Journalismus auf Auto-Pilot

Wenn Politiker, Journalisten oder Führungskräfte die gesellschaftliche Bedeutung der Automobilbranche unterstreichen wollen, sagen sie, jeder siebte Job hänge davon ab.

Das Wirtschaftsmagazin „Capital“ hat vor drei Jahren aufgeschrieben, dass diese Zahl kaum haltbar ist:

Die Behauptung, jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland sei an die Automobilindustrie geknüpft, beruht nach Capital-Recherchen auf einem simplen Rechentrick des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Der VDA geht davon aus, dass ohne Autoindustrie in Deutschland niemand mehr Auto fahren würde – weder deutsche Wagen noch ausländische. Damit würden alle Jobs wegfallen, die irgendwie durch das Auto bedingt sind – vom Straßenbauarbeiter bis zum Parkhauspförtner. Nach Berechnungen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) hängt dagegen nur rund jeder 20. Arbeitsplatz von der Autonachfrage ab.

Tief eingesickert ist die Erkenntnis allerdings noch nicht. Im aktuellen „Spiegel“ heißt es in einem Artikel zur Euro-Krise:

Trotzdem schienen die deutschen Vorzeigebranchen bis vor kurzem unberührt von Euro-Krise und Wachstumsschwäche. Die Autoindustrie, von der jeder achte Job in Deutschland abhängt, rauscht bisher durch das Jahr 2012, als sei sie unverwundbar.

Immerhin: „jeder achte Job“ statt „jeder siebte“. Wenn es in dem Tempo weitergeht, sind die Journalisten in 36 Jahren beim korrekten „jeder zwanzigste“ angekommen. Wenn die Automobilindustrie bis dahin nicht an Bedeutung verliert.

Mit Dank an Torsten.