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Aufgeblasene “Bild”-Aktion an Unis

Die Axel Springer AG veranstaltet zurzeit offenbar verstärkt Werbeaktionen, bei denen “Bild”-Zeitungen an Universitäten verteilt werden. Akademiker sind in der “Bild”-Leserschaft eher unterrepräsentiert. Allerdings stoßen diese Verteilaktionen bei Studenten zum Teil auf wenig Begeisterung. So wurde beispielsweise an der Bochumer Ruhr-Uni mindestens ein “Bild”-Infostand zerstört, und der AStA fordert das Rektorat auf, “dem Springer-Konzernen und ähnlichen Unternehmen den Auftritt auf dem Campus zu verbieten”, wie bei indymedia berichtet wird.

Auch an der Uni Bielefeld führt “Bild” eine Werbeaktion durch. Dort können Unternehmen in der Uni-Halle Flächen zu Promotionszwecken mieten, wie uns ein Sprecher sagt. Diese Möglichkeit werde insbesondere zu Semesterbeginn von vielen Zeitungen genutzt. Aktuell sei neben der “Bild”-Zeitung beispielsweise auch die “Zeit” dort vertreten.

Wie in Bochum sehen Studenten auch in Bielefeld die “Bild”-Verteilaktionen kritisch. Auf einem Transparent heißt es “Exzellenzinitiative gescheitert, Rektorat verteilt BILD”. Ein BILDblog-Leser, der die Werbeaktion und die Proteste fotografiert hat, berichtet zudem, ein anderer Fotograf sei von den Verteilern “körperlich angegangen” worden, um Fotos zu verhindern. Außerdem hätten die “Bild”-Verteiler ihm “rechtliche Schritte” angedroht, für den Fall, dass Fotos wie dieses veröffentlicht würden:

“Bild” enthüllt: Madl ist lieb und heißt nicht Erika

“Wer sich mit seinem Privatleben in die Öffentlichkeit begibt, um den eigenen Marktwert zu steigern, muß sich publizistische Kontrolle gefallen lassen. (…) Wer sein Privatleben privat lebt, bleibt privat.”

Wir wissen nicht, mit welchen privaten Geschichten sich ein bekannter deutscher Koch in die Öffentlichkeit begeben hat, um seinen Marktwert zu steigern. Uns ist keine aufgefallen. Aber er muss es getan haben, sonst hätte Kai Diekmann ja die Unwahrheit gesagt.

Denn am Donnerstag informierte die “Bild”-Zeitung die Öffentlichkeit darüber, dass dieser Koch eine uneheliche Tochter hat.

Welches berechtigte öffentliche Interesse an dieser Information besteht, bleibt offen: Die Mutter des Kindes wollte sich laut “Bild” gegenüber “Bild” nicht äußern. Der Koch bestätigte laut “Bild” gegenüber “Bild”, dass er zu dem Kind bei einem Treffen gesagt habe: “Bist ein liebes Madl.” Streit mit der Mutter gebe es nicht, alles sei bestens geregelt. “Ich möchte (…) nicht, dass das zu breit ausgetreten wird”, zitiert “Bild”-Reporter Stephan Kürthy den Koch in seinem 33 Zentimeter breiten Artikel.

Dessen zentraler Satz lautet:

Jetzt kommt heraus:                                         HAT EINE UNEHELICHE TOCHTER NAMENS ERIKA* (5).

*Name geändert

Der Name taucht danach nie wieder auf.

Aber vielleicht ist das irgendwie wichtig für “Bild” und uns alle: Ein bekannter Koch hat eine uneheliche Tochter, und sie heißt nicht Erika.

(Alle schwarzen Balken natürlich von uns.)

Vielen Dank an Christian M.!

“Bild” löst “Pyramiden-Rätsel” falsch

Ob das “Pyramiden-Rätsel gelöst” ist, wie “Bild” gestern schrieb, lassen wir mal dahingestellt. Es gibt aber immerhin eine neue Theorie dazu, wie die Ägypter die Cheops-Pyramide errichtet haben könnten. Der französische Architekt Jean-Pierre Houdin glaubt, dass sie für die ersten 43 Meter eine Außenrampe benutzten. Für die restlichen 103 Meter allerdings — und das ist das Neue an der Theorie — sollen sie eine Wendel-Rampe benutzt haben, die im Inneren der Pyramide verläuft. “Bild” illustriert ihre Meldung dazu so…:

"Pyramiden-Rätsel gelöst"

…und zeigt damit keineswegs die neue Theorie von Houdin, sondern ausgerechnet eine der altbekannten Theorien, die in Houdins Computersimulation explizit als nicht haltbar bezeichnet werden:

Es erscheint unsinnig, die ganze Pyramide über eine frontale Rampe zu errichten.

Mit Dank an Oliver W. für den sachdienlichen Hinweis.

BILDisch für Anfänger

Der Engländer nennt sie “false friends”: Wörter, die ähnlich aussehen, aber ganz etwas anderes bedeuten. Das englische Wort “gymnasium” ist für Deutsche so ein false friend, weil es “Turnhalle” bedeutet.

Auch die Sprache von “Bild” ist bekanntlich voller falscher Freunde. “Enthüllen” zum Beispiel bedeutet nicht dasselbe wie in der deutschen Sprache, sondern etwa: “längst bekanntes mit Verspätung aufgreifen”. Fast schulbuchmäßig demonstriert die “Bild”-Zeitung in der heutigen Ausgabe den Einsatz, wenn sie titelt:

"BILD enthüllt Kerkelings neuesten Coup - Hape jetzt als Schlittenhund in Norwegen unterwegs"

Das Hörbuch, das “Bild” meint, lässt sich (wie sogar “Bild” selbst bemerkt) längst im Buchhandel vorbestellen. Das Internet ist voll von Besprechungen. Am Mittwoch veröffentlichte die Frauenzeitschrift “Brigitte” ein langes Interview darüber mit Kerkeling. Vor fast zwei Wochen erschien in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” ein großer Artikel darüber. Und vor über zwei Wochen las Hape Kerkeling selbst auf der lit.Cologne daraus vor.

Und wir merken uns: Etymologisch stammt das “Bild”-Wort “enthüllen” nicht, wie im Deutschen, von der Hülle ab, sondern von der Ente.

Wie gefährlich ist “Bild”?

Was erwartet eigentlich der Leser von einer Tageszeitung?

Neuigkeiten? Und Hintergründe?

Und was erwartet den Leser bei “Bild”?

Die Beantwortung der Frage “Wie gefährlich sind Mikrowellen?” durch das “Schulprojekt” einer “Schülerin der 6. Klasse” (ein mit microwaved water begossenes Pflänzchen ging nach neun Tagen ein) und zwei Vorher/Nachher-Fotos des “Experiments”, die “im Internet kursieren” (siehe Ausriss).

“Bild” schreibt dazu:

“Ist das der Beweis, dass Mikrowellen doch gefährlich sind?”

Offensichtlich nicht zu erwarten hat der “Bild”-Leser eine Antwort auf diese Frage — beispielsweise diese: Das mutmaßliche “Schulprojekt” wurde irgendwann 2006 durchgeführt, besitzt quasi keinerlei Aussagekraft, und “im Internet kursieren” längst auch einleuchtendere Gegenbeweise.

Versacer bei Bild.de

(Wird fortgesetzt…)

Nachtrag, 18 Uhr:

Mit Dank an Hobbes, Andrea B., Sascha H., Michael M., Lisa H., Ingo F., Michael D., Lutz R. und Stefanie H.

Aufgedeckt: Wie “Bild” den “Piano-Mann” fand

Am vergangenen Donnerstag berichtete Jürgen Damsch, einer der Chefreporter von “Bild”, über den nunmehr 22-jährigen “Piano-Mann” (der vor zwei Jahren weltweit Schlagzeilen machte) und druckte “das erste Foto von ihm, seitdem er aus England zurückgekehrt ist”, denn:

BILD fand ihn jetzt (…), sprach ihn auf dem Weg zur Uni an: „Wie geht es dem Piano-Mann heute?“ Er winkt ab: „Das interessiert doch niemanden mehr auf der Welt.“ Wenn er sich da mal nicht täuscht…

Der letzte Satz klingt merkwürdig — passt aber leider sehr gut zu dem, was der “Piano-Mann” Andreas G. mit “Bild” erlebt hat. Er hat sich bei uns gemeldet und schildert ausführlich die Vorgeschichte zum “Bild”-Artikel:

Kurz vor Weihnachten rief ein Mann, der sich als Kriminalpolizist ausgab, bei meinen Eltern an und behauptete, er müsse meine Adresse erfahren, weil ich ein Verbrechen begangen hätte. Auf Nachfrage der Eltern behauptete der Anrufer, ich sei zu schnell mit dem Auto gefahren, was die Eltern stutzig machte, weil ich gar kein Auto besitze. Ob es sich dabei um einen “Bild”-Mitarbeiter handelte, weiß ich nicht.

Anfang Januar dann tauchte jemand, der sich als “Bild”-Mitarbeiter ausgab, vor meiner Wohnung auf und wollte mit mir reden, was ich ablehnte. Am nächsten Tag stellte mir der mutmaßliche “Bild”-Mann nach und fotografierte mich.

Am Montag vergangener Woche sprach mich ein anderer Mann, aller Wahrscheinlichkeit nach Jürgen Damsch (der Autor des heutigen “Bild”-Artikels), beim Verlassen meiner Wohnung an, begleitete mich gegen meinen Willen auf meinem Weg durch die Stadt und “drohte” mir, dass anderntags “die ganze Weltpresse” vor meiner Tür stünde, wenn ich ihm nicht ein Interview für die “Bild”-Zeitung gäbe. Nachdem ich abermals deutlich machte, dass meinerseits an einem Interview kein Interesse bestehe, machte er ohne meine Einwilligung zahlreiche Fotos von mir, u.a. auch jenes, das in der heutigen “Bild” abgedruckt ist.

Am darauffolgenden Dienstag hat mich der mutmaßliche “Bild”-Reporter, der offenbar auch mit meinen Vermietern gesprochen hat, gemeinsam mit einem Kollegen durch die Stadt verfolgt und einfach nur versucht, möglichst viele Fotos zu schießen. Ich habe die beiden dabei ausdrücklich, aber erfolglos darauf hingewiesen, dass ich nicht fotografiert werden möchte.

Am Mittwoch habe ich schließlich “Sicherheitsmaßnahmen” getroffen, um keinem Reporter zu begegnen.

Falsch ist daher im “Bild”-Artikel u.a. die Behauptung, ich hätte am Vortag “um 13 Uhr” das Haus verlassen und “um 13.15 Uhr” im Computersaal der Uni gechattet. Ebenso stammt das Zitat am Artikelende (“Ich bin sexy. Ich bin nicht arm. Ich würde sterben für den Tod.”) wie die Internetseite, auf der es zu finden war, nicht von mir.

Meine Vermieter bestreiten zudem, dass sie die Aussagen gemacht hätten, die ihnen in “Bild” zugeschrieben werden.

Wir haben keinen Grund, an G.s Schilderung zu zweifeln.

Ex-Terroristen gehen gegen “Bild” und “BamS” vor

Laut “Spiegel Online” hat die Ex-Terroristin Eva Haule den Springer-Zeitungen “Bild” und “B.Z.” per einstweiliger Verfügung untersagen lassen, Fotos zu veröffentlichen, “die – heimlich geschossen – sie als Freigängerin zeigen”. Außerdem sei es den Zeitungen untersagt, Einzelheiten über Haules Ausbildung zu verbreiten.*

Und auch der “Bild am Sonntag”, die (wir berichteten) Fotos der Ex-Terroristin Brigitte Mohnhaupt aus dem “Trostberger Tagblatt” “geklaut” und u.a. auf der Titelseite veröffentlicht hatte, wurde nun per einstweiliger Verfügung verboten, diese Fotos zu zeigen.

*) “Bild” hatte Haules Gesicht verpixelt. Laut “Spiegel Online” prüft man bei Springer, ob man gegen die einstweilige Verfügung vorgehen will.

“Bild”-Hintergrund irrelevant

Gestern enthüllte “Bild” das Trikot des Fußballvereins Hertha BSC für die Bundesliga-Saison 2007/2008. Zum “Hintergrund” schrieb “Bild”, dass “einige Fans” nie “warm wurden” mit dem aktuellen Trikot. Insbesondere das “Adler-Wappen aus den Meister-Jahren 1930/1931” kam offenbar nicht so gut an. Und nachdem es am 2. Spieltag der laufenden Saison einen Trikot-Vorfall (Fans warfen nach einem Spiel “von den Herthanern in die Fankurve geworfene Trikots wieder zurück”) gab, hatte sich, so ist jedenfalls der “Bild”-Zeitung zu entnehmen, Ex-Hertha-Präsident Wolfgang Holst als Sprecher des Ältestenrates “in den Zoff” eingeschaltet:

Holst damals: “Man muss die Fans ernst nehmen. Wir haben ihre Wünsche angehört und protokolliert. Das Papier geht der Geschäftsleitung zu.” Und die hat reagiert: Schluss mit dem Adler auf den neuen Schmuckstücken für die Fans!

Hertha BSC nahm dazu in einer Pressemitteilung Stellung. Der Verein stellt darin fest, dass “bereits seit der Spielzeit 2005/2006 das Trikotdesign (…) verabschiedet worden ist”. Insofern sei auch der Hinweis auf den Ältestenrat in der “Bild”-Zeitung “nicht relevant”.

Das klingt nachvollziehbar. Insbesondere, wenn man weiß, dass Hertha BSC bereits zwei Wochen vor dem Trikot-Vorfall (und damit offenbar auch vor der Äußerung von Holst) in einer Mitteilung schrieb:

Um es ganz deutlich zu machen: In keiner Sekunde wurde daran gedacht, das HERTHA-Logo mit der Fahne durch das Logo mit dem Adler zu ersetzen. (…) [Das aktuelle] Trikot ist eine Sonder Edition und wird es nur in dieser Spielzeit geben. Die weiteren Trikots, und auch das aktuelle Auswärtstrikot werden selbstverständlich mit dem Original-Logo mit der Fahne gespielt. Auch zukünftig wird das alte HERTHA-Logo erhalten bleiben und auf den neuen Trikots zu sehen sein.
(Links von uns.)

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