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Spiegel-Affäre, Dieter Lenzen, Izitru

1. “Die Spiegel-Affäre”
(ardmediathek.de, Video, 98:39 Minuten)
Der Fernsehfilm “Die Spiegel-Affäre” greift die Verhaftung von Rudolf Augstein und Mitarbeitern des “Spiegels” 1962 auf, nachdem in der Ausgabe 41/1962 der Text “Bedingt abwehrbereit” erschienen war.

2. “betr. Interview mit Dieter Lenzen”
(planet-interview.de, Jakob Buhre)
Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg, streicht bei der Autorisierung eines Interviews mit ihm mehrere Antworten sowie die entsprechenden Fragen: “Nachdem wir gegenüber Lenzen ankündigten, zumindest unsere Fragen vollständig zu publizieren, drohte man uns, das Interview komplett zurückzuziehen.”

3. “IZITRU ‘Whenever the truth matters’?”
(rheker.wordpress.com)
Sascha Rheker testet die von “Spiegel Online” vorgestellte App Izitru, die angeblich “Fotofälschungen enttarnt”.

4. “Nicht Google, Europa ist das Problem”
(futurezone.at, Gerald Reischl)
Gerald Reischl schaltet sich in die von der FAZ initiierte Debatte um die von Google ausgehenden Gefahren ein: “Warum sollte eine euro-politisch entwickelte Suchmaschine erfolgreich sein und plötzlich Google Paroli bieten können? Konsumenten nutzen ein Produkt nur dann, wenn sie es hilfreich und gut finden. Zu glauben, dass Konsumenten aus Europa eine europäische Entwicklung einer amerikanischen vorziehen würden, um den eigenen Kontinent zu stärken, entspricht leider nicht der Realität, sondern ist der Wunsch von EU-Politikern. Europa sollte lieber die Voraussetzungen dafür schaffen, dass auf diesem Kontinent Innovation möglich ist und sich erfolgreiche Unternehmen gründen können.”

5. “Gewalt-Statistik: So nahm die Falsch-Behauptung ihren Lauf”
(kurzpass.ch, Daniel Ammann)
Nach einem Artikel in der “Sonntagszeitung” übernehmen die Nachrichtenagentur SDA und weitere Medien deren Interpretation von Statistiken zur Gewalt rund um Schweizer Fußballstadien. Daniel Ammann klärt den Sachverhalt direkt mit dem Bundesamt für Statistik.

6. “Der Unsinn des einsamen Gary”
(jetzt.sueddeutsche.de, Nadja Schlüter)

Glenn Greenwald, Marc Walder, Loni Nest

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Es geht nur um die Macht”
(faz.net, Harald Staun)
Glenn Greenwald hat von Edward Snowden geleakte Dokumente veröffentlicht. Zur Frage seiner journalistischen Unabhängigkeit sagt er: “Fast jedes Medienunternehmen wird von sehr reichen Menschen finanziert und kontrolliert. Und die Interessen dieser Leute kollidieren grundsätzlich immer mit der Arbeit der Journalisten. Ich verstehe die Skepsis, ich weiß nur nicht, was an meinem Fall so besonders ist. Im Endeffekt hängt journalistische Glaubwürdigkeit immer davon ab, dass man sie auch demonstriert.”

2. “Der gefälschte Tod eines echten Stummfilmstars”
(welt.de, Hanns-Georg Rodek)
“Loni Nest, die wahre, einzige Loni Nest, starb 75-jährig am 2. Oktober 1990 in Nizza”, schreibt Hanns-Georg Rodek, und doch stehe in vielen Quellen im Internet aufgrund “einer unverfrorenen Fälschung” etwas anderes. “Binnen zweier Wochen hatten die relevanten Online-Datenbanken Loni Nest ‘aktualisiert’, im Zuge des großen Abschreibens, das in allen Medien an Stelle der eigenen Recherche getreten ist.”

3. “‘Tempo ist alles, die Amerikaner haben recht'”
(bazonline.ch, Jean-Martin Büttner und Christian Lüscher)
Der CEO des Ringier-Verlags, Marc Walder, glaubt, dass die Schweizer “vielleicht etwas gar brav” mit ihren Prominenten umgehen: “Die Deutschen machen das besser. Eine intelligente, durchaus auch kritische Auseinandersetzung mit unseren Prominenten ist keine journalistische Stärke in der Schweiz.”

4. “Gratis-Mentalität im Web: Werbung muss endlich fair bezahlt werden”
(lousypennies.de, Stephan Goldmann)
Online-Werbung ist zu kostengünstig, findet Stephan Goldmann. “Ein kleiner Trend immerhin macht Mut: Auch viele Firmen haben mittlerweile keine Lust mehr in einem Anzeigenumfeld zu agieren, das sie wahllos neben Single-Börsen und Sanitärbedarf platziert. Viele suchen verlässliche Sponsorenpartner in Nischenseiten, die sie exklusiv oder in einem überschaubaren Konkurrenzrahmen anzeigt.”

5. “Mein Vater, ein Werwolf”
(spiegel.de, Cordt Schnibben)
Cordt Schnibben schreibt im “Spiegel” über die Verbrechen seiner Eltern: “Gehört das in die Öffentlichkeit? Ja, denn je länger ich ihre Geschichte recherchierte, desto öfter traf ich auf Leute, die auch dabei waren, ihre Eltern zu durchleuchten. Da schlummern viele Geschichten, die den ganz gewöhnlichen Faschismus und seine Helfer erhellen.”

6. “24h Jerusalem 06h-07h”
(arte.tv, Video, insgesamt 24 Stunden)
“24h Jerusalem”, ein “dokumentarisches Projekt einer geteilten Stadt. Unter der Projektregie von Volker Heise haben 70 Filmteams einen Tag lang 90 Bewohner Jerusalems in ihrem Alltag begleitet – Menschen jeden Alters, jeder Couleur und verschiedener Religionen.”

BND, DWN, Verhaberung

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Bedingte Transparenz”
(cicero.de, Wulf Schmiese)
Mit dem ZDF lässt der deutsche Bundesnachrichtendienst “erstmals in seiner sechzigjährigen Geschichte ein Kamerateam zur Live-Berichterstattung hinter seine Mauern”: “Für den BND ist diese Form von Öffentlichkeitsarbeit Neuland. Er will Einblicke gewähren, aber auch nicht wirklich etwas preisgeben. (…) Der nächste Schritt ans Licht wird sein, dass es keine doppelten Identitäten mehr geben soll in der Zentrale. Bislang tragen dort viele Geheimdienstler einen falschen Namen.”

2. “Content-Style-Guide: Endlich alles einheitlich”
(t3n.de, Timo Stoppacher)
Praktische Tipps zum Erstellen eines Content-Style-Guide.

3. “‘Es gab kein Fernsehen'”
(freitag.de, Jan Drees)
Ein Interview mit Milo Rau, Urheber von “Hate Radio”: “Ist denn tatsächlich belegt, dass RTLM den Genozid begünstigt hat?” – “Es gibt direkte Anweisungen im RTLM – Hinweise auf Häuser, in denen sich Tutsi versteckten oder die Nennung von entsprechenden Autonummern –, der Hauptanteil des RTLM am Genozid liegt aber darin, dass überhaupt vom Genozid offen (und in offener Weise) gesprochen wurde: Dadurch wurde er legitimiert, normalisiert, fast banalisiert.”

4. “Die Hysterie des Netzjournalismus”
(youtube.com, Video, 4:37 Minuten)
Ein Besuch bei den Deutschen Wirtschafts Nachrichten in Berlin.

5. “VICE fragt … Journalisten”
(vice.com, Video, 5:51 Minuten)
Österreichische Journalisten sprechen über die Verhaberung im österreichischen Journalismus.

6. “‘Es gab zu viele Verwundungen'”
(sz-magazin.sueddeutsche.de, Sven Michaelsen)
Sven Michaelsen befragt Fritz J. Raddatz, Leiter des “Zeit”-Feuilletons von 1976 bis 1985.

APO außer sich

Die derzeitige Opposition ist der “Bild”-Zeitung ja bekanntlich viel zu schwach, zu links, zu klein und zu machtlos, und auf diesen “Linken-Fraktionschef, der einst SED-Mann war und beste Kontakte zur Stasi hatte”, will sie sich erst recht nicht verlassen. Deshalb hat das Blatt vor ein paar Wochen mit viel Tamtam die “Bild-APO” gegründet und versprochen, den Oppositionsposten fortan zu übernehmen:

BILD wird der neuen Regierung bei jeder Gelegenheit auf die Finger hauen! Hart. Schmerzvoll. Und ohne Gnade.

“Bei jeder Gelegenheit.” Gestern Abend zum Beispiel. Zuvor hatten nämlich das Magazin “Kontraste” und die “Süddeutsche Zeitung” berichtet, dass die Bundesregierung viel Geld in eine Kampagne investiere, die ein Rentenpaket bewirbt, das aber noch gar nicht beschlossen sei. Und so etwas lässt eine “Bild-APO” nicht kommentarlos auf sich sitzen.

Renten-Reformen - GroKo schaltet Mega-Kampagne für 1,15 Mrd. Euro! - Dabei hat der Bundestag noch nicht mal zugestimmt

Ja, Sie haben richtig gelesen: 1,15 Milliarden Euro! Die Bundesregierung kauft von dem Geld nämlich nicht nur Plakate, Online-Werbung, Anzeigen und eine eigene Website, sondern auch Kaviar und Austern, einen schicken Film von Steven Spielberg und eine mehrmonatige Kreuzfahrt für jeden beteiligten Minister.

Natürlich alles Quatsch. In Wahrheit kostet die Kampagne 1,15 Millionen. So steht es auch in den Berichten, aus denen Bild.de zitiert.

Gut, so ein Tippfehler kann ja jedem mal durchflutschen. Nur: In diesem Fall war es gar kein Tippfehler. Der Autor glaubte offenbar ernsthaft (!), die Bundesregierung würde über eine Milliarde (!) Euro für diese Werbekampagne ausgeben. Er konnte es zumindest nicht oft genug erwähnen:

Die GroKo schert sich nicht um die schwache Opposition – und gibt schon Milliarden für eine Kampagne aus, ohne dass der Bundestag die Reform überhaupt beschlossen hat!

Stolz [sic!] 1,15 Mrd. Euro soll die Werbe-Kampagne kosten.

Ein Sprecher des Ministeriums verteidigte die Milliarden-Ausgabe

Heute Morgen hat Bild.de aus “Milliarden” dann unauffällig überall “Millionen” gemacht.

So funktioniert die Oppositionsarbeit bei “Bild”: Erst wird draufgehauen. Hart. Schmerzvoll. Und ohne Gnade. Das Nachdenken kommt dann später irgendwann. Und wenn man einen Fehler macht, tut man so, als sei nichts gewesen.

Mit Dank an Alex, Philipp R., Veeck, Klaus, Christian V. und Maximilian P.

Polizeikessel, Sharing, Syrien

6 vor 9

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1. “Was alles nicht gesagt wird”
(n-tv.de, Christian Bartlau)
Den Krawallen in Hamburg folgt eine Debatte über die Rolle der Medien: Christian Bartlau schreibt: “Viele der Journalisten, die berichten, haben noch nie einen Polizeikessel von innen gesehen, sie hatten noch nie brennende Augen vom Pfefferspray und keine blauen Flecken von einem Polizeiknüppel. Nun muss ein Sportredakteur ja auch nicht Champions League gespielt haben, um über das Spiel zu berichten. Aber er muss seine journalistische Pflicht erfüllen und den richtigen Leute die richtigen Fragen stellen.” Zum gleichen Thema: Analysen von Streetdogg und Publikative.

2. “Der enthusiastische Störefried”
(nzz.ch, Martin Meggle)
Porträt des brasilianischen Medienkritikers Alberto Dines: “Die Massenproteste in diesem Jahr seien von den brasilianischen Medien unzureichend reflektiert worden, sagt Dines. ‘In der ersten Phase wurden vor allem Akte des Vandalismus ins Zentrum der Berichterstattung gerückt. Die Medien folgten damit unisono der offiziellen Argumentationslinie von regierenden Politikern.'”

3. “Der Terror des Teilens”
(faz.net, Harald Staun)
Carsharing, Wohnungstausch,Verzicht auf Besitz — für Harald Staun ist dies kein Anzeichen für eine Abkehr vom Konsum und Kommerz: “Der Erfolg von Firmen wie Airbnb oder Uber beruht nicht auf der Nächstenliebe der Menschen oder, wie es die Rhetorik der Firmen vorgibt, auf ihrem Interesse daran, ‘neue Leute kennenzulernen’. Er resultiert daraus, dass die Informationstechnik von heute Lebensbereiche erschließt, die bisher für eine Kommerzialisierung uninteressant waren. Das ist keine Rückkehr der Commons, es ist ihr Ende.”

4. “Professor Unrat”
(zeit.de, Marion Schmidt)
Auf Hausbesuch beim Plagiatejäger Uwe Kamenz: Marion Schmidt trifft auf einen Einzelkämpfer, der an seine Mission glaubt, aber auf fragwürdige Mittel zurückgreift und von vielen Seiten kritisiert wird.

5. “Gefällt mir nicht mehr”
(sz-magazin.de, Meike Büttner)
Das eigene Profil von Facebook zu löschen, ist nicht einfach. Meike Büttner macht den Selbstversuch: “Das Foto von einem Jutebeutel erkenne ich als Profilfoto von Freundin Eva, die Abbildung einer Milchschnitte als Profilbild von meinem Ex-Kollegen Rüdiger. Irre, was so ein Gehirn für einen Mist aufnimmt.”

6. “Es ist das Grauen dort. Bitte helft!”
(mediummagazin.de, Christoph Reuter)
Der Reporter Christoph Reuter berichtet in einem persönlichen Brief über die Situation in Syrien und bittet um Hilfe: “Ihr habt das sicher schon alle gehört, dass Millionen auf der Flucht sind, ihre Städte zerbombt, ihre Existenzen vernichtet, sie selbst ausgehungert, frierend und voller Angst. Aber ich erlebe das. Und dann wird aus Zahlen eine nicht abreißende Kette kurzer, langer Begegnungen mit Menschen.”

Bild.de wegen vorzeitigem Samenerguss gerügt

Die Beschwerdeausschüsse des Presserats haben vergangene Woche zum vierten und letzten Mal in diesem Jahr getagt und anschließend fünf öffentliche Rügen, eine nicht-öffentliche Rüge, 18 Missbilligungen und 21 Hinweise ausgesprochen.

Die “Maßnahmen” des Presserates:

Hat eine Zeitung, eine Zeitschrift oder ein dazugehöriger Internetauftritt gegen den Pressekodex verstoßen, kann der Presserat aussprechen:

  • einen Hinweis
  • eine Missbilligung
  • eine Rüge.

Eine “Missbilligung” ist schlimmer als ein “Hinweis”, aber genauso folgenlos. Die schärfste Sanktion ist die “Rüge”. Gerügte Presseorgane werden in der Regel vom Presserat öffentlich gemacht. Rügen müssen in der Regel von den jeweiligen Medien veröffentlicht werden. Tun sie es nicht, dann tun sie es nicht.

Die nicht-öffentliche Rüge erging an Bild.de. Das Portal hatte darüber berichtet, dass eine Landtagsabgeordnete in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden war. Bild.de nannte den Namen der Frau sowie den Hintergrund der Erkrankung und verstieß damit nach Ansicht des Presserats gegen Ziffer 8 des Pressekodex, die besagt, dass körperliche und psychische Erkrankungen zur Privatsphäre gehören.

Eine öffentliche Rüge bekam Bild.de für einen Artikel über die Therapie bei vorzeitigem Samenerguss. Dabei hatte die Redaktion laut Presserat “umfangreich” PR-Material “wörtlich übernommen und nicht entsprechend gekennzeichnet”, außerdem wurden Preis und Name des Medikaments genannt. Der Presserat sah darin einen Verstoß gegen das Schleichwerbungsverbot und die Sorgfaltspflichten im Umgang mit PR-Material (Ziffer 7). Details zu diesem Fall gibt es beim “Medien-Doktor”.

Daneben erhielt Bild.de zwei Missbilligungen — eine, weil die Redaktion gegen die Sorgfaltspflicht verstoßen hatte (Ziffer 2), und eine für die Spekulation über die Hintergründe eines Suizids (Ziffer 8) — sowie einen Hinweis wegen einer falschen Bildunterschrift.

Zwei weitere Hinweise gingen an die gedruckte “Bild”-Zeitung (Verstoß gegen die Sorgfaltspflicht sowie unzureichende Anonymisierung einer Person).

Der “Dingolfinger Anzeiger” und die Modellbauzeitung “RC-Freizeit” wurden gerügt, weil sie die redaktionelle Berichterstattung von Anzeigenaufträgen abhängig gemacht hatten (Ziffer 7).

Die “Leipziger Volkszeitung” kassierte eine Rüge für einen Kommentar, in dem Demonstranten der NPD und der “Antifa” als “brauner und roter Abschaum” bezeichnet wurden. Der Begriff “Abschaum” sei eine Verletzung der Menschenwürde und damit ein Verstoß gegen Ziffer 9 des Pressekodex, erklärte der Presserat.

Gerügt wurde schließlich auch die “Junge Freiheit” für die Überschrift “Zigeuner können Sozialhilfe bekommen”. In dem Artikel ging es um eine Entscheidung des Landessozialgerichts NRW, nach der Einwanderer aus Rumänien und Bulgarien Anspruch auf Hartz IV-Leistungen haben. Dass sich diese Entscheidung auch auf Schweden, Luxemburger und alle anderen EU-Bürger in Deutschland bezog, verschwieg das Blatt allerdings. Mit der Überschrift habe die Zeitung “suggeriert, das Gericht habe eine Sonderregelung für eine bestimmte ethnische Minderheit im Sozialrecht geschaffen”, argumentierte der Presserat. Für die “willkürliche Heraushebung dieser Minderheit” habe der Ausschuss “keinen sachlichen Grund” gesehen. Sie wirke diskriminierend.

Wie die “willkürliche Heraushebung” von Minderheiten in solchen Fällen bei “Bild” und Bild.de funktioniert, können Sie übrigens hier nachlesen.

Nachtrag, 0.40 Uhr: Das Projekt “Medien-Doktor” hatte sich im September ausführlich mit dem Bild.de-Artikel zum vorzeitigen Samenerguss auseinandergesetzt und Beschwerde beim Presserat eingereicht. Näheres zu dem Fall gibt es hier.

Tages-Anzeiger, Ismaning, Reddit

6 vor 9

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1. “Protestschreiben der Tagi-Redaktion zur Konvergenz”
(infosperber.ch, Kurt Marti)
121 Redakteure der Schweizer Tageszeitung “Tages-Anzeiger” wenden sich mit einem Protestschreiben (PDF-Datei) an Chefredaktion und Verlag. Bei den Bemühungen, die Print- und die Online-Redaktion zusammenzuführen, laufe einiges schief, was detailiert in fünf Punkten aufgelistet wird: “Das Tagesgeschäft ist nervös, klickgetrieben und damit auch anfällig für nicht hinterfragtes Mitwirken in boulevardesken Übertreibungen und Kampagnen. (…) Anderes als diese vermeintlichen Quotenbringer interessiert im Tagesgeschäft oft nur noch am Rande.” Eine Reaktion von Chefredakteur Res Strehle auf das Schreiben findet sich auf Kleinreport.ch.

2. “Ismaninger Online ist gescheitert”
(ismaninger.de, Mark Lubkowitz)
Aufgrund fehlender Werbeeinnahmen wird das hyperlokale Projekt “Ismaninger Online” nach zwei Jahren wieder eingestellt. “Nicht die vermeintlich geringe Reichweite ist das Problem, die passt. Die Relevanz ist es. Ein Medium, das nicht als relevant erachtet wird, findet auch keine Anzeigenkunden. So einfach ist das.”

3. “Ein Prozess auch gegen die Medien”
(cicero.de, Michael Götschenberg)
Nicht nur “Bild” betrieb eine Skandalisierung im Fall Christian Wulff, schreibt Michael Götschenberg: “Die gesamte Medienlandschaft beteiligte sich im Laufe der Affäre daran, das Bild vom Schnäppchenjäger, Trickser und Betrüger im Bellevue zu zeichnen. Alles, was sich skandalisieren ließ, wurde skandalisiert.”

4. “‘Du hast keine Kontrolle – und das ist gut so'”
(tageswoche.ch, David Bauer und Philipp Loser)
Ein Interview mit Erik Martin, dem Geschäftsführer von Reddit: “20 Millionen Mal wird gevotet pro Tag, wir haben pro Tag eine Million Kommentare. Und gleichzeitig sind unsere 200 Top-Subreddits nur für die Hälfte des gesamten Traffics verantwortlich.”

5. “‘Mein Berlin'”
(tvthek.orf.at, Video, 31:10 Minuten)
Hauptstadtjournalisten beantworten die Frage, was es bringt, Politikern zuzuschauen, wie sie kommentarlos an ihnen vorbeilaufen (ab Minute 2).

6. “Erste Ladung Facebook-Likes erreicht die Philippinen”
(dietagespresse.com)

Gabor Steingart, Evgeny Morozov, Shoah

6 vor 9

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1. “Passauer Journalist im Visier der Fahnder”
(sueddeutsche.de, Wolfgang Wittl)
Journalist Hubert Denk erhält von der Kriminalpolizei Nürnberg eine Vorladung, in der von einer “Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes” sowie “Anstiftung zur Verletzung des Dienstgeheimnisses” geht. “Vorwurf: Womöglich habe Denk die Unterlagen aus Ermittlerkreisen aktiv angefordert – und sich somit strafbar gemacht. Es sei nicht einmal auszuschließen, dass Denk die brisanten Belege wie den Stoiber-Brief bei einer Fax-Übertragung abgefangen habe.”

2. “Journalistische Schikane oder Schikane von Journalisten?”
(investigativ.ch, Eveline Dudda)
Das Schweizer Bundesamt für Landwirtschaft will Journalistin Eveline Dudda keine Anfragen mehr beantworten: “Alles in allem startete ich innerhalb von elf Wochen fünf Anfragen beim BLW, zwei davon nur deshalb, weil die erste Antwort ausblieb. Es gibt Bundesämter, bei denen wäre das mit drei mal drei Mails erledigt: Drei mal eine Anfrage, dreimal einen Antwort, dreimal ein Dankeschön. Beim BLW wurde ein Hickhack mit Dutzenden Mails daraus.”

3. “Falsche Freunde: Wie gefährlich nah das ‘Handelsblatt’ seinen Anzeigenkunden kommt”
(newsroom.de, Markus Wiegand)
Wie der Konzern General Electric im “Handelsblatt” vorkommt: “Der Weltkonzern möchte auf dem deutschen Markt, in der Heimat des großen Rivalen Siemens, wachsen und besser in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Und dabei hilft ihm der ‘Handelsblatt’-Herausgeber Gabor Steingart persönlich.”

4. “Lebt eigentlich die HuffPo noch – und wenn ja, warum?”
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Es gebe nur wenig Anlass, sich ernsthaft über die “Huffington Post Deutschland” zu unterhalten, glaubt Christian Jakubetz: “Die Substanzlosigkeit, das Fehlen jeglichen Esprits und einer Haltung, die etwas anderes ist als ein bemühtes ‘Wir sind neu und anders’, das alles, was man zu Beginn bemängeln konnte, hat sich nicht wirklich geändert.”

5. “Befreit uns von Morozov”
(de-bug.de, Sascha Kösch)
Der in deutschen Feuilletons omnipräsente Evgeny Morozov: “Nach circa 25 Seiten ‘Smarte neue Welt’ denkt man sich: Gut, ich habe jetzt wirklich verstanden, worum es dir geht. Komm zur Sache, Evgeny! In Kürze: Laut Morozov werde dem Internet ständig unterstellt, dass es eine Essenz habe, eine wesentliche Eigenschaft. Diese gedachte Essenz (Freiheit, Gleichheit etc.) führe dazu, dass man mit dem Internet die Probleme der Welt lösen will (solutionism), und behauptet, es wäre unveränderlich.”

6. “Shoah (1/2)”
(arte.tv, Video, insgesamt 566 Minuten)
Für den Dokumentarfilm Shoah von 1985 sprach Claude Lanzmann mit Zeitzeugen des Holocaust. Teil 2 hier.

Massenmedien, ZDF-Staatsvertrag, Thesen

6 vor 9

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1. “Thesen zur Zukunft des Journalismus – Was bisher geschah”
(sebastian-langer.net)
Sebastian Langer zählt einige bisher veröffentlichte “Thesen zur Zukunft des Journalismus” zusammen: “Vorhang auf für insgesamt 273 Thesen.”

2. “Facebook zensiert Berichterstattung über MDR-Doku”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Der bei Facebook geteilte Artikel “‘Make Love’: Sex-Doku bringt MDR zum Höhepunkt” wird von Facebook entfernt.

3. “Are newspapers losing ‘mass media’ mojo?”
(newsosaur.blogspot.ch, Alan D. Mutter, englisch)
Sind Zeitungen noch Massenmedien? Alan D. Mutter hält fest: “With aggregate revenues this year likely to remain comfortably north of $20 billion, the newspaper industry remains a substantial business. But it is less than half as substantial as it was a scant seven years ago.”

4. “Google kann sich mit Springer schmücken”
(faz.net, Michael Hanfeld)
Axel Springer Media Impact verkündet “eine technologische Zusammenarbeit in der automatisierten Vermarktung digitaler Werbeflächen” mit Google. Michael Hanfeld schreibt dazu: “Die Verlage müssen sich fragen, ob sie ihre eigenen Marken nicht dem Verfall preisgeben. Nebenbei rätselt man natürlich auch, was Springer eigentlich mit dem Feldzug für das Leistungsschutzrecht für journalistische Inhalte wollte, bei dem alle anderen brav hinterhergetrottet sind.”

5. “Zu viele Freunde”
(sueddeutsche.de, Wolfgang Janisch)
Die Verhandlung des Bundesverfassungsgerichts in Sachen “ZDF-Staatsvertrag”: “40 Prozent der 77 Fernsehrats-Mitglieder sind direkt von Bund, Ländern oder Parteien benannt, hinzu kommen drei Vertreter der kommunalen Spitzenverbände – ein Quantum Staat, das beispielsweise zur Verhinderung eines Intendanten genügt. Auch bei der Auswahl der übrigen Mitglieder hat der Staat irgendwie die Finger drin: Die Vertreter der Verbände dürfen sich die Ministerpräsidenten aus einer von der jeweiligen Organisation vorgelegten Dreierliste aussuchen. Und wer für bestimmte gesellschaftlich relevante Bereiche steht, entscheiden die Landesregenten freihändig.”

6. “NSA files decoded – What the revelations mean for you”
(theguardian.com, englisch)

Landesmedienanstalten, HuffPo, Shows

6 vor 9

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1. “Verwalten statt Gestalten: Landesmedienanstalten”
(ndr.de, Video, 6:41 Minuten)
Die jährlich mit rund 2 Prozent der Rundfunkgebühr (um die 100 Millionen Euro) finanzierten Landesmedienanstalten bleiben bürokratisch und ineffizient: “Das System erhält sich selbst. Mit 14 Anstalten. Und jeder Menge Kleinstaaterei in der Medienaufsicht.”

2. “Der große Text der unglaublichen Shows”
(berliner-zeitung.de, Peer Schader)
Peer Schader liefert einen “Überblick der öffentlich-rechtlichen Showunterhaltung im Jahr 2013”: “Es kann nicht mehr lange dauern, bis sich aus dieser Masse eine öffentlich-rechtliche Supershow herausformt, die sämtliche Spielregeln und Titelbestandteile der übrigen Sendungen ansaugt und zu einem endlosen Unterhaltungsabend formt, ‘Die unglaublich große Duell-der-Superhirn-Helden-Show’.”

3. “‘Geradezu obsessive Schadenfreude'”
(zeit.de, Martina Powell)
Theologin Petra Bahr bemerkt in der aktuellen Berichterstattung über Franz-Peter Tebartz-van Elst eine “geradezu obsessive Begeisterung und Schadenfreude in Blogs und Kommentaren – nicht nur im Boulevard, sondern auch in den gehobeneren Medien. Bilder von seinem gehetzten Gesicht schaffen es auf die Titelseiten. Im Grunde inszeniert sich die mediale Öffentlichkeit als jüngstes Gericht.”

4. “Steinigt mich, ich schreibe für die Huffington Post!”
(huffingtonpost.de, Karsten Lohmeyer)
“Darf, kann, soll oder muss man sogar für die Huffington Post Deutschland schreiben?”, fragt Karsten Lohmeyer in der “Huffington Post Deutschland”: “Viele sagten kategorisch nein. Denn selbst wenn man ausgebildeter Journalist ist und mit seiner journalistischen Arbeit seinen Lebensunterhalt bestreiten muss, zahlt die Huffington Post nichts. Nada. Keinen Lousy Penny. Und das obwohl hinter der Huffington Post Deutschland kein kleines Hinterhof-Start-up ohne Geld, sondern die gut verdienende Tomorrow Focus AG und damit auch der große, vermögende Burda Verlag steht.”

5. “Jetzt doch: Kostenlos-Kultur im Netz – die deutsche Huffington Post”
(pantelouris.de)
“HuffPo, mach es dir doch einfach selbst”, schreibt Michalis Pantelouris: “Wenn die deutsche HuffPo keine Agenda hat sondern nur ein Unternehmen ist, aber die meisten Autoren nicht in Geld bezahlt werden, sondern in Werbefläche für sich oder ihre Sache, dann besteht das Medium letztlich aus nichts als aneinandergeklatschten Anzeigen.”

6. “Saudischer Geistlicher liefert bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnisse, warum Frauen nicht Autofahren sollten”
(de.globalvoicesonline.org, Rayna St.)

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