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Wie Piraten einmal fast ein AKW kaperten

Es gibt viele Beispiele dafür, dass “Spiegel Online” Fehler transparent korrigiert. Man könnte deshalb annehmen, dass “Spiegel Online” alle seine Fehler transparent korrigiert. Das wäre ein Irrtum.

Am Freitagabend machte “Spiegel Online” mit einer spektakulär erscheinenden Meldung auf:

Angesichts der Positionierung ganz oben auf der Startseite konnte man den Eindruck gewinnen, irgendwelche Leute der Piratenpartei hätten ein französisches Atomkraftwerk sabotieren wollen.

Die Geschichte hätte vermutlich etwas weniger Aufmerksamkeit (und Klicks) bekommen, wenn “Spiegel Online” deutlich gemacht hätte:

  • Es wurde nicht die Piratenpartei durchsucht, sondern ein von ihr gemieteter Server beschlagnahmt.
  • Das Vorgehen der Polizei richtete sich nicht gegen die Piratenpartei selbst.
  • Ob die Polizei einen “Angriff” “vereitelt” hat, ist ungewiss, aber unwahrscheinlich.
  • Die Hacker nahmen nicht die Anlagen des Stromkonzerns oder gar ein Atomkraftwerk ins Visier, sondern eine Internetseite*.

Im Lauf des Abends muss auch bei “Spiegel Online” jemand gemerkt haben, dass man es selbst für eigene Erregungsverhältnisse übertrieben hatte. Nun sah die Geschichte plötzlich so aus:

Auch die aktuelle Version ist mit Formulierungen wie “Hacker sollen Angriffe auf Energieversorger geplant haben” zum Foto eines Atomkraftwerkes immer noch sensationsheischend. Aber “Spiegel Online” hat einige Dinge verändert. Zum Beispiel:

Alte Version
Neue Version
Polizei vereitelt Hacker-Angriff auf AKW-Betreiber Hacker planten Angriff auf AKW-Betreiber
Hacker planten offenbar einen Angriff auf einen französischen Energieversorger: Auch in Deutschland rückten Ermittler aus, die Server der Piratenpartei wurden abgeschaltet. Sie sollen zur Planung der Tat benutzt worden sein. Die Partei sieht zwei Tage vor der Wahl in Bremen ihre Arbeit boykottiert. Ein französischer Energieversorger war offenbar im Visier von Hackern. Auch in Deutschland rückten Ermittler aus, die Server der Piratenpartei wurden abgeschaltet. Sie sollen zur Planung der Tat benutzt worden sein – offenbar ohne das Wissen der Partei, die kurz vor der Bremen-Wahl ihre Arbeit behindert sieht.
Unbekannte planten offenbar einen konzertierten Hacker-Angriff auf einen französischen Elektrizitätskonzern, so berichteten es am Freitag mehrere Quellen. Unbekannte hatten offenbar einen konzertierten Hacker-Angriff auf einen französischen Elektrizitätskonzern geplant, so berichteten es am Freitag mehrere Quellen. Nun sollen die Motive für den womöglich bereits erfolgten Angriff aufgeklärt werden.
Das Amtsgericht in Offenbach erteilte am Freitag den Durchsuchungsbeschluss, weil über einen Server der Piratenpartei ein sogenannter SSH-Key verbreitet wurde. Dieser ließe sich zu einem Angriff auf den Konzern verwenden. Das zuständige Amtsgericht erteilte am Freitag den Durchsuchungsbeschluss, weil über einen Server der Piratenpartei ein sogenannter SSH-Key verbreitet wurde. Dieser ließe sich zu einem Angriff auf die Website des Konzerns verwenden, teilte die Piratenpartei unter Berufung auf Ermittler mit.
Es werde jedoch nicht gegen die Piratenpartei ermittelt, betonten Sprecher der Partei. Die Ermittlungen richteten sich jedoch nicht gegen die Piratenpartei, teilte die Staatsanwaltschaft Darmstadt auf Anfrage mit.

Dass die Staatsanwaltschaft Darmstadt klargestellt hatte, das Verfahren richte sich nicht gegen die Piratenpartei, hatte die Nachrichtenagentur dpa übrigens bereits am Freitagmittag um 13:46 Uhr gemeldet.

PS: Die voreilige Überinterpretation aus der Überschrift, die “Spiegel Online” unauffällig korrigiert hatte, blieb auch danach in der Welt bzw. in der “Welt”. “Welt Online” titelte zufällig: “Polizei verhindert Hacker-Angriff auf AKW-Konzern”. Im zugehörigen Artikel ist keine Rede davon.

 
siehe auch:

*) Nachtrag/Korrektur, 11:20 Uhr. Ganz so eindeutig ist es nicht, dass es nur um eine Website ging. Je nachdem, was wirklich auf dem Server der Piratenpartei lag, hätten Hacker damit womöglich auch Unfug in der IT-Infrastruktur anstellen können, zum Beispiel mit Kundendaten o.ä.

Hetzenjagd auf den “Spiegel”

Auf der Liste der angesehensten Berufe landen Journalisten und Politiker regelmäßig im unteren Drittel. Und auch untereinander scheint man nicht viel voneinander zu halten.

Vor zwei Wochen erhob Mariela Castro, Direktorin des Nationalen Zentrums für Sexualerziehung CENESEX auf Kuba in der linken Tageszeitung “Junge Welt” schwere Vorwürfe (die auch wir in “6 vor 9” verlinkt haben): Der “Spiegel” habe ein Interview mit ihr sinnentstellend verändert.

“In der gedruckten Fassung hat die Redak­tion Fragen eingefügt, die sie mir nie gestellt hat. Eine solche Frechheit und ein solches Fehlen von Professionalität habe ich noch nicht erlebt, nicht einmal bei Medien in den USA”, so Castro. (…) Der Spiegel habe sie außerdem falsch zitiert. So habe sie die Gefangenen, die derzeit von der kubanischen Regierung freigelassen werden, ausdrücklich nicht als Terroristen bezeichnet: “Die Terroristen sind andere.” Trotzdem wird ihr dies vom Spiegel in den Mund gelegt.

Für Mariela Castro ist die Hetze gegen ihr Land und sie selbst kein Zufall, sondern Teil der Kampagne gegen den kubanischen Sozialismus.

Nun ist bei so einem Interview in der Regel eine recht überschaubare Anzahl von Personen anwesend, es steht somit schnell Aussage gegen Aussage.

Der “Spiegel”-Redakteur Manfred Ertel, der das Interview mit Frau Castro geführt hatte, erklärte uns aber auf Anfrage:

Die von Ihnen zitierten Interview-Aussagen von Mariela Castro in der “Jungen Welt” sind falsch. Das vom SPIEGEL veröffentlichte Interview mit ihr ist in seiner gedruckten Fassung Zeile für Zeile von Mariela Castro persönlich autorisiert worden – so, wie es im SPIEGEL übrigens gängige Praxis ist.

In der Tat hat der “Spiegel” die Praxis der Autorisierung in den 1960er Jahren eingeführt — und kann sich somit in strittigen Situationen wie dieser darauf berufen, dass der Gesprächspartner das Gespräch vor Abdruck abgesegnet hat.

Warum aber ließ die “Junge Welt” ausgerechnet in einem Artikel, in dem sie vermeintlich unseriösen Journalismus anprangert, die beschuldigten Kollegen nicht zu Wort kommen?

Die Redaktion hat uns (auf unsere zweite Anfrage nach zehn Tagen) dazu folgendes geantwortet:

Aufgrund der damaligen Kürze der Zeit – die Entscheidung, das Thema zum Aufmacher zu machen, wurde sehr kurzfristig getroffen – haben wir eine vorherige Kontaktaufnahme mit dem “Spiegel” versäumt. Sie haben recht, dass dies eine Schwäche unserer Veröffentlichung darstellt. Es hat in der Folge allerdings auch von Seiten dieser Zeitschrift offenbar keinen Bedarf gegeben, die Aussagen von Frau Castro uns gegenüber zu dementieren.

Der letzte Satz ist ein erschütterndes Dokument über das Selbstverständnis des Journalismus in Deutschland: Wenn niemand widerspricht, werden die Vorwürfe schon stimmen. So einfach ist das also.

dpa  

Auch Löschen will gelernt sein

Nachdem Bundespräsident Horst Köhler am Aschermittwoch das umstrittene Zugangserschwerungsgesetz zur Einführung von Websperren gegen Kinderpornografie unterzeichnet hat, gibt es ungewohnte Allianzen — so zumindest in der Zusammenfassung der dpa von heute Nachmittag:

Nach dem Regierungswechsel vereinbarte Schwarz-Gelb im Koalitionsvertrag, dass Union und FDP ein Löschen der Seiten bevorzugen. Jedoch stößt auch dies auf Kritik: So erklärte der Bund Deutscher Kriminalbeamter vor wenigen Tagen, Löschen sei nicht wirkungsvoller als Sperren. Auch die Piratenpartei, in der sich viele Netzaktivisten engagieren, bezeichnete das Löschen als überflüssig.

Das wäre allerdings höchst erstaunlich, schließlich hatte die Piratenpartei im vergangenen Jahr sogar zu einer Demonstration unter dem Motto “Löschen statt Sperren” aufgerufen. Woher kommt der plötzliche Sinneswandel?

Aufklärung bietet der Blick in eine dpa-Meldung vom 9. Februar:

Doch der neue Plan, Internetseiten mit Fotos und Videos sexuell missbrauchter Kinder, zu löschen, greift aus Sicht von Netzgemeinde und Polizei ebenfalls zu kurz. “Das ist total überflüssig und lächerlich”, sagte der Sprecher der Piratenpartei, Simon Lange. Bestehende Gesetze reichten bereits aus, um Kinderporno-Seiten zu löschen.

So wurde aus einer Opposition gegen ein Löschgesetz die pauschale Ablehnung des Löschens von Kinderpornografie im Internet. Da hat wohl jemand zu oft auf die Löschtaste gedrückt.

Nachtrag 19:45 Uhr: Nach eiliger Krisenkommunikation hat die dpa am Abend zwar nicht wie gewünscht eine Richtigstellung veröffentlicht, aber immerhin eine Meldung, in der die Position der Piratenpartei nicht ins Gegenteil verkehrt wird:

Die Piratenpartei, in der sich viele Netzaktivisten engagieren, erklärte am Mittwoch in Berlin, es sei “unfassbar”, dass Köhler das Gesetz unterschrieben habe. Sprecher Simon Lange kritisierte zudem, für das Löschen von Seiten brauche man keine neuen Gesetze. Die bisherige Gesetzeslage erlaube dies bereits.

Hinweise auf eine vorher falsche Berichterstattung fehlen. Und so ist es auch kein Wunder, dass viele Tageszeitungen morgen mit der sinnentstellten Kurzfassung erscheinen werden. So heißt es zum Beispiel im “Tagesspiegel” von morgen:

Politische Meriten sind mit dem Thema also schwer zu erwerben. Die Piratenpartei erklärt, auch Löschen bringe nichts.

Nachtrag, 18.2.2010: Auf unsere Nachfrage erklärt die dpa, dass sie die Meldung nach Leserbeschwerden korrigiert und eine Berichtigung verschickt hat:

Berichtigung: Im letzten Absatz wurde der dritte Satz dahingehend geändert, dass die Piratenpartei ein Lösch-Gesetz rpt Lösch-Gesetz (nicht: das Löschen) für überflüssig hält. Damit wird klargestellt, dass die Partei nicht gegen das Löschen der Internetseiten ist, sondern gegen ein neues Gesetz zum Löschen der Seiten, weil die bestehenden Gesetze ausreichend seien

Warum diese Korrektur im Basisdienst der Agentur nicht angekommen ist, war bisher nicht zu klären. Die oben verlinkte Zusammenfassung im Angebot der “Märkischen Allgemeinen” wurde inzwischen durch einen korrekten Text ersetzt – der Leser wird über die nachträgliche Änderung allerdings nicht informiert.

Darmstädter Echo, Diekmann, Maurer

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Der Journalismus des Darmstädter Echo”
(regioblog.de, Peter Löwenstein)
Ein Pressebeauftragter für die Piratenpartei schickt dem “Darmstädter Echo” eine Einladung zu einer Gründungsveranstaltung und erhält als Antwort einen Anruf, in dem er gebeten wird, “selbst produziertes Material” zu liefern, also “ein paar Textbausteine, die Abstimmungsergebnisse und auch ein paar Bilder”, da das Blatt offenbar keinen Reporter schicken will. Löwenstein sagt ab und bloggt lieber darüber.

2. “Spießer in den Cyberspace”
(tagesspiegel.de, Markus Hesselmann)
Der Online-Chef des “Tagesspiegels” plädiert dafür, das Netz nicht den “Experten und Alpha-Bloggern” zu überlassen. “Die Debatte über das Internet muss raus aus dem digitalen Ghetto. Rein in die Mitte der bürgerlichen Gesellschaft.”

3. “Schleichwerbefall beim SWR”
(kress.de)
Die Sportsendung “Flutlicht” berichtet am 30. August laut “Spiegel” von einem unter anderen von Haribo gesponserten Golf-Benefizturnier: “Der knapp zehnminütige Beitrag soll dabei wie ein Werbefilm dahergekommen sein: Das Goldbären-Maskottchen spielte Golf, es wurden Fußballspiele mit Gummibärchen nachgespielt, das Logo sei häufig im Hintergrund zu sehen gewesen.”

4. Kai Diekmann bei der “taz”
(30jahre.taz.de, Sebastian Heiser)
“Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann besucht als eines von 8826 Mitgliedern die Mitgliederversammlung der taz-Genossenschaft. Im roten Kapuzenpulli plädiert er für eine Bezahlung von Inhalten: “Ich halte es für richtig, für guten Journalismus auch gutes Geld zu verlangen.”

5. “Des Kaisers Kleider und der Kurtisanen Kostüme”
(news.admin.ch, Ueli Maurer)
Der Schweizer Verteidigungsminister Ueli Maurer hält am Jahreskongress des Verbandes Schweizer Presse eine gepfefferte Rede: “Viele Medien nehmen den Informationsauftrag nicht ernst. So legen sie den Boden schlecht: Pfusch ist da an der Tagesordnung. Schnellschüsse und Kurzschlüsse, Sofort-Umfragen, Sofort-Erklärungen, Sofort-Geschichten füllen die online-Zeitungen, die Tageszeitungen, die Radio- und Fernsehprogramme. Aus dem Internet gegoogelt und schrill umformuliert, werden aus Nichts Schlagzeilen und aus Wenig Texte.”

6. “Schweinegrippenjournalismus”
(youtube.com, Video, 4:34 Minuten)
Ein Ausschnitt aus der letzten Sendung von “Harald Schmidt” zeigt, wie sich Jan Böhmermann als Rüdiger Alt in die Nachrichten der Pro7/Sat.1-Gruppe und in einen Leitartikel der “WAZ” schmuggelte.

Lüthi, Konken, Pantelouris, Metaphern

1. Interview mit Barbara Lüthi

(sonntagszeitung.ch, Ursula Zenger)

Die Schweizer Fernsehjournalistin Barbara Lüthi erzählt von ihrem Korrespondenten-Dasein in China. “Das Internet verändert China, es ist eine grosse, subversive Kraft. Zurzeit gibt es rund 300 000 Blogs, in denen die ‘Charter 08’ diskutiert wird, ein neuer Vorschlag für eine politische Reform. Andere Leute stellen ihre Beschwerden oder Anliegen ins Netz, samt Handynummer. Oder ein Bauer filmt mit dem Handy einen Aufstand und rennt ins nächste Internetcafé, um die Bilder zu verbreiten. Die werden zwar rasch gesperrt. Aber ein, zwei Stunden genügen, damit wir das aufgreifen.”

2. “Braucht mich noch einer?”

(print-würgt.de, Michalis Pantelouris)

Michalis Pantelouris erinnert sich an goldene Zeiten “in der Hochzeit der ersten Internet-Blase”, welche die meisten Online-Journalisten nie erlebt haben dürfen. Verleger Dirk Manthey (heute meedia.de) hat “nicht nur das Fitnessstudio, den Golfclub und eine wöchentliche Massage bezahlt, er hat auch jedem einzelnen Angestellten eines Magazins eine Magnum-Flasche Champagner geschickt, wenn ihm eine Ausgabe besonders gut gefiel.”

3. “Worte des Vorsitzenden Konken”

(netzfundbuero.de, Slideshow)

10 Zitate von Michael Konken, seit 2003 Vorsitzender des DJV, zum Beispiel “Das Internet ist eine Plattform auch für Schmierfinken ganz besonderer Art”. Wer Mitglied des DJV ist und das Internet nicht zwigend als Feind des Journalismus sieht, kann sich ja seine Mitgliedschaft nach der Lektüre nochmals überlegen.

4. “Berichten deutsche Medien über Googles Antwort? Nicht wirklich.”

(netzwertig.com, Marcel Weiss)

“Viele deutsche Medien haben über die ‘Hamburger Erklärung’ der Verleger berichtet. Über Googles Antwort herrscht mehrheitlich Schweigen.”

5. “Stell dir vor es ist Browser-Krieg und niemand geht hin”

(netzwelt.de, Michael Knott)

Was hat es eigentlich mit den Kriegs-Metaphern im Journalismus auf sich? “Da ziehen Schnäppchenjäger freiwillig in Rabattschlachten, Hacker bereiten IT-Administratoren Kopfschmerzen durch DDOS-Attacken, Microsoft-Chef Steve Ballmer bläst zum Angriff auf Yahoo – eigentlich kann der Suchmaschinenbetreiber da gleich die Flinte ins Korn werfen.”

6. “Fünf Irrtümer über die Piratenpartei”

(futurezone.orf.at, Günter Hack)

5 “populäre Irrtümer” über die Piratenpartei im Detail widerlegt.

Iran, Twitter, Graff, Federer

1. “Journalismus im Iran: Ein Flickr Hoffnung”

(diepresse.com, Patricia Käfer)

“Bürgerreporter als wichtige Stütze, Arbeitsbedingungen schwierig. Die Blogger-Szene im Iran ist seit Jahren kritisch aktiv. Und derzeit bietet das Web 2.0 selbst renommierten Medien die einzige Möglichkeit, an authentische Informationen zu kommen.”

2. In der Endlosschleife

(carta.info, Robin Meyer-Lucht)

Robin Meyer-Lucht war am Medienforum NRW und an einer Veranstaltung zum “Ende des Journalismus” in Berlin und kriegte “das Gefühl, ein Mediensystem im Abstieg zu besichtigen”, denn: “Wirklich zentrale Fragen für neue Öffentlichkeitsstrukturen, wie beispielsweise eine Link-Ethik, werden nicht aufgegriffen. Das Internet als Leitmedium und der Veränderungsbedarf aller Medieninstitutionen werden noch immer unter den Vorzeichen und mit der Sprache des klassischen Systems verhandelt. ”

3. “Wie ein Pirat dem anderen”

(bildblog.de, Lukas Heinser)

Bernd Graff, stellvertretender Chefredakteur von sueddeutsche.de, nennt die Piratenpartei die “politische Vertretung” von Pirate Bay. Doch so ist es nicht: “Piratenpartei und Pirate Bay entstammen derselben Bewegung, sind aber nicht direkt miteinander verbunden.”

4. “Rules of Engagement for Journalists on Twitter”

(pbs.org, Julie Posetti)

Zwanzig Regeln für Journalisten bei Twitter. Von 1. “Denke, bevor du twitterst. Du kannst einen unbesonnenen Tweet nicht löschen” über 5. “Sei menschlich; sei ehrlich; sei offen; sei aktiv” bis zur 13. “Twittere nicht, wenn du wütend oder betrunken bist.”

5. “Iran’s Web Spying Aided By Western Technology”

(online.wsj.com, Christopher Rhoads und Loretta Chao)

Europäische Telekommunikationsfirmen haben dem Iran geholfen, eine Infrastruktur zur Zensur und Kontrolle des Internets aufzubauen.

6. “Federer’s shot around the post”

(youtube.com, Video, 1:03 Minuten)

Geht es nicht auf dem üblichen Weg – mach’s wie Roger Federer: aussenrum.

Wie ein Pirat dem anderen

Es könnte etwas anstrengend werden mit der deutschen Presse und der Piratenpartei: Spätestens seit die Partei bei den Europawahlen in Schweden einen Sitz errungen hat und der Ex-SPD-Abgeordnete Jörg Tauss jetzt als “Pirat” im deutschen Bundestag sitzt (wenn auch nur bis zur Wahl im September), ist die Partei ein Thema für die Medien. Nur die Bereitschaft, sich auch mit der Partei und ihren Zielen zu befassen, ist gering.

Bereits direkt nach der Europawahl war dpa bei dem Versuch gescheitert, die Piratenpartei zu erklären, und hatte ihr eine Verbindung zur Download-Suchmaschine Pirate Bay unterstellt, die es so nicht gibt (BILDblog berichtete).

Heute ist es Bernd Graff, stellvertretender Chefredakteur und Leiter der Kulturredaktion von sueddeutsche.de, der die beiden Gruppierungen mit ähnlichen Namen nicht auseinander halten kann und deshalb in einem Artikel über Pirate Bay schreibt:

Pirate Bay ist längst mehr als eine obskure Downloadplattform. Sie ist, vor allem über ihre politische Vertretung, die Piratenpartei, so etwas wie das Zentralsekretariat einer Internationale, die sich der grenzenlosen Freiheit im Netz verschrieben hat.

Blöd für Graff, dass ihm das ausgerechnet in der gedruckten “Süddeutschen” passiert ist — hätte es nur bei sueddeutsche.de gestanden, hätte er sich ja damit rausreden können, dass man den “Idiotae” im Netz eh nichts glauben dürfe.

Mit Dank an Julian G.

Ups, verhackt!

Bild.de fasst heute mal nebenbei die Ziele der Piraten-Partei zusammen:

Der Partei geht es vor allem um digitale Themen. Sie steht für Freiheit im Internet, wendet sich gegen die Internet-Sperre, tritt für ein faires Urheberrecht ein und verlangt einen Hacker-Paragraphen.
(Fettung von uns.)

Letzteres, liebe Bild.de-Redaktion, wäre aber eine mehr als seltsame Forderung der Piraten — nicht zuletzt, weil es doch in Deutschland bereits einen sog. “HackerParagraphen” gibt.

Mit Dank an die Hinweisgeber.

Nachtrag, 23.6.2009: Bild.de hat das mit dem “Hacker-Paragraphen” ersatzlos gestrichen.

2. Nachtrag: Der stellvertretende Vorsitzende der Piratenpartei, Jens Seipenbusch, antwortet uns auf die Frage, ob seine Partei (wie von Bild.de behauptet) einen Hacker-Paragraphen verlange:

Der tatsächliche Hacker-Paragraph 202c ist abzulehnen, da er juristisch schlecht und unpräzise ist und die Werkzeuge verbietet, anstatt sich auf die mit ihnen begangenen Taten zu beschränken. Da sind wir eins mit dem CCC, kann ich wohl sagen.
(CCC-Link von uns.)

Kurz korrigiert (265)

Unter der lustigen Überschrift “Sind Raubkopien bald legal?” berichtet Bild.de über das Programm der neu gegründeten Piratenpartei:

Einen Urheberrechtsschutz soll es nach der Vorstellung der Piraten nicht mehr geben.

Im Text wird sogar auf die Internetseite der Piratenpartei verlinkt. Allerdings scheint niemand bei Bild.de das dort erhältliche Parteiprogramm (pdf) verstanden ernsthaft gelesen zu haben. Darin heißt es nämlich:

Wir erkennen die Persönlichkeitsrechte der Urheber an ihrem Werk in vollem Umfang an.

Mit Dank an Mechthild C. und Rabbit Ambulance für den Hinweis.

Nachtrag, 17.40 Uhr: Der Piratenbeauftragte von Bild.de hat sich das Parteiprogramm mittlerweile offenbar etwas genauer durchgelesen und die Formulierung entsprechend angepasst.

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