglich zwei Packungen Zigaretten) nicht sein.

Am 24. November 2005 beschrieb “Bild” Carrells Reaktion so:

Rudi hörte nach 52 Jahren sofort mit dem Rauchen auf, “ohne damit irgendein Problem zu haben”, wie er selbst sagt.

Danke an Stephan D. und Thomas K. für die Hinweise!

Fusionshindernis “Bild”

Das Kartellamt hat massive Bedenken gegen die geplante Fusion der Axel Springer AG mit ProSiebenSat.1. Nach jetzigem Stand ist sie nicht genehmigungsfähig. Es geht um den drohenden mangelnden Wettbewerb im Fernsehwerbemarkt und im Anzeigenmarkt der überregionalen Zeitungen, vor allem aber um das Fast-Monopol der “Bild”-Zeitung im Markt der Boulevardzeitungen.

Kartellamts-Präsident Ulf Böge sagt im “Tagesspiegel”:

Bei Straßenverkaufszeitungen hat Springer mit „Bild“ 80 Prozent Marktanteil. Diese Position darf nicht durch redaktionelle oder werbliche Unterstützung des Fernsehens verstärkt werden.

Springer hatte behauptet, der Konzern gebe sich mit der Übernahme eine vergleichbare Struktur wie der Konkurrent Bertelsmann (“Stern”, RTL). Dem widerspricht Böge in der “FTD” heftig:

“Das ist der Unterschied vom Springer-Fall zu Bertelsmann, dass Springer mit der “Bild”-Zeitung eine marktbeherrschende Stellung einnimmt. Daher wäre es eine falsche Betrachtungsweise, wenn man sagen würde: Was Bertelsmann darf, muss Springer auch dürfen. (…) Die “Bild”-Zeitung könnte durch entsprechende werbliche Maßnahmen mehr Aufmerksamkeit erhalten, etwa durch Hinweise im Fernsehen darauf, was in “Bild” steht, Das würde eine sehr weit reichende Absicherung der ,Bild‘-Zeitung im Lesermarkt bedeuten – mit der Folge, dass dort noch weniger Wettbewerb herrscht.”

Der Medienkonzentrationsforscher Horst Röper erläutert in der “Frankfurter Rundschau”:

“Bild hat als die Milchkuh des Konzerns immer schon eine zentrale Stellung gehabt. Und verbunden mit der Marke Bild sind ja noch etliche weitere Aktivitäten von Springer. Die Verbundmöglichkeiten zwischen Bild und den TV-Sendern stellen die eigentliche Hürde im Fusionsverfahren dar. Diese zu entkräften, dürfte für Springer schwierig werden.”

Die “Berliner Zeitung” kommentiert:

Zwölf Millionen Menschen lesen täglich die Bild-Zeitung. Ihr Chefredakteur, Kai Diekmann, triumphierte zuletzt, “Bild” sei das neue Leitmedium der Republik. Gemeinsam mit den anderen Zeitungen und Zeitschriften aus dem Hause Springer dominiert sie nicht nur den Meinungs-, sondern auch den Anzeigenmarkt. Darf ein derart mächtiger Verlag auch noch die größte TV-Senderkette des Landes besitzen?

Nein, hat nun das Bundeskartellamt geurteilt. (…)

Erstmals hat das Kartellamt im Fall Springer/ProSiebenSat.1 medienübergreifende Aspekte bei der Beurteilung eines Fusionsvorhabens zu Grunde gelegt. Zu Recht. (…) Crossmediale Vermarktungsstrategien sind ebenso denkbar wie redaktionelle Verflechtungen und PR-Kampagnen für das jeweilige Schwesterunternehmen.

Springer wird nun also etwas von seiner Macht abgeben müssen. Das ist nicht nur gut für den Wettbewerb, sondern auch für die Meinungsvielfalt.

“Bild” berichtet anders

Das Verhältnis zwischen “Bild” und der ARD ist ein ganz besonders — das zeigt nicht nur der Fall des von “Bild” als “versaut” bezeichneten “Tatorts” vom vergangenen Sonntag, den die ARD daraufhin zensierte.

“Bild” und “Bild am Sonntag” berichten über die ARD sehr viel kritischer als andere Boulevardzeitungen, als andere überregionale Zeitungen und sogar als andere Springer-Zeitungen: Fast jeder zweite “Bild”-Artikel, in dem es in diesem Jahr konkret um die ARD ging, war negativ — in anderen Boulevardzeitungen war es nur etwa jeder fünfte Artikel, in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” und der “Süddeutschen Zeitung” war es jeder vierte*.

Das Institut aserto hat im Auftrag des NDR untersucht, wie sich die Berichterstattung von Springer-Zeitungen und Zeitungen anderer Verlage über ARD, ZDF und ProSiebenSat.1 unterscheidet. Hintergrund ist der Plan der Axel Springer AG, mit der ProSiebenSat.1 Media AG zu fusionieren. Dann wären die “Bild”-Zeitung und die Fernsehsender Sat.1, Pro Sieben, Kabel 1, N24 und Neun Live hundertprozentige Schwesterunternehmen. Und Geschwistern fühlt sich “Bild” verbunden — das spürte vor einem halben Jahr zum Beispiel die Schauspielerin Alexandra Neldel.

Nach der Fusion hätten Springer-Zeitungen und Springer-Sender in einem noch viel stärkeren Maße die Möglichkeit, sich die Bälle zuzuspielen — auch zu Lasten der anderen Sender. Das Kartellamt prüft derzeit den geplanten Zusammenschluss.

Mehr als die Hälfte der negativen Artikel in “Bild” über die ARD hat deren Schleichwerbeskandal zum Thema. Der brachte der ARD natürlich auch in anderen Zeitungen schlechte Presse — allerdings nicht im gleichen Maße. “Bild” und “Bild am Sonntag”, so die Studie, “berichten erheblich häufiger und weichen auch in der Tonalität deutlich von vergleichbaren Medien wie dem ‘Express’ oder dem ‘Berliner Kurier’ und auch der ‘B.Z.’ ab.” “Bild” veröffentlichte u.a. eine “Liste der Schande”, sprach vom “Saustall ARD” und vom “ARD-Sumpf” und forderte personelle Konsequenzen.

Als Ende September bekannt wurde, dass bei Sat.1 über Jahre systematisch Schleichwerbung betrieben wurde, war das Echo in “Bild” anders: Nur drei Artikel erschienen seitdem zu diesem Thema, der letzte mit der versöhnlichen Überschrift: “Sat.1 gibt alles zu”. Die “Bild am Sonntag”, die besonders heftig die ARD wegen der Schleichwerbefälle angriff, hat bis Ende Oktober kein einziges Mal über die Vorwürfe gegen Sat.1 berichtet.

*In der Auswertung sind alle Artikel enthalten, die vom 1. Januar bis 31. Oktober 2005 erschienen sind und die ARD oder einen ihrer Sender als Institution thematisieren — also keine reinen Programmhinweise oder Kritiken von einzelnen Sendungen.

So knacken Sie den “Bild”-Kapierschutz

An dieser Stelle stand heute abend ein Eintrag, den wir korrigieren müssen. Im Ressort “Audio” von Bild.de steht aktuell ein Teaser mit der Überschrift “So knacken Sie ganz legal den CD-Kopierschutz”. Der Artikel bezieht sich allerdings nicht, wie wir angenommen hatten, auf ein aktuelles Problem mit einem amerikanischen Sony-Kopierschutz, sondern ein früheres mit einem anderen amerikanischen Sony-Kopierschutz. In Bezug darauf ist der bei Bild.de aktuell verlinkte Artikel vom 11.7.2005 völlig richtig.

Wir bitten für das Versehen um Entschuldigung!

  

So knacken Sie den “Bild”-Kapierschutz

“So knacken Sie den CD-Kopierschutz”, lockt ein Artikel bei Bild.de. Aber keine Sorge, damit ist nicht etwa gemeint, verbotenerweise den Kopierschutz von CDs zu knacken:

Wer sich bisher geärgert hat, daß sich einige CDs nicht auf den MP3-Player überspielen lassen, kann sich jetzt an Sony BMG wenden. Die verraten nämlich per E-Mail, wie man den hauseigenen Kopierschutz umgeht.

Damit trifft Bild.de den Nagel nahezu auf den Kopf. Es geht allerdings nicht um Abspiel-, sondern um Sicherheitsprobleme: Eine Kopierschutz-Software auf den betroffenen CDs ist problematisch, weil sie sich tief im Windows-System verankert und versteckt, den Computer möglicherweise angreifbar macht und sich nicht ohne weiteres deinstallieren lässt. Und Sony BMG verspricht dummerweise auch nicht, dass jeder die CDs abspielen kann, der die Software nach der per E-Mail verschickten Methode deinstalliert hat.

Im Gegenteil:

You will, though, be unable to use the disc on your computer once you uninstall the components.

[Sie werden allerdings, sobald Sie die Komponenten deinstalliert haben, nicht mehr in der Lage sein, die CD auf Ihrem Computer zu benutzen.]

Das ist allerdings auch nicht extrem tragisch, da Sony BMG diesen Kopierschutz nicht in Deutschland, sondern nur auf amerikanischen CDs eingesetzt hat. Aber “So sorgen Sie dafür, dass Sie kopiergeschützte amerikanische CDs nicht mehr auf Ihrem Windows-Rechner abspielen können” wäre als Überschrift eben etwas zu lang gewesen.

neu  

Brandenburger “Bild”-Blödsinn

Die “Bild”-Zeitung berichtet ja gern mindestens zwei Mal — dann, wenn sie glaubt, etwas anprangern zu müssen, und dann, wenn “Bild” den Eindruck hat, die eigene Berichterstattung habe irgendeine Reaktion ausgelöst, was ja ab und an passiert…

Bei “Bild” sagt man:
BILD wirkt

Andererseits ist es schon seltsam: Da berichtete “Bild” am vergangenen Dienstag groß über eine Familie, der das Standesamt Frankfurt (Oder) verweigerte, ihren Sohn “Louis” zu nennen, und schrieb:

"Behörden-Irrsinn in Brandenburg - Unser Junge darf nicht Louis heißen"

Und ebenfalls am Dienstag stand in der “Märkischen Oderzeitung” (MOZ) etwas ganz anderes — quasi das Gegenteil:

"Frankfurter Baby darf Louis heißen"

Ja, womöglich ist es sogar mehr als nur seltsam, dass “Bild” sich offensichtlich etwas zuviel Zeit gelassen hatte, die Sache mit dem Namensstreit (den die MOZ übrigens bereits vergangene Woche Samstag ausführlich und exklusiv öffentlich gemacht hatte) abzuschreiben aufzugreifen, ohne vor Veröffentlichung noch mal nachzufragen, wie der aktuelle Stand der Dinge ist.

"Louis darf doch Louis heißen!"Aber natürlich hätte die “Bild”-Redaktion die Peinlichkeit mühelos aus der Welt schaffen können, in dem sie tags drauf z.B. eine entsprechende kleine Meldung nachgeschoben hätte (siehe Montage rechts), die den “Bild”-Lesern die aktuellen Entwicklungen mitgeteilt hätte — und gut.

Stattdessen hat man sich bei “Bild” am Mittwoch für eine ähnliche ganz andere Überschrift entschieden — nämlich diese:

"Nach BILD-Bericht: Louis darf jetzt Louis heißen!" Und nicht nur das. Obwohl die MOZ ja bereits am Dienstag (!) berichtet hatte, der Frankfurter Oberbürgermeister Martin Patzelt habe “gestern” – also bevor in “Bild” auch nur ein einziges Wort zu “Louis” stand – “sofort” dafür gesorgt, dass das Kind doch “Louis” heißen dürfe, behauptete “Bild” am Mittwoch (!) ungeniert:

“Patzelt (58) beendete gestern persönlich diesen Unfug.”
(Hervorhebung von uns.)

Eine glatte Lüge also, mit der auch wir diesen Unfug beenden.

Mit Dank an die MOZ für Hinweis und Scans.

Minu Barati geht gegen “Bild” vor

Es gibt keine Fotos von Joschka Fischer und Minu Barati, wie sie nach ihrer Hochzeit in Rom das Rathaus verlassen. Das liegt nicht daran, dass keine Fotografen zur Stelle waren, sondern daran, dass beide das Gebäude nicht gleichzeitig verlassen haben — eben damit es solche Fotos nicht gibt. Die “Bild”-Zeitung fand es schwer, sich mit diesem Mangel abzufinden, bastelte sich am Computer ein entsprechendes Bild, schmückte damit am Montag groß ihre Seite 1 und verzichtete (wie berichtet) auf den Hinweis, dass es sich um eine Montage handelte.

Am Dienstag druckte das Blatt außerdem ein Bild, das Barati, ihre Tochter (Gesicht unkenntlich gemacht) und Fischer im Flugzeug zeigt. Der “Bild”-Fotograf hatte die drei offensichtlich überrascht. Das Bild entspricht ziemlich genau der Art Fotos, die nach dem sogenannten “Caroline-Urteil” des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte nicht mehr veröffentlicht werden dürfen: Es zeigt den Politiker und seine Familie in einer rein privaten Situation (er flog in der “Touristenklasse” und nicht in offizieller Funktion).

Gegen beide Abbildungen geht Minu Barati nun, wie ein “Bild”-Sprecher bestätigte, juristisch vor. Sie verlangt unter anderem Unterlassungserklärungen von der Zeitung.

Blättern:  1 ... 166 167 168 ... 1085