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Das Kreuz mit der Griechen-Hetze

Am vergangenen Freitag erfand die “Bild”-Zeitung einen “Wirbel” um den deutschen Botschafter in Athen. Der habe “die Berichterstattung deutscher Medien in der Griechenland-Krise” kritisiert, stellte “Bild” fest, fragte treuherzig: “Wen hat Wegener damit gemeint?”, bekam aber keine Antwort.

Und damit zu einem ganz anderen Thema:

Griechen verhöhnen Europa ... und kriegen trotzdem neue Milliarden

Die “Bild”-Autoren Ralf Schuler und Paul Ronzheimer, der in diesem Jahr den Herbert-Quandt-Medien-Preis für herausragenden Wirtschaftsjournalismus erhält, lassen in ihrem Bericht offen, ob zukünftige Hilfspakete für Griechenland von einem Demonstrationsverbot abhängig gemacht werden sollten oder das griechische Volk vielleicht kollektiv verpflichtet werden könnte, seine Dankbarkeit für drastische Sparmaßnahmen angemessen auszudrücken.

Unerwähnt lassen sie auch, dass es nicht einmal einen unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang zwischen dem Foto und den jüngsten Beschlüssen der EU gibt, Griechenland weiter zu unterstützen: Das Bild entstand bereits vor einer Woche, am 30. Mai.

Besonders verblüffend ist aber diese Stelle im “Bild”-Text:

Unter einem Hakenkreuz-Plakat stand: “Die EU ist die Krönung aus UdSSR-Zentralismus und Glühbirnen-Faschismus”.

Nein. Das steht nicht unter dem Hakenkreuz-Plakat. Das steht unter einem Foto von dem Hakenkreuz-Plakat — in einem Hass- und Hetzblog namens “Politically Incorrect”, das sich vor allem dem Kampf gegen Moslems und alles vermeintlich Linke verschrieben hat.

Und nun kann man darüber streiten, was schlimmer ist: Dass “Bild”-Redakteure ihre Informationen über die Welt von einer solchen Seite beziehen. Oder dass sie zu blöd sind, sie wenigstens richtig abzuschreiben.

Mit Dank an Jens Sch., Christian, Webreporter, Dr. Nötigenfalls, Icke und Josef N.

Nachtrag, 7. Juni 2011. “Bild” hat den Online-Artikel korrigiert und bringt auch in der gedruckten Ausgabe “Berichtigung”, schafft es aber nicht, die traurige Wahrheit zuzugeben:

Berichtigung

BILD berichtete gestern, unter einem Demonstrations-Plakat in Athen habe der Satz gestanden: “Die EU ist die Krönung aus UdSSR-Zentralismus und Glühbirnen-Faschismus”. Nach neuen Erkenntnissen hat dies nicht auf dem Plakat gestanden.

Das jüngste Gericht

Beim Wettbewerb “Heiteres Herumraten mit dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte” hat es “Telepolis” mal mit einer neuen Verwechslung versucht:

So stellte der Europäische Menschenrechtsgerichtshof (EuGH) fest, dass die britische Polizei mit ihrer DNA-Datenbank das Grundrecht auf Datenschutz sehr weitgehend verletzt hat.

Der Fehler liegt hier im Detail, genauer in der Abkürzung: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte wird kurz mit “EGMR” bezeichnet, “EuGH” ist der Europäische Gerichtshof, der im Gegensatz zum EGMR auch ein EU-Organ ist.

Besonders peinlich, dass der Satz (inkl. falscher Abkürzung) offenbar fast wörtlich aus einem offenen Brief der Kampagne “DNA-Sammelwut stoppen!” und der Piratenpartei kopiert wurde.

Klassisch dagegen dieser Fehler in der “Express”-Berichterstattung über den EGMR:

EU-Gericht entscheidet
Wird Inzest bald erlaubt?

Mit Dank an Jan T. und Tomek.

Nachtrag, 24. Mai: “Telepolis” hat den Fehler transparent korrigiert, der offene Brief im Wiki der Piratenpartei kürzt den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte jetzt ebenfalls korrekt mit “EGMR” ab und express.de hat aus dem “EU-Gericht” ein schlichtes “Gericht” gemacht.

Wie Piraten einmal fast ein AKW kaperten

Es gibt viele Beispiele dafür, dass “Spiegel Online” Fehler transparent korrigiert. Man könnte deshalb annehmen, dass “Spiegel Online” alle seine Fehler transparent korrigiert. Das wäre ein Irrtum.

Am Freitagabend machte “Spiegel Online” mit einer spektakulär erscheinenden Meldung auf:

Angesichts der Positionierung ganz oben auf der Startseite konnte man den Eindruck gewinnen, irgendwelche Leute der Piratenpartei hätten ein französisches Atomkraftwerk sabotieren wollen.

Die Geschichte hätte vermutlich etwas weniger Aufmerksamkeit (und Klicks) bekommen, wenn “Spiegel Online” deutlich gemacht hätte:

  • Es wurde nicht die Piratenpartei durchsucht, sondern ein von ihr gemieteter Server beschlagnahmt.
  • Das Vorgehen der Polizei richtete sich nicht gegen die Piratenpartei selbst.
  • Ob die Polizei einen “Angriff” “vereitelt” hat, ist ungewiss, aber unwahrscheinlich.
  • Die Hacker nahmen nicht die Anlagen des Stromkonzerns oder gar ein Atomkraftwerk ins Visier, sondern eine Internetseite*.

Im Lauf des Abends muss auch bei “Spiegel Online” jemand gemerkt haben, dass man es selbst für eigene Erregungsverhältnisse übertrieben hatte. Nun sah die Geschichte plötzlich so aus:

Auch die aktuelle Version ist mit Formulierungen wie “Hacker sollen Angriffe auf Energieversorger geplant haben” zum Foto eines Atomkraftwerkes immer noch sensationsheischend. Aber “Spiegel Online” hat einige Dinge verändert. Zum Beispiel:

Alte Version
Neue Version
Polizei vereitelt Hacker-Angriff auf AKW-Betreiber Hacker planten Angriff auf AKW-Betreiber
Hacker planten offenbar einen Angriff auf einen französischen Energieversorger: Auch in Deutschland rückten Ermittler aus, die Server der Piratenpartei wurden abgeschaltet. Sie sollen zur Planung der Tat benutzt worden sein. Die Partei sieht zwei Tage vor der Wahl in Bremen ihre Arbeit boykottiert. Ein französischer Energieversorger war offenbar im Visier von Hackern. Auch in Deutschland rückten Ermittler aus, die Server der Piratenpartei wurden abgeschaltet. Sie sollen zur Planung der Tat benutzt worden sein – offenbar ohne das Wissen der Partei, die kurz vor der Bremen-Wahl ihre Arbeit behindert sieht.
Unbekannte planten offenbar einen konzertierten Hacker-Angriff auf einen französischen Elektrizitätskonzern, so berichteten es am Freitag mehrere Quellen. Unbekannte hatten offenbar einen konzertierten Hacker-Angriff auf einen französischen Elektrizitätskonzern geplant, so berichteten es am Freitag mehrere Quellen. Nun sollen die Motive für den womöglich bereits erfolgten Angriff aufgeklärt werden.
Das Amtsgericht in Offenbach erteilte am Freitag den Durchsuchungsbeschluss, weil über einen Server der Piratenpartei ein sogenannter SSH-Key verbreitet wurde. Dieser ließe sich zu einem Angriff auf den Konzern verwenden. Das zuständige Amtsgericht erteilte am Freitag den Durchsuchungsbeschluss, weil über einen Server der Piratenpartei ein sogenannter SSH-Key verbreitet wurde. Dieser ließe sich zu einem Angriff auf die Website des Konzerns verwenden, teilte die Piratenpartei unter Berufung auf Ermittler mit.
Es werde jedoch nicht gegen die Piratenpartei ermittelt, betonten Sprecher der Partei. Die Ermittlungen richteten sich jedoch nicht gegen die Piratenpartei, teilte die Staatsanwaltschaft Darmstadt auf Anfrage mit.

Dass die Staatsanwaltschaft Darmstadt klargestellt hatte, das Verfahren richte sich nicht gegen die Piratenpartei, hatte die Nachrichtenagentur dpa übrigens bereits am Freitagmittag um 13:46 Uhr gemeldet.

PS: Die voreilige Überinterpretation aus der Überschrift, die “Spiegel Online” unauffällig korrigiert hatte, blieb auch danach in der Welt bzw. in der “Welt”. “Welt Online” titelte zufällig: “Polizei verhindert Hacker-Angriff auf AKW-Konzern”. Im zugehörigen Artikel ist keine Rede davon.

 
siehe auch:

*) Nachtrag/Korrektur, 11:20 Uhr. Ganz so eindeutig ist es nicht, dass es nur um eine Website ging. Je nachdem, was wirklich auf dem Server der Piratenpartei lag, hätten Hacker damit womöglich auch Unfug in der IT-Infrastruktur anstellen können, zum Beispiel mit Kundendaten o.ä.

Das gibt’s nur drei Mal

Die meisten Menschen außerhalb Bremens (und womöglich gar viele Bremer selbst) haben es nicht mitbekommen, aber am Sonntag wird in Bremen eine neue Bürgerschaft gewählt.

“Spiegel Online” versucht sich an einer großen Einordnung des kleinen Bundeslandes und wirft unter anderem einen Blick auf die Chancen der CDU:

Bemerkenswert ist, dass die CDU in den Umfragen bei 20 Prozent liegt und damit zur drittstärksten Partei abrutschen würde. Das wäre bundesweit bislang einmalig (…) .

Vielleicht hat “Spiegel Online” diesen Gedanken von der Nachrichtenagentur dapd übernommen, vielleicht hatte dort auch nur jemand den selben Gedanken:

Für die Christdemokraten wäre es nach Hamburg und Baden-Württemberg ein weiteres schlechtes Ergebnis. In den Umfragen kurz vor der Wahl liegen sie bei 20 Prozent, recht deutlich hinter den Grünen mit rund 24 Prozent. Drittstärkste Kraft in einem Bundesland – das wäre eine neue Situation, an die sich auch in Berlin niemand gewöhnen mag.

Die Behauptung ist in jedem Falle falsch, denn in Brandenburg ist die CDU bei den letzten beiden Landtagswahlen drittstärkste Kraft geworden.

Mit Dank an Henning.

Nachtrag, 18.30 Uhr: dapd hat den Fehler korrigiert, “Spiegel Online” bisher nicht.

Außerdem weisen uns dapd und einige Leser darauf hin, dass die CDU in der Geschichte der Bundesrepublik schon öfter nur drittstärkste Partei wurde, etwa 1950 in Hessen. 1951 wurde sie in Bremen gar nur Vierter. Aber das ist natürlich alles lange her und vor der Zeit von Grünen und Linkspartei.

2. Nachtrag, 21. Mai: “Spiegel Online” hat den Artikel korrigiert und mit einem Hinweis versehen:

Korrektur: In der ursprünglichen Fassung hieß es, ein Abrutschen der CDU in Bremen auf den dritten Platz wäre bundesweit einmalig. Die Christdemokraten lagen aber bereits bei mehreren Landtagswahlen hinter zwei Parteien. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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Journalismus im Vorbeigehen

Einen interessanten Einblick in die Arbeitsweise von “Bild” gewährt die Vereinswebsite von Hansa Rostock:

Peter Vollmann in Bild-Zeitung falsch zitiert

Hansa-Trainer Peter Vollmann wird in der Ausgabe der Bild-Zeitung vom 18. Mai in einem Artikel unter der Überschrift “Landespokal holen wir im Vorbeigehen” wie folgt zitiert: “Bei allem Respekt für den Gegner, aber wir machen das im Vorbeigehen.” Diese Aussage hat Peter Vollmann nicht getroffen. “Ich bin mehr als verärgert. Wer mich kennt, weiß, dass ich mich über den sportlichen Gegner niemals so respektlos äußern würde”, erklärte Peter Vollmann.

Inzwischen hat sich der Autor des Artikels bei Peter Vollmann für die Verwendung des falschen Zitats entschuldigt.

Landespokal holen wir im Vorbeigehen

Erst am Montag hatte “Bild” fälschlicherweise berichtet, der Fanbeauftragte von Hansa Rostock habe sein Amt nach Vorkommnissen im Stadion niedergelegt, und den Fehler bei Bild.de erst nach Intervention des Vereins korrigiert.

Mit Dank auch an Stephan R. und Lecra.

Wer im Glabhaus sitzt…

So viel Selbstironie hätten wir “Spiegel Online” gar nicht zugetraut.

Im Zuge des Livetickers zum Tod von Obama Osama bin Laden ging auch diese Nachricht über den Äther:

Regierungssprecher Seibert vertippt sich

Dumm nur, dass die Überschrift des Livetickers einige Zeit lang so lautete:

US-Militär soll Obama auf See bestattet haben

Immerhin hat “Spiegel Online” den eigenen Vertipper inzwischen transparent korrigiert:

+++ 10.00 Uhr +++ Tückische Vertipper +++

Im Eifer des Gefechts kann es schon einmal passieren – auch SPIEGEL ONLINE rutschte der gleiche Buchstabendreher für ein paar Minuten durch – in diesem Fall ist der Vertipper besonders unglücklich. Zuvor verwechselte schon Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter das “s” mit dem “b” – und beschuldigte versehentlich den US-Präsidenten unfassbarer Taten: “Obama verantwortlich für Tod tausender Unschuldiger, hat Grundwerte des Islam und aller Religionen verhöhnt.”

Mit Dank an die zahlreichen Hinweisgeber.

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Gegenverkehrt

Die Art, wie “Bild” mit eigenen Fehlern umgeht, ist gewöhnungsbedürftig. Die falsche Unterstellung, Lena Meyer-Landrut habe bei einem ihrer Konzerte Playback gesungen (BILDblog berichtete), hat die Zeitung heute zum Beispiel nicht korrigiert.

Gestern berichtete “Bild” recht groß über den Ärger, der der Fahrerin des Mannschaftsbusses vom FC Bayern München droht:

Polizei ermittelt gegen Bayern-Busfahrerin: Geisterfahrt zum Stadion

Seit 22 Jahren fahre Sandra König jetzt den Bus — und dann das:

Bayerns Mannschaftsbus steckt am Samstag um 14.20 Uhr im Stau auf der Frankfurter Kennedyallee (Bundesstraße, zwei Spuren in jede Richtung). Die Polizei-Eskorte kann nicht helfen, bis zum Anpfiff sind es nur noch 70 Minuten.
Busfahrerin König fährt über zwei durchgezogene Linien und trotz möglichen Gegenverkehrs auf die Gegenfahrbahn. Die Polizei-Eskorte hängt sich ran.

Nun gibt es Ärger! Die Frankfurter Polizei hat ein Ordnungswidrigkeits-Verfahren gegen die Busfahrerin eingeleitet. Noch müssen Zeugen vernommen werden. Erst danach ist klar, was der Busfahrerin vorgeworfen wird.

Das alles stimmte so nicht, wie “Bild” heute vergleichsweise unauffällig erklärt:

Welche Konsequenzen hat die "Geisterfahrt" des Bayern-Busses vom Samstag? Die Frankfurter Polizei ermittelt gegen Fahrer Michael Lauerbach. Nachdem Bayerns Mannschaftsbus vor dem Spiel in Frankfurt um 14.20 Uhr im Stau auf der Frankfurter Kennedyallee steckte, soll er den Bus unerlaubt auf die Gegenfahrspur gelenkt haben. Die Frankfurter Polizei hat ein Ordnungswidrigkeits-Verfahren gegen den Busfahrer eingeleitet. Seine Fahrer-Kollegin Sandra König saß nicht (wie BILD gestern fälschlich berichtete) am Steuer, sondern war nur Beifahrerin. Beide wechseln sich ab, fahren zusammen rund 70 000 Kilometer im Jahr.

In der Online-Version des gestrigen Artikels hat Bild.de unauffällig im Nachhinein aus der Fahrerin einen Fahrer gemacht.

Mit Dank an Thomas G.

Das ist ja peterlustig!

Journalisten fallen ja gerne mal auf Aprilscherze rein — nicht so die Auto-Redakteure von “Focus Online”, die im Gegenteil vergangene Woche die “originellsten Auto-April-Scherze” dokumentierten:

Aprilscherze: Löwenzahnreifen und BMW M3 Pick-up

Neben einem Taubenflugverbot in Autonähe und Sondereditionen zur Hochzeit von Prinz William hebt “Focus Online” auch diese humoristische Meisterleistung hervor:

Als Refugium von Scherzkeksen bekannt ist auch die Pressestelle des Reifenherstellers Continental. In diesem Jahr falschmeldete (sic!) die Gummibäcker, dass Kautschuk künftig aus Löwenzahn hergestellt werden könne. Voraussetzung für die wirtschaftliche Nutzung sei allerdings der großflächige Anbau. “Ich hoffe, der Löwenzahn zählt in absehbarer Zeit zu den Nutzpflanzen in Deutschland, verdient hätte er es”, wird ein Experte zitiert.

Wirklich eine originelle Idee — und von langer Hand geplant. Die Pressestelle von Continental hatte ihren Aprilscherz nämlich schon am 24. Februar veröffentlicht. Wohl, damit er auch in Monatszeitschriften Platz finden kann.

Alternativ könnte es natürlich auch sein, dass die im Februar veröffentlichte Pressemitteilung kein Aprilscherz war. Zumal der von Continental zitierte Professor Dirk Prüfer tatsächlich an der Uni Münster auch zum Thema Löwenzahn forscht.

Und tatsächlich hat die Pressestelle von Continental uns gegenüber bestätigt, dass die Meldung über Löwenzahn als Kautschukliferant völlig ernst gemeint war: “Der Aprilscherz war ein anderer.”

Mit Dank an Rebecca.

Nachtrag, 19.30 Uhr: … und schon haben die Scherzkekse von “Focus Online” den Artikel ganz unauffällig korrigiert: Der Löwenzahn ist aus der Überschrift verschwunden und im Text loben die Autoren jetzt den tatsächlichen Aprilscherz von Continental.

dpa  

Idiotentest

Die Frage, ob ein Fußballverein in jedem Spiel drei Punkte holt oder alle drei Spiele einen Punkt, macht den Unterschied zwischen Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach aus.

Die Frage, ob die Deutschen Autofahrer pro Minute 20 Punkte in Flensburg sammeln oder alle zwanzig Minuten einen Punkt, macht den Unterschied zwischen einer dpa-Meldung von 17.21 Uhr und einer von 14.50 Uhr aus.

Am Freitag hatte das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg seinen Jahresbericht vorgestellt und auf Seite 38 (PDF) dieses anschauliche Bild gebracht:

Im Jahr 2010 wurden Verkehrsdelikte “im Wert von” schätzungsweise 10,5 Millionen Punkten an das [Verkehrszentralregister] gemeldet (siehe Diagramm 15). Damit sind 2010 rein rechnerisch in jeder Minute rund 20 Punkte für Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung vergeben worden.

Die Deutsche Presseagentur (dpa) muss das irgendwie falsch verstanden haben, weswegen sie um 14.50 eine Meldung verschickte, deren Überschrift schon nichts Gutes verhieß:

Alle 20 Minuten gibt’s einen Punkt in Flensburg

Männer sind die größeren Sünder im Verkehr: Im Flensburger Punkteregister liegen sie mit 78 Prozent deutlich vorn. Auch die Art der Regelübertretungen variiert nach Geschlecht.

Flensburg (dpa) – Die Zahl der Verkehrssünder ist im vergangenen Jahr erneut angestiegen. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg verzeichnete 2010 einen Zuwachs um 31 000 auf knapp neun Millionen Autofahrer mit Sündenregister, sagte sein Präsident Ekhard Zinke am Freitag. Laut KBA-Jahresbericht wuchs die Zahl der Punkte damit um 0,3 Prozent – alle 20 Minuten kam ein Punkt dazu.

Kurze Zeit später stand der Fehler zum Beispiel beim “Handelsblatt”, dem “General-Anzeiger Bonn”, dem “Wiesbadener Kurier”, der “Nordwestzeitung”, den “Ruhr Nachrichten” und bei n-tv.de online — und am nächsten Tag auf der Titelseite der “Berliner Morgenpost”.

Zweieinhalb Stunden später verschickte dpa dann einen neuen Artikel — nicht etwa eine Korrektur des ersten, aber einen, in dem die Statistik plötzlich stimmte:

2010 stieg die Gesamtzahl nur leicht um 0,3 Prozent, das sind ungefähr 31 000 Verkehrssünder mehr. Insgesamt sind dort nun knapp neun Millionen Autofahrer registriert. Rechnerisch wurden jede Minute 20 Punkte vergeben.

Wer also lang genug gewartet hatte, war auf der richtigen Seite, so etwa stern.de oder auto-motor-und-sport.de.

Die anderen Medien haben noch nicht gemerkt, dass der erste dpa-Artikel falsch war — auch wenn dieses Wissen erfahrungsgemäß nicht zwingend zu einer Korrektur auf ihren Webseiten führen würde.

Mit Dank an Tom und Matthias T.

Nachtrag, 17.05 Uhr: Der “Wiesbadener Kurier” und die “Ruhr Nachrichten” haben die Meldung jeweils offline genommen.

2. Nachtrag, 6. April: Bereits gestern um 16.56 Uhr hat dpa eine Korrekturfassung des fehlerhaften Artikels verschickt.

Auf n-tv.de ist der Artikel jetzt offline, die “Berliner Morgenpost” hat ihren Artikel in der Online-Version unauffällig korrigiert.

3. Nachtrag, 7. April: dpa hat uns noch folgende Erklärung für den Fehler geschickt:

Bei der ersten, von der Autorin korrekt angelieferten Meldung war am Desk ein Redigierfehler unterlaufen, den wir bedauern. Dieser Fehler war leider auch später nicht mehr aufgefallen, als der zweite korrekte Bericht gesendet wurde.

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German Walniederlage

Heute erklärt uns Franz Josef Wagner mal, warum “wir” (also die Menschen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz) eigentlich die Grünen wählen. Der Brief gehört selbst in der Rubrik “Post von Wagner” zu den spezielleren Exemplaren.

Beginnen wir daher mit dem Offensichtlichen: Anders als Wagner behauptet, hatten die Menschen in den 1980er Jahren nicht Angst vor einem “Walsterben”, sondern vor dem Waldsterben.

Etwas komplexer ist da schon diese Passage:

250 000 Atomkraftgegner demonstrierten in Deutschland am Wochenende, in Tokio, der 40-Millionen-Stadt, demonstrierten zur gleichen Zeit nur kümmerliche tausend.

In unserer Luft ist nichts, unsere Luft ist rein. Vor lauter Angst gehen wir auf die Straße, vor lauter Angst wählen wir grün.

Mal davon ab, dass die Menschen in Tokio vielleicht gerade auch noch etwas anderes zu tun haben als zu demonstrieren, haben die deutschen Atomkraftgegner ja nicht demonstriert, obwohl “unsere Luft” “rein” ist, sondern damit sie es bleibt: Ihr Ziel ist die Abschaltung deutscher Atomkraftwerke.

Und dann ist da noch der Aufhänger von Wagners Text, die “German Angst”:

Liebe “German Angst”,

ich glaube, dass Du die Wahl in Baden-Württemberg mitentschieden hast. Der Begriff “German Angst” klingt zwar deutsch, kommt aber aus dem englischen Wortschatz. Es gibt nur vier deutsche Worte, die englische Umgangssprache wurden. Kindergarten, Rucksack, Weltschmerz, “German Angst”.

Oder “Schadenfreude”, “Zeitgeist”, “Blitzkrieg” “Leitmotif”, oder, oder, oder

Mit Dank an Hauke H., Timon S., Martin R., Mutlu Y. und Jens W.

Nachtrag, 29. März: In einigen Druckausgaben scheint jemand Wagner korrigiert zu haben. Zumindest steht dort “Waldsterben”.

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