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“Bild” klaut “Nacktfotos” von “Topmodel”-Hana

Haben Sie’s gemerkt? “Bild” kommt heute mal ohne “Seite-1-Mädchen” aus.
Ob’s am Papst und seiner Bibel liegt oder daran, dass anderweitig “wunderschöne Nacktfotos aufgetaucht” seien (siehe Ausriss), wer weiß das schon.

Zu sehen ist auf den Fotos Hana Nitsche, Finalistin in der ProSieben-Castingshow “Germany’s Next Topmodel”, die heute zu Ende geht. Und “Bild” kriegt sich über die “Nacktfotos” (die, wenn wir ehrlich sind, höchstens Halbnacktfotos sind) gar nicht mehr ein: “sinnlich, erotisch” seien die Bilder, “sinnlich und erotisch”, “sehr erotisch, ungewöhnlich freizügig und kunstvoll inszeniert”, “zauberhafte Aufnahmen” — kurzum: “eine wunder-wunderhübsche Überraschung”. Und “Bild” fragt:

Aber wo kamen plötzlich die Bilder
nur einen Tag vorm Finale her?

Die Frage ist berechtigt, bleibt in “Bild” aber unbeantwortet. Stattdessen heißt es:

BILD erfuhr: (…) Die Fotodesignerin Uta Seelos aus Schriesheim schoss die Bilder (…).

Das ist offenbar nur die halbe Wahrheit. Denn auf der Homepage der Fotografin heißt es dazu in einer “Erklärung zum Artikel in der heutigen Ausgabe der Bild Zeitung”:

"Die Redaktion der

Seelos’ Agentur teilt uns auf Anfrage mit, die in “Bild” veröffentlichten Fotos stammten zwar tatsächlich von ihrer Homepage, seien dort aber auf Wunsch von Hana (bis auf zwei Aufnahmen) bereits vor mehreren Monaten entfernt worden. Gestern dann habe jedoch jemand, der sich als “Bild”-Mitarbeiter ausgab, “die Bilder für 800 Euro kaufen” wollen. (Anschließend habe sich auch ProSieben gemeldet und einen noch deutlich höheren Preis geboten.) Abgelehnt habe man die Angebote, “weil Hana das nicht wollte”.

Die Fotografin habe wegen des ungenehmigten Abdrucks in “Bild” einen Anwalt eingeschaltet:

“Uns geht es dabei nicht ums Geld, sondern um das Vertrauen unserer Modelle. Davon leben wir.”

Mit Dank auch an die vielen Hinweisgeber.

Al-Masri: “Bild” gießt Benzin ins Feuer

“Bild” ist mit Khaled al-Masri noch nicht fertig. Heute fasst die Zeitung die Vorgeschichte des Mannes, der vermutlich von der CIA nach Afghanistan entführt und dort monatelang festgehalten wurde und der in der vergangenen Woche einen Brandanschlag auf einen Großmarkt verübt hat, in einem einzigen Satz zusammen. Er lautet:

Mit seiner widerlegten Behauptung, ein Deutscher namens “Sam” — angeblich BKA-Beamter — habe ihn während der Haft in Afghanistan vernommen, löste er eine Regierungskrise aus.

Es ist ein außerordentlich perfider Satz. Einerseits korrigiert “Bild” darin unauffällig einen eigenen Fehler: Vergangenen Samstag hatte sie noch geschrieben, dass al-Masri behaupte, bei “Sam” handele es sich um einen BND-Mann. In Wahrheit behauptet al-Masri nur, er sei von einem Deutschen namens “Sam” in Afghanistan vernommen worden. Er hatte allerdings geglaubt, in einem BKA-Beamten diesen “Sam” wiederzuerkennen.

Aber “Bild” verbindet die kleine, heimliche Korrektur mit einer noch größeren Lüge. Denn “widerlegt” ist al-Masris Behauptung, von einem Deutschen in Afghanistan verhört worden zu sein, keineswegs. Richtig ist nur, dass der BKA-Beamte, den Masri mit großer Wahrscheinlichkeit als “Sam” identifiziert hatte, für die fragliche Zeit anscheinend ein Alibi hat. Die Münchner Staatsanwaltschaft aber sucht bei ihren Ermittlungen im Fall al-Masri weiterhin nach einem Deutschen.

Bundeswehr “erschüttert” über “Bild”-Zeitung

Gestern befand sich auf Seite 2 der “Bild”-Zeitung ein großes Foto. Es zeigte einen “blutüberströmten” Bundeswehrsoldaten, der am vergangenen Samstag bei dem Selbstmordanschlag auf einem Marktplatz in Kundus offenbar verletzt wurde. “Bild” hatte den Mann nicht unkenntlich gemacht, so dass deutlich sein verstörter Gesichtsausdruck zu sehen war (wir berichteten).

"Lafontaine soll sich bei Soldaten entschuldigen"Heute zeigt “Bild” noch einmal das gleiche Foto des Soldaten auf ihrer Seite 2. Wieder ist er nicht unkenntlich gemacht worden (siehe Ausriss). Als Anlass für die erneute Abbildung des Mannes dient “Bild” der Auftritt von Oskar Lafontaine bei “Sabine Christiansen”. Lafontaine habe der Bundeswehr vorgeworfen, “mittelbar in terroristische Aktionen verwickelt” zu sein. Und “Bild” schreibt unter der Überschrift “Lafontaine soll sich bei Soldaten entschuldigen!”:

Hat er nicht einen Moment an die Opfer gedacht, an die trauernden Angehörigen?

Eine Frage, die man auch “Bild” stellen kann. Denn der Sprecher des Bundeswehr-Wiederaufbauteams im nordafghanischen Kundus, Oberstleutnant Günter Schellmann, zeigte sich “erschüttert über die Berichterstattung” in Teilen der Presse zum Anschlag in Afghanistan, wie es in einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa heißt:

“Ich glaube, da ist viel kaputt gemacht worden”, sagte er am Dienstag am Rande eines Besuchs von Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Es sei sehr schwer gewesen, die Soldaten und auch die Führung zu beruhigen, als die “hässlichen Bilder” in Teilen der deutschen Presse kursierten und auch die Familien der unmittelbar Betroffenen des Anschlags erreicht hätten. “Das hat uns alle tief getroffen. Ich habe nicht geglaubt, dass so was in Deutschland möglich ist.” Nach dem Anschlag am Samstag waren drastische Bilder einer privaten afghanischen Fernsehstation auch von einigen deutschen Medien übernommen worden.

Ariana Television dementiert “Bild”-Bericht

Laut der heutigen “Bild”-Zeitung haben “TV-Reporter” des afghanischen Senders Ariana Television vor dem Bomben-Anschlag in Kundus vom Samstag vorab einen Tipp bekommen. Bei dem Anschlag wurden drei Bundeswehrsoldaten getötet. “Bild” schreibt: “Terroristen bestellten Kameras zum Attentats-Ort” und zitiert den Nachrichtenchef von Ariana Television, Abdul Qadeer Merzai:

“Unser Korrespondent hat vorab einen anonymen Tipp bekommen, dass dort auf dem Basar etwas passiert.”

“Spiegel Online” ist der “Bild”-Geschichte nachgegangen und berichtet unter der Überschrift “TV-Sender dementiert Terror-Tipp der Taliban”:

Nachrichtenchef Merzai kann sich überhaupt nicht erklären, wie dieses Zitat von ihm in die Zeitung gelangte: “Das ist alles nicht richtig”, sagte er heute SPIEGEL ONLINE. Es habe keinen Tipp gegeben. (…) Er habe zwar am Sonntag mit einem deutschen Medium gesprochen, das um Informationen über den Anschlag gebeten habe, aber mit Sicherheit habe er dabei nichts von einem Tipp gesagt. (…) Auch der lokale Korrespondent des Senders in Kunduz sagte SPIEGEL ONLINE, er habe keinen Hinweis erhalten. Er sei lediglich, als er die Explosion gehört habe, zum Tatort geeilt. (…) Ein Sprecher der Bundeswehr in Kunduz sagte, man wisse ebenfalls nichts über einen angeblichen Tipp, das über Gerüchte aus der Presse hinausgehe.

Außerdem heißt es bei “Spiegel Online”:

Ein Mitverfasser der “Bild”-Geschichte, mit dem SPIEGEL ONLINE heute sprach, wollte sich nicht zu Merzais Widerspruch äußern.

P.S.: “Bild” illustriert ihre Geschichte übrigens mit dem großen Foto eines Soldaten, der “blutüberströmt” offenbar zwischen “umgestürzten Blechfässern, Eimern, Lampen und Töpfen” liegt und von “Bild” nicht unkenntlich gemacht wurde. Und es stellt sich die Frage, wie groß das öffentliche Informationsinteresse am Gesichtsausdruck des Opfers kurz nach dem Anschlag ist.

“Bild” fühlt sich von Entführungsopfer terrorisiert

Man muss das kurz rekapitulieren: Khaled al-Masri ist nach eigenen Angaben Silvester 2003 in Mazedonien verhaftet, mehrere Wochen verhört, von der CIA nach Afghanistan verschleppt und dort misshandelt, gefoltert und monatelang festgehalten worden. Zeugenaussagen und Dokumente bestätigen zentrale Aussagen al-Masris; das Amtsgericht München hat im Januar Haftbefehl gegen 13 Agenten der CIA wegen Freiheitsberaubung und gefährlicher Körperverletzung erlassen. Die Rolle der deutschen Bundesregierung und der deutschen Geheimdienste ist umstritten, ungeklärt ist vor allem, wer der Deutsche gewesen ist, der sich nach al-Masris Angaben als “Sam” vorstellte und ihn in Afghanistan vernahm. Der Fall beschäftigt Gerichte und Untersuchungsausschüsse.

Man muss das kurz rekapitulieren. Und dann muss man sich den Satz durchlesen, mit dem die “Bild”-Zeitung die Versuche al-Masris beschreibt, die Wahrheit herauszufinden und Recht zu bekommen. Er lautet so:

Monatelang terrorisierte der Islamist als angebliches CIA-Folteropfer die Bundesregierung, Parlament und Öffentlichkeit!

Wenn ein Entführungsopfer, dem nach Meinung von Regierung und Opposition schweres Unrecht geschehen ist, von rechtlichen und publizistischen Mitteln Gebrauch macht, ist das “Terror”? Für “Bild” ja:

Warum lassen wir uns von so einem terrorisieren?

Anlass für den Bericht ist, dass al-Masri in dieser Woche einen Großmarkt anzündete und in die Psychiatrie eingewiesen wurde. Die “Bild”-Redakteure Ulrike Brendlin und Hans-Jörg Vehlewald fassen es so zusammen:

Nun stellt sich raus: Al-Masri ist ein durchgeknallter Schläger, Querulant und Brandstifter. Auch ein Lügner?

Dass al-Masris psychische Probleme und wiederholte Ausfälle eine Folge seiner traumatischen Erfahrungen gewesen sein könnten, kommt bei “Bild” nicht einmal als nicht ganz auszuschließende Möglichkeit vor. Systematisch diskreditiert sie seine Aussagen und spielt seine Qualen herunter. “Bild” schreibt:

Fest steht bis heute nur, dass al-Masri Silvester 2003 versehentlich in Mazedonien verschleppt und für fünf Monate inhaftiert wurde.

Die wochenlang vorbereitete Entführung von al-Masri durch Agenten der CIA in Mazedonien wird fast zu einer Lappalie heruntergeschrieben, “versehentlich”, kann ja mal passieren. “Bild” weiter:

Zum Skandal wurde seine Geschichte erst, als Masri behauptete, während der Haft misshandelt und auch von deutschen BND-Agenten (“Sam”) verhört worden zu sein.

So spielt “Bild” die monatelange Peinigung in einem afghanischen Gefängnis herunter, Hungerstreik und Todesangst inklusive. Und ein “Skandal” war al-Masris “Geschichte” natürlich ohnehin schon: Amerikanische Medien fanden es — anders als offenbar “Bild” — durchaus bemerkenswert, dass im Krieg gegen den Terror irgendwelche Leute von der CIA entführt und in Länder wie Afghanistan verbracht werden, insbesondere wenn es sich nicht einmal um die richtigen Leute handelte.

Bei “Bild” ist al-Masri nicht Opfer, sondern (auch ohne die Brandstiftung) in vielfacher Weise Täter. Die Zeitung nennt ihn zum Beispiel den “Verursacher des ganzen Chaos” und meint damit den Streit in der Bundesregierung und die Untersuchungsausschüsse. Als Indiz dafür, dass al-Masri “auch ein Lügner” sein könnte, schreibt “Bild”:

Gleich mehrere Ausschüsse, sogar ein eigener “BND-Ausschuss” nahmen die ehemaligen und amtierenden Bundesminister (u. a. Otto Schily, Joschka Fischer) ins Kreuzverhör — ohne greifbare Ergebnisse.

“Bild” suggeriert in einem logischen Kurzschluss: Wenn den politischen Verantwortlichen kein Fehlverhalten nachgewiesen wurde, muss wohl der “Verursacher des ganzen Chaos” im Unrecht sein.

Hans Leyendecker, Leitender Redakteur der “Süddeutschen Zeitung” und für seine Recherchen im Fall al-Masri gerade mit dem Wächterpreis der Tagespresse ausgezeichnet, nennt die “Bild”-Berichterstattung gegenüber BILDblog “niederträchtig und verworfen”. Er widerspricht auch der “Bild”-Formulierung, al-Masri habe behauptet, “von deutschen BND-Agenten (‘Sam’) verhört worden” zu sein:

Al-Masri hat nicht von mehreren deutschen Vernehmern gesprochen, sondern nur von einem Mann, der sich Sam genannt habe. Dass es sich, wie “Bild” bedeutet, um einen Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes gehandelt habe, hat Al-Masri nie gesagt. Er weiß nicht, ob der Mann von einer deutschen Behörde kam und deshalb behauptet er es nicht.

Er hat ein anderes Verhältnis zur Wahrheit als “Bild”.

Nachtrag, 15.30 Uhr. Die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” nennt den “Bild”-Artikel über al-Masri heute ein “publizistisches Eintreten auf einen, der am Boden liegt” und findet die “Entgleisung selbst für ‘Bild’-Standards beachtlich”. “FAS”-Redakteur Nils Minkmar schreibt:

“Noch nie aber hat mich ein Artikel in irgendeiner Zeitung so alarmiert und beunruhigt wie der Text des Blattes über Khaled El Masri (…). Offenbar hält man dort die Spannung nicht aus, die sich daraus ergibt, dass eine offene Gesellschaft eben auch ihre Verfehlungen offen und ehrlich diskutiert. (…) ‘Bild’ ist das wohl alles zu komplex. Daher verfällt man dort in eine regressive, eine Kinderreaktion: Das Opfer ist selber schuld. Für ‘so einen’ gilt auch kein Grundgesetz.”

Nachtrag, 21. Mai. Hans Leyendecker schreibt in der heutigen Ausgabe der “Süddeutschen Zeitung” über den “Bild”-Bericht:

“Die immer noch vorhandene hetzerische Gewalt des Blattes, die von Heinrich Böll meisterlich beschrieben wurde, bekommt wieder einen neuen Namen. Die Erklärungen von Springer-Spitzenleuten über sauberen Journalismus, über Qualität erweisen sich angesichts dieses Falles als Konfetti.”

Mehr dazu hier, hier, hier, hier und hier.

Verfassungsschutz: Fehlalarm bei “Bild”

Vorgestern, einen Tag vor der offiziellen Vorstellung des Verfassungsschutz-Berichtes 2006, berichtete vorab bereits “Bild”:

Und “Bild”-Chefkorrespondent Einar Koch schrieb:

DER VERFASSUNGSSCHUTZ SCHLÄGT ALARM: In der linksextremistischen Szene gibt es immer mehr “terroristische Ansätze”!

Der neue Verfassungsschutz-Bericht (…) warnt: Sogenannte “militante Gruppen (mg)” planen “weitergehende, über Sachbeschädigung hinausreichende Aktionsformen”.
(Hervorhebungen von “Bild”)

Doch weil Einar Koch das offenbar zu abstrakt für die “Bild”-Leser fand, hatte er anschließend noch mal in eigene Worte gefasst, was das Zitat aus dem Verfassungsschutz-Bericht seiner Ansicht nach “im Klartext” bedeute:

Im Klartext: Der Verfassungsschutz schließt Anschläge auf Politiker und Manager nicht mehr aus! In der Szene würden bereits Aktionen gegen “Handlanger und Profiteure des Systems” diskutiert (“Knieschüsse”, “Exekutionen”).

Doch entweder war der “Bild”-Chefkorrespondent vorab nicht sonderlich gut informiert, oder er kann nicht richtig lesen. Denn im nun veröffentlichten Verfassungsschutz-Bericht selbst [pdf], lesen sich die von “Bild” zitierten (und zunächst von vielen Medien weiterverbreiteten) Passagen irgendwie anders.

Über die angeblich geplanten “über Sachbeschädigungen hinausreichenden Aktionsformen” steht im Bericht nur, die “Militante Gruppe” setzte “eine Diskussion über die Legitimität ‘weitergehender’, über Sachbeschädigungen hinausreichender Aktionsformen — die so genannte Militanzdebatte — fort.”

Und zu den “terroristischen Ansätzen” heißt es zwar:

Innerhalb der autonomen Szene haben sich einzelne Strukturen verfestigt, die bei ihren Anschlägen die Grenze zu terroristischem Gewalthandeln überschreiten.

Doch der Bericht resümiert:

Insgesamt war wiederum keine signifikante Entwicklung in der Militanzdebatte feststellbar. Nach wie vor überwiegen kritische Einschätzungen (…).

Insofern ist dann auch nicht verwunderlich, dass die Medien heute, nach der Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes durch Heinz Fromm, etwas ganz anderes berichten, als “Bild” vor zwei Tagen. Hier eine kleine Auswahl:

Schlechte Nachrichten für die Fans der Panikmache vor dem G-8-Gipfel: (…) Spekulationen über einen neuen RAF-Terrorismus seien “völlig gegenstandslos”, versicherte Fromm. Er habe vielmehr zuletzt “ein paar sehr zugespitzte Überschriften” in der Presse gelesen. (…) Und was ist mit der Meldung der Bild-Zeitung, der Verfassungsschutz schließe von Linksextremen begangene “Anschläge auf Politiker und Manager nicht mehr aus”? In der Szene würden auch “Exekutionen” diskutiert? Im Moment habe sein Amt keine Hinweise, dass militante G-8-Gegner Anschläge auf Menschen planten, sagte Fromm.
(“taz”)

Verfassungsschutz-Chef Heinz Fromm trat Befürchtungen entgegen, militante Globalisierungsgegner könnten im Zusammenhang mit dem Treffen Anschläge auf Menschen planen. “Im Moment können wir das nicht erkennen”, so Fromm. Spekulationen etwa über die Entwicklung einer neuen “Rote Armee Fraktion” seien völlig gegenstandslos.
(tagesschau.de)

Drei Wochen vor dem G-8-Gipfel in Heiligendamm ist der Verfassungsschutz Befürchtungen entgegengetreten, militante Globalisierungsgegner könnten im Zusammenhang mit dem Treffen Anschläge auf Menschen planen. “Im Moment können wir das nicht erkennen”, sagte Behörden-Chef Heinz Fromm bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichts 2006 am Dienstag in Berlin. Diskussionen darüber, ob eine Rückkehr zu Anschlägen auf Menschen politisch zweckmäßig sei, gebe es in der linken Szene seit Jahren. Eine Veränderung der Lage sei aber nicht feststellbar und Spekulationen etwa über die Entwicklung einer neuen “Rote Armee Fraktion” seien völlig gegenstandslos.
(Reuters)

Usw.

In der heutigen “Bild” ist von all dem keine Rede — und schon gar nicht von den “zugespitzten Überschriften”.

Mit Dank an Astrid G. für den Hinweis.

Nachtrag, 21.30 Uhr: Würde sich Einar Koch mit Verfassungsschutz-Berichten auskennen, wüsste er bestimmt auch, dass die “terroristischen Ansätze”, die er zitiert, zunächst nichts weiter sind als eine Kapitelüberschrift (!), die wortgleich auch den Berichten vergangener Jahre auftaucht, und die “weitergehenden, über Sachbeschädigungen hinausreichenden Aktionsformen”, die er zitiert, nichts Neues, sondern eine Formulierung, die im Zusammenhang mit der “Militanzdebatte” ebenfalls identisch in verschiedenen Vorjahresberichten steht, die übrigens unter verfassungsschutz.de jedermann rund um die Uhr zugänglich sind.

“Bild” findet Halmichs “Playboy”-Fotos unsexy

“Wow! So sexy und weiblich haben wir sie noch nie gesehen…”, findet “Bild” heute auf der Seite 1 angesichts "Regina Halmich haut uns um"der Fotos von Boxerin Regina Halmich, die in der neuen Ausgabe der Illustrierten “Max” zu sehen sind. Ähm, und haben wir nicht kürzlich etwas Ähnliches über Giulia Siegel gelesen? Anlässlich der Tatsache, dass diese “unversiegelt” in der Illustrierten “Maxim” war?

Heute erfahren wir also, dass die “Bild”-Redaktion die Fotos, die jetzt in “Max” sind, offenbar sexier und weiblicher findet, als die “erotischen Bilder” von Halmich, die 2001 in “Maxim” erschienen. (“Bild” damals auf der Titelseite: “Wow! Ein echtes Box(en)-Luder!”) Und offenbar findet die “Bild”-Redaktion die “Max”-Bilder auch sexier und weiblicher als die Nackt-Fotos von Halmich, die 2003 im “Playboy” erschienen. (“Bild” damals auf der Titelseite: “Box-Weltmeisterin Regina Halmich (26) — hingegossen aufs Sofa, wunderschön, zart, Zigarre in der starken Linken.”) Naja, muss ja jeder selber wissen…

Mit Dank an Bernd O. und Andreas G. für den sachdienlichen Hinweis.

Nachtrag, 19.55 Uhr (mit Dank an Torsten D. für die Ergänzung): Als das deutsche “Penthouse” 1998 “heiße Bilder” von Halmich zeigte, urteilte “Bild” mithin: “Im Penthouse-Magazin posierte sie sehr sexy.”

Drogen-Flashback in der “Bild”-Redaktion

"Die spinnen! jaSicher, die Geschichte darüber, wie Spinnen beim Netzbau von Drogen beeinflusst werden, die heute fast die komplette obere Hälfte der letzten “Bild”-Seite einnimmt, ist ganz drollig. Sie lässt sich auch nett bebildern (siehe Ausriss). Und immerhin schreibt “Bild” bloß: “US-Forscher gaben Spinnen Drogen” und nicht: “Jetzt gaben US-Forscher Spinnen Drogen” oder “BILD enthüllt: Das Drogen-Netz der Kiffer-Spinnen!”. Und würde “Bild” irgendwo im Text auch noch schreiben, dass sie da über ein NASA-Experiment berichtet, das über zwölf Jahre alt ist, hätten wir das womöglich gar nicht weiter erwähnenswert gefunden.

Obwohl: Es hätte schon etwas seltsam ausgesehen — insbesondere in einer Tageszeitung, die damit wirbt, so aktuell zu sein, dass ihre Nachrichten eigentlich “Vorrichten” heißen müssten.

Mit Dank an Simon, Manuel D. und Jonas P. für den Hinweis.

“Bild” hält zu Söder

Vergangenen Sonntag zitierte die “Bild am Sonntag” diverse CDU- und CSU-Politiker, die sich gegen eine Begnadigung des ehemaligen RAF-Terroristen Christian Klar durch den Bundespräsidenten ausgesprochen hatten. Darunter auch den CSU-Generalsekretär Markus Söder, der im “Spiegel” eine “Begnadigung Klars als ‘schwere Hypothek’ für Köhlers Wiederwahl” bezeichnet hatte.

Am Montag zitierte auch “Bild” Söder mit dieser Äußerung, ebenso wie andere CDU- und CSU-Politiker, die sich kritisch zu einer Begnadigung Klars geäußert hatten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), die wegen dieser Kritik “Respekt” vor dem Bundespräsidenten gefordert hatten, zitierte “Bild” nicht (wir berichteten).

Am Dienstag meldeten quasi alle Agenturen, dass Markus Söder wegen der in “Bild” zitierten Äußerung von Politikern verschiedenster Parteien kritisiert werde. Manche forderten sogar Söders Rücktritt und selbst Kollegen aus der CSU griffen ihn an. Entsprechend berichteten diverse Medien am Dienstag im Internet darüber und/oder am Mittwoch in ihren Druckausgaben. Ein paar Beispiele:

“Focus Online”:

Söder wird auch in der CSU kritisiert

“Spiegel Online”:

CSU nimmt Söder unter Beschuss

“Die Welt”:

Partei-Kollegen greifen CSU-General Söder an

“Frankfurter Allgemeine Zeitung”:

CSU-General Söder in der Kritik (…) auch in der eigenen Partei wurde am Dienstag Missfallen laut.

“Frankfurter Rundschau”:

Söder soll sich bei Köhler entschuldigen (…) auch Politiker der Union haben sich von der Kritik des CSU-Generalsekretärs Söder an Bundespräsident Köhler distanziert.

“Süddeutsche Zeitung”:

Söder bringt selbst Parteifreunde gegen sich auf

“Hamburger Abendblatt”:

CSU-General Söder unter Dauerbeschuss (…) Politiker aller Parteien greifen den Mann aus Bayern an.

“tageszeitung”:

Söder muss auf Gnade der CSU hoffen

“Tagesspiegel”:

Keine Gnade für Söder

Und so weiter…

Kurz gesagt: Kaum eine Zeitung, kaum ein Online-Medium, egal welcher politischen Ausrichtung, kam an dem Thema vorbei. Selbst Boulevardzeitungen wie der “Berliner Kurier” oder gar die, wie “Bild” bei Springer erscheinende, “B.Z.” berichteten darüber.

Doch mindestens eine Zeitung, die vorher über die Äußerung Söders berichtet hatte, berichtete danach nicht über die Folgen:

“Bild”.

Weder am Dienstag, noch am Mittwoch, noch heute findet sich auch nur ein Wort dazu im Blatt*.

Mit Dank an Erik F. für den sachdienlichen Hinweis.

*) Am Mittwoch, als fast alle Zeitungen größer über die Kritik an Söder berichteten, schrieb “Bild” auf ihrer Seite 2 (der wichtigsten Politik-Seite) lieber über den Trauzeugen von “Bild”-Chef Kai Diekmann, der für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen ist. Zwei ehemalige polnische Außenminister und ein ehemaliger polnischer Ministerpräsident finden nämlich, dass Helmut Kohl ihn verdient hätte.

“Bild” rät, wie alles endet

Desperate Housewives - BILD verrät, wie alles endet

Mit “alles” meint “Bild” hier offenbar die dritte Staffel der Fernsehserie, deren Finale in zwei Wochen in den USA und in ein paar Monaten in Deutschland zu sehen sein wird. Dass der Sender ABC bereits eine vierte Staffel in Auftrag gegeben hat, hält “Bild” entweder für vernachlässigenswert — oder weiß es einfach nicht.

Vieles spricht für die zweite Erklärung. Denn über die Zukunft von Edie Britt “verrät” “Bild”:

Edie (Nicollette Sheridan, 43), der blonden Sexbombe und Immobilienmaklerin, blieb ein riesiger Wunsch unerfüllt: ein Kind! Sie schnappt sich Carlos und überzeugt den abgelegten Gatten von Gabrielle, sie zur Mutter zu machen.

Ja, nee. Edie Britt hat längst ein Kind. Der Junge heißt Travers McLain, lebte bislang bei seinem Vater, wurde in der Pilotfolge schon kurz erwähnt und ist in der dritten Staffel erstmals zu sehen. Er ist für die Beziehung zwischen Edie und Carlos sogar zentral, weil Edie sich mit seiner Hilfe an Carlos heranmacht. Und glaubt man einschlägigen Seiten im Netz, ist es Carlos, der am Ende ein Kind von Edie will, sie aber nimmt heimlich die Pille. Soviel also zu ihrem “riesigen”, “unerfüllten” “Wunsch”.

Vielen Dank an Sigrid N. für den Hinweis!

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