Suchergebnisse für ‘anzeigen’

Bild.de lockt Leser mit frechen Früchtchen an die Spielautomaten

Es gibt in der Redaktion von Bild.de eine auffallende Affinität für sogenannte Online-Slot-Machine-Games, also für einarmige Banditen im Internet. Zum Beispiel fürs Spiel “7 Slots”, das, so Bild.de, “für wahre Adrenalinschübe” sorge:

Das “Slot-Game” sei spannend …

In “7 Slots” steigt die Spannung praktisch bei jedem Dreh der Walzen! Gewinnen Sie Freispiele oder sogar den ganz großen Gewinn an Spiel-Chips?!

… das Richtige für Gewinnertypen …

Im kostenlosen Slot-Game “7 Slots” lassen Sie die Walze rollen und Sahnen [sic] ordentlich Punkte ab

… und einfach das “perfekte Spiel”:

“7 Slots” ist das perfekte Spiel für den Adrenalin-Kick zwischendurch. Zocker kommen hier garantiert auf ihre Kosten!

Spielen kann man “7 Slots” auf der Seite “jackpot.de”. Und die hat den Bild.de-Artikel bezahlt gepowert:

Von der Kooperation mit dem Online-Casino erfährt man allerdings nur in den Fotocredits und wenn man mit dem Mauszeiger über die Links geht, die zur Casino-Seite führen. Ansonsten kommt der Text wie jeder andere auf Bild.de daher.

Genauso beim Artikel, in dem die Redaktion für das Spiel “Fancy Fruits” wirbt:

Die “Früchtchen” stammen ebenfalls von “jackpot.de” und sollen ebenfalls “das perfekte Spiel” bieten:

“Fancy Fruits” ist das perfekte Spiel für den Adrenalin-Kick zwischendurch. Zocker kommen hier garantiert auf ihre Kosten!

Beide Artikel erschienen im Mai. Im Juni gab’s die nächste Slot-Machine-Geschichte bei Bild.de, dieses Mal “Powered by Gametwist”. Und wieder lautete das Versprechen:

Nun aber nicht nur bei einem Spiel:

BILD stellt Ihnen 5 kostenlose Slot-Machine-Games vor, die stundenlangen Spielspaß garantieren!

Zum Beispiel die Früchte von “Fruits’n Sevens”, die “in der bunten Spielwelt […] Ihre besten Freunde” seien. Oder der “Spieleklassiker ‘Book of Ra'”, in dem “Sie sich als mutiger Abenteurer auf eine Suche nach sagenumwobenen Relikten ins alte Ägypten” begäben. “Frisches Obst so weit das Zockerauge reicht” verspreche bei “Sizzling Hot Deluxe” eine “satte Gewinnernte”.

Das Fazit von Bild.de:

Kasino-Spiele sind der perfekte Adrenalin-Kick für zwischendurch

All diese Angebote, die Bild.de vorstellt, sind kostenlos; die Nutzer können Spielgeld setzen. Man könnte also — abgesehen vom merkwürdigen Werbeformat — meinen: Warum nicht auf Webseiten hinweisen und verlinken, die für ein bisschen Zeitvertreib sorgen?

Klar, wenn es dem Werbekunden hier nicht auch darum ginge, potentielle Glücksspieler anzufixen. Denn “Gametwist” ist nicht irgendein kleines Spieleportal. Es gehört zum österreichischen Unternehmen Funstage. Und Funstage ist eine 100-prozentige Tochter (PDF) der Novomatic AG, einem riesigen Aufsteller von Glücksspielautomaten mit einem Umsatz von zwei Milliarden Euro im Jahr 2014. Vor den Novomatic-Geräten sitzen zahlreiche Süchtige, die nicht selten ihr gesamtes Geld verzocken. Und in diese so lustige Welt der “frechen Früchtchen” und “mutigen Abenteurer” führt Bild.de seine Leser nun ein.

Wenn das alles völlig abwegig klingen sollte: Vor wenigen Tagen ging der nächste Slot-Machine-Text online, “Powered by OnlineCasino Deutschland AG”. Und dieses Mal ist nicht nur von Spielgeld die Rede:


(Immerhin: Das Graue über der Schlagzeile ist eine Anzeigen-Kennzeichnung.)

Beim “Echtgeld-Modus” hingegen kommen Hobby-Zocker voll auf ihre Kosten! Hier können Sie mit echtem Geld spielen und natürlich auch echtes Geld gewinnen

Einen Hinweis darauf, dass man auch eine Menge “echtes Geld” verlieren kann, gibt es im Artikel nicht.

Mit Dank an @bassena.

Leiharbeiter, ZDF-Korrekturen, #NotInMyName

1. “Zweifelhafte Macht“
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz)
Das „Veröffentlichungsmonopol der Schlüsseljournalisten” und ihre Geringschätzung sozialer Themen sieht Thomas Meyer als Gründe, warum Journalisten in Meinungsumfragen immer weniger Vertrauen genießen. Brigitte Baetz findet diese Ansichten zum politischen Journalismus obsolet: „Meyers durchweg lesenswerte Analyse fasst sehr gut den Stand der bisherigen Kritik an der Mediendemokratie in Deutschland zusammen. Er berücksichtigt jedoch zu wenig den Strukturwandel, der sich durch die Digitalisierung vollzieht.“

2. “Die Leiharbeiter des Journalismus”
(taz.de, Anne Fromm, Jürn Kruse, Anja Krüger)
Die „taz“-Redakteure berichten von einem in der Branche bekannten Problem: der Scheinselbstständigkeit von „Pauschis“. Verlage sparen, die Künstlersozialkasse muss für Kosten aufkommen. „Offen zu sprechen, wagt keiner der Betroffenen. Unter der Oberfläche jedoch sind vor allem junge Mitarbeiter wütend und frustriert. (…) Auch bei der taz sind vereinzelt Mitarbeiter als Pauschalisten beschäftigt – meist auf ausdrücklichen Wunsch.“ Zum Thema veröffentlichte Timo Stoppacher gestern seine Blogparade mit Antworten auf die Frage: Warum seid Ihr gerne freie Journalistinnen und Journalisten?

3. “Warum der ZDF-Korrespondent eine Demo in Athen unmöglich richtig beschreiben konnte“
(stefan-niggemeier.de)
Über den aktuellsten Eintrag in der ZDF-Korrekturspalte schreibt Stefan Niggemeier: „Nein, das ZDF hat diese Korrektur-Ecke nicht, um sich zu berichtigen und kritisch mit der eigenen Berichterstattung auseinanderzusetzen. Sondern um auf Podien und in Gastbeiträgen in Zeitungen behaupten zu können, dass man das jetzt täte.”

 4. “Das Netz fasst mehr als jede Straße“
(jetzt.de, Kathrin Hollmer, 20.10.14)
„Und wieder diese Pappschilder. #NotInMyName steht dieses Mal darauf geschrieben“ — Kathrin Hollmer über politische Hashtags und „Feelgood-Activism”.

5. “So zensiert Facebook“
(faz.net, Adrian Lobe)
Die Kriterien, wonach Facebook seine Relevanz für Inhalte auswählt, beschreibt Adrian Lobe als „Black Box”. Er untersucht Beispiele, die zensiert worden sind, wie ein Comic des „New Yorker“, auf dem Brustwarzen einer Frau zu sehen waren.

6. “LeFloid interviewt Bundeskanzlerin Angela Merkel”
(netzfeuilleton.de, Jannis Kucharz)
Wer dem YouTuber LeFloid Fragen für sein Gespräch am Freitag mit Angela Merkel mit auf den Weg geben möchte, kann sie unter #NetzFragtMerkel über Instagram, YouTube oder Twitter einreichen.

Rhein-Zeitung, BuzzFeed, Kim Jong-Un

1. “Zeitung hält Begräbnis des Kopiloten geheim”
(faz.net)
Die “Rhein-Zeitung” erfährt von der Beisetzung des Co-Piloten von Germanwings-Flug 9525, verbreitet diese Information aber nicht weiter, “‘damit die Weltpresse bei diesem Begräbnis nicht erneut über Montabaur herfällt’ und um den Angehörigen die Chance zu geben, in Ruhe Abschied zu nehmen. Die Zeitung habe bewusst auch darauf verzichtet, aus der Ferne Fotos von der Beerdigung zu machen und diese international zu verkaufen.” Siehe dazu auch “In eigener Sache: Christian Lindner zur weißen Fläche auf der Titelseite” und “Co-Pilot ist in seiner Heimat beerdigt worden” (rhein-zeitung.de, kostenpflichtig).

2. “Eine Nicht-Meldung und ihre Geschichte: die Doppelmoral der Rhein-Zeitung”
(meedia.de, Nora Burgard-Arp)
Nora Burgard-Arp wirft der “Rhein-Zeitung” vor, eben doch Geld verdienen zu wollen mit dieser Story, schliesslich sei der Beitrag hinter die kostenpflichtige Bezahlschranke der Zeitung gestellt worden: “Und der Chefredakteur ignoriert zugleich, dass es unter den Medien einen breiten Konsens gab und gibt, die Angehörigen des Co-Piloten mit Respekt und Diskretion zu behandeln. Es scheint fraglich, ob überhaupt ein deutsches Medium bei einem entsprechenden Angebot der Rhein-Zeitung zugegriffen hätte.”

3. “Wie arbeiten eigentlich Anzeigenblatt-Redaktionen?”
(wp.ujf.biz, 24. Juni)
Ulf J. Froitzheim schreibt über Fotos und Bildbeschreibungen im regionalen Anzeigenblatt.

4. “Why I Assume That Every BuzzFeed Article Is Trying To Sell Me Something”
(buzzfeed.com/lalonsander, englisch)
Buzzfeed-Nutzer Lalon Sander fragt sich, was ihm Buzzfeed-Artikel verkaufen wollen, die nicht als Werbung gekennzeichnet sind.

5. “Guten Tag, die Welt ist schlecht”
(aargauerzeitung.ch, Peter Rothenbühler)
Peter Rothenbühler über seine Erfahrungen mit dem Schreiben von guten Nachrichten: “Ein konstruktiver, empathischer, versöhnlicher oder gar belobigender Journalist ist verdächtig – vor allem bei den andern Journalisten. Das erlebt man als Journalist jedes Mal, wenn man eine positive Geschichte über eine gelungene Sache oder eine erfolgreiche Persönlichkeit publiziert. Da heisst es sofort: warum so unkritisch? So blauäugig? Hat er dich gekauft?”

6. “Die Gier der Medien nach Kim Jong-Un”
(kobuk.at, Stefanie Schneckenreither)

Sexfrust, Polizeimeldungen, Heftig.co

1. “Bild: Aus Sexfrust zum Jihad”
(hogymag.wordpress.com, almasala)
Der Bild.de-Artikel “Aus Sex-Frust in den Dschihad?”: “Wie ein Bauchredner legt ‘Bild’ ihren Puppen Khan und Karmani verdrehte Aussagen in den Mund und müssen für die Drecksarbeit für ‘Bild’ herhalten: muslimische Elternhäuser als hinterwäldlerisch, starrsinnig und autoritär hinzustellen, dass deren Söhne mit martialischem Macho-Gehabe und aus lauter sexuellen Frust zu Terroristen werden. Gleichzeitig stehen Khan und Karmani wie Idioten da, denen ‘Bild’ dümmliche Erklärungen für die Radikalisierung junger Muslime unterschob.”

2. “Warum verschweigen Medien oft die Herkunft von Straftätern?”
(badische-zeitung.de, Karl Heidegger)
Karl Heidegger schreibt zum Umgang der Medien mit der Nationalität von Straftätern: “Anderswo sind die Vorgaben für die Medienbranche weitaus laxer als in Deutschland – es werden vielfach mehr Details über Täter und auch Opfer veröffentlicht. In den Vereinigten Staaten trägt der Trend zur Transparenz bisweilen bizarre Züge. In vielen US-Bundesstaaten werden die Polizeibilder (‘Mugshots’) von Festgenommen ins Netz gestellt, ergänzt mit allen persönlichen Angaben.”

3. “Durch Verschweigen lösen sich die Probleme nicht”
(tagesanzeiger.ch, Stefan Hohler)
Polizeireporter Stefan Hohler antwortet auf einen Vorschlag, der die Polizei dazu verpflichten will, “die Nationalität auch bei Nachfragen von Journalisten” nicht herauszugeben: “Für die beiden Postulanten ist einzig die Schwere eines Delikts massgebend und nicht die Herkunft der Täterin oder des Täters. Die Nationalität liefere ­keinerlei Erkenntnisgewinn und verführe nur zu ­unzulässigen Verallgemeinerungen. Wenn dem so ist, müssten die Postulanten konsequenterweise auch die Forderung stellen, auf die Nennung von ­Geschlecht und Alter von Tätern zu verzichten.”

4. “‘Wie wir schreiben, geht eine Richterin nichts an'”
(drehscheibe.org, Stefan Wirner)
“Nordkurier”-Chefredakteur Lutz Schumacher spricht über die Auseinandersetzung bezüglich des “Rabauken-Jägers”: “Wenn bei so einer Banalität bereits Staatsanwälte und Richter gegen Journalisten vorgehen, was ist denn dann, wenn es wirklich einmal um etwas geht?”

5. “Hermann Petz: ‘Es gibt Qualitätsjournalismus nur mit bedrucktem Papier'”
(derstandard.at, Harald Fidler)
Ein Interview mit Hermann Petz, Autor des Buchs “Die Zeitung ist tot? Es lebe die Zeitung!”: “Zum Begriff des Qualitätsjournalismus gehört eben auch, dass er sich durch seine eigene Qualität refinanziert – in Vertrieb und Anzeigengeschäft. Und das funktioniert nur in Print. Oder kennen Sie dazu ein Gegenbeispiel aus Online, Radio oder TV?”

6. “‘Medienhaus ohne Journalismus – ja, das geht!'”
(meedia.de, Thomas Huber)
Thomas Huber, bezahlt für die Öffentlichkeitsarbeit von Heftig.co, preist das Portal: “Die Fans suchen das Bedeutungsvolle in der Informationsflut. Sie sind sehr neugierig darauf, wie es anderen echten Menschen in vergleichbaren Lebenssituationen ergeht und wie sie ihre Probleme und Krisen bewältigen. (…) Hinter einem Klick bei heftig.co lauert kein potemkisches Dorf, sondern eine offenbar sehr relevante Information.”

Schleichwerbung, Thomas Meyer, Ronja von Rönne

1. “Schleichwerbung im Netz”
(zdf.de, Video, 10:08 Minuten)
Marius Brüning, Andreas Halbach und Heiko Rahms setzen sich kritisch mit Schleichwerbung im Netz, insbesondere auf Instagram, auseinander.

2. “Die Parasiten vom Dienst”
(newsroom.de, Markus Wiegand)
Für Markus Wiegand ist es an der Zeit, “härter zu werden und PR und Produktwerbung konsequenter aus den redaktionellen Inhalten rauszuhalten. Die Leser werden es danken – und das Anzeigengeschäft könnte es außerdem ankurbeln.”

3. “‘Die große Meinungsvielfalt in der deutschen Presse ist Geschichte'”
(heise.de/tp, Marcus Klöckner)
Ein Interview mit Politikwissenschaftler Thomas Meyer: “Wenn Medienkritik so angebracht wird, wie es beispielsweise Leute von Pegida tun, dann ist es sehr einfach für die kritisierten Medien und Journalisten, die Kritik als substanzlos, da zu schrill, zu laut und zu unsachlich abzutun. Die fundierte Medienkritik, die zwischen all den lauten Tönen auch zu finden ist und die, so meine ich, durchaus auch ihre Schärfe hat, wird dann einfach übergangen.”

4. “Fernsehgelder: Wie wir alle das System Blatter finanzieren”
(spiegel.de, Stefan Kaiser und Anna van Hove)
“Mit 43 Prozent machen die Erträge aus den Fernsehrechten beinahe die Hälfte der Gesamteinnahmen des Weltverbandes aus”, schreibt Stefan Kaiser zu den Einnahmen des Weltfußballverbands FIFA: “Die gewaltig gestiegenen Preise werden auch für ARD und ZDF zunehmend zu Belastungen. Für die WM 1998 zahlten sie gerade mal gut 20 Millionen Mark, mittlerweile müssen sie etwa das 20-fache davon auf den Tisch legen. Allein die fünf WM-Turniere von 2006 bis 2022 kosten die beiden Staatssender rund eine Milliarde Euro. Die Sender selbst wollen die Zahlen weder bestätigen noch dementieren. Sie dürfen keine Details veröffentlichen. Die Fifa verlangt von ihren Vertragspartnern Stillschweigen über die gezahlten Summen.”

5. “Alle Aufregung ist groß, aber welche ist am größten?”
(svenjagraefen.de)
Svenja Gräfen über die Kontroverse zur Ingeborg-Bachmann-Preis-Nominierung von Ronja von Rönne: “Wenn Rönne solche Texte schreibt und dies nicht ganz blauäugig tut, dann muss sie (und müssen ihre Unterstützer_innen ebenso) mit den Konsequenzen, die zu Recht auch Kritik beinhalten können, umgehen können. Dieses ‘Sie ist doch so jung und probiert sich noch aus’-Ding nervt nicht nur, es ist überflüssig. Sie ist jung, ja. Aber sie probiert sich eben nicht aus, sie schreibt für ein riesengroßes Medium, Punkt.”

6. “Klickstrecke: Die besten TITANIC-Witze in der Heute-Show”
(titanic-magazin.de)

Unternehmer, Unabhängigkeit, Penny-Auktionen

1. “Inside PBN”
(juliane-wiedemeier.de)
“Für wahre redaktionelle Freiheit muss man selber gründen”, schreibt Juliane Wiedemeier von den Prenzlauer Berg Nachrichten: “Ich war dabei, als ein großer Anzeigenkunde absprang, nachdem ich seine Scheckübergabe als nicht berichtenswert eingestuft hatte. Trotzdem gab es über die redaktionelle Entscheidung keine Diskussion. Anderswo habe ich das anders erlebt.” Siehe dazu auch “Das Ende des Hypes” (taz.de, Anne Fromm) und “Handreichung zum Umgang mit dem Troll” (thomastrappe.wordpress.com).

2. “Journalismus ist reiner Luxus”
(persoenlich.com, René Zeyer)
René Zeyer ist freier Journalist in der Schweiz: “Meine Unabhängigkeit erkaufe ich mir damit, dass ich schon seit vielen Jahren zu den ‘Verrätern’ gehöre, die kommunikative Strategien und Konzepte im Sold von Auftraggebern verfassen, als selbständiger Kleinstunternehmer. Da ich das Privileg habe, mir diese auch nach diesem Kriterium aussuchen zu können, hat es noch nie einen Versuch gegeben, meine journalistische Tätigkeit zu beeinflussen, zu steuern, zu instrumentalisieren.”

3. “Der ledige Bauer und der Service public”
(nzz.ch, Dominik Kaiser)
TV-Unternehmer Dominik Kaiser fragt, was sein Unternehmen vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen unterscheidet: “Durch unsere Sendung ‘Bauer, ledig, sucht!’ haben wir unzählige glückliche Paare zusammengebracht. Vierzehn Paare haben gar geheiratet, und 17 Babys sind zur Welt gekommen. Gibt es stärkere Beweise für den Service-public-Charakter einer Sendung? Die Nachhaltigkeit ist offensichtlich. Demgegenüber zeigt SRF 1 Dok-Sendungen wie ‘Liebesglück in Odessa – von der Suche nach der Traumfrau’, ‘Beruf Domina, das Geschäft mit Lust und Peitsche’, ‘Oh Boy – Wenn Frauen jüngere Männer lieben’ oder ‘Callboys – Männer für gewisse Stunden’. Ist das kein Boulevard?”

4. “Puppen ohne Ende”
(tokyofotosushi.wordpress.com, fritz)
Fritz Schumann reflektiert seine immer noch von neuen Medien aufgenommene Videoarbeit “The Valley of Dolls”: “Ich würde sie nicht als meine beste Arbeit bezeichnen wollen, aber es ist definitiv die erfolgreichste. Es hat Türen geöffnet und war ein gewisser Wendepunkt für mich als junger Journalist. Ich konnte lernen, wie die Medienlandschaft heute funktioniert. Ich habe auch verstanden, dass eine Geschichte, die keiner am Anfang haben will, nicht schlecht sein muss. Nirgends, wo ich sie angeboten hatte, wurde sie genommen. Alle Veröffentlichungen oder Verkäufe konnten nur entstehen, weil das Video ein Selbstläufer online war.”

5. “Wie deutsche Medien unwissentlich für rechtswidrige Abzock-Seiten werben”
(om8.de, Johannes Haupt)
Warnung vor und Werbung für Angebote: “Teilweise finden sich Warnungen für Penny-Auktionen und Werbung dafür sogar auf exakt der gleichen Seite. So gibt es in einem alten Stern-Artikel, Titel ‘Abgezockt beim Höchstgebot’, einen Text-Bild-Anzeigeblock des Vermarkters Ligatus, bei dem MadBid offenbar ein gern gesehener Werbekunde ist.”

6. “Der Böse ist immer der griechische Finanzminister”
(stefan-niggemeier.de)
Siehe dazu auch “Waterboarding für den gemeingefährlichen Irren! Deutsche Journalisten über Claus Weselsky” (stefan-niggemeier.de).

Anchorman, Bayern 1, Qualitätsgesang

1. “Das Q-Wort”
(de.ejo-online.eu, Kurt W. Zimmermann)
Kurt W. Zimmermann denkt nach über den Begriff des “Qualitätsjournalismus”: “In verwandten Berufen kennt man diese Unterscheidung zwischen gehobener und minderwertiger Güteklasse nicht. Den Ausdruck Qualitätsliteratur gibt es nicht. Es gibt auch keine Qualitätsmalerei, keinen Qualitätsgesang und keine Qualitätspoesie. Wer dauernd von Qualität redet, der verrät darum nur eines. Er hat ein Problem mit sich selbst.”

2. “Der Hintergrund zur Nennung der Herkunft von Straftäter*innen”
(georgsander.at)
Georg Sander beschäftigt sich mit der Nennung der Nationalität in den Medien: “Wenn die Herkunft also keine Rolle spielt, lasst sie unerwähnt.”

3. “Der Flugzeugabsturz und der mediale Zwang zur Sichtbarkeit”
(medienkorrespondenz.de, Dietrich Leder)
Dietrich Leder fasst die Berichterstattung zum Absturz von Germanwings-Flug 9525 zusammen: “Der Absurdität, ein Bild zu zeigen, das man in seinem Aussagekern unkenntlich macht, war man bei ARD und ZDF schon in den ersten beiden Tagen erlegen, als man Aufnahmen von Angehörigen der Absturzopfer präsentierte, bei denen man ebenfalls die Gesichter unkenntlich gemacht hatte. Auf die Idee, auf diese Bilder ganz zu verzichten, kam man nicht, denn das bedeutete ein Eingeständnis der Grenzen, die dem Bildermedium Fernsehen gesetzt sind: Ein Röntgenbild der Seele des mutmaßlichen Täters wird es nicht geben, auch wenn es sich alle wünschten.”

4. “How Is It Possible That the Inane Institution of the Anchorman Has Endured for More Than 60 Years?”
(nymag.com, Frank Rich, englisch)
Frank Rich fragt, warum es den Anchorman immer noch gibt: “When Brian Williams has spoken about why he wanted to be a network anchor since roughly the age of 6, he hasn’t emphasized reporting but the thrill of being everyone’s focus of attention during a national cataclysm. He’s fond of quoting Simon & Garfunkel: ‘a nation turns its lonely eyes to you.'”

5. “Kein Witz”
(sz-magazin.sueddeutsche.de, Tobias Haberl)
Tobias Haberl gesteht, den Radiosender “Bayern 1” zu hören: “Inzwischen schalte ich auch gern mal abends ein, dann kommt nämlich Volksmusik. Nicht Hansi Hinterseer, sondern richtige Blaskapellen oder Zithermusik, die Leitzachtaler Buam oder die Gesangsgruppe Eberwein; die spielen mal einen Landler, mal einen Dreiviertler, ich lege mich ins heiße Fichtennadelbad und bin – ich kann es nicht anders sagen – glücklich.”

6. “Trendforscher: Gegen den Mainstream zu sein inzwischen voll Mainstream”
(der-postillon.com)

Monica Lewinsky, Handelsblatt, SZ

1. “Monica Lewinsky: The price of shame”
(ted.com, Video, 22:26 Minuten, englisch)
Monica Lewinsky spricht über die mediale Bewirtschaftung von Demütigungen (Transkript): “A marketplace has emerged where public humiliation is a commodity and shame is an industry. How is the money made? Clicks. The more shame, the more clicks. The more clicks, the more advertising dollars. We’re in a dangerous cycle. The more we click on this kind of gossip, the more numb we get to the human lives behind it, and the more numb we get, the more we click. All the while, someone is making money off of the back of someone else’s suffering.”

2. “Russ-Mohl: ‘Wahrheit in Meer von Desinformation'”
(derstandard.at, Harald Fidler)
Ein Interview mit Medienwissenschaftler Stephan Russ-Mohl: “Es scheint mir schon ein besonders krasser Fall, dass in Österreich offenbar jene Medien mit vom Steuerzahler finanzierter Werbung besonders gehätschelt werden, welche ihrerseits führende Politiker mit netten Homestories bedienen, statt sie kritisch zu begleiten. Das halte ich für korrupt.”

3. “Voglio una donna!”
(medienspiegel.ch, Daniel Weber)
Daniel Weber schreibt zum “Brechreiz-Thema” Frauenquote: “Für unser ‘Folio’ zum Verhältnis Schweiz-Europa gingen wir eine Reihe von Führungspersönlichkeiten an; wir baten ebenso viele Frauen wie Männer um ein Gespräch. Bis auf eine sagten alle ab: Man wolle sich nicht exponieren, man verzichte lieber auf politische Stellungnahmen, aus Compliance-Gründen müsse man leider, es sei zurzeit nicht opportun … Von den Männern waren keine solchen Skrupel zu hören. Und was hauten uns empörte Leserbriefschreiberinnen um die Ohren? – Ja, genau. Auf bedingte Reflexe ist unbedingt Verlass.”

4. “Wieso wir agil werden müssen”
(ploechinger.tumblr.com)
Wie sich in Deutschland Abo-Modelle für Zeitungen durchsetzen werden? Stefan Plöchinger: “Niemand kann diese Frage beantworten, bevor man sich an Abo-Modellen versucht hat. Deshalb schrecken so viele davor zurück. Trial and error ist noch unbeliebt. Dabei ist es hier wohl der beste Lösungsansatz.” Siehe dazu auch “Willkommen bei der neuen SZ im Netz” (sueddeutsche.de).

5. “‘Wieso das Handelsblatt dicke Rechnungen an Startups schreibt'”
(facebook.com/janbechler)
Jan Bechler erhält und bezahlt eine von der FAZ im Auftrag des “Handelsblatts” ausgestellte Rechnung: “Eurem Vertriebsmitarbeiter, der lustigerweise 2 Tage nach Rechnungseingang anrief, um uns Print-Anzeigen in Eurem ‘Wein&Genuss’-Special zu verkaufen, mussten wir aber leider absagen. Ich hoffe, Ihr könnt das nachvollziehen.”

6. “Meme-Check: Was der lachende Spanier wirklich sagt”
(blogrebellen.de, Lena Mandarina, Video, 3:40 Minuten)
Siehe dazu auch “‘El Risitas’ Interview Parodies” (knowyourmeme.com, Brad, englisch).

FAS, Fußball, Apple Watch

1. “Fraport weist Vorwurf einer Sicherheitslücke am Flughafen Frankfurt zurück”
(fraport.de)
Die Betreibergesellschaft des Frankfurter Flughafens Fraport weist einen Bericht der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” (FAS) zurück: “Nach einer umgehenden Überprüfung des in der Berichterstattung geschilderten Falls durch die Fraport AG in enger Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden befand sich der Redakteur zu keinem Zeitpunkt in diesem sicherheitskontrollierten Bereich, sondern lediglich auf einer Frachtabfertigungsfläche im Betriebsbereich. Er hätte auch den sicherheitsrelevanten Bereich ohne Befugnis und Sicherheitskontrolle auf keinem Weg erreichen können. Eine wie im Bericht dargestellte Lücke im Sicherheitszaun gibt es nicht, wie auf den beigefügten Bildern zu erkennen ist.” Siehe dazu auch “Korrektur: Wie sicher ist der Frankfurter Flughafen?” (faz.net) und “6 vor 9” von gestern.

2. “FAS verliert die Kontrolle”
(zeigensiemal.wordpress.com)
Eine genauere Betrachtung von Infografiken im FAS-Wirtschaftsteil.

3. “The sinister treatment of dissent at the BBC”
(theguardian.com, Nick Cohen, englisch)
Nick Cohen beklagt den Umgang der BBC mit den Enthüllern der von Jimmy Savile verübten sexuellen Mißbräuche: “The BBC is forcing out or demoting the journalists who exposed Jimmy Savile as a voracious abuser of girls.”

4. “Warum es egal ist, was Medien von der Apple Watch halten”
(nzz.ch, Henning Steier)
Henning Steier fasst die Rituale einer Apple-Pressekonferenz zusammen.

5. “Philipp Köster: ‘Zu scheitern wäre nicht die schlechteste Visitenkarte gewesen'”
(vocer.org, Jan Göbel)
Philipp Köster, Gründer von “11 Freunde”, lobt Gruner + Jahr, den Mehrheitseigner des Fußballmagazins, als Verlag, “dessen höchstes ideelle Gut die Unabhängigkeit der Redaktionen ist. In nun fast fünf Jahren hat es keinen einzigen Fall gegeben, dass von Verlagsseite Druck ausgeübt worden wäre. Ganz im Gegenteil war der Druck aus dem Anzeigenmarkt vorher viel größer.”

6. “Was erlauben Westermann?”
(sueddeutsche.de, Christof Kneer)
Christof Kneer packt die schwierige Situation von Fußballjournalisten in eine Wutrede: “Wir halten hier seit Jahren unsre Laptops hin, ständig müssen wir Geschichten aufbauschen, Skandale konstruieren und Zitate erfinden, meint ihr vielleicht, es macht Spaß, ein Zeitungsfritze zu sein, keinen Charakter zu haben, in scheißkalten Stadien zu sitzen und über etwas zu berichten, wovon man keine Ahnung hat? Wir Journalisten sind vielleicht nur ein kleiner Piss-Verein, aber wer es besser kann, der soll herkommen und selber schreiben.”

§130, Geisterschiffe, Reflexion

1. “Selbstmord aus Angst vor dem Tod”
(meedia.de, Marvin Schade)
Eine Zeitung, bei der Redaktion und Anzeigen verschmelzen, verliert ihr Existenzrecht, glaubt Bernd Ziesemer: “Einer Zeitung, bei der ich mir nicht mehr sicher sein kann, ob ich den unabhängigen Artikel eines Journalisten lese oder die getarnte Botschaft eines Unternehmens, der schenke ich doch keinen Glauben mehr.”

2. “Schock: Griechenlands Radikalos-Naked-Bike-Rider-Regierung hält Frist ein!”
(stefan-niggemeier.de)
Wie “Bild”-Mitarbeiter über den Dialog über Reformmassnahmen zwischen Griechenland und der EU berichten: “Als Anda am Montag schrieb, dass die Liste bereits am Sonntag abgegeben worden sei, war das falsch. Als er am Dienstag überraschend schrieb, dass sie noch immer nicht abgegeben worden sei, war das falsch. Aus der Realität haben sich diese Leute längst verabschiedet.”

3. “Ist die Berichterstattung der ‘Bild’ zu Griechenland volksverhetzend?”
(vice.com, Matern Boeselager)
Anwalt Udo Vetter gibt Auskunft über die Strafbarkeit aufgrund von §130 des deutschen Strafgesetzbuchs, der Volksverhetzung: “Insbesondere sollten alle, die sehr schnell ‘Volksverhetzung’ rufen, sich darüber im Klaren sein, dass das immer ein kleiner Angriff auf die Meinungsfreiheit in unserem Land ist. Auch wenn man vielleicht persönlich zu Recht empört ist: Man muss auch Dinge aushalten, die einem vielleicht nicht gefallen. Die Meinungsfreiheit kann sich ja nicht nur am Mainstream definieren, sondern an ihren Extremen. Sonst ist es ja keine Freiheit mehr.”

4. “Geisterschiff und Geister-News”
(medienblog.blog.nzz.ch, Rainer Stadler)
“Invasion der Geisterschiffe bedroht EU”, titelte Welt.de am 3. Januar 2015. Rainer Stadler wundert sich, dass die Nachricht, dass dem gar nicht so ist, keine Wellen schlägt: “Immerhin geht es um eine Nachricht, welche Anfang Jahr grosse Aufmerksamkeit erregte und die damals zudem die migrationspolitische Debatte antrieb. Erklärbar ist das verbreitete Schweigen mit der Kollektivierung des Problems – alle berichteten damals falsch aufgrund falscher Agenturmeldungen, also fühlt sich niemand zuständig bzw. verantwortlich.”

5. “Lessons From Debunking Efforts in Journalism and Elsewhere”
(medium.com, Craig Silverman, englisch)
In einem langen Text stellt Craig Silverman Medien vor, die sich dem Aufdecken von Falschinformationen verschrieben haben: “Interviews with journalists engaged in these efforts revealed that, like Werner, they feel this work is the core of what journalism is supposed to be. Still, some expressed feelings of futility or frustration that fakes and hoaxes are so prevalent, and beliefs that news organizations play a significant role in helping them spread.”

6. “Sternstunde Reflexion”
(srf.ch, Video, 3:07 Minuten)

Blättern:  1 ... 23 24 25 ... 55