Schauspielerin Keira Knightley wird immer dünner, meint Bild.de, “erbarmungswürdig dünn” sei sie inzwischen: “Busen? Lediglich mit Vergrößerungsglas erahnbar. (…) Gesund? Sieht anders aus.”
Das ist im Prinzip nicht neu, denn schon im Juli 2006 kommentierte Bild.de in einer Bildergaleriedas Auftreten Knightleys bei der Premiere von “Fluch der Karibik” mit den Worten:
Welche Piraten haben diesen Busen geklaut? Der Fluch des Dünn-Seins? Hollywood-Jungstar Keira Knightley erschreckend flach!
Schlimm. Warum machen diese Hollywood-Schauspielerinnen das? Wem gefällt denn sowas?
— ach kuck mal, da ist ja noch eine Fotogalerie auf Bild.de. Direkt unter der anderen. Auch da ist dieselbe Keira Knightley beim selben Anlass im selben Kleid zu sehen. Und was hat Bild.de darunter geschrieben?
Keira Knightley: so schön, so zart, so sexy. Ein echtes Goldstück, diese Keira, höchst luftig und höchst sexy.
Zart wie eine Elfe.
Eine seltsame Überschrift für eine kurze Nachricht über einen Autofahrer, der laut Polizeimeldung “mit einer vorwerfbaren Geschwindigkeit von 168 km/h” geblitzt wurde, finden Sie nicht? Zumal die Polizeimeldung selbst den Titel trägt:
Und wer “raste bei Frost mit 240 km/h über die A23”?! Auch das steht in der Polizeimeldung: der Fahrer der zivilen Videostreife nämlich, der “beim Aufholen zum Audi (…) teilweise 240 km/h gefahren” sei.
Und nun zum Vergleich noch ein paar Überschriften anderer Medien: “Polizei holt Raser mit 240 km/h ein” (“Hamburger Abendblatt”), “Polizei stoppt Raser auf A 23 nur mit Mühe” (NDR.de), “A 23: Raser konnte nur mit Mühe gestoppt werden” (Krabbenpost.de), “A23: Raser war 68 km/h zu schnell” (HL-Live.de).
Mit Dank an Sascha S. für den Hinweis und seinen Vater für den Scan.
Wenn irgendwo etwas Schlimmes passiert, versucht “Bild” für gewöhnlich irgendwie an Fotos von Beteiligten zu gelangen. Dabei ist “Bild” offenbar jedes Mittel recht.
Am 2. Januar passierte etwas Schlimmes im Landkreis Böblingen. Ein Mann erschlug seine Mutter. Darüber berichtete “Bild” am 3. Januar. “Bild” war auch an ein Foto des Mannes, der als Künstler arbeitet, gelangt und druckte es in der Stuttgarter Ausgabe sehr groß und in der bundesweiten Ausgabe etwas kleiner ab. Am 4. Januar fand sich das gleiche Foto noch einmal groß zumindest in der Stuttgarter Ausgabe.
“Bild” hat das Foto wahrscheinlich aus dem Internet und hätte es nicht abdrucken dürfen. Es wurde nämlich von einem freien Fotografen für die Baden-Württembergische Lokalzeitung “Gäubote” anlässlich einer Ausstellungseröffnung aufgenommen. Und beim “Gäuboten” teilt man uns mit:
Weder die “Gäubote”-Redaktion, noch der Fotograf haben dafür das Einverständnis gegeben — davon abgesehen, dass es nicht einmal den Versuch der “Bild” gab, das Einverständnis überhaupt einzuholen.
Warum “Bild” nicht versucht hat, das Einverständnis einzuholen, wissen wir nicht. Daran, dass sie nicht wusste, woher das Foto stammt, kann es jedenfalls nicht gelegen haben. In der Stuttgarter “Bild”-Ausgabe vom 3. Januar gibt es nämlich einen korrekten Fotonachweis (siehe Ausriss), der allerdings in der Bundesausgabe fehlt.
Wer weiß, vielleicht ahnte man bei “Bild”, wie man beim “Gäuboten” reagieren würde. Vergangenen Montag erschien jedenfalls unter der Überschrift “Ungefragt und gegen unseren Willen” im “Gäuboten” ein Kommentar zum Thema. Darin heißt es:
Ohne unser Wissen und erst recht ohne unsere Billigung hat “Bild” in der vergangenen Woche ein “Gäubote”-Foto von dem Täter, das ihn vor einem Nackt-Gemälde zeigt und im Dezember von unserem Fotografen Gabriel Holom aufgenommen wurde, großformatig abgedruckt und auch im Internet verwendet. Der Foto-Vermerk “Gäubote/Holom” unter diesem Bild legt den Schluss nahe, Fotograf und “Gäubote” hätten dieses Bild aus freien Stücken und womöglich noch gegen Geld der “Bildzeitung” zur Verfügung gestellt. Genau das aber ist nicht Fall. Weder Fotograf noch “Gäubote”-Redaktion sind um Erlaubnis gefragt worden. Wären wir gefragt worden, so hätten wir aus Gründen unseres Selbstverständnisses nicht zugestimmt. Vielmehr hat die “Bildzeitung” — trotz des urheberrechtlichen Schutzes – dieses Bild eigenmächtig aus dem “Gäubote”-Internetarchiv beschafft. Ein klassischer Raubdruck. Komplize einer solch’ billigen Darstellung wollen wir nicht sein. Gegen Verantwortliche der “Bildzeitung” sind deshalb rechtliche Schritte eingeleitet worden.
Außerdem will der Fotograf seine urheberrechtlichen Ansprüche geltend machen, wie man uns beim “Gäuboten” sagt. Und der “Gäubote” hat beim Presserat eine Beschwerde gegen “Bild” eingereicht, in der es u.a. heißt:
“Mit dem Foto-Vermerk in der Bildzeitung ‘Gäubote/Holom’ wird außerdem indirekt eine Unterstützung und Billigung der vorliegenden Bild-Veröffentlichung durch uns suggeriert, die den ‘Gäubote’ als seriöse lokale Tageszeitung in ihrem Ruf schädigt. Wir selbst haben aus ethischen Gründen auf die Veröffentlichung des Fotos (Aktbild mit [dem Künstler]) verzichtet, da uns diese Darstellung im Kontext der Bluttat als unangemessen und billige Effekthascherei erschienen ist.”
Heute spielen wir “Was passiert hier”. Das geht folgendermaßen: Wir zeigen Ihnen drei Fotos aus einer Bild.de-Galerie, die Kevin Federline beim Wrestling zeigen, und Sie müssen raten, was auf den Fotos zu sehen ist. Um das Ganze zu erschweren, behalten wir aber die Original-Fotounterzeilen von Bild.de bei.
Los geht’s:
a.
b.
c.
Auflösung: Mit Dank an Martin K. für den sachdienlichen Hinweis.
Die amerikanische Internetseite “Regret the Error”, die sich auf Berichtigungen in den Medien spezialisiert hat, wählt in ihrem Jahresrückblick immer die “Korrektur des Jahres”. Gewinner in diesem Jahr ist die britische Zeitung “The Sun” mit folgender Klarstellung und Entschuldigung:
Nach unserem Artikel über die Geburtstagsfeiern von Prinzessin Eugenie sind wir gebeten worden, darauf hinzuweisen, dass die Party die ganze Zeit von Erwachsenen beaufsichtigt wurde und dass zwar ein bisschen Unordnung am Ende des Abends weggeräumt wurde, es aber keine Schäden an Möbeln gab, keine Zecher in die Schlafzimmer hechteten, um betrunken miteinander rumzumachen, und es unkorrekt war, das Haus als verwüstet zu beschreiben.
Wir freuen uns, dies klarstellen zu können, und bedauern jedweden Kummer, den unser Bericht verursacht hat.
(Übersetzung von uns.)
Dabei war der ursprüngliche Artikel durchaus detailliert und farbenfroh und beschrieb, wie minderjährige Gäste besoffen ohnmächtig wurden, alles vollkotzten und Zigaretten auf den Möbel ausdrückten.
Schöne Korrektur in der “Sun” jedenfalls. Und warum steht das hier alles? Ach ja.
Die BILDblogger suchen zwischen den Jahren Orte auf, an denen sie vor der strengen Kälte geschützt sind (hohle Baumstämme, Erdhöhlen und dergleichen) und polstern sie mit Heu, Stroh, Blättern, Haaren, Wolle und anderen Materialien aus. In dem so ausstaffierten Unterschlupf verbringen sie meist zu mehreren Tieren mit zusammengezogenem, abgekugeltem Körper und geschlossenen Augenlidern den Winter in einem energetischen Sparzustand, dem so genannten Torpor. Ihre normale Körpertemperatur sinkt dabei meist auf Werte zwischen neun und einem Grad Celsius ab. Alle Körperfunktionen sind in diesem Zustand stark vermindert. Die Atmung ist schwach, der Herzschlag verlangsamt und die Empfindlichkeit gegenüber äußeren Reizen gering. (…)
Die Dauer des Winterschlafs ist bei den einzelnen BILDbloggern unterschiedlich. (…) Man darf jedoch nicht der falschen Vorstellung unterliegen, dass es sich beim Winterschlaf um einen mehrtägigen Dauerschlaf ohne Pause handelt. Vielmehr verläuft der Schlaf meist in Abschnitten, wobei sich längere Phasen der Ruhe mit stark reduziertem Stoffwechsel mit kurzen Wachphasen abwechseln. Zu oft dürfen die Tiere während des Winters allerdings nicht aufwachen, weil jede zwischenzeitliche Aufwachphase an den Energiereserven zehrt, so dass die Fettdepots zu früh aufgebraucht würden und für den eigentlichen Aufwachvorgang im neuen Jahr nicht mehr zur Verfügung stünden.*
*) Entstanden unter Verwendung eines Wikipedia-Eintrags und mit Dank für die sachdienlichen Hinweise des Jahres 2006 an Adrian G., Adrian, Agathokles P., Alex K., Alex P., Alex V., Alex Z., Alexander B., Alexander F., Alexander H., Alexander J., Alexander R., Alexander S., Alexander W., Alexandra P., Alexandra W., Andie, Andre G., André K., Andreas C., Andreas F., Andreas G., Andreas J., Andreas K., Andreas L., Andreas M., Andreas N., Andreas R., Andreas S., Andreas U., Andy W., Anja, Anke S., Anna, Ansgar B., Anton O., Arend von R., Armin D., Arndt L., Arne K., Arne, Arno L., Astrid G., Axel B., Axel H., Axel L., Balu, Bastian V., Beat M., Beat W., Beate T., Ben G., Benedikt H., Benedikt T., Benjamin B., Benjamin H., Benjamin K., Benjamin M., Benjamin P., Benjamin S., Benjamin W., Benni M., Benny S., Benny, Bernd K., Bernhard C., Bernhard W., Birger T., Björn D., Björn G., Björn, Boris P., bsm, Campino-84, Carl Z., Carlos K., Carsten E., Carsten R., Cay D., ceggis, Chiquita, Christhart B., Christian B., Christian D., Christian G., Christian H., Christian J., Christian K., Christian L., Christian M., Christian N., Christian P., Christian R., Christian S., Christian W., Christiane B., Christine D., Christine K., Christine N., Christof T., Christof W., Christoph A., Christoph H., Christoph L., Christoph M., Christoph O., Christoph P., Christoph S., Christoph W., Christopher G., Christopher R., Claas H., Claudia A., Claudius L., Claus C., Clemens H., ClemensBW, cocolo, Cody, Conrad G., Cosmo, Daniel F., Daniel K., Daniel M., Daniel R., Daniel S., Daniel T., Daniel W., Daniela K., Daniela L, Danny, David H., David T., Dennis S., Detlef B., Diane A., Dieter B., Dietmar H., Dirk B., Dirk E., Dirk H., Dirk, Dirty Harry, Dominic G., Dominik B., Dominik D., Dominik J., Dominik W., Doris M., Dorothee S., Eberhard S., Eike F., Elmar K., Emrah K., Enno H., Enno W., Ereglam, Eric S., Erich B., Erich D., Eva K., Fabian B., Fabian L., Fabian P., Fabian S., farry2003, Felix G., Felix J., Felix S., Florian M., Florian P., Florian Z., Frank B., Frank F., Frank G., Frank J., Frank L., Frank M., Frank R., Frank S., Frank, Franz T., fRANZ, Frederik B., Frederik P., Freemagusto, Friederike U., Friedrich F., Friedrich G., Fritz K., Fritz, Frohmut W., Georg G., Georg S., Giesela S., Gila M., Gila von W., Gilad R., Gregor G., Gunter K., Günther F., Günther T., Hannes K., Hannes, Hanno B., Hanno S., Harald L., Harald L., Harald N., Harald S., Hardy S., Hartmut W., Hauke R., Heike W., Heiko, Heinz-Gerd R., Helmut R., Hendric S., Hendrik B., Hendrik H., Henning B., Henning S., Henrik W., Henryk J., Herbert G., Holger B., Holger G., Holger H., Holger K., Holger M., Holger R., Holger S., Hubert E., Hynek S., Hyp Nom, Isa R., j1103, Jadawin, Jakob W., James, Jan D., Jan G., Jan H., Jan I., Jan J., Jan K., Jan S., Jan, Janine K., Jann M., Jason M., Jean M., Jean-Paul I., Jens E., Jens F., Jens G., Jens L., Jens R., Jens S., Jens-Uwe R., Jo L., Jo M., Joachim S., Joachim W., Jochen Z., Joern H., Johanna K., Johannes B., Johannes E., Johannes F., Johannes H., Johannes K., Johannes L., Johannes M., Johannes T., Johannes, Jonas G., Jonas P., Jonas, Jonas, Jördes G., Jörg B., Jörg F., Jörg J., Jörg L., Jörg N., Jörg Q., Jörg W., Jörg, Jörg-Stefan S., Jörn W., Jule H., Julia K., Julia L., Julian F., Julian H., Jürgen G., Jürgen H., Jürgen K., Jürgen T., Kai B., Kai S., Kai T., Kai, Kait, Karim A., Karsten F., Karsten T., Karsten W., Kat M., Kati, Katrin S., Klaus R., Klaus S., Klaus W., Klement K., Knut I., Konrad B., Kristian S., Kurt R., Landei, Lars B., Lars T., Lars, Le-Grex, Lexirien C., Linda, Lukas J., Lukas L., M.C.P. Magnus G., Maike S., Maja I., Maja I., Malcolm B., Malte B., Malte H., Mandy, Manfred H., Manfred H., Manfred W., Mango_Jerry, Manuel K., Manuel N., Marc B., Marc F., Marc W., Marcel A., Marcel G., Marcel H., Marcel S., Marco W., Mareike, Maria, Mario R., Mario T., Marius M., Mark F., Mark H., Mark P., Marko S., Markus H., Markus K., Markus L., Markus P., Markus Robert M., Markus S., Markus W., Marpfaff, Martin B., Martin F., Martin H., Martin K., Martin L., Martin M., Martin R., Martin S., Martin V., Martin W., Martin Z., Marvin F., Mathias H., Mathias L., Matthäus W., Matthias B., Matthias K., Matthias R., Matthias T., Matthias W., Mawa, Max K., Max M., Max W., maxmen, Mechthild C., Mephon, Micha L., Micha O., Michael B., Michael E., Michael G., Michael H., Michael J., Michael K., Michael L., Michael P., Michael S., Michaela B., Michalis P., Micka, Mike B., Mike S., Miriam R., Mirko K., Mitya K., Moni B., Moritz K., MrB, Mulle M., nakir, Nico A., Nico, Nicolai M., Niklas D., Niklas F., Niklas S., Nikolai S., Nikolaus M., Nils H., Nils K., Nils M., noctullux, Norbert B., Norman S., Olaf K., Olav L., Oliver B., Oliver E., Oliver H., Oliver K., Oliver M., Oliver R., Oliver S., Oliver W., Oliver-Sven L., padeluun Paragleiber, Pascal E., Patrick S., Patrick S., Patrik R., Paul K., Peer K., Peer S., Peter K., Peter M., Peter R., Peter S., Peter T., Phil, Philip G., Philip K., Philip M., Philip S., Philip, Philipp F., Philipp G., Philipp M., Philipp S., Pierre H., Rabbit Ambulance, Rainer W., Ralf H., Ralf P., Ralf S., Ralf S., Raymond, Reinhard K., Reinhard L., Reinhard T., Reinhard W., Rene B., René W., Richard W., Rico R., Robert B., Robert F., Robert T., Roland L., Roland S., Roland W., Ron, Ronald M., Ronny K., Rüdiger S., Sabine B., Sandra M., Sara S., Sascha E., Sascha F., Sascha G., Sascha K., Sascha M., Sascha O., Saskia B., Schibbe, Sebastian B., Sebastian D., Sebastian F., Sebastian H., Sebastian L., Sebastian R., Sebastian S., Sebastian W., Selcuk Ö., Sigrid N., Simon D., Simon K., Simon W., Simon, Sine W., Sönke M., Stefan B., Stefan D., Stefan H., Stefan J., Stefan L., Stefan M., Stefan P., Stefan S., Stefan V., Stefanie F., Steffen G., Steffen S., Steffi, Stephan I., Stephan K., Stephan M., Stephan R., Stephan S., Stephan T., Stephan, Steven J., Sven M., Sven M., Sven P., Sven S., Sven W., Svenja K., Svenya, Sylvie, Sylvio D., T.W., Takuro K., Tamino G., Theo H., Thomas A., Thomas B., Thomas D., Thomas G., Thomas H., Thomas J., Thomas K., Thomas L., Thomas M., Thomas N., Thomas P., Thomas R., Thomas S., Thomas T., Thomas W., Thomas, Thorsten A., Thorsten D., Thorsten E., Thorsten F., Thorsten G., Thorsten L., Thorsten R., Thorsten S., Thorsten T., Thorsten W., Til M., Till R., Tilman K., Tim O., Tim S., Tim U., Tim W., Timm B., Timm H., Timo B., Timo F., Timo P., Timothy I., Tine, Titus B., Tobias B., Tobias F., Tobias G., Tobias H., Tobias J., Tobias K., Tobias L., Tobias M., Tobias R., Tom K., Tom, Toni, Torben F., Torben K., Torben R., Torsten W., Toschi, Traupe, Tristan H., Udo H., Ulf-Erik W., Uli Z., Ullrich F., Ulrich W., Ulrike S., Uwe B., Uwe K., Uwe P., Uwe R., Uwe W., Valerie K., Valon M., Veronika S., vic, Vincent I., Volker K., Volker L., Volker W., Walter H., Werner S., Willibald K., Wito, Wolf Karsten V., Wolf R., Wolfgang H., Wolfgang K., Wolfgang L., Wolfgang P., Wolfgang W., Wolfram M., Yves B., Zeljko K., Zinah J. — und alle anderen, auch die vielen, deren sachdienliche Hinweise wir nicht berücksichtigen konnten!
Was machen Prominente mit den Medien? Was machen die Medien mit den Prominenten? In dem Buch “Medienmenschen — Wie man Wirklichkeit inszeniert” haben Studentinnen und Studenten des Instituts für Journalistik der Hamburger Universität darüber mit 30 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gesprochen. Und natürlich spielt die “Bild”-Zeitung darin eine erhebliche Rolle. Aus dem Buch, das im Januar erscheint*, veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung der Herausgeber vorab einige Zitate zum Thema.
Mathieu Carrière, Schauspieler
Im August 2002 ließen Sie die Bildzeitung einen verzweifelten Brief an Ihre Ex-Freundin abdrucken: “Auf den Knien meines Herzens flehe ich dich an: Hab Erbarmen. Geh nicht mit ihr (Tochter Elena) nach Italien! Bitte, bitte, lass dich erweichen! Ich zahl dir jeden Preis.” Geben Sie nicht zu viel Privates preis?
Carrière: Ich gebe nichts Privates preis. Alles, was Sie in der Zeitung lesen oder im Fernsehen sehen, ist ein Produkt. Dieses Produkt gestalte ich mit. Diesen “Brief” habe ich zu einem Zeitpunkt an die Bildzeitung gegeben, als die Gegenseite versucht hat, mich als geisteskrank darzustellen. Mit Hilfe der Medien konnte ich gegensteuern. Mein “Privatleben” ist eine Inszenierung. Das, was ich davon an die Medien gebe, ist inszeniert. Es gibt keine Authentizität in den Medien. Sie glauben doch nicht, dass irgendeine Homestory authentisch ist.
Andre Heller, Künstler
Warum will “Bild” Sie unbedingt interviewen?
Heller: Wir kommen im Großen und Ganzen ohne einander aus. Was mich vorrangig beschäftigt, sind doch auch keine für Bild interessanten Themen. In das Blatt kommt man, wenn etwas aufgewühlt wird, was für die Massenleser nach Meinung der Chefredaktion relevant ist. Ein winziges Beispiel: Rudi Carell hat in seinen Memoiren angeblich geschrieben, dass eine seiner Frauen mich eine Zeit lang geliebt habe. Nach seinem Tod wollte Bild, dass ich dazu Stellung nehme. Aber welchen Grund gäbe es für einen erwachsenen Herrn mit ausgeprägter Selbstachtung, sich selbst mit einem Kommentar zu Tratschereien zu beschmutzen?
Hans-Olaf Henkel, Lobbyist und “Bild”-Autor
Wie funktioniert das, [einzelne Politiker mit Hilfe der Medien unter Druck zu setzen]?
Ich habe der Bundeskanzlerin Angela Merkel vor einiger Zeit (…) einen Brief geschrieben. Das Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba hatte sie zu diesem Zeitpunkt bereits zur Sprache gebracht, wofür ich sie in meinem Brief lobte. Ich forderte sie gleichzeitig auf, bei ihrer ebenfalls anstehenden Reise zum (…) russischen Präsidenten Wladimir Putin deutlich die Menschenrechtslage in seinem Land zu kritisieren. Und ich habe ihr geraten, das Waffenembargo gegen China nicht aufheben zu lassen, wie von Schröder früher gefordert. All dies hat Frau Merkel getan. Zuvor hatte ich mir allerdings überlegt, wie ich meinen Worten Nachdruck verleihen könnte. Die Lösung war ein Kommentar in der Bildzeitung, zweite Seite links oben. Dort habe ich geschrieben, wie mutig sie wäre, wenn sie alle diese Dinge ansprechen würde.
Den Bild-Kommentar haben Sie geschrieben, nachdem Sie Angela Merkel den Brief geschickt hatten?
Ja, den Artikel habe ich anschließend hinterhergeschickt. (…) Das heißt, sie hatte mit dem Kommentar auch eine Drohung auf dem Tisch: Ich hatte das Thema öffentlich gemacht. (…)
Besteht nicht die Gefahr, dass ein Medienmensch wie Sie selbst immer mediengängiger, immer schriller und aufgeregter formuliert?
Was ist das Problem? Immer nur in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aufzutauchen, erscheint mir witzlos, denn deren Leser sind ohnehin meist von dem überzeugt, was ich sage. Man muss in die Bildzeitung, weil die gesamte Politik diese Zeitung besonders ernst nimmt und daneben nur vor einer einzigen Zeitschrift großen Respekt hat, dem Spiegel. Gerhard Schröder hat dies mir gegenüber übrigens offen zugegeben.
Martin Sonneborn, Satiriker, ehemaliger “Titanic”-Chef
Ihre Lieblingsgegner sind die Bildzeitung und das Magazin Focus. Was stört Sie an diesen Blättern?
Sonneborn: Diese beiden Blätter machen uns nach wie vor Konkurrenz, das stört mich natürlich. Wenn die Bildzeitung vorne zeigt, wie Kai Diekmann dem Papst eine “Volksbibel” übergibt, während ein paar Seiten weiter eine “schluckgeile Oma” ihre Dienste inseriert, ist das schwer zu übertreffen: Wenn wir das offizielle Bild nehmen und als “Foto des Monats” so uminterpretieren, dass Diekmann dem erfreuten Papst stolz eine schweinslederne Sammlung der schärftsten Fickanzeigen übergibt, bleibt das hinter der Wirklichkeit zurück.
*) Jens Bergmann, Bernhard Pörksen (Herausgeber): “Medienmenschen —
Wie man Wirklichkeit inszeniert”,
Solibro-Verlag, 19,80 Euro.
Dirk Hoeren ist bei “Bild” ein vielbeschäftigter Mann. Am selben Tag, an dem er mit einem großen Interview seine Falschmeldung von letzter Woche wiedergutmachen muss, schreibt er (zusammen mit einer Kollegin) schon wieder einen neuen “Bild”-Aufmacher, an dessen Fehlern er sich die nächsten Tage abarbeiten kann.
Dieser “Schock” ist vielleicht für Menschen, die sich auch aus anderen Quellen als die “Bild”-Zeitung informieren, nicht gar so groß. Denn die Erhöhung der Beitragssätze der Krankenkassen zeichnete sich schon ab. Am 15. Dezember titelte die “Financial Times Deutschland”:
Krankenkassen wollen Beiträge stark erhöhen
Die Spitzenverbände hätten eine Erhöhung um 0,7 Prozentpunkte angekündigt, schrieb die “FTD”. Das “kostet Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammen knapp 7 Mrd. Euro”.
Eine knappe Woche später hat die Schock-Welle endlich die “Bild”-Zeitung erreicht, und sie staunt auf der Seite 1:
Bis zu 7 Milliarden Euro kassieren [die gesetzlichen Kassen] 2007 von Arbeitgebern und Arbeitnehmern mehr ab.
Nun wäre Dirk Hoeren aber nicht Dirk Hoeren, wenn seine Artikel nur spät wären und nicht auch fehlerhaft. Er schreibt:
Die höchsten Steigerungen haben die Versicherten der AOK Rheinland zu tragen: (…).
Nun wäre Dirk Hoeren aber nicht Dirk Hoeren, wenn seine Artikel nur spät und fehlerhaft wären und nicht auch grob irreführend. Er schreibt über die Erhöhung vieler Allgemeiner Ortskrankenkassen (AOK):
Damit liegen die Beiträge dann teilweise schon über 16 Prozent. Absoluter Rekord! Trauriger Spitzenreiter ist die AOK Saarland mit 16,7 Prozent.
“Bild” hat einfach auf alle Beitragssätze 0,9 Prozentpunkte aufgeschlagen. Das ist der Sonderbeitrag, den die Arbeitnehmer zusätzlich zum Regelsatz bezahlen müssen, den Arbeitgeber und Arbeitnehmer paritätisch zahlen. Die höhere Zahl gilt zwar eigentlich nicht als “allgemeiner Beitragssatz”; sie zu nennen wäre aber nicht falsch — würde “Bild” nur einmal erklären, dass ihre Zahlen eben inklusive dieses Sonderbeitrags gemeint sind, und nicht mehrmals den Eindruck erwecken, die Arbeitgeber müssten den gleichen Satz zahlen.
Vollends unzulässig wird die Rechnung aber an der Stelle, an der “Bild” die so erhöhten Beitragssätze mit dem Beitragssatz vergleicht, den Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt einmal als Ziel ausgegeben hatte. Auf die von Schmidt genannten “12,15 Prozent” hat “Bild” nämlich “vergessen”, ebenfalls die 0,9 Prozentpunkte aufzuschlagen — um die Diskrepanz zwischen Ziel und Realität noch größer wirken zu lassen als sie ohnehin schon ist.
Einen der größten Erfolge unter Chefredakteur Kai Diekmann feierte die “Bild”-Zeitung im Jahr 2003 mit ihrer wochenlangen Berichterstattung über einen in den USA lebenden deutschen Sozialhilfeempfänger, den sie “Florida Rolf” nannte. Die Kampagne erreichte nicht nur, dass der Mann nach Deutschland zurückkehrte, sondern auch, dass der Bundestag in kürzester Zeit die Gesetzeslage verschärfte. Dabei betraf die Regelung nicht einmal 1000 vermeintliche “Sozialschnorrer” und bedeutete möglicherweise sogar höhere Ausgaben für die Steuerzahler.
In diesen Tagen arbeitet sich “Bild” wieder an einem vermeintlichen “Abzocker” ab: Henrico Frank, ein Arbeitsloser, der SPD-Chef Kurt Beck dafür verantwortlich machte, Hartz-IV-Empfänger zu sein, und dafür von ihm gesagt bekam, er solle sich erst einmal waschen und rasieren, dann bekomme er auch Arbeit. Frank ließ sich von Journalisten zu einem Friseurbesuch überreden, Beck vermittelte ihm darauf mehrere Stellenangebote, Frank ließ ein Treffen mit Beck jedoch platzen und lehnte auch die angebotenen Jobs ab. Seitdem ist er für “Bild” “Deutschlands frechster Arbeitsloser” und heute zum zweiten Mal großer Seite-1-Aufmacher:
Die Frage klingt, als wollte “Bild”, ähnlich wie bei “Florida-Rolf”, eine vermeintliche oder tatsächliche Ungerechtigkeit im Gesetz anprangern. In Wahrheit hat der Bundestag erst vor kurzem die Gesetzeslage für Menschen wie Henrico Frank drastisch verschärft. Wer innerhalb eines Jahres drei Angebote seiner Arbeitsagentur ohne guten Grund ablehnt, bekommt vom kommendem Jahr an für ein Vierteljahr sämtliche Zahlungen gestrichen, ist nicht krankenversichert, bekommt kein Geld für Unterkunft und Heizung. Nach Ansicht von Kritikern dieses Gesetzes kann das für viele hartnäckige Arbeitsverweigerer bedeuten, obdachlos zu werden. Die neue Regelung ist juristisch umstritten, weil eigentlich jeder Mensch einen verfassungsrechtlichen Anspruch auf das Existenzminimum hat.
“Faulenzern” und “Abzockern” wie Henrico Frank droht also nach dem verabschiedeten Gesetz, nichts zu bekommen. Da es schwer ist, Menschen weniger als nichts zu geben, ist nicht ganz klar, auf welche Art Gesetzesverschärfung die “Bild”-Kampagne zielen könnte: Die Möglichkeit, “Faulenzer” und “Abzocker” aus dem Land zu jagen?
Aber vielleicht geht es der “Bild”-Zeitung hier auch nicht um das Gesetz. Vielleicht hat sie mit Henrico Frank eine persönliche Rechnung offen. Darauf deutet zum Beispiel der gestrige “Bild”-Artikel hin, der so begann:
Die “Bild”-Zeitung lässt offen, ob sie mit “uns” uns meint oder “Bild”-Mitarbeiter. Deren Gefühl, “verarscht” worden zu sein, könnte aber daher rühren, dass die Geschichte so schön auf ein Happy-End hätte hinauslaufen können: Dank tatkräftiger Unterstützung der Medien wird aus nichtsnutzigem Hartz-IV-Suff-und-Schmuddel-Punk ein glückliches Mitglied der arbeitenden Gesellschaft. Henrico Frank wollte dieses Spiel, hinter dem er eine PR-Aktion von Beck vermutet, offenbar nicht mitspielen — ob er dabei klug vorging, ist eine andere Frage.
Die “Bild”-Zeitung jedoch erweckt den Eindruck, Frank habe sie in die Irre geführt. Dabei zeigte Frank von Anfang an wenig Bereitschaft, die ihm von dem Medien zugeteilte Rolle zu spielen — selbst den Frisurwechsel bereute er schnell. Dass Frank “vier Handys” hat (nach eigenen Angaben alle Prepaid, ohne laufende Kosten), war “Bild” ebenso bekannt, wie dass er weiter seinen Anstecker “Arbeit ist Scheiße” trug. Erst im Nachhinein machte sie daraus Belege, um Frank zu “Deutschlands frechstem Arbeitslosen” zu stempeln.
Die “Bild”-Berichte über den Arbeitslosen sind inzwischen voller bösartiger Interpretationen und einseitiger Verdrehungen. Aus dem Angebot, für “5,50 Euro / Stunde” zu arbeiten, macht “Bild” einen von acht “gut bezahlten Jobs”. Dass sich die Sprecherin Franks bei den Arbeitgebern erkundigte, ob sich die Stellen (u.a. Straßenbauarbeiter, Maurer, Maler) überhaupt eignen für jemanden, der “nur noch eine Niere, dazu einen Bandscheibenvorfall und eine Schulterprellung” hat, nennt “Bild” schlicht “dreist”: “Motto: Ich kann nicht, aber was gibt’s denn?” Nebenbei fabriziert “Bild” aus den Zitaten mehrerer Politiker der Linkspartei, die grundsätzlich begrüßen, wenn Arbeitslose in die Politik und die Parlamente gehen, eine mögliche Kandidatur Franks für den Bundestag.
Den CDU-Politiker Michael Fuchs hingegen zitierte “Bild” gestern mit den Worten:
Was wirft das für ein Licht auf all die anderen Arbeitslosen! Henrico Frank bringt sie alle in Verruf.
Tut er das wirklich? Oder tun das nicht “Bild” und die anderen Medien, die das Verhalten Franks in einer Breite diskutieren, die gar keinen Sinn ergäbe, wenn sie davon ausgingen, dass Franks Verhalten ein völliger Einzelfall wäre. Dadurch, dass sie den Fall seit einer Woche ausführlich begleiten, suggerieren sie erst, dass es sich um ein grundsätzliches Phänomen und Problem handelt.
Der Politologe Frank Oschmiansky hat vor einigen Jahren die Konjunktur der immer wiederkehrenden “Faulheitsdebatten” untersucht und befand, sie folgten “zu einem guten Teil politischen Kalkülen”. Sie ließen bei den Bürgern den Eindruck entstehen, der “Missbrauch sozialer Leistungen” sei eines der größten Probleme dieses Landes — dabei sei der Schaden rechnerisch “marginal” gegenüber Delikten wie Schwarzarbeit, Subventionsmissbrauch, Korruption oder Steuerhinterziehung. Oschmianskys Fazit:
Zudem zielen die “Faulheitsvorwürfe” darauf, das sozialpsychologische Klima zu schaffen, um Leistungseinschränkungen oder auch Zumutbarkeits- oder Sanktionsverschärfungen den Boden zu bereiten. (…) Durch die Skandalisierung des Leistungsmissbrauchs wird ein Klima erzeugt, in dem Kürzungen von Sozialleistungen leichter durchsetzbar sind.