Jetzt führt Israel Krieg im Gaza-Streifen, und alles ist wie gehabt. Seit Tagen scheint es keine zivilen Opfer auf palästinensischer Seite zu geben, jedenfalls kommen sie in “Bild” nicht vor. Die Toten und Verletzten sind “Terroristen”. “Bild” meldet heute über die ersten Folgen der israelischen Bodenoffensive:
35 Terroristen werden getötet, darunter mindestens drei ranghohe Hamas-Chefs.
Bis zum Sonntagabend zählten die Palästinenser 35 Todesopfer und 130 Verletzte (…).
Es scheint, als gebrauche “Bild” das Wort “Terrorist” als Synonym für “Palästinenser” oder “Bewohner des Gaza-Streifens”. Das würde erklären, warum “Bild” heute auch schreibt:
Rund 400 Terroristen sollen in den letzten neun Tagen getötet worden sein.
Wieder zum Vergleich die “Neue Zürcher Zeitung”:
So zählte der Leiter der Notfalldienste im Shifa-Spital, dem grössten Spital von Gaza, am Samstag 100 Kinder und 40 Frauen unter den total 463 Todesopfern, das entspricht 30 Prozent. Die Leiterin des Uno-Hilfswerks Unrwa in Gaza, Karen Abuzeid, schätzte den Anteil ziviler Opfer auf 25 Prozent. Diese Indikatoren für zivile Opfer wären noch um eine unbekannte Zahl für männliche Tote zu erhöhen, weil unter diesen in der Eile gar nicht zwischen Kämpfern und Zivilisten unterschieden werden kann.
Vielleicht hat “Bild” aber auch einfach gerechnet: Die Nachrichtenagentur AP meldete gestern, die Zahl aller Toten sei “auf mehr als 500, darunter mindestens 100 Zivilpersonen” gestiegen. Macht für “Bild” einfach 400 getötete Terroristen — und die anderen Opfer zählen nicht.
PS: Den Ursprung des ganzen Konfliktes hat die “Bild”-Zeitung ihren Lesern bereits am 30. Dezember 2008 erklärt, und das sogar ganz ohne lästige geschichtliche Hintergründe:
WOHER KOMMT DIESER HASS AUF DIE JUDEN UND IHREN STAAT?
Ein Grund ist: Israel ist ganz anders als alle seine Nachbarn – eine Demokratie, die einzige der Region. Weltoffen, lebenslustig, modern, erfolgreich, Frauen sind gleichberechtigt. Das schafft Neid. Gerade bei denen, die nichts haben.
Im August 1970 erschien das Satiremagazin “Pardon” mit einem 12-seitigen “Extra” zur “Bild”-Zeitung. Den “Pardon”-Machern (darunter Eckhard Henscheid, Wilhelm Genazino, Peter Knorr – und der spätere “Stern”-Redakteur Gerhard Kromschröder, der wie Günter Wallraff u.a. mit Undercover-Reportagen für Aufsehen und Skandale sorgte und dem wir es verdanken, überhaupt von diesem “Pardon Extra” erfahren zu haben) ging es in ihrem “Sonderdruck” vorrangig darum, humorvoll und doch ernsthaft “Bild” auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und “BILD-Lügen” zu entlarven; ungefähr das also, was – knapp 40 Jahre später – auch wir versuchen…
Wir dokumentieren (mit herzlichem Dank an Kromschröder!) jeden Tag eine der “BILD-Lügen” aus dem “Pardon” von damals.
Es scheint, als hätte sich über die Jahre bei “Bild” nicht wirklich viel geändert…
Lesen Sie morgen: Hilfreiche Tipps der “Pardon”-Redaktion für die Suche nach der Wahrheit in “Bild” (“Was dabei nicht zählt: Toto- und Lotto-Zahlen”). Die BILDblogger erwachen derweil – wieüblich – allmählich wieder aus ihrem Winterschlaf.
Im August 1970 erschien das Satiremagazin “Pardon” mit einem 12-seitigen “Extra” zur “Bild”-Zeitung. Den “Pardon”-Machern (darunter Eckhard Henscheid, Wilhelm Genazino, Peter Knorr – und der spätere “Stern”-Redakteur Gerhard Kromschröder, der wie Günter Wallraff u.a. mit Undercover-Reportagen für Aufsehen und Skandale sorgte und dem wir es verdanken, überhaupt von diesem “Pardon Extra” erfahren zu haben) ging es in ihrem “Sonderdruck” vorrangig darum, humorvoll und doch ernsthaft “Bild” auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und “BILD-Lügen” zu entlarven; ungefähr das also, was – knapp 40 Jahre später – auch wir versuchen…
Wir dokumentieren (mit herzlichem Dank an Kromschröder!) jeden Tag eine der “BILD-Lügen” aus dem “Pardon” von damals.
Es scheint, als hätte sich über die Jahre bei “Bild” nicht wirklich viel geändert…
Erst erschreckte BILD am 8. August seine Leser mit einem bösen Mann:
Ein sturer Beamter vom Jugendamt Hannover hat einem Jungen verboten, mit seiner Mutter Ferien zu machen!
Dann weckte BILD Mitleid:
… Franziska W. (23) aus Hannover hatte ihren Sohn Thomas (3) in ein Kinderheim gegeben … An jedem Wochenende holte Franziska W. den Jungen nach Hause. Nie hatte es dabei Schwierigkeiten gegeben. Jetzt wollte Franziska W. ihren Thomas mit in den Urlaub nehmen. Aber der Sozialinspektor Günter Wicke (30) schickte die junge Frau wieder fort: Er bleibt im Heim. Es reicht, wenn die Mutter ihr Kind einmal in der Woche sieht.
Und dann bewies BILD wieder einmal Herz:
Erst als sich BILD einschaltete, gab das Jugendamt gestern grünes Licht für die gemeinsamen Ferien.
Diese Geschichte ist so herzig, daß BILD sie einfach bringen musste. Obwohl sie falsch ist und obwohl BILD dies auch wußte. Denn die Sache hatte sich ganz anders abgespielt.
Inspektor Wicke zu PARDON: Das Jugendamt könne grundsätzlich nicht verbieten, daß die Mutter ihr Kind mit in Urlaub nehme. Wicke: “Ich habe weder ein Verbot der Beurlaubung ausgesprochen, noch habe ich gesagt ‘Er bleibt im Heim, es reicht, wenn die Mutter ihr Kind einmal in der Woche sieht’.” Das Jugendamt frage in Urlaubsfällen lediglich, wohin es gehe, wie lange, wer das Kind versorge, ob der Heimplatz reserviert bleiben solle.
Um diese Fragen mit Franziska W. zu klären, hatte Wicke die Mutter angerufen, die im Heim auf das Kind wartete. Franziska W., die ihren Sohn sonst ohne Formalitäten mit ins Wochenende nehmen durfte, brach verschreckt das Gespräch ab, in der Annahme, das Amt wolle das Kind nicht beurlauben.
Auf eine schriftliche Einladung der Behörde erschien sie gemeinsam mit BILD-Reporter Ulrich Berger, den sie in Angst und Sorge alamiert hatte. Im Jugendamt klärte sich das Mißverständnis jedoch auf. Stadtoberamtmann Sensmeyer, der Leiter der Abteilung Vormundschaften und Pflegeschaften: “Herr Berger sah, daß er hier mit einem anderen Sachverhalt als erwartet zu tun hatte.”
Franziska W. fuhr mit Thomas in Urlaub. Berger setzte sich an die Schreibmaschine und tippte. Dann stand in BILD:
Sie wollen mit ihrem Kind in den Urlaub? Kommt nicht in Frage!
Und dann dachte Berger sich noch das schöne Zitat vom kategorischen Sozialinspektor aus:
Das Kind bleibt im Heim …
Sensmeyer: “Wie Herr Berger nach dem klärenden Gespräch im Amt diese Behauptung aufrechterhalten konnte, obwohl er gemerkt hatte, daß es sich um ein Mißverständnis handelte, das ist mir unerfindlich!”
Uns auch.
Lesen Sie morgen: Wie “Bild” sich selber einer Lüge überführte. Die BILDblogger sind derweil – wieüblich – noch im Winterschlaf.
Gerade wollten wir uns – wieüblich – über die Feiertage in einen energetischen Sparzustand (Topor) versetzen, da erreichte uns folgende Nachricht:
Nun ja. Wie die von uns gewählte Aufmachung vielleicht schon vermuten lässt, stimmt das zwar nicht wirklich. Aber erstaunlich ist es schon, was die legendäre Satirezeitschrift “Pardon” da im August 1970 für einen 12-seitigen “Sonderdruck” angestellt hatte! Nämlich quasi dasselbe, was auch wir knapp 40 Jahre später ebenfalls versuchen: die kleinen Merkwürdigkeiten und das große Schlimme in einer großen deutschen Boulevardzeitung öffentlich zu machen. Oder, um es mit “Pardon” zu sagen:
Also: Wenn Sie schon Springers BILD lesen – jeder macht mal was Dummes – dann ärgern Sie sich nicht hinterher und sagen: “Sowieso alles erstunken und erlogen!”, sondern schauen Sich doch mal genauer hin! Vielleicht finden Sie ja etwas Wahres. (…)
Aber Vorsicht! Übernehmen Sie sich nicht!
Anlass für den “PARDON-Lesewettbewerb” war offenbar folgende Aussage des ehemaligen “Spiegel”-Redakteurs und damaligen Regierungssprecher Conrad Ahlers vom Februar 1970:
Die Springer-Zeitungen – die “Bild”-Zeltung allen voran – sind heute das, was man Kampfpresse nennt. Es ist eine Presse, die Nachrichten verfälscht und die eine Art von Polemik betreibt, die nach meinem Eindruck mit dem, was wir in Artikel 5 unter der Meinungsfreiheit im demokratischen Staat verstehen, kaum noch zu vereinbaren ist.
Dass Ahlers wiederum zwei Monate später … Ach, was! Das würd’ jetzt echt zu weit führen. “Pardon” jedenfalls schrieb vor fast 40 Jahren wegen Ahlers:
Zugegeben, es sieht nicht mehr originell aus, die BILD-Zeitung der Nachrichtenverfälschung zu beschuldigen.
(…) Dennoch sind die oft banal-dummen BILD-Lügen von entscheidender Wichtigkeit. Zum einen natürlich, weil sie gerade die Art von Meldungen darstellen, von denen diese Zeitung lebt. Zum anderen, weil sie ein Methode dokumentieren, nach der zu arbeiten bisher erbittert – und mit Erfolg – abgestritten worden ist.
Denn (…) BILD hat kaum einen Hehl daraus gemacht, in der Nachrichtenauswahl ausschließlich BILD-Interessen in den Vordergrund zu stellen. Nur eines behauptet diese Zeitung noch immer mit Vehemenz: Daß zumindest die Nachrichten, die von ihr veröffentlicht werden, den Tatsachen entsprechen.
Und anschließend erbrachte das Satireblatt dann den Beweis des Gegenteils: ein halbes Dutzend “Nachweise von BILD-Lügen”, die (auch das stand damals in “Pardon”) “mehr als die Richtigstellung möglicherweise nicht sehr wichtiger Meldungen” sind:
Sie sind Modellfälle für Fälschungen, die sich beliebig auf den politischen Rahmen übertragen lassen, weil sie das letzte journalistische Credo, das BILD noch zu bieten versucht, außer Kraft setzen.
Nun ja… In welchem Maße die “Pardon”-Macher mit ihrer “Modellfälle”-Behauptung Recht behalten sollten, wissen wir vielleicht erst heute.
Und weil wir selbst bislang nichts wussten von diesem BILDblog-Vorläufer, machen wir diesmal aus unseren Winterschlaf ein Nickerchen – und dokumentieren hier ab morgen jeden Tag eine der “BILD-Lügen” von damals im “Pardon”-O-Ton.
P.S.: Aufmerksam gemacht auf diesen BILDblog-Vorläufer hat uns übrigens kürzlich Gerhard Kromschröder, damals selbst als “Pardon”-Redakteur an dem “Sonderdruck” beteiligt. Wir danken ihm herzlich – auch dafür, dass wir das alles einfach mal nachdrucken dürfen!
Und natürlich danken wir für die sachdienlichen Hinweise des Jahres 2008 auch A.J., A.T., A.W., Adam L., Adrian C., Alexander, Alexander B., Alexander D., Alexander F., Alexander H., Alexander K., Alexander T., Alexander W., Alexander Z., Alfons S., Alice, Andeas K., Andre L., Andre M., Andreas, Andreas B., Andreas F., Andreas H., Andreas K., Andreas M., Andreas R., Andreas S., Andy, Anke, Annette Z., Annika, Arndt P., Arne B., Arne K., Arne V., Axel F., Axel K., Axel L., B.H., B.S., Balin, Bastian D., Bastian P., Ben, Bene F., Benedikt G., Benjamin B., Benjamin H., Benni K., Benno K., Bernd K., Bernd V., Berthold, Bgd, Björn G., Björn L., Björn M., Björn P., Boerries K., Boris H., Branko F., Bruno B., Carsten F., Carsten K., Carsten P., Carsten W., Casey J., Chris, Chris B., Christian, Christian E., Christian H., Christian K., Christian L., Christian R., Christian S., Christian W., Christian Z., Christoph, Christoph A., Christoph C., Christoph G., Christoph H., Christoph K., Christoph S., Christoph von G., Christopher, Claudius L., Claudius R., Daniel, Daniel D., Daniel E., Daniel F., Daniel J., Daniel K., Daniel N., Daniel R., Daniel W., Daniela L., Daniele, David A., David D., David K., Denis K., Dennis, Dennis S., Denny W., Derossi, Desponia, Dieter S., Diggernansy, Dirk, Dirk B., Dirk H., Dirk S., Dirty Harry, Dominic G., Dominic I., Dominik M., Eagleeye, Ekkart K., Ekkehard V., Eko, Ellen L., Eric H., Erich D., Esther T., Eugen, F.S., F.W.H., Fabian , Fackelmann, Falk F., Falk R., Felix, Felix F., Fish000r, FKTozz, Flo F., Florian, Florian A., Florian C., Florian E., Florian R., Florian S., Florian Z., Frank, Frank E., Frank G., Frank L., Frank M., Frank N., Frank T., Frauke M., Frederic S., Friedrich E., Gabi, Gambit, Gecko78, Georg, Georg H., Gerald S., Gerd S., Gerhard M., Gerion H., Gerold, Gerrit C., Gesine G., Gila M., Gilbert S., Gingi, Götz N., Gowinda G., Gregor G., Gustav, Gustav L., H.-D., Hagen M., Haitol Seth, Han Delong, Hannes M., Hanno L., Hanns K., Hauke H., Heiko, Heiko F., Heiko R., Heiko S., Heiko Z., Heinz B., Heinz-Gerd R., Helge J.G., Hendic, Hendric S., Henning K., Henning S., Henry W., Herbert F., Heribert, HerrSalami, Hoi Polloi, Holger, Holger K., Holger P., Holger S., Holger W., Horst E., Hubert S., Ilo, Ina L., Inga J., Ingo W. 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Was viele nicht wissen: BILDblog wird auch in der Schule eingesetzt. Es gibt Mathelehrer, die in ihrem Unterricht zum Beispiel auf unseren Eintrag “Machen Tortendiagramme eigentlich dick?” zurückgreifen, der im Kern auf der schönen “Bild”-Formulierung vom August 2007 beruhte:
Denn mittlerweile ist jedes sechste Kind in Deutschland zu dick! Mitte der 90er-Jahre war es nur jedes dritte.
Dass BILDblog auch “Bild”-intern zur Fortbildung eingesetzt wird, ist dagegen eher unwahrscheinlich. Oder wie Bild.de heute schreibt:
Eingeschlafene Autofahrer verursachen im Schnitt jeden vierten tödlichen Verkehrsunfall. Bei Lkw-Fahrern sind übermüdete Lenker sogar an jedem sechsten schweren Unfall schuld.
Vermutlich würde man zu viel von der “Bild”-Zeitung verlangen, wenn man wollte, dass sie tatsächlich umfassend und ausgewogen über ein Thema wie die Impfung gegen Gebärmutterhals-Krebs informiert. Das ist nämlich kompliziert.*
Jedenfalls sehr viel komplizierter, als “Bild” heute auf der Service-Seite (“BILD beantwortet die wichtigsten Fragen”) den Eindruck erweckt:
Nicht, dass “Bild” keine Hinweise geben würde, dass die Beantwortung dieser Frage, möglicherweise nicht so einfach sein könnte. Immerhin heißt es im ersten Absatz des Textes: “Aber die Impfung ist umstritten.” Insgesamt dürften sich die Impfstoff-Hersteller Glaxo Smith Kline und Sanofi Pasteur MSD jedoch über die “Bild”-Seite gefreut haben, entspricht sie im Tenor doch deren Werbekampagnen zum Thema, und die Antwort von “Bild” fällt eindeutig aus:
Indes zeigt die “Bild”-Zeitung gleich in der Antwort auf die erste der “wichtigsten Fragen”, wie wenig sie eigentlich verstanden hat:
Wer sich ein bisschen mit Krebs auskennt, hätte eigentlich merken müssen, dass da was nicht stimmen kann. Denn wenn Frauen an Gebärmutterhalskrebs sterben, geschieht das normalerweise nicht schon mit 15 bis 20 Jahren. Laut Robert-Koch-Insitut lag das “mittlere Erkrankungsalter” in den Jahren 2003-2004 bei 51 Jahren (pdf).
Und davon abgesehen beweist die “offizielle Statistik”, auf die “Bild” und das Albring-Zitat sich beziehen, eines ganz sicher nicht: die Wirksamkeit der Impfung.
Anders als “Bild”, behauptet Albring das auch nicht, wie sich aus einer Pressemitteilung verschiedener Ärzte-Verbände von gestern ergibt. In der Statistik geht es um etwas, das mit der Wirksamkeit der Impfung nichts und mit der Impfung selbst nur entfernt und indirekt zu tun hat: die Zahl von Todesfällen junger Frauen “mit unbekannter Todesursache” – ermittelt vom Bundesamt für Statistik. Im Jahr 2007 habe es nur 17 derartige Fälle gegeben, in den Jahren davor seit 1998 dagegen zwischen 20 und 33. Im Zusammenhang lautet das Zitat Albrings deshalb auch so:
“Diese Zahlen zeigen deutlich, dass die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) in keinem Zusammenhang mit ungeklärten Todesfällen stehen kann. (…) Das ist eine sehr gute Nachricht für alle unsere Patientinnen und deren Eltern, die durch Meldungen Anfang dieses Jahres verunsichert wurden”, verweist Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF) auf einen Bericht des “arznei-telegramms”, der einen Zusammenhang zwischen zwei Todesfällen mit ungeklärter Ursache und einer vorangegangenen HPV-Impfung hergestellt hatte. (Link von uns)
Im Klartext: Anders als “Bild” behauptet, beweist die “offizielle Statistik” nicht, dass die Impfung “erfolgreich” ist, sondern allenfalls, dass sie wahrscheinlich nicht tödlich ist.
*) Wer sich nicht auf das eindeutige Urteil der “Bild”-Zeitung verlassen, und sich lieber umfassend informieren will über die gesamte Diskussion um die Zweifel an der Aussagekraft von Studien zum Impfstoff, um die aggressive Werbekampagne für die Impfung und den “Hype”, der nach Auffassung einiger Kritiker um die Impfung gemacht werde, und um die mögliche Einflussnahme durch die Pharma-Lobby, dem bleibt nichts anderesübrig, alsandereMedienzumThemazukonsultieren.
Mit Dank an Rainer G. für den sachdienlichen Hinweis.
Seit einiger Zeit versteckt die “Bild”-Zeitung die Rügen, die der Presserat gegen sie ausspricht, nicht mehr möglichstunauffälligimBlatt, sondern widersprichtlieberlautstark – beweist darin aber deutlich weniger Geschick.
Aktuell sieht sich die “Bild”-Zeitung ja zu Unrecht für ihre drastische Berichterstattung über einen Flugzeugabsturz in Nepal gerügt. Deshalb gab die Axel Springer AG gestern eine Pressemitteilung heraus. “Bild”-Chef Kai Diekmann bezeichnet die Rüge darin als “rätselhaft”, berief sich auf frühere Entscheidungen des Presserats, schien aber gar nicht begriffen zu haben, warum “Bild” eigentlich genau gerügt wurde (wir berichteten).
Der Presserat sah sich daraufhin genötigt, heute seinerseits eine Pressemitteilung herauszugeben, in der er Diekmanns Kritik “entschieden zurück” weist:
Die Rüge für die Abbildung von verkohlten Leichen auf der Titelseite der Zeitung – insbesondere in Verbindung mit Porträtfotos von Absturzopfern im Innenteil – liegt auf einer Linie mit der bisherigen Spruchpraxis des Presserats. Dies zeigen die Entscheidungen des Selbstkontrollgremiums zu Beschwerden über die Veröffentlichung von Fotos vom Concorde-Absturz und der Tsunami-Katastrophe, in denen ebenfalls gerügt bzw. missbilligt wurde.
Damit geht der Presserat explizit auf eine Passage aus der gestrigen Springer-Pressemitteilung ein, in der Diekmann sich so zitieren ließ:
“Nach allen vom Presserat zu vergleichbaren Fällen kommunizierten Kriterien – siehe ‘Stern’ und ‘Spiegel’ zum Concorde-Absturz und Tsunami –, die BILD vorab sorgfältig bedacht hat, hätte diese Veröffentlichung ethisch für unbedenklich gehalten werden müssen.”
Wie sorgfältig “Bild” insbesondere die Begründung des Presserats etwa zur Rüge für die Concorde-Berichterstattung des “Stern” bedacht hat, wird deutlich, wenn man sich anschaut, welche Kriterien der Presserat im Jahr 2000 in seiner Entscheidung kommuniziert hat:
Unter der Überschrift “Die Tragödie – Das Leben geht weiter” zeigt [der “Stern”] die Stelle in Paris, an der am 25. Juli 2000 eine Concorde-Maschine der Air France abgestürzt ist. Das Farbfoto veranschaulicht das Grauen auf dem Trümmerfeld und die Bergungsarbeiten nach der Katastrophe. So sind auf dem doppelseitigen Bild verkohlte Leichen zu sehen. Am rechten Rand der Seite sind die Fotos zweier Ehepaare und eines Mannes eingeblockt, die sich an Bord der Unglücksmaschine befanden. (…)
Der Presserat (…) erteilt der Zeitschrift eine öffentliche Rüge. (…)
Die eingeblockten Fotos der Absturzopfer stellen einen optischen und assoziativen Zusammenhang zwischen den Abgelichteten und den anonymen Leichen her. Das verletzt zumindest die Würde der trauernden Angehörigen.
Zur Erinnerung hier nochmal die Begründung der aktuellen Rüge gegen die “Bild”-Zeitung:
Durch den assoziativen Zusammenhang zwischen den Abgelichteten im Innenteil und den anonymen Leichen auf der Vorderseite wurden die Gefühle der trauernden Angehörigen verletzt.
Was auch immer Kai Diekmann daran nicht verstanden hat – es scheint ein grundsätzliches Problem zu sein.
“Bild”-Chef Kai Diekmann: (…) Wir haben gestern lange über das Foto diskutiert. Finden Sie das nachrichtlich adäquat oder überschreitet es das Maß der Grausamkeit? Unsere Argumentation gestern ist gewesen: Das ist das Nachrichtenfoto – genauso wie wir die Fotos gezeigt haben von den springenden Menschen aus den Twin Towers oder wie wir auch die Fotos gezeigt haben von den angeschwemmten Opfern nach dem Tsunami (nicht nur wir, sondern alle Medien) – und das deshalb hier einfach einen nachrichtlichen Gehalt hat. Ernst Elitz: Die Welt ist nun einmal so, wie sie ist und man kann sie nicht schöner zeichnen. Und wenn es bei einem Flugzeugabsturz Leichen gibt, die ja hier nicht in den Vordergrund gerückt werden, die ha nicht in dem Sinne ins Auge fallen – man sieht ja erstmal die Betroffenheit der anderen Menschen –, so halte ich das für ‘ne akzeptable Lösung.
Man darf die Welt nicht schöner zeichnen als sie ist. Unglücke, Kriege und Katastrophen bei denen Menschen ums Leben kommen, lassen sich nicht verdrängen. BILD hat eine aus der Distanz aufgenommene Totale nach dem Flugzeugabsturz gezeigt. Menschliche Leichen wurden hier keineswegs in den Vordergrund gerückt. Aber das Gesamtbild hat Betroffenheit geweckt. Das Bild hat Wirklichkeit gezeigt, aber keinen Voyeurismus betrieben. An der Wirklichkeit kann man nicht vorbei gehen, auch wenn sie bedrückend ist und betroffen macht. Die Abbildung dieser realen Situation kann beim Fernsehzuschauer und beim Leser Mitgefühl wecken. Auch das ist eine Aufgabe der Medien.
Die “Bild”-Zeitung hatte am 9. Oktober dieses Jahres über einen Flugzeugabsturz in Nepal berichtet, bei dem 18 Passagiere starben. “Bild” zeigte auf der Titelseite unter der Schlagzeile “12 Deutsche im Flugzeug verbrannt!” ein Foto, auf dem “die verkohlten Leichen” geborgen wurden. Zudem druckte “Bild” im Innenteil der Ausgabe mehrere unverfremdete Fotos von insgesamt sechs der zwölf deutschen Opfer.
Für diese Berichterstattung wurde “Bild” nun vom Presserat gerügt.
“Bild”-Chef Kai Diekmann indes ist mit der Rüge nicht einverstanden. In einer Pressemitteilung der Axel Springer AG wird er mit den Worten zitiert:
“Der Presserat misst mit zweierlei Maß und problematisiert mit dieser Entscheidung jede Fotoveröffentlichung, sofern sie Opfer auch nur aus der Ferne zeigt. Nach allen vom Presserat zu vergleichbaren Fällen kommunizierten Kriterien – siehe ‘Stern’ und ‘Spiegel’ zum Concorde-Absturz und Tsunami –, die BILD vorab sorgfältig bedacht hat, hätte diese Veröffentlichung ethisch für unbedenklich gehalten werden müssen. Mit einer solch rätselhaften Entscheidung verunsichert der Presserat die Redaktionen. Vollständigkeit gehört auch zur Wahrheitspflicht der Berichterstattung.”
(Außer Diekmann kommt in der Springer[!]-Pressemitteilung auch DeutschlandRadio-Intendant Ernst Elitz zu Wort, weil er am Tag der Veröffentlichung bei “Bild” zufällig die öffentliche Blattkritik abhielt und die Berichterstattung schon damals als “eine akzeptable Lösung” bezeichnet hatte. In einem ausführlichen Statement äußert er sich jetzt – siehe auch hier – abermals in Diekmanns Sinne.)
Diekmanns Argumentation ist im Prinzip nachvollziehbar, hat aber einen Haken: Sie hat nur am Rande mit der “rätselhaften” Rüge des Presserats zu tun. Das Titelseiten-Foto spielt darin zwar eine Rolle, gerügt wurde jedoch die “Gesamtberichterstattung”, die laut Presserat unangemessen sensationell bzw. respektlos gegenüber dem Leid der Opfer und den Gefühlen von Angehörigen sei und zudem das Privatleben und die Intimsphäre der Betroffenen verletze (Pressekodex Ziffer 11 bzw. Richtlinie 11.3 und Ziffer 8):
Öffentlich gerügt wurde die BILD-Zeitung aufgrund der Berichterstattung zum Absturz eines Flugzeuges im Himalaya, bei dem auch zwölf deutsche Touristen starben. Die Zeitung hatte auf der ersten Seite großformatig ein Foto der Unglücksstelle abgebildet, auf dem verkohlte Leichen zu sehen waren. Im Innenteil wurden zudem Fotos einiger Passagiere veröffentlicht. Dadurch wurde ein Teil der Opfer identifizierbar. Durch den assoziativen Zusammenhang zwischen den Abgelichteten im Innenteil und den anonymen Leichen auf der Vorderseite wurden die Gefühle der trauernden Angehörigen verletzt. (Hervorhebung von uns.)
Man darf die Hoffnung nicht aufgeben. Irgendwann wird auch der Letzte, alsodie“Bild”-Zeitung, verstanden haben, dass es einen Unterschied zwischen einer HIV-Infektion und einer Aids-Erkrankung gibt. Aber noch ist es nicht so weit.
Heute schafft es “Bild” in einem Artikel zum gestrigen Welt-Aids-Tag, beide Begriffe wieder munter so zu verwenden, als wären sie synonym, und sie in der Schlagzeile gleich ganz zu verschmelzen:
Grundlage für den Bericht ist eine Pressemitteilung des Robert-Koch-Institutes (RKI) vom 24. November, die die “Bild”-Zeitung auch eine Woche später noch nicht verstanden hat. Dass nach wie vor rund jeder siebte HIV-Infizierte in Deutschland in Berlin lebt, nennt sie eine “Schock-Zahl” und schreibt weiter:
2008 steckten sich vermutlich 500 Menschen in Berlin neu mit dem HI-Virus an — 88 mehr als im Jahr zuvor.
Die Warnung des RKI:
Die vom RKI zusammengestellten Eckdaten zur Abschätzung der Zahl der HIV-Neuinfektionen (…) erfolgt in jedem Jahr neu auf der Grundlage aller zur Verfügung stehenden Daten und Informationen und stellen keine automatische Fortschreibung früher publizierter Daten dar. Durch zusätzliche Daten und Informationen sowie durch Anpassung der Methodik können sich die Ergebnisse der Berechnungen von Jahr zu Jahr verändern und liefern jedes Jahr eine aktualisierte Einschätzung des gesamten bisherigen Verlaufs der HIV-Epidemie. Die jeweils angegebenen Zahlenwerte können daher nicht direkt mit früher publizierten Schätzungen verglichen werden.
Es hat also nichts genützt, dass das Robert-Koch-Institut den Hinweis, dass diese Zahlen nicht mit denen des Vorjahres vergleichbar sind (siehe Kasten rechts), in seinen Veröffentlichungen [pdf] gleichzeitig fett, kursiv und unterstrichen hervorgehoben hat. “Bild” vergleicht sie trotzdem.
Und das auch noch falsch: Das Institut unterscheidet zwischen den Neudiagnosen eines Jahres (nach dem Zeitpunkt, zu dem jemand positiv auf HIV getestet wird) und den Neuinfektionen eines Jahres (nach dem geschätzten, oft viel früher liegenden Zeitpunkt, zu dem er sich infiziert hat). Wie uns eine Sprecherin des RKI auf Anfrage bestätigt, vergleicht “Bild” offenbar die gemeldeten Neudiagnosen 2007 mit den geschätzten Neuinfektionen 2008.
Vielleicht ist die “Bild”-Rechnung selbst in der Tendenz falsch. Zwar gibt das Robert-Koch-Institut für einzelne Bundesländer keine Vergleichszahlen über Neuinfektionen aus den Vorjahren an. Für die gesamte Bundesrepublik aber schätzt es, dass die Zahl 2008 erstmals seit längerer Zeit gegenüber dem Vorjahr nicht zugenommen hat, sondern stagniert.