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Keinen Kontakt, nie gehabt

Schauspieler Karsten Speck sitzt in Untersuchungshaft und “Bild” ist “das Drama” täglich einen Bericht wert. Jetzt kommt die Schreckensmeldung:

“Seit fünf Tagen hat Mutter Ellen keinen Kontakt mehr zu ihrem Sohn. Jetzt sagte Ellen Speck gegenüber der Tageszeitung B.Z.: ‘Wir dürfen nicht mit ihm sprechen!'”

Und außerdem:

“Das ist eine schreckliche Geschichte. Nur sein Anwalt hat noch Kontakt zu ihm. Er hält uns auf dem Laufenden.”

In der “B.Z.” steht dazu:

“Seit sechs Tagen sitzt ihr [Ellen Specks] Sohn in Untersuchungshaft (BZ berichtete). Seitdem hat die Familie keinen Kontakt zu ihm.

So? Na ja, gut.

Bloß zur Erinnerung: “Karsten Speck weint hinter Gittern”, hatte “Bild” wenige Stunden zuvor gemeldet:

“Seit fünf Tagen sitzt der TV-Star in Haft. Die Mutter zu BILD: ‘Als ich ihn im Gefängnis anrief, hat er geweint.’

Vermutlich darf man sich jetzt raussuchen, ob man — wenn überhaupt — lieber der “Bild” oder doch der “B.Z.” glauben möchte. “Bild” jedenfalls glaubt offenbar lieber den Kollegen.

Allgemein bekannt

“Die traditionelle Rechtschreibung ist noch allgemein bekannt”, stellte “Bild” kürzlich fest, anschließend auf die alte, allgemein bekannte Schreibung um – und macht seitdem vermutlich mehr “ss”- und “ß”-Fehler als “Deutschlands Schüler”.

Nicht nur bei harten “Nüßen“, sondern auch bei einfachen, allgemein bekannten Wörtern – zum Beispiel bei der Frage, wie eigentlich die künftigen Dschungel-Camp-Bewohner entlohnt werden:

Wird fortgeßetzt.

Nachtrag, 10.23 Uhr: Der “Bild”-“ß”-Beaufragte hat seinen Dienst angetreten und hart durchgegriffen. Auch bei den Nüssen.

We are the Champions XI

“(…) ich mag BILD sehr, weil es BILD irgendwie täglich schafft, die Geschehnisse aus der gewaltigen Erde (…) verständlich darzustellen.”

Das schrieb Franz Josef Wagner vor zwei Wochen in der “Bild”-Zeitung anlässlich eines mehrteiligen Vorabdrucks des “Rückenbuchs” von Dietrich Grönemeyer in der “Bild”-Zeitung. Aber das nur so nebenbei.

Denn heute macht “Bild” den Grönemeyer zum “Gewinner” des Tages, nachdem es sein Buch auf Platz 1 der “Spiegel”-Bestsellerliste geschafft hat. Doch warum? Warum nur? “Warum?” fragt sich auch “Bild” und antwortet:

“Weil’s eine BILD-Serie war!”

Und wer weiß, vielleicht hat es “Bild” mit diesem Halbsätzchen ja tatsächlich geschafft, die Geschehnisse aus der gewaltigen Erde (in diesem Fall: die Eitel- oder Selbstgefälligkeit, mit der “Bild” ihre “Gewinner” kürt), irgendwie verständlicher darzustellen als sonst so. Warum man “Bild” dafür mögen sollte, steht allerdings in einem anderen Blatt – oder aber auf.

Allgemein  

Wissenswertes über Wasserbüffel

Eine Herde Wasserbüffel hat nach Agenturberichten am Donnerstag auf der Autobahn 4 einen Verkehrsunfall mit einem Todesopfer verursacht. Oder, in den Worten der “Bild”-Zeitung:

Afrika-Büffel? Wasserbüffel! Wieso schreibt die “Bild”-Zeitung “Afrika-Büffel”, wenn alle anderen “Wasserbüffel” schreiben? Vermutlich um im Kopf der Leser schon die Frage vorzubereiten, die sie dann im Text stellt:

Was machen Wasserbüffel mitten in Deutschland?

Eben. Die gehören doch nach Afrika. Wird unser schönes Deutschland jetzt auch noch von gefährlichen Ausländertieren überrannt?

Nein, jedenfalls nicht von Afrika-Büffeln, sondern höchstens von Asien-Büffeln. Domestizierte Büffel sind nämlich keine afrikanischen Büffel (Bubalus caffer), sondern asiatische Wasserbüffel (Bubalus bubalis). Und irgendwie hätte der “Bild”-Autor das auch als Büffel-Laie ahnen können, denn in seinen Text schrieb er unter die gewaltigen Buchstaben “Afrika-Büffel” den Satz:

Die Büffel stammen aus Vietnam.

Übrigens endet der “Bild”-Beitrag über den tödlichen Unfall mit den Worten:

Das Fleisch ist eine Delikatesse, besonders dunkel und zart.

Der Satz passt gerade noch neben die Hinterhufe von diesem appetitlichen Tier:

Vielen Dank an Tobias M. für Hinweis und Scan!

Der Tod ist nicht genug II

Noch am vergangenen Donnerstag hätte man tatsächlich denken können, dass Christopher Reeve doch an einem Super-Virus starb, wie “Bild” zwei Tage zuvor berichtet hatte.

Superman aufgeschnitten – Ärzte wollen jetzt den Super-Virus entschlüsseln, der Hollywood-Schauspieler Christopher Reeve getötet hat

Das war auf Seite 8 zu lesen. Und außerdem das:

Wie BILD aus Familienkreisen erfuhr, wurde die Leiche von Christopher Reeve († 52) im Northern Westchester Hospital (New York) aufgeschnitten, sein Körper obduziert – auf der Suche nach dem Supervirus.

Ob die Information über den vermeintlichen Supervirus tatsächlich von der Familie kam, lässt sich anhand der Formulierung nicht mit Sicherheit sagen. Fakt ist, dass wer wollte schon am Dienstag aus allgemein zugänglichen Quellen erfahren konnte, was vermutlich die Ursachen für Reeves Tod waren. So wurde der langjährige Arzt von Reeve, Dr. John McDonald, von der “New York Daily News” wie folgt zitiert:

We don’t know exactly why he died yet. But we know that it was the accumulation of complications (…). That immobility and lack of movement and then just repeated infections, complications – it takes its toll. (Wir wissen nicht genau, warum er starb. Aber wir wissen, dass es eine Anhäufung von Komplikationen war (…). Die Immobilität und mangelnde Bewegung und dann wiederholte Infektionen, Komplikationen – das fordert seinen Tribut)

Und was schreibt “Bild” nun, fünf Tage später, ohne den “Super-Virus” zu erwähnen?

Erst jetzt wurde bekannt, wie schlecht es wirklich um Reeve stand: Immer mehr Infektionen fraßen sich zuletzt in seinen kaputten Körper.

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“Lust-Seuche” wieder ausgebrochen

Dieser Artikel auf “Bild”-Online stammt vom 14. Oktober des Jahres 2004. Er trägt folgende Überschrift:

Lust-Seuche besiegt? Forscher erfindet Creme gegen AIDS

Damit das klar ist: Es geht in dem Artikel nicht darum, dass AIDS auch nur ansatzweise besiegt ist, es besteht lediglich die Möglichkeit, dass ein Mittel gefunden wurde, das die Übertragung des Virus verhindert – zusätzlich zum Kondom.

Dass “Bild” es mit der Berichterstattung über die Immunschwächekrankheit AIDS zuweilen nicht so genau nimmt, wissen wir ja schon. Dass der Pressekodex in Ziffer 14 ganz spezielle Richtlinien für die Berichterstattung über medizinische Themen enthält, erwähnen wir nur der Vollständigkeit halber – Wie aber kommt “Bild” dazu, hier plötzlich den Begriff “Lust-Seuche” zu verwenden?

Nur zur Erinnerung: die Ansteckung mit HIV kann durch vier Körperflüssigkeiten erfolgen, das sind Samen- und Scheidenflüssigkeit sowie Blut und Muttermilch – ob man bei der Übertragung Lust empfindet oder nicht, ist gänzlich unerheblich.

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Kein Anschluss unter dieser Nummer

Vielleicht war es einfach so, dass Jan Ullrich nach dieser, dieser oder dieser Geschichte keine Lust mehr hatte, mit irgendwelchen “Bild”-Zeitungs-Mitarbeitern zu telefonieren. Vielleicht hat er sich einfach eine neue Nummer für sein Mobiltelefon geben lassen und allen Journalisten Bescheid gegeben, nur den “Bild”-Leuten nicht. Weshalb die beim Versuch, ihn zu erreichen, nur eine Frauenstimme hörten: “Diese Nummer ist uns nicht bekannt.”

Das wäre eine naheliegende Erklärung. Aber natürlich noch keine “Bild”-Zeitungs-Geschichte. Eine “Bild”-Zeitungs-Geschichte wird es so:

Rechnung nicht bezahlt!
T-Mobile sperrt Ullrichs Handy

Den Anschluß an die Weltspitze hat Rad-Star Jan Ullrich (30) in dieser Desaster-Saison (nur 4. bei der Tour, Blech bei Olympia) verloren. Und seinen Telefon-Anschluß ist er jetzt auch erst mal los…

Die Überschrift ist geschickt: Sie suggeriert, dass Ullrich die Rechnung nicht bezahlt habe. Dabei war es laut Artikel T-Mobile selbst:

Ullrich und einigen Team-Kameraden stehen die Mobil-Telefone kostenlos zur Verfügung. Die Rechnungen werden eingereicht und dann von T-Mobile bezahlt. Doch Ullrichs Rechnung ist im Unternehmen seit Monaten verschwunden. Deshalb kappte T-Mobile nun wie bei jedem säumigen Normalo-Teilnehmer die Verbindung.

Ist das nicht völlig irre? Ah ja:

Völlig irre.

Und ein bisschen unwahrscheinlich. Die “Frankfurter Rundschau” hat deshalb mal bei T-Mobile nachgefragt, ob das denn überhaupt stimmt. Anscheinend stimmt es nicht. Ein T-Mobile-Sprecher sagt, dass man Ullrichs Anschluss gesperrt habe, weil ihm die Karte geklaut worden sei. Tja. Nicht so aufregend. Es sei auch nicht zu befürchten, dass Ullrich den Kontakt zur Außenwelt verliert:

Dem Kapitän des T-Mobile-Teams stehen [T-Mobile-Sprecher] Schindera zufolge etliche Karten und Handys kostenlos zur Verfügung. Die Promi-Anschlüsse sind markiert – und werden deshalb nie gesperrt.

Ja, langweilig. Die spannendsten Geschichten schreibt halt doch nicht das Leben. Die muss sich die “Bild”-Zeitung schon selber ausdenken.

Der Tod ist nicht genug

Woran starb Christopher Reeve?

Nun ja, wir wissen es eigentlich nicht. Oder besser gesagt: Wir wissen nur das, was aus der Stellungnahme von Reeves Familie auf der Homepage der Christopher Reeve Paralysis Foundation hervorgeht.

Reeve fell into a coma after going into cardiac arrest while at home. Reeve was being treated for a pressure wound that he developed, a common complication for people living with paralysis. In the past week, the wound had become severely infected, resulting in a serious systemic infection.
Reeve was admitted to Northern Westchester Hospital on Saturday evening and never regained consciousness.

Übersetzt bedeutet das etwa, dass Reeve nach der Infektion eines Druckgeschwürs, wie es häufig bei Gelähmten vorkommt, einen Herzstillstand erlitt und ins Koma fiel, aus dem er nicht mehr erwachte.

In “Bild” klang das gestern auf der Titelseite allerdings etwas anders:

Und darunter heißt es,

Reeve starb mit 52 an einem Herzinfarkt, nachdem er sich mit einem Super-Virus infiziert hatte

Was für ein “teuflischer Super-Virus” das war, der Reeve “besiegt” hatte, das geht auch aus dem Artikel nicht hervor, Wundinfektionen jedenfalls werden nur in den seltensten Fällen von Viren verursacht – von Super-Viren ganz zu schweigen.

Hat “Bild” etwa Informationen, die den Lesern vorenthalten werden? Oder ist der Tod an sich “Bild” einfach zu langweilig?

(Mit Dank für die sachdienlichen Hinweise an Carsten und Alex)

Allgemein  

Knapp daneben

“Gewinner des Tages” heute: Liselotte Pulver.

Dieses strahlende Lächeln lieben die Deutschen! Die große Liselotte Pulver faszinierte mit ihrer Gala zum 75. Geburtstag in der ARD ein Riesenpublikum. Über 9 Millionen Zuschauer ließen sich von ihrem Charme und Berichten berühmter Weggefährten wie Hardy Krüger fesseln.

Nein, es waren 6,86 Millionen. Ja, das ist auch viel. Aber wär’ es nicht schön, wenn solche Angaben mal stimmen würden?

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