Suchergebnisse für ‘heinlein’

Das Handwerk des Peter Heinlein

Dirk Merbach ist zwar Art Director der „Zeit“, aber viel toller findet er eigentlich die „Bild“-Zeitung.

Klingt erstaunlich? Steht aber so in der Medienkolumne „Der Heinlein“, die Peter Heinlein für die Hamburger Ausgabe der „Bild“-Zeitung schreibt. Heinlein hat dafür in dieser Woche ein Interview Merbachs mit der Design-Zeitschrift „Page“ ausgewertet.

Er schreibt:

(…) Die tägliche Gestaltung von BILD, findet Merbach übrigens „meisterhaft“, spricht von „grandiosen“ Schlagzeilen. Merbach: „Was Visualisierung angeht, das Zusammenspiel von Zeilen und Bildern, hat BILD nun mal die besten Handwerker.“

Okay, dann reden wir jetzt mal über das Handwerk, Zitate so geschickt ihres Zusammenhangs zu entledigen, dass das Wesentliche ungesagt bleibt — auch da beschäftigt „Bild“ wahre Meister. Merbach sagte gegenüber „Page“ nämlich unter anderem dies:

„Was Visualisierung angeht, das Zusammenspiel von Zeilen und Bildern, hat BILD nun mal die besten Handwerker. Das Wertegerüst einmal weggelassen, ist das zum Teil meisterlich. Zeilen wie ‚Wir sind Papst‘ sind schon grandios. Ich finde es richtig und wichtig, dass Boulevardzeitungen in Designwettbewerben Beachtung finden. Wo es um die Umsetzung von Ideen geht, muss man anerkennen, was die leisten, von der mangelnden inhaltlichen Erträglichkeit abgesehen.

Hervorhebungen von uns.

So. Und jetzt zum Vergleich die Überschrift, die „Bild“ Merbachs Aussagen verpasste:

Mit ähnlicher Technik erweckt Heinlein auch den Eindruck, der Artdirektor der „Zeit“ habe ein sehr gespanntes Verhältnis zu seinem Arbeitgeber. Gegenüber „Page“ hatte Merbach auf die Frage, wie die Titelbilder in der „Zeit“ entstehen, gesagt:

In Zusammenarbeit mit der Chefredaktion. Das beschäftigt mich oder den stellvertretenden Artdirektor manchmal die ganze Woche und ist recht kräftezehrend, zumal übers Wochenende oft noch zwei Titelthemen stehen. „Die Zeit“ hat eine sehr ausgeprägte Diskussionskultur. „Diese Zeitung wird zusammengequatscht“ — so hat Michael Naumann, einer unserer Herausgeber, mal treffend formuliert.

„Bild“-Handwerker Heinlein schnitzt sich daraus diese Aussage:

[Merbach erzählt] von Kräfte zehrenden Diskussionen mit der Chefredaktion des Blattes und zitiert Herausgeber Michael Naumann: „Diese Zeitung wird zusammengequatscht.“

Handwerk hat goldenen Boden: Mit solcher Kunstfertigkeit kann Heinlein aus jedem Zitat alles machen. Oder wie es das Redaktionsblog von „Page“ zusammenfasst: „grandios irreführend“.

Kevin Kuranyi in Nuss-Nougat-Skandal verwickelt

Neulich hat die „taz“ ja bei der „Bild“-Zeitung nachgefragt, wie es eigentlich kommt, dass sie so oft auf die Produkte ihres guten Werbekunden Ferrero hinweist, über Dreharbeiten zu „Nutella“-Werbespots berichtet, Arne Friedrich „Nutella-Arne“ nennt, Magdalena Brzeska für „Milchschnitte“ werben und dafür als „Gewinnerin des Tages“ hochleben lässt. Und die Axel Springer AG hat anstelle einer Antwort gesagt, es sei ja „absurd“, nicht den Namen des Produktes zu nennen, wenn zum Beispiel „eine sehr populäre Sportlerin einen großen Werbevertrag bekommt“.

Mit anderen Worten: An manchen Nachrichten und den damit verbundenen Markennamen kommt eine Zeitung wie „Bild“ einfach nicht vorbei, so gerne sie es würde.

Und bestimmt hätte „Bild“-Autor Peter Heinlein seine heutige Medienkolumne auch lieber mit einer anderen Meldung aufgemacht — aber dann kamen ihm halt die Breaking News dazwischen, dass es einen neuen „Nutella“-Werbespot gibt, und dass nicht völlig auszuschließen ist, dass es wegen dem „Ärger“ geben könnte. In dem Spot sieht man nämlich, wie Kevin Kuranyi (oder „Nutella-Kevin“, wie „Bild“ ihn sicher bald nennen wird) ein Glas mit einer anderen Sorte Nuss-Nougat-Creme einfach hinter sich wirft. Ungegessen, jawohl! Peter Heinlein, der sich auskennt, schreibt:

Nicht nur Eltern reagieren entsetzt auf solche Details. Wo kommen wir denn dahin, wenn Jugendidole anfangen, Nahrung wegzuwerfen?

Ja, wo?

Heinlein verrät es uns nicht. Aber er zeigt auf Bild.de sicherheitshalber den neuen „Nutella“-Werbespot im Original. Alles andere wäre ja vermutlich auch „absurd“.

Mit Dank an Josef D.!

Kurz korrigiert (480)

Peter Heinlein, der „Bild“-Medienkolumnist, der sich mit Medien ungefähr so gut auskennt wie Andreas Englisch mit dem Vatikan, schreibt aktuell nicht nur darüber, was der ehemalige „Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust über seine Nachfolger sagt. Bemerkenswert findet Heinlein vor allem, wo Aust es sagt:

Auch dem öffentlich-rechtlichen Medienmagazin Zapp vom NDR, dem er, wie viele andere auch, Zeit seines Amtslebens beim Spiegel die kalte Schulter gezeigt hatte, stand Aust nun zu Werbezwecken ausführlich Rede und Antwort.

Nö.

Aust hat auch jetzt nicht mit „Zapp“ gesprochen und nannte die Sendung in dem Gespräch, auf das sich Heinlein bezieht, „diese merkwürdige Sendung“. „Zapp“ zeigte nur Ausschnitte aus dem Interview, das Aust dem NDR-Vorabendmagazin „DAS!“ gab, und hatte darauf in der Anmoderation auch unmissverständlich hingewiesen.

Und wer die verpasst hatte, konnte es zur Not an den drei Buchstaben zwischen Aust und der Moderatorin erkennen:

Mit Dank an Thomas P.!

Wider die gnadenlose Selbstbeherrschung II

Als „Bild“-Kolumnist Peter Heinlein kürzlich schrieb, die britische Presse sei bzgl. der Geheimhaltung von Prinz Harrys Einsatz in Afghanistan bei einer „Presseverhinderungsabsprache und gnadenlosen Selbstzensur erwischt worden“, war das offenbar nicht nur zynisch (weil die Geheimhaltung, wie berichtet, vor allem dem Schutz vor Anschlägen diente), sondern auch ahnungslos und irreführend.

Denn die „Bild“-Zeitung selbst, als deren Autor sich Heinlein empört, spielt eine seltsame Rolle bei der Enthüllung von Prinz Harrys Aufenthaltsort.

BILDblog dokumentiert:

„Ist Prinz Harry im Krieg?

Wo steckt Prinz Harry (23)? Seit Wochen ist er verschwunden. Keine öffentlichen Auftritte, keine peinlichen Party-Ausfälle. Nun geht das Gerücht: Er ist im Krieg!

Ein Insider des britischen Königshauses sagte dem Magazin ‚Frau im Spiegel‘: ‚Es ist durchaus denkbar, dass er im Irak oder in Afghanistan im Einsatz ist.‘

Eine offizielle Stellungnahme gibt es dazu aber nicht. Oder: Es darf sie nicht geben. Wenn es um einen geheimen Einsatz des Prinzen geht, dann herrscht strikte Nachrichtensperre, heißt es aus Militärkreisen.“
(Quelle: Bild.de vom 26.2.2008)

Bereits einen Tag vor der „weltexklusiven“ Enthüllung durch den Drudge Report nämlich stand bei Bild.de eine kleine Meldung (siehe Kasten) unter der Überschrift:

„Ist Prinz Harry im Krieg?“

Die „Harry im Krieg?“-Meldung fand – ähnlich wie bereits Wochen zuvor eine ähnliche Meldung des australischen Frauenmagazins „New Idea“ – keinen Widerhall: weder hierzulande, noch anderswo. Jedenfalls nicht, bis sich der Drudge Report der Sache annahm und (wie u.a. die „New York Times“ berichtet) zuerst unter ausdrücklicher Berufung auf „New Idea“ und „Bild“ aus den Afghanistan-Spekulationen eine Tatsache machte – um dann allerdings in einer überarbeiteten Fassung „New Idea“ und „Bild“ wegzulassen und die Geschichte als „world exclusive“ auszugeben.

Und als wäre das alles nicht seltsam genug, sind die Ursprungsmeldungen bei „New Idea“ (Screenshot hier) und Bild.de inzwischen nicht mehr verfügbar. Eine Anfrage bei „Bild“, warum und auf wessen Veranlassung Bild.de den eigenen Artikel gelöscht hat, wurde uns bislang noch nicht beantwortet.

Andererseits ist es umso erstaunlicher, dass die Bild.de-Meldung nicht nur dem Drudge Report als Quelle gedient haben soll, sondern „Bild“ auch bei der Rekonstruktion der heiklen Enthüllung in vielen Medien und Agenturmeldungen überhaupt eine Rolle spielt. Denn eigentlich verbreitete Bild.de doch eh‘ nur eine exklusive Vorab-Meldung der Illustrierten „Frau im Spiegel“ weiter.

Aber so ist das wohl, Herr Heinlein: Ihre „Bild“ ignoriert erst die Nachrichtensperre, entscheidet sich im Nachhinein zur gnadenlosen Selbstzensur und steht am Schluss weder zum einen noch zum andern.
 
Nachtrag, 14.28 Uhr: Inzwischen hat ein „Bild“-Sprecher auf unsere Frage, warum die „Harry im Krieg?“-Meldung auf Bild.de gelöscht wurde, geantwortet, er könne „dazu keine Auskunft geben“. Was im Blatt oder auf Bild.de erscheine, seien Entscheidungen der Chefredaktion – und diese Entscheidungen kommentiere man grundsätzlich nicht.

Wider die gnadenlose Selbstbeherrschung

Heute lernen wir mal wieder Grundsätzliches über „Bild“.

Dabei trifft das, was „Bild“-Kolumnist Peter Heinlein da aufgeschrieben hat, zunächst durchaus den Kern der Sache. Unter der Überschrift „Prinz Harry im Krieg — wer hat das verraten?“ schildert Heinlein, dass der „notorische amerikanische Drudge Report“ über den Einsatz des britischen Prinzen Harry als Soldat in Afghanistan berichtet und damit eine vor drei Monaten zwischen „Buckingham Palace, britischer Regierung und den nationalen Medien“ vereinbarte Nachrichtensperre unterlaufen habe. „Wütend“, so Heinlein, hätten die britischen Medien [und, wie wir wissen, im Anschluss auch „Bild“] daraufhin „die Schleusen“ geöffnet und all das berichtet, was eigentlich erst nach Harrys sicherer Rückkehr im April hätte veröffentlicht werden sollen. So kann man das sehen.

Doch dann schreibt Heinlein einen Satz, wie man ihn wohl nur in „Bild“ finden kann:

Das ist ein Schlag für die als unbändig frei angesehene britische Presse, bei dieser Presseverhinderungsabsprache und gnadenlosen Selbstzensur erwischt worden zu sein.

„Presseverhinderungsabsprache“? „gnadenlose Selbstzensur“? „erwischt“? Gegenüber Prinz Harry war die vereinbarte Sperrfrist das Gegenteil von gnadenlos. Denn es besteht kein Zweifel, dass sie vor allem einen Grund hatte: das Leben von Prinz Harry und der anderen Soldaten in seiner Einheit zu schützen. Man könnte es verantwortungsvoll nennen.

Medienjournalismus nach Art des Hauses

Peter Heinlein, 56, ist so eine Art Söldner der Medienbranche. Er stand unter anderem schon in den Diensten von „Spiegel“, „Welt am Sonntag“, „Handelsblatt“, „Bunte“ und „Max“ und zeichnete sich immer durch Artikel über die Medien- und Werbebranche aus, Ausriss: Bild.dedie seine jeweiligen Auftraggeber ganz besonders glücklich machte. Er hatte keine Skrupel, seine Kolumnen ganz in den Dienst der Verlagsinteressen zu stellen, egal, ob das bedeutete, besonders gehässig über die Konkurrenz zu lästern, besonders üppig die eigenen Erfolge herauszustellen oder besonders ungeniert den Werbekunden zu schmeicheln.

Für die „Bunte“ porträtierte er vor einigen Jahren in einer großen Reihe Werber. Die Artikel hatten programmatische Überschriften wie „Das ist ein wirklich kluger Kopf!“, „Der Hugh Grant der Werbung“, „Dieser Typ ist ’ne echte Marke“, „Ein Turbo-Werber macht Druck“ oder „Der smarte Werbe-Künstler“. Für „Max“ schrieb er über die Agentur Crispin Porter + Bogusky („von der die derzeit beste Werbung der Welt kommt“), die Agentur Jung von Matt („Deutschlands beste Werbeagentur“), die Agentur Heimat („der kreativste Werberladen Deutschlands“).

Heinlein in seiner Doppelrolle als Medienkolumnist und Verlagssprecher:

„Viele Websites bieten inzwischen bewegte Bilder an. Aber bei Bild.T-Online gibt’s ab sofort eine eigene Web-TV-Show. BILD live sendet zweimal täglich das Neueste von Stars aus Entertainment und Sport.

Das neue Videoformat wird von meiner Hamburger Kollegin Julia Josten präsentiert. Dazu wählt die Online-Redaktion in Berlin das Interessanteste aus der Fülle des internationalen Themenangebotes aus. (…) Es macht richtig Spaß, [mit dem Videoplayer] durch die aktuellen Newsfilme zu „blättern“, sich Kinotrailer, Musikclips oder Videos der Community auf den Schirm zu holen.“

Quelle: Bild.de

Vor gut drei Jahren ist er mit seiner Medienkolumne zu „Bild“ gezogen, und man kann nicht sagen, dass ihn ein Rückgrat bei der Arbeit behindere. Er scheut sich zum Beispiel nicht, Interviews anderer Leute so auf Links zu krempeln, dass sie sich als Lob auf die Zeitung verkaufen lassen, für die Heinlein schreibt (wir berichteten). Wenn er für Bild.de über Probleme bei der Münchner „Abendzeitung“ berichtet, flicht er, wie als Erklärung, den Satz ein: „Modernen Boulevard bietet in München die BILD-Zeitung.“ Und zur Post und ihrer neuen Konkurrenz durch die PIN-AG fällt ihm zufällig exakt das ein, was auch Linie der Axel-Springer-AG ist, der die PIN-AG gehört, was für Heinlein aber anscheinend keine für die Leser relevante Information darstellt.

Heinlein kann nicht nur positiv. Wenn es um die (auch von Chefredakteur Kai Diekmann nicht geschätzte) „Zeit“ geht oder den Verlag Gruner+Jahr, findet er gern ein böses Wort, und den „Geo“-Chef Peter-Matthias Gaede scheint er besonders wenig leiden zu können:

Bevor der gern kritische Journalistik-Papst des Hauses Gruner + Jahr und König der „GEO“-Gruppe, Peter-Matthias Gaede, im Aufsichtsrat seines Verlages neue Weihen erhält, darf er abgeben von seiner Machtfülle.

Aber man täte Peter Heinlein Unrecht, wenn man jedem seiner Texte unterstellte, er habe ein erklärtes publizistisches Ziel. Viele sind auch einfach, sichtlich unredigiert, dahingeworfen. Ein Höhepunkt aus dem Genre „Eh-Egal“ findet sich in Heinleins heutiger Bild.de-Kolumne:

Das immer beliebter werdende digitale Aufzeichnen mit automatischem Herausschneiden der Fernsehreklame hat TV-Werber in den USA auf neue Ideen gebracht. Dort gibt’s nämlich schon Fernsehen im Supermarkt. In den Läden der „Wal-Mart“-Kette zum Beispiel, wo sich Leute beim Einkaufen im Schnitt eine Stunde aufhalten. Dort werden sie jetzt zunehmend mit TV-Werbung berieselt. Ausschalten geht nicht, pinkeln auch nicht. Die Werbeerinnerung dort ist mit 56 Prozent deutlich höher als beim Zuhause Gucken (21 Prozent), ergab eine US-Studie.

Nach „Ford Unilever“ und „Gilette“ will jetzt auch die US-Navy diesen Kanal nutzen und für ihr PC-Spiel „Call of Duty“ werben.

Offenbar hat Heinlein diesen Artikel aus der amerikanischen Fachzeitschrift „Brandweek“ zum Thema gelesen. Oder besser: flüchtig überflogen. Denn mal abgesehen davon, dass Ford und Unilever zwei verschiedene Unternehmen sind, dass sich Gillette mit Doppel-L schreibt und es vielleicht wichtig gewesen wäre, darauf hinzuweisen, dass die „US-Studie“ mit den für das Wal-Mart-Fernsehprogramm so vorteilhaften Ergebnissen von dem Produzenten des Wal-Mart-Fernsehprogramms erstellt wurde… also, mal abgesehen davon ist das PC-Spiel „Call of Duty“ natürlich nicht von der US-Navy. Die „Brandweek“ hatte nur darauf hingewiesen, dass jugendliche Käufer dieses Kriegsspiels doch die perfekte Zielgruppe wären für die eigene Werbung der US-Navy im Ladenfernsehen (bei GameStop übrigens, nicht Wal-Mart).

Da muss man schon sehr schludrig arbeiten, um all das, wie Heinlein, misszuverstehen. Aber es geht in diesem Fall ja auch nicht um „Bild“, die Axel-Springer-AG oder ihre Konkurrenten.

Nachtrag, 22. November: Bild.de hat die Wal-Mart-Meldung aus Heinleins Kolumne ersatz-, wort- und restlos gelöscht.