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Bild.de macht aus Werbung Schleichwerbung

Am 14. November — also vor ungefähr einer Woche — meldete die Nachrichtenagentur dpa gegen 13 Uhr:

Heidi Klum folgt ihrem Ehemann Seal ins Popgeschäft. An diesem Freitag kommt die erste Single des 33 Jahre alten Top-Models auf den Markt, wie “bild.de”, das Online-Portal der “Bild”-Zeitung, am Dienstag berichtete.
(Hervorhebung von uns.)

Und tatsächlich: Etwas verschwörerischer vielleicht hatte Bild.de zuvor genau das berichtet, exklusiv — und anschließend natürlich auch eine Reihe anderer Medien.

Und heute — also ungefähr eine Woche später — findet sich auf “Seite 1” von Bild.de wieder ein Teaser zum Thema (siehe Ausriss), der zu den “Top-Videos” von Bild.de führt. Dort findet sich zum Thema Klum/Wonderland nun ein 88-sekündiges Interview. Klum sagt darin zum Beispiel:

“Ich denke da nicht wirklich über ‘ne Karriere als Sängerin nach. Das war jetzt wirklich für Weihnachten. Und das hat einfach Spaß gemacht, war mal was anderes.”

Bei YouTube hingegen gibt es dasselbe Interview seit ungefähr einer Woche in einer etwas anderen Fassung. Klum sagt dort:

“Ich denke da nicht wirklich über ‘ne Karriere als Sängerin nach. Das war jetzt wirklich für Weihnachten, für Douglas. Und das hat einfach Spaß gemacht, war mal was anderes.”
(Hervorhebung von uns.)

Und das sagt sie nicht nur bei YouTube, sondern auch auf der Website des Parfümeriediscounters, der eine noch längere Version des Bild.de-“Top-Videos” zeigt, denn, so Klum:

“Wir haben diesen wunderschönen Douglas-Werbespot gemacht für Weihnachten. (…) Und da hat man sich überlegt, ob ich da nicht ‘n Weihnachtslied zu singen könnte.”

Mit anderen Worten: Bild.de zeigt einen von Douglas produzierten Werbefilm, aus dem alle Hinweise auf Douglas herausgeschnitten wurden, als redaktionellen Beitrag. Nur unter dem bearbeiteten Video steht, wo sonst AP oder Reuters als Quelle genannt werden, schlicht:

"Douglas"
Warum der Werbefilm das “Top-Video” ausgerechnet heute von Bild.de so prominent angepriesen wird, steht aber womöglich — ebenfalls seit ungefähr einer Woche – beim Branchendienst horizont.net:

“Am 22.November läuft dann der Douglas-Weihnachtsspot an, der mit dem Song musikalisch unterlegt ist (…)”

“Bild” gewinnt bei “Popstars”

Verschwörungstheoretiker würden das alles wahrscheinlich bloß für einen clever eingefädelten Marketing-Gag halten: Pro7 lässt Amazon vorab das Cover einer CD zeigen, auf dem scheinbar schon die Gewinner der aktuellen “Popstars”-Staffel zu sehen sind, obwohl die doch erst am kommenden Donnerstag in einer Live-Sendung ermittelt werden sollen — und nachdem die ersten Amazon-Screenshots in Internetforen die Runde machen, lässt Pro7 das CD-Cover wieder entfernen und simuliert Krisenmanagement. Der vermeintliche Patzer ist vielen Medien, die sonst vielleicht nicht unbedingt über “Popstars” geschrieben hätten, ein paar Zeilen wert, und noch mehr Zuschauer als bisher dürften wissen wollen, wer wirklich das “Popstar”-Rennen macht, oder versuchen, für 49 Cent pro Anruf mitzuentscheiden…

…und das alles ohne “Bild”.

Das Blatt, das alle Jahre wieder mit allerlei Exklusiv-Geschichtchen dafür sorgt, dass eine Show wie “Deutschland sucht den Superstar” (RTL) im Gespräch bleibt, war diesmal offensichtlich eher schlecht informiert. Denn wie es heute in einem großen — auf der Titelseite angekündigten — Bericht über die “Riesen-Panne bei Popstars” heißt (der ausnahmsweise sogar gestern abend schon vorab und zunächst leicht variiert auf Bild.de veröffentlicht wurde):

Als Erste entdeckte BILD-Leser-Reporterin Particia E.* (33) das Cover.
*) Name von uns gekürzt.

Doch leider haben wir auch an dieser Nase-vorn-Behauptung unsere Zweifel. Nicht nur, dass schwerlich nachzuweisen sein dürfte, wer das Cover tatsächlich “als Erste” bei Amazon entdeckte — nein, “BILD-Leser-Reporterin” Patricia E. teilt uns selbst auf Nachfrage mit:

gegen 11 habe ich bei der BILD-Zeitung gepetzt :-)

Und dafür, dass sie damit eben nicht die Erste war, spricht dann zumindest ein stern.de-Artikel, wonach sich gestern bereits um 10.36 Uhr im Pro7-Forum (z.Zt. leider “aufgrund erhöhter Zugriffszahlen […] ausgelastet”) der erste sachdienliche Hinweis eines Users fand. Und als bei “Bild” bzw. Bild.de in den frühen Abendstunden (18.26 Uhr) die Zeit endlich reif war für die Frage “Was ist da bei den Pro7-‘Popstars’ los?” (siehe Ausriss), da stand die Auflösung schon sechs Stunden lang bei der Netzeitung, die offenbar ebenfalls durch “Lesermails von verwirrten TV-Zuschauern” auf die Amazon-Veröffentlichung aufmerksam gemacht worden war.

Schon möglich also, dass die “BILD-Leser-Reporterin” sich “als Erste” bei “Bild” gemeldet hat. Denkbar auch, dass der Gewinner bei “Popstars” schon vorher feststeht. Ganz sicher aber bei “Bild”: “Bild”.

“Bild” als WIKIPEDIAblog (2)

Schlimm, was für ein Unsinn in der Wikipedia steht. Findet “Bild”:

Immer mehr Fehler, Fehler, Fehler! (…)

Nach den BILD-Enthüllungen über das weltweit größte Internet-Lexikon Wikipedia (…) taucht immer neuer Unfug auf.

Neuer Unfug, soso. Dann gehen wir die Sachen mal schnell durch:

Von “Bild” entdeckter Unfug Wikipedia-Realität
“Thomas Anders (…) soll 1983 eine Single mit dem Titel ‘Hoden sind was Wertvolles’ veröffentlicht haben.” Diese Unterstellung überlebte am 9. November 2006 eine Minute lang im Wikipedia-Eintrag zu Thomas Anders.
“Günther Jauch (50) bekommt den Beinamen “Osama” und soll mit dem Eisernen Kreuz und dem WWF-Gürtel ausgezeichnet worden sein.” Beide Scherze stammen vom 13. November 2005 und blieben weniger als eine halbe Stunde lang unkorrigiert.
“Neue Wortschöpfung: Laut Wikipedia war Stefan Raab (40) ‘Messlattendiener’.” Das Wortspiel überlebte am 19. Januar 2006 nicht einmal eine Minute.
“Dieter Bohlen (52) soll die Schwerbehindertenschule besucht haben, sich dort seinen ersten Vibrator gekauft haben. Mit 14 Jahren sei Bohlen in die NPD eingetreten.” Am 16. Februar 2006 änderte ein Witzbold Bohlens Eintrag entsprechend. Es dauerte keine Minute, bis seine Verunglimpfungen entdeckt und rückgängig gemacht wurden.
“Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (65) plane angeblich die Eroberung der Welt.” Am 1. Dezember 2005 wurde Stoibers Eintrag entsprechend verunstaltet — für weniger als eine Minute.
“Die ‘Tokio Hotel’-Zwillinge Bill und Tom Kaulitz (17) werden im Internet-Lexikon als schwul bezeichnet, hätten angeblich schon seit ihrer Kindheit Sex miteinander.” Zuletzt stand das am 13. März 2006 im entsprechenden Wikipedia-Eintrag, und zwar eine Minute lang.
“Ferdinand Julius Hidermann soll der uneheliche Sohn von Johann Wolfgang von Goethe sein. Die Person hat nie existiert!” Der Mann heißt nicht Hidermann, wie “Bild” schreibt, sondern Hidemann. Und seit 12. September 2004 ist der entsprechende Eintrag als Witz (“Lexikon-Ente” bzw. “Nihil-Artikel” gekennzeichnet).
“Bill Gates (51) bekam den Adelstitel William Henry James III verliehen und Teufelshörner in sein Foto montiert.” Bill Gates heißt eigentlich William Henry Gates III.; von einem “William Henry James” haben wir keine Spur in der deutschen Wikipedia gefunden. Die Teufelshorngeschichte scheint sich auf die englische Wikipedia zu beziehen.

 
Ja: Schlimm, was für ein Unsinn in der “Wiki-Fehlia” steht.

Also: Stand. So manchmal. Vor Monaten. Oder Jahren. Für Minuten. Oder Sekunden.

Aber wo Sie suchen müssen, um Unfug zu finden, der nicht korrigiert wird, sondern monatelang und bis heute falsch im Internet herumsteht, müssen wir Ihnen ja nicht sagen.

Völlig zu Recht stellt “Bild” übrigens fest, dass die “Leuchtschnabelbeutelschabe” “zwar nicht in der Tierwelt, dafür aber bei Wikipedia” existiere. Der entsprechende Wikipedia-Eintrag ist ein Witz, wie man bereits seit über zwei Jahren der zugehörigen Diskussionseite entnehmen kann. Es soll sich um das Wikipedia-Gegenstück zur fiktiven Steinlaus von Loriot handeln, die es u.a. bis in das medizinische Nachschlagewerk Pschyrembel schaffte (pdf).

Allgemein  

“Bild” löst gelösten Fall

Am 2. November berichtete “Bild” das erste Mal über “die hübsche Daniela (17)”, die damals seit zwei Wochen vermisst wurde (siehe Ausriss). “Bild” forderte ihre Leser auf, die Polizei anzurufen, wenn sie Daniela gesehen haben sollten und schrieb:

Ist die Realschülerin (10. Klasse) entführt worden oder einfach nur abgehauen? Die Mutter: “Dieses Jahr hatte sie nur Einsen und Zweier. Alles lief gut für meine Daniela.”

Außerdem hieß es einleitend:

Nach dem Frühstück legte Daniela (17) einen Zettel auf den Küchentisch: “Mama, nach der Schule gehe ich noch einkaufen.” Das letzte Lebenszeichen der hübschen Schülerin (…)

Dann war eine Weile Ruhe. Doch vorgestern berichtete “Bild” wieder über das vermisste Mädchen und schrieb:

Das letzte Lebenszeichen: ein Zettel auf dem Küchentisch: “Mama, gehe nach der Schule noch shoppen.”

Anlass war diesmal ein Brief der Mutter an Daniela, den “Bild” zusammen mit dem erneuten Aufruf an die Leser veröffentlichte, gegebenenfalls die Polizei zu informieren.

Und gestern konnte “Bild” tatsächlich erleichtert vermelden:

Jetzt rief die junge Frau bei BILD an.

“Es geht mir gut”, sagte sie. “Aber ich will nicht mehr nach Hause. Ich lebe bei einer Familie, passe auf deren Kinder auf und verdiene mir so ein wenig Geld. Ich habe zu essen und zu trinken.”

Der Hinweis auf den ominösen Zettel fehlte auch hier nicht:

Daniela hatte ihrer Mutter nur einen Zettel in die Küche gelegt (“Gehe nach der Schule noch shoppen”) und war verschwunden.

Tatsächlich aber war alles ganz anders, als “Bild” wiederholt nahe legte: Daniela hatte nämlich einen Abschiedsbrief an ihre Mutter geschrieben, in dem sie ihr mitteilte, dass sie abhauen würde und nicht zurückkommen will. Auch war nicht der vermeintliche Zettel von “Bild” das “letzte Lebenszeichen” von Daniela, sondern eine E-Mail an die Polizei, in der sie den Inhalt des Abschiedsbriefs bestätigte. Folglich gab es auch keine Hinweise auf eine Straftat.

Und: Nach unseren Informationen wusste “Bild” all das auch — und zwar schon vor Veröffentlichung des ersten Artikels am 2. November. Dennoch erwähnt “Bild” nichts davon.

Übrigens: Seit vorgestern kann man die wahre Geschichte in einer Pressemitteilung der Polizei Aalen nachlesen, in der auch steht, warum die öffentliche Fahndung erst jetzt eingeleitet wurde:

"Nachdem in der BILD eine von der Mutter veranlasste Veröffentlichung zu der Vermissten erschienen war, meldeten sich sowohl Personen, die die Vermisste an verschiedenen Orten gesehen haben wollten, als auch solche, die angaben, dass sie sich in ihrer Gewalt befinde.
Da die Ernsthaftigkeit nicht genau eingeschätzt werden kann, muss die Polizei davon ausgehen, dass möglicherweise im Zuge des Vermisstseins eine Straftat an ihr begangen wurde."

Und wir fassen zusammen: “Bild” erweckt wider besseres Wissen den Eindruck, eine 17-Jährige sei möglicherweise entführt worden, verschweigt ihren Abschiedsbrief und bringt mit einem eigenen öffentlichen Fahndungsaufruf offenbar Trittbrettfahrer dazu, eine Straftat vorzutäuschen, so dass die Polizei am Ende tatsächlich die öffentliche Fahndung einleiten muss.

Mit Dank an Martin M. für den sachdienlichen Hinweis.

Bild.de weiß mehr oder weniger

US-Medien berichten dieser Tage über einen Mann aus Wisconsin, dem vorgeworfen wird, sexuelle Handlungen an einem angeblich tot am Straßenrand aufgefundenen Reh vorgenommen zu haben. (Der Fall sorgt insbesondere deshalb für Aufsehen, weil das zuständige Gericht offenbar die grundsätzliche Frage klären muss, ob ein tot am Straßenrand aufgefundenes Reh ein “Tier” sei oder ein “Kadaver”, denn: Sex mit Tieren sei strafbar, Sex mit Kadavern nicht.)

Aber natürlich beschäftigt sich auch Bild.de (“Ekelhafter geht’s wirklich nicht.”) mit der “Ekel-Tat” des Mannes, der “seine perversen Fantasien an einem Tier-Kadaver ausgelebt” habe. Und so berichtet Bild.de über den Tathergang:

"Eigentlich hätte er ja vorgehabt, ein Pferd zu töten, sagte der 20-Jährige. Klappte aber nicht. Und da kam ihm das tote Reh, das er nach eigenen Angaben am Straßenrand fand, gerade recht."

Der Schilderung ist seltsam. In den US-Berichten ist nämlich nirgends die Rede davon, dass der 20-Jährige eigentlich ein Pferd zu töten vorgehabt zu haben behauptet habe. Stattdessen ist dort von etwas anderem die Rede. So schreibt beispielsweise thesmokinggun.com (eine Quelle, auf die auch Bild.de gern zurückgreift) an ungefähr derselben Stelle, an der bei Bild.de der Pferde-Satz steht:

“The Wisconsin man (…) previously has served time for killing a horse he intended to sexually assault (…).”
(Der Mann aus Wisconsin hat zuvor eine Haftstrafe abgesessen, weil er ein Pferd getötet hatte, an dem er sich sexuell vergehen wollte.)

Diese Info aber bleibt Bild.de ihren Lesern quasi weltexklusiv schuldig.

Nachtrag, 18.11.2006: Bild.de hat den oben zitierten Absatz komplett gestrichen und durch den folgenden ersetzt:

"Das Reh habe er nach eigenen Angaben tot am Straßenrand gefunden."

“Welt” wirft “Bild” potentiellen Rufmord vor

Auch die “Welt” berichtet heute über “das offene Lexikon Wikipedia, das wegen seiner Anfälligkeit für Manipulationen von einem Boulevardblatt ‘Wikifehlia’ genannt wird” (wir berichteten). Ohne das “Boulevardblatt” — das ja bekanntermaßen wie die “Welt” im Springer-Konzern erscheint — beim Namen zu nennen, heißt es:

In dieser Woche haben sich auf den deutschen Seiten der Wiki-Gemeinde Textpassagen gehäuft, die mehr darstellen als sachliche Fehlinformationen, sondern zudem auf die Verunglimpfung von Prominenten zielen. (…) So pubertär lebensgeschichtliche Klitterungen wie diese auch anmuten mögen, so sehr sind sie dazu angetan, den Tatbestand eines Rufmordes zu erfüllen. Nicht etwa nur der verleumdeten Person, sondern auch des Online-Nachschlagewerks, das sich derzeit müht, sein anarchisches Image abzustreifen. Die Mühsal dürfte nicht geringer werden. (…) Kein Schelm, wer an kalkulierte Koinzidenz dabei denkt, dass besagte Zeitung, die Wikipedia als ‘Wikifehlia’ schmäht, kurz vor den biographischen Attentaten dazu aufgerufen hatte, in dem Forum nach Falschinformationen zu fahnden und diese zu melden. Auch dies ist potentieller Rufmord.”

Mit Dank an Mathias S. für den Hinweis.

“Bild” als WIKIPEDIAblog (1)

“Bild”-Autor Sven Kuschel (“Lesbe (taubstumm) sticht Lesbe (taubstumm) nieder”, “Waldmensch metzelt Spaziergänger nieder”), schreibt heute über “Wikifehlia”:

Dieter Thomas Heck in Internet-Lexikon beleidigt

“Wikifehlia” habe “sein erstes Promi-Opfer”, heißt es eingangs. Zwar ist Heck keineswegs das erste “Promi-Opfer”, aber was da über Heck im Internet-Lexikon stand, ist wirklich eindrucksvoll. “Bild” schreibt:

So heißt es bei “Wikipedia” in Hecks Lebenslauf, er habe “nach einem Bombenangriff drei Tage lang onanierend unter einer Kellertreppe” gelegen: “Wegen dieses Traumas begann er nach seiner Rettung zu stottern.”

Weiter heißt es: “Heck nahm Gesangsunterricht, um seine Impotenz loszuwerden” — und es wird sogar behauptet, Heck habe “vor dem Krieg als Verkaufsleiter einer Kondomfirma gearbeitet”!

Immerhin steht im Text auch:

Die Schmutz-Einträge wurden mittlerweile gelöscht.

Bemerkenswerterweise steht im “Bild”-Text aber nicht, wann die “Schmutz-Einträge” überhaupt gemacht wurden. Dabei lässt sich das bei Wikipedia gut nachvollziehen: Die von “Bild” zitierten Passagen wurden nämlich am 13. November mittags von einem anonymen Nutzer abgeändert. (Derselbe Nutzer hat übrigens am Morgen des 13. November auch die Einträge zu Bata Illic und zu Karl Moik vandalisiert, was allerdings binnen einer Minute bemerkt und rückgängig gemacht wurde.)

Zur Erinnerung: Am selben Tag hatte “Bild” ihre Leser aufgefordert, Fehler im Online-Lexikon Wikipedia zu finden und zu melden.

Mit Dank an die zahlreichen Hinweisgeber.

Neuer “Torwart-Zoff” in “Bild”

Klar könnte ein Fußballtorwart sich einfach damit zufrieden geben, in der Nationalmannschaft bloß Ersatzspieler zu sein. Er könnte sagen: “Mein Anspruch ist, ewig die Nummer 2 in Deutschland zu bleiben.” Allerdings: Wer weiß, ob jemand mit so einer Einstellung überhaupt in eine Nationalmannschaft aufgenommen würde.

Der Fußballtorwart Timo Hildebrand jedenfalls (derzeit die Nummer 2 hinter Jens Lehmann) hat, nachdem er erfahren hat, dass er morgen gegen Zypern spielen soll, offenbar “ins DSF-Mikrofon” gesagt:

“Mein Anspruch ist, die Nummer 1 in Deutschland zu werden.”

Das steht heute so in “Bild”*. Der einleitende Satz lautet:

Wer gedacht hat, dass es nach Kahns Rücktritt ruhig werden würde im deutschen Tor, hat sich getäuscht.

Und seltsamer Weise sehen Überschrift und Seite-1-Aufmacher so aus:

"Neuer Torwart-Zoff vorm Zypern-Spiel: Hildebrand greift Lehmann an"

*) Ansonsten hat Hildebrand offensichtlich kein Wort über Jens Lehmann und sein Verhältnis zu ihm verloren, hat weder Lehmanns Spielweise kritisiert, noch behauptet, er sei besser als Lehmann oder irgendetwas anderes in der Richtung. Nur damit hier kein falscher Eindruck entsteht — was angesichts der “Bild”-Überschrift nicht verwunderlich wäre.

“Bild” verhöhnt Pendler

Zur “Bild” vom 9. November erklärt Jürgen Trittin u.a:

In der 4. Folge der BILD-Serie Patient Erde wird (…) empfohlen: “Weniger Auto fahren. Laufen, Rad nehmen, Fahrgemeinschaften mit Nachbarn, Kollegen bilden — oder öffentliche Verkehrsmittel.” Denn: “So können wir unseren schönen Planeten retten”.

Vor gerade mal einem Jahr war BILD noch ganz anderer Auffassung. Meinen Hinweis, man könne neben anderen Maßnahmen auch mal ab und zu das Auto stehen lassen, war Anlass für eine “Benzin-Wut-Kampagne” gegen den Umweltminister. Dieser Vorschlag sei “blanker Hohn” für Pendler.
(Aus einer Pressemitteilung von Jürgen Trittin, Links von uns.)

Mit Dank an Jonas L. und Trittins Büro für den Hinweis.

Bild.de-sinformation

Bild.de-sinformation -- So unzuverlässig ist Deutschlands beliebtestes Nachrichten-Portal
VON C. L. ARISSA UND S. PYRI

Berlin — Können Sie sich vorstellen, dass jemand tagein tagaus in einer Nachrichten-Redaktion lauter fehlerhafte Artikel schreibt und die dann auch noch so gedruckt werden?

wikipedia wikifehlia "wiki-fehlia"Blödsinn, klar! Im Internet geht das — zum Beispiel beim Online-Ableger von Europas größter Tageszeitung, Bild.de (www.bild.t-online.de, mehr als 38 Millionen Visits im Monat).

Verrückte Fans der Aufweichung des Trennungsgebots von Redaktion und Reklame (“Schleichwerbung”) gaben auf Bild.de wiederholt werbliche Texte als Artikel aus und kennzeichneten sie nicht als Anzeige …

Was ist Bild.de?

Die multimediale Erweiterung der Tageszeitung “Bild”. Es gibt eine Redaktion, keine Journalisten. Jeder kann Texte für Bild.de schreiben oder Artikel von anderen bearbeiten. Rund 40.000 ehrenamtliche Bild.de-Aufpasser kontrollieren die Artikel und korrigieren den gröbsten Unfug. BILDblog.de testete, wie lange die Fehlerbeseitigung dauert: von 13 Minuten (Michael Schumachers silberner Privat-Ferrari war “rot”) bis gar nicht (“Dr. Seltsam versucht im satirische Film von Stanley Kubrick, auf eigene Faust einen Atomkrieg mit der Sowjetunion auszulösen”).

Warum ist es gefährlich, sich auf Bild.de zu verlassen?

Niemand weiß, wer hinter den Artikeln steckt — ob Experte, Laie oder Spaßvogel. Immer wieder schreiben Internet-Vagabunden mit erfundenen Identitäten absichtlich Fehler in Einträge.

Der amerikanische Digital-Visionär Jaron Lanier (46) sagte dem “Spiegel”: “Das Schlimmste ist der Glaube an die sogenannte Weisheit der Massen, die im Internet ihre Vollendung finde. Die Wahrheit hingegen bekommen sie nur mit Verantwortlichkeit. Genau deswegen schlage ich ja jetzt Krach.”

Haben Sie auch was gefunden? BILDblog sucht die kleinen und großen Bild.de-Fehler: [email protected]
 
Nachtrag, 20.45 Uhr.
Fast hätten wir’s vergessen: Natürlich sucht BILDblog auch die kleinen und großen Fehler in der gedruckten “Bild”. Schließlich steht Deutschlands beliebteste Tageszeitung Deutschlands beliebtestem Nachrichten-Portal in nichts nach.

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