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Wissenswertes über Wasserbüffel

Eine Herde Wasserbüffel hat nach Agenturberichten am Donnerstag auf der Autobahn 4 einen Verkehrsunfall mit einem Todesopfer verursacht. Oder, in den Worten der “Bild”-Zeitung:

Afrika-Büffel? Wasserbüffel! Wieso schreibt die “Bild”-Zeitung “Afrika-Büffel”, wenn alle anderen “Wasserbüffel” schreiben? Vermutlich um im Kopf der Leser schon die Frage vorzubereiten, die sie dann im Text stellt:

Was machen Wasserbüffel mitten in Deutschland?

Eben. Die gehören doch nach Afrika. Wird unser schönes Deutschland jetzt auch noch von gefährlichen Ausländertieren überrannt?

Nein, jedenfalls nicht von Afrika-Büffeln, sondern höchstens von Asien-Büffeln. Domestizierte Büffel sind nämlich keine afrikanischen Büffel (Bubalus caffer), sondern asiatische Wasserbüffel (Bubalus bubalis). Und irgendwie hätte der “Bild”-Autor das auch als Büffel-Laie ahnen können, denn in seinen Text schrieb er unter die gewaltigen Buchstaben “Afrika-Büffel” den Satz:

Die Büffel stammen aus Vietnam.

Übrigens endet der “Bild”-Beitrag über den tödlichen Unfall mit den Worten:

Das Fleisch ist eine Delikatesse, besonders dunkel und zart.

Der Satz passt gerade noch neben die Hinterhufe von diesem appetitlichen Tier:

Vielen Dank an Tobias M. für Hinweis und Scan!

Die Geister, die sie riefen

Hoppla, was ist denn da passiert? Randale? Tätliche Angriffe? Ausländerfeindliche Ausfälle? Es scheint so, denn “Bild” spricht von einer “Pöbel-Attacke” und schreibt:

Gerade erst in den Landtag gewählt – und schon zeigen die Neonazis von der Sachsen-NPD im TV ihr wahres Gesicht!

Was hat der sächsische NPD-Spitzenkandidat Holger Apfel getan? Er sagte (korrekt zitiert in “Bild”) dies:

“Heute ist ein großartiger Tag für alle Deutschen, die noch Deutsche sein wollen, es ist die verdiente Quittung für eine immer asozialere Sozialpolitik, für eine asoziale Wirtschaftspolitik und…”

Währenddessen verließen die Vertreter der anderen Parteien den Tisch, an dem sie interviewt wurden. Die ZDF-Innenpolitikchefin Bettina Schausten entzog Apfel hektisch das Wort und reagierte hilflos und hysterisch, als er — weitgehend unverständlich für die Fernsehzuschauer — weitersprach.

Es besteht kein Grund, an der Gefährlichkeit der NPD zu zweifeln. Aber zu einer “Pöbelattacke” ist es im ZDF-Studio nicht gekommen, und auf die These mit der “asozialen Sozialpolitik” hätte Apfel prima durch Verfolgen der Hartz-IV-Berichterstattung der “Bild”-Zeitung kommen können — bis diese abrupt endete: “Irgendwann in diesem Sommer müssen sie bei Bild gemerkt haben”, schrieb Evelyn Roll am Samstag in der “Süddeutschen Zeitung”, “dass sie mit dem Schüren von Sozialangst zwar der Regierung schaden und der eigenen Auflage helfen, aber auch den Neonazis und der PDS. Und zwar tüchtig.”

Und, nein, die anderen Politiker mussten vor dem NPD-Mann auch nicht “fliehen”. Sie demonstrierten nur, dass sie nicht gewillt waren, mit Neonazis zu diskutieren.

Bestimmt wäre es hilfreich, wenn man im Kampf gegen die NPD die Mittel der Tatsachen-Verfälschung und grotesken Übertreibung den Rechtsradikalen überließe. Und wer ein paar populistische Sätze im Fernsehen als das “wahre Gesicht” der NPD bezeichnet, verharmlost die Gefahr dramatisch.

Unbequeme Wahrheit

Katja Burkard ist die Freundin von Hans Mahr. In der “Bild am Sonntag” stand deswegen kürzlich die “ganz besonders heiß diskutierte Frage”:

“Fliegt die lispelnde ‘Punkt-12’-Moderatorin Katja Burkard?”

Zwei Tage später nun macht “Bild” Frau Burkard zum “Gewinner” des Tages. Schließlich sei Burkards Sendung “doppelt so erfolgreich wie das zweiterfolgreichste ‘Mittagsmagazin’ von ARD und ZDF”. Und um die Sache (Marktanteil: “26,6 % bei Zuschauern ab 3 Jahre” usw.) anschaulicher zu machen, schreibt “Bild” dazu:

Fast jeder dritte Deutsche schaltet um 12 Uhr ein, wenn Katja Burkard (39) die RTL-Nachrichtensendung ‘Punkt 12’ moderiert.”

Das klingt gut, stimmt aber nicht: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes leben in Deutschland rund 82 Millionen Menschen. Nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) leben zirka 90 Prozent davon in einem sog. Fernsehhaushalt. Darüber hinaus sieht, so die GfK, mittags um 12 bloß jeder Zehnte fern – und, ja, so ziemlich jeder Dritte dieser 10 Prozent schaut sich dann Katja Burkard an. 2,02 Millionen sind das insgesamt. Kurzum: Unter Zuhilfenahme eines Taschenrechners (und unter grundloser Vernachlässigung der über sieben Millionen in Deutschland lebenden Ausländer) könnte es halbwegs folgerichtig heißen:

Fast jeder fünfunddreißigste Deutsche schaltet um 12 Uhr ein, wenn Katja Burkard (39) …” usw. usf.

Wobei: Klingt sowas überhaupt noch nach “Gewinner”? Egal, denn ganz zum Schluss kann man der “Bild” dann doch noch zustimmen – dann nämlich, wenn sie direkt neben die “Gewinner”-Meldung schreibt: “Man muss auch unbequeme Wahrheiten ertragen.”

Bananenrepublik

Soweit ist es schon gekommen. “Muß uns jetzt ein Ausländer retten?” fragt “Bild”, und meint mit “uns” die Fußballnationalmannschaft, aber natürlich nicht nur. Sogar der Optimismus von Franz Beckenbauer bekommt eine schale Note. Die “Bild”-Zeitung zitiert ihn: „Wir werden in den nächsten Wochen, und wenn die Zeit nicht reicht in den nächsten Monaten, den richtigen Mann finden“ und fragt rhetorisch am Schluss: “Im Ausland?” und man hört fast, wie es sie schüttelt. Dann ist alles denkbar. “Vielleicht sollten wir die WM 2006 zurückgeben”, kommentiert der Sportchef. Jene WM in zwei Jahren (die verwirrenderweise “das größte Sportereignis der letzten 30 Jahre” ist, aber lassen wir das), die Franz Beckenbauer mit einem Sieg “für Deutschland” in “unser Land” holte, das sich nun als “Bananen-Republik” herausstellt.

Komisch. Für die Griechen war “ein Ausländer” als Trainer irgendwie gut genug.

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