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“Bild” lässt Ferrari fallen

Es ist ja nicht so, als könnte Ferrari mit dem Verlauf der diesjährigen Formel-1-Saison übermäßig zufrieden sein. Aber ganz so schlecht, wie die “Bild”-Sport-Redaktion den Lesern heute Glauben machen will, ist sie nun auch nicht gelaufen:

Italiens Edel-Rennstall im freien Fall. Das erste Rennen in Australien gewann Kimi Räikkönen noch — das war’s!

Das war’s vielleicht für Kimi Räikkönen, für “Italiens Edel-Rennstall” aber war’s das noch nicht. Dessen anderer Fahrer, Felipe Massa, war beim dritten und vierten Rennen in Bahrain und Spanien schnellster in der Qualifikation, fuhr jeweils die schnellste Rennrunde und gewann auch beide Rennen.

Mit Dank an Benjamin K. für den sachdienlichen Hinweis.

Allgemein  

Heiße-Luft-Alarm in der “Bild”-Zeitung

“Bild” ruft heute “Tornado-Alarm über Deutschland” aus. “Immer häufiger, immer heftiger: Das neue Wetter-Phänomen Wirbelsturm”, heißt es in der Unterzeile zu einer “Bild”-Geschichte über einen Tornado, der vergangenen Samstag in Frankfurt/Main schwere Schäden angerichtet hat.

Ohne allzusehr ins Detail zu gehen: Ob in Deutschland tatsächlich “immer häufiger” Tornados auftreten und diese “immer heftiger” werden, wie “Bild” schreibt, ist mindestens umstritten. Zwar rechnen viele Klimaforscher mit einer Zunahme extremer Wetterphänomene. Aber belastbare Daten, die belegen, dass die Zahl der Tornados in den letzten Jahren zugenommen hätte, gibt es derzeit offenbar nicht.

Und wenn “Bild” schreibt, den “bisher schwersten Tornado” hätte es im März 2006 in Hamburg gegeben, so ist das nachweislich falsch. Es handelte sich dabei um einen Tornado der Kategorie F2 auf der Fujita-Skala, mit Windgeschwindigkeiten von maximal 252 km/h. Das klingt zwar viel, ist im Vergleich zu dem Tornado, der im Jahr 1968 Pforzheim heimsuchte jedoch eher wenig. Der erreichte Windgeschwindigkeiten von 400 km/h (Kategorie F4) und aus den Jahren 1764 und 1800 sind sogar zwei Wirbelstürme dokumentiert, die aufgrund von Schadensberichten als F5-Tornados eingeschätzt werden. Womit klar sein dürfte, dass Wirbelstürme, anders als “Bild” behauptet, kein “neues Wetter-Phänomen” sind.

Kommen wir zu dem tollen großen Foto, mit dem die “Bild”-Geschichte, die ja auch das “BILD-Leser-Reporter”-Logo trägt, illustriert ist:

"Tornado-Alarm über Deutschland -- Immer häufiger, immer heftiger: Das neue Wetter-Phänomen Wirbelsturm"

Wahnsinn! Oder? In einem kleinen Text rechts auf der Seite heißt es:

Eine bedrohliche Unwetterfront schiebt sich über Hessen, gewaltige Luftwirbel reichen bis zur Erde. Fotografiert hat’s Leser-Reporter Andreas M.* (20)
*) Abkürzung von uns

Damit keine Verwirrung entsteht: der zitierte Text, der rechts neben der mächtigen Windhose und unter diesem kleinen unspektakulären Foto steht, bezieht sich nur auf das kleine unspektakuläre Bild, auf dem weit und breit kein Tornado zu erkennen ist. Das große Windhosen-Foto unter den Worten “Tornado-Alarm über Deutschland” hingegen zeigt nicht den Frankfurter Tornado vom Wochenende. Es wurde in Elie in Manitoba, Kanada aufgenommen, wie man uns bei der Nachrichtenagentur AP sagt, von der das Foto stammt.

P.S.: Manche Klimaforscher gehen übrigens davon aus, dass die Zunahme von Tornado-Meldungen in den letzten Jahren darauf zurückzuführen ist, dass die Öffentlichkeit “sensibler für das Thema” würde, wie die “FAZ” im September letzten Jahres Thomas Sävert (der übrigens auch schon einschlägige Erfahrungen mit “Bild” gemacht hat) zitierte. Außerdem schrieb die “FAZ”: “Internet und Fotohandys tragen ihren Teil bei” (sic).

Mit Dank an Jan K. und Frank A. für den sachdienlichen Hinweis.

Mit “Bild”-Methoden gegen undankbare Polen

Aus aktuellem Anlass fragte “Bild” gestern:

Was müssen wir uns von diesen Polen eigentlich noch alles gefallen lassen? Seit Jahrzehnten gibt es in Europa niemanden, der mehr für Polen getan hat als ausgerechnet wir Deutsche!

Ausgerechnet ist in diesem Zusammenhang ein interessantes Wort. Ausgerechnet wir Deutschen haben so viel für Polen getan – obwohl wir es doch waren, die dafür sorgten, dass zwischen 1939 und 1945 über 18 Prozent der polnischen Bevölkerung ums Leben kamen?

War es nach dieser Vorgeschichte überraschend, dass wir Deutsche so viel für Polen getan haben, ausgerechnet? Oder war es das Mindeste?

In den Grundsätzen, die jeder Axel-Springer-Redakteur unterschreibt, steht als Ziel “das Herbeiführen einer Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen, hierzu gehört auch die Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes”. Das polnische Volk wird nicht explizit genannt, was auch daran liegen könnte, dass es hier nach der deutschen Besatzung nicht mehr viele Juden gab, mit denen man sich aussöhnen könnte: Jeder zweite ermordete Jude war polnischer Staatsbürger.

Natürlich darf man trotzdem, auch als Deutscher, auch als deutsche Zeitung, die polnische Regierung kritisieren, auch massiv. Frappierend ist aber neben dem verräterischen Wort ausgerechnet, wie “Bild” Tatsachen weglässt oder verdreht.

“Bild” schreibt:

Ohne deutsche Hilfe wäre Polen heute vielleicht noch immer nicht EU-Mitglied!

UND DER DANK?

Plötzlich, im Jahr 2004, forderte Polens Parlament von uns Deutschen 40 Milliarden Euro Entschädigung. 59 (!) Jahre nach Kriegsende!

“Plötzlich”? Im Sinne von: aus heiterem Himmel, aus reinem Undank? Keineswegs. Die Forderung des Parlaments war eine (höchst umstrittene) Reaktion darauf, dass die Preußische Treuhand Ansprüche von deutschen Vertriebenen gegen Polen geltend machen will und im Jahr 2004, nach dem EU-Beitritt Polens, neue Chancen sah, diese Ansprüche durchzusetzen.

“Bild” weiter:

Von der EU profitiert Polen wie kein anderes Land! Seit dem Beitritt 2004 können polnische Arbeiter in ganz Europa Geld verdienen.

Das stimmt so nicht. Nur Großbritannien, Irland und Schweden haben ihre Arbeitsmärkte sofort geöffnet. In Deutschland brauchen polnische Arbeitnehmer immer noch eine Arbeitserlaubnis vom Arbeitsamt; sie bekommen sie nur unter bestimmten Voraussetzungen, zum Beispiel im Rahmen von Werkverträgen als Saisonkräfte.

“Bild” schreibt:

Ausgerechnet jetzt, da Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft innehat, werden die Polen größenwahnsinnig (…)!

Polen (knapp 40 Mio. Ew.) will Einfluss in der EU — wie das doppelt so große Deutschland (80 Mio. Bürger), Frankreich oder Großbritannien (je 60 Mio.)!

Selbst wenn die Polen größenwahnsinnig sein sollten — so größenwahnsinnig sind sie nicht. Ihr Ziel, die Stimmverhältnisse in der EU entsprechend der Quadratwurzeln der Bevölkerungszahlen zu regeln, hätte dazu geführt, dass Polen 6 Stimmen gehabt hätte – weniger als Großbritannien und Frankreich mit 8 Stimmen und Deutschland mit 9 Stimmen; also keineswegs genauso viel, wie “Bild” suggeriert.

Als Ursache für die “Hetze” der Kaczynski-Brüder vermutet “Bild” übrigens Minderwertigkeitskomplexe. Die Ursache für Hetze von “Bild” kennen wir natürlich nicht.

Was “Bild” mit den Bohlen-Nacktfotos zu tun hat

"B.Z."-Titelseite mit Fotos, die Dieter Bohlen und seine Freundin Carina nackt zeigenKurze Frage: Ist es eigentlich eine Geschichte über “Bild”, dass die “B.Z.” (die wie “Bild” im Verlag Axel Springer erscheint) kürzlich Nackfotos von Dieter Bohlen und seiner Freundin druckte?

Kurze Antwort: Ja.
 
Lange Antwort: Ja, denn “Bild” meldete anschließend nicht nur (wie berichtet), dass “eine Berliner Zeitung” (gemeint war das Schwesterblatt “B.Z.”) die Fotos nicht mehr zeigen dürfe. Und “Bild” druckte nicht nur in rund dreieinhalb Millionen Exemplare die komplette Adresse einer Internetseite, auf der die verbotenen “B.Z.”-Seiten mit den Nacktfotos (hochgeladen von einem anonymen Nutzer) zu sehen waren.

Nein, offenbar gibt es sogar einen Grund dafür, dass die Fotos überhaupt in der kleinen “B.Z.” erschienen und nicht in der großen “Bild”: Nach unseren Informationen erfuhr Bohlen schon vor der Veröffentlichung, dass Nacktfotos von ihm und seiner Freundin gemacht worden waren und in “Bild” erscheinen sollten. Und so gingen beim Verlag Axel Springer zwei vorbeugende einstweilige Verfügungen von Bohlens Anwalt ein, die “Bild” den Abdruck der Fotos gerichtlich untersagten: Anscheinend mit einem enormen Teleobjektiv, aber ohne Wissen und Einverständnis der Fotografierten entstanden, verletzten sie die Intimsphäre und den geschützten Bereich der Privatsphäre Bohlens und seiner Freundin.

Und tatsächlich veröffentlichte “Bild” die Nacktfotos nicht. Stattdessen landeten sie beim “Bild”-Schwesterblatt “B.Z.”, die sie (am selben Tag, an dem die Verfügungen bei Springer eingingen) auf dem Titel und als “Bilder des Tages EXTRA” auf einer Doppelseite in größtmöglicher Aufmachung veröffentlichte. Und als die “B.Z.” nach Erscheinen der Nacktfoto-Ausgabe eine Unterlassungserklärung abgegeben hatte, die Fotos nicht mehr zu zeigen, berichtete “Bild” wie beschrieben.

Wie niederträchtig. Wir hatten deshalb allerlei Fragen an den Verlag: ob Springer gegen die immerhin urheberrechtsverletzende Veröffentlichung der “B.Z.”-Seiten im Internet vorgehen werde*, ob Springer der anonyme Nutzer, auf dessen Internetseite “Bild” verwies, bekannt sei, ob es zu den Gepflogenheiten des Verlags gehöre, auf derart anonyme Quellen zu verweisen und warum “Bild” zwar die komplette Internetadresse druckte, den Namen der “B.Z.” jedoch verschwieg…

Die Antwort des Verlagssprechers Tobias Fröhlich lautete:

Von unserer Seite aus gibt es dazu nichts zu sagen.

Von unserer Seite aus schon.
 
*) Dafür, dass die faksimilierten “B.Z.”-Seiten aus dem Internetangebot entfernt wurden, sorgte nach unseren Informationen übrigens nicht Springer, sondern Bohlen.

“BamS”-Leser fragen, BILDblog antwortet

Lieber Gerhard Scholz aus Göttingen (Niedersachsen),

Sie haben der “Bild am Sonntag” anscheinend einen Brief mit folgendem Vorschlag geschrieben:

Ändern Sie doch den Spot “Deutschlands schnellstes Magazin” einmal um. Viel origineller wäre doch: “Ein Sonntag ohne BamS — undenkbar!” Ich, und vielen Lesern wird es bestimmt genau so ergehen, kann mir einen Sonntag ohne BamS nicht mehr vorstellen.

Und Claus Strunz, der Chefredakteur, antwortete Ihnen gestern in seiner beliebten Rubrik “Der Chefredakteur antwortet”:

Entweder Sie sind ein Hellseher oder wir der Zeit voraus. Oder beides.

Die “BamS” werde nämlich zufällig tatsächlich ihren Slogan ändern. Sogar fast ungefähr etwa annähernd genauso, wie Sie es hellsichtig vorgeschlagen haben: nämlich in “Deutschland am Sonntag – BILD am SONNTAG!”

Bei der Gelegenheit beantwortete Herr Strunz Ihnen, lieber Herr Scholz, noch ein paar Fragen, die Sie gar nicht gestellt hatten:

Wir sind in den vergangenen Jahren “schneller” geworden, haben also noch mehr Nachrichten vor allen anderen Medien. Und wir haben unseren “Magazin”-Charakter betont, sind in den Bereichen “Leben” und “Ratgeber” besser, hintergründiger und exklusiver geworden. An diesem Konzept, mit dem wir unsere Auflage (also die Zahl der verkauften Exemplare — rund 1,9 Millionen) stabilisiert (…) haben, halten wir natürlich fest.

Natürlich. Denn im ersten Quartal dieses Jahres verkaufte die “Bild am Sonntag” über drei Prozent weniger Zeitungen als im Vorjahr. Und was Herr Strunz meint, wenn er sagt, man habe die Auflage “stabilisiert”, haben wir mal in dieser Grafik anschaulich gemacht:

All dies nur, damit Sie, lieber Herr Scholz, und die anderen treuen “BamS”-Leser wissen, was sie von den Antworten des Herrn Strunz zu halten haben.

Herzlichst, Ihr Lupo
 
PS: Letztlich ist sowas natürlich alles eine Frage der Perspektive.

Allgemein  

Zirkusreife “Bild”-Kampagne gegen Sarrasani

Tag 1:
Es fing eigentlich relativ harmlos an: Vor einer knappen Woche berichtete “Bild”-Dresden zum ersten Mal über die zwei Tiger des"Sarrasani-Tiger wohnen jetzt im Supermarkt!" Zirkus “Sarrasani”: “Sarrasani-Tiger wohnen jetzt im Supermarkt!” (siehe Ausriss). Mieter hätten sich wegen des Gebrülls beschwert, hieß es. “Bild” zitierte eine 71-jährige Anwohnerin, die sich gar nicht mehr traue, “an unserem alten Supermarkt vorbeizugehen”. Außerdem stinke es “schrecklich”. Eine weitere Mieterin “schimpft” angeblich: “Das Gebrüll hört sich so qualvoll an!” Zwar habe die Stadt die “seltsame Raubtierhaltung” genehmigt. Allerdings zitiert “Bild” einen Amtstierarzt, er habe nicht gewusst, dass die Tiger “im Warenlager” gehalten würden.

Tag 2:
Am Tag darauf berichtete “Bild”"Rettet die Tiger aus dem Supermarkt" wieder über den “Skandal”, den “Bild”-Leser “aufgedeckt” hätten. Unter der Überschrift “Rettet die Tiger aus dem Supermarkt” behauptete “Bild”, Sarrasani lasse seine zwei Tiger “seit Wochen” und “heimlich” im Supermarkt wohnen. Und Tierschützer würden fordern, dass “Sarrasani seine Tiere sofort artgerecht unterbringt”. (Nebenbei: Als wir einen der von “Bild” zitierten Tierschützer fragten, ob er die konkrete Unterbringung der Sarrasani-Tiger kenne, beendete der abrupt das Telefon-Gespräch.)

Tag 3:
Am folgenden Tag hieß es in “Bild”: “Tiger in Kaufhalle gehalten: Fliegt"Tiger in Kaufhalle gehalten: Fliegt Sarrasani jetzt aus dem Supermarkt?" Sarrasani jetzt aus dem Supermarkt?” “Bild” habe herausgefunden, dass nicht mal der Vermieter der Halle über die “merkwürdige Nutzung als Raubtierkäfig” informiert gewesen sei. “Ob Sarrasani rausfliegt”, wolle der Vermieter nach einem Gespräch entscheiden. Und wieder hieß es, “Bild”-Leser hätten “aufgedeckt, dass der Varieté-Chef seit Wochen seine Tiger (…) mitten im Wohngebiet hausen lässt.”

Tag 4:
Einen Tag später kam, was kommen musste: “Sarrasani-Tiger im Supermarkt: Der Foto-Beweis!” Ein “Bild”-Fotograf "Sarrasani-Tiger im Supermarkt: Der Foto-Beweis!"hatte ein Foto gemacht, das, nun ja, einen Tiger hinter Gittern zeigt, und offenbar die Behauptung Sarrasanis widerlegen sollte, es gehe den Tigern gut. “Bild” fasste noch kurz ihre Kampagne der vorhergehenden Tage zusammen und schrieb, dass sich “wieder Mieter der angrenzenden Wohnblocks bei BILD” gemeldet hätten. Von “mehreren Eingaben wegen des Gebrülls und Gestanks” war die Rede. Zu Wort kam dann allerdings wieder nur die 71-jährige Mieterin, die “Bild” schon am ersten Tag ihrer Kampagne zitiert hatte und die sich nun auch noch über “das Zirkus-Zelt mit Bumbum bis 23 Uhr” beschwerte. “BILD bleibt dran!” hieß es abschließend.

Tag 5:
Tat sie auch. Aber nur in Form einer Zwei-Spalten-Meldung, in der es hieß: “Gestern fotografierte BILD exklusiv eine der beiden Raubkatzen” — und die darüber Auskunft gab, dass Sarrasani “einen zweiten Drahtzaun mit Sichtschutz gegen neugierige Blicke aufgestellt” habe.

Soweit die Kampagne von “Bild”. Und nun die Fakten:

Die Sarrasani-Tiger wohnen nicht “seit Wochen”, wie “Bild” mehrfach behauptete, “im Supermarkt”, sondern sie sind bereits seit dem Jahr 2004 auf dem Gelände untergebracht. Und das auch nicht “heimlich”, wie “Bild” wiederholt schrieb, sondern mit Kenntnis und Billigung des Veterinäramts, das die Haltung abgenommen und regelmäßig kontrolliert hat. “Die Haltungsbedingungen und der Allgemeinzustand der Tiger wurden letztmalig im Dezember 2006 amtstierärztlich kontrolliert”, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung der Dresdner Stadtverwaltung. Zudem fand am Tag des ersten “Bild”-Berichts eine weitere Kontrolle statt. Weiter heißt es in der Mitteilung (und ähnlich auch in einer Stellungnahme Sarrasanis [pdf]):

Bei beiden Kontrollen ergaben sich aus tierschutzrechtlicher Sicht keine Beanstandungen bzw. Auflagen.

Sarrasanis Vermieter, die TLG Immobilien GmbH, ist nach unseren Informationen seit Mietbeginn im Jahr 2004 darüber informiert, dass der Zirkus zwei Tiger auf dem Gelände hält. Bei der TLG wollte man sich uns gegenüber jedoch nicht zu dem Sachverhalt äußern.

Dass laut “Bild” weder der zitierte Amtstierarzt noch der Vermieter gewusst hätten, dass die Tiger “im Warenlager” gehalten würden, kann allerdings stimmen. Doch es gibt dafür einen einfachen Grund: Die Tiger werden nicht “im Warenlager” gehalten.

In der Pressemitteilung der Dresdner Stadtverwaltung heißt es entsprechend:

Die Tiger werden im Außengelände neben der ehemaligen Kaufhalle am Straßburger Platz gehalten. Die Haltung der Tiere ist nicht zu beanstanden; Größe und Ausstattung der Haltungseinrichtungen entsprechen den “Leitlinien für die Haltung, Ausbildung und Nutzung von Tieren in Zirkusbetrieben oder ähnlichen Einrichtungen des BMVEL” sowie den Anforderungen des Erlaubnisbescheides nach § 11 Tierschutzgesetz der zuständigen Erlaubnisbehörde der Landeshauptstadt Wiesbaden.

Ob es aus ethischer Sicht zu beanstanden ist, Tiger oder sonstige wilde Tiere wie beispielsweise Eisbären in Gefangenschaft zu halten, wollen wir nicht diskutieren. Sarrasani erfüllt jedenfalls offensichtlich alle “drei Voraussetzungen” für die Haltung von Tigern, die “Bild” bereits am zweiten Tag ihrer Kampagne zusammengetragen hatte:

"Darf sich eigentlich jeder einen Tiger halten?"

P.S.: Der Zirkus Sarrasani hat in direkter Umgebung des Tiger-Geheges ein Büro mit Kartenverkaufsstelle. Von Beschwerden seitens der Anwohner sei bei Sarrasani jedoch nichts bekannt, sagt uns eine Sprecherin auf Anfrage. Tja, die 71-jährige Dame Mieter hielten es offenbar für sinnvoller, sich an “Bild” zu wenden.

“Bild” entdeckt Gold auf Fußballtrikots

Offenbar inspiriert durch eine Pressemitteilung des VfB Stuttgart vom vergangenen Freitag freut sich “Bild” heute in einer kleinen Meldung mit dem amtierenden deutschen Fußballmeister, dass der Verein nun “einen goldenen Stern auf der Brust tragen” dürfe. Und nicht nur das:

"Ganz neu: Als erster Meister hat der VfB auch ein golden leuchtendes DFL-Logo auf dem Ärmel."

Nun, am 5. August 2002 meldete bereits die Nachrichtenagentur dpa:

Als anerkennendes Zeichen für die Leistungen der vergangenen Saison tragen die Spieler von Borussia Dortmund ein goldenes Meisterlogo.

Und in den Jahren danach trugen dann natürlich auch FC Bayern München und Werder Bremen ein golden leuchtendes DFL-Logo auf dem Ärmel. Anders gesagt: Die goldene Variante ist so alt wie das DFL-Logo selbst. Ganz neu ist demnach wohl vor allem der “Bild”-Redakteur, der das nicht wusste.

Mit Dank an Christian H., Christian K. und Jessica für den Hinweis.

Heute nehmen wir mal wieder “Bild” in Schutz

Bloggen für BILDUnter dem Stichwort “Medien-Ente” hieß es gestern beispielsweise bei FAZ.net:

“Jauch-Kandidat nach Show gefeuert!”
So lautete die Schlagzeile von “Bild”; die
Meldung wurde vielfach übernommen.
Doch die Geschichte des wegen zu
großer Offenherzigkeit entlassenenen
Bundestags-Chauffeurs war falsch.

Das geht uns dann doch zu weit. Aber lesen Sie selbst…
 
Nachtrag, 17.6.2007: Die “FAZ” findet inzwischen offenbar selbst nicht mehr, dass es sich bei dem “Bild”-Bericht um eine “Medien-Ente” handelte. Am Samstag hieß es in einer kurzen “FAZ”-Meldung: “Der Bericht in der ‘Bild’-Zeitung hat wohl doch den Umschwung bei der Kündigung des Bundestagsfahrers Konrad Göckel bewirkt, auch wenn er und der Geschäftsführer der Firma RocVin (…) dies gegenüber dieser Zeitung dementierten. (…)”

  

“… und die ‘Bild’-Zeitung sowieso”

Bloggen für BILDWir hatten das — in vorweihnachtlicher Zeit — ja schon mal gefragt: Wie oft trifft es dieses arme Boulevardblatt? Kaum ist ein Artikel erschienen, wird “Bild” vorgeworfen, er sei von vorne bis hinten falsch – oder von hinten bis vorne. Und wem glaubt man? “Bild” etwa? Eher nicht – und das mit gutem Grund. Nur werden wir ab und zu das Gefühl nicht los, “Bild” doch irgendwie in Schutz nehmen zu müssen…

Aber beginnen wir einfach wieder wie so oft:

Gestern sah die Titelseite der “Bild”-Zeitung so aus:

“Bild” berichtete über Konrad Göckel, Kandidat der RTL-Show “Wer wird Millionär?” und von Beruf “Bundestags-Chauffeur” (genauer: Angestellter des Fuhrunternehmens RocVin, das gelegentlich auch Bundestagsabgeordnete chauffiert). Laut “Bild” durfte Göckel nämlich “ab sofort keine Politiker mehr fahren”. Ihm bliebe “nichts als ein Auflösungsvertrag” seines Arbeitgebers, weil er in der TV-Show auf die Frage des Moderators Günter Jauch, welche Abgeordneten freundlicher seien, “die Höhergestellten oder die Hinterbänkler” geantwortet hatte: “Je höher, desto arroganter.”

In “Bild” begründete Göckels Chef die angebliche Kündigung u.a. mit der in Göckels Anstellungsvertrag festgeschriebenen “absoluten Verschwiegenheitspflicht”. Das kann man einleuchtend finden.

“Bild” fand’s nicht — und war damit nicht allein. Nicht nur der in “Bild” herbeizitierte Jauch hatte “kein Verständnis dafür, dass Herr Göckel (…) seinen Job verlieren soll”, zahlreiche andere Medien, darunter auch “Spiegel Online”, machten sich gestern vormittag ebenfalls die “Bild”-Geschichte um “Wer wird Millionär?” und Bundestag zueigen.

Dann aber überschlugen sich die Ereignisse. Im Kölner “Express” fand sich unter der Überschrift “Bei Jauch gelästert: Fahrer ist Bundestags-Job los” alsbald ein erstes Dementi des Chauffeur-Chefs:

“Aber der Fahrer hat uns gebeten, nach seiner Aussage in der Show aus der Schusslinie genommen zu werden”, so RocVin-Geschäftsführer Manfred Reuter zum EXPRESS. Gekündigt worden sei ihm nicht: “Wir haben uns in beiderseitigem Einvernehmen geeinigt. Und über diese Einigung bewahren wir Stillschweigen.”

Wenig später legte der “Münchner Merkur” mit einem zweiten, anderslautenden und weitaus weniger diskreten Dementi nach:

“Die Sache ist so kompliziert, die kann man mit wenigen Worten nicht erklären”, sagt der Chef von Konrad Göckel (…) am Telefon. Deshalb will er auch seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. Am liebsten würde er über den Fall nicht mehr sprechen – “die Presse schreibt doch eh, was sie möchte, und die ‘Bild’-Zeitung sowieso.” (…) Der Auftritt bei “Wer wird Millionär” werde für den Chauffeur keine Konsequenzen haben, versichert der Chef (…): “Wir haben Herrn Göckel nicht entlassen. Wir haben unseren Mitarbeiter nur aus der Schusslinie genommen. Er ist in Urlaub gegangen. (…) Der Vorgang wurde von der Zeitung konstruiert. Wir lassen die Sache auf sich beruhen.” Konrad Göckel entstünden durch seine Äußerungen keine Nachteile. “Wir sehen nicht, wo das Problem liegen soll.” Er habe seinen Angestellten zunächst in Urlaub geschickt, bis sich die Wogen glätten: “Er hat mir heute Morgen gesagt, dass er von allen Seiten bedrängt wird und dass ihm die Sache über den Kopf wächst. Das ist menschlich doch verständlich.” Kamerateams belagern den Quiz-Kandidaten, zu Hause wird er mit Telefonanrufen bombardiert. “Er möchte am liebsten abtauchen — und diese Möglichkeit haben wir ihm gegeben”, sagt sein Chef.
(Hervorhebung von uns.)

Und spätestens als die Dementis über die Nachrichtenagenturen AP und AFP verbreitet wurden, fand die Angelegenheit noch größere Beachtung, wurde vielerorts eilig nachgebessert, bereits Veröffentlichtes neu- und umgeschrieben. Sueddeutsche.de wusste dem “Tohuwabohu” in einem sichtlich kopflos den Ereignissen hinterherklappernden (inzwischen komplett überarbeiteten) Artikel zwischenzeitlich immerhin noch hinzuzufügen:

Der Kandidat [Göckel] schweigt momentan. Jetzt sitzt er, so sein Bruder auf Anfrage, beim Anwalt und lässt sich beraten.

Aha. Die “Bild”-Zeitung jedenfalls, deren Berichte sonst zu gern unkritisch übernommen werden, war plötzlich die Übeltäterin. FAZ.net behauptete gar auf der Startseite unter dem Stichwort “Medien-Ente”, die “Bild”-Behauptung sei “falsch”* — auch wenn der dazugehörige “FAZ”-Artikel lediglich behauptete:

Der Haken an der Sache: Göckel sei überhaupt nicht entlassen worden, erklärte der Geschäftsführer des Fuhrunternehmens (…). Man habe lediglich mit dem Fahrer gesprochen. Dies bestätigt auch Göckel selbst. Man habe ihn auf seine Äußerung angesprochen, im Beisein des Betriebsrats. Man habe über Konsequenzen wie eine Abmahnung oder eine Suspendierung nachgedacht, auch der Begriff “Auflösungsvertrag” sei einmal gefallen. Was folgte, sei allein eine Abmahnung gewesen. Für “Bild” stellt sich die Sache allerdings wie folgt dar: Göckel sei entlassen worden, und zwar am Mittwoch, am Donnerstag — dem Tag der Geschichte also — sei die Entlassung zurückgenommen worden. Das aber bestreitet Göckel im Gespräch mit dieser Zeitung vehement: Es habe keinen Auflösungsvertrag gegeben.

Und gegen Abend dann dackelte auch noch die “Rheinische Post” hinterdrein, um zu berichten, dass Göckel “nach Rücksprache mit seinem Anwalt (…) wegen der Medienberichterstattung keine rechtlichen Schritte einleiten” wolle.

Uff? Immerhin hatte “Spiegel Online” (unter Beteiligung der ehemaligen “Bild”-Redakteurin Patricia Dreyer) die Sache da aber schon ganz ordentlich und ausgeruht zurechtgerückt.

Dort wird dann auch deutlich, dass Göckels unbedachte Worte offenbar weitreichendere Folgen für ihn hatten, als sein Arbeitgeber im Nachhinein beteuerte, denn:

Am Nachmittag (…) bestätigte der Sprecher des Bundestages, Christian Hoose, SPIEGEL ONLINE, dass die RocVin GmbH der Bundestagsverwaltung bereits vor Veröffentlichung des “Bild”-Artikels mitgeteilt habe, dass Herr Göckel keine Parlamentarier mehr chauffieren werde.

Im Nachhinein muss man “Bild” trotzdem einiges vorwerfen. Nach unseren Informationen wurden eingeholte Statements, die den Sachverhalt in Teilen womöglich schon im Vorfeld hätten weniger irreführend wirken lassen können, für die Berichterstattung nicht verwendet; anderes wurde zugespitzt: So findet sich für die Schlagzeilenbehauptung, der Chauffeur sei “gefeuert” worden, im Artikel selbst keinerlei Indiz, keine Quelle. Und dass “Bild” berichtete, ohne mit dem Betroffenen selbst, “den BILD (…) nicht erreichte”, gesprochen zu haben, bleibt irritierend.

Aber dass die im Laufe eines Tages immer wieder nachgebesserten Dementis des Fuhrunternehmers für andere Medien offenbar geradezu reflexhaft eine höhere Glaubwürdigkeit haben als der dementierte “Bild”-Artikel selbst, den viele zunächst einfach nur nachgebetet hatten, kann man beileibe nicht nur “Bild” vorwerfen.

Dort hatte man sich öffentlichkeitswirksam über arbeitsrechtliche Maßnahmen gegen einen Mann empört und war dabei fraglos übers Ziel hinausgeschossen. Ob’s aber ohne “Bild” für Göckel heute auch so ein positives Ergebnis gegeben hätte (siehe Ausriss), fragt niemand.
 

 
*) Nachtrag, 17.6.2007: Anders als z.B. “Münchner Merkur” und sueddeutsche.de ruderte die “FAZ” am Samstag, einen Tag nach Erscheinen des FAZnet.-Textes in der Druckausgabe, in einer kurzen Meldung zurück: “Der Bericht in der ‘Bild’-Zeitung hat wohl doch den Umschwung bei der Kündigung des Bundestagsfahrers Konrad Göckel bewirkt, auch wenn er und der Geschäftsführer der Firma RocVin, Norbert Tietke, welche die Fahrbereitschaft stellt, dies gegenüber dieser Zeitung dementierten. Ein Sprecher des Bundestages hatte ‘Bild’ zuvor jedoch bestätigt, dass die Firma RocVin schon vor der Veröffentlichung mitgeteilt habe, Göckel werde keine Parlamentarier mehr fahren. (…)”

“Bild” schenkt “Reiter-Held” eine Ente

Unter der Überschrift “Verband kennt ihn nicht mehr” berichtete “Bild” am 6. Juni über den 70. Geburtstag von “Reiter-Held” Alwin Schockemöhle (siehe Ausriss). Selbst "Reiter-Held Schockemöhle: Verband kennt ihn nicht mehr"Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel hätten gratuliert, schreibt “Bild”. Aber:

Aus aller Welt kamen Glückwünsche. Nur die deutsche Reitsportföderation (FN) in Warendorf vergaß ihren größten Reiter. Kein Anruf, kein Telegramm, keine Würdigung. Wie peinlich!

Als Quelle für die Geschichte dient “Bild” Schockemöhle selbst, über den dpa anlässlich seines Geburtstags diskret schrieb: “Inzwischen lebt Alwin Schockemöhle (…) zurückgezogen in seiner Villa im niedersächsischen Mühlen”. “Bild” zitiert ihn mit den Worten:

“(…) Dass sich nun keiner an meinem Geburtstag aus Warendorf bei mir meldete, auch nicht Präsident Breido Graf zu Rantzau und nicht dessen Vorgänger Dieter Graf Landsberg-Velen, das ist wie eine Verschwörung.”

Gut möglich, dass Schockemöhle das tatsächlich zu “Bild” gesagt hat.

Allerdings entspricht es offenbar nicht den Tatsachen. Gestern dementierte die Reitsportföderation (die übrigens nicht anzweifelt, dass Schockemöhle korrekt zitiert wurde) in einer Pressemitteilung glaubwürdig den eingangs zitierten “Bild”-Satz:

Diese Behauptung ist falsch. Richtig ist: Breido Graf zu Rantzau (Breitenburg), Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), sandte ein handschriftliches Glückwunschreiben an Alwin Schockemöhle. Ein Gratulationsschreiben wurde ebenfalls von Dr. Hanfried Haring, dem Vorsitzenden des geschäftsführenden Vorstands und Generalsekretär der FN, an Alwin Schockemöhle gesandt. Persönlich gratulierten anlässlich des Geburtstagsempfangs mit Ruth Klimke (Münster) und Friedrich Witte (Burscheid) zwei der insgesamt drei Vize-Präsidenten der FN.

Und zumindest was die persönliche Anwesenheit von Friedrich Witte angeht, hätte es der “Bild”-Autor (Kürzel: DL) eigentlich besser wissen müssen. Es handelt sich nach unseren Informationen nämlich um denselben Autor, der auf equinet.de schrieb:

Im Kreise von Familie, Verwandten, Freunden, ihm altbekannten Journalisten und Züchtern feierte gestern Alwin Schockemöhle (…) seinen Geburtstag. (…) Gekommen waren unter anderem als Privatmann Friedrich Witte, Vize-Präsident der FN (…)

Mit Dank an Alexa F. für den sachdienlichen Hinweis.

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