Suchergebnisse für ‘CDU’

Querdenkende Querschläger, TikToks Bytedance mit Amthor, MTV wird 40

1. Geschlagen und getreten
(taz.de, Volkan Ağar)
Jörg Reichel, ein Landesgeschäftsführer der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union, ist bei der (eigentlich verbotenen) “Querdenken”-Demo in Berlin angegriffen und verletzt worden. Reichel sei laut Angaben der Gewerkschaft seit Monaten von Personen aus der “Querdenken”-Szene diffamiert und bedroht worden, sein Name und Foto hätten in einschlägigen Telegram-Kanälen kursiert: “Jörg hat sich davon nicht einschüchtern lassen und weitergemacht. Er hat zahllose Journalistinnen und Journalisten, die von diesen Demos berichten, unterstützt und sich dafür eingesetzt, dass sie sicher arbeiten können. Für dieses Engagement als Gewerkschafter ist er nun selbst offenbar gezielt angegriffen worden.”

2. Tiktoks Ringen um Einfluss
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 8:58 Minuten)
Wie der “Spiegel” jüngst herausfand, lobbyiert die Videoplattform TikTok verstärkt in Deutschland, unter anderem beim CDU-Abgeordneten Philipp Amthor. Was steckt dahinter? Und welche Absichten verfolgt der chinesische Mutterkonzern Bytedance? Darüber hat sich der Deutschlandfunk mit Simon Hurtz unterhalten, einem der Köpfe des “Social Media Watchblogs”.

3. Nachrichten von ARD und ZDF: keine Olympia-Bilder in den Mediatheken
(rnd.de)
ARD und ZDF bieten online bis zu zehn parallele Olympia-Livestreams, doch Olympia-Bilder in den Nachrichtensendungen in den Mediatheken gibt es nicht zu sehen. Das sei eine Folge des Geoblockings, wie ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky erklärt. Die Olympia-Rechte der öffentlich-rechtlichen TV-Sender gälten nur in Deutschland.

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4. Die FAZ verkündet mehr als 180.000 Digitalabos – und erhöht die Gehälter
(kress.de, Marc Bartl)
Die “FAZ” zeigt sich zufrieden mit den aktuellen Geschäftszahlen. Diese hätten sowohl im Jahr 2020 als auch in den ersten Monaten des laufenden Jahres eine “erfreuliche Entwicklung” genommen. Im Unterschied zu anderen Medienhäusern hatten die Frankfurter keine Kurzarbeit wegen Corona angemeldet und würden jetzt nicht nur die Gehälter erhöhen, sondern auch eine Sonderprämie ausschütten.

5. Bundesregierung startet ressortübergreifende Suchmaschine
(sueddeutsche.de)
Die Staatsministerin für Digitalisierung Dorothee Bär will ein “Netzwerk für digitale Aufklärung” etablieren, das einen ressortübergreifenden Zugang zu Digitalthemen bieten soll. “Gerade bei Querschnittsthemen wie etwa der Digitalisierung, die die Zuständigkeit verschiedener Ressorts berühren, fehlte bislang eine zentrale Suche, mit der alle Informationsangebote angezeigt werden”, so die CSU-Politikerin zum Start des Projekts.

6. Musikfernweh
(faz.net, Axel Weidemann)
Der Musiksender MTV ist 40 Jahre alt geworden, und Axel Weidemann weiß nicht, ob er gratulieren oder lieber höflich schweigen soll: “Als Distinktionswerkzeug ist MTV unbrauchbar geworden, ein geschminkter Zombie, der – das Kinn in die Hände gestützt – am Grab seines deutschen Kollegen ‘Viva’ (1993 bis 2018) sitzt und darauf wartet, dass das Internet wieder abgestellt wird.”

“Bild”-Umfrage zeigt: So häufig antworteten Politiker “Bild”

Ein kleiner, aber durchaus wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer hohen Corona-Impfquote in Deutschland könnte das Impf-Verhalten von Politikerinnen und Politikern sein – im Sinne von: Wenn die den Impfstoffen vertrauen, dann kann ich das doch auch. Oder umgekehrt: Warum sollte ich mich impfen lassen, wenn die das nicht mal tun? Und so wollte die “Bild”-Redaktion wissen: “Wie sehr halten sich die Politiker an ihre eigenen Impf-Aufrufe an die Bürger?”

Screenshot Bild.de - Wie halten es eigentlich unsere Politiker? Das sind die Impf-Quoten der Bundestags-Parteien

“Bild” hat nach eigener Aussage bei allen 709 Mitgliedern des Bundestags nachgefragt, ob sie sich haben impfen lassen. Das Ergebnis:

Screenshot Bild.de - Grafik mit den Impfquoten - CDU/CSU 67 Prozent, SPD 86 Prozent, AfD 3 Prozent, FDP 81 Prozent, Linke 52 Porzent, Grüne 78 Prozent, Gesamt 64 Prozent

Auf den ersten Blick vermeintlich verblüffende Zahlen: Bei CDU/CSU, immerhin Teil der Regierung, die fürs Impfen wirbt, nur 67 Prozent? Die Linke fast zur Hälfte ungeimpft? Woher diese großen Unterschiede bei den verschiedenen Fraktionen? Und insgesamt gerade mal maue 64 Prozent? Erst nach dem zweiten dritten vielleicht vierten Blick, dem Lesen des Kleingedruckten, dem anschließenden Nachdenken über den Begriff “Mindestimpfquote” und dem erneuten Blick auf die Grafik wird klar: Die Impfbereitschaft der Parlamentarier dürfte deutlich höher sein.

Aber erstmal ein paar Erster-Blick-Reaktionen auf die “Bild”-Darstellung:

FDP und Linke überraschen. Bei FDP hätte ich mehr Gegner erwartet. Bei den Linken mehr Solidarität.

Und der mitläuferigste Mitläufer ist… Tatatataaaa

Die #SPD – what else…

Bestimmt alle von Dr. Tod aka #Lauterbach perrrsöönläch geömpft

Stolz auf @spdbt – Klasse!

Dafür habe ich mich einsperren lassen und alles mitgemacht? Dafür dass dann lauter Leute in für die Demokratie wichtigen Rollen sich dann nicht impfen lassen?

Das alles sind Reaktionen auf einen Twitter-Post von “Bild”-Redakteur Julian Röpcke, in dem er die oben gezeigte Grafik als Screenshot veröffentlichte. In alle möglichen Richtung wird sie falsch verstanden: Die SPD als eine Art Sieger der Umfrage (was sie nicht ist). Die Linke mit mangelnder Solidarität (was nicht stimmt). Die FDP mit deutlich höherer Impfbereitschaft als die meisten anderen Parteien (was man so nicht sagen kann). Und, wohl besonders gefährlich: Politikerinnen und Politiker als “Leute in für die Demokratie wichtigen Rollen”, die sich scheinbar “nicht impfen lassen” wollen.

Berechnet man die Impfquote jener Mitglieder des Bundestags, die auf die “Bild”-Anfrage geantwortet haben, liegt sie, mit Ausnahme der AfD, bei jeder Partei über 96 Prozent (Grüne – 98,7 Prozent, SPD – 97,7 Prozent, CDU/CSU – 97,1 Prozent, FDP – 96,4 Prozent, Linke 96,3 Prozent, AfD – 17,6 Prozent, Gesamt – 95,5 Prozent). Die “Bild”-Redaktion hat sich allerdings für eine andere Darstellung entschieden: Sie nimmt die Anzahl der Personen, die geantwortet haben, dass sie ein- oder zweimal geimpft sind, und teilt sie durch die Anzahl aller Mitglieder der jeweiligen Fraktion – womit sie auch die Fraktionsmitglieder einrechnet, die überhaupt nicht geantwortet haben, und bei denen man nicht sagen kann, ob sie geimpft sind oder nicht. Oder wie im Artikel erklärt wird:

Aus den Rückmeldungen errechnete BILD die “Mindest-Impfquote”, also die Quote, die sich aus den sicheren Impf-Bejahungen im Verhältnis zu allen Abgeordneten der Fraktionen im Bundestag ergibt.

Zur Verdeutlichung ein fiktives Beispiel: Fraktion X hat 100 Mitglieder, 40 antworten auf die “Bild”-Anfrage, 38 davon geben an, bereits ein- oder zweimal geimpft worden zu sein. In der “Bild”-Darstellung läge die “Mindestimpfquote” dieser Fraktion damit bei 38 Prozent. Man könnte aber auch sagen: In der Fraktion X sind 95 Prozent der Personen, die sich zurückgemeldet haben, nach eigener Aussage ein- oder zweimal geimpft worden.

So ist die “Bild”-Grafik vor allem eine Darstellung davon, welche Fraktion wie rege auf die “Bild”-Anfrage reagiert hat: Die SPD beispielsweise deutlich stärker als die Linke, die FDP stärker als die CDU/CSU. Nun kann es verschiedene Gründe haben, warum eine Politikerin oder ein Politiker nicht antwortet. Der einen mag die Angabe zur Impfung zu privat sein, der andere hat keine Lust, an einer “Bild”-Umfrage teilzunehmen. Trotzdem erklärt “Bild” die SPD zum “‘Impf-Sieger'” und schreibt: “Zwischen den Fraktionen gibt es jedoch extreme Unterschiede” – wobei der Unterschied, wie gesagt, vor allem darin besteht, ob die verschiedenen Fraktionen häufiger oder seltener geantwortet haben (klammert man die AfD mal aus).

Man kann diese “Mindestimpfquote” durchaus berechnen und sie so darstellen, wie “Bild” es gemacht hat. Wenn die Rückmeldung aus den verschiedenen Fraktionen allerdings so unterschiedlich ist, birgt die Grafik aber eine große Gefahr, missverstanden zu werden – siehe die oben zitierten Reaktionen. Problematisch wird es, wenn im “Bild”-Artikel diese Quote, die lediglich die “sicheren Impf-Bejahungen” angibt, ins Verhältnis zur “aktuellen Impfquote in der gesamtdeutschen Bevölkerung” gesetzt wird (“Sie beträgt fraktionsübergreifend 64 Prozent und liegt damit etwa fünf Prozentpunkte höher als die aktuelle Impfquote in der gesamtdeutschen Bevölkerung (59 Prozent).”). Denn bei letzterer gibt es in der Regel keine ausbleibenden Antworten auf eine Anfrage. Hinzu kommt bei den “Bild”-Zahlen ein weiterer Schwachpunkt: Es handelt sich nur um Selbstauskünfte der Politikerinnen und Politiker.

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Matsch-Inszenierung bei RTL, Olympia, Amthors “Gaming Night”

1. RTL beurlaubt Flut-Reporterin Susanna Ohlen
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Die RTL-Reporterin Susanna Ohlen wurde dabei gefilmt, wie sie sich vor einer Schalte aus dem Hochwassergebiet offenbar für mehr Drama Matsch ins Gesicht schmierte. RTL hat die Moderatorin darauf freigestellt: “Das Vorgehen unserer Reporterin widerspricht eindeutig journalistischen Grundsätzen und unseren eigenen Standards. Wir haben sie daher direkt am Montag, nachdem wir davon erfahren haben, beurlaubt.”

2. Der männliche Blick auf Frauen
(deutschlandfunk.de, Isabelle Klein, Audio: 5:56 Minuten)
Heute starten die Olympischen Spiele in Tokio, mit erfreulichen Entwicklungen in Sachen Gleichberechtigung und gleicher Teilhabe von Mann und Frau: Erstmals in der olympischen Geschichte hätten in Tokio alle olympischen Sportarten eine männliche und weibliche Kategorie. Über alle Kategorien gerechnet betrage der Anteil der Frauen etwa 49 Prozent – so viel wie noch nie. Die Sportjournalistin Alina Schwermer erklärt im Gespräch mit dem Deutschlandfunk, warum es damit aber noch lange nicht getan ist.

3. Von der Regierung finanziert
(taz.de, Steffen Grimberg)
Beim privaten Lokalfernsehen Sachsen TV laufen Formate wie “Martin Dulig konkret” oder “MK Direkt” mit dem sächsischen Wirtschaftsminister Dulig beziehungsweise mit Sachsen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer. Steffen Grimberg kommentiert: “Nun ist Sachsen TV wie alle Medien natürlich frei in seinen redaktionellen Entscheidungen und muss sich nicht vorwerfen lassen, wen die Redaktion in ihre Sendungen einlädt. Doch die Sache hat einen Haken: Die Produktion dieser Sendungen wird vom Sächsischen Ministerium für Wirtschaft und Arbeit bezahlt.”

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4. MDR will Klimaberichterstattung ausbauen
(rnd.de)
Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) will seine Berichterstattung über den Klimawandel ausbauen. So plane man eine Art “Klimaherbst” für die Zeit nach der Bundestagswahl. Außerdem würde ab heute das wöchentliche multimediale “Klima-Update” erscheinen: “Einmal in der Woche gibt der Newsletter einen Überblick über alle wichtigen Infos zum Thema: Dazu zählen Hintergrundgeschichten, Interviews, Podcasts und Dokumentationen mit Beispielen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Auch passende Inhalte aus der ARD und darüber hinaus werden im Klima-Update vorgestellt.”

5. Facebook gefällt das nicht
(zeit.de, Lisa Hegemann)
Lisa Hegemann hat “Inside Facebook” gelesen, das jüngst erschienene Buch der “New-York-Times”-Reporterinnen Sheera Frenkel und Cecilia Kang. “Über Facebook ist so viel berichtet worden, dass sich Inside Facebook wie eine Zusammenfassung aller großen Skandale der vergangenen Jahre liest. Der Verdienst von Frenkel und Kang ist es, die vielen Probleme von Facebook in Beziehung zueinander zu setzen und detailliert aufzudröseln, wie die Anfänge des sozialen Netzwerks zu seinem heutigen Image beigetragen haben. Das Buch gewährt einen Blick hinter die ohnehin schon brüchig wirkende Fassade von Facebook. Das Beunruhigende: Dahinter sieht es offenbar noch schlimmer aus, als man ohnehin schon erwartet hatte.”

6. Wahlkampfspiele
(faz.net, Axel Weidemann)
Der Chef der Jungen Union, Tilman Kuban, und der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor hatten sich zur “Gaming Night” auf Twitch verabredet, bei der sie “ungeschönt und ohne Politsprech” mit der “Community” über Politik reden wollten. Ein Himmelfahrtskommando, wie Axel Weidemann in der “FAZ” findet: “Das ist so, als wolle man in einem Flugsimulator ein Gewitter durchfliegen und dabei mit einer Schulklasse in der siebten Stunde über die Probleme des deutschen Rentensystems diskutieren – auf Finnisch.”

Utøya-Attentat, Laschet-Fauxpas, Bitte kein “Runterbrechen”

1. 10 Jahre Oslo, Utøya und die Medien: Keine Islamfeindlichkeit weit und breit
(schantall-und-scharia.de, Fabian Goldmann)
Anlässlich des zehnten Jahrestages des Utøya-Attentats blickt Fabian Goldmann auf die mediale Berichterstattung von damals zurück: “Während die Jugendlichen auf der Insel Utøya noch vor dem Rechtsextremisten um ihr Leben rannten, klärten ‘Terrorexperten’ im TV schon über dessen ‘islamistischen Hintergründe’ auf. Selbst als kein Zweifel mehr an der rassistischen Motivation des Attentäters bestand, machten manche Kommentatoren noch Muslime und Linke als eigentlich Verantwortliche aus. Und einige Medienschaffende schafften es sogar, die Taten des Massenmörders zu entschuldigen.”

2. Warum über den Fauxpas berichtet werden muss
(deutschlandfunk.de, Samira El Ouassil, Audio: 4:13 Minuten)
Während einer Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Hochwassergebiet konnte man sehen, wie Armin Laschet, Kanzlerkandidat der Union und Ministerpräsident von NRW, im Hintergrund giggelte und kicherte. Ein Fehltritt, den Medien zum Gegenstand ihrer Berichterstattung machen dürfen? Oder ein Fauxpas, über den man großzügig hinweg gehen sollte? Die Kommunikationswissenschaftlerin und Kolumnistin Samira El Ouassil denkt laut über das Für und Wider beider Vorgehensweisen nach.

3. “Bild” stoppt freien Fall, “Zeit” und “Spiegel” wachsen digital
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Die neuen IVW-Auflagenzahlen der Printmedien sind draußen, und die Springer-Publikationen melden auf den ersten Blick gute Zahlen. Uwe Mantel hat näher hingeschaut und ordnet die Zahlen ein: “Bei der ‘Welt’ beträgt das Auflagen-Plus offiziell fast 6 Prozent – allerdings nicht, weil plötzlich viele Käufer zu dem Blatt zurückgefunden hätten, sondern weil die Zahl der Bordexemplare, die während des ersten Lockdowns massiv gefallen war, sich vervierfachte. Die harte Auflage lag trotzdem fast 17 Prozent im Minus.”

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4. “Das Geschäftsmodell von Facebook und Twitter verhindert eine vernünftige Debattenkultur”
(medienpolitik.net, Daphne Wolter)
Ruprecht Polenz, ehemaliger Generalsekretär der CDU, betätigt sich seit einigen Jahren in den Sozialen Medien und vor allem bei Twitter als politischer Kommentator. Er hat dabei mehr als 63.000 Followerinnen und Follower gewonnen. Im Interview mit medienpolitik.net spricht Polenz über die Debattenkultur auf Social Media, das Freund-Feind-Denken und die Gefahren der von den Plattformen gesteuerten Algorithmen: “Insofern teile ich die Einschätzung derjenigen, die sagen, dass in der Tendenz Soziale Medien eher die Wirkung haben werden, unseren demokratischen Diskurs zu zerstören – bei allem, was sie auch Positives ermöglichen. Wir dürfen uns nicht so große Hoffnungen machen, dass man das grundsätzlich ändern kann, solange die Algorithmen so funktionieren, wie sie das tun.”

5. Konkurrenz macht Netflix zu schaffen
(tagesschau.de)
Die “Tagesschau” hat sich die jüngsten Netflix-Zahlen angeschaut. Der Gewinn sei im Jahresvergleich um fast 90 Prozent auf 1,4 Milliarden US-Dollar in die Höhe geschnellt: “Die Einnahmen stiegen um fast 20 Prozent auf 7,3 Milliarden Dollar. Daraus ergibt sich eine Umsatzrendite von knapp 20 Prozent. Ein besseres Ergebnis erzielte der Konzern bisher nur im ersten Quartal dieses Jahres.” Trotzdem falle es dem weltgrößten Streaminganbieter immer schwerer, neue Abonnenten zu gewinnen.

6. Mut zur Zumutung!
(taz.de, Anne Haeming)
Anne Haeming hat genug von den Simplifizierungstendenzen mittels journalistischem “Runterbrechen”: “Das Publikum weiß, dass es unterschätzt statt geschätzt wird. Dass ein paar neue Formate neben das Oberflächenblabla drängen, ist ein Indiz: Schluss mit der Runterbrecherei. Mehr Mut zur Zumutung! Nach dem Dauer-Lockdown gilt: Wir alle wollen Zeit sinnvoll füllen. Und sicher nicht mit Häppchenjournalismus.”

Bauers Daniel-Küblböck-Lüge, “Welt” schrumpft, Händewaschen in Wien

1. “InTouch” hat zu Daniel-Küblböck-Lüge nichts zu sagen
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Der Bauer-Verlag geht bei der Jagd auf Klicks gerne mal über Leichen. Ein Beispiel: Ein besonders verwerflicher Versuch der Promi-Postille “InTouch”, mit dem verstorbenen Daniel Küblböck Reichweite und Kapital zu generieren. Medienkritiker Stefan Niggemeier hat den Fall dem Presserat gemeldet und Antwort erhalten: Der Bericht verletze die Wahrhaftigkeit und das Ansehen der Presse. Der Bauer-Verlag hat den Artikel daraufhin von der Website entfernt – mehr oder weniger achselzuckend.

2. Springer: Kürzungen bei “Welt”, “WamS” auch samstags
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Seit Jahren geht es bei der gedruckten “Welt” abwärts. Allein im ersten Quartal 2021 sei die harte Auflage – also die Summe aus Abo- und Einzelverkauf – um mehr als 20 Prozent auf nur noch 42.000 Exemplare gesunken. Nun hat der Axel-Springer-Verlag ein neues “redaktionelles Konzept” für die “Welt” angekündigt. Und das besteht anscheinend hauptsächlich darin, den Umfang der Zeitung zu reduzieren.

3. Die AfD läuft sich auf TikTok warm
(belltower.news, Thilo Manemann & Theresa Lehmann)
Die AfD habe es laut Thilo Manemann und Theresa Lehmann längst geschafft, sich in den großen Sozialen Medien Räume zu sicher, und versuche nun, das nächste Netzwerk zu erobern: “Gerade hier funktioniert aber die demagogische Sprache der Partei besonders gut, da sie viele Reaktionen hervorruft und so durch die Algorithmen größere Reichweite erhält. Nachdem es den Rechtsradikalen auf Facebook, Twitter und Instagram gelungen ist, Unterstützer:innen zu finden, heißt das neue Ziel TikTok.”

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4. Es gibt mehr Meinungsfreiheit als je zuvor – Wir müssen schauen, dass das so bleibt
(volksverpetzer.de, Constantin Huber)
Die Meinungsfreiheit sei vielleicht so frei wie noch nie, findet Constantin Huber in einem Gastbeitrag für den “Volksverpetzer”. Es müsse jedoch auch Gegenrede möglich sein: “Die Angst der Mehrheitsgesellschaft vor Kritik, wenn öffentlich Unsinn verbreitet wird, fußt auf falschen Prämissen. Das zur Verantwortung ziehen von Menschen, die Fragwürdiges äußern, das Hinterfragen von Privilegien & Machtstrukturen, das Eindämmen von sektenhaften Handhabungen und begründete Einschränken der Meinungsfreiheit sind nicht per se verwerflich, sondern in der Regel der Gesellschaft enorm dienlich.”

5. “Es sind strukturelle Probleme”
(taz.de, Volkan Ağar)
Daniela Kraus ist Generalsekretärin des in Wien ansässigen Presseclubs Concordia, der sich für unabhängigen Journalismus und die Interessen von Journalistinnen und Jour­na­lis­ten einsetzt. Im ihrem Gespräch mit der “taz” geht es um die massiven strukturellen Probleme bei der Unabhängigkeit (beziehungsweise der Abhängigkeit) der österreichischen Medienlandschaft. So nutze die Regierung ihre Inseratenpolitik als Druckmittel gegenüber Medien. Die Boulevardmedien führen im Gegenzug Kampagnen, “die entweder Abstrafung dafür sind, dass sie nicht genug Werbung bekommen, oder eine Drohgeste, damit mehr kommt.”

6. Der SPIEGEL – die Lage am Morgen: Korrekturhinweis
(spiegel.de, Martin Knobbe)
Der “Spiegel” ist auf eine satirische CDU-Fake-Gruppe hereingefallen. In einem Korrekturhinweis schreibt der Leiter des “Spiegel”-Hauptstadtbüros Martin Knobbe: “Wir haben heute in der »Lage am Morgen« auf eine angekündigte Pressekonferenz eines »CDU-Zukunftsrates« hingewiesen. Wie das Konrad-Adenauer-Haus mitteilt, handelt es sich offenbar um eine Fake-Gruppierung, kreiert von Klimaschützern.”

Aufstand bei der ARD, Abgewickelt, “Disziplinierung der Presse”

1. Aufstand bei der ARD
(sueddeutsche.de, Claudia Tieschky)
Bei der ARD existieren Pläne, die Sendezeiten für Politmagazine einzudampfen und den renommierten “Weltspiegel” auf einen unattraktiven Sendeplatz zu verschieben. Dagegen wehren sich nun Redaktionsleiter, Korrespondentinnen und freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Weiterer Lesehinweis: “Übermedien” dokumentiert den offenen Brief der Betroffenen: “Die geplanten Reformen würden die investigative, politische Berichterstattung deutlich beschneiden”.

2. Wegen IPO-Flaute: Beirat der Bundesregierung fordert “Disziplinierung der Presse”
(handelsblatt.com, Larissa Holzki, Klaus Stratmann, Michael Verfürden)
Der Beirat Junge Digitale Wirtschaft berät laut offizieller Beschreibung den Bundesminister für Wirtschaft und Energie aus erster Hand zu aktuellen Fragen der digitalen Transformation. Zu dieser Beratung gehört anscheinend auch die aktuelle Empfehlung, Medien vorschreiben zu lassen, wie und über welche Börsengänge sie berichten sollen. Ein “Erlass von Regeln zur Vermeidung einseitig diffamierender Artikel” soll der “Disziplinierung der Presse zu sachlicher, richtiger und vollständiger Information” dienen. Das Bundeswirtschaftsministerium habe sich auf Anfrage des “Handelsblatts” zunächst von Inhalten des Positionspapiers distanziert. Zu später Stunde sah sich der zuständige Minister Peter Altmaier noch zu einer eindeutigeren Stellungnahme gezwungen und twitterte: “Pressefreiheit ist ein herausragendes Grundrecht, dessen Schutz wir verpflichtet sind. Das Positionspapier des Beirates junge digitale Wirtschaft, war mir ebensowenig bekannt wie seine Veröffentlichung auf der Homegage. Ich habe soeben die umgehende Entfernung angeordnet.”

3. Die Verleger, die Abwickler und ich
(uebermedien.de, Klaus Ungerer)
Klaus Ungerer kann auf ein langes Berufsleben in der Medienbranche zurückblicken: Er war unter anderem Feuilletonist bei der “FAZ”, Satiriker bei “Spiegel Online” und Textchef beim “Freitag”. Nun hat er für sich eine Art persönliche Zwischenbilanz gezogen, und die ist nicht nur herausragend gut geschrieben, sondern verrät mehr über das Mediengeschäft als manch nüchterner Beitrag. Am Ende ist klar: Ungerer muss unbedingt weitermachen, sollte sich jedoch auf Bücher konzentrieren. Der “6-vor-9”-Kurator bestellt hiermit schon mal das erste Exemplar!

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4. Laschet-CDU hievt offenbar homophoben Verband in WDR-Rundfunkrat
(queer.de)
Laut einem “Spiegel”-Bericht (nur mit Abo lesbar) hat die CDU eine umstrittene Organisation in den WDR-Rundfunkrat gehievt: “Im Beirat des Verbands kinderreicher Familien sitzen ein Wissenschaftler mit völkisch-nationalistischen Ideen und ein Opus-Dei-Mitglied. Die CDU-Fraktion im NRW-Landtag unterstützte die Organisation trotzdem, nun hat sie Einfluss auf den WDR.”

5. Die Koalition der Hass-Bekämpfer
(deutschlandfunk.de, Tobias Nowak, Audio: 5:28 Minuten)
In der männerdominierten Gaming-Szene herrscht teilweise ein verachtender Ton gegenüber Frauen. Dem wollen die Digitalen Helden etwas entgegensetzen: “Wir thematisieren das Thema ‘Frauen in Games’, weil Frauen sprachlichen Anfeindungen ausgesetzt sind, weil es Grenzüberschreitungen gibt, weil es Beleidigungen, Hasskommentare im Internet gibt, aber eben auch in den Games selber.” Auf der Helden-Website gibt es verschiedene Angebote für mehr Medienkompetenz: Webinare, Lehr- und Informationsmaterialien und ein ganzjähriges Mentorenprogramm für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler. Aber auch bei den Konzernen tue sich etwas, wie der Deutschlandfunk berichtet.

6. Der deutsche Fußball und seine Reporter: Boah
(post-von-horn.de, Ulrich Horn)
Im Nachgang zur Fußball-Europameisterschaft kommentiert Ulrich Horn: “Die Krise der Teams, das lässt sich kaum noch verbergen, ist auch eine Krise der Fußballberichterstattung. Wer die Spiele der Nationalmannschaft bei ARD und ZDF am Fernseher verfolgt, erlebt seit Jahren bei der Übertragung zwei Inszenierungen in einer: das Spiel der Mannschaften und den Auftritt der TV-Bediensteten, der Reporter, Kommentatoren und Experten.”

Maaßens Gesinnungstest, Sportschau und Wettanbieter, Schmutzkampagne?

1. Maaßen fordert Gesinnungstest für “Tagesschau”-Personal
(spiegel.de)
In einem Interview bei TV Berlin hat der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsschutzes und aktuelle CDU-Bundestagskandidat Hans-Georg Maaßen gefordert, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der “Tagesschau” einem Gesinnungstest zu unterziehen. Angeblich gäbe es Verbindungen zwischen Teilen der “Tagesschau”-Redaktion und der linken und linksextremen Szene. Angesichts dieser verstörenden und hanebüchenen Aussagen kommentiert der ehemalige CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz auf Twitter: “Ich würde meiner Partei zu einem Ausschlussverfahren raten. Ja, auch im Wahlkampf. Gerade jetzt.” SPD, Grüne und Linke würden laut “Spiegel” ein Machtwort Armin Laschets fordern.

2. Jede Wette
(sueddeutsche.de, Lisa Priller-Gebhardt)
Die ARD-“Sportschau” hat sich den Wettanbieter Tipico als Werbepartner mit ins Boot geholt. Glücksspiel scheint in Deutschland ein enormes Wachstums-Potential zu haben. So habe sich zwischen 2013 und 2019 laut Deutschem Sportwettenverband der Umsatz der Branche von knapp vier auf fast acht Milliarden Euro verdoppelt. Bei Süddeutsche.de erklärt Lisa Priller-Gebhardt, warum die Kooperation von “Sportschau” und Wettanbieter aus ihrer Sicht gefährlich ist: “Für Suchtgefährdete heißt das, sie müssen nun auch mit Werbung für geschäftsmäßiges Tippen in den Öffentlich-Rechtlichen leben.”

3. Nein, liebe Grüne, das ist keine Schmutzkampagne, das ist normale Medienarbeit
(meedia.de, Stefan Winterbauer)
In Zusammenhang mit den Vorwürfen bezüglich der Buchveröffentlichung von Annalena Baerbock sprechen einige von “Rufmord” und einer medialen Schmutzkampagne. Stefan Winterbauer hält derlei Vorwürfe für Unsinn: “Die Vorgänge, die da kritisiert werden, sind ja alle wahr. Die Nebeneinkünfte wurden verspätet gemeldet, der Lebenslauf war aufgehübscht, im Buch finden sich abgeschriebene Passagen. Dass all dies grell ausgeleuchtet wird, das ist keine ‘Schmutzkampagne’. Das ist normale Medienarbeit.”

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4. EU-Ratspräsident torpediert Medienfreiheit
(reporter-ohne-grenzen.de)
Eine Untersuchung von Pressefreiheits- und Journalistenorganisationen unter Beteiligung von Reporter ohne Grenzen kommt zu dem Schluss, dass der seit Kurzem amtierende EU-Ratspräsident die Medienfreiheit in seinem Land torpediert: “Die slowenische Regierung hat es in nur 15 Monaten geschafft, die Lage der Pressefreiheit im Land ungarischen oder polnischen Verhältnissen anzunähern. Für Ministerpräsident Janša sind unabhängige Medien kein Bestandteil eines funktionierenden demokratischen Systems, sondern Oppositionskräfte, die bekämpft werden müssen. Diese Haltung darf auf keinen Fall zum Leitgedanken von Sloweniens Ratspräsidentschaft werden.”

5. Wer reguliert die Regulierer?
(zeit.de, Felix Stalder)
Felix Stalder arbeitet als Professor für Digitale Kultur an der Zürcher Hochschule der Künste. Für “Zeit Online” hat er Michael Seemanns neues Buch über “Die Macht der Plattformen” rezensiert: “Es ist eine der großen Stärken von Seemanns’ Buch, zwischen der strukturellen und politischen Analyse des Phänomens Plattform zu unterscheiden und damit die Frage der Regulierbarkeit sehr viel präziser stellen zu können, als dass dies in der Diskussion um ‘Geistiges Eigentum’ oder ‘Fake News’ zumeist geschieht.” Eine Schwäche des Buch sei der Begriffsapparat, der für die breite Öffentlichkeit zu überbordend und für die wissenschaftliche nicht präzise genug sei. Dennoch sei das Buch sehr lesenswert.

6. Christonormatives Radio
(taz.de, Mohamed Amjahid)
Mohamed Amjahid sind beim morgendlichen Hören der Morgenandacht des Deutschlandfunks zwei Fragen in den Sinn gekommen: “Was sagt es über die deutsche Medienlandschaft aus, dass die evangelische und die katholische Kirche exklusive Sendefenster in gemeinschaftlich finanzierten Programmen bekommen? Und was sagt es über die deutsche Medienlandschaft aus, dass andere (religiöse) Minderheiten dies nicht bekommen?”

Damals, als Julian Reichelt noch Wahlkampf für die Grünen machte

Die “Bild”-Redaktion hatte in der vergangenen Woche einen tollen Einfall, wie sie ihre Abneigung gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und ihre Abneigung gegen die Grünen in nur einem Artikel ausleben kann:

Ausriss Bild-Zeitung - Machen Wetterfrösche Wahlkampf mit Klima?

Ralf Schuler, Leiter des “Bild”-Parlamentsbüros, schreibt:

Eigentlich sollen sie nur das Wetter der nächsten Tage vorhersagen. Doch seit einiger Zeit erklären die Wettermoderatoren im Fernsehen immer öfter ausführlich die Temperaturkurven der letzten Jahre und den Klimawandel.

Als Beispiele nennt Schuler lediglich die Wettermoderatoren Karsten Schwanke (ARD) und Özden Terli (ZDF). Und fragt: “Sachliche Aufklärung oder heimlicher Klima-Wahlkampf?”

Die Antwort lässt er Hermann Binkert geben, einst selbst CDU-Politiker, zwischenzeitlich Mitglied der “Werteunion”, laut “Zeit Online” AfD-Spender und Chef des Meinungsforschungsinstituts INSA:

Fakt ist: “Je stärker das Thema Klimaschutz im Bewusstsein der Bevölkerung ist, desto eher werden die Grünen von der Kompetenz, die man ihnen hier zuspricht, profitieren”, sagt INSA-Chef Hermann Binkert.

Dazu drei Nebengedanken: 1. Wäre dann eine Zeitung, die ständig jene Themen auf der Titelseite platziert, die Rechtspopulisten in die Karten spielen, nicht genauso ein Wahlkampfblatt für die AfD? 2. Das klingt ja fast so, als würden die Grünen laut “Bild” als einzige Partei Antworten auf den Klimawandel haben. Und 3. Wenn Schuler nebulös von “seit einiger Zeit” spricht, ist schwer zu sagen, was er damit genau meint. Karsten Schwanke zum Beispiel hat im November 2018 für die ARD sehr anschaulich die Folgen des Klimawandels erklärt (und dafür eine Grimme-Preis-Nominierung erhalten). Damals war der Wahlkampf für die Bundestagswahl im September 2021 noch nicht so richtig im Gange.

Aber nehmen wir die “Bild”-Logik mal so hin.

Für unser Buch “Ohne Rücksicht auf Verluste” haben wir uns durch das gesamte Œuvre von Julian Reichelt gewühlt. Und dabei überraschende Seiten entdeckt. Denn vor einigen Jahren machte der heutige “Bild”-Chefredakteur und damalige “Bild”-Reporter Reichelt – jedenfalls nach “Bild”-Logik – selbst noch kräftig Wahlkampf für die Grünen. Am 10. April 2007 beispielsweise erschien in “Bild” dieser Artikel:

Ausriss Bild-Zeitung - Bild-Reporter Julian Reichelt mit dem WWF bei den Eisbären in der Arktis - Mensch, lass das Reich dieser Tiere nicht schmelzen

Schon nach dem Lesen des Einstiegs kann man gar nicht anders, als das Kreuz bei den Grünen zu setzten:

Durch arktischen Schnee, der unter meinen Polarstiefeln knirscht, stapfe ich auf ein Wunder zu.

Das Wunder des Lebens, das der eisigen Kälte trotzt (minus 20 Grad). 100 Meter schwere Schritte, 50 Meter, 10 Meter – und dann stehe ich vor ihnen. Zwei junge Eisbärbabys, die sich ins Fell ihrer Mutter kuscheln. Ich sehe das Blinzeln ihrer schwarzen Augen, die wie kleine Kohlestücke sind. Ich sehe das Zittern ihrer Nasen. Ich sehe, wie sich der Körper ihrer Mutter hebt und senkt.

Ich sehe den ganzen überwältigenden Zauber der Natur, der in den Händen des Menschen liegt. Den Zauber, den wir erhalten MÜSSEN.

Reichelts damalige “Lektion aus dem Eis”:

Die globale Erwärmung bedroht das, was unseren Planeten so einzigartig macht!

Warum überhaupt der Besuch beim Eisbär?

Weil sein Lebensraum langsam schmilzt, wurde der Eisbär zum traurigen Wappentier der Erderwärmung. Zum einsamen Helden der Klimakatastrophe. Deswegen hat BILD ihn besucht. Um zu zeigen, welch fantastische Natur wir riskieren, weil wir schneller Auto fahren, öfter fliegen, das Licht in der Wohnung länger brennen lassen wollen.

Als hätte er es direkt aus dem Wahlprogramm der Grünen abgeschrieben. Und so gibt es am Ende des Artikels noch mal einen eindringlichen Appell:

Aber schon am nächsten Tag werden wir eine Eisbärin ohne Junge finden. Ich werde mit meinen Händen das Fell berühren. Die dicken Strähnen, die rau sind vom Meerwasser.

Ich werde berühren, was wir bewahren müssen.

Acht Monate später legte Reichelt mit dem “erschütternden BILD-Report” nach:

Ausriss Bild-Titelseite - Der erschütternde Bild-Report - So machen wir unsere Erde kaputt

Die “Bild”-Redaktion startete zeitgleich die Aktion “RETTET UNSERE ERDE”, in Kooperation mit Greenpeace, dem BUND und WWF: “Darum müssen wir endlich handeln! ES GEHT UM DIE RETTUNG DER ERDE!”

Viel ist von alldem heute nicht mehr übrig. Stattdessen machen “Bild” und Julian Reichelt es nun schon zum Skandal, wenn Wettermoderatoren “ausführlich die Temperaturkurven der letzten Jahre” erklären.

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Offener Brief, Schlechterbezahlung belegt, Laschets verpasste Chance

1. Offener Brief der Autor:innen an die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten
(hoerspielkritik.de, Verband der Theaterautor:innen & Hans-Flesch-Gesellschaft, Forum für akustische Kunst)
Zahlreiche Autorinnen und Autoren befürchten für sie nachteilige Auswirkungen des neuen Medienstaatsvertrags und haben sich deshalb in einem offenen Brief an die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten gewandt: “Kunst und Kultur werden in den neuen Medienstaatsverträgen nicht mehr als Auftrag des Rundfunks definiert, sondern lediglich als ‘Angebote’. Die ARD nimmt damit Abschied vom Gedanken der Grundversorgung und wandelt sich schrittweise in einen quasi kommerziellen Anbieter um”. Und natürlich geht es dabei auch ums Geld: “Wir haben die Neugier auf Neues, wir schreiben die Serien, die Dramen und Komödien und auch die crossmedialen Formate des 21. Jahrhunderts. Aber wir nehmen es nicht hin, dass wir nach Honorarbedingungen aus einem anderen Zeitalter bezahlt werden.”

2. Ein Modell mit Schwächen – und Gefahren
(tagesschau.de, Wulf Rohwedder)
Die Idee klingt zunächst gut: “Publikum ist eine Plattform für Schreibende und ihre Leserschaft. Wir bieten Schreibenden die Tools, um mit ihren Texten Reichweite zu bekommen und auch für ihre Arbeit vergütet zu werden.” Das muss sich jedenfalls das Bundesministerium für Wirtschaft gedacht haben, das das Projekt in sein Förderprogramm für innovative Geschäftsmodelle aufgenommen hat. Doch die Macher und Macherinnen scheinen mit der Sichtung der eingereichten Beiträge teilweise überfordert zu sein. Immer wieder würden problematische Inhalte auf der Seite landen.

3. Weiterer Erfolg im Equal Pay-Verfahren: Schlechterbezahlung belegt, Klägerin setzt nun auf Bundesverfassungsgericht
(freiheitsrechte.org, Janina Zillekens)
Bis zum Bundesarbeitsgericht musste sich eine Journalistin hochklagen, um vom ZDF in Form einer Gehaltsauskunft bestätigt zu bekommen, dass vergleichbare männliche Kollegen im Mittel erheblich mehr verdienen. Nora Markard hat das Verfahren für die Gesellschaft für Freiheitsrechte juristisch begleitet: “Die Auskunft erhärtet nicht nur den Diskriminierungsverdacht, sondern zeigt auch, dass der Klägerin jährlich bis zu 18.000 Euro entgehen – das sind ganz erhebliche Summen. Das erklärt, warum der Sender sich bisher mit Händen und Füßen gegen die Auskunftspflicht gewehrt hat.” Sachliche Gründe, warum die Männer mehr verdienen, habe das ZDF bislang nicht überzeugend vortragen können.

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4. Funktioniert das Gendersternchen (und wie)?
(sprachlog.de, Anatol Stefanowitsch)
Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch fasst die Ergebnisse einer Studie über das Gendersternchen zusammen: “Das ‘generische’ Maskulinum ist nicht geeignet, uns neben Männern auch an Frauen denken zu lassen (keine Überraschung, das wissen wir schon lange). Außerdem denken wir bei (fast) jeder sprachlichen Form hauptsächlich an Männer (auch das ist schon lange bekannt). Aber: Das Gendersternchen erhöht signifikant die Wahrscheinlichkeit, dass wir auch an Frauen denken – allerdings nicht stärker als die traditionelle Doppelform (und nicht so stark wie das Binnen‑I)! Wir können also ebensogut weiterhin die Doppelform (Musikerinnen und Musiker) verwenden, um den Effekt des Gendersternchens (Musiker*innen) zu bekommen.” In Bezug auf das Problem der Unsichtbarkeit nicht-binärer Menschen sei das Gendersternchen nicht die Lösung, sondern nur ein erster Schritt.

5. Laschet sagt Kanzlerkandidaten-Runde mit Rezo und Tilo Jung ab
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Den Youtubern Rezo und Tilo Jung ist es nach eigenen Angaben gelungen, Olaf Scholz, Spitzenkandidat der SPD, und Annalena Baerbock, Spitzenkandidatin der Grünen, für ein Online-Kanzlerduell auf Youtube und Twitch zu gewinnen. Von Armin Laschet (CDU) gab es jedoch eine Absage, was von vielen als Kneifen und verpasste Chance empfunden wurde. Hendrik Zörner vom Deutschen Journalisten-Verband kommentiert in eine ähnliche Richtung: “Nun kann man ja zu Rezo und Jung stehen, wie man will. Aber klar ist, dass sie Interviews anders führen als die meisten Journalisten des Berliner Politikbetriebs und damit den Journalismus bereichern. Und sie erreichen junge Menschen – auch und gerade solche, die sich ausschließlich in Social Media informieren. Ein Triell auf Youtube wäre eine gute Ergänzung zu den Fragerunden der öffentlich-rechtlichen und privaten Sender gewesen.” Die CDU habe gegenüber netzpolitik.org darauf verweisen, dass “viele digitale Formate für alle Zielgruppen von jung bis alt” mit Laschet geplant seien.

6. ARD, ZDF und die Frage: Ist unser Fernsehen zu Nostalgie-beschwipst?
(dwdl.de, Peer Schader)
Peer Schader beschäftig sich in seiner aktuellen Medien-Kolumne mit dem “Nostalgiefernsehen-Fernsehen”. Mit liebevoller Wehmut denkt er an die guten, alten Zeiten des linearen Fernsehens zurück und fragt sich: “An was aber erinnern sich Menschen in 30 oder 40 Jahren dann aus dem Programm von heute? Welche Show aus diesem irren Jahr 2021, in dem die erste Pandemie des Jahrhunderts zu Ende ging, läuft zu Ostern in der Wiederholung? Und auf welchem Gerät überhaupt?”

7. Shitstürme und Fake News in unsozialem Medium: Das BILD-kritische Buch von Mats Schönauer und Moritz Tschermak
(scilogs.spektrum.de, Markus Pössel)
Ausnahmsweise ein siebter Link, da in eigener Sache: Bei den “SciLogs” stellt Markus Pössel das “Bild”-kritische Buch meiner BILDblog-Kollege Moritz Tschermak und Mats Schönauer vor: “Wer sowieso schon nach dem Max-Goldt-Zitat von BILD als ‘Organ der Niedertracht’ gehandelt hat, wird sich durch die von den Autoren zusammengetragenen und dokumentierten Beispiele bestätigt sehen.”

KW 24: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, endlich Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Samstagsausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Cui Bono: WTF happened to Ken Jebsen?
(ardaudiothek.de, Audio)
Wer wenig Zeit hat und nur eine Empfehlung von dieser Liste mitnehmen will: Hier ist sie! Die Produktion über die Verwandlung von Ken Jebsen vom aufstrebenden Radiomoderator zum berühmt-berüchtigten Verschwörungsideologen ist großartig umgesetzt. Die Macherinnen und Macher haben mit vielen Zeitzeugen gesprochen und sind erkennbar bemüht, ein möglichst facettenreiches Bild von der Person Jebsen zu zeichnen (jedenfalls in den ersten zwei bislang abrufbaren Folgen). Absoluter Hörtipp!

2. Verdacht: Kritische Artikel gegen Spenden gelöscht
(youtube.com, Zapp – Das Medienmagazin, Video: 9:20 Minuten)
Arndt Ginzel berichtet für das Medienmagazin “Zapp” über einen äußerst bemerkenswerten Fall: Ein Finanzjournalist soll Leuten, deren Produkte in seinen bewertenden Artikeln schlecht wegkommen, das Löschen der für sie nachteiligen Beiträge anbieten – gegen eine Spende an die Leipziger Tafel. Was sagen die Tafel-Verantwortlichen dazu? Was sagt der Deutsche Journalisten-Verband zu dem Fall? Und was ist strafrechtlich von der Sache zu halten?

3. Kanzlerduell auf YouTube mit REZO?
(youtube.com, Rezo, Video: 14:36 Minuten)
Die Youtuber Rezo und Tilo Jung wollten gemeinsam ein Online-Kanzlerduell organisieren und hatten dafür nach eigenen Aussagen bereits Unterstützungszusagen von Youtube und “Zeit Online” als technische Dienstleister beziehungsweise Ausrichter. Von Annalena Baerbock (Grüne) und Olaf Scholz (SPD) sei ebenfalls grünes Licht für die Veranstaltung gegeben worden, von Armin Laschet (CDU) sei hingegen eine Absage gekommen. Im Video erzählt Rezo den “Verhandlungsverlauf” zwischen den Beteiligten nach.

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4. Buchvorstellung: Influencer – Die Ideologie der Werbekörper
(youtube.com, AStA der Universität Bonn, Video: 1:55:50 Stunden)
Wolfgang M. Schmitt rechnet in seinem Buch “Influencer: Ideologie der Werbekörper” (Co-Autor: Ole Nymoen) mit – der Titel verrät es schon – dem Geschäftsmodell der Influencer ab. Auf Einladung des AStA der Universität Bonn stellt Schmitt sein Buch vor und analysiert die Ökonomie und Ideologie der Influencer.

5. Neue Boulevardmedien und parteiische Medien: Diskussion der Initiative Qualität im Journalismus
(youtube.com, IQ Journalismus, Video: 1:32:49 Stunden)
Die Initiative Qualität im Journalismus hat einen Livetalk über “Neue Boulevardmedien und parteiische Medien” veranstaltet. Es geht dabei um die Fragen: Was bedeutet Aktivismus für den Qualitätsjournalismus? Was bedeuten die Entwicklungen am Medienmarkt für den Qualitätsjournalismus? Und was verändert sich dadurch im Journalismus? Es diskutieren Alexandra Föderl-Schmid (stellvertretende Chefredakteurin der “Süddeutschen Zeitung”), Michael Roither (Professor für Digitale Medien und Kommunikation), Thomas Walach (Chefredakteur “ZackZack”) und Ivo Mijnssen (Korrespondent Zentral- und Osteuropa für die “NZZ”).

6. “Ein Sumpf aus systemischer Korruption”
(falter.at, Video: 41:31 Minuten)
Florian Klenk, Chefredakteur des österreichischen “Falter”, hat sich mit dem ehemaligen “Krone”-Ressortleiter Thomas Krems unterhalten. Wie funktioniert Österreichs auflagenstärkstes Boulevardblatt? Und wie schafft es Bundeskanzler Sebastian Kurz, das Blatt für sich einzuspannen? Krems packt in gnadenloser Offenheit aus und erzählt von seinen ersten Begegnungen mit dem heutigen Bundeskanzler, der Macht der Verlegerfamilie Dichand sowie der “Inseratenkorruption” in Österreich.

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