1. Kuschel-Townhall mit Angela Merkel (carta.de, Robin Meyer-Lucht)
Robin Meyer-Lucht hat sich auf RTL das Town Hall Meeting mit Angela Merkel angesehen. Er nennt die Sendung, die dem direkten Austausch zwischen Politik und Bürgern dienen soll, ein “Armutszeugnis für den politischen Journalismus”. RTL sei mit der Rückkehr auf die politische Bühne “grandios gescheitert”. Wie es richtig geht, zeigt Barack Obama (ab Min. 17:30).
2. CDU fordert werbefreie Öffentlich-Rechtliche (neininger.wordpress.com, Norbert Neininger)
Die CDU hat ein medienpolitisches Manifest verfasst. Sie fordert im ersten Schritt eine Gleichstellung von Sponsoring mit Werbung in öffentlich-rechtlichen Sendern in Deutschland. Langfristig fordert die CDU “eine vollständige Werbe- und Sponsoringfreiheit”.
3. Die Schwulenfeindlichkeit des Wladimir Kaminer (stefan-niggemeier.de/blog, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier hat sich die Berichterstattung zum Grand Prix angesehen. Vor dem Hintergrund der gewaltsamen staatlichen Übergriffe gegen Schwule in Moskau am Rande des Grand Prix, seien die schwulenfeindlichen Kommentare des Autors Wladimir Kaminer Opferverhöhnung und “das Letzte”.
Man kann geteilter Meinung darüber sein, wie sinnvoll es ist, Graffiti-Sprayer strafrechtlich und per Hubschrauber zu verfolgen. Man kann das beispielsweise gut finden. Oder auch nicht. Der 21-jährige Stephan Schilling hat sich eher für Letzteres entschieden, wofür er von der “Bild”-Zeitung am gestrigen Samstag als “Milchgesicht” bzw. “grünes Milchgesicht” beschimpft wurde – und als “Chef der ‘Grünen Jugend'” bezeichnet, wiewohl er doch nur deren Sprecher ist. Aber naja: Dass (und wie) sich “Bild” gern kritisch mit Politikern der Grünen auseinandersetzt, ist nichtneu und bekannt.
Wirklich übel mitgespielt hat die “Bild” diesmal aber weniger dem “Milchgesicht” Schilling als vielmehr dem Vizepräsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin, Christoph Stölzl (CDU). Denn unmittelbar im Anschluss an den O-Ton eines FDP-Politikers, der laut “Bild” einen Rücktritt Schillings fordere und ihm “ein gestörtes Verhältnis zum Rechtsstaat” unterstellt, folgt ein Zitat Stölzls – genauer gesagt, dieses:
“Hier zeigt sich die häßliche Fratze der Freude am Rechtsbruch!”
Und in der Tat hat Stölzl das gesagt – als Teilnehmer am “1. Internationalen Anti-Graffiti-Kongress” nämlich, der (von “Bild” leider mit keinem Wort erwähnt) am vergangenen Donnerstag in Berlin stattfand. Nur: Stölzls umstrittenes Zitat bezieht sich offenbar mitnichten auf Schilling, wie “Bild” sogar mühelos in anderen Tageszeitungen aus dem Axel Springer-Verlag hätte nachlesen können. Dort nämlich heißt es:
“Christoph Stölzl (CDU), bezeichnete Graffiti als ‘abgestandenen Abfall der Comic-Malereien der 60er Jahre. Hier zeigt sich die häßliche Fratze der Durchsetzungs-Gesinnung und der Freude am Rechtsbruch.’
(“Berliner Morgenpost” vom 8.4.2005)
Oder noch kürzer:
“‘Hier zeigt sich die häßliche Fratze der Freude am Rechtsbruch.’ Christoph Stölzl (CDU) über Graffiti”
(“B.Z.” mit Datum vom 7.4.2005)
Mit Dank an Arne S. für den sachdienlichen Hinweis.
Nachtrag, 22:47:
Schilling selbst findet es übrigens okay, dass man ihn als “Chef” bezeichnet.
1. Extremismus-Vorwurf gegen Buchhandlung: Weimer akzeptiert Urteil (br.de, Ulrich Möller-Arnsberg)
Wolfram Weimer habe den Gerichtsbeschluss im Streit mit der Berliner Buchhandlung “Zur schwankenden Weltkugel” akzeptiert. Der Kulturstaatsminister habe keine Rechtsmittel eingelegt und dürfe die Betreiberinnen des Ladens damit bis zur Hauptsacheentscheidung nicht erneut als “politische Extremisten” bezeichnen. Hintergrund sei der Ausschluss mehrerer Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis wegen angeblicher “verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse”, die öffentlich bislang nicht konkret benannt worden seien. Das Verwaltungsgericht Berlin sehe durch Weimers Äußerung das Persönlichkeitsrecht der Buchhändlerinnen verletzt. Die betroffenen Läden würden nun Aufklärung darüber verlangen, wer wann und warum in die Preisvergabe eingegriffen hat.
2. Wim Wenders zieht seinen Film »Falsche Bewegung« vorerst zurück (spiegel.de)
Regisseur Wim Wenders ziehe seinen Film “Falsche Bewegung” nach der Kritik von Nastassja Kinski vorerst aus allen aktuellen Auswertungsformen zurück. Streaming-, TV- und Vertriebspartner sollen den Film nicht mehr öffentlich zugänglich machen. Der Grund für diesen Schritt sei eine Szene des Films von 1975, in der die damals 13-jährige Kinski mit nacktem Oberkörper zu sehen ist und deren Entfernung sie seit Jahren fordert. Wenders habe Kinski nun ausdrücklich “ohne Wenn und Aber” um Entschuldigung gebeten und erklärt, sie hätte damals besser geschützt werden müssen. Der Film solle erst wieder freigegeben werden, wenn es eine breitere Debatte über den Umgang mit problematischem Filmerbe und eine einvernehmliche Lösung mit Kinski gebe.
3. WDR-Rundfunkrat stimmt Reform der jungen Wellen mit knapper Mehrheit zu (radiowoche.de, Stephan Munder)
Der WDR-Rundfunkrat habe der umstrittenen Reform der jungen Radiowellen knapp zugestimmt. Kontrovers sei die Umwandlung des Senders Cosmo in 1Live Street, das sich künftig mit der weltweiten Hip-Hop-Kultur beschäftigen und so eine urbane, diverse Zielgruppe zwischen 20 und 29 Jahren ansprechen solle. Kritiker würden fürchten, dass der WDR damit den interkulturellen Auftrag von Cosmo verengt und ältere Hörerinnen und Hörer mit internationaler Biografie verliert.
Weiterer Lesetipp: Beim “Tagesspiegel” kommentiert Nadine Lange: “Die Cosmo-Einstellung sendet das fatale Signal, dass das Thema Vielfalt in Zeiten klammer Kassen hinten angestellt werden kann. Das ist ein kolossaler Irrtum, denn die Diversität der deutschen Gesellschaft nimmt immer weiter zu. Dem muss ein öffentlich-rechtliches Radioprogramm wahrnehmbar Rechnung tragen – und sich nicht schnöde verkrümeln, wenn der Wind immer strammer von rechts weht.”
4. Medien verlieren zig Millionen Klicks durch die KI-Suche (medientage.de, Petra Schwegler)
Petra Schwegler beschreibt, wie KI-Suchergebnisse den Traffic deutscher Medien massiv verändern. Durch Googles AI Overviews und andere Antwortmaschinen wie SearchGPT oder Perplexity würden Nutzerinnen und Nutzer immer häufiger direkte Antworten erhalten, ohne zusätzlich auf journalistische Websites zu klicken. Deutsche Internetseiten verlören monatlich rund 250 Millionen Klicks. Besonders betroffen seien Wikipedia, Gesundheitsseiten und Ratgeberangebote. Schwegler ordnet diese Entwicklung als strukturelles Medienproblem ein: Plattformen würden von journalistischen Inhalten profitieren, entzögen ihnen aber Reichweite und Werbegeld.
5. Sachsen will Politikerbeleidigung abschaffen (lto.de)
“Legal Tribune Online” berichtet über einen Vorstoß aus Sachsen, den Straftatbestand der Politikerbeleidigung nach § 188 StGB (“Gegen Personen des politischen Lebens gerichtete Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung”) abzuschaffen oder deutlich zu begrenzen. Justizministerin Constanze Geiert halte einen besonderen strafrechtlichen Schutz für Politikerinnen und Politiker nicht für nötig und warne, dass politische Polemik nicht uferlos kriminalisiert werden dürfe. Hintergrund seien jüngste Verfahren wegen Bezeichnungen wie “Lackaffe” und “Lügenfritz” über Friedrich Merz oder das “Schwachkopf”-Meme gegen Robert Habeck. Sachsen wolle die Justizministerkonferenz auffordern, nicht nur § 188 StGB, sondern die Beleidigungsdelikte insgesamt zu reformieren.
7. CDU-Politiker lassen Gastbeitrag in der Welt von KI schreiben (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 5:15 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Der “6-vor-9”-Kurator kritisiert den mutmaßlich KI-generierten “Welt”-Gastbeitrag der CDU-Ministerpräsidenten Mario Voigt und Sven Schulze zur deutschsprachigen Musik im Radio. Er macht dies an typischen KI-Stilmerkmalen fest: bedeutungsschwere Dreierformeln, Negationssätze nach dem Muster “Es ist nicht X. Es ist Y.” und das pathetische Kurzsatz-Finale. Die eigentliche Pointe: Zwei Politiker fordern mehr Wertschätzung für deutsche Stimmen und Sprache, liefern aber offenbar einen Text ohne erkennbare eigene Stimme.
1. Kleistern gegen die Bedeutungslosigkeit (taz.de, Hanno Fleckenstein)
Die “taz” berichtet über eine Werbekampagne des rechten Krawallportals “Nius” in Berliner U-Bahnen, die online Kritik und eine Petition ausgelöst habe. “taz”-Autor Hanno Fleckenstein ordnet die Werbekampagne als Versuch ein, mangelnde Reichweite zu kompensieren: “Nius” habe laut Branchendaten deutlich sinkende Klickzahlen, schreibe rote Zahlen und sei stark von Geldgeber Frank Gotthardt abhängig.
2. Gesetz gegen Einschüchterungsklagen: SLAPPS (verdi.de)
Die Gewerkschaft Verdi wirbt für ein wirksames deutsches Gesetz gegen SLAPPs, also Einschüchterungsklagen gegen Journalistinnen, Journalisten und andere kritische Stimmen. Zwar habe die EU ihre Mitgliedstaaten verpflichtet, gegen derartige missbräuchlichen Klagen vorzugehen, der deutsche Gesetzentwurf sei jedoch so stark abgeschwächt worden, dass er kaum noch Schutz biete. Verdi ruft deshalb zu einer Aktion auf: “Schreib Deinen Wahlkreisabgeordneten von CDU/CSU, um sie umzustimmen. Nur, wenn möglichst viele Unions-Abgeordnete das Problem anerkennen, kann ein wirksames Gesetz gegen SLAPPs kommen. Mach mit!” (Musterbrief)
3. Wolfram Weimer: “Die Flut, die da kommt, wird alle Boote heben” (dwdl.de, Thomas Lückerath)
Im Interview mit “DWDL” verteidigt Kulturstaatsminister Wolfram Weimer die neue Investitionsverpflichtung für Mediendienste als großen Schub für den Produktionsstandort Deutschland. Neben 250 Millionen Euro Bundesfilmförderung sollen Streamer, private Sendergruppen und Öffentlich-Rechtliche künftig stärker verpflichtet werden, in deutsche Produktionen zu investieren. Weimer erwartet bis zu 15 Milliarden Euro an Investitionen in fünf Jahren und spricht von einem “Filmbooster”. Teils offene Fragen bleiben bei der tatsächlichen Wirkung der Quoten, möglichen Ausweichstrategien internationaler Anbieter und der Durchsetzung bei Nichterfüllung.
4. Sozialverband reicht Programmbeschwerde gegen ZDF-Dokumentation ein (medien.epd.de)
Der Verein Sanktionsfrei habe Programmbeschwerde gegen die ZDF-Dokumentation “Am Puls mit Sarah Tacke – System Bürgergeld: Leben ohne Leistung?” eingereicht. Die vor zwei Wochen ausgestrahlte Sendung arbeite wiederholt mit außergewöhnlichen Einzelfällen, ohne diese ausreichend statistisch einzuordnen, und erwecke so den Eindruck, Sozialleistungsbetrug sei weit verbreitet. Sozialverbände, Armutsforschung oder die Bundesagentur für Arbeit kämen kaum zu Wort. Helena Steinhaus, Gründerin von Sanktionsfrei, kritisiert: “Gerade öffentlich-rechtliche Formate tragen eine besondere Verantwortung, gesellschaftlich sensible Themen faktenbasiert und differenziert darzustellen.”
5. Meta startet kostenpflichtige Plus-Modelle (spiegel.de)
Der Social-Media-Konzern Meta führe weltweit kostenpflichtige Plus-Modelle für Instagram, Facebook und WhatsApp ein. Die Abos sollen Zusatzfunktionen bieten, etwa bessere Statistiken, Story-Analysen, Profilanpassungen, Premium-Sticker und individuelle Klingeltöne. Konkrete Preise nenne Meta noch nicht. Verschiedene Medien würden von etwa 3,99 Dollar monatlich für Instagram Plus und Facebook Plus sowie 2,99 Dollar für WhatsApp Plus berichten. Ziel sei offenbar, zusätzliche Einnahmequellen neben Werbung aufzubauen.
6. Wie “Germany’s Next Topmodel” ein Exempel statuierte (rhein-zeitung.de, Celina de Cuveland)
Celina de Cuveland erklärt anhand einer Erfahrung beim Finale von “Germany’s Next Topmodel” 2017, warum journalistische Absprachen wie Sperrfristen wichtig seien. Damals hätten Medien Ergebnisse der Liveshow wegen einer technischen Verzögerung erst mit einigen Minuten Versatz veröffentlichen dürfen. Eine Kollegin habe diese Absprache gebrochen und sei sofort aus der Veranstaltungshalle begleitet worden. De Cuvelands Fazit: “Wenn wir als Journalisten uns bewusst nicht an Absprachen halten, sollte das einen triftigen Grund haben oder das öffentliche Interesse sollte die Entscheidung rechtfertigen. Das hat nichts mit Angst oder Einflussnahme zu tun – sondern vielmehr mit Fairness, die in unserem Beruf relevant ist.”
7. Hitzeberichte ohne Hinweis auf die Klimakrise? (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:23 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kritisiert der “6-vor-9”-Kurator, dass ARD und ZDF über die aktuelle Hitzewelle in Westeuropa ausführlich berichten, sie aber laut der Initiative “Klima vor acht” nicht als Folge der Klimakrise einordnen würden. Wenn Medien die Klimakrise aus der Berichterstattung ausblenden, erleichtere dies der Politik den Weg, die Klimaziele aufzuweichen.
1. Verleger Holger Friedrich spricht bei “Demokratiekongress” der AfD (volksverpetzer.de, Matthias Meisner)
Matthias Meisner kritisiert, dass Verleger Holger Friedrich beim geplanten “Demokratiekongress” der AfD im Bundestag auftreten will. Meisner ordnet dies als weiteren Beleg dafür ein, dass Friedrichs “Ostdeutsche Allgemeine” rechtsextreme und rechtsradikale Akteure hofiere. Experten sähen Friedrichs Teilnahme an dem Kongress nicht als Debattenbeitrag, sondern als problematische Normalisierung demokratiefeindlicher Kräfte.
2. “Desinformation gefährdet Leben” (verdi.de, Till Schmidt)
Im Interview blickt Johannes Hillje auf den medialen Umgang mit der AfD, konkret auf das SWR-Triell mit Markus Frohnmaier (AfD), Cem Özdemir (Grüne) und Manuel Hagel (CDU). Die Konstellation habe der AfD geholfen, sich als Gegenpol zu “allen anderen” zu inszenieren, statt die Unterschiede zwischen den möglichen Ministerpräsidenten herauszuarbeiten. Hillje plädiert dafür, die AfD nicht pauschal auszuschließen, sie aber auch nicht wie eine normale Partei zu behandeln.
3. Wie geht Innovation im Lokaljournalismus? (medientage.de, Petra Schwegler)
Petra Schwegler gibt einen Überblick über Innovationen im Lokaljournalismus und nennt drei zentrale Entwicklungen: den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Redaktion, Produktion und Distribution, neue Modelle für Community, Finanzierung und Vertrauen sowie die Frage, wie Lokalmedien ihre Rolle als demokratische Infrastruktur sichern können. Lokale Medien würden nicht allein durch mehr Inhalte zukunftsfähig, sondern bräuchten bessere Werkzeuge und stärkere Communities.
4. Was KI mit dem Journalismus macht: Zwischen Effizienz, Entmündigung und Reichweitenverlust (ardsounds.de, Jonathan Schulenburg, Audio: 28:50 Minuten)
Im Podcast “BR24 Medien” geht es um die Frage, wie KI den Journalismus verändert: als Werkzeug für effizientere Redaktionsarbeit, aber auch als Machtfrage. Auf der re:publica hätten Expertinnen und Experten darüber diskutiert, wer künftig die Informationsinfrastruktur kontrolliert, wer an journalistischen Inhalten verdient und wie Medien durch KI-Suchsysteme Reichweite und Refinanzierung verlieren. Christian Schiffer spricht von “KI-Kapitalismus”, Matthias Spielkamp kritisiert Googles KI-Übersichten als unfairen Deal zulasten der Verlage.
5. Newsletter Netzwerk Recherche 257 (netzwerkrecherche.org, Lena Wrba & Barbara Junge)
Der Newsletter des Netzwerk Recherche blickt auf das bevorstehende Jahrestreffen NR26 in Hamburg sowie auf das 25-jährige Bestehen des Vereins. Im Mittelpunkt stehen die Rolle von investigativem Journalismus, Lokaljournalismus, Datenjournalismus und Klimajournalismus in einer angespannten politischen und medialen Lage. Außerdem bündelt der Newsletter viele Hinweise zu Rechercheförderung, Pressefreiheit, Informationsfreiheit, lokalen Recherchen, internationalen Projekten, Preisen, Stipendien und Weiterbildungen.
6. 70 Jahre Apotheken Umschau: Hochwertige Fachinformationen für alle (dfjv.de, Ulrike Bremm)
Dennis Ballwieser, Chefredakteur der “Apotheken Umschau”, erzählt im Interview, wie sich das Magazin zum 70-jährigen Bestehen als modernes Gesundheitsmedium neu positioniert hat. Ballwieser betont den Anspruch, geprüfte medizinische Informationen verständlich und alltagsnah zu vermitteln, damit Patientinnen und Patienten besser mit Ärztinnen und Ärzten, Apothekerinnen und Apothekern sprechen können. Weitere Themen sind die stärkere Ausrichtung auf Frauengesundheit, einfache Sprache, digitale Kanäle und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz.
1. “Wir sollten nicht fürchten müssen, vor den Bus geschubst zu werden” (netzpolitik.org, Chris Köver)
Im Interview mit netzpolitik.org schildert Josephine Ballon von der Organisation HateAid, welche Folgen das von den USA verhängte Einreiseverbot gegen sie und ihre Co-Geschäftsführerin habe. Das US-Außenministerium werfe ihnen Zensur gegen US-Plattformen vor, obwohl HateAid als Trusted Flagger offiziell im Rahmen des europäischen Digital Services Act (DSA) arbeite. Ballon fordert mehr praktische Unterstützung durch Bundesregierung und EU sowie eine entschiedene Durchsetzung des DSA gegenüber großen Plattformen.
2. Wird die Klimakrise plötzlich doch nicht so schlimm? (bsky.app, Lobbycontrol)
Auf Bluesky fragt der Verein Lobbycontrol in einem Erklärthread: “Wird die Klimakrise plötzlich doch nicht so schlimm? Genau diesen Eindruck erweckt derzeit eine Kampagne, die mit verzerrten Darstellungen in die Irre führt. Und wieder mit dabei: WELT-Redakteur Axel Bojanowki und die frühere CDU-Politikerin Kristina Schröder.”
3. Katapult MV: Die Stimme für den Norden (verdi.de, Claudia Krieg)
Patrick Hinz, Chefredakteur von “Katapult MV”, beschreibt das Regionalmedium als kritische Ergänzung zur dünnen Medienlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Im Fokus stehe besonders die AfD, deren kommunale Strukturen und Wahlkampfversprechen man datenjournalistisch einordnen wolle. Hinz kritisiert, dass viele lokale Medien zu unkritisch über die AfD berichten würden und so zu deren Stärke beitrügen.
4. Achtung, Influencer: Wann sind öffentliche Aufnahmen rechtskonform? (dwdl.de, Simon Pycha)
Simon Pycha erklärt, wann öffentliche Aufnahmen für Social Media, TV oder Radio rechtlich zulässig sind. Anlass sind Influencer-Formate wie “Streichbruder”, bei denen fremde Menschen in Zügen oder auf der Straße ungefragt Teil von Videos würden. Der Text macht deutlich: Sobald Privatpersonen erkennbar im Mittelpunkt stehen oder aktiv einbezogen werden, braucht es in der Regel eine Einwilligung.
5. Demokratieförderung 3.0 (npj.news, Leif Kramp)
Leif Kramp argumentiert in seinem Text, dass Journalismus stärker als Teil der Demokratieförderung verstanden werden müsse. Programme wie “Demokratie leben!” würden zwar Bildung, Beteiligung und Extremismusprävention fördern, aber weitgehend ausblenden, dass Demokratie auch eine funktionierende lokale Öffentlichkeit brauche. Angesichts schrumpfender Lokalmedien und wachsender “Nachrichtenwüsten” plädiert Kramp dafür, Journalismus, Stadtentwicklung, Bürgerbeteiligung und digitale Plattformen gemeinsam als “kommunikative Infrastruktur” zu fördern.
6. Wie mich der Eurovision Song Contest kaufen wollte (taz.de, Anastasia Zejneli)
Anastasia Zejneli schildert selbstironisch, wie schwer beim Eurovision Song Contest (ESC) in Wien die Grenze zwischen Berichterstattung, Fan-Kultur und PR zu ziehen gewesen sei. Akkreditierte Journalistinnen und Journalisten hätten ein umfangreiches Gratis-Rahmenprogramm, Goodiebags, Sightseeing-Angebote und Einladungen bekommen: “Mehr als eine Woche lang könnte man sich theoretisch von morgens bis abends mit exklusivem ESC-Programm und dem normalen Sightseeing (alle Museumseintritte, Riesenrad fahren und Hop-on-Hop-off-Bus) kostenlos beschäftigen.”
1. Weimer macht genau das, wofür er ins Amt berufen wurde (taz.de, Pauline Jäckels)
In der “taz” kommentiert Pauline Jäckels das Vorgehen des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer: “Weimer mag an der ein oder anderen Stelle wie ein Stümper gehandelt haben – aber er erreicht, was ganz im Sinne der Merz-Regierung ist: Trotz Widerstand der Kulturschaffenden werden all jene Institutionen, die von staatlichen Geldern abhängig sind, künftig genau abwägen, wie sie sich äußern. Etwa, ob sie sich bei kritischen Themen offen gegen die Politik der Bundesregierung stellen. Jede neue Weimer-Schlagzeile befördert Selbstzensur. Man nennt das ‘Chilling Effect’. Dafür reicht schon das ständige Androhen von Sanktionen.”
2. Kulturförderung unter rechten Bedingungen (verdi.de, Gisela Wehrl)
Kulturstaatsminister Weimer werde weiterhin für den Ausschluss von drei Buchläden vom Buchhandlungspreis wegen angeblicher “verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse” kritisiert. Auf der Leipziger Buchmesse hätten Branchenvertreter große Solidarität mit den betroffenen Läden geäußert und vor politischer Einflussnahme sowie einer drohenden “Schere im Kopf” im gesamten Kulturbetrieb gewarnt. Der Vorfall werde von Kritikerinnen und Kritikern als Teil eines größeren konservativen Kulturkampfes gewertet, der zunehmend auch andere Bildungs- und Demokratieprojekte bedrohe.
3. Autokratie leben! (mdr.de, René Martens)
René Martens behandelt in seiner Kolumne die kontroverse Entscheidung von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU), die Fördermittel für 200 zivilgesellschaftliche Projekte des Programms “Demokratie leben!” zu streichen. Er kritisiert die offizielle Begründung der mangelnden Wirksamkeit als haltlos. Es handele sich um eine gezielte politische Agenda gegen vermeintlich “linksaktivistische” Organisationen wie HateAid, “Correctiv” oder die Amadeu Antonio Stiftung. Martens zeigt zudem auf, wie diese Entscheidung durch vorangegangene, teils fehlerhafte Medienberichterstattung, insbesondere durch die “Welt”, befeuert und legitimiert worden sei.
4. Presserat rügt “Jüdische Allgemeine” wegen Vorverurteilung (evangelische-zeitung.de)
Der Deutsche Presserat habe insgesamt 19 Rügen an verschiedene deutsche Medienhäuser ausgesprochen. Eine Rüge sei an die “Jüdische Allgemeine” gegangen, die einen im Gazastreifen getöteten Al-Dschasira-Journalisten ohne eigene objektive Belege als Terroristen vorverurteilt und damit dessen Ehre verletzt habe. Daneben listet der Text zahlreiche weitere journalistische Fehltritte auf. Dazu gehören ein als echter Erfahrungsbericht getarnter KI-Artikel bei “Business Insider”, unzulässige Identifizierungen durch die “Bild”-Medien sowie falsche oder ehrverletzende Behauptungen in Titeln der Ippen-Gruppe.
5. Bericht von der 233. Sitzung des MDR-Rundfunkrat (flurfunk-dresden.de, Peter Stawowy)
Peter Stawowy berichtet von der vergangenen Sitzung des MDR-Rundfunkrats. Dort sei es um die massiven finanziellen und strukturellen Herausforderungen des öffentlich-rechtlichen Senders gegangen. Die Sparzwänge würden intern zu großen Spannungen führen, da es bereits einen Einstellungsstopp gebe und vor allem freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über drastische, unangekündigte Auftragsrückgänge klagen würden. Zu den weiteren Schwerpunkten der Sitzung hätten die bevorstehende Zusammenlegung von Programmdirektionen, die Umwandlung der “Schlagerwelt” in ein reines Webradio sowie der vom MDR initiierte “Leipziger Appell” zur Verteidigung der Medienfreiheit gehört.
6. ARD Kultur sucht KI-Formate für “neue Perspektiven” (dwdl.de, Alexander Krei)
Die digitale Kulturplattform ARD Kultur habe eine Ausschreibung für innovative, non-fiktionale Medienformate gestartet, die Künstliche Intelligenz kreativ in der Produktion einsetzen. Gesucht würden Video- und Audioprojekte für die ARD Mediathek und ARD Sounds, die kulturelle Themen für die Zielgruppe der 20- bis 49-Jährigen aus neuen und gesellschaftsrelevanten Perspektiven erzählen. Medienschaffende, Podcaster und junge Talente mit nachweisbarer KI-Erfahrung könnten ihre Konzepte noch bis Ende Mai einreichen.
1. Buhrufe für Weimer bei Buchmesse-Eröffnung (tagesschau.de)
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sei bei seiner Eröffnungsrede auf der Leipziger Buchmesse vom Publikum lautstark ausgebuht, sein Auftritt von massiven Protesten vor dem Gebäude begleitet worden. Grund dafür sei sein umstrittener Ausschluss dreier linker Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis aufgrund geheimer Erkenntnisse des Verfassungsschutzes. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels habe gewarnt, die Branche lasse sich durch solche politischen Interventionen weder einschüchtern noch spalten.
2. Abstreiten, angreifen, ablenken (taz.de, Timm Kühn)
Berlins Bürgermeister Kai Wegner (CDU) drohe dem “Tagesspiegel” mit einer Klage, nachdem die Redaktion gravierende Widersprüche bei Wegners Krisenmanagement während eines großen Stromausfalls nach einem Brandanschlag aufgedeckt habe (beim “Tagesspiegel” nur mit Abo lesbar). Wegner habe seinen umstrittenen Ausflug auf den Tennisplatz zunächst mit vielen intensiven Telefonaten am Vormittag gerechtfertigt, was die vom “Tagesspiegel” per Klage erstrittenen Dokumente der Senatskanzlei jedoch widerlegt hätten. “taz”-Redakteur Timm Kühn hält die Klageandrohung für ein gezieltes, populistisches Ablenkungsmanöver.
3. Wer auftaucht, ist von Interesse (lto.de, Felix W. Zimmermann)
Das Landgericht Frankfurt am Main habe einen Unterlassungsantrag der deutschen Unternehmerin Nicole Junkermann abgewiesen und damit entschieden, dass Medien des Axel-Springer-Verlags rechtmäßig über Junkermanns Kontakte zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein berichten durften. Felix W. Zimmermann kommentiert: “Nicht jede private Kommunikation mit Epstein ist von überwiegendem öffentlichem Interesse – fraglos aber jene, die zeigt, wie Personen in Epsteins Netzwerk seine Taten relativieren, verharmlosen oder unterstützen und Einblicke in Strukturen, Mechanismen und Verantwortlichkeiten eines solchen Machtgefüges ermöglicht.”
Weiterer Lesetipp: Gericht weist Lilly Beckers Klage gegen Springer-Verlag ab: “Lilly Becker warf »Bild«-Unterhaltungschefin Tanja May Vertragsbruch vor und zog vor Gericht. Nun wurde Ihre Forderung nach einer Vertragsstrafe abgelehnt.” (spiegel.de)
4. “Wir erklären, warum Medien die Fehler machen, die sie machen” (dfjv.de, Gunter Becker)
Gunter Becker hat sich mit Alexander Graf unterhalten, dem Chefredakteur und Geschäftsführer des Medienmagazins “Übermedien”. Anlass des Gesprächs ist das zehnjährige Bestehen des Onlinemagazins. Graf erklärt im Gespräch die grundlegende Philosophie von “Übermedien”: Man verstehe sich nicht als reines Branchenblatt für Medienschaffende, sondern wolle in erster Linie dem normalen Publikum erklären, wie Medien funktionieren und warum dort regelmäßig Fehler passieren.
Weiterer Lesetipp: Bei “turi2” hat Björn Czieslik mit Frederik von Castell, dem Chefredakteur des “medium magazins”, über die umfassende strategische Neuausrichtung des Fachblatts gesprochen. Die Publikation wandle sich zum Digitalmedium: “Als ich 2024 beim ‘medium magazin’ losgelegt habe, wussten wir auch alle: Wir wollen viel mehr sein. Es passt nicht mehr zu den Wünschen unserer Abonnentinnen und Abonnenten, zu unserem Anspruch als Redaktion, alle zwei, drei Monate zu erscheinen.” (turi2.de)
5. POP: Sechs europäische Organisationen bündeln Kräfte gegen Desinformation (correctiv.org)
Sechs europäische Organisationen, darunter die Redaktion von “Correctiv”, hätten das EU-finanzierte Projekt “POP” ins Leben gerufen, um die Medienkompetenz in ländlichen Regionen sowie bei älteren Menschen in Deutschland, Italien, Kroatien und Spanien gezielt zu stärken. Hintergrund sei die wachsende Gefahr durch Desinformation und KI-Fakes. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, plane die Initiative ab dem Frühjahr 2027 in europaweit 20 ländlichen Regionen zweitägige Pop-Up-Events.
6. Der größte Scam Deutschlands (den alle ignorieren) (youtube.com, Mats Schönauer, Video: 27:24 Minuten)
Mats Schönauer hat sich einer bemerkenswert großen Herausforderung gestellt: “Seit Jahrzehnten verdienen sie Milliarden damit, die Privatsphäre von Menschen zu verletzen und gutgläubige Leserinnen zu betrügen: die bunten Blätter der Klatschpresse. Ich habe ALLE Titelseiten der deutschen Yellow Press eines ganzen Jahres analysiert – 5.000 Schlagzeilen über 830 Prominente.”
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.
7. Reuters enthüllt Banksys Identität (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:33 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator die “Enttarnung” des Künstlers Banksy durch eine Reuters-Recherche: “Die Frage ist doch: Was genau gewinnt irgendjemand, wenn er den bürgerlichen Namen von Banksy kennt? Versteht man dann seine Kunst besser? Nein. Wird die Welt informierter? Nein. Das Einzige, was passiert: Ein Mann, der mächtige Leute kritisiert – Diktatoren, Kriegstreiber, Konzerne -, dieser Mann ist jetzt identifizierbar.”
1. Nazi-Propaganda verkauft: Razzien gegen rechtsextremen Verlag “Schelm” (rbb24.de, Leonie Lemberg)
Nach Recherchen von rbb24 seien bei europaweiten Razzien in Deutschland, Polen und Spanien die mutmaßlichen Betreiber des rechtsextremen Verlags “Der Schelm” ins Visier der Justiz geraten. Das konspirative Netzwerk um den nach Moskau geflüchteten Hauptbeschuldigten soll in den vergangenen Jahren systematisch verbotene NS-Schriften und antisemitische Propagandawerke vervielfältigt und vertrieben haben. Brisant sei die Tatsache, dass sich unter den mehr als 11.000 identifizierten Kundinnen und Kunden auffällig viele Menschen aus der bürgerlichen Mitte befänden.
2. Warum “Nius” in der Bundespressekonferenz nichts zu suchen hat! (volksverpetzer.de, Matthias Meisner)
Matthias Meisner kritisiert den geplanten Beitritt der stellvertretenden “Nius”-Chefredakteurin Pauline Voss in die Bundespressekonferenz. Das rechtspopulistische Portal falle regelmäßig durch Desinformation, gezielte Kampagnen und rechte Hetze auf. Um sich nicht länger von antidemokratischen und verschwörungsideologischen Akteuren als Bühne missbrauchen zu lassen, müsse der Verein eine klare rote Linie ziehen und solche Mitgliedschaften konsequent verhindern, so Meisner: “Es geht darum, die Bundespressekonferenz vor Desinformation zu schützen, sie letztlich zu retten. Wie diese Forderung umzusetzen ist, muss der Verein rasch diskutieren.”
3. Deutsche Journalistin in Syrien spurlos verschwunden (spiegel.de)
Die deutsche Journalistin Eva Maria Michelmann werde seit Januar in Syrien vermisst, nachdem sie dort mutmaßlich von Regierungstruppen festgenommen worden sei. Dies hätten Michelmanns Familie sowie die Gewerkschaft Verdi nun öffentlich gemacht und dabei große Sorge um das Leben der Reporterin sowie ihres ebenfalls verschwundenen türkischen Kollegen geäußert. Es sei zu befürchten, dass Michelmann in informeller Gefangenschaft gehalten werde oder getötet worden sein könnte.
4. ORF bleibt nach Weißmanns Rücktritt in Aufruhr (dwdl.de, Alexander Krei)
Nach dem Rücktritt des ORF-Chefs Roland Weißmann sei ein offener Streit über die wahren Hintergründe seines Abgangs entbrannt. Der ORF-Stiftungsratsvorsitzende betone zwar, Weißmann habe sein Amt aus Mangel an Alternativen freiwillig niedergelegt; dessen Anwalt widerspreche dieser Darstellung jedoch vehement. Sein Mandant sei vom Gremium massiv zum Rücktritt gedrängt worden, noch bevor die im Raum stehenden Vorwürfe der sexuellen Belästigung überhaupt geprüft worden seien.
5. “Zunehmende Verrohung der Plattform”: Süddeutsche Zeitung verlässt X (deutschlandfunk.de)
Die “Süddeutsche Zeitung” (“SZ”) hat ihren Rückzug von der Social-Media-Plattform X (vormals Twitter) verkündet und den Betrieb ihres dortigen Kanals mit sofortiger Wirkung eingestellt. Auf X schreibt sie dazu: “Aus unserer Sicht macht die zunehmende Verrohung der Plattform einen konstruktiven öffentlichen Dialog nicht mehr möglich.”
Anmerkung des “6-vor-9”-Kurators: Es wirkt schon fast etwas putzig, dass der “SZ” diese toxische Verrohung erst jetzt, nach Jahren des stetigen Niedergangs, auffällt. Zudem entbehrt die Klage über den unmöglich gewordenen Dialog nicht einer gewissen Ironie, wie in Kommentaren auf X angemerkt wird. In der Praxis habe die Redaktion die Plattform fast ausschließlich als einseitiges Verlautbarungsorgan genutzt, um eigene Beiträge anzuteasern, anstatt sich dort auf einen echten Austausch einzulassen.
6. Ein weiterer Beinahe-Skandal (lto.de, Max Kolter)
Max Kolter kommentiert die inzwischen wieder eingestellten polizeilichen Ermittlungen gegen den Kolumnisten Jan Fleischhauer. Der Vorfall sei zwar kein Justizskandal, aber dennoch problematisch. Fleischhauer habe eine verbotene Nazi-Parole lediglich satirisch genutzt, das zuständige Strafgesetz kenne hierbei jedoch schlichtweg keinen Humor. Kolter rät der Polizei deshalb, in Zweifelsfällen vorab einfach kurz bei der Staatsanwaltschaft anzurufen.
7. Gab es im Wahlkampf eine “Schmutzkampagne” gegen die CDU? (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:12 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator den Vorwurf der CDU, die baden-württembergischen Grünen hätten durch das Teilen eines für den CDU-Spitzenkandidaten nachteiligen Videos im Wahlkampf eine “Schmutzkampagne” betrieben. Aus medienkritischer Sicht sei die Verbreitung eines echten und frei zugänglichen Originalzitats im Wahlkampf jedoch keinesfalls mit koordinierten Verleumdungen oder Deepfakes gleichzusetzen. Der angebliche “Schmutz” stecke in diesem Fall nicht in der Verbreitung der Aufnahmen, sondern einzig und allein im Inhalt des Originalvideos selbst.
1. Berliner Landesregierung will Informationsfreiheit beschneiden (netzpolitik.org, Markus Reuter)
Die schwarz-rote Landesregierung in Berlin plane, das Informationsfreiheitsgesetz massiv einzuschränken, was dem eigenen Koalitionsvertrag (PDF) widerspreche. Einem neuen Gesetzentwurf (PDF) zufolge dürften amtliche Dokumente künftig unter Verschluss bleiben, wenn sie kritische Infrastrukturen beträfen oder in direktem Zusammenhang mit laufenden beziehungsweise geplanten Ermittlungsverfahren stünden. Arne Semsrott von der Initiative “FragDenStaat” kritisiere dieses Vorhaben scharf. Die Koalition wolle durch solche Ausnahmeregelungen offensichtlich die Aufdeckung politischer Affären behindern und sich einer demokratischen Kontrolle entziehen.
2. Neugierige Journalisten verhaftet (taz.de, Wolf Wittenfeld)
In der Türkei seien drei Journalisten inhaftiert worden, nachdem sie im Auftrag einer unabhängigen Nachrichtenagentur Filmaufnahmen vom US-Luftwaffenstützpunkt İncirlik gemacht hätten. Die Festnahmen gälten offenbar als gezielte Abschreckungsmaßnahme der Regierung Erdoğan. Der türkische Präsident wolle angesichts der hochsensiblen diplomatischen Lage in Zusammenhang mit US-Präsident Donald Trump sowie drohender wirtschaftlicher Kriegsfolgen die absolute Kontrolle über die Berichterstattung im Land behalten.
3. “Es stellt sich eine gewisse Ermüdung ein. Von der Nachrichtenflut, der Bilderflut, der Videoflut” (journalist.de, Catalina Schröder)
Die “funk”-Journalistin und ZDF-Moderatorin Victoria Reichelt beobachtet bei vielen Menschen eine zunehmende Ermüdung durch die allgegenwärtige Nachrichten- und Bilderflut. In der extremen Marktmacht der Plattformen und den aktuellen politischen Eskalationen sieht sie eine große Chance für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Dieser könne gerade in Krisenzeiten eine verlässliche Orientierung bieten. Um junge Zielgruppen digital zu erreichen, plädiert Reichelt in diesem Interview für einen emotionaleren und agileren Politikjournalismus.
4. Wie “Kidfluencer” in Sozialen Medien ausgebeutet werden (tagesschau.de, Severine Naeve)
Severine Naeve beschäftigt sich bei tagesschau.de mit dam Phänomen, dass Eltern ihre Kinder als sogenannte “Kidfluencer” auf Social Media vermarkten. Die Kinderrechtsaktivistin Sara Flieder warne eindringlich vor den unabsehbaren Folgen dieser unregulierten digitalen Kinderarbeit und betone, dass selbst vermeintlich harmlose Alltagsbilder im Netz regelmäßig von der Pädophilenszene missbraucht würden.
5. ARD gibt Einblick in Arbeitsweise der eigenen News-Teams (dwdl.de, Timo Niemeier)
Die ARD veranstalte am 19. März einen bundesweiten “Nachrichtentag”, um der Öffentlichkeit Einblicke hinter die Kulissen ihrer Nachrichtenproduktion zu geben. Die verschiedenen Landesrundfunkanstalten böten dabei ein vielfältiges Programm für unterschiedliche Zielgruppen an, das von Redaktionsführungen und Instagram-Livestreams bis hin zu interaktiven Workshops reiche, in denen die Besucherinnen und Besucher Einblicke in die News-Gestaltung erhalten könnten.
6. Germany’s Next Flopmodel – Wie sich GNTM selbst zerstört hat (youtube.com, Sashka, Video: 15:33 Minuten)
In ihrem aktuellen Video kritisiert die YouTuberin “Sashka”, dass die angebliche Neuausrichtung von “Germany’s Next Topmodel” (“GNTM”) hin zu mehr Diversität und Body Positivity lediglich eine heuchlerische PR-Fassade sei. Im Kern basiere die Sendung weiterhin auf einem toxischen Machtgefälle sowie der bewussten Bloßstellung unerfahrener Kandidatinnen. Echte internationale Modelkarrieren nach der “GNTM”-Teilnahme seien die absolute Ausnahme. Das Format diene primär dazu, neues Personal für diverse Trash-TV-Sendungen und Influencer-Karrieren zu produzieren.